Ausgabe 
25.7.1939
 
Einzelbild herunterladen

wart und Zukunft führte Stadtbaudirektor Graoert m das Kliniksviertel und breitete dort vor dem gelstlgen 2Iuqe feiner Zuhörer die bereits festgelegte Stadt- planunq für den südlichen Teil unserer Stadt aus. Er ließ dabei in großer Lime erkennen, das im Südoiertel ein großer und ganz bestimmter -Leu des Geländes für Wohn- und Siedlungszwecke aus­scheide und ausschließlich für die Zwecke der Uni­versität bzw. der Kliniken in den Bebauungsplänen

Giehen-Klein-Linken.

Unter guter Beteiligung. seiner Mitglieder und vieler Freunde des Schießsports hielt der Schutzen- klubRoland" an den drei letzten Sonntagen auf seinen Schießständen am Bergwerkswald ein öffentliches Preisschießen ab. Es wurde mit Klein­kaliber, 50 Meter stehend aufgelegt, auf die Zwölfer­ringscheibe geschossen. Die Leistungen können als hervorragend bezeichnet werden, wurde doch die Ringzahl 36 von Glicht weniger als 8 Schützen er­reicht. Die Preisoerteilung wurde am Sonntag­abend im Vereinslokal, der Wirtschaft ,Lur Stadt Gießen" durch den Vereinsführer vorgenommen. Der erste Preis bestand in einem Bild unseres Füh­rers. Das Schießen hatte folgendes Ergebnis: 1. Kon­rad Keudel. 2. Walter Meier, 3. Otto. Müller, 4. Hermann Ströher, 5. Erwin Kopp, 6. Hans Volk, 7. Mausehund, 8. Heinrich Erb, sämlliche je 36 Ringe, 9. Rudolf Jung I., 10. Wilhelm Volkert, 11. Wilhelm Germer, 12. Walter Müller, mit je 35 Ringen.

Am Samstagabend veranstaltete der Gesang­vereinHarmonie" im Burggarten ein Som­merfest, das sich eines guten Besuches von Mitglie­dern und deren Familienangehörigen und Freunden des Gesangs erfreute. Der Verein sang unter seinem

Dirigenten, Lehrer Spory (Groß-Rechtenbach), Männerchöre und gemischte Chöre, die von guter Schulung zeugten und mit starkem Beifall auf­genommen wurden.

3000 Kinder in den ErnteNndergärien der NGB.

NSG. Mit der Einrichtung von Kindertagesstätten verbindet die NS.-Vvlkswohlfahrt die Absicht, ins­besondere kinderreiche Mütter zu entlasten. In diesen NSV.-Kindergärten werden schon die Kleinsten zur Gemeinschaft erzogen. Weiterhin bieten die NSV.- Kindergärten auch Gelegenheit, die Kinder vor ge- fundheitlichen Gefahren, denen sie aus Mangel an. Beaufsichtigung ausgesetzt sind, zu bewahren. In vielen Gemeinden, wo sich ein Dauerkindergarten zur Zeit noch nicht einrichten läßt, hat die NS.-Dolks- wohlfahrt sog. Erntekindergärten geschaffen. Der Landfrau soll damit-eine fühlbare Erleichterung ge­bracht werden, da sie durch die anfallenden sommer­lichen Arbeiten ihre Aufmerksamkeit nicht ausschließ­lich der Erziehung ihrer Kinder widmen kann.

Im Gau Hessen-Nassau werden zur Zeit täglich 3000 Kinder in Erntekindergärten und Spielringen ersaßt. Uederall, wo die Verhältnisse es erfordern, sollen solche Erntekindergärten eingerichtet werden,

Gießen inVergangenheit und Gegenwart Eine Rundfahrt mit Angehörigen de- Deherbergung-gewerbe-.

Der fierr Oberbürgermeister hatte für den a-stria-n Montag ein- Reihe von Angehörigen de- ^ehe^egnngsgewerbes zu einer Rundfahrt^und zu einer Besprechung eingeladen, die Lr alle -Leu nehmer eine Reihe wertvoller Aufschlüsse und An­regungen brachte. Die Fahrt gestaltete sich zu einem Ausflug, bei dem gleichermaßen die Geschichte uw ferer Stadt aufgerollt wurde und außerdem auch Ausblicke gegeben wurden, wie sich die Entwicklung unserer Stadt in Zukunft gestalten wird.

