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Jubel um llmbenhauer.
Der Nürnberger behielt das Gelbe Trikot der Srohdeutichland-Rundfahrt.
Die Deutschlandfahrer hielten am Samstag wieder ihren Einzug in die Reickshauptstadt, wo sie vor 3H Wochen zu ihrer 5000-Kilometer?Fahrt durch die deutschen Gaue gestartet waren. 41 von den 68 Gestarteten waren noch am Schluß dabei, und als grandioser Sieger unter ihnen kehrte der Nürnberger Georg Umbenhauor heim. Seit 15 Tagen trug er das Gelb« Trikot, das den Spitzenreiter der Ge- samtwertuna kennzeichnet. Beinahe 10 Minuten betrug sein Vorsprung vor dem Schweizer Zimmermann, der erst aus der drittletzten Etappe Scheller vom zweiten Platz verdrängen konnte. Die Schlußetappe Leipzig—Berlin über 218,7 Kilometer holte sich noch einmal der Chemnitzer Hermann Schild, der so mit dem Belgier Gryjsolle gleichzog, denn beide konnten je vier von 20 Etappen siegreich beenden. Mit 14 Minuten Vorsprung traf der Vorjahrssieger der Rundfahrt am dicht besetzten Ziel vor der Tech
nischen Hochschule ein und wurde für seine blendende Alleinfahrt stürmisch gefeiert.
In der Mannschaftswertung haben sich die Belgier behauptet. Auf den nächsten Plätzen folgen Frankreich, die Schweiz, die „Gemischten" und dann als beste deutsche Mannschaft die von Dürkopp' mit Wengler, Weckerling und Sztrakati, die erst auf der vorletzten Etappe den vierten Platz verlor.
Deutschlands Jtinger siegten.
Im Jahre 1926 war Dänemark Deutschlands erster Gegner im Ringen und holte bis 1926 drei Siege im Länderkampf heraus. Dann hatten die Deutschen genügend Erfahrung gesammelt, um selbst zu Siegesehren zu kommen. Am vergangenen Samstag standen sich die beiden Staffeln in Hof zum achtenmal im griechisch-römischen Stil gegenüber. Rund 4000 sportbegeisterte Zuschauer erlebten den fünften Sieg der deutschen Mannschaft mit 5:2 Punkten. Lediglich unsere Vertreter in den leichtesten Gewichtsklassen, Allraum (Mannheim) und Bandung (Ludwigshafen), unterlagen nach Punkten.
Lang gewinnt den „Großen preis von Belgien"
fünfter Start ■
Eines der aufregendsten Rennen wurde am Sonntag auf der schwierigen Ardennen?Strecke bei Spa um den Großen Preis von Belgien entschieden. Nur sechs von 13 gestarteten Wagen aus Deutschland. Italien und Frankreich erreichten das Ziel. Der Sieger von Pau, Tripolis, ppm Nürburgring und von Wien, Hermann Lang, setzte seinen Triumphzug fort und gewann auf Mercedes-Benz dos fünfte Rennen in diesem Jahre. Jeder Start bedeutete also einen Sieg für den Spitzenfahrer der Daimler-Benz-AG. Rudolf Hasse (Auto? Union), der 1937 das letzte Rennen um den Großen Preis der Belgier gewonnen hatte, belegte diesmal nur um Sekunden geschlagen den zweiten Platz. Dritter wurde Manfred von Brauchitsch (Mercedes- Benz) vor den mehrfach überrundeten Franzosen Sommer (Alfa-Romeo), Gerard und Mazaud (beide Delahaye). Es war eine der heißesten Motoren- schlachten, die je auf dieser Rundstrecke geschlagen wurden. Die zahlreichen Zwischenfälle machten es dem Spitzenreiter unmöglich, den von Hasse vor zwei Jahren mit 167,2 km/st aufgestellten Streckenrekord zu unterbieten. Zudem war die Straße durch stundenlangen Regen überaus glatt geworden.
In Regen und Nebel.
