Ausgabe 
26.1.1939
 
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werden sollen: für staatspolitisch wichtige Betriebe dürfte es ohne eine Einschränkung der Freizügig­keit der Arbeitskräfte nicht gehen. Wahrscheinlich wird der Weg beschritten, daß die Lösung eines Arbeitsverhältnisses nur mit der Zustimmung des zuständigen Arbeitsamtes möglich sein wird. Zu gleicher Zeit wird in einem Aufsatz von Hildegard Molitor vom Frauenamt der Deutschen Arbeits­front die Frage angeschnitten, in welcher Form die vorhandenen Reserven der weiblichen Arbeitskräfte am besten mobilisiert werden könnten. Es wird angeregt, in solchen Betrieben die Frauenarbeit zu bevorzugen, die keine zu großen körperlichen Anforderungen stellen. Damit werden die männlichen Arbeitskräfte an diesen Stellen frei und können anderwärts geeignetere Arbeit leisten. Alle diese Fragen befinden sich im Fluß, ihre Lösung wird von den Verhältnissen des Einzel­betriebs abhängen. Daß sie aber erörtert werden, weil sie ein ernstes Problem geworden sind, zeigt den Umschwung, der sich in Der Zeit von sechs Jahren in unserem Vaterlande vollzogen hat.

Steuerzahler.

Interessante Aufschlüsse über den deutschen Steuerzahler ergibt eine Aufgliederung der Ein- kommensteuer-Statistik für 1936, die Regierungs­rat Dr. Meuschel in der D e u t s ch e n Steuer- Zeitung" vornimmt. Rund 13,3 Millionen Lohnsteuerpflichtige erbrachten danach knapp 1,2 Milliarden Steueraufkommen, rund 2,8 Millionen zur Einkommen st euer Ver­anlagte über 1,9 Milliarden Steuerauf­kommen. Um wieviel stärker die höheren Ein­kommen belastet werden, zeigt die Tatsache, daß > die über 13 Millionen Lohnsteuerpflichti- gen insgesamt ein Einkommen von über 26 Milliarden RM. hatten, während die Veran­lagten, die weniger als ein Viertel der Lohn- j steuerpflichtigen ausmachen, ein Einkommen von 14 Milliarden RM. versteuerten. 37 v. S). der Lohn­steuerpflichtigen entfielen auf ein Einkommen b 15 1500 R M., sie brachten 10 v. H. der Lohn- | steuer auf. Auf die Klaffe bis 3 0 0 0 RM. Ein­kommen kamen 48 v. H. der Steuerpflichtigen, die 46 v.H. der Lohnsteuer zahlten. Zwischen 300 0 und 8000 R M. verdienten nur noch 15 v. S). der Lohnsteuerpflichtigen, die aber 44 v. H. der Lohnsteuer aufbringen mußten. Bei den ver­anlagten Steuerpflichtigen kamen auf die Höch st gruppe mit einem Einkommen von WOOOO RM. und mehr rund 6000, die fast 1,5 Mil- . liarden RM. Einkommen hatten und allein 450 Millionen RM. Einkommensteuer zählten. Rur vier d. H. der veranlagten Steuerpflichtigen, nämlich £ 119000, umfaßt die Gruppe mit Einkommen non Über 1 6 000 R M. jährlich. Aber I '62 n. H. der Einkommensteuer hat diese Gruppe | aufbringen müssen.

Besonders interessant sind die Ermittlungen über den Familienstand. Auch hier zeigt sich wie­der, daß bei den höchsten Einkommenträgern die .Kinderzahl am kleinsten ist. Die bei weitem wich­tigste Gruppe für die Einkommensteuer der 23er« lanfagten ist die der verheirateten ohne ^Kinder. Sie erbringen allein 39 v. H. der Der» »anlagten Einkommensteuer. 40 v. H. der Veranlag- I iten sind kinderlos verheiratet. Die nächstwichtige «Gruppe hinsichtlich des Steueraufkommens sind die -Steuerpflichtigen mit Kinderer m ä ß i g u n g j ff ür ein und zwei Kinder, die 34 v. H. »des Aufkommens erbringen, mit zwölf v. H. folgen | Dann erst in weitem Abstand die Ledigen. Ein ! Wergleich mit den Lohnsteuerpflichtigen und niedri- Deren Einkommensträgern ergibt, daß auf 100 Ehefrauen bei den steuerbefreiten Lohnsteuerpflichtigen 281 Kinder ent­fallen Bei den steuerbelasteten Lohnsteuerpflichtigen 101 Kinder und bei den veranlagten Steuerpflich­tigen 81 Kinder, für die Kinderermäßigung gewährt wurde.