Den Auftakt der Fahrt und einen ebenso glück­lichen wie besinnlichen Ausgangspunkt bildete der Besuch des Liebig-Museums. Für den Herrn Ober­bürgermeister begrüßte der L-rt-r des V-rk-hrs- amtes, Herr Schuster, d,° zahlreichen T-ü- nehmer und gab dann in kurzen Zugen zunächst eine Darstellung der Bedeutung des Lielngmuseumv für unsere Stadt. Gleichzeitig ließ er erkennen, m welcher Form die Tatsache, daß Liebig 28 Jahre seines Lebens in unserer Stadt wirkte und von hier aus seine bedeutendsten wissenschaftlichen yr- runqenschaften in die Welt ausstrahlten, zu einer Werbung für Gießen Anlaß fein könnte und m welcher Form Werbemaßnahmen bereits ergriffen wurden, die in ihrer Wirkung auch das Beher­bergungsgewerbe in unserer Stadt berührten, ^m Anschluß daran fand eine Führung durch das Mu­seum statt. In unterhaltsamer und volkstumlic^r Weise führte die Beschließerin, Frau Schädlich, die Gäste durch das Haus und gab eine Fülle der interessanten historischen Begebenheiten zum Besten. Die Fahrt, die dann im Omnibus angetreten wurde, führte in das alte und in das neue Gießen. Am Brandplatz gab Stadtbaudirektor Gravert einen anschaulichen Ueberblick über die Entwicklung der Stadt vom 13. Jahrhundert bis in unsere Zeit: er er­läuterte kurz die wesentlichen Bauwerke, schilderte die Gesamtanlage der Stadt, den Verlauf der Stadtmauern um Gießen und der Festungsmauern, wie sie zur Zeit eines Philipps des Großmütigen geschaffen wurden. Er gab ferner Abrisse der Bau­geschichte des alten und des neuen Schlosses, der Bürgerhäuser und schließlich des Zeughauses. Im Botanischen Garten führte er die Teilnehmer zu jener Stelle, unweit dem Schorgraben, an der noch ein Rest der alten Befestigung erhalten ist und das Wall- und Grabensystem erkennen laßt, das einst die ganze Stadt umzog.

Für die Betrachtung der Stadt Gießen in Gegen­

berücksichtigt sei. .

Aehnlich sei im Osten der Stadt im Bebauungsplan eine Regelung zwischen Stadt und Wehrmacht ge­troffen. Demzufolge scheide auch das Gießener D|t= viertel als weiteres Wohnbaugebiet aus, und lediglich in den Eichgärten könnte nach Maßgabe des vor­handenen Raumes noch gebaut werden. Gerade dort werde in nächster Zeit wieder mit einem größeren Bauvorhaben begonnen.

Mit großem Interesse verfolgten die Fahrtterl- nehmer dann die Erläuterungen über die Reichs, autobahn, die in einer Ost-West-Derbindung von Reiskirchen dicht an Gießen vorbei in das Lahntal und nach Limburg führen werde. Weitere lebhafte Aufmerksamkeit galt dann dem Vorhaben des gro­ßen Sportfeldes auf den Wiesen am Amtsgericht.

Zum Abschluß der Fahrt fand man sich im Hotel Hindenburg" ein. Dort zeigte Herr Schuster in einem kurzen Lichtb ild ervortrag, in welch man­nigfaltiger Form das Stadtoerkehrsamt Gießen für Gießen und im weiteren Sinne für Oberhessen wirbt und zeigte in vielen herrlichen und farbigen Lichtbildern nicht nur die Schönheiten unserer Stadt, sondern auch der oberhessischen Landschaft. In einem Schwarzweiß-Fllm sah man dann noch viele Bilder, die zur Werbung für unsere Universität an vielen höheren Schulen in weitem Umkreis und vor un- gefcchr 8000 Abiturienten eingesetzt worden waren. Die Zuhörer gewannen den Eindruck, daß von der Stadtverwaltung aus alles getan wird, um den Fremdenverkehr in unserer Stadt zu steigern und damit dem Gaststätten- und Beherbergungsgewerbe einen Dienst zu erweisen.

