Ausgabe 
26.5.1939
 
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Nr.12l Zweites Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)

Freitag. 2b. Mai (939

Aus der Stadt Gießen.

Kinderspiele.

Wenn man in diesen Tagen über die Straßen geht, sieht man überall spielende Kinder. Ihr fröh­licher Lärm sagt uns, wie glücklich sie sind, dem Zimmer entronnen zu sein, daß sie springen, toben und jauchzen können.

Es war wohl immer dasselbe, jedes Frühjahr! Aber etwas hat sich geändert: die Art der Spiele. Vor nur liegt ein dickes Buch aus dem Jahre 1865: Spiele und Belustigungen für Mädchen im Zim- mer und im Freien". Ein Blick in das Inhaltsver­zeichnis verrät, was die auf den beigefügten Bildern Dargestellten, sittsamen kleinen Mädchen mit weißen Strümpfen und schwarzen Stiefelchen, im weilen gebauschten Röckchen, unter dem das Höschen her­vorschaute, gespielt haben. Da finden wir außer Brettspielen (Domino, Lotto, Dame, Puff)Spiele mit dem kleinen Schwesterchen", Papier- und Papp- orbeiten, Gesellschafts- und Pfänderspiele, auch physikalische Belustigungen (Feuer zu essen, Geld-, Vermehrung durch Wasser, der Zauberbrief u. a.). Auch weibliche Handarbeiten,insoweit sie zu Spie­len und zur angenehmen Unterhaltung dienen", sind beschrieben. Für Spiele im Freien werden vor allem die Ballspiele aufgeführt, aber auch die Gärtnerei wird gepriesen:Es flieht wol in der ganzen Welt kaum ein anderes Vergnügen, das Gesundheit, Belehrung und Erholung in demselben Grade gleichzeitig gewährte. Die frische Luft macht die kleine Gärtnerin stark und rosig, das Wachsen der Blumen, die wundersamen, reizenden Gestalten und Farben derselben und ihr lieblicher Duft bieten eine nie versiegende Quelle der Freude."

Bei den Bewegungsspielen finden wirTopf- schlagen",Nette sich,' wer kann",Hier back ich, hier brau ich",Katze und Maus",Blindekuh", Bäckchen, Bäckchen schiele nicht" und viele andere. BeimHaschen" waren folgende Auszählreime beliebt:

1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, meine Mutter, die kocht Rüben, meine Mutter, die kocht Speck, ich oder du bleibst weg!"

Nirgends kommt wohl der Unterschied zwischen da­mals und heute mehr zum Ausdruck, als wenn wir diese Reime mit einem heutigen vergleichen:

A, B, büß, dicke Moppel muß, dicke Moppel kann nicht laufen, muß sich erst ein Auto kaufen. A, B, büß, dicke Moppel muß!"

Tintenfaß und Lernen sind heute nicht mehr die Hauptsache, sondern ein Auto!

Und wenn man weiter die Kinderspiele beobachtet, so findet man, daß Technik und Verkehr die Art der Spiele weitgehend gewandelt und bestimmt haben. Bälle und Klicker sieht man nur selten, auch Kreisel- und Reifspiel ist fast verschwunden: die Fahrstraße ist für die Kinder verboten. Aber Roller, Wipproller, Dreirad, Holländer und Rollschuhe, alles das wird von den Kindern bevorzugt. Sie lernen spielend die Verkehrsregeln, üben sich in Schnellig­keit und im Lenken und ertüchtigen sich so für die Anforderungen, die das heutige Leben an sie stellt.

E. L. St.

Dornotizen.

Tageskalender für Freitag.

Stadttheater: 20 bis nach 22 UhrSeltsamer Fünf- uhr-Tee". Gloria-Palast (Seltersweg):Frau am Steuer". Lichtspielhaus (Bahnhofstraße):Kar­thagos Fall".

Skadlthcater Gießen.