Die normale höhere Schule.

Der Reichserziehungsminister hat eine grundsätz­liche Regelung getroffen, die den Umfang der höhe- ren Schulen umgrenzt, die in früheren Jahren ent­standenen großen Schulsysteme beschränkt und eine Schule mit a ch t Klassen und etwa 260 Schülern als normal bezeichnet. Die höheren Schulen sollen in der Regel nur einen Zug nuffteigenber Klassen (Klassen 1 bis 8) ! tiaben, nur in Sonderfällen zwei Züge, also Parallel- Plaffen, deren Errichtung jedoch bereits die Genehmi­gung des Ministers voraussetzt. Wenn ein größerer Andrang zur höheren Schule festgestellt wird, soll die Errichtung einer neuen Schule ins Auge gefaßt werden. Für einen nur vorübergehen­den Zeitraum, nämlich für zwei Jahre, wird ge- iitattet, daß die hochstzulässige Besetzungsstärke der einzelnen Klassen, die in den Bestimmungen über »ie Schulreform bereits mitgeteilt worden ist, ü b e r- ch r i 11 c n werden kann. Die Klassen 1 und 2 (An- .angsklassen) dürfen danach in den beiden folgenden Schuljahren noch bis zu je 50 Schüler aufnehmen, Ute Klaffen 3, 4 und 5 je bis zu 40 Schüler, und die Klaffen 6, 7 und 8 je bis zu 30 Schüler. Von 1941 nn gelten dann als endgültige Hoch stzah - I en für die Unterstufe 40, für die Mittelstufe 35 «nd für die Oberstufe 25 Schüler. Die Herabsetzung der Klassenstärke, die zur Erreichung der durch die Schulreform gesteckten Ziele der höheren Schule als notmenbifl bezeichnet wird, soll auch in dieser Ueber- x angszeit angestrebt werden.

Wehrdienst

und private Krankenversickeruna.

Roch Wiedereinführung der allgemeinen Wehr­pflicht trat häufig der Fall ein, daß Leute, die eine s noate Krankenversicherung abgeschlossen hatten, nor die Frage gestellt waren, ob sie ihre Versiehe- rung aufgeben oder fortsetzen sollten. Es (►ab in vielen Fällen feine Möglichkeit, den Kranken­nersicherungsvertrag vorzeitig zu lösen, weil eine Kündigung im allgemeinen nur zum Ende des 23er- scherungsjahres vorgesehen ist. Das Reichsaus- sichtsamt gestattet nun der privaten Kranken- rarsicherung, daß bei Erfüllung der Wehr- oder Ar- b^itsdienstpflicht das Verficherungsverhältnis ruhen Darf. Sowohl die Pflicht des Versicherungsnehmers gar Zahlung der Beiträge als auch die Leistungs- Mcht der Versicherungsunternehmung werden aus» x-fetzt. Sie kann unmittelbar nach Abschluß der Dienstleistung wieder in Kraft gesetzt werden. Die Aussetzung der Versicherung muß vom Versicherten sofort bei Antritt des Wehr- oder Arbeitsdienstes tei der Versicherungsunternehmung schriftlich le an tragt werden. Dem Antrag muß ein Rach- Dreis über den Beginn der Wehr- oder Arbeits- i enstpflicht beigefügt werden, auf Grund dessen die Versicherung dann mit Wirkung vom ersten des nächstfolgenden Monats ausgesetzt wird. Ebenso ruß nach Erfüllung der Dienstpflicht ein entspre­

chender Antrag auf Wiederinkraftsetzung der Versicherung gestellt werden, und zwar späte- tens binnen vier Wochen nach Beendigung der Dienstpflicht. Rur bei militärischen Uebungen von weniger als vier Wochen Dauer ist eine Aussetzung der Versicherung nicht möglich.

