Ausgabe 
26.7.1939
 
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Aus der engeren Heimat

Lpd. Marburg, 25. Juli. Nachts drangen in der Nähe des Frauenberges wildernde Hunde in einen S ch a f p f e r ch und richteten unter den

* Silberhochzeit. Herr Karl Leinweber und Frau Margarete, geb. Schmidt, Liebigstraße 15,

Der Tod in der Küche.

Das Heichsgesunvheitsamt warnt die Hausfrauen.

L lU/lClCIl UIUVI UCll LVCIU/CL ö)UIJX VIC XJCl Ul IC IIUI14 CI Schafen böse 'Verheerungen an. Zwölf Schafe wur° ist nach seiner jetzigen Verfassung den von den Schafen so zugerichtet, daß sie ein-1 dessen Hauptstadt die Stadt Danzig ist.

Reichsluftschutzbund namhaft gemacht. Die Ange- meldeten werden den einzelnen Landesgruppen des Reichsluftschutzbundes auf die Dauer von fünf bis sechs Monaten zugeteilt. Durch die Ausbildung an den Landesgruppen-Luftschutzschulen w^rd jeder Student soweit gebracht, daß er als Luftschutzlehrer eingesetzt werden kann. Im Anschluß werden die Ausgleichsstudenten einzelnen Dienststellen des Reichsluftschutzbundes als Amtsträger zugetellt. Den Abschluß der halbjährigen Ausgleichsdienstzeit bildet ein Lehrgang an der Reichsluftschutzschule. Nach Beendigung dieses Einsatzes werden die Ausglerchs-- studenten verpflichtet, sich auch weiterhin als Amts­träger zur Verfügung zu stellen.

Nikotinwirkung auf den Säugling und das Kleinkind.

gefährlichen Kohlenoxyds, das schon nach Ern- atmen von verhältnismäßig geringen Mengen zur Bewußtlosigkeit und bei genügend anger Ern. Wirkungszeit zum Tode führt. Die Gefahr lst be­sonders groß, weil das Kohlenoxyd völlig geruchlos ist und daher seine Entstehung kaum jemals recht­zeitig bemerkt werden kann. Ist aber der Riopen- ring, wie es von den Herstellerfirmen vorgeschrie- ben' wird, beim Kochen mit nach oben zeigenden Rippen eingelegt worden und halten infolgedessen die aufgesetzten Töpfe einen gewissen Abstand von der Herdplatte ein, so ist jede Gefahr der Kohlen, orydbildung mit völliger Sicherheit ausgeschaltet. Bei neuzeitlichen Gaskochern und Gasherden ist nach den seit 1934 bestehenden Normenoorschriften die Kochplatte grundsätzlich als Rippenplatte aus­gebildet, so daß die Gefahr einer KohlenoxydbMung bereits durch die Bauart unmöglich gemacht ist.

Nachlässigkeiten am Gasherd können, mte bas Reichsgesundheitsamt erklärt, schwere gesundheit- liehe Schäden verursachen, ja sogar das Leben kosten. Jeder Gasherd muß daher stets in ordnungs- gemäßem Zustand gehalten werden. Bei irgend­welchen Bedenken oder Zweifeln soll man sich an das zuständige Gaswerk wenden.

fängnis oder Festungshaft von höchstens einer Woche, allein oder in Verbindung miteinander ober mit Nebenstrafen, erkannt worden ist; 2. zehn Jahre in allen übrigen Fällen. Die Frist beginnt mit dem Tage, von dem ab nur noch beschränkt Auskunft zu erteilen ist. Ob im Fragefall die gerichtliche Bestra­fung im polizeilichen Führungszeugnis vermerkt wird, können Sie an Hand der vorstehenden An­gaben selbst beurteilen; wir können Ihnen Aus­kunft nicht geben, da nicht mitgeteilt wurde, in welcher Höhe die Verurteilung erfolgte. Danzig ' " ; ein Frei staat,

gingen oder notgeschlachtet werden mußten. Im vorigen Jahre wurde am Frauenberg ebenfalls eine Schafherde von wildernden Hunden heimgesucht.

Briefkasten der Redaktion.

Schriftleitung.)