Heute abend zum letzten MalSeltsamer 5-Hhr- Tee", Lustspiel in 3 Akten von Fritz Koselka. Spiel­leitung: Dr. Hannes Razum, Bühnenbild: Karl Löffler. Abschiedsvorstellung für Gisela Vollert, Erich Weiland, Kurt Haars und Hans Schlick.

(Sport und Wehrsport in der SA.

Seltener SchmetterlingSchwalbenschwanz"

n a l s o z i a l i st i s ch e n Idee. Der Mensch als Träger und Gestalter des Lebens, der durch sein Handeln erst dem gesamten Staats- und Volks­leben Inhalt, Form und Ausdruck gibt, steht im Mittelpunkt dieser Idee. Unsere Weltanschauung will keine Sportnationalsozialiften oder Beamten-, Bauern- und Arbeiternationalsozialisten erziehen, sondern Menschen, deren Leben unter der Idee des Führers steht und deren Handeln im Be­rufs- und Privatleben zu jeder Stunde und bei jeder Entscheidung geleitet und be­stimmt wird von den Grundsätzen der national- sozialisti'schen Weltanschauung.

Wenn diese an sich für einen Nationalsozialisten selbstverständlichen Tatsachen herausgestellt werden, dann nur deshalb, um damit jenen Meinungen die Grundlage zu rauben, die in SA. - Sport und Wehrsportrevolutionäre Erscheinungen", die aus einer übertrieben disziplinierten Haltung ge­boren seien, sehen wollten und wollen. Wer so die nationalsozialistische Weltanschauung in sich aufge­nommen hat, für den war die Schaffung des SA.- Wehrabzeichens als praktische Auswirkung bzw. äußeres sichtbares Zeichen des SA.-Sportes und SA.-Wehrsportes eine Ueberraschung. Die wahrhaft körperliche Ertüchtigung, der.-Sport und -Wehrsport haben deshalb ihre eigentliche Ge­burtsstunde auch schon vorder Machtüber­nahme. In einem Aufruf der Gründung der Turn- und Sportverbände innerhalb der Partei im Jahre 1920 sagt der Führer:Die NSDAP, hat im Nahmen ihrer Organisation eine eigene Turn- und Sportabteilung gegründet. Sie soll die jungen Parteigenossen besonders zusammenschließen, um als eiserne Organisation ihre Kraft der Gesamt­bewegung als Sturmblock zur Verfügung zu stellen. Sie soll Trägerin des Wehrgedankens eines freien Volkes werden ... Sie soll aber vor allem in den Herzen der jungen Anhänger den unbändigen Wil­len zur Tat erziehen, ihnen einhämmern und 'ein­brennen, daß nicht die Geschichte Männer macht, sondern Männer die Geschichte." Und daß der Mensch, der wahllos sich den Sklavenketten fügt, das Sklavenjvch verdient. In seinem BuchMein Kampf" sagt der Führer:Man gebe der deut­schen Nation sechs Millionen sportlich tadellos trai­nierte Körper, alle von fanatischer Vaterlandsliebe durchflUiht und zu höchstem Angriffsgeist erzogen, und ein nationaler Staat wird aus ihnen, wenn notwendig, in nicht einmal zwei Jahren eine Armee geschaffen haben, wenigstens insofern ein Grund- tock vorhanden ist."

Menschensormung im Sinne des Nationalsozialis­mus ist die ewige Ausgabe der SA.