Ausbau des Meldewesens.

Für das polizeiliche Meldewesen ist im Reichs- Ministerium des Innern ein großzügiger Ausbau in Form einer nach G e d u r t s j a h r g ä n g e n geordneten Kartei sämtlicher Einwohner des Deutschen Reiches geplant. Die Vorarbeiten sind soweit gediehey, daß der Plan einer Volkskartei vor der Verwirklichung steht. Don dieser Dolkskartei

werden alle Personen vom vollendeten 5. bis zum vollendeten 70. Lebensjahr ersaßt. Soeben sind Maßiiahmen getroffen worden, um zunächst d i e Schulkinder vom vollendeten 5. bis zum vollendeten 14. Lebensjahr für die Dolkskartei schon jetzt mit Hilfe der Schulen zu erfassen. Die Schulen erhalten eine entsprechende Anzahl von Dolkskartei- karten, wobei die braunen Karten für die Knaben, die grünen für die Mädchen bestimmt sind Auch die Juden werden von dieser Dolkskartei erfaßt. Die Karten der jüdischen Schüler erhalten in der linken oberen Ecke einJ". Für die Erfassung der Personen vom vollendeten 14. Lebensjahr ab ist eine gesetzliche Regelung vorgesehen.

SA. und Wehrmacht.

Oer Auftrag des Führers an die SA. Stärkung der deutschen Wehrkraft.

Berlin, 26.Jan. (DNB.) DerVölkische Beobachter" veröffentlicht zum Erlaß des Füh­rers über die vor- und nachmilitärische Ausbildung der SA. einen Artikel von Major von Wedel im Oberkommando der Wehrmacht, in dem es heißt: .Mit freudigem Herzen hat die Wehrmacht von dem Erlaß des Führers Kenntnis genommen, durch den die SA. zum Träger der vor-' und nachmilitä­rischen Ausbildung bestimmt ist. Gerade wir Sol­daten, die wir den Weltkrieg, aber auch den Zu­sammenbruch von 1918 miterlebten, wissen am besten, daß $um erfolgreichen Soldaten nicht nur die Beherrschung des Waffenhandwerkes gehört, sondern daß den Wert des Soldaten neben der kör­perlichen und militärischen Ausbildung die sitt­lichen und seelischen Kräfte bedingen. Eindeutig dient der Hauptwert der aktiven Dienst­zelt in der Wehrmacht in diesem Sinne auch der Erziehung zum wahren Soldaten. Hand in Hand hiermit geht die militärische Aus­bildung, die Ausbildung mit der Waffe, die Aus­bildung fürs Gefecht.

Wir wissen aus den geschichtlichen Erfahrungen gerade auch wieder der letzten 25 Jahre, daß selbst die beste Armee der Welt erschüttert werden kann, wenn sie nicht mehr aus weltanschaulicher Grundhaltung heraus kämpft. Der Ratio- nalsozialismus hat aus dieser Erkenntnis die not­wendigen Konsequenzen gezogen. Sie gipfeln in der Tatsache, daß für alle Zukunft der deutsche Mensch nicht nur während des aktiven Wehrdienstes, son­dern von frühe st er Jugend an bis ins späte Alter im Sinne wehrhafter nationalso­zialistischer Volksgemeinschaft erzogen, geprüft und erhalten wird.

