Nr. 22 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen) Donnerstag, 2b. Zanuar (939
Aus der Stadt Gießen.
Umzug-Ahnung.
Der Umzug ist beschlossen. Noch ist es lange bis zum letzten März. Aber wenn man es einmal weiß, ist man zu Hause nur noch wie in einem Hotel. Alle Tage kommen Leute und besichtigen die Wohnung, die einem also nur noch halb gehört.
Gut, dann will ich auch etwas von der neuen haben, die vorläufig nichts ist außer ein paar Unterschriften auf.einem Vertrag, sehr gültigen und wichtigen Unterschrifte freilich.
Es ist Abend, und es regnet ein wenig. Ich gehe in die Straße, die nun bald „meine" Straße sein wird. Es sind viele Bäume in ihr, ein alter Traum wird sich erfüllen. Es gibt viele Vorgärten, und sie sind alle gut gepflegt: das sieht man sogar im Januar. Aus einem großen Zimmer kommt mildes Licht. Das wird mein Zimmer sein. Es ist alles schon so vereinbart. Vielleicht wird mancher späte Heimkehrer, der durch die stille Straße geht, sich sehr wundern über das späte Licht. Denn das ist gewiß, spät in der Nacht wird es oft noch brennen bei mir, und wenn der Mann sehr feine Ohren hat, wird er vielleicht sehr dünn das Tacken der Schreibmaschine hören.
Die Straße ist still. Ich freue mich auf sie. Man wird das Rauschen der Sommerregen hören, wenn die Tropfen auf den Balkon fallen. Im Frühling wird der Fliederduft durch die Straße ziehen und später der Ruch der Rosen. Und doch, und doch —
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Ist man nicht undankbar gegen die alte Behausung? Die Straßenbahn ging klirrend vorbei, alle paar Minuten. In der Wirtschaft gegenüber sangen den ganzen Sommer bei geöffneten Fenstern die Gesangvereine. (Und manchmal war es sehr schön.) Mitunter knallten auch zwei Autos aufeinander, die Straße ist laut. Aber sie liegt einen Hasensprung weit weg von einem schönen Platze. Dieser .Platz wird mir sehr fehlen. Es war oft wie ein Trost, in Vollmondnächten so gut wie um die Weihnachtszeit, wenn die Lichtertanne dort brannte an den frohen Abenden, wenn Fahnen und Feste den Platz feierlich verwandelten und in den frühen Morgenstunden, wenn die Herbstnebel ibn zart Überspannen.
Man kann nicht alles haben. Doch ist es gut, wenn man viel gehabt hat. Zum Vergleich und zur Einsicht, daß es nichts Vollkommenes gibt. r. k.
Aornotizen.
Tageskalender für Donnerstag.
NSD.-Dozentenbund und Volksbildungsstätte der NSG. „Kraft durch Freude": 20.30 Uhr im Hörsaale des Anatomischen Instituts, Bahnhofstraße 84, Vortrag Professor Dr. Elze „Aus der Werkstatt des Anatomen". — Gloria-Palast, Seltersweg: „Scheidungsreise". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Kleines Bezirksgericht". — Oberhessischer Kpnstverein: 17 bis 18 Uhr Ausstellung im Turmhaus am Brand.
Günther Ramin in Gießen.
Professor Günther Ramin, der bekannte Organist zu St. Tbomae in Leipzig, wird am 2. Februar in der Stadtkirche das fünfte Konzert des Konzertvereins bestreiten. Er wird Orgelwerke von Bach und Reger spielen.
„Rumänien, insbesondere das Deutschtum in Siebenbürgen."
Am kommenden Samstag, 28. Januar, veranstaltet die Dolksbildungsstätte Gießen zusammen mit dem Volksbund für das Deutschtum im Ausland in der Aula der Universität einen Lichtbilder-Vor- tragsabend, bei dem Kurt H i e l s ch e r über das genannte Thema sprechen wird.
Vortrag von Prof. Temesväry nochmals verschoben.