Es.geht im SA.-Sport und -Wehrsport nicht darum, Spitzenleistungen einer bestimmten körper­lichen Hebung zu fordern, sondern auf der Grund­lage der B r e i t e n a r b e i t den letzten Mann zu packen, und es geht weiterhin darum, Männer zu schaffen, die sich in eine Einheit von ßeiftung, Weltanschauung, Wehrkraft u n d Charakter stellen. Leibesübungen sind wesentliche Faktoren der Lebensäußerungen natio­nalsozialistischer Volksgemeinschaft und sind damit von der Politik nicht zu trennen. Was hier für den einzelnen und damit für die Gesamtheit des Volkes geschieht, sind Handlungen und Arbeiten im Rah­men der nationalsozialistischen Staatsformung und damit Politik. Der Begriff Sport hat damit wieder seinen tatsächlichen Wert zurückerhalten und inhalt- ' lich wieder das geworden, was er einst war: ' Dienst am Volk! l

Leitender Gedanke unserer heutigen Körper- ertüchtigung ist die Liebe zum Vaterland. Sport !

und Leibesübungen dürfen nicht Interessengemein­schaften dienen, sondern müssen sich dem Ziel des allgemeinen politischen Aufstiegs unterordnen. Darum sieht die SA. niemals ihre Aufgabe darin, die wehrhafte körperliche Ertüchtigung als ein Vor­recht für sich zu betrachten, sondern den Gedanken, verbunden mit der praktischen Ausführung, der wehrhaften Körperertüchtigung in das gesamte Volk zu tragen. Mit der all­gemeinen körperlichen Ertüchtigung mit dem Ziel der Leistungssteigerung und der Höchstleistung auf öen Gebieten rein sportlicher Lebensäußerung und anderseits der körperlichen Ertüchtigung des einzel­nen Mannes, ausgerichtet im Geist und in der praktischen Durchführung auf die Wehrhaftmachung und Erhaltung der Wehrkraft des einzelnen sowohl als auch der Mannschaft, haben wir somit auf dem Gebiet der körperlichen Ertüchtigung zwei Arbeits- richtungen.-

Die SA. schafft als weltanschauliche Grund- läge den Wehrwillen und mit den entsprechen­den Formen der körperlichen Ertüchtigung die Wehrkraft. Das feststehende Ziel des SA.- Sportes und Wehrsportes ist es somit, Menschen zu erziehen, die sowohl körperlich wehrhaft wie auch geistig wehrwillig sind.

Vergleicht man die Bedingungen sportlicher Art, die für das SA.-Wehrabzeichen erfüllt werden müs­sen, mit den geforderten Leistungen z. B. zum Reichssportabzeichen, so erkennt man die klare For­derung, die der Stabschef der SA. einmal mit folgenden Worten skizzierte:Der deutsche Mensch der Zukunft soll nicht mehr in der Lage sein, als 18- bis 25jäl)rigcr Höchstleistungen aufzustellen, um

durch, bei der sich im Indern der Hülle die Raupe in den Schmetterling umwandelt. Nach einigen Wochen regt sich dann Leben in der toten Hülle, sie wird zersprengt, und der Schmetterling schlüpft aus, um neuen sonnigen Tagen entgegenzufliegen.

Der Schwalbenschwanz tritt im Jahre in zwei Generationen auf. Beide Generationen unterscheiden sich an Große und Farbe. Die Winter- bzw. Früh­jahrsgeneration ist groß und blaß-gelb gefärbt, wäh­rend die Sommergeneration kleiner ist, aber viel mtenfmere Farben hat. Versuche zeigten, daß Schmetterlinge in kühler Temperatur größer und farbloser sind, während umgekehrt die Wärme Did Tiere kleiner werden, aber an Farbkräftigkeit zu- nehmen läßt. Die beiden abgebildeten Schwalben­schwänze entstammen beide der Wintergeneration. (Aufnahmen s2s Auer, Gießen). 'H. B. A.

Die wärmenden Son­nenstrahlen des Früh­lings locken einen unse­rer schönsten heimischen Schmetterlinge, den sel­tenen Schwalbenschwanz (Papilio machaon L.) aus seinem Verstecke, in dem er seinen Winter­schlaf verbracht hat. Tau­melnd läßt er sich vom Winde zu den Blumen tragen, um hier von dem köstlichen Nektar zu schlürfen, den die ersten Blumen ihm darbieten. Er ist sehr scheu, und während er sich in den warmen Sonnenslrahleif mit ausgebreiteten Flü­geln badet, lauert er auf den ersten Schatten, um auf und davon zu fliegen.

