Die Kulturarbeit der Hitler-Lugenals Erziehungsaufgabe.
Leranstaltungsringe für die Stadt- und die Landjugend.
Neben der sportlichen und weltanschaulichen Schulung nimmt die kulturelle Arbeit in der Hitler- Jugend einen breiten Raum ein. Gerade Gießen ist aus diesem Gebiet den meisten Städten voraus, da der Theaterring der Hitler-Jugend in Gießen, der nun seit zwei Jahren besteht, einer der ersten im ganzen Reich war. In diesem Jahre wird nun der bisher bestehende Theater- ring zu einem Veranstaltunasring erweitert, indem er sich nicht nur auf das Theater beschränkt, sondern alle kulturellen Möglichkeiten der Stadt Gießen zu nutzen versucht.
So werden unsere Jungen und Mädel außer sieben Theatervorstellungen noch einem Musik- abend des Konzertvereins und zwei oder drei Filmvorstellungen besuchen. Weiterhin laufen zur Zeit noch Verhandlungen mit dem Goethe-Bund im Hinblick auf den Besuch von Dichterabenden. An Theatervorstellungen sind vorgesehen: eine Oper („Die lustigen Weiber von Windsor"), eine Operette („Der Zigeunerbaron"), drei Dramen („Agnes Bernauer", „Maria Stuart" und „Prinz von Preußen") und drei Lustspiele („Für die Katz" von Hinrichs, „Der eingebildete Kranke" und „Erzwungene Heirat" van Moliere). Der Veranstaltungsring wird am 2. Oktober mit der Vorstellung „Agnes Bernauer" beginnen.
Damit die gesamte, kulturell interessierte Jugend im Veranstaltungsring erfaßt werden kann, darf die Teilnahme nicht von der finanziellen Lage des Jungen abhängen. Es konnten durch das Entgegenkommen aller beteiligten Körperschaften die Eintrittspreise sehr gering gehalten werden. Die Mitglieder zahlen pro Jahr einen Unkostenbeitrag von 0,20 RM., für die Theatervorstellung 0,70 RM. und für eine Filmvorführung 0,40 RM. Wie in den Vorjahren zahlen sie für die Morgenfeiern des
Stadttheaters auf allen Plätzen 0,25 RM. Außer den sieben Pflichtvorstellungen kann jede Mittwoch- vorstellung zum Eintrittspreis von 0,85 RM. besucht werden. Durch reichseinheitliche Regelung bekommen die Mitglieder des HJ.-Veranstaltungsringes 50 v. H. Ermäßigung zu allen Veranstaltungen der NS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude".
Zum ersten Male wird in diesem Jahre der Versuch unternommen, auch das Land in die kulturelle Arbeit einzubeziehen. Da wegen ungünstiger Zugverbindung im Winter keine Anfahrtsmöglichkeiten bestehen, waren die meisten Jungens und Mädels vom Lande von der Teilnahme ausgeschlossen. Die Bannführung versucht nun, durch Gründung eines zweiten Veranstaltungsringes diesem Mißstand abzuhelfen. Die Vorstellungen dieses Land-Deranstal- tungsringes finden Sonntag nachmittag um 14.30 Uhr statt. Es werden drei Theatervorstellungen gegeben, und zwar Lessings „Agnes Bernauer", Hinrichs „Für die Katz" und ein Moliere-Abend mit „Erzwungenen Heirat" und „Der eingebildete Kranke". Der Veranstaltungsring auf dem Land wird durch Vorträge in Verbindung mit dem Volksbildungswerk der NS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude" erweitert werden. Der südliche Teil des Bannes 116 wird eine ähnliche Organisation im Sommer kennenlernen, indem dort ein Veranstaltungsring mit dem Sitz in Bad-Nauheim gegründet wird.
Die gesamte Arbeit ist getragen von dem Wunsche, die Jugend in ein nahes Verhältnis zu den Werken der Dichtung, der Musik und des Films zu bringen und sie so die edlen Gestaltungskräfte im Leben unseres Volkes kennenlernen zu lassen. Die Arbeit in den Veranstaltungsringen stellt einen wesentlichen Teil der Bildungsaufgabe der Hitler-Jugend dar.
