llr.M Zweites Blatt
Zreitag, 25. August 1939
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)
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Dann gibt es noch eine Familie tn diesem Harne. Der magere Alte hatte den Wein zu sehr geliebt. Denn vierzehn Tage vor dem Tag, da er in den Wald ging, um an dem starken Ast einer Buche fein L-eben zu beenden, hatte er in der Wirtsstube noch '»in Glas erhoben und das Lied vom Wein zum stztenrnol gesungen: vom Wein, der gut sei und es »inem Vater schon angetan habe, nun aber auch bei Hm anfange.
So dringlich diese Arbeiten aber auch sind, und so eifrig sonst das Tempo der Ernte vorangetrieben wird, so wird es doch noch in der Erntezeit einmal einen Tag geben, an dem in der ganzen Provinz alle Arbeit ruhen wird. Das ist der Tag von Tannenberg, an dem am Reichsehrenmal Ostpreußens Befreiung gefeiert wird. Weit im Umkreis von Hohenstein sind die Felder jetzt schon ab- geerntet. Run ist natürlich die Frucht hier nicht schneller gereift als in anderen Teilen der Provinz, aber man braucht diese Flächen zur Vorbereitung der großen Kundgebung, zur Unterbringung der Besuchermassen und vor allem auch für den Aufmarsch der Feldparade.. Um auf jeden Fall zu verhindern, daß dabei Ernte- und Flurschäden entstehen, sind schon im vergangenen Jahre mit den in Frage kommenden Landwirten Verträge abgeschlossen worden, die sie verpflichteten, auf diesen Feldern nur früh reifende Fruchtsorten zu pflanzen.
So ist jetzt schon auf einem dieser bereits ab geernteten Felder die B a r a ck e n st a d t im Bau, die Tausende von Gästen aus dem ganzen Reich aufnehmen wird. Diese Besucher, die von jenseits des Korridors kommen, werden mehrere Tage hier bleiben. Da die Zahl der Korridorzüge begrenzt ist, können die Sonderzüge nur in großen Abständen durchgeführt werden, so daß die Teilnehmer „von
[ter des mittelalterlichen Hauses, das fast nur aus gebuckelter Wand besteht: sie spiegeln ^nachts in ihrer Schwärze den fliegenden Bronze-Schein der fernen Laterne. An dieser Stelle ist es am schönsten im Winter. Da hängen von dem herb verlaufenden Schindeldachrand die Eiszapfen in einer Art kurzem Fransenoorhang nieder, und es funkelt von ihnen wie von einem weißen Edelsteinfeuer.
Dahinter wohnt die Wirtin, die lange Witwe mar. Oft, wenn ich abends meine Spaziergänge machte, sah ich ihr Fenster offen stehen und unseren mächtigen Schutzmann davor lehnen, der vor langer Zeit seine Frau verloren hatte. Das ganze Dorf sprach über diese Angelegenheit. Die erwachsenen Kinder der Wirtin, Sohn und Tochter, wollten nicht, daß die Mutter ihn heirate, weil ihnen dadurch das Erbteil entginge, und so gab es viele Jahre einen erbitterten Familienzwist. Wer von den Besuchern, die nachts in beschwingter Weinlaune vom Hof dieses Hauses die Stufen zur Straße emporstiegen, ahnte wohl, daß Mutter und Kinder hier so schlecht aufeinander zu sprechen waren? Schließlich hieß es, der Schutzmann hätte vor'dem Notar unterschrieben, daß er nichts vom Besitz der Wirtin begehre. Nun sehen also die beiden gemeinsam an den Abenden aus dem Fenster, als glückliche Eheleute, Mann und Frau. ...
Welche Chronik des Lebens ergäbe es, wollte man von der ganzen Dorfstraße erzählen: von der Straße, die schöne alte Giebelhäuser und funkelnde Eiszapfen am Dächerrand und Rosen hinter Gartenmäuerchen hat und deren stark gewundenes, lichtes Band zwischen Weinhügeln dem Wald zugeht.