Bald finden sich Männchen und Weibchen, um­gaukeln sich und feiern auf irgendeiner Blume Hochzeit. Es dauert nicht mehr lange, und das Weibchen hat seine mütterlichen Pflichten zu be­sorgen. Es sucht Doldenblütler, sog. Umbelliferen auf, zu denen die Möhren, Petersilie und der Fen­chel gehören, und legt auf diesen Pflanzen die Eier ab. Reges Leben beginnt dann in den winzigen Eiern, aus denen bald kleine Räupchen ausschlüpfen, die sich schnell vergrößern. Dicker und Dicker werden sie, bis ihnen ihr Rock zu eng wird und platzt. Diesen Vorgang nennt man Häutung, den die Raupe dreimal mitmachen muß. Dann hat der Vielfraß feine vollständige Größe erreicht und ver­läßt nun seinen Wirt, die Futterpflanze, um sich an alten Zaunpfäylen und Mauern zu verpuppen. Die Puppe macht nun eine scheinbare Ruhezeit

dann dem Sport verlorenzugehen. Nein, wir wol­len, daß jedermann bis ins hohe Alter imstande ist, seine körperliche Straft und Leistungsfähigkeit zum Nutzen für das gesamte deutsche Volk zu erhalten." Und hier ist nun entscheidend, daß die SA. nicht nur eben Sport treibt, sondern daß sie eine allge - meine Leistungsbilanz erstrebt. Das Ziel ist die Beherrschung des Körpers durch den Willen, Erziehung zum Kampfgeist, zu Mut, zur Härte, zum Ertragen von Strapazen, zu Selbstvertrauen, Ent­schlußkraft und damit zur Einsatzbereitschaft.

SA.-Sport und Wehrsport sind heute sck)on zu einem fest umrissenen Begriff gerooröen.- Ahrc Zusammenfassung mit der Krönung im Se­la nbefport erfolgt in den drei Leistungsqrup- pen des SA.-Wehrabzeichens, das heute die Grund­lage der vor- und nachmilitärischen Erziehung ist.

Durch die Arbeit für das SA -Wehrab- Zeichen haben die politischen Soldaten des Füh­rers und mit ihnen jene, die sich durch die Tat zur wehrhaft-körperlichen Ertüchtigung bekennen, im deutschen Volk eine starke Festung der körperlichen Tüchtigkeit, des wehrhaften Willens und der natib- nalsozialistischen Einsatzbereitschaft erbaut Erweitert und ausgebaut wird diese Festung fortan durch die -tatfadje, daß gemäß der Proklamation des Füh­rers vom 19. Januar 1939 alle wehrwürdigen, wehrtüchtigen und ehrenvoll aus dem Wehrdienst ausscheidenden deutschen Männer diese wehrhaft- körperliche Ertüchtigung in den Wehrmannschaften Der SA. erfahren, sofern sie nicht zu anderen Glie­derungen der Partei gehören.

SA.-Sport und Wehrsport fordern den Typ des W e h r k ä m p f e r s. Die vielseitigen und harten Hebungen stellen nicht nur an das körperliche Lei-

Seitdem der Nationalsozialismus als Weltan­schauung gepredigt wird, ist nicht etwa die For­derung nach einer äußerlich neuen Staatsform in Öen Vordergrund getreten, sondern die Forderung einer Neuformung des deutschen Men­schen nach dey Grundsätzen der natio-

Karthagos Fall." Lichtspielhaus.