Adenau und Spa liegen im gleichen Gebirgszug. Im Ardennental des Rotwasserbaches, an dessen Hängen sich die auf 14,5 Kilometer verkürzte Dreieckstrecke Francorchamps—Malmedy—Stavelot hinzieht, zur Zeit die schnellste Europas, herrschte richtiges „Nürburgwetter". Die bewaldeten Berghänge waren in Nebel eingehüllt, und unaufhörlich prasselte ein Landregen hernieder, der den schmalen Kurs glatt und gefährlich machte. Trotz der unbarmherzigen Nässe waren Zehntausende von Zuschauern gekommen.
Müller übernahm die Spitze.
Beim Start schoß H. Müller, der zusammen mit Dr. Farina (Alfa-Romeo) und Hermann Lang (Mercedes - Benz) in der ersten Reihe ausgelost war, in Front. Hermann Lang, Tazio Nuvolari, Caracciola, Dr. Farina, Seaman, Hasse, von Brauchitsch und Meier folgten. Weit zurück lagen schon nach der ersten Runde der Italiener Mandirola (Maserati) und die beiden französischen Delahaye- Fahrer Mazaud und Gerard. An der Spitze lieferten sich Müller und Lang einen harten Kampf, während sich Caracciola und Seaman an Nuvolari vorbei, der ja bekanntlich kein „Regenfahrer" ist.
- fünfter Sieg.
auf die nächsten Plätze gebracht hatte. Nach der achten Runde setzten die bei einem solchen Wetter unausbleiblichen Zwischenfälle ein.
Caracciola und Meier ausgeschieden.
Als erster fehlte Caracciola. Soin Wagen hatte sich bet Francorchamps gedreht und war in den Graben gerutscht. Es gelang dem Europameister nicht, aus eigener Kraft wieder flott zu werdest. Mit Beifall empfangen, tauchte er zu Fuß vor den Tribünen auf. Das gleiche Mißgeschick traf in der 15. Runde Oberfeldwebel Meier (Auto-Union) auf seinem ersten, bis dahin glänzend gefahrenen Wagenrennen.
Inzwischen war der Engländer Richard Seaman (Mercedes-Benz) energisch vorgestoßen, und hatte sich mit Lang die Spitze erobert, zumal Müller kurz tankte und als Dritter vor Nuvolari und Hasse den Kampf wieder aufnahm.
Harte Arbeit an den Boxen.
Den dritten Platz hielt Manfred von Brauchitsch, an dessen Mercedes in kürzester Zeit ein glatter Hinterradreifen ausgewechselt worden war. Ueber- haupt herrschte nun an den Boxen fast ununterbrochen größter Betrieb, obwohl die erprobten Contireifen der deutschen Wagen sämtlich die 500 Kilometer glatt durchstanden. An beiden deutschen Boxest wurde blitzschnell getankt. Erst hielten Seaman und dann Lang bei Mercedes, ebenso schnell wurden Nuvolari und Hasse von der Auto-Union abgefertigt. Der Stand des Rennens änderte sich dadurch nicht, nur Müller, dessen Wägen nicht mehr auf vollen Touren zu gehen schien, muhte von Brauchitsch auf den fünften Rang vorziehen lassen. Der Durchschnitt war nach 20 Runden langsam auf 153 km/st gestiegen, da es nicht mehr so heftig regnete. Mit 5:19,9 (163,1 km/st) hatte Lang die schnellste Runde gefahren. Müller mußte zum dritten Male an die Boxe. Zur gleichen Zeit hielt der schon mehrmals überrundete Italiener Dr. Farina seinen Alfa Romeo endgültig an.
Seaman stürzte schwer.
Nach der 23. Runde fehlte der Engländer Richard Seaman. Kurz vor der Spitzkehre von Francorchamps kam sein Mercedes in einer Linkskurve hinter dem Start- und Zielplatz ins Schleudern. Auf der engen Straße drehte sich der Wagen um seine eigene Achse und schlug wuchtig mit dem Heck gegen einen Baum. Seaman wurde herausge
schleudert und blieb mit schweren Verletzungen liegen, während der Wagen lichterloh brannte und von den herbeigeeilten Monteuren gelöscht wurde. Der deutsche Rennarzt leistete die erste Hilfe.