3n der heutigen Hummer der Familienblätter beginnen wir mit dem Abdruck des neuen Romans „herz, wo liegst du im Quartier?“ von K u r l h e y n i ck e. Es ist das jüngste Werk eines namhaften zeitgenössischen Dichters, eine sehr anmutige, heitere und spannende Liebesgeschichte in Frankreich während des Krieges 1870.
Königsberg, im August 1939.
Auf allen Feldern Ostpreußens sieht man in diesen Tagen und Wochen, in denen sich die Erntearbeit unter der glühenden. Sonne zusammendrängt, die schlanken, jugendlichen Gestalten, die mit ganzem Eifer sich bemühen, in ihren Leistungen nicht hinter den geschulten Landarbeiterkräften zurückzubleiben. Es sind Studentinnen und Studenten, die von allen deutschen Hochschulen
stein und selbst im kleinsten Dors wehen die Fahnen des Großdeutschen Reiches. Alle Bahnhöfe haben festlichen Schmuck angelegt. Die Tribünenbauten sind vollendet, alle Vorkehrungen für die Unterbringung und Verpflegung der Massen bis in Letzte beendet. Etwa 100 Meter vor dem Ehrenmal ist das Rednerpodium aufgestellt. In der Nähe des Dorfes Wilken wird nach dem Staatsakt d i e Parade stattfinden. Hier sind Tribünenbauten von 6400 Meter Länge errichtet, die allein 40 000 Zuschauer aufnehmen können. Neben den Kämpfern des Weltkrieges wird die junge Wehrmacht des Großdeutschen Reiches und die Hitler-Jugend stehen. Das Gebiet I Ostland der HI. fuhrt einen Rad- marsch durch, der allein 20 000 Hitlerjungen nach Tannenberg bringt.
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nach dem Osten gekommen sind, weil die Notwendigkeit der Ernährungssicherung sie in diese landwirtschaftlich besonders wichtige Provinz rief. Auch ihr Einsatz hat noch nicht völlig genügt, alle Schwierigkeiten zu überwinden, denn man darf nicht vergessen, daß hier oben im Nordosten, so strahlend Sommer und Nachsommer meistens sind, doch sehr früh schon herbstliche Nebel und Kälte eintreten können, so daß dann Gefahr für wichtige Teile der Ernte bestünde. Um auf jeden Fall einer solchen Möglichkeit trotz des Mangels an Arbeitskräften vorzubeugen, ist jetzt die gesamte Bevölkerung der Provinz durch eine Polizeiverordnung verpflichtet worden, auf einen entsprechenden Aufruf hin sich i Erntearbeiten zur Verfügung zu
Oorfstraße zwischen Weinhügeln Don Robert Braun.
Gloria-Palast: „Das Mel".
In Wien, wo der Schauspieler Hans Moser zu HaUse ist, nennt man einen Menschen solcher Gemütsart eine „Z'widerwurzn"; ziemlich schwierig auszusprechen, wenn man nicht aus Wien ist, aber sehr treffend. Im übrigen Reichsgebiet lautet die Kennzeichnung kürzer und allgemeiner verständlich: ein Ekel. Zum Glück kommt es ziemlich selten vor, mindestens in so ausgeprägter und gräßlicher Form wie hier. Ein Mensch namens Karl Sträubler, Spediteur und Weingroßhändler: er ist der Schrecken seiner Mitwelt, der Tyrann seiner Familie, eine Nervenzerreißprobe für den Vorsitzenden des Gerichtes. Ihn ärgert das Kreischen der Straßenbahn: ihn bringen die Zibeben im Gugelhupf zur Raserei (die Rosinen nämlich, die er im Kuchen nicht finden kann) — er sperrt bas Televhon in den Koffer, damit seine Tochter nicht mit dem jungen Mann sprechen kann, den sie liebt; er stößt seine Kegelbrüder vor den Kopf und kündigt ihnen bas Haus; er läßt sich Angelhaken in bie Manteltasche nähen, weil er glaubt, es habe ihm einer feine • Meerschaumspitze baraus gestohlen. (Natürlich hat er bei nächster Gelegenheit selber die Angel in der Hand.) So ein Mensch. Das kann natürlich auf die Dauer nicht gut gehen. Das endet