Der FilmKarthagos Fall" wurde auf der Bien-, nale in Venedig mit der Coppa Mussolini ausge­zeichnet, einem der vornehmsten Preise, die in die­sem internationalen Wettbewerb vergeben werden; wenn man sich vor Augen hält, welche Bedeutung der imperiale Gedanke in der gesamten Politik des heutigen Italien spielt, wird eine so hohe Ein­schätzung des Werkes unschwer begreiflich. Was in dem SchauspielDer Untergang Karthagos" des deutschen Dramatikers Eberhard Wolfgang Möller unternommen wurde, gestaltet der italienische Film auf feine Weise und mit seinen Mitteln: vielleicht nicht mit so unmittelbar und aktuell empfundener Beziehung auf die Gegenwart wie bei Möller, aber doch, besonders auch in der Schlußszene, sehr deut­lich spürbar. Die historischen Grundlagen Dürften dem Beschauer in großen Zügen bekannt sein: es handelt sich um den Entscheidungskampf zwischen Nom und Karthago um Herrschaft und Lebens­raum am Mittelmeer. Dieser Kampf entschied zu­gleich über Sein und Nichtsein der beiden Völker, und der Film hat Wert Darauf gelegt, zu zeigen, daß sich hier nicht allem zwei Völker, zwei Staaten, Zwei große Feldherren und zwei der bedeutendsten Militärmächte des Alterturys gegenüberstanden, sondern auch zwei im Wesen tief verschiedene Welt­anschauungen und Rassen. Der Film bringt die Auseinandersetzung am Wendepunkt, in Der Ent­scheidung. Die Vernichtungsschlacht bei Cannae (216 vor Christus) ist geschlagen. Hannibals Alpenzug hat das römische Imperium in den Grundfesten erschüttert und bedroht feinen Lebensnerv. Da, als das Vaterland in höchster Gefahr ist, raffen sich Senat und Volk von Rom zu einer letzten gewal­tigen Kraftanstrengung auf: unter Scipio, dem die Geschichte den ehrenvollen Beinamen Africanus verliehen hat, zwingt es bei Zama (202 v. Chr.) Die karthagische Macht in Die Knie und entscheidet Den Krieg endgültig mit dem Siege Italiens. Diese Schlacht ist der dramatische Gipfelpunkt der Bilder- folge, die Der Spielleiter Carmine Gallone mit außerordentlichen Mitteln und mit einem Auf­wande an Menschen und Material in Szene gesetzt hat, wie ma'h dergleichen bisher nur in Den (freilich künstlerisch schwächeren und weltanschaulich un- charakteristischen) großen Historienfilmen Der ame- kanischen ProDuktion erlebt hat. Für Die Aufnah­men sind beträchtliche Teile Der italienischen Wehr­macht zur Verfügung gestellt roorDen. Es waren hier unter anDerem beteiligt 12 000 Mann ita­

lienische Truppen, 8000 Mann Komparserie, 4000 Reitpferde und 60 Elefanten (für die berühmte und gefürchtete Angriffsfront der Karthager): schon an diesen Zahlen mag man ermessen, in welchen Ausmaßen hier gearbeitet wurde. Der monumen­tale Stil Der Inszenierung zeigt sich auch etwa in Den Architekturen oder in Der Einführung gewal­tiger, nach antiken Vorbildern hergestellter Kriegs- Maschinen und Ruderschiffe, die einen imposanten Eindruck machen und ein höchst malerisches Bild ergeben; ähnliche Eindrücke hinterlassen Die großen Dolksszenen oder etwa die stürmisch bewegte, ent­scheidende Sitzung des Senats zu Rom. Den Höhe­punkt bildet, auch regiemä^ßig, Die Darstellung Der FelDschlacht bei Zama. Gallone braucht enorme Räume für Die Entfaltung der gegliederten Massen; er baut sich und seinen Kameraleuten ein ganzes ontikes Schlachtfeld auf mit Den starren Angriffs­fronten Der gegnerischen Heere, er läßt Die Reiterei hüben und Drüben in wilden Attacken gegenein­ander über die weite Ebene brausen, und er setzt eine mächtige Phalanx turmbewehrter Kriegselefan- ten gegen Die Rechen Der römischen Legionen in Be­wegung, die Den morDerischen Stoß mit erprobter Taktik auffangen und um seine vernichtenDe Wir­kung bringen ...