Lang hatte nun die Führung weit vor Rudi Hasse. Nach der 28. Runde fehlte nun auch Tazio Nuvolari. Der Italiener war ebenfalls ms Schleudern gekommen, wobei an seinem Wagen eine Verstrebung brach. In langsamer Fahrt erschien er an den Boxen und gab auf. In der 26. Runde hatte Müller seine Fahrt eingestellt, so daß nur noch drei Wagen im Rennen lagen. Die Reihenfolge war Lang, Hermann Müller und Manfred vor Brauchitsch, dahinter die mehrmals überrundeten Fran- zchen Sommer (Alfa Romeo) und die Delahayes
von Mazaud und Gerard. Der Italiener Mandirola hatte .inzwischen ebenfalls das Rennen auf* gestockt.
In sicherer Fahrt strebte Lang dem Ziele zu-. Dor der letzten Runde mußte er noch einmal tanken und für Sekunden schien es, als ob sein Motor nicht mehr anspringen wollte. Dann aber spritzte der nun fünffache Sieger des Jahres 1939 in bewundernswürdiger Fahrt über den Rest der Strecke und wurde von der Menge begeistert gefeiert. Mit diesem Sieg hat Hermann Lang auch den Kampf um die Europameisterschaft als erfolgreichster Fahrer aufgenommen. Neben ihm brachten um diesen Titel Rudolf Hasse und Manfred von Brauchitsch die ersten Punkte auf ihr Konto.
Deutschland - Dänemark 2:0.
Zweiter Juhballsieg der Nordlandreise.
Die Nordlandreise der deutschen Fußballer ist in jeder Beziehung erfolgreich verlaufen. Nach dem eindrucksvollen 4:0-Sieg in Oslo über Norwegen wurde am Sonntag in Kopenhagen ein 2:0 (1:0)- Erfolg über das spielstarke Dänemark erzielt. In den bisher ausgetragenen neun Spielen hat Deutschland jetzt mit fünf Siegen gegen vier dänische Erfolge eine knappe Führung übernommen. Der Sportpark in Kopenhagen war bei schönstem Sommerwetter von 35 000 Personen restlos gefüllt. Als die Mannschaften auf das Spielfeld tarnen, begrüßte sie herzlicher und lauter Beifall. Dem norwegischen Schiedsrichter Randers Johanson stellten sich die Mannschaften wie folgt:
Deutschland: Klodt; Janes, Streitle; Kupfer, Rohde, Kitzinger; Biallas, Hahnemann, Conen, Gauchel, Arlt.
Dänemark: Sörensen; Larsson, Hansen: Sörensen, Jürgensen, Jensen; Thielsen, Christensen, Jürgensen, Hansen, Soebirk.
In der 8. Minute 1:0.
Janes gewann, gegen den dänischen Spielführer Oskar Jürgensen das Los und entschied sich, gegen die Sonne zu beginnen. Schon in der ersten Minute erzielten die Dänen zwei Ecken. Zuerst konnte Janes den schnellen Linksaußen Thielsen nicht halten und Kupfer schlug bedrängt ins Aus. Klodt wehrte den schön hereingegebenen Ball zum zweiten Eckstoß ab. Bereits in den ersten Minuten fiel unser Mittelläufer Rohde durch seine beherzte Kampses- weise angenehm auf. Ein wundervolles Zusammenspiel von Conen und Gauchel, die über 40 Meter weit den Ball gegen das dänische Tor trieben, führte überraschend schnell in der 8. Minute zum ersten deutschen Erfolg. Gauchel schloß den schönen Angriff mit,einem kernigen Schutz ab. Die deutsche Führung entmutigte die Dänen nicht. Sie hielten den Kampf offen, doch konnten Rohde und Klodt ihre Angriffe zum Stehen bringen. Ebenso gefährlich blieb das deutsche Angriffsspiel. Conen verteilte die Bälle sehr gut, obwohl der gegnerische Mittelläufer O. Jörgensen sich dauernd an seine Fersen heftete. Der Stuttgarter bestand mit seinem Bewacher einmal 20 Meter vor dem Tor einen scharfen Zweikampf. Da Sörensen sein Tor verlassen hatte, schien der Weitschuß von Conen bereits im Ziel, doch konnte Sörensen mit gespreizten Beinen den Ball noch aufhalten. Mit Macht setzten sich die Dänen ein, ihr Spiel lief, und zeitweise griffen sie mit sechs Stürmern an, um den Ausgleich zu erzwingen. Aber es blieb bei der deutschen Führung. Mit 4:2 Eckbällen für Deutschland ging es in die Pause.
