Durch Italien nach Tripolis.
Eindrücke einer ZHei|e von Or. Paul Rohrbach
III.
Oasenfahrt um Tripolis.
Tripolis, März 1939.
Wenn man die italienische Kolonisationsarbeit in Nordafrika auf eine kurze Formel bringen will, so kann man sagen: sie geht darauf aus, den jetzt vorhandenen Wohnplätzen im Küstengebiet mit ihrer Umgebung den Oasencharakter zu nehmen, indem auch das Dazwischenliegende Oedland der Kultur wiedergegeben wird. Es muß heißen: „Wiederqegeben", denn im Altertum war Libyen Kulturland. Die Italiener wenden die antike Bezeichnung in modernisierter Schreibweise (Libia) auf ihr ganzes nordafrikanisches Kolomal- gebiet an, das sich von der ägyptischen bis zur tunesischen Grenze mit einer Küstenlänge von nahezu 2000 Kilometer ausdehnt. Südwärts gehört noch ein
weiligen Machthaber; die Steppe war Niemandes Land, dort weideten die Kamele, Rinder, Schafe und Esel der Nomaden. Jetzt kann man von Tripolis nach Westen, Süden und Osten ins Land fahren und sehen, wie die Oasen durch neue bäuerliche Siedlungsgebiete mit einander verbunden werden. Wenn man eine Oase besucht mit ihren Palmen und Oelbäumen, ihren urtümlichen Schöpfbrunnen, aus denen Rinder und Esel, von Kindern geführt, das Wasser in Ledersäcken, über ein hochgebautes Windgestell emporziehen, mit ihren Lehmhäusern, ihren winzigen Stückchen von Weizen- und Gartenland und ihren malerischen Eingeborenengestalten, so hat man noch den romantischen Orient aus Tausend und einer Nacht, so wie ihn der Europäer sich immer vorstellt. Die Oasen aber hören auf, die Perlen im menschenarmen Oedland zu sein. Wertvoller und menschenreicher von Jahr zu Jahr wird das Land zwischen
chnen, das jetzt Hunderte und Tausende von italienischen Bauernfamilien bearbeiten.
Wir fuhren von Tripolis durch die große und blühende Oase Za via nach den Ruinen von S a b r a t h a. Wir fuhren über E l - A z i z i a auf das Gebirge nach G a r i a n , wo noch viele Tausende von uralten Oelbäumen stehen, und wir sahen, wie die Siedlerhäuser, die Weizenfelder und die Baumwollpflanzungen sich immer weiter über die Oasengrenzen hinaus in die Steppe oorschieben. Wir sahen aber auch etwas, was das Altertum nicht kannte: die vielen Windmotoren, die aus tiefen Bohrlöchern Wasser emporpumpen, um Fruchtbäume, Gemüse und Luzerne zu bewässern. Neben dem Pflug ist es die Bohrmaschine, die das Land verwandelt. Die Alten haben Staudämme gebaut, schwierige und kostspielige Werke, ufa die Gewässer der Regenzeit hier und da an einem Wadi aufzuspeichern. Jetzt trifft in jedem Bohrturm der Fallmeißel, wo er nur angesetzt wird, in 30 bis 70 Meter Tiefe Wasser genug, um ein paar Gehöfte zu versorgen. Hier wächst eine neue Generation Italiener auf, alles Hinderreiche Familien, künftige Mütter und künftige Soldaten für das Imperium.
großer Teil der Sahara dazu, in dem aber nur einige Oasengebiete — Gadames, Fez^an, Kufra — bewohnbar sind. Die Provinz Tripolis bildet den westlichsten gegen Tunis zu gelegenen Teil der Kolonie.