In dem Ring der Erziehung find der SA. und der Wehrmacht entscheidende Aufga­ben gestellt, lieber Schule, Jungvolk und HI. führt der Lebensweg die Masse der deutschen Jugend und die Wehrmannschaften der SA., fofern sie nicht in ff, RSKK. oder RSFK. einrücken. In ihren Reihen wird künftig jeder deutsche Mann, der das 17. Le­bensjahr vollendet hat, seiner sittlichen Pflicht gegen Volk und Vaterland nachkommend, sich der vor­militärischen Ausbildung unterziehen und das SA. - Wehrabzeichen erwerben. Wenn die Wehrmacht bisher schon zu schätzen wußte, daß die Masse der Wehrpflichtigen durch SA., ff, HI. usw. wehrfreudia und innerlich auf soldatische Denkweise eingestellt, durch diese Verbände und besonders auch durch den Reichsarbeitsdienst in die militärischen Grundformen eingewiesen, zu den Fahnen kam, so begriff sie um so mehr, daß sie künftig geistig und

körperlich noch besser vorgebildete Rekruten er­hält, um Dann aus diesen um so bessere Soldaten machen zu können. Die Erziehungs- und auch Die Ausbildungsarbeit ist Der Wehrmacht Damit w e - sen11ich erleichtert. Sie wird diesen Vorteil durch Steigerung und Derbesserungder Waffen- und Gefechtsausbildung zu nutzen wissen.

Die Wehrmacht wußte es zu würdigen, daß Die nach ihrer aktiven Dienstzeit AusscheidenDen nicht in Das politische und soldatische Nichts tyinausgingen, sondern ihr Leben lang durch Die Partei und ihre Gliederungen in wehrhaft - nationalsozialistischem Geist erhalten blieben, und daß Der körperlich, geistig und moralisch anerzogene soldatische Wert weiter erhalten werde. Zur Sorge aller verantwor­tungsbewußten soldatischen Führer aber gehört die Frage, wie mühsam in zweijähriger Dienstzeit Der erworbene Ausbilbungsgang auf möglichst lange Zeit erhalten merDen konnte. Stellen Doch Die aus- geschieDenen Reservistenjahrgänge unsere mensch­liche Kraftreserve für Den Kriegsfall Dar. Da ist es nun sicherlich nicht gleichgültig, ob Der einzelne schon Drei bis vier Jahre nach seiner Dienstzeit seine militärischen Grundlagen verliert oDer ob er noch nach langen Jahren Soldat bleibt. Diese Sorge bewog die obersten militärischen Füh­rer, insbesondere Den Oberbefehlshaber Des Heeres, Generaloberst von Brauchitsch, in Uebereinflimmung mit Dem Stabschef Der SA. Viktor Lutze, Dem Füh­rer Die nunmehr ungeordnete Lösung vorzuschlagen.

Alle ehrenvoll aus Dem aktiven WehrDienst aus- scheibenben unD dienstfähigen Soldaten werden künftig erfaßt und laufend in körperlicher und soldatischer Leistungsfähigkeit erhalten. Reben Dem Erhalten Der körperlichen Rüstigkeit wirD jeDem Gelegenheit gegeben sein, sich auch Die Gewandtheit im Gelände und i m Umgehen mit Dem Gewehr beim Schul­schießen zu erholten. Im unmittelbaren Einver­nehmen zwischen Den verantwortlichen Stellen Der Wehrmacht unD SA. merDen alle Einzelheiten ge­regelt merDen. Die SA. hat bereits betont, mie sehr sie Das ihr neu übertragene Aufgabengebiet begrüßt. Die Wehrmacht ihrerseits sieht in Den neuen Maß­nahmen Des Führers eine-S tärfungDerDeut« scheu Wehrkraft, eine Sicherung ihrer eige­nen Schlagkraft auf lange Sicht. Sie begrüßt Dar­über hinaus aber auch die Tatsache, daß d i e BandezmischenSA. undWehrmacht.die schon seit geraumer Zeit geknüpft sind, m i e b e r u m enger merden."

Greuelenten.

Von unserer Äer iner Schriftleiiunq.

Reichspressechef Dr. Dietrich hat in seiner Rede vor Den in Berlin tätigen Vertretern Der AuslanDspresse festgestellt. Daß die Männer der Presse Das oerbinbenbe Element im Leben der Völker bilden. Er hat noch andere ausgezeichnete Formulierungen gebraucht, die den Beifall Der Auslandsjournalisten fanDen. Leider haben mir zur gleichen Zeit eine ganze Reche von AusIanDs- melbungen sammeln müssen Die mieDer einmal Den Gegensatz zwischen Theorie unD Praxis geraDc auf dem Gebiete Der Berichterstattung über Deutsch- lanD erkennen lassen. Gewiß, viele AuslanDsbe* ridjterftatter in Deutschland mißbilligen die gegen uns mit den niederträchtigsten Mitteln betriebene Hetze, aber soweit reicht ihre Kraft doch nicht, ihren Heimatrebaktionen beizubringen, daß der Journalismus auch eine Verpflichtung mit sich bringt, wie sie Dr. Dietrich soeben klar Um­rissen hat.

