Ausgabe 
26.8.1939
 
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Italien für jeden Kall gerüstet.

Zwei weitere Jahrgänge einberufen.

Rom. 25. Aug. (D3tB.) Die I a h r e s t l a s f e n 1903 unb 1913 sind als Vorsichtsmaßnahme f ü r den 3. September einberufen worden. Damit befinden sich nunmehr, abgesehen von den Spezialisten verschiedener Jahrgänge. 12 Jahres- klassen des Heeres unter den Waffen. Die Marine und die Luftwaffe haben be­reits feit dem 21. August ihre volle Kriegs­stärke fast erreicht. Auch die f a s ch i st 1 s ch e Miliz Hal 38 Bataillone unter die Waffen gerufen.

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Die Einberufung zwei weiterer Jahresklassen wird von der römischen Presse als eine durch die erhöhte Kriegsgefahr bedingte Vorsichts­maßnahme bezeichnet.Giornale d'Jtalia" erklärt unter der UeberschriftWorte und Taten", was die lange Rede Chamberlains anbelange, so könne seine scheinheilige Methode niemanden mehr dar­über Hinwegtäuschen, daß England in Wirklichkeit nur seine eigenen imperialistischen Interessen verteidige. Das provokatorische pol« nische Vorgehen stelle geradezu eine krasse Ver­letzung des Danziger Statuts dar. Einen ebenso krassen Rechtsbruch begingen Frankreich und Großbritannien mit der Unterstützung, die sie Polen bei seinem rechtswidrigen Vorgehen zuteil werden ließen. Diese Tatsache müsse heute genau fixiert werden, denn sie lasse die wahren, wohl durchdach­ten offensiven Absichten der Einkrei- ungsmächte klar erkennen. Italien ist auch in diesem ernsten Augenblick im Vertrauen aufl seinen Geist und seine Macht ruhig und gefaßt. Seine von Mussolini geleitete Außenpolitik beruhe auf der Achse und auf der Verteidigung der italienischen Interessen, die, wenn sie auch in London und Paris noch ignoriert würden, doch anerkannt werden müßten. Roosevelts sogenannteVotschaf- t e n", so erklärt das Blatt ferner, seien nichts als eine Wiederholung des bekannten Ma­növers vom April d. I. Indem Roosevelt seine bekanntenBotschaften" außer an Polen nur noch an Italien und Deutschland gerichtet habe, habe er

wiederum den beiden Achsenmächten die Verant­wortung für die europäische Lage zu­schieben wollen. Die Verantwortung laste aber in Wirklichkeit schwer auf den imperialen Demo­kratien, den Urhebern der Einkreisungspolitik.

Unter der SchlagzeileDie Stunde der Entschei­dungen, der Kreuzzug der Gerechtigkeit" schreibt die Sera", die Herausforderungen Polens und seine Unterstützung durch England und Frankreich gestal­tet die Lage Europas äußerst kritisch. Kein törichter Versuch, die autoritären Staaten zu überfallen, werde die Revision und Gerechtigkeit aufhalten. Die Engländer und Franzosen seien die heuchleri­schen Komplicen von Warschau, ja seine Auftraggeber. Eine Mahnung Englands und Frank­reichs an Polen hätte genügt, um den Konflikt zu vermeiden. Die Verantwortung falle auf diejenigen Regierungen und ihre Komplicen, die Warschau zum Ausgangspunkt ihres ideologi­schen Krieges gemacht hätten. Italien erschrecke nicht. Italien hoffe, daß der Krieg im letzten Augen­blick vermieden werden könne. Wenn es aber zum Kriege komme, werde Italien sich bis zum Siege der Gerechtigkeit und Ehre an die Seite des verbündeten und befreundeten deutschen Volkes stellen.

Aus des Bessers Schneide.