2Iu5 Dem beträchtlichen Aufgebot auch an Einzel- Darstellern ragen Annibale Ninchi, Der seinem Vornamen zum Trotz nicht den Karthager, sondern den Scipio spielt, und Camillo P i I o 11 o als Han- nibal hervor: beide sind in äußerer Erscheinung, Haltuna und Sprache geschickt charakterisiert und in einen lebhaften Kontrast zu einander gestellt: der Beschauer soll spüren und empfindet es auch, daß sich in Den beiden Heerführern in Der Tat Die Re­präsentanten zweier Völker, zweier Kontinente, Rassen und Weltanschauungen gegenüberstehen; Ninchis Scipio wirkt bei aller militärischen Straff­heit und Diktatorischen Klarheit der EntscheiDung auch als Exponent eines Kulturvolkes, ruhig, be­stimmt unD gelassen; Pilottos einäugiger Hannibal erscheint Daneben viel primitiver, stellenweise bar­barisch, eine Holofernes-Gestalt mit gefährlichen Ausbrüchen ungezügelter Wildheit. Aehnliche Gegen- bilder entwickeln im weiblichen Typus hüben und drüben Francesca Brgggiotti als Die geschmei­dige Aethiopierin Sophonisbe unD Isa MiranDa als Die schöne und eDIc Römerin Velia. Fosco G i a- djetti (Massinissa), Marcello (Bier Da (Syphax) unD Memo Benassi (Cato) sollen ferner genannt ein. Das Drehbuch schrieb Der Spielleiter Gallone zusammen mit Camillo Mariani del'Angu- illara und Sebastiano Lucia ni; an Der Ka­mera; Ubalöo 21 rata unö Anchise Brizzi. Der

Film wurde von Der E, N. I. C. (Ente Nazionale Industrie Cinematografische) in Rom hergestellt. (Tobis-Degeto.)

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3m Beiprogramm sieht man Die neue Tobis- Wochenschau unD einen französischen Kulturfilm ..Dom im Meer" mit sehr guten Architekturauf­nahmen. Hans Thyriot.

Tiere vor dem Spiegel.

Wie benimmt sich Das Tier, wenn es sein Spiegel­bild sieht? Am ehesten werden ja Haustiere sich mit dieser merkwürdigen Erscheinung, Die ihnen Da an Der WanD ihr Ebenbild vorzaubert, auseinanderzu­fetzen suchen. Ein Tierfreund, Der Versuche mit Tie­ren anstellte, stand vor Der überraschenden Tatsache, daßdes Menschen bester Freund", Der Hund, bei einem Blick in Den Spiegel vollkommen teilnahms­los bleibt; er bleibt gehorsam vor Dem Spiegel sitzen unD blickt seinen Herrn fragend an: zu Dem Vild finDet er feine Beziehung. Ganz anders ver­halt sich ein zahmer Vogel, zum Beispiel ein kleiner Sittichpapagei. Er sitzt einige Augenblicke still vor dem nicht zu dicht an der Wand stehenden Spiegel unö gibt bann den schmelzenden Lockton von sich, mit dem er sonst um einen Leckerbissen bittet. Be­dächtig geht er Darauf um Den Spiegel herum, kommt hinter ihm wieder hervor unD betrachtet, rechts und links schreitend, sein Konterfei im Glase. Zweifellos erkennt er sein Ebenbild, aber keines­wegs sich selbst in diesem Bilde. Er ist der Ansicht, daß ein anderer Papagei ihn neckt, indem er sich hinter der blinkenden Wand verbirgt.