So lesen wir jetzt in einer Reihe von ausländi­schen Zeitungen, daß der 30. Januar alle mög­lichen politischen Ueberraschungen bringen werde. Das krauseste Zeug wird durcheinander phanta­siert, jedes Blatt gibt sich Den Anschein, als be­ziehe es seine merkwürdigen Informationen direkt aus der Reichskanzlei. Tatsächlich werden diele Gerüchte in irgendwelchen Lügenfabriken geschmie­det und Dann herumgereicht. Keiy Wunder also, wenn man neue deutsche Angriffspläne veröffent­licht, Die aufecht" frisiert werden, indem man in Kärnten zwei ür den D i e n st in K o - lonialgcbieten zusammengestellte Divisionen in Erscheinung treten läßt. An­derntags hat eines dieser Hetzblätter diese Divi­sionen wieder von Der Bildfläche verschwinden las­sen, weil es doch nicht wagte, gegen ein hand­festes deutsches Dementi aufzumucken. Umso em­siger sind andere Organe. Sie sprechen von Mobil­machungsmaßnahmen, von einer Expedition gegen Spanisch-Marokko, von einem bevorstehenden lieberfall auf Die Schweiz unD Die RieDerlanDe, von einem beabsich­tigten Raub RieDerlänDisch-Indiens. Und so geht es bunt Durcheinander.

Wir könnten derwahrheitsuchenden" Ausland- landpresse noch ein paar Winke geben, etwa den, daß die verschwundenen Kärntner Divisionen plötz­lich in Taucheranzüge gesteckt worden sind, um Das sagenhafte Atlantis, Das irgendwo 'auf Dem Mee- resboben liegen soll, zu besetzen. Aber Das wäre schon Verrctt militärischer Geheimnisse. Wir könn­ten Dieser Presse aber auch empfehlen, sich von ihren Berichterstattern in Berlin einen eingehen- Den Vortrag über Den Sinn Der ReDe Des Reichs­pressechefs halten zu lassen, bezweifeln indessen, ob man draußen bereit ist, ein Bekenntnis zu aufbauender Arbeit im Leben Der Völker abzu- legen. Denn das würde für viele mit finanziellen Einbußen verbunden fein, auf die man nicht ver­zichtet, eben weil man einem Journalismus hul­digt, der meilenweit von den Idealen entfernt ist, die jeden Träger dieses Berufes beherrschen sollten.

UeberaU ist die denkbar größte Unordnung. Der amerikanische ZerstörerBata er" ist' aus Calbetas, einem kleinen Hafen 30 Kilometer nördlich von Barcelona kommend, mit 22 amerika­nischen Flüchtlingen an Bord in Marseille ein­getroffen. Ein zweiter amerikanischer Zerstörer, Der ebenfalls zahlreiche Flücktliche amerikanischer Staats­angehörigkeit an BorD yat, wirD noch erwartet.

0er Ring um Barcelona schließt sich.

Salamanca, 26. Ian. (Europapreß.) Das nationalspanische Hauptquartier melDet: Der Vor­marsch Der nationalen Truppen wurde Mittwoch nachmittag im Westen und im Nordwesten von Barcelona fortgesetzt. Trotz des erbitterten Wider­standes des Feindes sind die nationalen Truppen um acht Kilometer vorgedrungen. Sie haben die bedeutende Stadt T a r r a f a, nordwest­lich von Barcelona, eingenommen und sind über diesen Ort hinaus in südlicher Richtung üorgeDrun- den. Das navarresische Armeekorps hat den Ort Rubi, südlich von Tarrasa, besetzt, während das marokkanische Armeekorps zwei weitere Brücken­köpfe am Llobregatfluß einnahm und überall das linke Ufer des Flusses besetzte. Im Norden

Sabadell,

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haben die nationalen Truppen ihren Vormarsch rechts und links von S o l s o n a fortgesetzt. Sie sind bereits bis in die Nähe des Flusses Rubi vorge- Drungen und haben im nördlichen Kampfgebiet die Straße von Solsona nach Manrefa bereits weit überschritten.