DieStampa" schreibt, die sich überstürzenden Ereignisse sprächen für sich. Da.von den beteiligten Mächten Polen, Frankreich -und England kein Schritt unternommen werde, der die Möglichkeit eines wahren Friedens ermögliche» erwarte man von Stunde zu Stunde, daß das Schicksal sei­nen Lauf nehme. Die Vorschläge Roosevelts seien unausführbar zur Lösung einer solch verwickelten Frage wie Danzig und Korridor, die zudem nur eine Seite der schweren Krise dar­stellt, die in 20 Jahren voller Ungerechtigkeiten ent­standen sei. Es sei ein Einlenken der für diese Un­gerechtigkeiten verantwortlichen Staaten nötig, aber London und Paris blieben taub, heute stehe die Entscheidung auf des Messers Schneide.

Der Aiederbruch des Pfundes.

Verwirrung an den internationalen Devisenmärkten. - Flucht in die Sachwerte.

In einer poMsch und wirtschaftlich gleichmäßig kritischen Zeit hat England das Davonrut­schen seiner Währung gestatten müssen. Am Freitag sank das englische Pfund um w e it e r 6 v. h., nachdem es eine ähnliche Wert- vermindenmg bereits in denMünchener Tagen" erfahren hatte. Der gesamte Wertverlust des Pfun­des beträgt also 12 v. h. seit einem Jahre. Der englische Währungsfonds hat offenbar aus Man­gel an Mitteln jede Stützung aufgegeben. In einem amtlichen Kommuniquä wird erklärt, daß Groß- dritannien nicht in der Lage ist, weitere Gold­mittel zur Stützung des Pfundkurses freien geben, um im Falle kriegerischer Verwicklun­gen über die notwendige Kaufkraft zu verfügen. An den Märkten wurden diese Nachrichten als Zeichen dafür ausgenommen, daß die mit der Stei­gerung der Bankrate Nicht verhütete Flucht aus dem englischen Pfund weitergeht und daß eine for­cierte inflationistische Entwicklung bevorsteht, deren Auswirkung sich in ganz kurzer Zeit m der ganzen britischen Wirtschaft bemerkbar machen muß.

Die am 24. August verkündete Erh öhun g des englischen Diskontsatzes auf 4 v. h., die durch Erhöhung der Verzinsung einer Anregung für ausländische Gelder zum weiteren Verbleiben in englischen Banken darstellen sollten, war glatt­weg ein Schlag in s Wasser. Amsterdam mel- bete am Freitag:Pfunde sind so gut wie un­verkäuflich, ebenso französische Francs." Der

Dollar notierte in Amsterdam am Freitag mit 1,87 (am Vortag 1,86VH und war zu diesem Kurs stürmisch gefragt. Alle anderen Valuten waren angeboten. Das Pfund notierte gegen elf Uhr mit 8,65 Gulden (am Vortag 8,71V«). Umsätze wurden nicht gemeldet.

In den skandinavischen Ländern hat der Pfundsturz ebenfalls größte Bestürzung hervor­gerufen, weil die skandinavischen Länder der Ster­ling-Währungangehängt" sind. Stockholm hat am Freitag das Devisengeschäft geschlossen und wird auch am 26. August keine ausländischen Zah­lungsmittel handeln. Die englischen Staatsschuld­verschreibungen sind im weiteren Absinken, dagegen werden Weizen und Gummi in London höher notiert.

Auch die Kurse von Industrie-, Kohlen- und Del» aktien sowie anderer Sachwertmittel beginnen sich bereits scharf nach oben zu bewegen.

Durch die Diskonterhöhung ist England des Vor­teils desbilligen Geldes" verlustig gegangen. Die eindringlichen Bitten Chamberlains, Gold- und De­visenkäufe zu vermeiden, sind wirkungslos verhallt. In England befinden sich noch erhebliche Flucht­kapitalien, die jetzt schleunigst die Gefahrenzone zu verlassen suchen. Eine Voraussicht über die noch bevorstehenden Erschütterungen des Pfundes ist des­halb unmöglich. Den Zustand der Pariser Börse umschreibt das galgenhumorige Wort:Schlecht, aber nicht katastrophal." Die Berliner Börse ist fest.