vor Gericht und im Gefängnis. Dor Gericht aber reckt sich das Ekel erst zu seiner ganzen Scheußlichkeit auf, und in dieser Szene erreicht der Komiker Moser eine beinahe erschreckende Steigerung grotesken Humors, indem er, übrigens diesmal jederzeit verständlich und gar nicht nuschelnd, einen mißgeschaffenen Charakter in völliger Folgerichtigkeit demaskiert. Das Ekel erweist sich nebenbei auch als ein Pechvogel außergewöhnlichen Formats, und es hat beinah etwas Versöhnliches, wenn man gewahr wird, daß ihm in Mosers Darstellung auch freundlichere Züge nicht völlig fehlen, obgleich gewiß mancher die im Gefängnis vollzogene Wandlung und eine schöne Dauer der rührenden Familienszene zum Schluß leise bezweifeln wird. Moser beherrscht die Szene so sehr, daß das übrige, von Hans Deppe geführte Ensemble mehr oder minder als Chor wirkt, der mit verteilten Rollen jenem die Stichworte und den Explosivstoff zu liefern hat. Immerhin tun sich Josefine Dora, Fritz Kämpers, Ernst Waldow und die beiden Liebespaare — Herma Relin und Hans Holt; Else v. Mülle n d o ff f und Kurt Meise 1 — unter manchen andern hervor. — (Tobis.)
Im Vorprogramm gibt es neben der Wochenschau einen hübschen Kulturfilm, der in Wort und Bild die hohe Intelligenz und vielseitige Verwendb^- des deutschen Schäferhundes schildert
Hans Thynot.
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Zeitschriften.
— Heft 7/8 der von Dr. C. Hitzerokh m Marburg herausgegebenen Heimatzeitschrift „H e s s e n 1 a n d" wird ein geleitet durch einen Rückblick „100 Jahre Marburger Geschichtsverein" von Walter Kürschner. An Hand von Abbildungen gibt Kurt Scharlau eine „Landschaftliche Charakteristik des Amöneburger Beckens", während Heinrich Diefenbach in einem Aufsatz „Königshöfe im Umlande der Amöneburg" einige Nebenergebnisse einer größeren Arbeit über die Territorialgeschichte des Kreises Marburg vorlegt; die Abhandlung ist mit Aufnahmen und Lage- plänen illustriert. Sehr amüsant zu lesen, auch kulturgeschichtlich aufschlußreich ist der Beitrag „Von Professoren und Studenten unserer Landesuniversität" von Carl Vogt. Erwin Schallenberg zeigt an schönen Türen, Toren und Portalen in Marburg Bilder althessischer Baukunst und Baulust. Endlich sei noch eine Sammlung „Humor der Stände und Berufe in hessischen Töpfer- und Hausinschriften" von Dr. R. Pissin erwähnt.
europa — alle! — behandeln können, ohne daß dritte Mächte, die weder in Osteuropa liegen noch dort irgendwelche „Interessen" zu vertreten haben, sich einmengen oder gar sabotierend eingreifen könnten. Darüber hinaus braucht man nur noch auf die sehr aufschlußreichen Erklärungen des Reichsaußenministers von Ribbentrop zu verweisen. Es liegt in der Tat sehr nahe, daß der neue Pakt sehr nützliche Auswirkungen auch auf die weiteren Beziehungen zwischen Deutschland und Japan, ja im Verlauf der Entwicklung auch auf die Beziehungen zwischen Japan und Sowjetrußland haben dürfte.
Wir haben in den vergangenen Monaten an Hand der Außenpolitik der Einkreisungsmächte wiederholt die Rückständigkeit und Zeitfremdheit jener Politik aufgezeigt. Der kaum begreifliche Grad dieser Zeitfremdheit zeichnete sich ja in der westeuropäischen Oeffentlichkeit sogar noch nach der Unterzeichnung des deutsch-russischen Paktes ab. Demgegenüber steht nun diese entscheidende Zeitenwende in Osteuropa, deren politische Bedeutung gar nicht überschätzt werden kann! Der langen Reihe seiner Befriedungswerke hat der Führer ein neues, ausschlaggebendes hinzugefügt. B. R.