Reichsparteitag des Friedens.
Zeigten bereits die letzten Parteitage, daß das Nationalsozialistische Fliegerkorps, gemäß seiner Aufgabenstellung, nicht nur als Formation im Vorbeimarsch vor dem Führer und bei den NS.-Kampf- spielen vertreten ist, sondern auch fliegerisch in Erscheinung tritt, so wird der diesjährige Parteitag des Friedens diese Tatsache in noch größerem Rahmen Herausstellen. In Norddeutschland, im Fluggelände Trebbin, sind die bekanntesten Flugzeugführer des NS.-Fliegerkorps zusammengezogen, um das fliege- rische Programm, mit dem diesmal das NS.-Fliegerkorps in Nürnberg aufwarten will, einzuüben. Lösten bereits beim letztenmal die drei Hochleistungssegelflugzeuge mit ihrem Kunstflugprogramm und der anschließenden genauen Landung vor der Führertribüne lebhaften Beifall aus, so soll in diesem Jahre das Programm noch erheblich erweitert werden. Von der NSFK.-Gruppe 11 ist deshalb NSFK.-Obertrupp- führer Jochem Kühn (Darmstadt) nach Trebbin kommandiert worden, um als gewissenhafter Schlepp- Pilot zum Gelingen der Schaunummern beizutragen.
Aber nicht nur in der Luft, auch auf dem Boden muß sich ein Flugzeugführer bewähren können. Aus dem gejamten Bereich der Gruppe 11 (Hessen-
Schützt die Er
Es ist kaum ein Tag in den Sommermonaten, an dem nicht Meldungen über teilweise beträchtliche Brandschäden auf dem flachen Lande bei den Versicherungsgesellschaften einlaufen — Jahr für Jahr geht der dringende Appell an das deutsche Landvolk, größeres Augenmerk auf die Brandverhütung und den Ernteschutz zu richten, und doch ist unverändert die traurige Feststellung zu machen, daß alljährlich riesenhafte Werte dem Feuer zum Opfer fallen. Von den rund 400 Millionen Reichsmark, die insgesamt an Sachwerten im Altreich im Laufe eines Jahres durch Brand vernichtet werden, fallen allein ungefähr 250 Millionen Reichsmark auf das Land, und was allein an Nahrungsmitteln dem Verlust anheimfällt, würde laufend den ständigen Bedarf von rund 200 000 Volksgenossen decken können.
Nicht nur riesige Erntevorräte an Getreide und
Westmark) des NS>Fliegerkorps nehmen etwa 130 Marschteilnehmer an dem Parteitag in Nürnberg teil. Drei bewährte Stürme: 2/72 Bad Kreuznach, 8/75 Diez an der Lahn und 5/77 Rüsselsheim am Main, sind für die Entgegennahme ihrer Stürmfahnen vorgesehen. Nachdem bei den Reichswettkämpfen des NS.-Fliegerkorps in Düsseldorf die NSFK.-Gruppe 11 auf wehrsportlichem Gebiet gute Leistungen erzielen konnte, stellt sie nun für die NS.-Kampfspiele anläßlich des Parteitages zwei Mannschaften.
Im Mannschaftsorientierungslauf (NSFK.-Sturm- führer $unge, NSFK.-Scharführer Neubert, Rotten- 'führer Schmitt und NSFK.-Mann Leichter vom NSFK.-Sturm 1/75 Frankfurt a. M., ist eine Strecke über 6 km mit 4 Kontrollpunkten zu laufen, aus der außerdem verschiedene Bedingungen zu ersül- lien sind. In der 4X100-m-Staffel wird die NSFK.- Gruppe 11 durch NSFK.-Truppführer Scheer vom Sturm 5/72 Bad Kreuznach, Oberscharführer Eisenhauer vom Stabe der Gruppe 11 und die NSFÄ.- M ärmer Schluer vom Sturm 1/77 Darmstadt und Reichenbach von 2/77 Offenbach vertreten.
nie vor Dran-?