Mit Rücksicht auf die Morgenfeier des Stadttheaters (Huttenfeier) muß der nächste Vortrag von Prof. Temesväry nochmals verschoben werden: er findet nunmehr (endgültig) am Freitag, 3. Februar, 20,15 Uhr. statt.
Große Vauausgabe: Heimbauten für die Hl.
Kreisleiter Backhaus stellt guten Anfang im Kreise Wetterau fest.
Zu der großen Heimbeschaffungsaktion, die bis zum 28. Januar durchgeführt wird, gibt uns Kreisleiter Backhaus, Gießen, folgenden Beitrag:
Die Heime der HI. sind Pflegestätten der Kameradschaft. Sie sind Ausdruck der neuen deutschen Gemeinschaft in der Jugend. In ihnen versammeln sich unsere Jungen und Mädel zu den Heimabenden, zur weltanschaulichen und charakterlichen Schulung, zu echter Fröhlichkeit und zum Spiel.
Alte Häuser sind nur als Notlösungen zu betrachten, sie entsprechen nicht dem Stilempfinden unserer Zeit. Der Umbau und die innere Neugestaltung alter Häuser zu Hitler-Jugend-Heimen ist außerdem insofern unzweckmäßig, als die aufzubringenden Mittel in keinem Verhältnis zu dem Erreichten stehen. Aus dieser Erkenntnis nahm daher auch die Errichtung von neuen Heimen im Zuge der ersten großen Heimbauaktion im Kreis Wette rau einen guten Anfang. In enger Zusammenarbeit zwischen Parteileitung, Behörden und der Hitler-Jugend wurde an diese schöne und dringende Aufgabe herangegangen.
In der klaren Erkenntnis, daß zunächst einmal bahnbrechende Arbeit zu leisten war, ließ der Oberbürgermeister Ritter, Gießen, zu Anfang des Jahres 1938 einen gut gelungenen Architektenwettbewerb für ein HI. - Heim in Gießen ausschreiben. Die Bedeutung dieser Maßnahme geht schon allein daraus hervor, daß als Preisrichter am 3. Mai 1938 u. a. Gauleiter Sprenger, Gebietsführer Brandt und Prof. Lieser erschienen waren. Bei insgesamt 120 eingegangenen Entwürfen konnten drei Preise erteilt und 10 Ankäufe vorgenommen, werden. Bei der recht zahlreichen Beteiligung innerhalb des Gaues war der Zweck, eine Auslese befähigter und für diese Pla
nungen geeigneter Architekten herauszufinden, durchaus gelungen. Es konnte nicht allein ein HI.-Heim in Gießen in Auftrag gegeben, sondern zugleich weitere zahlreiche neue Planungen in Angriff genommen werden.
Außer einer gut gelungenen Ausstellung „I u g e n d b a u t in die Zukunft" in Gießen konnten bereits in den Monaten Juni und Juli 1938 die ersten Grundsteinlegungen erfolgen. (Gießen, Heuchelheim und Annerod). Im Bau befindlich ist zur Zeit das Heim in Annerod, das als vorbildlich ongesprochen werden kann. Baureif sind ferner die Planungen von Keimen in Gießen, Heuchelheim, Obbornhofen und Reichelsheim. Weitere Heime sind in der Planung begriffen. Inzwischen ist Oberbürgermeister Ritter als Anerkennung für die Förderung des Heimbaues die HJ.- Heim-Plakette durch den Jugendführer des Deutschen Reiches verliehen worden.
Alles in allem gilt es jedoch nicht allein, dringend benötigte Zweckbauten zu schaffen, sondern solche Bauten, die in ihrer künstlerischen und architektonischen Gestaltung die schöpferische Kraft der jungen Gemeinschaft ausdrücken. HI.-Heime müssen deshalb in ihrer ganzen Ausführung und Ausgestaltung einfach, schön, sowie auch dauerhaft und praktisch sein. Ihre richtige Gestaltung ist eine verantwortungsvolle Aufgabe, denn in den Räumen der HI.-Heime sollen viele Generationen unserer deutschen Jugend erzogen und geformt werden für die ihnen bevorstehenden großen Aufgaben.