die kollektive Sicherheit. Aber immer deutlicher ent- puppten sich die eingeschworenen Pazifisten in Paris und London als ärgste Kriegshetzer, die ihrem Imperialismus aus reinen Opportunitätsgründen ein pazifistisches Mäntelchen umhängten. Moskau erkannte mehr und mehr die ihm zugedachte Rolle, für die reaktionären Mächte in ihrem Kampf gegen eine vernünftige Neuordnung Europas durch Be­seitigung der Ungeheuerlichkeiten von Versailles die Kastanien aus dem Feuer zu holen. Die Erfah­rungen mit Spanien uyd der Tschecho-Slowakei schließlich haben gewiß nicht verlocken können, eine Politik fortzusetzen, die Moskau nichts als Ent­täuschungen eingetragen hat. Auch in den letzten sich monatelang hinziehenden Verhandlungen in Moskau, die von dem Bemühen der Westmächte ge­tragen waren, die Sowjetunion in die Einkrei­sungsfront einzubeziehen, wurde die Unaufrichtig­keit der demokratischen Politik offensichtlich. Man wollte zwar die ungeheuren Reserven Rußlands vor den eigenen Kriegswagen spannen, selbst aber scheute man vor Uebernahme irgendwelcher Der- plichtungen zurück. Der rein imperialistische Cha­rakter derFriedensfront" blieb auch hinter den heuchlerischsten Phrasen britischer Friedensapostel nicht länger verborgen. Man hat im Kreml aus dieser Erkenntnis mit bemerkenswerter Entschlossen­heit die Folgerungen geigen. Der Sturz Litwi­nows und die Uebernahme des Außenkommissariats durch Molotow, den Vorsitzenden des Rats der Volkskommissare bedeutete bereits die entscheidende Wende, ohne daß man dies freilich in Paris und London begriffen hat, obwohl Stalin selbst in der Kritik an den diplomatischen Methoden der Demo­kratien kein Blatt vor den Mund nahm. Die Ueber- prüfung der weltpolitischeen Lage ergab, daß Ruß­land kein Interesse daran haben könnte, sich in die Einkreisungsfront der autoritären Mächte verstrickt zu sehen. So war auch in Moskau die Zeit reif für den Versuch, das deutsch-russische Verhältnis zu bereinigen und damit zu außenpolitischen Tradi­tionen zurüzulenken, die mehr als ein Jahrhundert hindurch von beiden Völkern als die besten Bürg­schaften zur Erhaltung des Weltfriedens betrachtet worden find.

Der deutsch-russische Nichtangriffs- und Konsultationspakt vom 23. August leitet einen neuen Abschnitt in der Geschichte beider Völ- ter ein und schafft darüber hinaus eine ganz neue weltpolitische Situation. Der Pakt, der mit der Un« terzeichnung in Moskau bereits in Kraft getreten ist, geht von jenem Neutralitätsvertrag vom 24. April 1926 aus, der den Zweck hatte, Deutschland, das soeben mit den Westmächten die Locarnvver- träge geschlossen hatte und der Genfer Liga bei* getreten war, aus einem etwa gegen die Sowjet­union gebildeten Angriffsblock herauszuhalten. Der neue Pakt geht weit darüber hinaus. Er verpflich­tet in feinem ersten Artikel beide Vertragspartner, sich jedes Gewaltaktes, jeder aggressiven Handlung und jedes Angriffs gegen einander sowohl ein­zeln als auch gemeinsam miteinander zu enthalten. Weitere Artikel ergänzen diese Verpflichtung dahin, daß die Vertragspartner auch feine dritte Macht unterstützen werden, die kriegerische Handlungen gegen den einen der vertragsschließende Teile planen und sich auch nicht an Mächtegruppierungen beteiligen werden, die sich mittelbar oder unntittel- dar gegen den anderen Vertragspartner richten. Die aktuelle Bedeutung gerade dieser Vertragsbe­stimmungen wird deutlich. Die klaren Formulie- rangen erlauben keinen Zweifel, und vergebens werden die Freunde Polens die erhoffte Klausel suchen, die eine vorzeitige Auflösung des Vertrages ermöglicht, wenn einer der beiden Teile in einen kriegerischen Konflikt Mit einem gemeinsamen Nach­barn gerät. Damit ist es nichts, es gibt keine Hin­tertüren in diesem Dokument, das in allen Punk­ten von größter Aufrichtigkeit diktiert ist und für keinerlei Vorbehalte Raum gibt. Aber es ist nicht nur eine eindeutige Absage Rußlands an die Be­strebungen der demokratischen Einkreisunassront, sondern bringt in dem Beschluß, künftig fortlau- send durch gegenseitigen Meinungsaustausch Mit­einander in Fühlung zu bleiben, den Wunsch nach enger Zusammenarbeit zum Ausdruck, die bereits in früheren Zeiten sich überall dort, wo gemein­same Interessen berührt waren, für beide Völker außerordentlich fruchtbar und segensreich ausge­wirkt haben.