Friedrich dem Großen, das Bündnis vom 27. Februar 1813, den Rückoersicherungsvertrag Bismarcks vom 18. Juni 1887, den Vertrag von Rapallo von 1922 und schließlich den Berliner Vertrag vom 24. April 1926, der ja auch in der Präambel des neuen Paktes ausdrücklich als Ausgangspunkt bezeichnet wird. In der Tat, es ist so, und die Geschichte erweist es zur Genüge, daß Deutschland und Rußland immer dann st a r k waren, wenn sie miteinander arbeiteten. Man wird nicht übersehen dürfen, daß der Wunsch nach einem schnellen, vernünftigen und praktisch nützlichen Abschluß auch in Moskau so stark gewesen 'ist, daß die Unterzeichnung gerade jetzt, in diesem heiklen Augenblick, möglich wurde und daß darüber hinaus der Vertrag schon mit dem Augenblick seiner Unterzeichnung auch wirksam wurde, ein Vorgang, der für die unzeitgemäßen parlamentarisch-demokratischen Begriffe der Einkreisungsfachleute kaum begreiflich ist.
Ohne in müßige Kombinationen westeuropäischer Art zu verfallen, wird man ferner ebensowenig übersehen dürfen, daß der neue Pakt eine sichere Gewähr dafür bietet, daß Großdeutschland und Sowjetrußland alle schwebenden Fragen in O st -
Aus aller Wett.
Ein übler Scherz.
Auf höchst bedenkliche Weise erhielt ein junges Mädchen in Koblenz, das einem Arbeitskameraden 5 Mark geliehen hatte, das Geldstück zurück: der junge Mann legte es der Gläubigerin vor der Frühstückspause zwischen ihr Butterbrot, „um einen Spaß zu machen". Das Mädchen biß ahnungslos in ihr Brot, das Fünfmarkstück geriet in den Hals, blieb stecken und verursachte überaus heftige Schmerzen. In letzter Minute gelang es dem Mädchen dem Erstickungstode zu entgehen, indem sie das Geldstück hinunterwürgte. Nach einer Operation konnte ihr der Arzt das ausgeliehene Geld auf normale Weise zurückgeben.
Blitzschlag äschert neun Scheunen ein.
In Hollstadt bei Bad Neustadt setzte ein Blitz eine Scheune in Brand. Die Flammen griffen rasch um sich und erfaßten acht weitere Scheunen, die samt den Nebengebäuden völlig eingeäschert wurden. Auch zwei Wohnhäuser wurden stark in Mitleidenschaft gezogen. Dem Feuer fiel die gesamte Getreide- und Futterernte zum Opfer. Auch Schweine und Federvieh kamen in den Flammen um, dagegen konnte das Großvieh gerettet werden.
Wende in Osteuropa.
In einem Zeitraum von weniger als 12 Stunden, Isa noch nicht einmal einem halben Tag ist zwischen 'eutschland und Sowjetrußland in dem „Deutsch- iussischen Koysultativ- und Nichtangriffspakt" ein ierlragsmert zu Ende geführt und unterzeichnet lorben, das nicht weniger als einen völligen Um- chwung, eine Wende in der politischen Konstella- ion der Welt bedeutet. Seine politische Tragweite iir die Gegenwart zu kennzeichnen, ist nicht schwer; ,ine Auswirkungen für die Zukunft schon heute „deuten zu. wollen, wäre so voreilig wie unange- racht.