Es gilt darum, auch in diesem Jahr mitzuhelfen, die Heimbauten der HI. als große Bau- aufgabe der Bewegung voranzutreiben und damit in allen Teilen des Reiches eine neue Weltanschauung in unseren Heimen ihren baulichen Ausdruck finden zu lassen.
Der „Tag -er deutschen Polizei".
Einsatz für das WHW. in Stadt und Landkreis Gießen.
Am kommenden Samstag und Sonntag, dem „Tag der deutschen Polizei" und ihres Einsatzes für das Winterhilfswerk, werden sich die Beamten der Schutzpolizei, Derwaltungspolizei, Kriminalpolizei, Staatspolizei, die Männer der ff, der Technischen Nothilfe und der Feuerlöschpolizei in den Dienst des großen Sammelwerkes stellen.
Samstag in Gießen.
In Gießen werden am Samstagvormittag die Beamten der Polizei, wie auch die Führer und Männer der einzelnen Verbünd^ mit Listensammlungen die große Aktion für das WHW. einleiten. Die Polizeireiter und die Hundeführer der Polizei werden mit ihren Tieren ebenfalls bereitstehen.
Am Samstagnachmittag findet die allgemeine Sammlung durch die Polizeibeamten, die ff, die Technische Nothilfe und die Feuerlöschpolizei statt. Polizeireiter und Hundeführer, sowie der Lautsprecherwagen werden sich an diesem Sammelwerk beteiligen. ,
Von 16 bis 17 Uhr wird das Musikkorps des Jnf.- Regts. 116 am Selterstor ein Platzkonzert geben. .Ab 21 Uhr wird die Sammlung in den Gaststätten durchgeführt.
Sonntag in Gießen.
Am Sonntag, 29. Januar, findet Großes Wecken durch den Spielmannszug der SA.-Standarte 116 statt. Abmarsch um 7 Uhr von Oswaldsgarten aus. Der Marsch geht durch die Neustadt, Marktstraße, Marktplatz, Schulstraße, Sonnem'traße, Kreuzplatz, Seltersweg, Hindenburgwall, Bleichstraße, Ludwig-
straße, Ludwigsplatz, Kaiserallee, Moltkestraße, Hitlerwall, Walltorstraße, Dammstraße, Werner- wall, Horst-Wessel-Wall, Bahnhofstraße, Kaplans- aasse, Kreuzplatz, Sonnenstraße, Kanzleiberg zur Polizeidirektion.
Um 8 Uhr feierliche Flaggenhissung auf den Dienstgebäuden und an den Wohnungen der am „Tag der deutschen Polizei" beteiligten Angehörigen der Formationetz.
Am Vormittag wird die Sammlung für das WHW. fortgesetzt. Von 11 bis 12 Uhr gibt das Musikkorps des Inf.-Regiments 116 vor dem Stadt- theate^ ein Platzkonzert.
Um 12.30 Uhr versammeln sich 50 von der NSV. zugewiesene Kinder auf Oswaldsgarten und marschieren von dort aus, einen Polizeireiter und Fanfarenbläser der HI. an der Spitze, über Neustadt, Bahnhofstraße, Honst - Wessel - Wall, Hindenburgwall und Neuen Bäue zum „Burghof", wo um 13 Uhr die Speisung der Kinder stattfindet. Anschließend folgen im „Burghof" Spiele der Kinder unter Anleitung durch Hortnerinnen der NSD., dabei werden den Kindern Schokolade und Kuchen gereicht.
Um 15 Uhr beginnt ein Marsch der Polizei, der ff, Technische Nothilfe und der Feuerlöschpolizei durch die Stadt nach Oswaldsgarten. Der Marsch, unter Dorantritt des Musikzuges der SA.-Standarte 116, geht vom Brandplatz durch die Sonnenstraße über Kreuzplatz, Seltersweg, Horst-Wessel-Wall, Bahnhofstraße, Neustadt zum Oswaldsgarten.