Man braucht nicht lange hier zu sein, um durch einige Autofahrten in die nähere und weitere Umgebung offry Tripolis ein Bild davon zu bekommen, wie schnell die Neugewinnung des Landes für Besiedlung und Bebauung fortschreitet. Wirtschaffsgeographisch stehen sich hier die Oase und die Steppe gegenüber. Eine Oase ist stets charakterisiert durch einen Bestand von Dattelpalmen, den nährenden Baum Nordafrikas. Ueberall, wo das Grundwasser den Wurzeln der Dattelpalme erreichbar ist, wird sie sicher schon seit vielen Jahrtausenden gepflanzt. Die Stellen, an denen die Grundwasserverhältnisse von Natur sich so günstig zeigen, sind aber weder häufig noch ausgedehnt. An ber- libyscheu Mittelmeerküste gibt es eine Reihe von Oasen, und wo das Gestade eine natürliche Hafen- gelegenheit bieteh wie vor Tripolis, konnten auch sttürttsche Siedlungen entstehen. Wo sich von Süden her aus den durch die Wüste fahrenden Karawanenwegen und von Norden, d. h. von der Seeseile, durch die Schiffe der Verkehr sammelte. Die Oase, in der die Stadt Tripolis liegt, ist nicht groß, sie zählt nur 10 000 Palmen, aber sie ist wasserreich, und sie hat auf weite Entfernungen hin den brauchbarsten Hafen. Die Italiener haben ihn durch einen mächtigen Molenbau vergrößert und für Schiffe jeder Größe brauchbar gemacht.
Um die Kulturarbeit zu verstehen, die jetzt darauf abzielt, Oasengebiete durch angebautes Land zu verbinden, muß man einen Blick rückwärts in die Geschichte und einen aus die natürlichen klimatischen und Bodenverhältnisse werfen. Die meeresnahen Landstriche erhalten in den Wintermonaten, von November bis März, genug Regen, um daraufhin Getreide, hauptsächlich Weizen und Gerste, anzubauen. Der Weizen braucht nur fünf Monate bis zur Reise; im April schon wird er geschnitten. Auch die Bodengualität ist für Körnerbau meist geeignet. Im Altertum, unter der geordneten Verwaltung des Römischen Reichs und auch schon früher, war Libyen tatsächlich ein Getreide- und Fruchtland. Dann machte die arabische Invasion der antiken Kultur ein Ende. Die meisten Städte wurden zerstört und verödeten; ihre Ruinen, wie Leptis Magna, Sabratha und andere, werden fetzt von den Italienern ausgegraben. Das flache Land wurde schutzlos, und an die Stelle des Ackerbaus trat der Nomade. Aus Kulturland wurde Weideland.
Man kann denselben Prozeß auch im Orient, an vielen Stellen verfolgen. Wer Syrien und Mesopotamien kennt, wird gesehen haben, wie dort die Ruinen der Griechen- und Römerstädte und die Teile aus noch älterer Zeit als Zeugen einer früheren blühenden Städte- und Ackerbaukultur aus der „Wüste" au fragen, die ebenso weni g eine Wüste ist, wie die libysche Steppe es ist, sondern nur der Sicherheit für Leben und Eigentum harrt und des Pfluges, um wieder Bauerndörfer und Aehrentelder zu tragen. Wo die Lanze und das „härene Haus" des Nomaden, d. h. feine Zelte aus schwarzem Ziegenhaar, das Feld beherrschen, muß die Kultur sterben.
Die Herrschaft der Türken über Trivolitanien, die der italienischen voranging, ließ die Dinge, wie sie waren. In den Palmenoasen hielt sich eine ansässige Bevölkerung und zahlte Steuern an die je
Oie Westfront nach 20 Jahren.
Bon unterem H. E -Sonderberichterstatter.
IV.
Totenwachen für Deutschland.
Vom Westen aus dem Maastal kommend, fuhren wir /tu den Hauptkampfgebieten von Verdun hinauf. Alle Ehrenstätten — mochten es die würdigen Gefallenenmale der Engländer, mochten es die kostbaren, parkartigen Friedhofsanlagen der Amerikaner, mochten es die französischen Gräberfelder mit den endlosen Reihen hellschimmernder Vetonkreuze sein — sprachen in der charakteristischen Ausdrucksweise ihres Volkes ein echtes und starkes Gefühl aus, das auch uns Deutsche ergriff. Denn mag die Art der Totenehrung bei den einzelnen Weltkriegsnationen noch so verschieden sein, so ist sie doch in jedem Falle zutiefst berechtigt und fordert schon deshalb die höchste Achtung des ehemaligen Gegners oder Bundesgenossen.