Aehnlich, nur noch temperamentvoller verhält sich ein kleines Rhesusäffchen. Da es klüger als der Vogel, vermutet Das Aeffchen, Daß Der' kleine Kol­lege hinter Dem Spiegel mit ihm Verstecken spiele und jedesmal schnell ausreiße, wenn er selbst behut- am hinter Den Spiegel schleicht. Um Diesen Spaß­macher Doch zu erwischen, bleibt er vor Dem Glase itzen und langt Dann schnell mit Dem Arm hinter Den Spiegel. Wenn er Dann immer roieDer ins Leere greift, stößt Jvcko weinerliche Töne aus und rüttelt wütend an dem Spiegelrahmen. Ein Kaninchen, ein Zahmes Meerschweinchen, auch ein zahmer Iltis bleiben ganz teilnahmslos vor dem Spiegel; aber ein junger Hahn stellt sich nach kurzem Hineinblicken in Kampfstellung davor, um den Nebenbuhler zu vertreiben, und eine Katze beobachtet ihr Spiegel­bild lange, worauf sie unfid>er und offenbar voller Zweifel über diese Erscheinung Davonläuft.

Ist Der HunD so viel Dümmer als Die anderen Tiere? Das ist unDenkbar. Wenn Der Besitzer Des

HunDes fein Jackett teilweise über Den Spiegel hangt, Dann interessiert Den Hund die Sache schon sehr viel mehr, und wenn sich sein Herr Daneben- stellt, wird er immer lebhafter. Diese Beobachtung führt zur Erklärung Der merkwürdigen Tatsache. Der Hund wird Durd; das Jackett, Das Den Eigen- gerud) seines Herrn trägt, auf Den Spiegel aufmerk­sam. Er sieht nämlich viel weniger mit' Den Augen alsmit Der Nase". Die verschiedenen Tiere reagie­ren auf Das Spiegelbild, je nachDem esAugen- tiere" oberNasentiere" sind. Ihr BefremDen vor dem Spiegel richtet sich nad) der Sehfähigkeit. Ein Tier wie Der Hund, Das Die Dinge hauptsächlich durch Den Geruch erkennt, kann von Dem geruchlosen Spiegel keine befonDeren EinDrücke erhalten, wäh­rend Die scharf sehenDen Tiere von der merkwürdi­gen Erscheinung sofort gepackt werden

3eiffd>riffen.

Haben Frauen Mut? Ja- und Nein-Stimmen zur Beantwortung dieser Frage halten fick) meist die Waage. Geht man aber Dem Problem auf Den GrunD, so kommt man zu einem eindeutigen3a", und darum ist, wie Die neueSirene" berichtet. Die Mitarbeit Der Frau im zivilen Luftschutz so wert­voll, ja unentbehrlich? Wie das Heft klarstellt. Daß Mut eigentlich Die UeberroinDung Der Angst bedeutet, daß also Die ängstlichste Frau durchaus mutig wer­den kann und meist auch wird, das ist nicht nur für Luftschutz-Freunde interessant. Die neueSirene" bringt daneben aufschlußreiche Bildberichte über den Luftschutz und verwandte Themen.

Sochschulnachrichten.

Professor Dr. Erich Botzenhardt wurde mit der Vertretung des durch den Tod von Professor Dr. Hasenclever freigewordenen Lehrstuhles ür mittlere und neuere Geschichte an Der Hniversi- tät Göttingen beauftragt.

Dem ao. Professor Dr. Martin Lohmann an der Hniversität Kiel wurde unter Ernennung zum Ordinarius der Lehrstuhl für Betriebswirtschaftslehre an der Hniversität Freiburg i. Br. übertragen.

Es wurden ernannt: der Honorarprofessor Dr. Karl Frik an Der Hniversität Berlin zum Ordinarius für Röntgenologie in Berlin; Der ao. Professor Dr. H. Chaoul an Der Universität Berlin zum Ordinarius für Röntgenologie in Berlin; Der o. Professor Rudolf Tomaschek an der Technischen Hochschule Dresden zum Ordi­narius für Experimentalphysik an Der Technischen Hochschule München.