Heu werden jährlich ein Raub der Flammen, sondern auch eine große Anzahl von Nutz- und Schlacht- tieren. Wenn auch der gesamte Schaden, der dadurch dem deutschen Viehbestand zugefügt wird, noch nicht zahlenmäßig erfaßt ist, so lassen doch die Berichte einzelner Feueroersicherungsanstalten erkennen, in welch beträchtlicher Zahl Vieh dem Feuer zum Opfer fällt. Um es vor Brandgefahren zu schützen, müssen vor allem die elektrischen Anlagen in den Ställen in Ordnung sein. Scheunen und Ställe dürfen niemals mit offenem Licht betreten werden, und Rauchen ist dort strengstens verboten. Da 86 v. H. aller Blitzeinschläge das Land treffen, muß auch für den nötigen Blitzschutz gesorgt werden. Dazu genügt es nicht, die Ställe mit Blitzableitern zu versehen, sondern alle Eisenteile in ihnen ebenfalls an den Blitzableiter anzuschließen und sorg
Aus der Stadl Gießen.
Wieder daheim...
Der O-Zug eilt pfeilschnell durch die Landschaft, in der die Farben des Spätsommers wirksam sind. Die Sonne gibt diesen Farben eine erstaunliche Leuchtkraft, und du stehst am Abteilfenster und läßt die bunten Bilder träumerisch an dir vorübergleiten. Gestern noch saßest du in dem hübschen kleinen Kaffeegarten deines Urlaubsortes und schriebest die letzten Karten aus der Sommerfrische. Dann hast du noch einen ausgiebigen Bummel durch die reizvolle Gegend gemacht, aber als heute früh das Weck- zeichen kam, da war es gleichzeitig das Schlußsignal für den schönen Ferienaufenthalt. Leider!
Und nun schaust du also aus dem Abteilfenster und denkst an die Tage zurück, in denen du völlig unbeschwert das Glück der freien Zeit genießen konntest. Deine Gesichtsfarbe ist einigermaßen gebräunt, kein Wunder, du hast dich auch redlich darum bemüht. Wenn sie dich morgen im Büro Wiedersehen, werden sie dir zweifellos Komplimente machen, und du wirst das Wetter mächtig herausstreichen und nachdenklich sagen: „Ja, Kinder, es war eine pradjb volle Zeit!" Merkwürdig, wie die Gedanken sich so rasch schon wieder mit der alltäglichen Umwelt beschäftigen. Dabei ist dir noch gar nicht zumute, als wäre es mit dem Urlaub schon völlig zu Ende.
Aber jetzt tauchen seitwärts vom Schienenstrang bereits vertrautere Bilder auf. Drüben ist der Ort, in dem du im Frühjahr mal einen Wochenendaufenthalt verbracht hast. Und gleich kommt auch die letzte Station, wo der O-Zug noch einmal hält, ehe er dem heimatlichen Bahnhof zustrebt. Ja, bas, ist zweifellos schon die heimatliche Landschaft, völlig unverändert und sehr verschönt von dem Sonnenschein des spätsommerlichen Tages. Nur kurze Zeit bist du fortgewesen, aber jetzt kommt es dir vor, als sei inzwischen eine Unendlichkeit verstrichen. Ob im Büro alles noch feinen Gang geht? Ob auch schon der große Auftrag eingegangen ist, um den du dich seinerzeit noch sehr bemüht hast? Eigentümlich, da sind sie schon wieder, die Gedanken an die Berufsarbeit. Es ist, als kämen sie gleichsam mit der Landschaft auf dich zu.
Donnernd fährt der Zug in die Bahnhofshalle ein. Ein wenig erregt nimmst du deinen Koffer zur Hand und springst auf den Bahnsteig. Schnuppernd ziehst du die Luit ein. Heimatluft, kein Zweifel. Drüben fährt der Zeitungsoerkäufer und preist seine Blätter an, von denen du einige kauftest, als du frohgemut die Reise antratest. An der Sperre gibst du deine Urlaubskarte hin, die Trennung ist ein bißchen schmerzlich, aber sie muß sein. Und dann stehst du also auf dem heimatlichen Pflaster. Du bist tatsächlich wieder daheim. Etwas benommen blickst du in das Straßenaewühl, der Wechsel kommt doch ein wenig plötzlich, aber das hat nichts auf sich. Wenn der morgige Tag erst vergangen ist, sieht die Umwelt schon wieder alltäglich aus, und in wenigen Tagen wird die Ferienfahrt nur noch eine angenehme, beglückende Erinnerung sein. H. W. Sch.