Unser Hauptinteresse galt natürlich den deutschen Kriegergräber st ätten, die sich von der Nordsee bis zur Schweizer Grenze längs der ganzen Weltkriegsfront wie ein breiter Gürtel von Totenwachen hinziehen. Ihretwegen hatten wir unsere Reise angetreten, und es muß schon hier gesagt werden, daß das Werk der Deutschen Kriegs- gräberfür sorge hervorragende Leistungen vollbracht hat, daß es aber noch lange nicht vollendet ist. Einige Zahlen möaen den Umfang der Aufgabe verdeutlichen. Die Gesamtzahl der deutschen Toten im Weltkrieg beträgt 3,5 Millionen. In Frankreich allein fielen 947 000 deutsche Soldaten. Davon sind 225 000 verschollen, während 476 000 in Einzel ar ä- bern und 246 000 in Kameradengräbern ruhen. Diese Gräber sind in 204 Ehrenstätten zusammengefaßt, von denen erst der kleinere Teil ausgebaut wurde, während die Mehrzahl noch auf eine endgültige Ausgestaltung wartet. Wir besuchten etwa zwei Dutzend solcher deutschen Gefallenplätze.
Die Organisation, die für die deutschen Kriegergräberstätten sorgt, ist der „Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge". Sie benötigt dazu recht erhebliche Geldmittel, die jedoch nicht — was sehr bequem wäre — aus der Staatskasse, sondern allein aus Mitgliedsbeiträgen und freiwilligen Spenden gewonnen werden, weil eben das Opfer der Toten auch ein Opfer der Nachlebenden verlangt. Wer von uns möchte sich wissend solcher Verpflichtung entziehen, da doch die Fundamente unserer glückhaften Gegenwart und unseres stolzen Dritten Reiches nicht zuletzt in den Gräbern da draußen ruhen?
lieber Entstehung und Ziel des Volksbundes hat sich fein Leiter, Dr. Eulen, einmal folgendermaßen geäußert: „Im Jahre 1919 gegründet, hatte' der Volksbund zunächst die vordringliche Aufgabe eines Treuhänders aller Angehörigen unserer Gefallenen, die in den schwierigen Nachkriegszeiten entweder ohne Wissen um die letzten Ruhestätten der Gefallenen waren oder aber von sich aus nichts unternehmen konnten, um ihnen eine würdige Ausgestaltung zu geben. Diese Tätigkeit des DDK. äußert sich in Zehn tau senden von Briesen über die Lage und den Zustand unserer Kriegergräber im Ausland, zu denen ebenso zahlreiche mündliche Aus
künfte traten. Aber uhfere Arbeit war von vornherein eine umfassendere: neben jenem Auftrag der Betreuung unserer Kriegeraräberstätten erwuchs chr auf weltanschaulicher Grundlage die größere Pflicht. Im Bewußtsein, daß der Geist unserer Frontkämpfer wachgehalten werden müßte, sollte Deutschland nicht seine Opfer verraten, kämpften wir, wo uns die Möglichkeit dazu geboten war, um die bleibende Ehrfurcht vor dem wahrhaft heldischen Einsatz und Opfer, vor dem Glauben an ein kommendes Reich, in dem jene Millionen gefallen sind. Es war und ist unsere Ueberzeugung, daß die Ehrfurcht nicht Sache der Angehörigen allein, sondern h ö ch st e Pflicht des ganzen Volkes ist. Hunderttausende von Einzelgräbem würden notwendig eines Tages dem Verfall anheimgegeben sein. Das Ehrenmal aber, die im ganzen ausgestaltete Kriegergräberstätte, wird die Jahrzehnte und Jahrhunderte überdauern. Es konnte keinen Zweifel für uns geben, daß dem großen Auftrag der Gefallenen an das Volk nur die höchstwertige künstlerische Ausgestaltung entsprechen konnte. Darüber hinaus wird der Ring unserer Ehrenmale rund um Deutschland ein bleibendes Dokument für die Tatsache sein, daß Deuffchland im Weltkrieg gegen eine Welt von Feinden bestanden hat."