Zum Schluß der Zusammenkunft sagte für die Berufskameraden des Gaststätten- und Beherber- gungsgewerbes Gastwirt Herr dem Oberbürger­meister unserer Stadt und dem Verkehrsamt herz­lichen Dank für die vielseitigen Bemühungen. In einer kurzen Aussprache wurden noch verschiedene Fragen aus dem Zuhörerkreis beantwortet.

sollen Raum zur Ausstellung von je etwa 50 Kraft- . wagen bieten. Auf diese Weise werde auch der jetzige unhaltbare Parkzustand im Seltersweg be­seitigt, so daß man auch dort künftighin bessere Verhältnisse haben wird. Die Baumallee am Seltersweg wird erhalten bleiben, wenn auch in anderer Führung. . , .. «...

Natürlich würden auch einmanöfreie breite -öuy , gerfteige geschaffen, damit nach jed^ Richtung hm gute Pafflermöglichkeit und weitreichende Uebersicht über den Platz bestehen werden.

Ferner teilte Stadtbaudirektor Grao e r t mit, daß zur Entlastung der I n ne n st ad t v o rn Verkehr der Fernlastzuge aus Richtung Steinbach große Garagenbauten vor dem Stadtem- gang an der Licher Straße von privater Sette er- nchtet werden, damit die Lastwagenungetume dort untergestellt werden können und nicht 3MN Parken in die Stadt hereinfahren müssen. Veranlaßt durch dringliche Derkehrserfordermffe werde sich auch die endgültige Gestaltung des L ud w i g s jj-I a ö es ergeben. Der Redner sprach in diesem Zusammen- Hana u. a. auch von der Möglichkeit der Errichtung einer überdeckten Wartehalle für Personen, die mit einer der verschiedenen Omnibuslinien von diesem Kreuzungspunkt aus fahren wollen. Bei dieser Gelegenheit solle am Ludwigsplatz auch eine Ror- mal-Uhr ausgestellt werden. ., m

Die Mitteilungen über diese weitreichenden Der- kehrs-Reformvläne wurden von der VersamiMung mit großem Interesse entgegen genommen.

Verschiedenes.

Im weiteren Verlauf der AusspracheErde ge­beten, die Lichtwerbung in der Weihnachtszeit bis zum W a l l t o r, Ecke Asterweg, durchzufuhren. Ferner wurde gerügt, daß sich immer noch Rad­fahrer des Weges vom Gericht zum Philosophenwald bedienen, obwohl das Rad­fahren dort verboten, weiter sprach man noch über den Ausbau der Sicher Straße, über die Inangriffnahme des Mi tte lmar ktbau - s und Über die Wiedereinführung der P f e r d e rn a r k t e, für die in Gießen und in der Umgegend stets gro­ßes Interesse bestanden habe.

3inn Schluß zeigte der Leiter des Städtischen Verkehrsamtes, H. F. S ch u ster, noch eme Reihe schöner Buntphotos, deren Vorführung mit vank- b'rrem Interesse auf genommen wurde.

Lornotizen.

Tageskalender für Dienstag. Gloria-Palast ©eltersroeg:Madame (Solibri'.

Hitler-Jugend Bann 116.

Gefolgschaft 2/116.

Zu dem am Mittwoch, 26. Juli, stattfindenden Ge- folgfchaftsappell treten fämtliche Ig um 20 Uhr am Heim an. Eine weitere Benachrichtigung erfolgt nicht mehr.

Oer Radfahrerweg ließen-Steinbock.

Der Radfahrerweg GießenSteinbach, der in diesen Tagen, soweit es die eigentliche Fahrbahn anbetrifft, endgültig fertiggestellt werden konnte, wird bereits eifrig benützt. Wenn auch die Schilder noch nicht angebracht sind, die den Weg als Rad­fahrerweg kennzeichnen, so kommt doch niemand auf den Gedanken, als Radfahrer jetzt noch die bis­herige Straße benützen zu wollen.

Der Radfahrerweg fährt sich das ist die Mei­nung aller Radfahrer, die ihn bisher benützten ganz ausgezeichnet. Die glatte Betonfahrbahn läßt mit geringstem Kraftaufwand die Strecke überwin­den. Da im Gelände verschiedene Ausgleichungen vorgenommen wurden, ist die Steigung nach Stein­bach zu erheblich leichter zu nehmen, als bisher. In der Richtung nach Gießen läßt sich ein ziemliches Tempo vorlegen, und insbesondere die Jugend be­trachtet den Radfahrerweg als eine eigens für sie geschaffene Rennbahn. Wenn neben dem Radfahrer- weg auch der Grünstreifen geschaffen sein wird, wird sich der neue Verkehrsweg in sehr schöner Form darbieten.

die nach Möglichkeit später in Dauerkindergarten umgewandelt werden.