Klodt nicht zu schlagen.
Die zweite Spielhälfte brachte Dänemarks große Zeit. Die flinken Außen trugen immer wieder Unruhe in den deutschen Strafraum. Es sah für uns böse aus, als Kupfer in der 48. Minute nach einem Zusammenprall mit Arne Sörensen für kurze Zeit das Spielfeld verlassen mußte. Als der Schweinfurter wiederkam, tauschte er mit Gauchel den Platz.
Einwandfrei beherrschten jetzt die Dänen die Lage, aber an einem deutschen Spieler scheiterten sie: an dem Schalker Klodt, der für uns das Spiel rettete. Wie er einen 20-Meter-Schuß von Thielsen in die linke Torecke noch im letzten Augenblick ins Aus faustete und wenig später einen unheimlich harten Ball von P. Jürgensen um den Torpfosten herum zur vierten dänischen Ecke abdrehte, das waren ganz hervorragende Leistungen. Gauchel und Kupfer nahmen wieder ihre ursprünglichen Posten ein. Aber noch immer war Gefahr im deutschen Strafraum. Aber da, mitten in die dänsche Ueberlegenheit fiel das zweite deutsck)« Tor durch Conen. Gauchel jagt den Ball als Steilvorlage in den freien Raum. Conen sprang dem Leder mit langen Sätzen nach, Umspielte alles, was sich ihm ist den Weg stellte — zum Schluß sogar den Torhüter ~ und schoß in der 75. Minute ein. In die Reihen der deutschen Elf zog damit wieder Ruhe ein, und es gelang, die stür, mischen dänischen Angriffe bis zum Schluß zu bannen.
Mit einem 6:0-Torergebnis kehren die deutschen Spieler von ihrer Nordlandreise zurück. Das ist in der Tat eine erfreuliche Bilanz, wenn man bedenkt, daß die Kräfte unserer Nationalen am Ende einer gufreibenden Kampfzeit keine besonderen Leistungen mehr zulassen.
Oie letzten Kußball-Aufstiegspiele in Hessen.
Im Fußballgau Hessen hat sich am letzten Juni- Sonntag erwartungsgemäß Borussia Fulda wieder den Aufstieg zur Gauliga erkämpft. Die Fuldaer, die ja von vornherein als Favoriten galten, fielen nur vorübergehend durch ihre Niederlage gegen Bebra etwas zurück, rafften sich jedoch dann wieder auf und erkämpften sich zum Schluß an diesem Sonntag einen hohen 7:2- (2:1) Sieg über den FV. Breidenbach, während Tura Kassel gegen den ReichsbahnFSV. Betro 1:7 (0:1) einging und sich damit alle (an sich schon begrenzten) Hoffnungen verdarb. In der Gruppe Süd schloß der neue Gauligist TSV. Hanau 1860 seine Aufstiegsspielserie mit einem 2:0- (2:0) Sieg bei Phünix Bad Vilbel ab.
Fußball-Ergebnisse aus Nachbargauen.
Gau Südwest.
Tschammer-Pokal-'Spiel: Eintracht
Frankfurt — Kickers Obertshausen 4:1.
Freundschaftsspiele: SD. Wiesbaden — Lazio Rom 1:2; 1. FC. Kaiserslautern — Lazio Rom 1:4; in Seligenstadt: Kreis Offenbach — Hanau 7:3; Eintracht Kreuznach — Wormatia Worms 1:8.
Gau Bayern.
Aufstiegsspiele: Union Augsburg — Wacker München 2:2; VfL. Neustadt — FC. Straubing 4:1.