(Rechtsgutachten sind ohne Verbindlichkeit der

Ehrenkreuz der deutschen Mutter. Für die Verleihung des Ehrenkreuzes der deutschen Mutter ist Voraussetzung, daß vier Kinder lebend geboren wurden. Ob alle vier Kinder jetzt noch toben, ist nicht von entscheidender Bedeutung. Für Ihre Frau können Sie das Ehrenkreuz der deut- schen Mutter, 3. Stufe, beim Bürgermeister Ihres Heimatortes beantragen.

Danzig. Ueber Verurteilungen, die in das Straf­register ausgenommen sind, ist nach Ablauf einer bestimmten Frist nur noch beschränkt Auskunft zu erteilen. Die Frist, nach deren Ablauf beschränkt Auskunft zu erteilen ist, beträgt 1. fünf Jahre, wenn auf Geldstrafe oder auf Freiheitsstrafe von höchstens drei Monaten, allein oder in Verbindung miteinander oder mit Nebenstrafen, erkannt worden ist, mit Ausnahme der Fälle, in denen eine Maß­regel der Sicherung und Besserung anaeordnet, ober auf die Zulässigkeit von Polizeiaufsicht erkannt worden ist; 2. zehn Jahre in allen übrigen Fällen. Die Frist der Nr. 1 beginnt mit dem im Straf­register vermerkten Tag der Verurteilung; die Frist der Nr. 2 mit dem Tage, an dem die Strafe voll­streckt, verjährt oder erlassen ist. Ist nach Ablauf einer Probezeit dem Verurteilten die Strafe ganz oder teilweise erlassen worden, so wird die Probe­zeit auf die Frist der Nr. 2 angerechnet. Die Frist, nach deren Ablauf ein Vermerk im Straf, r e g i ft e r z u tilgen ist, beträgt 1. fünf Jahre, wenn auf Geldstrafe oder auf Haft oder auf Ge-

Kürzlich wurde ein tödlich oerlaufener Unglucks­fall gemeldet, der sich in der Küche durch Ein­atmung von Kohlenoxyd ereignet hat. Bei einer näheren Untersuchung ergab sich, daß Zwar die Gasleitungen intakt waren, der Gasherd aber eine beschädigte Herdplatte aufwies und außerdem em Kochtopf mit großem Boden unsachgemäß ausge­setzt worden mar.

Dieser Vorfall gibt dem Reichsgesundheitsamt Veranlassung, sich mit einem Appell an die Haus- frauen zu wenden. Darin heißt es, daß bei einer großen Anzahl veralteter Gaskocher und Gasherde die Kochplatten noch nicht als Rippenplatten aus­gebildet sind, sondern lediglich einen herausnehm­baren Rippenring haben, der umgedreht werden kann und ein völliges Bedecken der Kochstelle durch Ringe und dergl. gestattet. Ist der Rippen­ring so eingelegt, daß die Rippen nicht nach oben, sondern nach unten zeigen, und werden nun Koch­töpfe mit größerem Boden dicht über den kleinen Flammen des Gaskochherdes aufgesetzt, so wird der Durchtritt des verbrannten Gases zwischen Koch­topf und Herdplatte erschwert ober gar verhindert. Das dem Brenner entströmende Gas kann wegen Sauerstoffmangels nicht mehr vollständig ver­brennen. Es kommt dann zur Bildung des sehr

Fälle mehren sich daher, in denen toaugunge ouraj das Rauchen des Vaters oder der Mutter an schweren Dergistungserscheinungen erkranken, die nur dann behoben werden können, wenn die Eltern das Rauchen in den gemeinschaftlich benutzten Rau­men einstellen. Es gilt daher, wie ,^Die Ortskran­kenkasse" schreibt, mit Nachdruck die Forderung der Reichsstelle gegen den Alkohol- und Tabakmiß- brauch zu unterstreichen, daß Schwangere und stil­lende Mütter weder rauchen, noch alkoholische ge­tränte trinken, und daß in Räumen, in denen sich Säuglinge und Kinder aufhalten, auch die Manner ihr Rauchen einstellen sollten.

Landkreis Gießen.