Man erinnert sich, daß die Geschichte der deutsch- russischen Abmachungen bis in das Jahr 1762 zu­rückreicht, also in das letzte Jahr des Sieben« jähriaen Krieges, als nach dem Tode der Kaiserin Elisabeth ihr Nachfolger Zar Peter III. nicht nur mit Friedrich dem Großen Frieden schloß, sondern ihm auch Hilfstruppen zur Verfügung stellte. Ein halbes Jahrhundert später, am 27. Februar 1813, kam bann das deutsch-russische Bündnis gegen den ersten Napoleon zustande, das die Befreiungskriege einleitete, Deutsche und Russen in zahlreichen Schlachten Seite an Seite sah und den Zusam­menbruch der Herrschaft des Korsen zur Folge hatte. Die in den Befreiungskriegen geschlossene Freundschaft Mit Rußland blieb bas bestimmende Moment der preußischen Politik bis zum Ende des Jahrhunderts. Welchen Wert auch Bismarck auf ein vertrauensvolles Verhältnis zu Rußland legte, ist noch in aller Erinnerung. Am 18. Juni 1887 schloß er mit Rußland jenes Abkommen, bas als Rück- Versicherungsvertrag neben dem Bündnis Mit Oesterreich-Ungarn und Italien in die Ge­schichte eingegangen ist. In diesem Vertrag sicher­ten sich beide Partner wohlwollende Neutralität zu, falls einer von ihnen von einer dritten Macht an­gegriffen werbe. Trotz russischer Bereitwilligkeit wurde nach dem Sturz Bismarcks der Vertrag im Jahre 1890 von Caprivi, auf Rat Holsteins, nicht erneuert, weil dieser meinte, das Reich sei stark genug, um der Anlehnung an Rußland entraten zu können. Damit war eine wichtige Masche in dem Bündnisnetz gelockert, bas Bismarck feinen Nach- folgern hinterlassen hatte. Bismarck hat es lebhaft beklagt, daß unter ihren Händen der Draht nach Rußland riß und der Alpdruck der Koalitionen, der die Sorge seiner schlaflosen Nächte gewesen war, seine Epigonen so wenig beunruhigte. Damals bahnte sich Frankreichs Annäherung an Rußland an, die 1891 zum Bündnis führte, es war der Grundstein zur Entente des Weltkrieges

T i r p i tz , der Begründer der deutschen Dor- Kriegsflotte, ein Staatsmann von klarem politi­schem Weitblick, hat von dieser deutsch-russischen Entfremdung und der Eingliederung Rußlands in die Einkreisungsfront Eduards VIL gesagt:Ich weiß nicht, ob die Weltgeschichte ein Beispiel grö­ßerer Verblendung kennt, als die gegenseitige Ver­nichtung der Deutschen und Russen in majorem gloriam der Angelsachen".