Dort finden von 15.30 bis 16.30 Uhr Vorführungen der Feuerlöschpolizei und der Technischen Nothilfe mit Platzkonzert des Musikzuges der SA.-
Standarte 116 statt, gleichzeitig auch große Sam, melaktion.
Propagandafahrt
durch den Landkreis Gießen.
Gendarmerie, Feuerlöschpolizei und ff unter, nehmen am nächsten Sonntag, dem „Tag der deutschen Polizei", eine Propagandafahrt durch den Landkreis Gießen.
Antreten der Fahrtteilnehmer in Gießen auf Oswaldsgarten pünktlich um 7.30 Uhr. Dann geht die Fahrt nach folgendem Plan vor sich: nach Heuchelheim (Antreten der örtlichen Feuerwehr), Ankunft 7.45 Uhr; Großen-Linden und Leihgestern, Ankunft in Großen-Linden 8.30 Uhr, Watzenborn- Steinberg, 9 Uhr: Lich, 10 Uhr; Hungen, 10.45 Uhr; Laubach 11.45 Uhr, dort gemeinsames Eintopfessen der Fahrtteilnehmer: Grünberg, 14.15 Uhr: Londorf, 15.15 Uhr: Allendorf a. d. Lda., 15.45 Uhr: Lollar 16.30 Uhr.
Die Freiwilligen Feuerwehren aus den benachbarten Gemeinden beteiligen sich jeweils an den Durchmärschen der Gießener Fahrtteilnehmer und der örtlichen Feuerwehren durch die Orte.
Vollkommen unwahr.
Am gestrigen Mittwoch brachten zwei Frankfurter Blätter und ein Nachrichtenbüro in Frankfurt a. M. Berichte über einen schrecklichen Vorgang in einem Eisenbahnabteil. Danach sollte „in einem Bahnhof zwischen Bad - Nauheim und Butzbach" ein fünfjähriges Kind von einem herabstürzenden Gepäckstück getroffen und infolge Genickbruches auf der Stelle getötet worden sein, worauf der Vater des Kindes dem Eigentümer des Gepäcks einen Messerstich beigebracht habe, an dem der Gestochene wenige Minuten später gestorben sei.
Unsere Erkundigungen bei der zuständigen Staatsanwaltschaft Gießen, bei der Polizei und bei allen in Betracht kommenden Dienststellen der Reichsbahn haben ergeben, daß jene Nachricht vollkommen unzutreffend ist. Dos Frankfurter Nachrichtenbüro zieht heute früh seine Meldung zurück mit dem Bemerken, daß „weder bei der Reichsbahn, noch bei den zuständigen Polizeistellen etwas von einem derartigen Vorfall bekannt ist. es scheint sich um ein Gerücht zu handeln, das von sonst glaubwürdiger Seite als Tatsachenmeldung weiter, gegeben worden ist."
Erstes Leistungssingen im Sängerkreis Gießen.
Der Kreisvorstand des Sängerkreises Gießen hielt am Dienstagabend im Hotel Kobel eine Vorstandssitzung ab, die in Anbetracht der Wichtigkeit der Tagesordnung vollzählig besucht war. Kreisführer Müller wies gleich zu Anfang auf die Schwierigkeiten hin, die das erstmals in diesem Jahre durch-
Auch am Tage die Haut gut pflegen. Das Gesicht mit Nivea-Creme leicht massieren, das kräftigt die Haut, regt sie an und erfrischt sie.
zuführende Leistungssingen bietet. Infolge starker Beteiligung der Vereine sah sich der ißorftanb genötigt, das Leistungssingen in zwei Abteilungen am 7. Mai vormittags in Großen-Linden und nachmittags in Heuchelheim durchzuführen. In beiden Gruppen werden je 20 bzw. 21 Vereine fingen, deren Auswahl und Reihenfolge durch das Los bestimmt wurde. Durch diese Zweiteilung ist für eine rasche, reibungslose Durchführung gesorgt. Dieses Leistungssingen ist für die Sänger ein besonderer Ansporn, denn hierbei werden Leistungen und Chor- disziplin der einzelnen Vereine gegeneinander abgewogen, so daß mit dem Urteil der Wertungsrichter abschließende Prädikate erteilt werden können,
Herbert Böhme
liest aus eigenen Werken.