= Reiskirchen, 25.Juli. Am vergangenen Sonntag fand in unserem Orte die Besichtigung der Freiwilligen und der Pflichtfeuerwehr durch Kreis feuerwehrführer Bouffier (Gießen) statt. In einer kurzen Ansprache wies er auf Sinn und Zweck der Freiwilligen Feuerwehren hin, die durch den Führer zur Feuerlöschpolizei erhoben wurden. Im Verlaus der Besichtigung zeigten die Wehren Exerzierübungen nach den neuesten Vorschriften, außerdem eine Löschübung und führten schließlich einen Brandangriff auf eine Scheune durch. Die Hebungen klappten ausgezeichnet. Die Wehrmän- ner zeigten mit allem Einsatz das vielseitige Kön­nen, das sie sich in den Uebungsstunden erwarben. Der Kreisfeuerwehrsührer gab in einer anschließen­den kritischen Würdigung seiner Anerkennung für die Leistungen der Wehr Ausdruck. Er betonte, daß die Wehr seit der Besichtigung vor zwei Jahren außerordentliche Fortschritte gemacht habe und als eine vorbildliche Wehr gelten dürfe. Den Wehr- männem sprach er Dank und Anerkennung aus und gab dem Wunsche Ausdruck, daß es auch in Reis- kirchen dazu kommen möge, daß nur noch eine Freiwillige Feuerwehr bestehe. Zum Abschluß ließ sich Kreisfeuerwehrführer Bouffier noch die neuan- geschaffte ausziehbare Leiter und den neu einge­richteten Geräteraum zeigen.

# Allend 0 rf (Lahn), 24. Juli. Nachdem die Wintergerste bereits geschnitten ist, ist nun der Roggen soweit herangereift, daß die Ernte auch in den Roggenfeldern beginnen konnte. Die gesamte diesjährige Ernte an Getreide wird voraussichtlich

Die Nikotinwirkung auf das Kind im Mutter­leib ist erschreckend groß. Sonntag und Wallace haben beobachtet, das schon eine halbe bis eine Minute nach dem Rauchen einer Zigarette durch die Mutter eine Zunahme der kindlichen Herztöne um 5 bis 10 Schläge in der Minute erfolgt, die erst 10 Minuten nach dem Rauchen wieder ob Hingt. Daß diese beschleunigte Herztätigkeit zu Schadi- qungen führen kann, liegt auf der Hand. Gefähr­lich ist auch das erzwungene Passivrauchen der Säuglinge, zu dem meist die Väter, leider aber ich oft Mütter, ihren Nachwuchs verdammen. Die jlle mehren sich daher, in denen Säuglinge durch __ 1 CV\ . _ V m3, 44 AY- Atl

kreis Alsfeld.

Homberg, 24. Juli. Der Steinbruch­arbeiter Heinrich Wilhelm I. von hier erlitt im Steinbruch bei Nieder-Ofleiden einen Unfall. Als plötzlich eine ungefähr 30 Meter breite Steinwand einstürzte, ergriffen Wilhelm und seine Arbeits­kameraden die Flucht. Dabei blieb leider Wilhelm an einer Schiene hängen, so daß ihm die herab- stürzenden Gesteinsmassen ein Bein zerquetschten und zersplitterten, daß es in der Klinik abgenom­men werden mußte. Der Arbeiter Wilhelm 23er n- beck von hier erlitt nur leichtere Verletzungen. Die jüngste Wanderung des hiesigen Wandervereins führte nach dem so idyllisch gelegenen, unter Natur­schutz stehenden Sickerteiche bei Rüddingshausen. Die Mitglieder marschierten unter Führung von Georg Essel über Wermertshausen und Rüddingshausen. Die Oberfläche des Teiches ist mit herrlichen Teich­rosen geziert, seine Ufer sind vom WaDe gesäumt, und zahlreiche Ruhebänke laden zur Rast ein. Da­nach trat man über Wermertshausen nach Decken­bach den Heimweg an. Der Rennsteigverein, der alljährlich die mit H (Hohenweg) bezeichnete Strecke von Thüringen bis zum Rhein durchwandert, wird am 3. August in Homberg eintreffen.

< Maulbach, 25. Juli. Der hiesige Män­nergesangverein unternahm dieser Tage einen Ausflug nach Marburg zur Besichtigung der Freilichtspiele und der Stadt.

Kreis Marburg.