Wie sehen nun diese Dokumente, unsere Weihestätten in Frankreichs unsterblicher Erde, aus? Einige Erinnerungsbilder sind besonders hell, weil der Besuch der deutschen Kriegergräber und Ehrenmale zu einem persönlichen Erlebnis von außergewöhnlicher Stärke wurde, weil wir in diesen Gräberfeldern auf fremder Erde unversehens unsere eigene Heimat, unseren deutschen Wald, unseren deutschen Stil, unsere deutsche Art wieder entdeckten. Von diesen Eindrücken soll in einem folgenden Aufsatz die Rede sein.
Frühjahrsneuerscheinunqen
des Verlages Alberl Langen / Georg Muller.
Der Verlag Langen / Müller, München, kündigt folgende Frühjahrsneuerscheinungen an: Paul A l- verdes, „Dank und Dienst", Reden und Aufsätze. — Hermann Claudius, „Wann wir schreiten", Gedichte. — Paul Ernst, „Grün aus Trümmern", Roman. — Knut Hamsun, „Mysterien", Roman. — Harald Hornborg, „Mächte der Oedmark", Roman. — Moritz Jahn, „Die Gleichen", Erzählung um Gottfried August Bürger. — E. G. K o l - benheyer, Gesammelte Werke. Band 3: „Meister Joachim Pausewang" / „Amor Dei"; Band 4: „Montsaloasch" / „Das Lächeln der Penaten". — Wilhelm Schäfer, „Theoderich. König des Abendlandes". — Ludwig Thoma, „Der Jagerloifl". — Franz Tumler, „Der Soldateneid", Erzählung. — In der .Kleinen Bücherei": Hans Grimm, „Die drei lachenden Geschichten". — Lena Christ, „Aus meiner Kindheit". — Friedrich Griese, „Die Flucht". — C. O. Äatho. „Stromeinsamkeit und Menschenherz", em Donaubuch. — Franz Tumler, „Im Jahre 38". — Heinz D i e ro e r g e, ,Lügengeschichten". — Hermann Roth, „Germanen im Kampf", Frühe Berichte der Römer.
Verteilung der Arbeitskräfte.
Bon unserer berliner Schristleituncr
Der Anordnung des Beauftragten für ben Lier, jahresplan, Generalfeldmarschalls Göring, vom 13. Februar d.J. ist eine neue Anordnung gefolgt, die soeben im Reichsgesetzblatt veröffentlicht Jft. War es der Zweck der ersten Anordnung, die Bestimmungen über die Dienstpflicht auf Grund der neugewonnenen Erfahrungen abzuändern, so ift es der Zweck der zweiten Anordnung, Anweisungen über die Frage des Arbeitsplatzwechsels zu geben. Die zentrale Behörde hat es vermieden, im einzelnen anzugeben, wie verfahren werden soll, wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind. D t e Arbeitsämter können also ihre Genehmigung zu einer Kündigung und damit zu einem Arbeitsplatzwechsel a u f Grund der gewonnenen Erkenntnisse geben. Dabei wird der Grundsatz herrschen, die Eingriffe soweit wie möglich einzuschränken. Wie in einer Presseunterrichtung hervorgehoben wurde, hat nicht die Freude am Reglementieren bei Öer neuen Anordnung Pate gestanden sondern der Zwang, bestimmten unerfreulichen Zuständen ein Ende zu bereiten.