Dichterstunde der SA.-Standarte 116.
Herbert Böhme, unter den Dichtern der Bewegung der jungen Generation zugehörig und Mitglied des Kulturkreises der SA., las, wie schon einmal vor Jahren an gleicher Stelle, gestern abend in einer Veranstaltung der SA.-Standarte 116 in der festlich geschmückten Neuen Aula aus eigenen Werken.
Der Abend wurde eingeleitet mit den weihevollen Klängen Wagnerscher Musik, vorgetragen vom Streichorchester des Musikzuges der Standarte, und mit den kernigen Marschrhythmen des Liedes „Führer, wir tragen die Fahne", gesungen vom Sängerchor der Standarte. Hierauf erhob sich Brigade- suhrer Schwarz zu einer kurzen Ansprache, in der er rückblickend der Millionen Kreuze und Gräber rings um die Grenzen Deutschlands gedachte und auch der ungezählten Gräber der SA.-Männer in Deutschland, die für Adolf Hitler starben. Aus dem Geiste der Frontkämpfer sei der SA.-Geist erwachsen, das trotzige „Dennoch!" in einem fünfzehnjährigen Kampfe. Der Redner erinnerte ferner an den Staatsauftrag, den der Führer in diesen Tagen seiner jungen Mannschaft erteilt habe, und der notwendig sei, um Deutschlands Weltgeltung für alle Zeiten zu sichern. Nur wenn der Kampfgeist erhalten bleibe -und das Testament des Führers von Generation zu Generation weitergegeben werde, könne das Reich bestehen. Aus der Bewegung seien auch die Männer hervorgegangen, die in Worte faßten, was den nachfolgenden Geschlechtern bewahrt bleiben muß. Die deutsche Jugend lese heute vor allem die Werke Theodor Körners und der im Weltkriege gefallenen Dichter Walter Flex, Gorch Fock und Hermann Löns. Aus den Reihen der Bewegung fei auch in Horst Wessel der Typ des SA.-Mannes erstanden, und ihm seien viele gefolgt, mit Wort und Tat den Wehrgeist zu stärken für Deutschlands Zukunft, für Deutschland in alle Ewigkeit. —
Hierauf begann Herbert Böhme seine Vorlesung. Er sprach zunächst aus dem Buche „Kampf und Bekenntnis" eine Anzahl Gedichte. Die Verse „Unser Bekenntnis" sind eine glühende Verherrlichung der Fahne als des heiligsten Gutes des deutschen Mannes. In dem Gedicht „Langemarck" ist den jungen Gefallenen auf Flanderns Schlachtfeldern und dem ewigen Deutschland ein Ehrenmal gesetzt. Auch das Gedicht „Sturmführer Hans Maikowski" ist als Totenehrung und. Beschwörung eines im Loben und
Sterben vorbildlichen Kämpfers der Bewegung empfunden.
Aus Böhmes Buch „Das großdeutsche Reich" hörten wir dann drei Briefe österreichischer SA- Kameraden: diese einfachen, aus erlebter Wirklichkeit kommenden Briefe, zum Teil in gebundene Rede gefaßt, und an ein liebes Mädel, an Mutter und Geschwister gerichtet, sind Zeugnisse aus der Kampf- und Notzeit der Bewegung in der Ostmark, Aufschrei, Bekenntnis und letzter Gruß aus Kerkermauern, erfüllt vom unzerstörbaren Glauben an die heilige Sache, von Kampfbereitschaft und Bereitschaft zum Tode für die Idee des größeren Reiches.