< Nordeck, 25. Juli. Der hiesige Gesang­vereinTeutonia" unternahm einen Aus­flug nach Marburg. Zahlreiche Sänger und deren Frauen beteiligten sich. Der Besuch galt zunächst den Sehenswürdigkeiten der schönen Stadt und am Abend dem Besuch einer Vorstellung im Mar­burger Schloßtheater. Man sah das LustspielDer Sommernachtstraum", das allen zu einem schönen Erlebnis wurde. Allen Teilnehmern wird der Ausflug nach Marburg lange in angenehmer Er­innerung bleiben.

12 Schafe

von wildernden Hunden zerrissen.

einen außerordentlichen Ertrag liefern. Die Ar­beiten sind durch den guten Stand der Frucht und durch die immer mehr eingesetzten Erntemaschinen erleichtert. Mehrere kleinere Betriebe haben sich zu­sammengeschlossen und gemeinsam Maschinen an= geschafft. Am Samstagabend hatte der hiesige Turnverein seine Mitglieder zu einer Versamm­lung bei Kamerad Henkelmann zusammengerufen. Rege Besprechungen fanden statt wegen der Be­teiligung am Gau-Alterstreffen in Heuchelheim, am Kreisfest in Grimberg sowie am Bergfest auf der Burg Greifenstein. Der Führer des Vereins, Albert Luh, forderte zu reger Beteiligung der Mitglieder auf. In der folgenden Aussprache wurde die Aufstellung einer Altersriege in Aussicht ge­stellt.

A Großen-Linden, 25.Juli. Die Kna­ben der vier oberen Jahrgänge kehrten aus einem achttägigen Schullandheim­aufenthalt in der Jugendherberge Diez zurück. Don dort aus hatten sie tägliche Wanderungen in die Umgegend unternommen. Der Limburger Dom und die neue R ei chsaut ob ah nbrü cke wurden besichtigt, ferner die großen Lahnmarmor­brüche, in denen riesige Quader für die Kongreß­halle in Nürnberg bearbeitet werden, die Fachinger Brunnenanlage, die Nationalpalitische Erziehungs­anstalt Dranienftein, Schloß Schaumburg u. a. Den Höhepunkt bildeten zwei Motorbootfahrten, von denen die erste nach Kloster Arnstein, die zweite über Nassau, Bad Ems nach Koblenz führte. Ems und Koblenz wurden besichtigt. Von herrlichem Wet­ter begünstigt, verging eine Woche reichen Erlebens.

können das Fest der silbernen Hochzeit f-i-rn Seit 25 Jahren ist das Jubelpaar Bezieher desGießener Anzeigers". (Wir beglückwünschen zur Silberhoch- 3C** Ehrenkreuz der deutschen Mut ter., Der Oberbürgermeister fordert zu weiteren Antra- gen auf Verleihung des Ehrenkreuzes der deutschen Mutter auf. Insbesondere können jetzt auch die Mütter unter 60 Jahren bas Ehrenkreuz beantra- aen. Alle in Betracht kommenden Mutter und ihre Angehörigen mögen die heutige Bekanntmachung ^♦♦^sTo nyftraße im Ausbau begrif f en. Die Arbeiten an der Lonystraße, die gegenwärtig von der Bismarckstraße bis zur Goethestraße im Ausbau begriffen ist, schreiten gut voran. Die Stütz­mauer vom Bachbette zur Straße ist schon feit emi- aer Zeit fertiggeftellt, und nun wird Fuhre um Fuhre Auffüllmaterial angefahren, um die künftige Straßenhöhe zu erreichen.

** Schwerer Unfall auf der Land­straße. Auf der Straße zwischen Butzbach und Gießen ereignete sich ein Unfall, der schwerste Folgen nach sich ziehen konnte. Ein Personenkraftwagen war ins Schleudern geraten. Dabei öffnete sich eine Wagentür und die 29jährige Frau Emilie Hoch aus Aschaffenburg und ihr dreijähriges Töchterchen Ur­sula stürzten aus dem Wagen. Beide Verunglückte erlitten Schnittwunden, Prellungen und Weichteil- verletzungen im Gesicht. Mutter und Kind mußten in die Chirurgische Klinik nach Gießen gebracht werden. ~ . , , . ,

** Gelnhäuser und Kinzigtaler tref­fen sich. Am vergangenen Samstag hielt eine Anzahl aus Gelnhausen und aus dem Kinzigtal ge­bürtiger Einwohner unserer Stadt im Hotel Kobel eine Zusammenkunft ab, um in ihrem Kreise Erin­nerungen an die Heimat wachzurufen und die Heimatliebe zu pflegen. Unter den Teilnehmern be- sand sich auch ein Nachkomme von Barbarossas Burgmannen. Im Laufe der Zusammenkunft, die unter Leitung von Karl Walther (Hofmann- straße 6) stand, wurden die Zeitpunkte für die nächsten Zusammenkünfte festgelegt.