Nehmen wir gleich das Wichtigste voraus. Der „tscheidende und für die Gegenwartslage schlag- lästigste Punkt des Vertrages ist naturgemäß I r t i f e l 4, der besagt, daß sich keiner der beiden ertragschließenden Partner an irgendeiner Qädjtegruppe beteiligt, die gegen den „deren Partner „mittelbar oder u n - n i 11 e I b a r" gerichtet ist. Das heißt also, daß ie fast dreivierteljährigen Versuche, die Sowjet- nion als stärkste Ostmacht der Einkreisung gegen leutschland einzufügen, für jetzt und voraussichtlich lle Zukunft zunichte gemacht sind! In der Erkenntnis der ungeheuren' Bedeutung dieses Tatbestandes chrieb ja auch ein führendes japanisches Blatt ii)on unmittelbar nach der Ankündigung des Paktes chr richtig, das ganze Unternehmen sei „ein Meisterstück der Politik Adolf Hitlers". In ebenso lästiger Erkenntnis bauen England und Frankreich !>re Militärmissionen in Moskau bereits ab. Es ist n der Tat eine Situation von höchstem satyrischem !eiz gewesen, daß diese Militärmissionen sich in en letzten beiden Tagen die deprimierende Langeweile mit Museumsbesuchen zu vertreiben suchten, nährend unmittelbar nebenan, im Nachbarhaus, be- eits der deutsche Reichsaußenminister sich zur icihrt in den Kreml zur Unterzeichnung des Der-
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rages anschickte.
Kaum weniger wichtig aber als jener Artikel 4, er die Allianzbildung der Westmächte mit Sowjet- ußland ausschließt und überdies dem franzö- sch-sowjetrusstschen Pakt von 1935 seine Gefähr- chkeit nimmt, ist der Artikel 3, der einen fort- jufenDen, d. h. dauernden Meinungsausau s ch zwischen den briDen Mächten in allen enjemgen Fragen sichert, die bie gemeinsamen mleressen Großdeutschlands und Sowjetrußlands ietrifft. Damit ist praktisch auch für die Zukunft illen Bemühungen der Einkreisungsmächte um die Gewinnung Sowjetrußlands ein Riegel vorgeschoben. Es liegt eine völlige Verkennung der Sachlage >arin, wenn sich die Westmächte jetzt iU ihrer Ver- meiflung damit zu trösten suchen, daß ja der Deutsch-Russische Konsultativ- und Nichtangriffspakt puc, „andere Abmachungen" nicht ausschließe oder laß es die Gepflogenheit der Sowjets fei, in jedem Saft eine „Eventualklausel" einzubauen, der ihnen im entscheidenden Augenblick völlige Handlungs- ceiheit läßt. Wir entnehmen daraus nicht ohne Hiles inneres Vergnügen die Tatsache, daß man ch im Westen solche Pakte wohl hat aufhängen rssen müssen, und verweisen im übrigen auf den fällig eindeutigen Wortlaut des Ver- fagstextes, der bei aller Knappheit die absolut Kare Sprache eines Vertragsinstrumentes hat, wie f,e das nationalsozialistische Deutschland anders überhaupt nicht unterzeichnen würde.
Die immer wieder verblüffende Schnelligkeit der großen außenpolitischen Aktionen tritt gerade bei diesem Vertragswert wieder besonders augenfällig hervor. Diese Schnelligkeit zusammen mit ber lang* triftigen Dauer des Vertrages und der Möglichkeit einer weiteren Fortführung besagen wirklich genug 1 darüber, mit welcher Bereitwilligkeit und welchem achlich fundierten Ernst die beiden Regierungen !■ inmitten einer verbrecherischen Kriegshetze der Ein- :reifungsfront sich auf den Weg zuruckbegeben, der >urch die jahrhundertealten Beziehungen vorgezeich- let war: Wir nennen hier kurz nur noef) einmal bas Abkommen von 1762 zwischen Peter III. und
Ostpreußen rüstet für Tannenberg
Von unserem Dr. St.-Korrespondenten.
Wie kenne ich sie gut, die Straße Zwischen Weinhügeln, die dem Wald zugeht. Zwischen Giebelhäusern gibt es ein altes Mäuerchen, ein Stück Blumengarten umgrenzt. Ost lehne ich nn Sommer daran und sehe in die Roseno ist lye, i>ie dahinter wachsen: jedes Jahr, vom Ium bis Oktober, verglühen sie ihr unerschöpfliches Leben. Mn einem Stock kommen sie alle in einem Hellen Scharlach hervor, an einem andern aber D^r.Vc."2n iic von Purpur in Honiggold, was am schönsten ichtdar wird, wenn das Licht der nahen Laterne an den Atzenden nur einzelnes aus dem Dunkel hebt. Manchmal bleibt ein Paar davor stehen, das sben singend aus einem der Weinhäuser gekommen st, atmet den Duft und zieht weiter.