Freundschaftsspiele: Aschaffenburg — Frankfurt a. M. 2:2; 1. FC. Nürnberg — FSV. Nürnberg 4:1.
KintHann wie taufenö anDere
Roman von Konraö Trani
Copyright by Carl Ouncker Verlag/ Serlfn W35
Schluß. Nachdruck verboten.
„Jetzt müssen sie nur noch diesen Nase erwischen", meinte Madeleine. „Solange sich der auf freiem Fuß befindet, freut mich das Ganze nicht."
„Ja, natürlich muß Heinrich Nase gefunden werden. Und Gretelchen." Peter Jlke rückte unbehaglich an seinem Hemdkragen. Was nur aus dem Mädchen geworden war?
„Fehlt sie dir so sehr?" erkundigte sich Madeleine spitz. „Deine neue Sekretärin ist zwar über vierzig und grauhaarig, aber das spricht nicht gegen ihre Tüchtigkeit."
„Nein, aber deswegen werde ich mir doch um die Kleine Sorgen machen dürfen", wehrte sich Peter.
„Der Herr von damals schien recht heftig", sagte Hilde nachdenklich.
„Kann man denn wirklich nicht einmal eine Stunde vergnügt fein, ohne daß scheußliche Sorgen aufs Tapet kommen?" rief Irmgard entrüstet. „Wer weiß, wo Gretelchen steckt!"
Da öffnete sich vorsichtig die Tür. Das-Stubenmädchen brachte ein Tablett mit Mokka. Servierte. Und als sie die Tasse vor Peter hinstellte, sagte sie, daß eine junge Dame ihn zu sprechen wünsche. Sie bitte, die Störung zu entschuldigen, es sei aber sehr wichtig. Ein Fräulein Grete Kretschner ...
Das kostete Frau Voigt einige Flecken auf ein seidenes Tischtuch — aber wenn gleichzeitig vier Leute aüfspringen, so ist es ein Wunder, daß nur zwei Mokkaschalen umgeschüttet werden.
„Liebe, gnädige Frau, entschuldigen Sie mich für ein paar Minuten", sagte Peter.
„Darf Gretelchen nicht hier heremkommen?" regte Madeleine an. So geschwind sollte Peter sich nicht aus der Affäre ziehen.
„Natürlich!" Frau Voigt war genau so neugierig wie die andern.
Und Gretelchen trat zögernd em, blieb bei der Tur stehen und fing zu meinen an. Peter lief ihr ent- gegen: „Aber, Gretelchen, warum meinen Sie denn? Es ist Ihnen ja nichts geschehen? Kann ich irgend etwas für Sie tun?" _ ,„
„Ja, ich möchte um mein Zeugnis bitten , ! schluchzte das blonde Mädchen.
„Gerne — aber möchten Sie nicht zusammenhän- iflenb erzählen, warum Sie spurlos verschwunden Ifinb? Wenn ich damals nicht eingesperrt gewesen i wäre, hätte man mich vielleicht für einen Verführer
und Mörder gehalten." Peter sah sie vorwurfsvoll an.
Dann bekam sie ein Glas Wein zu trinken, wurde mit gutem heißen Kaffee gelabt. Und schluchzend kam der Bericht.
„Am Tage, als Sie verhaftet wurden, Herr Jlke, da habe ich natürlich meinen Bräutigam angerufen und gefragt, was ich tun soll ... Und well er so eifersüchtig ist, habe ich mich nicht .getraut, ihm zu sagen, daß wir so lange gearbeitet haben. Wenn ich sage, Mitternacht', ist es schon arg genug. Deswegen habe ich mich bei der Polizei auch nicht getraut, die Wahrheit zu sagen. Wenn er es erfährt, daß es so spät geworden ist ... Er glaubt mir kein Wort ... Und Mar, Max Baumann heißt er, hat Mitternacht schon für eine Sünde und Schande gehalten ... Am Nachmittag war er da und hat mich schrecklich ausgezankt. Sogar eine Ohrfeige hat er mir gegeben ..Hans nickte bestätigend. „Ich mußte am selben Abend mit ihm zu feinen Eltern. Er hat nicht erlaubt, daß ich einem Menschen ein Wort sage. Er ist so schrecklich eifersüchtig." Plötzlich blickte Gretelchen ganz verklärt. „Und weil wir bald heiraten wollen, habe ich die Gelegenheit benützt, da er für feine Firma verreisen mußte, um mir mein Zeugnis zu holen — und den restlichen Gehalt, und ein Paar Schuhe, die ich vergessen habe. Ja. Und entschuldigen wollte ich mich auch."