GROSSGARAGE

flltet U/eiten.

Roman von Harald Baumgarten

Copyright by Carl Duncker Verlag, Berlin W 35

25. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)

Lautlos schwang sich Vallendar auf den Lastwagen und durchbrach das Stroh, das wie eine Mauer vorn aufgeschichtet war. Er trat auf etwas Weiches.

Verflixt! Det war meine Hand!" raunte eine Stimme.

Das Stroh raschelte. Leise entschuldigte sich Vallen­dar:Verzeihung!"

Der Wagen war lang. An seinem Ende schimmerte ein matter Lichtschein.

Vallendar kroch heran.

Auf dem Boden stand eine Taschenlampe. Die Wäscher hatten eine Mütze darübergestülpt.

Was macht ihr denn hier?"

Det kann keen Mensch sehn, Herr Vallendar! So haben wir's im vordersten Graben jemacht. Det leuch­tet keen Meter weit!"

Ganz dicht hielten sie die Köpfe an den winzigen Lichtspender. Sie lagen der Länge nach und hatten die Karten in den Händen.

Dorne scheint die Sonne, und hinten stechen die Bienen det is die siebte von der Fehlfarbe!" nuschelte Heinrich leise.Spielen Sie mit, Herr Val­lendar? Wir haben vorn am Stroh den Ernst als Wachtposten der meldet schon."

Die Leute spielten. Sie waren so leise, und der Lichtschein war so gut abgedeckt, daß Vallendar nichts einwenden konnte.

Ach, dies Stroh!" sagte plötzlich Ernst, der die Wache am Kopfende des Wagens übernommen hatte. So haben wir im Manöver im Stroh gelegen! Es war eine große Scheune, draußen spielte eine Har­monika, und die Mädchen warteten in der Schum­merstunde auf uns ..." Er verschränkte die Arme unterm Kopf und träumte. Fuhr aber sogleich wieder hoch: Verflixt noch mal ich hab' doch Wache!

Ja das Stroh! dachte auch Vallendar. Was für Erinnerungen weckte es doch! Bärenbruch das väterliche Gut in Ostpreußen. Er hoch oben au dem Wagen, wenn eingefahren wurde. Es ging durch einen langen Wald. Die Burschen und Mägde fangen, und über ihm rauschten die Wipfel der Bäume, deren Zweige die aufgehäufte Wagenlast streiften. Bärenbruch da wollte ich doch mal mit Margit hinfahren? Wie seltsam das ist mit Margit. Wie weit liegt die Erinnerung an Margit zurück! Viel weiter, als der klare Herbsttag auf Bärenbruch, da wir das Stroh einfuhren.

Und der! Und der ! Und hinten noch die Dame Schneider!" Heinrichs große Hand fuhr durch die Luft, als wolle er die Karten auf den Boden des Lastwagens schmettern. Dann aber sah er sich schnell um und raunte gedämpft:Jeht es noch nich los, Herr Vallendar? Wo bleiben die Halunken bloß?"

Preetz hat sich noch nicht gemeldet." Vallendar kroch neben Ernst, der immer noch vom Manöver träumte.Nichts?"

Zu Befehl! Nein! Wollte sagen: Nichts zu sehen, Herr Vallendar! Nur vorhin war mir so, als hält' ich in C ein Geräusch gehört."

Schmitz hatte sich ganz schmal gemacht; er lag neben der Klappe des Wagens.Unheimliche Stim­mung, Herr Vallendar! Finden Sie nicht auch? Das müßte man einfangen. Die dunkle Garage manch­mal knackt was ein Wasserhahn tröpfelt man strengt die Augen an, die in der Finsternis nichts erkennen können. Ich fürchte fast, die Burschen ver­setzen uns."

Sie werden kommen ich fühle es!"