Der nationale Heeresbericht meldet ferner vom Nordabfchnitt Die Eroberung Olianas an Der Hauptstraße LeriDafranzösische Grenze sowie Der Ortschaften ©arDo na und C 1 ariana, Die beibe an Der Straße SolsonaManresa liegen. Im Mittelabschnitt rourDen u. a. SampeDor unD Olesa De Monserrat besetzt. Vom Südab- schnitt muß besonders die Einnahme des wichtigen Knotenpunktes Molins del Rey sowie Der Vor­orte Barcelonas Esp 1 ugas und Hospitalet verzeichnet werden. Es wurden 1100 Gefangene ge­macht, ein Panzerzug erbeutet unD in SampeDor eine betriebsfähige Munitionsfabrik übernommen. Die vier Orte Hospitalet, Esplugas unD CornuDella finD zu einem Heerlager Der Marokko-Truppen ge­worden. Gegen Mitternacht befahl General 2)ague Den Vormarsch auf das Fort Montjuich. , Während der Ring um Barcelona immer enger

gezogen wird, gestaltet sich Die Lage in der Stadt immer ernster. Die letzten im nationalen Lager eingetroffenen Flüchtlinge aus Barcelona be­richten, daß die Bevölkerung in und um Barcelona noch immer auf über zwei Millionen geschätzt werde. Sie verfüge feit sieben Tagen kaum noch über Lebensrnittel. Eine große Anzahl Be­amter des Sowjetregimes hätten mit ihren Fami­lien Die Stadt im Kraftwagen auf Der freigebliebe­nen Rückzugsstraße nach Der französischen Grenze zu verlassen. In Barcelona sind sämtliche Lä­den geschlossen und die Straßen trotz der unter der Bevölkerung herrschenDen Erregung fast menschenleer. Alles ist in Die Luftschutzkeller geflüchtet. Trotz strengster 23erbote bilden sich immer wieder Zusammenrottungen von Frauen, die auf jede nur mögliche Art versuchen, sich Lebensrnittel zu verschaffen; sie werden mit brutaler Gewalt im­mer wieder auseinanbergetrieben. Die Kriegsgerichte tagen ununterbrochen. Sie verurteilen Hunderte von Einwohnern zum Tode. Die Zeitungen haben ihr regelmäßiges Erscheinen eingestellt. Nur der Rund­funk richtet noch ohne Unterlaß Aufrufe an Die Be­völkerung,im WiderstanD nicht zu erlahmen unD keinen Zoll Bodens dem Feinde zu überlaffen".

In den Morgenstunden des Mittwochs lag Der Hafen von Barcelona in dichtem Pulverqualm. In unaufhörlicher Folge gingen Die Einschläge Der Granaten Der schweren nationalen Artillerie auf Den Kais nieDer, jedesmal riesige Sprengtrichter hmterlaffend. Ein großer Teil der im Hafen von Barcelona liegenden fowjetfpanifchen Handelsdamp- fer und ein Teil der Fischerboote ist Dem Geschoß- hagel zum Opfer gefallen. Das war Die Absicht Der nationalen Heeresleitung, Die verhinDern wollte, Daß sich auf Dem Seewege noch größere Flüchtlings- maffen nach SüDfrankreich begeben konnten. Am Mittag flaute Das Geschützfeuer immer mehr ab, da Die sowjetspanische Artillerie zum Schweigen ge­bracht unD Das Armeekorps Tague so Dicht an Den Hasen herangerückt war. Daß es diesen bereits mit schweren Maschinengewehren beherrschen konnte.

Flüchtlinge

an der französischen Grenze.