Nach dem Weltkrieg trat Deutschland wieder in Zusammenhang mit der Konferenz von Genua zu Rußland in nähere Beziehungen. Es war für die in Genua versammelten Staatsmänner eine ähnliche Ueberraschung, wie ihnen der Pakt vom 23. August 1939 bereitet hat, als am 16. April 1922 der Ver­

trag von Rapallo bekannt wurde. Auch synst enthält er eine interessante Parallele zur. Gegen­wart. Denn er verhinderte die Eingliederung Ruß­lands als Reparationsgläubiger in die Front von Versailles, was die Entente dadurch zu erreichen trachtete, daß sie die russischen Entschädigungs­ansprüche auf Deutschland abzuwälzen suchte. Im Vertrag von Rapallo verzichteten beide Partner auf Ersatz der beiderseitigen Kriegskosten und zogen da­mit der Entente den Boden unter den Füßen fort. Den weiteren Vertrag vom 24. April 1926 haben wir schon erwähnt, er ist der Ausgangspunkt des neuen Paktes, der Bismarcks klassische Konstellation wiederherstellt, die zu verhindern das wichtigste Ziel der englischen Europapolitik seit 1890 gewesen ist. Immer wieder und wieder haben mir den Eng­ländern klar zu machen versucht, daß bei vernünf­tiger Abgrenzung unserer Interessen es kein Pro­blem geben könnte, das Anlaß zu einem zweiten Waffengang zwischen den beiden Völkern werden müsse. England hat als einzige Antwort nur seine Einkreisungsbemühungen verdoppelt unb sich blind aller möglichen Folgen seiner sturen Politik ver­schlossen. Den deutsch-russischen Gegensatz hatten die englischen Politiker so selbstsicher als konstante Größe in ihre Berechnungen eingesetzt, daß sie nun aus allen Wolken fielen, als die deutsch-russische Verständigung bekannt wurde.

Aber es hat nicht den Anschein, als ob man in London begriffen hätte, daß die durch den Moskauer Pakt vom 23. August geschaffene neue weltpolitische Situation der englischen Politik noch eine vielleicht letzte Chance gebe, aus der Sackgasse wieder heraus zu kommen, in die sie das Britische Reich und fein französischer Verbündeter mit ihrer voreiligen Garantie für Polen hineinmanövriert hat. Die Blankovollmacht, die man den Polen erteilt hat, hat diese zu wahren Orgien des Größenwahns auf­gestachelt. Aber vor allen Schändlichkeiten der Polen gegen das Deutschtum in den Grenzprovinzen, den frechen Provokationen des deutschen Nachbarn, der unerträglichen Belastung der Lage durch die pol­nischen Mobilmachungsmaßnahmen verschließt man in London die Augen, finden englische Staatsmän­ner nur salbungsvolle Phrasen, die für die Polen nur eine neue Aufforderung sind, die Spannung Zum Aeutzersten zu treiben. Früher hat man in England über die Polen einmal anders gedacht Der ehemalige Ministerpräsident Lloyd George heu^c einer der fanatischsten Hasser des national- sozialistischen Deutschlands, erklärte vor genau zehn Jahren im Unterhaus.Elsatz-Lothringen bat den letzten Krieg in Europa hervorgerufen. Po­len hat folgende Elsah-Lothringen: Ostgalizien, Weißrußland, Wilna, den Korridor und Schlesien.'

Aber noch ist es nicht zufrieden. Es will als sechstes Elsaß-Lothringen Danzig hinzufügen. Im Augen­blick erobert es Danzig durch Maueranschläge. Aber es ist nur ein Anfang. Die wirkliche Gefahr für den europäischen Frieden ist die Tatsache, daß sich von den 27 Millionen Menschen in Polen 9 Millionen Russen, Litauer, Ukrainer und Deutsche durch die Gewalt der Waffen heute in Polen befinden, die meisten von ifynen trotz dem Einspruch des Völker­bundes und des Obersten Rate Bildet sich etwa irgend jemand ein, daß dieser Zustand von Ruß­land und Deutschland, wenn diese beide wieder zur Macht gekommen sind, akzeptiert werden wird? Wenn aber dieser Augenblick kommt, was wird b i e englische Stellung fein? Ich hoffe, baß wir nie­mals den Gedanken der Schiebsgerichtsbarkeit auf diese mit Explosivstoffen geladenen Verträge in Ost­europa und auf die Anerkennung dieser polnischen Annexionen anwenden werden." So weit Lloyd George vor zehn Jahren. Heute hält England seine Hand über dies selbe Palen und sucht durch seine Garantie diese polnischen Annexionen zu schützen, obwohl die englischen Lebensinteressen heute wie vor zehn Jahren weitab von den osteuropäischen Dingen liegt, in die es sich einmischt. So fällt auf die englischen Staatsmänner, die trotz allem Dor- gefallenen an ihrer Garcmtiep'olitik Polen gegenüber festhalten, die volle Verantwortung für alle Folgen, die aus dem Abenteuer, in das Polen sich zu stürzen im Begriff ist, entstehen.