Gurkenzeit.

Wenn die Sonne am heißesten brennt, schenkt sie uns auch eine Frucht, die, roh genossen den Durst leicht und anhaltend löscht, vielerlei wohlschmeckende Gerichte liefert und eine köstliche Konserve für das ganze Jahr ist: die Gurke.

Jetzt, da die Gurken zu niedrigen Preisen zu haben sind, sollte man sie reichlich im Haushalt verwenden. Wegen ihres Wasserreichtums und ihres erfrischenden Wohlgeschmacks sind sie ein echtes Hochsommeressen und auch auf Wanderungen als erfrischendes, durst- stillendes Mittel sehr beliebt Man kann sie täglich in immer anderer Form gemeßen, ohne ihrer über- drüssig zu werden. Schon zum Frühstück schmeckt eine Scheibe Vollkornbrot mit etwas Butter und dicken Gurkenscheiben prächtig. Wer schätzt nicht den kost- lichen Gurkensalat, der zu neuen Kartoffeln und zu vielerlei anderen Gerichten so gut schmeckt? Wenn man sie mit der Schale feinhobelt oder raspelt, führt man dem Körper gleichzeitig das blutverwandte Chlorophyll zu, das blutverbessemd wirkt. Man ver­meide auch das in alten Kochbüchern empfohlene Ausdrücken des Gurkensaftes oder das Einsätzen längere Zeit vor dem Anrichten, denn der Salat wird dadurch schwer verdaulich. Seit alter Zeit wird das Einlegen der Gurken tm Haushalt geübt, und aus dieser Hausftauenkunst hat sich allmählich ein großer Industriezweig entwickelt. Die Hausfrau interessieren eigentlich nur die sog. sauren Gurken oder Salzdillgurken, wie der Fachmann sie nennt, deren Haltbarmachung auf Milchsäuregärung beruht, und die Frischgurken, die wir auch unter dem Namen Delikateß-Gewürzgurken" kennen, die unvergoren in Dosen sterilisiert werden. Für beide Arten der Halt­barmachung ist Vorbedingung, daß die Gurken nicht zu reif sind, noch grün, schlank und wenig Kern­gehäuse haben.

Hetden-Ehrenmal in Eüdbelgieu.

LPD. Die Patengememschaft der Hessenfriedhöfe für Südbelgien weiht im September auf dem Ter- rassenfriedhof A n l o y - M a i s s i n ein Ehrenmal für die Gefallenen. Zu den Einweihungsfeierlich feiten wird eine Fahrt nach den Schlachtfeldern »en anftalfet. Auf dem Ehrenfriedhof Anloy-Moifst haben «in der Hauptsache Gefallene des ehemalig Leibgarde-Jnfanterie-Regiments 115 ihre letzte Ruh«, ftätte gefunden. Die Vorbereitungen der Feier hat Kamerad Ludwig Bell, Darmstadt, Kiesstraße 97, übernommen.

Gießener Dochenmarkkpreise.

* Gießen, 25. Juli. Auf dem heutigen Wochen, markt kosteten: Markenbutter, % kg 1,60 RM., Matte 25 bis 50 Rpf., Käse, das Stück 4 bis 10, Wirsing, % kg 10 bis 13, Weißkraut 8 bis 10, Rot­kraut 18, gelbe Rüben 12 bis 13, das Bündel 8 bis 9, rote Rüben 10 bis 12, das Bündel 9 bis 10, Spinat 20, Römischkahl 8 bis 10, Bohnen, grün 20 bis 25, gelb 23 bis 25, Erbsen 15 bis 20, Tomaten, deutsche 40, italienische 15 bis 22, Zwiebeln 14 bis 15, das Bündel 10 bis 12, Rhabarber 8 bis 15, Pilze 50, Kartoffeln, neue, kg 8 Rpf., 5 kg 73 bis 78 Rpf., 50 kg 6,25 bis 7,50 RM., Frühäpfel, % kg 35 bis 40 Rpf., Falläpfel 8, Pfirsiche 36 bis 42, Aprikosen 40, Birnen 24, Himbeeren 35 bis 40, Kirschen 25 bis 34, Heidelbeeren 35 bis 45, Stachelbeeren 10 bis 20, Johannisbeeren 12 bis 15, Zwetschen 50, Mirabellen - 40, Blumenkohl 10 bis 40, Salat 5 bis 10, &alat gurken 20 bis 35, E-inmachgurken 3 bis 8, Dber-- kohlrabi 5 bis 10, Rettich 5 bis 10, Radieschen, das Bündel 8 bis 10 Rpf.