Vornotizen.
Tageskalender für Freitag.
Gloria-Palast, Seltersweg: „Das Ekel". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Die Geliebte".
Hitler-Jugend Bann 116.
INarine-Gefolgfchaft.
Samstag, 26. August, 15 Uhr, tritt die gesamte Marine-Gesolgschast am Heim an. Dienst: Umzug in das neue Heim an der Lahn. Junggenossen, die später Geschäftsschluß haben, müssen später kommen. Handwagen sind mitzubringen.
Am Samstag, um 16.15 Uhr, treten die Laubachfahrer zur Fahrt in die Bannführerschule am Bahnhof an.
Sonntag, 27. August, 9 Uhr, tritt die Gefolgschaft zum Umzug in das neue Heim in der Roonstraße an. Handwagen und Gartengeräte sind mitzubringen.
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Betr.: Sonderzug nach Berlin.
Dom 6. bis 10. 10. 1939 wird eine Sonderfahrt nach Berlin durchgeführt. Der Fahrpreis einschließlich zwei Uebernachtungen beträgt 19,— RM. Auskunft und Anmeldung in unserer Kartenverkaufsstelle, Seltersweg 60. 5713D
Der Täter mitten unter uns
Roman von Kurt Riemann
Copyright by Verlag Oskar Meister, Werdau f. Sa.
15. Fortsetzung. (Nachdruck verboten!)
„Selbstverständlich! Sicher! Ich habe natürlich längst in meinem Bett gelegen. Ich kam spät aus Glasgow zurück, war von der langen Fahrt sehr müde und ging sofort schlafen. Was sollte ich auch sonst getan haben? Ich hatte nur eine Verständigungsprobe und bin darauf sofort abgefahren. Ich war bereits gegen zehn Uhr in London und todmüde dazu. Was soll man da tun, als ins Bett zu gehen?" ereifert sich Holgerson. „Ich möchte nur vermeiden, daß ich irgendwie in einen Prozeß verwickelt werde. Wir Künstler schätzen solche Reklame nicht immer!"
„Das begreife ich vollkommen. Sie haben die kritische Nacht in Ihrem Bett verbracht. Nach menschlichem Ermessen ist damit die ganze Angelegenheit für Sie erledigt. Machen Sie sich keine Kopfschmerzen darüber."
Pembroke kritzelt hastig ein paar Notizen in feinen Schreibblock. Dann erhebt er sich und verabschiedet sich mit einigen herzlichen Entschuldigungen.
Lange sieht ihm Holgerson nach. Jene Nacht hat er keineswegs in seinem Bett verbracht.
Verteufelt! Wenn dieser Spürhund dahinterkäme!
Der kalte Schweiß tritt ihm auf die Stirn.
Mit nervösen Fingern stößt er seine Zigarette in den Aschenbecher.
Wenn man nur wüßte, was man tun kann? Vor allem Geld ... so viel bares Geld aus dem Werk herausziehen, als sich nur ermöglichen läßt ... und dann fort ... fort ... irgendwohin ... wo ihn niemand kennt, wo ihn niemand entdecken kann.
Blaß und verfallen sieht Asbjörn Holgerson aus, als er langsam durch die Straßen geht. Er schaut nicht nach rechts und nicht nach links ... es ist ihm diesmal gleichgültig, ob man ihn erkennt und be
wundernde Blicke hinter ihm hersendet ... er schaut nicht einmal in den Papierhandlungen nach, ob unter den Künstlerphotos auch das seine zu finden ist . . .
Er ahnt nicht, daß zur gleichen Stunde Mr. Pembroke bereits ein nachdenkliches Telephongespräch führt. Mit seinem Freunde, dem Inspektor Linkerton.
12.
Das Testament.