Fr. W. Lange.

Holland trifft vorsorgliche Mahnahmen

A m ft e r b a m , 25. Aua. (DNB.) In Hollanb sind eine Reihe von Vorsorgemaßnahmen ge­troffen worden. So würben di e großen Mu­seen geschlossen und gegen englische lieber« fälle aus der Luft durch Sandsäcke geschützt. Ver­schiedene niederländische Schiffe haben den Auf­trag erhalten, über Stagen bie Oft fee z u ver­lassen. Nach Mitteilung des Kommandanten des ßuftDerteibigungsfreifes Amsterdam sind gestern abend alle Flakbatterien um Amsterdam i n Stellung gebracht worden. Allgemein wird gehofft, daß trotz der drohenden Lage England die Dinge nicht überspitzen wird. BeimMann auf der Straße" herrscht die Auffassung vor, Deutsch­land und Rußland müßten die polnische Angelegenheit regeln und England solle sich nicht in Dinge mischen, die es nichts angeht.

Der holländische Regierungspressedienst teilt mit, daß verschiedentlich im Auslande Auffassungen ver­breitet worden seien, die Zweifel an dem unbeug- jamen njeberländij chen Neutralitäts-

Bekanntmachung der Reichsbahn.

Am Bahnhof Gießen ist folgende Bekanntmachung durch Anschlag veröffentlicht worden:

Aus betrieblichen Gründen muh in den nächsten Tagen die Zahl der Züge vermindert werden. Der eingeschränkte Fahrplan der Reisezüge wird durch Aushang bekanntgegeben. Bom 2 7. August 1939ablbllhr hat keine Privat, person mehr Anspruch auf Beförderung. Die Reichs, bahnverwaltung übernimmt keinerlei Ge. währ für Weiterbeförderung der Rei. senden zu den auf der Fahrkarte bezeichneten Zielbahnhöfen. Die Beförderung von Privatgütern wird von sofort ab nur noch in beschränktem Um. fange zugelassen. Die näheren Bestimmungen übet die Annahme sind in einem besonderen Aushang veröffentlicht. Die Lieferfristen sind aufgehoben. Nähere Auskünfte erteilen die Bahnhöfe.

willen erweckt hätten. Hierzu liegt nicht bie ge­ringste Veranlassung vor. Die Niederlande würden im Falle eines bewaffneten Konfliktes ihre Neu­tralität, auch in der Luft, uneingeschränkt mit allen verfügbaren Mitteln behaup. t e n.

England steift den Polen erneut den Rücken.

Englisch-polnisches Abkommen unterzeichnet.

Landon, 25. Aug. (DNB.)Preß Association* berichtet, daß ein Abkommen zum gegenseitigen Bei» stand zwischen Großbritannien und Polen am Frei* tagabenb im Foreign Office von Außenminister Lord Halifax und dem polnischen Botschafter in London Raczynski, unterzeichnet worden sei. Das Abkommen bestehe aus acht Artikeln, in denen die Umstände festgelegt seien, unter denen die 93er» tragspartner s i ch gegenseitige Hilfe lei» ft e n wollten. In einer Erklärung des Foreign Office über diese dritte Blankovollmacht der Briten an die Polen.innerhalb kurzer Zeit heißt es, es sei für beide Regierungen ein Grund zu leb­haftester Genugtuung, daß die Verhandlungen für das vorliegende Abkommenso schnell und zufrie» denstellend" abgeschlossen worden seien.