** Verkehrssünder. Die Polizei schritt in der Zeit vom 14. bis 20. Juli ein: gegen Kraftfahr- zeugführer mit 14 Anzeigen und 3 gebührenpslich- Ligen Verwarnungen; gegen sonstige Fahrzeuge mit 12 Anzeigen; gegen Radfahrer mit 3 Anzeigen und 6 gebührenpflichtigen Verwarnungen; gegen Fuß­gänger mit 1 Anzeige und 6 gebührenpflichtigen . Verwarnungen.

GROSSGARAGE

ßltei U/eiten

Roman von Harald Baumgarten

Copyright by Carl Duncker Verlag, Berlin W 35

24. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)

Schmal horchte gespannt.Das wäre nicht gerade angenehm", meinte er nach einer kleinen Pause.Wo bist du denn?"

In einer öffentlichen Fernsprechstelle. Paß auf! Ich habe das Heft, in dem die ausgeliehenen Bücher mit den Namen der Kunden aufgezeichnet sind. Ihr könntet die Orte abklappern und bei den Leuten, die Bücher ausgeliehen haben, anfragen. Inzwischen versuche ich, die Leihbücherei zu durchmustern."

Was heißt das: du versuchst?"

Es ist heute was los. Sie wollen aufpassen. Viel­leicht geht es erst gegen Morgen. Seht zu, daß ihr über Sonntag die Sache mit den ausgeliehenen Büchern erledigt! Ich gebe das Verzeichnis in der Kneipe in der Augsburger Straße für dich ab. Kann ich mich darauf verlasien?"

Wenn wir uns auf dich so gut verlasien können, wie du dich auf uns, dann ist es in Ordnung. Wir fahren in aller Frühe los!" Schmal hängte ab.

Zahlen, Herr Wirt!" Der behäbige Mann in dem dicken Ulster erhob sich.Wollen nach Haufe gon­deln", fetzte er hinzu, als müsse er eine Erläute­rung geben.

Die beiden Männer verließen die kleine Bude, in der jetzt der Wirt Gerisch schlafen ging.

Der Fernsprecher schrillte. Die Zentrale des Poli­zeipräsidiums meldete sich.

Bitte Apparat 604!"

Kleine Pause.Hier Doktor Gräupner."

Hier Windegger in Sachen Burd."

,Zch höre!"

,J)eute nacht ist in der Garage was los. Die Leute wollen aufpasien und herauszukriegen suchen, wer gestern die Wagen beschädigt hat. Ich bleibe die ganze Nacht hier; kann das ganz unauffällig machen. Eine fahrende Leihbücherei ist angekommen. Sie stand an dem Tage, an dem Burd starb, in der Garage C. Dort könnte es fein! Ich habe mit der Besitzerin gesprochen. Ich muß den Wagen durchsuchen. Viel­leicht geht es morgen früh."

Danke, Windegger? Es ist übrigens Antwort aus Los Angeles gekommen. Als einziger Erbe Burds kommt ein Neffe in Betracht, der in Deutschland wohnt. Er heißt James Miller. Krügel und Rietzel sind unterwegs. Goldzahn ist noch nicht wieder auf­getaucht. Haben Sie etwas von ihm gesehen?"

Gar nichts."

Morgen früh erwarte ich Ihren Bericht, Wind­egger. Halten Sie mich auf dem laufenden, damit ich Ihre Meldungen mit den Ermittlungen Krügels und Rietzels zusammen bearbeiten kann! Wo telepho­nieren Sie?"

3n einer öffentlichen Sprechzelle."

Gut! Schluß!"

*

Die Wagenwäscher und Fahrer saßen auf dem kärglichen Ruhebett und den kleinen Hockern in der Chauffeurstube. Vallendar stand in der Mitte. An der Decke brannte eine kleine Lampe. Dr. Römer hatte eben die Tür vor der Nase zugeklappt be­kommen.