Wie jetzt feststehl, sind es folgende Wirtschaftszweige, in denen die Arbeitsämter ge- gegen Kündigung des Arbeitsverhältnisses, sei es nun durch den Betriebsführer, fei es durch den Arbeiter ober Angestellten Einspruch erheben können: Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Bergbau. Chemische Industrie, Baustoffherstellung sowie Eisen- und Metallgewerbe. Beim eigentlichen Bau g e - werbe hat man von "ine'- Einschränkung d-r K'in- bigung abgesehen, ba sich Bauvorhaben häufig nur
Ruhl Seliersweg Nr. 6/ M
jO Telephon Nr. 317(
eparaturen |
auf eine begrenzte Zeit erstrecken, weil höhere Rücksichten eine Zusammenfassung der vorhandenen Kräfte auf besonders wichtige Bauvorhaben erforderlich machen können, und weil das Baugewerbe als Saisongewerbe in besonderem Maße von der Witterung abhängig ist. Im Baugewerbe bleibt es also bei einer Genehmigungspflicht für öie Einstellung von Arbeitskräften, die übrigens auch für die genannten Gewerbe weiterhin gültig sein wird.
Die neue Anordnung besagt, daß eine Kündigung erst ausgesprochen werden darf, wenn sich der Kündigende vorher beim Arbeitsamt vergewissert hat, baß die Kündigung genehmigt werden wird. Damit soll vermieden werden, daß sich Betriebsführer und Arbeitnehmer einseitig festlegen, ohne zu wissen, ob das Arbeitsamt ihrer Entscheidung zustimmen wird. Man erwartet von dieser Bestimmung, daß die mit dem Gedanken der Kündigung umgehende Partei, also der Betriebsführer oder der Arbeitnehmer, ihren Entschluß reiflich überlegen und sich auch die Folgen klarmachen wird, die ein Einspruch des Arbeitsamts gegen die Kündigung für ihre Beziehungen zu den Arbeitskameraden haben mürbe. Kündigung in beiberfeitigem Einverständnis als Folge unerträglich gewordener persönlicher Beziehungen unterliegt der Zustimmung des Arbeitsamtes nicht; um ein A b - wandern der freiwerdenben Arbeitskraft aus einem Mangelberuf zu verhindern, genügt es stets, daß das Arbeitsamt gegen die Einstellung des betreffenden Arbeiters oder Angestellten Einspruch erheben kann. Scheibet ein Arbeitnehmer aus einem Betriebe aus, um in einen anberen Bc trieb der gleichen Branche einzutreten, so werben vom Arbeitsamt keine Einwendungen erhoben. Ausgenommen von der Beschränkung des Arbeitsplatzwechsels sind auch die Veränderungen, die ein junger Berufsausübender für die Verbesserung seiner Fachkenntnisse und seiner Erfahrungen für notwendig hält. Die neue Anordnung soll sich also nicht in der Richtung auf eine Verringerung der Slrbeitsqualität auswirken.
Die Anordnung zieht eine Gruppe von wirtschaftlich Tätigen in die Zuständigkeit der Arbeitsämter ein, die außerhalb der eigentlichen Angestellten und Arbeiter steht, nämlich die mithelsenden Familienangehörigen. Diese Gruppe spielt besonders in der Landwirtschaft eine hervorragende Rolle. Sie ist zahlenmäßig größer als die Bauern und auch die eigentlichen Landarbeiter. Aber auch hier wird die Beschränkung des Arbeitsplatzwechsels keine Nagelung an den Arbeitsplatz bedeuten, da solche mithelfenden Familienangehörigen sich
Geschichten ans aller Welt.
Liebe im Film — ohne Interesse.
Ndz. Tokio.