„Wissen Sie, daß Sie sich unverantwortlich benommen haben?" sagte Madeleine streng. So eine kleine Gans!
„Nein." Gretelchen war sehr erstaunt. „Ich habe am nächsten Tag in der Zeitung gelesen, daß Herr Jlke freigelassen wird. Also kann es nicht so arg gewesen fein. Und ich wollte nicht gleich wieder Krach mit Max ..."
Da fing Hilde zu lachen an, und Irmgard stimmte ein. Und auf einmal lachten alle, sogar Mr. Rutby, der gar nicht begriffen hatte, worum es sich eigentlich handelte.
Neukirchen kam langsam zur Ruhe. Jetzt gab es nur mehr darüber zu reden, daß die Turachmädchen endlich doch zur Vernunft zu kommen schienen. Sie hatten sich recht nette junge Männer ausgesucht. Und Hilde, die den jungen Voigt heiraten wollte, blieb in Neukirchen. Die. Eltern Turach fänden die Töchter zwar viel zu jung fürs Heiraten, aber da die Mädchen schon darangingen, die Ausstattung zusammenzustellen ...
„Und heute fährt der englische Gast der Voigts wieder fort", berichtete die Milchfrau ihrer Kundschaft. „Die Milch mußte besonders früh geliefert werden, weil er schon mit dem Siebenuhrzug nach Berlin reist."
Noch nie war Mr. Rutby von so vielen Menschen zu einem Zug begleitet worden. Irmgard und Gottfried hatten es sich nicht nehmen lassen, dem alten Herrn das Ehrengeleite zu geben. Da wollten Hilde und Hans nicht zurückstehen. Daß Herr und Frau Voigt den Gast zum Zug brachten, war selbstverständlich.
„Sie sind also nicht zu bewegen, mit mir zu kommen, Herr Voigt?" fragte Mr. Rutby noch einmal, als er sich aus dem Fenster neigte, um die vielen Hände zu schütteln. „Heute beginnt die Vorschau zur Auktion ..."
Vater Voigt lachte: „Nichts zu machen. Ich habe nebenbei noch einen Berus und eine Familie. Ich kann nicht immer in der Welt herumfahren. Und außerdem werden diesmal nur Italiener verkauft, die mich weniger interessieren."
„Welcher Segen!" meinte Frau Voigt trocken.
Langsam setzte sich der Zug in Bewegung. Taschentücher wehten, Hände winkten zum Abschied.
„Am ersten Oktober ist Hochzeit, Doppelhochzeit in Neukirchen! Da kommen Sie doch bestimmt!" rief Irmgard noch rasch.
Da der ganze Bahnsteig mit den vielen Neukirchnern es gehört hatte, wußte eine halbe Stunde später die Stadt, daß der Widerstand der Eltern Turach gebrochen war. Hochzeit am ersten Oktober!
„Jetzt fehlt uns nur noch Herr Nase", murrte Peter, als Madeleine ihm die Neuigkeit berichtete.
„Was hat das damit zu tun?" fragte Madeleine erstaunt.
„Gar nichts. Aber ich habe es nicht gern, wenn gefährliche Narren frei herumlaufen." Dann ging Peter wieder in den Betrieb und zu feiner lange nicht so hübschen, aber bestimmt sehr tüchtigen Sekretärin.