Das beste märe, man riefe die Polizei!" meinte Preetz trocken.

Huckemann ging hoch.Für dich vielleicht aber nicht für uns, die wir hier verantwortlich sind! Geht doch schließlich um unsere Ehre. Ist doch unsere Garage, in der wir arbeiten... Nee das beste wäre, wir brauchten die Sache nicht an die große Glocke zu hängen. Gestohlen ist doch nichts, andern nur beschädigt."

Der Wagenwäscher Heinrich stand auf und sah sich um.Huckemann hat recht. Erstens geht es um die Ehre der ganzen Belegschaft, und zweitens macht es Spaß!" fügte er augenzwinkernd hinzu.

Hellmuth wandte sich an den Schauspieler.Also los, Herr Vallendar! Wenns nicht klappt, können wir die Polizei immer noch holen."

Der Wäscher Bornemann grinste.Reich' mir mal den Schraubenschlüssel her, Heinrich, bet ick wat in die ßamäng habe, wenn der Bursche ein- truöelt!"

Alle lachten und redeten aufgeregt durcheinander.

Vallendar hob die Hand.Ruhig, Jungens! Hauptsache ist, es spricht sich nicht 'rum. Man kann nicht vorsichtig genug fein. Ein verkehrtes Wort, und der oder die Täter sind gewarnt. Also ich denke es mir so. Ihr fahrt die Wagen nachher in die Sammelgarage. Und zwar stellt ihr sie so auf, daß die Sicht ein bißchen versperrt ist und daß wir vom Anhänger aus doch die ganze Garage überblicken können. Im Anhänger ist ein Scheinwerfer. Den habe ich heute eigens aus Babelsberg mitgebracht. Kann der angeschlossen werden?"

Älar, wenn er ein Kabel hat. In der Ecke ist ein Kontakt."

Gut, das machen Sie, Preetz! Daraus muß ich mich fest verlasse^ können. Und spielen Sie nicht erst mit dem Scheinwerfer! Wenn Sie ihn ous- proben, nur einmal kurz ins Stroh aufblenden, bamit keiner den Lichtschein sehen kann!"

Preetz war in größter Verlegenheit ,Hck mache ja gern mit, Herr Vallendar; Sie wisien, ick bin zu allem bereit. Aber heute nacht hm jeht es los mit meine Frau. Der Dortor hatte heute nachmittag auch fernem!--"

Mensch, wenn wir darauf warten sollen? Mutter überlegt sich's bestimmt noch!" Der stämmige Heinrich war immer etwas vorlaut.

Preetz fuhr auf. ,^)att die Klappe! Ick bin ner­vös. Soll da die janze Nacht im Stroh liegen und dabei denken: Jetzt, jetzt ist es so weit jetzt läuft die Merz zur Hebamme! Vielleicht ist es nicht so einfach, und man muß den Doktor holen. Wasser warm machen, Kaffee kochen. Die Tücher müssen jeroärmt werden. Jede Hand wird jebrauchk."

Allgemeines Gelächter.Wat brauchst du 'ne Hebamme, Preetz? Mußt es doch bald selber jelernt haben"!

Ruhe!" Vallendars (Stimme drang durch.Preetz Sie übernehmen den Nachttnenst oben an der Tankstelle! Da können Sie von Zett zu Zeit mal rasch nach Hause laufen. Sie machen jede Stunde Rundgang. Gehen bis hinten und flüstern mal un­auffällig in den Anhänger hinein:Alles in Ord­nung!"'Oder zum Beispiel:Box 6 regt sich was!"

Wieso Box 6? Der Herr Direktor Steinegger ist es bestimmt nicht jewesen!"

Seien Sie doch vernünftig, Preetz! Das war doch nur ein Beispiel."

Na ja, wenn Sie det durchmachen müßten, Herr Vallendar ?"

Ruse schallten durcheinander.Wat machen wir, wenn wir ihn haben? Js denn noch wat Trink­bares im Wagen? Ick habe Karten undne Taschen­lampe. Wir könntennen kleinen Skat dreschen. Um die Zehntel!"