Nachdem das Streichorchester des Musikzuges der Standarte die wuchtigen und feierlichen Klänge der „Egmont"-Ouvertüre zu Gehör gebracht hatte, las Herbert Böhme aus feinem Buche „Der Kirchgang des Großwendbauern" die Novelle gleichen Namens. In dieser Dorfgeschichte erweist sich der Dichter als ein Erzähler, dem es um die Verkündung der ewigen Kräfte des deutschen Bauerntums zu tun ist. In einer Schilderung, die mit der Szene eines nächtlicherweile im Dorfe ausbrechenden Brandes eine dramatische Spannung und Steigerung auch des inneren Handlungsablaufes erfährt, wird das Ringen eines erdhaft bäuerlichen Menschen um den uralten Glauben seiner Väter und um ein Evangelium des Lichtes mit großer Eindringlichkeit gestaltet.
Nach dem prächtigen Chorgesang „Deutschland, du Land der Soldaten" las Herbert Böhme zum Schluß aus seiner Dichtung „Bamberg, dein Reiter reitet durch die Zeit". In dem berühmten Reiterstandbild im Bamberger Dom, dessen Schöpfer wir nicht kennen, sieht Böhme die reinste und allgemeinste Verkörperung deutschen Wesens. In hymnischen Versen umkreist er die Gestalt des Namenlosen, den „Reiter Gottes, dem Frühling verwandt", den „Rufer ins Reich" : Wikinger find feine Ahnen gewesen, und die Stimme der Ahnen ist in feinem Blute lebendig geblieben; indem der Dichter das Bildwerk vor seinem geistigen Auge erstehen läßt, taucht in ihm visionär der große Zug erlauchter Gestalten der deutschen Geschichte und des deutschen Geistes auf, und dieser Zug führt aus den dämmernden Anfängen erwachenden Germanentums bis in die nahe und nächste Gegenwart hinein, bis zu den großen Führergestalten unserer eigenen Zeit, den Vorkämpfern und Fahnenträgern des ewigen Reiches.
Mit den gedämpften Klängen des Deutschlandliedes, mit dem Gruß an Führer und Reich und mit dem gemeinsamen Gesang des Horst-Wessel-Liedes wurde die Feierstunde beschlossen. ^- Hans ThjrioU
Gchiheil und Hüffenzauber.
Von Per Schwenzen.
Die Dorfstation mit ihren Zuckerdächern und ihrer Sportjugend, die auf selbstgezimmerten Brettern durch die Dorfstraße rutscht, sind für uns ein freundliches Vorspiel. Durch den Säulensaal des Hochlandes, Hänge hinan in die baumlose Lichtwelt, da sich der ganze Hang im plötzlichen Sonnenüberfall mit Milliarden Sternen aufzulösen scheint, daß wir geblendet stehen und uns erst durch die blaue ober gelbe Brille wieder in der Planimetrie der Landschaft zurechtfinden.
Der Rucksack zieht talabwärts, das Herz treibt aufwärts, wir gräten und schwitzen tapfer zwischen Zuckerhüten und Schneekugeln umher, bis wir das große Sporthotel erreichen. Gut für die Rast, aber nicht für die Bleibe. Wir haben noch ein bißchen mehr vor und wachsen, nach kurzer Konferenz mit dem Portier, unsere Schier um. Ein paar ganz „Zünftige" wissen es natürlich besser als der Portier, wie bei Pulverschnee und minus sechs Grad gewachst werden muß. Wir „Talwanzen" aber sind bescheiden und verzichten auf Geheimrezepte, wir schnallen später sogar die Felle unter, denn der Weg zur Hütte ist steil. Noch eine sanfte Abfahrt in einen muldenartigen Almkessel, dann die verharschte Bergflanke hinan.
Da li^gt die Hütte, unverspurt, unverlärmt, wir sind die ersten Ankömmlinge des Tales, dabei geht es schon auf den Spätnachmittag. Bor drei Stunden erst, erzählt der Hüttenwart, sind sechs Leute nach Süden abgefahren — aber der ewige Wind dieser Höhen weht die Spuren schnell wieder zu, dieser Winter will Einsamkeit und wischt den Menschen aus. Da sind diese Hütten, diese festen kleinen Blockhäuser, die oft bis ans Dach verschneit, einen warmen Zufluchtsraum für Schifahrer bereithalten, die wahren Hochburgen des Schisportes.