Die japanische Filmzensur prüfte im Jahre 1937 nicht weniger als 25 686 356 Meter Bildstreifen, das sind fast 30 o. H. mehr als im Jahre zuvor. Dieses Anwachsen der Filmproduktion ist^ zurückzuführen auf die vielen Filmbildberichte vom chinesischen Kriegsschauplatz. Dabei hat sich herausgestellt, daß die Filme mit Liebesszenen sich ganz bedeutend vermindert haben, und zwar auf Kosten der Kriegsfilme. Obwohl die Einfuhr ausländischer Bild- ftreifen am 28. August des Berichtsjahres gedrosselt wurde, hatte die Zensur dennoch 1067 ausländische Filme mehr zu bearbeiten als im Jahre vorher. Die Prüfstellen schnitten 388 Szenen heraus, und zwar 192 aus japanischen und 196 aus amerikanischen und europäischen Filmen. Das ist sehr wenig, denn im Jahre 1936 wurden sogar 502 Szenen beanstandet.
Ter Schatz im Krokodilmagen.
B. Kapstadt.
Aus Salisbury in Südrhodesien wird das außerordentliche Abenteuer eines Farmers berichtet, der mit einem einzigen Schuß seines Gewehres ein großes Vermögen erworben hat. Er fuhr im Kraftwagen von Messina in Transvaal nach Bulawoyo, als er von einer Schar von Eingeborenen an- gehalten wurde, die ihn anflehten, er möchte ihr Dorf von einem riesigen Krokodil befreien, das in jener Gegend längs des Gwanda-Flusses Schrecken verbreitet. Der Farmer hätte den Aufenthalt gern vermieden, weil er es sehr eilig hatte, aber er konnte die Bitte der Schwarzen doch nicht abschlagen, nahm sein Gewehr und begab sich an den Fluß Das Krokodil lag auf dem Kies am Strand, und es genügte ein Schuß, um ihm den Garaus zu machen. Rachsüchtig stürzten sich die Eingeborenen auf das Ungeheuer und bedeckten es mit Schlägen, als sie es aber öffneten, kamen zu ihrer großen Ueberrafchung sechs mächtige rohe Diamanten, eine Handvoll Goldmünzen und andere
wertvolle Gegenstände zum Vorschein. Es ist Brauch, daß die Beute von einem im Urwald getöteten Tier dem gehört, der es erlegt hat, und so konnte der Farmer seine Fahrt nach Bulawoyo fortsetzen, indem er den großen Schatz in feinem Wagen mit sich nahm.
Der Stier in der Hotelhallen
Ndz. Melbourne.
Als kürzlich in Wanaanui auf Neuseeland eine Rinderherde an einem Hotel oorbeigetrieben wurde, rannte plötzlich ein Stier durch die Eingangstür in die belebte Hotelhalle. Frauen kreischten und flüchteten voller Entsetzen, als der wilde Bulle Tische und Stühle umrannte und viel Geschirr in Scherben ging. Das Tier versuchte die große Treppe heraufzustürmen, stürzte aber auf halbem Wege und rutschte wieder in die Halle zurück. 20 starke Männer hatten zwei Stunden lang angestrengt zu tun, um den Stier wieder auf die Straße zu bringen.
Kino mit alten Schikanen.
Ndz. Kopenhagen.
Die dänische Hauptstadt ist um em neues Lichtspieltheater bereichert worden, das an Komfort vieles in den Schatten stellt, was man bisher auf diesem Gebiet kannte. Nicht nur die Ausstattung des Theaters und des teils mit dick gepolsterten Sesseln und teils sogar mit Sofas für zwei Personen ausgestatteten Zuschauerraums erregte die Bewunderung der Oeffentlichkeit, sondern auch die großen und kleinen technischen Neuerungen, die den neuzeitlichen Bedürfnissen Rechnung tragen. So kauft man am Kartenschalter nach Wahl neben der gewöhnlichen Eintrittskarte eine solche mit Schwerhörigenanlage, eine Karte für Außenplätze, von denen man telephonieren kann, oder eine Karte mit Parkplatz, denn das ganze Theater ist unterkellert und mit einer großzügigen Garagenanlage versehen, deren Parkplätze während der Vorstellung vermietet werden. Eine weitere Neuerung ift ein kleines Hundehotel unter t)em Theater. Man braucht
sein Schoßhündchen nicht mehr in der Garderobe abzugeben, ivo es dann ängstlich um Frauchen jammert oder mit anderen Rassegenossen in Streit gerät; es gibt vielmehr dafür eine besondere Anlage, in der jeweils fünf Pfleglinge ausgenommen werden können. Schließlich ist für das weibliche Theaterpublikum nach Hollywood - Vorbildern ein Make-up^alon eingerichtet worden, der an die Damen mit der liebenswürdigen Aufforderung appelliert: „Wenn Sie gemeint oder sich gar zu sehr aufgeregt haben, wenn Sie müde oder sonst in Ihrem Aeußeren auffrischungsbedürftig sind, besuchen Sie unseren Kosmetik-Salon " Wer kann da widerstehen!