P a r i s, 26. Jan. (DNB. Funkspruch.) Der fran­zösische Botschafter in Sowjetspanien, Jules Henry, hat Barcelona in Begleitung Der Militär- Attaches an BorD Des ZerstörersSiroco" verlassen unD ist in Port 23 e n D r e eingetroffen. An Bord Des Zerstörers befanden sich zahlreiche fran­zösische Flüchtlinge aus Barcelona. An Der französisch-katalanischen Grenze hat sich Die Lage in Den letzten 24 StunDen wenig ge­ändert. Die Flüchtlinge, Die versuchen, sich auf fran­zösischen Boden in Sicherheit zu bringen, werden fast durchweg 'von den sowjetspanischen Milizen angel) alten; nur ganz wenigen ist es bisher gelungen, Die Grenze zu überschreiten. Aus ihren Berichten geht hervor, Daß Die Lage in Bar­celona unhaltbar geworden ist. Gsrona und Fi- guerasjinDvonFlüchtlingenüberfüUt.

Amerika verdient am Rüstungsfieber.

Neue französische Flugzeugantäufe.

Paris, 25. Ian. (Europapreß.) DerParis Midi" berichtet aus Neuyork, daß die französische Regierung im Begriffe stehe, eine große Bestellung von Militärflugzeugen in Den Vereinigten Staaten zu tätigen. Gegenwärtig laufe noch ein im ver­gangenen Jahre abgeschlossener Vertrag für Die Lieferung von 100 Curtiß-Jaadflugzeugen, von Denen bis jetzt etwa dreißig nach Frankreich geschickt worden seien, während Die restlichen bis zum April geliefert roürDen. Die neuen Verhandlungen be­ziehen sich auf Die Lieferung von 600 Militärflug­zeugen verfchieDener Typen. Verfuchsflüge mit neu­artigen amerikanischen Militärflugzeugen, Deren Konstruktion geheimgehalten wirD, sollen große Be- ad)tung gefunDen haben. In Los Angeles soll ein neuartiges, zweimotoriges Douglas-Bombenflug­zeug, Das einen Vertreter Des französischen Luft­fahrtministeriums namens SchmiDlin an Bord hatte, abge stürzt fein, wobei Der Pilot getötet und SchmiDlin schwer verletzt wurDe. In Buffalo soll ein für Die französische Regierung bestimmtes Curtiß-JagDflugzeug bei Dem Abnahmeflug eine GeschwinDigkeit von 620 StunDenkilometern erreicht haben.

Kabineitöwechsel in der Türkei.

Ankara, 25. Jan. (DRB.) Die Kammergrup­pe Der Volkspartei beschloß Die Selbstauflo- f u n g Der türkischen , Rat io naiver- s a m m l u n g, in Der sie über Die absolute Mehr­heit verfügt. Das Kabinett Celal Bayar trat zu­rück. In Der neuen Regierung, Die Der bis­herige Innenminister Refik SayDam gebilDet hat, übernahm Der Abg. Faik Oztrak Das Innenministerium. Der bisherige LanDwirtschafts- mimster Faik Kurt oglu schieb aus; an feine Stelle trat Muhlis Erkmem, Der im Kabi­nett Ismet Jnonüs Das gleiche Ministerium inne- hatte.

Meine politische Nachrichten.

Der Führer unD Oberste Befehlshaber Der Wehrmacht sprach in Der neuen Reichskanzlei zu Den höheren Befehlshabern Des Heeres, Der Kriegsmarine unD Der Luftwaffe, Die im An­schluß Daran Gäste Des Führers waren.

Am Samstag, Dem 28. Januar, Dem VorabenD Des Tages Der Deutschen Polizei, spricht von 19.40 bis 20 Uhr Der Reichsführer *n unD Chef Der Deutschen Polizei Himmler über alle deutschen Sender mit Ausnahme des Deutschland- senders. In allen Standorten der Polizei werden $u diesem Zeitpunkt die Führer und Männer der oeutschen Polizei v,on ihrem höchsten Ches Die Pa­role für ihre weitere Arbeit entgegennehmen.

König Boris von Bulgarien hatte im Palazzo Venezia mit Dem Duce eine zweistünDige herz­lich verlaufene Unterredung.