Die Testamentseröffnung bringt weiter keine Ueberraschung. Der Verstorbene läßt seinen Besitz den beiden Stieftöchtern zu gleichen Teilen zukommen. Gleichzeitig schlägt er seinen Bruder zum Leiter der Werke vor.
Dr. Kleiber, der Seniorchef der bekannten Anwaltsfirma „Kleiber and Son", hat das karge Dokument verlesen, dann räuspert er sich in der Stille, die entstanden ist, putzt umständlich seine Brille und setzt dann folgendes hinzu: „An der Ordnungsmäßigkeit des Testaments ist nicht zu zweifeln. Alle Bedingungen, die das Gesetz vorschreibt, sind erfüllt. Ich fühle mich allerdings verpflichtet. Ihnen zu erklären, daß das Testament in seiner vorliegenden Form nicht mehr dem- eigentlichen Willen des Erblassers entspricht."
Holgerson lacht kurz auf und wirft ein, daß das wohl eine rein private Vermutung des Anwalts sei.
„Gewiß!" bestätigt der sehr höflich. „Es ist nur eine private Ansicht. Leider. Aber ich möchte sie Ihnen nicht vorenthalten. Zweiundzwanzig Jahre ließ der Verstorbene seine sämtlichen Rechtsgeschäfte durch mein Haus erledigen. Wir haben hier in meinem Hause und auch in dem feinen manche Stunde gemeinsam verbracht. Ich weiß, welche Gedanken ihn bewegten. Dieses Testament ist vor gut zehn Jahren entstanden. In jener Zeit waren Sie, meine Damen, noch junge Mädchen, die eben als erwachsen ZU bezeichnen waren. Ihr Vater hat sie beide sehr gern gehabt ... obwohl er eigentlich nur Ihr Stiefvater war!"
„Unerhört, diese Fragen zu streifen. Mister Kleiber! Das gehört auf keinen Fall hierher!"
„Es gehört hierher, Mister Holgerson. Zu jener Zeit hat der Verstorbene wohl ein Testament gewacht, aber er hat kaum ernstlich mit feinem Ableben gerechnet. In den letzten zwei Jahren dagegen
waren feine Gedanken oft in die Zeit gerichtet, die nach ihm kommen würde, und die Frage „Was wird aus meiner Lebensarbeit, a-s meinem Werk?" hat ihm viel Kopfzerbrechen bereiter
Sie schien ihm erst gelöst, als er Doktor Hellmers kennenlernte. Doktor Hellmers ist hier nicht anwesend. Er nimmt an der Erbschaft nicht teil. Hätte Sir John wenige Wochen länger gelebt, so hätte man die Leitung der Werke wohl in die Hände seines engsten Mitarbeiters, eben des Herrn Doktor Hellmers gelegt. Das war der wirkliche letzte Wille des Verstorbenen.
Er hat zu mir oft davon gesprochen, es war feine feste Ueberzeugung, daß er in diesem Manne seinen geeigneten Nachfolger gefunden hatte.
Leider hat der Tod ihn ereilt, ehe er seinen wirklichen Willen zu Papier bringen konnte."
Der greife Anwalt räuspert sich, und diese Pause benutzt Holgerson, um spöttisch einzuwerfen, daß das ja alles Theorien feien, die hier nicht zur Debatte stünden.
,^Jst das auch die Meinung der anderen Herrschaften?"
Elaire zuckt die Achseln, ihr ist das alles gleichgültig, und in ihrer kurzen, drastischen Art gibt sie das denn auch zu verstehen.
William Perkins dagegen wiegt bedächtig den Kopf und meint, daß er keinen Grund zur Beunruhigung sähe. Selbstverständlich werde Doktor Hellmers auch weiterhin der technische Leiter bleiben, er wüßte keinen besseren Mann dafür.
Vivie wirst ihm einen dankbaren Blick zu, der ihm beweist, daß auch sie so denkt.
„Ich möchte Vaters eigentlichen letzten Willen respektieren", sagt sie, „ich freue mich, daß Onkel William der gleichen Meinung ist."