Vallendar redete wieder. Die Jungen waren nicht so leicht in Ordnung zu halten. Sie waren keine Komparsen. Jeder von ihnen wollte eine besondere Rolle erhalten.Also jetzt Schluß! Sowie die Wagenwäsche vorbei ist, tut ihr so, als gingt ihr nach Hause. Wenn kein Mensch auf dem Gang ist, bann nach hinten und unauffälligrein ins Stroh. Lautlos. Die Lichter alle aus... Preetz, haben Sie zugehört? Sie schalten, sobald Mühsam fort ist, oben alles Licht aus. Nur die Portallampen blei­ben brennen. Mer von euch findet doch den Weg im Dunkeln." Er winkelte den Arm und ballte die Hand zu einer Faust.

Habt ihr mich, Jungens? Also Wagen geschickt aufgestellt! Ich habe hier einen kleinen Plan ge­zeichnet. Das macht Huckemann."

Den Wasserschlauch müßte man anschrauben, Herr Vallendar. Ick kann Ihnen flüstern: Wenn die Burschen auftauchen, und denn mit Volljas Wasser soll'n mal seh'n, wie die sich verkrümeln!"

Aber, Huckemann, wir müssen sie doch fassen! Drei bleiben draußen. Ich hab' eine Trillerpfeife. Sowie die ertönt, sperrt ihr den Eingang zur Garage? Müßtet eben ein bißchen auf und ab gehen. Schadet ja nichts; es ist ja trocken."

.,Nee", erwiderte Bornemann,det haben mir oft jenug jemacht. Hab' manche Nacht Patrouille jeschoben draußen im Westen."

Ausgezeichnet, Bornemann! Sie befehligen die Patrouille draußen. Und nun los! An die Arbeit! Kein Wort. Höchstens was ganz Unauffälliges. Zum Beispiel: Gehst du noch ein Glas Bier trinken? ... Und wieder winkelte er feinen Arm.Habt ihr mich?"

Einzeln gingen sie aus dem Chauffeurzimmer. Sonderbar: Soviel war noch nie in der Garage ge» pfiffen worden! Es sollte wohl harmlos wirken.

Die meisten Wagen waren herein. Vallendar schlenderte durch den Gang. Er selbst knipste über» flüssige Lampen aus.

Die ersten Wagen kamen aus der Wäschernische. Huckemann leitete sie.

Es war herrlich? Vallendar glühte. Eine wunder­volle Filmregie? Es machte Spaß. Wie fröhlich die Wagenwäscher lachten! Kein Mensch konnte darauf kommen, daß etwas Außergewöhnliches geschähe... Wo war denn der Zomack geblieben? Den hatte er doch vorhin gesehen? Abwarten; vielleicht tauchte er nochmals auf.

Schmitz kam den Gang heruntergeschlendert.Dies­mal hab' ich mein Buch mitgebracht, Herr Vallendar! Vielleicht lesen Sie es heute nacht?" Er zwinkerie vertraulich.

Wieso denn heute nacht?"

Huckemann hat mich eingeweiht. Fabelhafter' Stoff!" Er versuchte, Vallendar ins Ohr zu flüstern,, aber es war ein wenig schwierig, well er einen Kost' kleiner war.Ich mache mit! Wetten: Ich hobt: morgen den besten Stoff für einen Roman ... Mar- sol! ich denn nun hier tun?"

Kriechen Sie unauffällig ins Stroh in den An­hänger? Aber keine besonderen Sachen, verehrt^ Herr Autor! Es ist keine Spielerei."

Schmitz verkrümelte sich.

Als Vallendar nach einer Weile an dem Anhänge? vorbeiging, hörte er das Stroh rascheln.Kein« Menschenseele zu sehen!" flüsterte eine gedrückte Stimme.

Ruhig!" zischte Vallendar. Wenn der Schnst" fteller in feinem llebereifer den Laden nur w urnschmiß!

Es wurde später. Immer stiller wurde es in den Garage. Dann ging es los: Die Lampen erloschen" einer nach dem andern, zogen sich die Wagenwäsche in der Chauffeurbude um. Drei begaben sich, 1®» singend, hinaus.

Zuviel! dachte Vallendar entsetzt. Sie machen viel!

Aber dann klappte es auf einmal: Schatten tauche ten für Sekunden auf und verschwanden, als ha"" die Dunkelheit sie verschluckt. Die EaraZenuhr s-M Mitternacht.

(Fortsetzung folgt)