„Nette Leute", dachte Mr. Rutby, als er es sich im Zug bequem machte. „Und daß ich Narr wirklich eine Sekunde glauben konnte, der junge Dilden wäre ein Räuber..." Dann gab er sich genußreichen Erwägungen hin, ob und zu welchen Preisen wohl Gottfried die Sammlung seines Onkels veräußern würde. Wenn es eine Gerechtigkeit gab auf der Welt, mußte er ihm doch ein Vorkaufsrecht einräumen, nicht wahr? Dann vertiefte er sich in den Katalog der bevorstehenden Versteigerung.
In Berlin angekommen, nahm er sich kaum Zeit, ins Hotel zu fahren uni) sich die Hände zu waschen. Er fieberte danach, die Schätze zu bettachten. die in wenigen Tagen zum Verkauf kommen sollten.
Ein langgestreckter Saal mit vielen hohen Fenstern. Mr.' Rutby begegnete einigen bekannten Gesichtern. Auch Mrs. Hinsield war schon zur Stelle. Hoffentlich kam er mit der nicht Ins Gedränge. Der Kunsthändler, der die Auktion veranstaltete, begrüßte Mr. Rutby mit der Ehrfurcht, die ein schwerreicher Sammler verdient. Er wies auf ein
Pult, das in der Mitte stand. „Dort liegen die Blätter, die Sie interessieren,, Mr. Rutby." Der Händler schmunzelte. „Und damit Ihnen bei uns nichts passiert, steht ein Detektiv dicht daneben."
Eine praktisch frei zugängliche Vorschau, bei der. Millionenwerte nur durch zerbrechliche Glasscheiben von frevelhaften Händen getrennt sind, ist eine heikle Sache. Da ist es besser, auf Numero Sicher zu gehen und rechtzeitig für Schutz und Sicherheit der Millionen zu sorgen ...
Mr. Rutby trat an das Pult. Er war nicht der einzige, der sich dafür interessierte. Ein Herr in mittleren Jahren, gut ungezogen, unauffällig. Seine Hand lag auf dem Pult...
Da zeigte sich, daß Mr. Rutby nicht nur ein erfolgreicher Finanzmann gewesen, sondern daß er heute noch ein gefürchteter Pokerspieler war. Er zuckte mit feiner Wimper, blieb neben dem Unbekannten stehen und betrachtete lange Zeit die ausgestellte Zeichnung — und die Männerhand.
Schlenderte zum nächsten Pult. Blieb wieder eine Weile stehen. Auf einen Wink eilte der Händler zu ihm. Und während Rutby auf eine Zeichnung mies, sagte er halblaut: „Lassen Sie alle Türen versperren und alle Ausgänge besetzen!"
Der Händler verbeugte sich lächelnd und trat zurück. Auch der Kunsthandel erfordert ein gutes Training der Selbstbeherrschung.
Als Rutby wieder zu den Italienischen Zeichnungen zurückkehrte, begleitete ihn ein recht energisch' aussehender Herr. Noch einen letzten Blick auf die kräftige Hand mit dem kurzen Daumen. Rutby nickte versonnen. Dann wandte er sich dem Nachbarn zu und sah ihm voll ins Gesicht.
„Sie haben mir am 4. Juni meinen Del Sarto weggenommen", sagte er gelassen und seelenruhig.
Die Hand des energischen Herrn hatte sich auf die Schulter des Bezichtigten gelegt. Und wie aus dem Boden gewachsen, standen plötzlich drei weitere Herren hinter ihm.
„Es war ein Fehler, hierher zu kommen", sagte achselzuckend der unauffällige Herr. „Aber niemand kann gegen seine Leidenschaft etwas ausrichten."
Rutby hatte sich nicht gerührt, er sah noch immer den Feind an. Es war die Hand, die ihm den Revolver entgegengehalten, die seinen Sarto geraubt hatte. Und über dieses Wissen drängten sich unklare (Erinnerungen. Plötzlich lächelte Mr. Rutby wohlwollend.
„Man muß rechtzeitig lernen, sich zu beherrschen, Herr Nase", sagte er.
Da griffen alle die Hände fester zu. Stahlspanaen flirrten, schlossen sich um die Hände des großen 'Verbrechers, des großen Sammlers und Kenners Heinrich Nase, der so lange Zwerg Nase genannt worden war.