„Nun, dann war meine private Meinung doch nicht so ganz umsonst zum Ausdruck gebracht!" schließt der Anwalt die Besprechung zufrieden ab. "Und ich glaube Ihnen versichern zu können, daß es nicht nur den Werken zum Vorteil gereicht, sondern auch Ihnen persönlich. Die Früchte der Arbeit dieses Mannes fallen ja Ihnen, meine Damen, in den Schoß."
Auf dem Heimwege macht Holgerson seiner Frau heftige Vorwürfe. Er ist gar nicht damit einverstanden, daß eigentlich alles beim alten bleiben soll.
„Warum muß ein Fremder uns vorschreiben, was.
fällig zu erben. Besondere Schutzmaßnahmen sind auch an den Weiden zu treffen, „wo die Eisendrähte der Koppeln durch geerdete Querdrähte verbunden werden müssen und auf jeder Weide ein mit einer Blitzableiteranlage versehener Zufluchtschuppen sich befinden sollte."
Auch Selbstentzündung, Kurzschluß, Funkenflug von Kraftmaschinen, schadhafte Feuerstellen können nur zu leicht zum Gefahrenherd werden und erfordern daher sorgfältige Ueberwachung. Wir sind uns klar darüber, daß gerade auf dem flachen Lande die Brandursachen im Vergleich zu den Städten sehr vielseitig sind. Aber gerade aus diesem Grunde muß die Aufmerksamkeit des deutschen Landvolkes dem Ernteschutz gegenüber noch größer werden. In diesem Zusammenhang sagt man auch gewiß nichts Neues, daß an der weitaus überwiegenden Zahl der Brände und der Schäden dem Menschen selbst die Schuld zufällt, der in oft sorglosem Leichtsinn das Unglück heraufbeschwört.
Vor allen Dingen sind es aber noch die Kinderbrandstiftungen, die bisher das größte Unheil anrichteten. Gerade in der Erntezeit, die die Kräfte der Erwachsenen beanspruchen, bietet sich den oft unbeaufsichtigten Kindern Gelegenheit zu gefahrvollen Spielereien. So zählte man bisher noch rund 5000 Kinderbrandstiftungen, die zum weitaus größten Teil auf dem Lande zu verzeichnen waren. Wie aber gerade hier durch geeignete Maßnahmen eine Eindämmung dieser Brandstiftungen erzielt werden kann, das beweist die NSV. in ihrer Dorftätigkeit durch die Errichtung von „Erntekindergärten", die dadurch einen wertvollen Beitrag zur Verhütung der unheilvollen Kinderbrandstiftungen leistet. So wie in diesem Falle, werden sich durch noch stärkere Aufklärung und Ueberwachung auch andere Ge- fahrenmomente einschränken lassen. Denn es gilt, die deutsche Ernte, das tägliche Brot, vor dem „roten Hahn" zu schützen.
Musterung 1939.
Seit fünf Wochen ist die planmäßige und alljährlich übliche Musterung der Jahrgänge 1919 und 1920 im Gange. Die Musterungen in den Kreisen Lauterbach und Alsfeld sind bereits abgeschlossen. Gegenwärtig finden sich die Wehrpflichtigen aus dem Landkreis Gießen zur Musterung im „Burghof" in Gießen ein. Diele junge Männer aus der näheren Umgebung kommen in geschlossener Marschgruppe, oder auf geschmückten Leiterwagen an und sind guter Dinge. Nach den Klängen der Ziehharmonika wird manches Lied gesungen. Die Musterung der Wehrpflichtigen aus dem Stadtkreis Gießen fand bereits vor fünf Wochen statt.
Wie wir vom Musterungsoffizier, Oberstleutnant Kühne, hören, ist bei den jungen Wehrpflichtigen lebhafte Wehrfreudigkeit festzustellen. Als weitere erfreuliche Erscheinung fällt auf, daß die Landjugend in körperlicher und geistiger Hinsicht gegenüber früheren Jahren einen erheblichen Fortschritt aufzuweisen hat. Diese Fortschritte sind, so hören wir weiter, zweifellos darauf zurückzuführen, daß die Wehrpflichtigen, die durch die Hitler-Jugend, durch die SA., wie auch durch den Arbeitsdienst gingen, schon eine Erziehungsarbeit und körperliche Förderung erfahren haben, und werden jetzt bei den ärztlichen Untersuchungen bestätigt.