Das sind die Rosen, aber mit den Leuten Die »a wohnen, steht es anders. Da ist die alte Frau, "ie ihr verkrüppeltes Enkelkind jeden Tag bestichte, en Jungen, der, obzwar er schon achtzehn viahre rit war, so hilflos zurückgebliebene Füße hat daß r in einem Wägelchen Platz fand. Die Frau führte hn in den einsamen Hof und saß dann schweigend leben ihm. Er rauchte eine Zigarette, zeigte hm . nd wieder auf die Schwalben, besprach rurz Das Wetter mit der Großmutter. Viele Stunden blieb iie Alte geduldig an seiner Seite, strickte etwas, i erfolgte den Vogelflug. Sie ahnte wohl, datz ihr Enkelkind die Rotschwänzchen des nächsten rulp I ngs nicht mehr sehen, daß er nicht mehr lange aas Wetter prophezeien würde.
Ihr Sohn, der auch hinter den Rosen wohnt, - rbeitet im Weingarten. Er ist ein kleiner Mensch Nit dem Gesicht eines Piraten, und die Hosen hat ir immer so hochgebunden, daß sie bei seinen weiten Schritten in ihrer Ausgefranstheit* über den hageren j Serien schlenkern. Man würde kaum glauoen, Daß ' ir auf die Frauen des Dorfes einen nicht unbe- rächtlichen Eindruck macht, ja, daß er em Don Suan ist, da er ein benachbartes Hausierpaar m
drüben" schon mehrere Tage hier verweilen müssen. Darüber, daß diese Gäste länger hier verweilen, ist man in Ostpreußen nicht betrübt. Das gibt wieder einmal Gelegenheit, die berühmte o st p r e u ß i s ch e Gastlichkeit zu bewähren, die sich dadurch aus- zeichnet, daß sie jeden einzelnen ganz nach Wünschen und Neigungen zu empfangen und zu behandeln weiß. Daß für die Besucher des Tannenberg-Tages, die ja zum großen Teil Mitkämp - f e r der Schlacht sind, alles aufgeboten wird, um ihnen diese Tage freundlich zu gestalten, ist eine Selbstverständlichkeit.
Der Aufmarsch der aus der Provinz Ostpreußen selbst erwarteten 150 000 Teilnehmer beim Staatsakt in Tannenberg wird in mancher Hinsicht ein - neues und ungewohntes Bild bieten, denn hier in Ostpreußen spielt Das Pferd noch eine ganz andere Rolle als im übrigen Reich. Warum also sollte man das Pferd nicht auch für den An- und Abtransport der Gäste dienstbar machen, wenn auf viele Kilometer im Umkreis nahezu jeder Pferd ! und Wagen hat, Dagegen die Kraftwagen hier noch •- verhältnismäßig dünn verteilt find? Also werden j am 27. August aus einem bestimmten Umkreis um i Hohenstein herum die Gäste zumeist m i t P f e r d e- j g e f p a n n kommen, für die vorsorglich besonders i schattige Parkplätze eingerichtet worden sind. Und I da nun einmal das Pferd jedem Ostpreußen ans ; Herz gewachsen ist, werden Reiter und Pferde auch > bei Der großen Feldparade am Abschluß Der 1 Veranstaltung stark im Vordergrund stehen.
Die wohnliche und mit allen Annehmlichkeiten aus gestattete Baracken st adt, die vor allem mit Hilfe Des Reichsarbeitsdienstes für die Gäste von jenseits Des Korridors aufgebaut wird, hat eine ganz besonders bevorzugte Lage. Von ihr aus hat man den schönsten Blick auf Das Reichsehrenmal, das hier geradezu aus Der Landschaft herauswächst. So haben die Besucher Die ganzen Tage hindurch die Erinnerung an die Tage der Schlacht vor Augen. Erinnerung und Leben, Gestern, Heute und Morgen wachsen hier vor dem Reichsehrenmal, beim Besuch Der grünversunkenen Heldenfriedhöfe im Bewußtsein Der nahen Grenze zusammen.