,^)err Vallendar, vielleicht jetzt mein Buch? Ich könnte Ihnen die Fabel erzählen ..."

Lassen Sie doch, Herr Schmitz! Was wir hier erleben, ist spannend genug."

... Ein Mann trabte durch die menschenleeren Straßen. Er hatte ein Taschentuch in der Hand und wischte sich den Schweiß von der Stirn. Vorsichtig sah er sich um. Dann steckte er zwei Finger in den Mund. Ein greller Pfiff gellte auf.

Oben im dritten Stock des Hauses wurde ein Fenster geöffnet. Eine Frau beugte sich heraus.

Der Mann schwenkte das Taschentuch. Als Ant­wort wurde im dritten Stock eine Serviette ge­schwenkt.

Es ist immer noch nicht so weit! wußte Preetz. Wie kam das nur? War da was nicht in Ordnung? Ob sie sich verrechnet hatten? Ob er den Doktor holte? Nee, besser nicht. Die wußten schon genau Bescheid mit solchen Sachen.

Niedergeschlagen kehrte er wieder um. Nun muß ich mich in der Garage zeigen! Wenn man sich nur hätte ausschließen können, dachte er. Aber Borne- mann paßte vorn auf. Ein Vergnügen war das nicht; denn es war nun schon das drittemal, daß er von der Garage nach der Wohnung gelaufen war. Wenn er zur Wohnung lief, war das wie eine Befreiung für ihn. Jeder Schritt zur Garage hin wurde schwer.

Zwei Uhr ...Na, Preetz?"

Er zuckte zusammen, als Bornemann neben ihm auftauchte.Ich hatte euch vergessen, wahrhaftig. Habt ihr wen bemerkt?"

'ne ganze Menge Menschen. Aber nicht eine Maus, die in die Garage gegangen ist."

..Denn kann ick woll mal wieder zuruckjehn? Ick macht' doch gern dabei sein und den ersten Schrei Horen."

Lauf man zu, Preetz!" sagte Bornemann gut­mütigIch glaube, der Herr Vallendar hat falsch getippt, der Polsteraufschlitzer kommt nicht wieder."

... Die Stunden schlichen. Die Karten ruhten. Heinrich schnarchte und mußte immer wieder geweckt werden. Nichts rührte sich.

Schmitz war nicht mehr zu halten. Er begann, Vallendar den Inhalt seines RomansDas Tal der Verbannung" vorzuttagen. Auch Vallendar wurde nun müde. Schmitz' langweilige Stimme lullte ihn ein. Den ganzen Tag über hatte er in Babelsberg gearbeitet.

Die Uhren schlugen. Halbe Stunden, ganze Stun­den ...

Plötzlich Schritte.

Ellbogen ruckten:Achtung da kommt jemand!"

Die Schritte wurden lauter. Der Mann trat fest auf.

Die Leute im Wagen hielten bui Atem an. Jetzt wurden sie für die durchwachte Nacht velohnt! Nun brummte ein Motor. Dann wieder Schritte. Fiebernd vor Erregung starrte Vallendar ins Dunkle. Und nun sah er einen Schatten vor dem Lastzug auf­tauchen. Mit kühnem Satz sprang er hinunter und auf den Mann zu.Halt! Wer sind Sie?"

Der Mann wehrte sich. Es wurde ein stummes Ringen.Lassen Sie mich doch los!" knurrte der Mann plötzlich und hatte sich befreit.Was machen Sie denn für'n Zimt hier, Herr Vallendar?"

Der Scheinwerfer spielte sein grelles Licht. Vallen­dars Trillerpfeife gellte. Vom Eingang her dröhnten laufende Füße. Es war die Patrouille, die draußen aufgepaßt hatte. Die Wagenwäscher waren herab­gesprungen; drohend umstanden sie den Mann.

Was wollen Sie hier in der Garage, Herr Zornack?"

Sind Sie hier alle verrückt geworden? Ich wollte meinen Wagen holen. Ich will heute frich nach Magdeburg zu meiner Frau; da fahre ich immer um vier Uhr los ... Was haben Sie hier eigentlich angestellt?"

Augenblick mal, Herr Zornack!" Huckemann flitzte in die Sammelgarage C. Sein heller Leuchtstab fuhr überall herum.Scheint alles in Ordnung zu fein", meldete er verzagt.