Mit besonderer Freude teilt der Musterungsoffizier mit, daß der Gang der Musterung durch die frische Art des Auftretens der Wehrpflichtigen, durch die klaren Antworten ufw. sehr gefördert wird. Als sehr zweckmäßig hat sich im Laufe der vergangenen Wochen das geschlossene Auftreten ganzer Arbetts- bienftabteilungen zur Aushebung erwiesen.
Diele junge Männer kommen mit klaren Wünschen im Hinblick auf die Zuteilung zu bieier ober jener Waffe. Diesen Wünschen wird — im Rahmen der Möglichkeiten — gerne entsprochen.
Lehrlinge für Ostern 1940 sind bis 1. Oktober zu beantragen.
Der Reichsarbeitsminister hat neue Richtlinien für die Einstellungsgenehmigung von Lehrlingen erlassen. Danach muß der Betrieb, der einen Lehrling einstellen will, einen Antrag auf Genehmigung von Lehrstellen unmittelbar an das Arbeitsamt richten. Eine Durchschrift ist, wie der Reichsstand des deutschen Handwerks weiter mitteilt, bei der zuständigen Innung einzureichen. Lehrstellen, die zu Ostern 1940 besetzt werden sollen, müssen bereits bis zum 1. Oktober dieses Jahres beim zuständigen Arbeitsamt beantragt sein. Auf die Einhaltung dieses Termins wird besonderer Wert gelegt. Eine
wir zu tun und zu lassen haben? W i r sind die Erben, wir haben zu bestimmen, was geschieht! Es ist schlimm genug, daß uns außer Claire auch dieser Onkel aus Schweden dreinreden kann. Na ja, Claire hat von Geschäften keine Ahnung, und Schweden ist weit, aber dieser Hellmers bleibt hier sitzen und wird uns dauernd im Wege stehen."
„Ich verstehe deine Aufregung einfach nicht, Asbjörn", schüttelt Vivie den Kopf. „Eigentlich sollten wir doch dankbar sein, einen tüchtigen Mann im Werk zu haben! Oder traust du dir zu, solches Unternehmen zu leiten?"
„Ich zweifle nicht im mindesten daran!" knurrt er mißmutig, und seine schlechte Laune bessert sich während des ganzen Tages nicht.
Am Abend fährt er in die City zurück, weil ihn die Probenarbeit ruft.
13.
M r. Holgerson wird unruhig.
Lärmende Tanzmusik. Männer im Abendanzug ober im Sakko, gerade, wie es ihnen gefällt. Die Frauen fast alle in weitausgeschnittenen freigebigen Kleidern. Rauchschwaden, Stimmengewirr, Klingen der Gläser, fröhliche Zurufe. Dazwischen schwarz- befrackte Kellner, die sich mühsam durch die brodelnde Menge zwängen. Und alles das gehüllt in rotes Licht unsichtbarer Leuchtkörper: Hochbetrieb in der „Greenhorn-Bar" ...
Hier gibt sich ein Stelldichein, was am Abend erst beginnt, lebendig zu werden.
Hier zählen nur die Stunden von Mitternacht bis in den hellen Morgen.
Asbjörn Holgerson schiebt sich durch die tanzende Menge, er wird bald hier, bald dort angerufen; mit zerstreutem Lächeln antwortet er, ohne einzuhalten.
Endlich hat er die Bar erreicht. Das blonde Mädchen, das dort mit der Würde einer wahrhaften Lady residiert, bekommt blanke Augen, als er sich schwer auf einen Hocker schiebt. Im Augenblick ist sie nur für ihn da, läßt alle anderen Gäste stehen.
Sie liebt Holgerson, obgleich er nie auch nur einen Blick an sie gewendet hat.
„Einen Whisky!"
Gedankenlos gießt er das Glas in sich hinein, ein zweites, drittes folgt. Noch immer stiert er vor sich hin.
Schweigend sitzt er und trinkt — trinkt.
(Fortsetzung folgt.)