Diplomatische Gespräche in Paris

Paris, 26. Aug. (Europapreß.) Außenminister B o n n e t hat am Freitagnachmittag den englischen Botschafter in Paris, Sir Erie Phipps, den bel­gischen Botschafter Le Th e 11i e r und den rumä­nischen Botschafter Tatarescu empfangen. Bonnet hatte ferner Unterredungen mit dem russischen Bot­schafter S u r i tz unb dem amerikanischen Botschas- ter Sui litt. In der Beurteilung der außenpoli­tischen Lage hat sich am Freitag keine 2Ienberung ergeben. Der Abschluß des Paktes von Moskau veranlaßte bie französischen amtlichen Stellen, ihre bisherige Einstellung gegen bie französische Kommunistische P a r t ei zu ändern, vo wurde am Freitagnachmittag das kommunistische NachmittagsblattCe Soir" beschlagnahmt und eine umfassende Haussuchung der Polizei am Sitz der Kommunistischen Parteizentrale durchge­führt.

Lebhafter Betrieb in der Downiugstreet.

London, 25. August. (DNB.) In ber Dow» n i n g ft r e e t, in der sich am Freitag wieder eine große Menschenmenge eingefunden hatte, be­gann bereits frühzeitig ein aufgeregtes Kom­men unb Gehen, ßorb Halifax unb Unter» staatsse'kretär Cadogan besuchten aufs neue Chamberlain in seiner Wohnung. Eden sprach als erster im Foreign Office vor und blieb dort Dreiviertelstunde. Innenminister Hoare war der erste Besucher im Buckingham Palast, wo er vom König empfangen wunde. Nach ein» stündiger Unterredung zwischen dort) Halifax und Ministerpräsident Chamberlain ist der Auswär­tige Ausschuß des Kabinetts in der Wohnung des Ministerpräsidenten zu einer Sitzung zusammengetreten, um die letzten Berichte der diplo» malischen Vertreter Englands in den verschiedenen europäischen Hauptstädten sowie bie Entwicklung der internationalen Lage in den letzten 12 Stun­den zuprüfen". Der englische Äronrat trat am Freitag unter dem Vorsitz König Georgs zweimal zusammen. Chamberlain hatte eine einftünbige Audienz mit bem König.

Der australische Minnrsterpräsident sagte am Freitag in einer Rundfunkansprache vom Parlament aus, die Zerstörung oder Niederlage Großbritanniens würde Australiens Unab­hängigkeit ineineheikle Lage bringen. Austra­lien wolle wirkungsvoll mit den anderen Ländern des britischen Empire Zusammenarbeiten,damit Großbritannien seine Garantien erfüllen könne".

Die EinkreisunqSdelegierten haben Moskau verlassen.

Moskau, 25. Aug. (DNB.) Kriegskommisstk Woroschilow empfing heute gegen 13 Uhr di« Leiter der englischen unb f r a n 3 ö f i f d)«n Militärbelegation. Woroschilow teilte btt Delegationsleitern kurz mit, baß sich nach Abschluß des Paktes mit Deutschlanb weitere Verhand­lungen erübrig t e n. Zehn Minuten nach ihrer Ankunft verließen bie ausländischen Offiziere be­reits wieder den Krieaskornrnisfar. Die englische und französische Militärmission hat am Freitag in später Nachtstunde Moskau in Richtung Lenin« grab verlassen.

Der Oberste Sowjet zur Paktratifizierung einberufen.

Moskau, 25. Aug. <DNB.) Durch Dekret W Präsibiums bes Obersten Sowjets ber UdSSR wurde der Ober st e S 0 w j e t für ben 28. August zur 4. außerordentlichen Tagung nach Moskau ein* berufen. Auf der Tagung wird voraussichtlich Außenkommissar Molotow eine Erklärung M dem deutsch-sowjetrussischen Nichtangriffs- und *on' suttationsvertrag geben. Das sowjetrussische Paria' ment dürfte bann bie Entschließung anneymen, welche bas Präsibium bes Obersten Sowjets zur Ratisl* zierung des Vertrages ermächtigt