Zornack lachte breit und laut auf und ging auf seinen Wagen zu, dessen Motor eingeschaltet war. Ach so Sie haben mich für den Einbrecher ge­halten? Sie sind ja zum Kugeln!" Er stieg in den Wagen ein.Nun muß ich aber machen, daß ich fortkomme ... So'n Kinderkram! Aber ich melde das oben im Büro!"

Die Augen der Leute waren von dem starken Scheinwerferlicht wie geblendet; sie hatten zu lange in die Finsternis gestarrt.

3ft Zornack eben durch den Eingang gekommen?" fragte Vallendar.

Bornemann schüttelte den Kopf.Ich hab' keinen Zornack gesehn, der hereingekommen wär' ..."

Aber bann muß der Mann doch die ganze Nacht in der Garage--?"

Mit einem Aufheulen jagte Jornacks graue Limou­sine durch den Gang und gewann die Ausfahrt.

Verhaften lassen!" schrie Huckemann. Alle waren sie bestürzt, schwiegen und sahen sich an ...

Schlechte Regie! beschimpfte sich Vallendar, als er langsam nach Hause ging. Er war hundemüde. Ich schlafe ein paar Stunden, dann nehme ich ein Bad, und dann fahre ich zu Charly. Meine Einbildung hat mir einen Streich gespielt. Sicher hat die ganze Sache nichts mit Charlys Beobachtung zu tun ...

Die Wagenwäscher lachten.Wenn das so einfach wäre!" meinte Heinrich.Der war gerissener als wir alle. Ich hätt' man gleich mit dem Schrauben­schlüssel --"

Huckemann hatte ein nachdenkliches Gesicht.Wik haben keine Beweise. Die Garage hat doch zwei Ein­gänge. Vielleicht ist er durch die Ausfahrt gekommen, während Bornemann in der Einfahrt stand?"

Der ist weg und kommt nicht wieder!" Heinrich rieb sich die Augen.Den Schokoladenwagen haben wir heute zum letztenmal gesehen."

... Der Tag brache an.Tönnchen, lassen Sie mich bis elf schlafen, dann wecken Sie mich!" Vallendar ließ das Badewasser ein.

Schön, junger Herr! Sie sehen janz überanstrengt aus. Ja, solche Nachtaufnahmen haben es in sich!"

Ganz gegen seine Gewohnheit knallte Vallendar die Tür hinter sich zu.

Ein klarer, reiner Herbstmorgen lag über Berlin. Die Sonne schwebte als großer runder Ball in einem blaßblauen, hohen Himmel. Wenn man sich ganz ihren Strahlen aussetzte, wärmten sie noch.

Die Sttaßen der Innenstadt verödeten; die Aus­lagen der Schaufenster lockten heute nicht. Die mei­sten Verkehrsampeln hatten ihre leuchtenden Augen geschlossen. Die Verkehrspolizisten hatten lediglich die Aufgabe, den Verkehr nach draußen zu regeln. Denn nur auf den Ausfallstraßen jagten sich die Wagen; vollgepackt die meisten. Motorräder knat­terten.

Jetzt war Mittag vorbei, und jetzt ging es richtig los. Raus ins Freie! Zu den Seen, zu den Wäldern! Vielleicht war es der letzte schöne Tag im Jahre? Naus, was Seine hat! Die Blätter wirbelten über die Chausseen. Der Wind pfiff einem falt ins Ge­sicht. Die Haut wurde straff und rötete sich. Los Gas!

Manche Mädchen hatten Overalls über den Klei­dern; manche hatten sich auch nur in den Mantel eingehüllt. Man wollte doch auch tanzen! Rings um Berlin fang Musik. Ueberall. Ganz gleich, wo man abstieg. War es nicht überall schön? Standen nicht überall die Kiefern und spiegelten sich in den stillen Wassern? Führten nicht überall heimliche Wege durch schweigsame Wälder?

Endlich, Hilde!" Fritz Huckemann eilte auf sein Mädel zu.Hast mich warten lassen."

Es war noch so viel zu tun im ustalt. Jetzt liegt Vater auf dem Sofa; das Heizkissen hat er bei sich. Es kann losgehn, Fritz!"

(Fortsetzung folgt)