Je mehr diese Vorposten in die weite Alpenwelt hineingestellt werden, desto befahrener, gesicherter und zugänglicher wird diese erhabene Einsamkeit der Alpen — keine Angst, daß der Zauber dieser Einsamkeit gefährdet sei — bis dahin bringen nur Menschen vor, bie diese Stille lieben und sie in harten Tagesmärschen suchen — und die lassen sich immer noch zählen... Die Heimat des Schneeschuhes, Norwegen, ist von einem Netz solcher Sporthütten durchzogen — über riesige Gebiete, durch die Sommers und Winters weder Eisenbahn noch Wege führen, kann ein guter Schiläufer in Tagesfahrten von Hütte zu Hütte, durch das ganze Land tzreijen. __
Ankunft in der Hütte, Waschen mit Schnee, Spie- gclscherbe, Scheitelziehen, dampfende Strümpfe und Hosen auf der Leine, endlose Mahlzeit aus Schwarzbrot, Käse und Kaffee am prasselnden Kamin, lind da kommen auch schon neue Hüttengäste an. Burschen und Mädels, das Stampfen der derben Schistiefel, das Lachen und Rufen knallt hell gegen das dunkle Gebälk. Der Hüttenwart schmeißt Scheite ins Feuer und taucht den fröhlichen Trubel in flammendes Rot. Die Ankömmlinge verteilen sich auf die beiden Schlafsäle für Männlein und Weiblein, um gleich darauf, nach Beschlagnahme eines Bettes ober Strohsackes, in leichterer Kluft wieder aufzutauchen. Ein paar Jungens, die das galante Zeitalter in sturmumtoster Höhe repräsentieren wollen, machen sich draußen noch mit den Hölzern ber Möbels zu schaffen.
Und bann geht bas los, bas Nachlaufen ber Spur, bie man eben erst gezogen hat, in Wort unb Scherz. Mit allen Hocken und Wenben unb sonstigen technischen Großtaten, mit allen kleinen Katastrophen und Blamagen, bie unterwegs eintrafen, alles wird hier noch einmal gutartig durchgehechelt unb verulkt. Weise Ratschläge, lauter Protest, Tauschhanbel unb Geberlaune schleudert mit Tabak und Schokolade, eine Mundharmonika erklingt, ein Bursche knallt einen Schuhplattler auf bie Dielen, daß bie Aluminiumbecher flirren.
Wir treten vor bie Tür. Tief unten irgendwo, in einem Gemengsel aus Dämpfen und Dünsten lebte vor einigen Tagen noch ein Herr mit allerlei albernen Aengsten und Sorgen, ber im Staube war, sich über einen verspäteten Autobus zu ärgern. Er ist begraben — Friede fei mit ihm — unter Hekatomben reinen Firnschnees liegt er und über seinen triften Leichnam gleitet mein besseres Ich, steht auf blanken Brettern — lehnt jetzt an einer Balkenwand — im Augenblick mit den Eiszinnen gegenüber — dehnt sich im grenzenlosen Glück der Faul, heit... Die Sonne fällt hinter Gipfeln nieder...
Die jungen Leute kommen mit Fackeln. Unb wie die roten Lichtzungen und die langen Schatten über den harten Nachtschnee flackern, da geht das Blut auf einmal leicht und schnell, Märchenstimmung perlt lebendig durch die gute Müdigkeit, und die Bretter müssen noch einmal her, um in stiller Nachtfahrt, Fackel nach Fackel, in den Almkessel hinabzugleiten — bis der Mond aus dem Hof der Wolken tritt unb wir bie Fackeln im Schnee löschen, um in blausilbernem Monblicht ben Rückweg anzutreten und enblich unter bie Decke zu kriechen. Jeber Kilometer glüht warm im Herzen nach, unb wir fallen rasch in die Wärme traumlosen Schlafes.