Sie ersten Sonderzüge eingetroffen.
H o h e n ft e i n, 24. August. (DNB.) Die ersten Sonderzüge laufen in Hohenstein ein. Schon sieht man viel Tausende von Kameraden in den schmucken blauen Uniformen des NS.-Reichskrieger- bundes. Von Marienburg bis Allenstein und Hohen- l
4800 Mark beträgt - neben vielen anderen — der 1. Preis im großen FEX-Preisausschreiben, das am 10. Sept, zu Ende geht. Verlangen Sie bei Ihrem Kaufmann oder von Sunlicht Berlin einen Prospekt und beantworten Sie unsere Preisfrage: „Was sagen Sie zu FEX?“
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Das gewaltsame Ende schien in dieser Familie schon üblich zu sein. Sein Sohn wieder, der mächtige Straßenbahnschaffner, der eine freundliche Frau und ein kleines Mädchen sein eigen nennen konnte, war ihm diesen Weg vor einem Jahr schon vorausgegangen. Ich sah ihn an einem Frühlingstag ein neues Gattertor in sein Mäuerchen einpassen; der schwere Mann mit dem roten Gesicht kniete in der Türöffnung und hämmerte die Bohlen ein, und ein paar Tage später hieß es, er sei geradewegs in den Strom gegangen, der eine Gehstunde von hier entfernt in breitem Bogen um die Hügel fließt. So also sieht es aus mit den Leuten hinter den Rosensträuchern, Deren Blüten Jahr um Jahr em so zauberisches Leben verschwenden ...
Außer diesem Hause gibt es viele andere. Jedes einzelne ist zum Malen schön, hat einen Birnbaum oder alten Flieder und Holunder oder wird hoch überschattet vom Wipfel einer Kastanie. Oder es trägt ein unversehrtes Schindeldach, macht sich freundlich bemerkbar durch ein Stuckornament Zwischen den Fenstern. Sieht man aber dahinter au das Leben der Leute, die hier wohnen, so erfahrt man meistens traurige Geschichten.
Am Eingang des engsten Teils steht ein geräumiges Giebelhaus, das im Feld feines ftemernen Tor-Wappens drei von einem Kreuz gekrönte Bienenkörbe fuhrt. Ein alter, einsamer 'Maler bewohnt es, der viele Jahre dafür ge°p,ert hatte, dieses Gebäude, das einst die Meierei eines Slotters aeiefen ist, aus seiner Verschüttung, zu befreien. Das war ihm wunderbar gelungen, »eine Zimmer sind nun erfüllt von gotischen Spitzbogen, von behaglichen Nischen, Erkern und den Reiten mittelalterlicher Fresken. Und er oerliebte sich |o sehr in diese von ihm entdeckten Schatze, datz er fast immer zu Hause bleibt. Nichts oer|tort chn so ehr, ctts wenn er erfährt, es wurde da etwas Altes im Dorfe verändert. Das Leben gibt 'hm freilich genug Anlaß zu solchem Aergeri immer,ort wird fa etwas verändert. So weitz Niemand von den vielen Fremden, die dieses Haus anstaunen, am Geländer des Baches sitzen und es -bezeichnen oder die es photographieren, datz hinter diesen Mauern ein Verbitterter sitzt, der den Strom der Fei au - haiten mochte. Begenet man einmal dem unter- fehlen, langsam und sest ausschreitenden Mann in einem dunklen Rock, so blickt er schon von weitem mürrisch zu Badem verschanzt hinter seiner schwarz fpiegelnben Maler-Brille.
Im engsten Straßenteil gibt es natürlich ferne , Gärten. Auf einer uralten Mauer findet man wohl . Grasbüschet, Storchschnabel, Klatschmohn aber dies 1 hat Der WinD eingesetzt. Trotzdem ist so viel Schönes beisammen. Da find Die ebenerDigen 3en-