Die Hinterlassenschaft der alten Waschfrau.
Ndz. Kopenhagen.
Die ärmliche, kleine Wohnung einer kürzlich verstorbenen alten Waschfrau wurde jetzt vom Erb- gericht „ausgestaubt". So nennt man in Dänemark die Untersuchung des Nachlasses von Verstorbenen, die keine Angehörigen hinterlassen. Die alte Frau lebte schon seit mehreren Jahren ausschließlich von ihrer kleinen Altersrente in höchst bescheidenen Verhältnissen. Vor einigen Wochen stürzte sie auf der Straße und wurde ins Krankenhaus gebracht, in dem sie nach mehreren Tagen starb. Bei dem Unfall trug sie eine kleine Tasche in der Hand, in der sich zur Ueberraschung des Krankenhauspersonals nicht weniger uls 11 Fünfzigkronenscheine befanden. In der Wohnung wurden nun weitere Banknoten und Bankbücher gefunden. Es stellte sich heraus, daß die alte Waschfrau dank ihrer spartanischen Lebensweise ein Kapital von 30 000 Kronen hinterlassen hat. Es wird dem Staat anheimfallen, da die sparsame Greisin keine Erben hinterläßt.
Raum
ist in dem kleinsten Telephonhäuschen...
* Ndz. Paris.
„Der Apparat ist außer Betrieb." Ein Pappschild mit dieser Inschrift schreckte die Pariser zurück, die im Telephon-Kiosk Nr 40 Rue Dignon ihr gewohntes Schwätzerchen erledigen wollten. Solche Störungen sind gewöhnlich nach wenigen Stunden behoben, in diesem fta'le hing aber das Pappschild noch am nächsten Morgen an der ge
schlossenen Tür. Es gab Anfragen und Beschwerden bei der Fernsprechverwaltung. Die wußte von nicht» und schickte schließlich einige Telephonarbeiter aus. Die Tür war versperrt, sie wurde nach Hinzu» ziehung eines Schutzmannes gewaltsam gesprengt. Die Aufbrecher wichen diskret zurück als sie das Innere des Kiosks überschauten. Dort lag, trotz des Lärms noch immer friedlich schlummernd, das „glücklich liebende Paar", das nach Schillers Rezess in der kleinsten Hütte Raum finden soll. Die junge Frau erwachte zuerst und sagte schlaftrunken: „In diesem Paris kann man doch nirgends richtig aus» schlafen." Dann folgte die Erttärung. Es war technische Nothilfe gegen die Pariser Wohnungs» not. Das aus der Provinz zugereiste junge Paar hatte noch immer keine Wohnung finden können und verfügte auch nicht mehr über die nötigen Mittel zum Hotel-Aufenthalt. Da wollte man mit Hilfe des Pappschildes den Telephon-Kiosk zur Notwohnung machen...
Das Gasrohr und die Liebe.
Ndz. Paris.
Rätselhafte Sabotageakte an der Gasleitung eines Hauses in Rennes haben jetzt eine ergötzliche Aufklärung gefunden- Der Rohrlegergeselle hatte am Gasrohr eine kleine Reparatur vorgenommen, aber schon nach zwei Tagen meldete Suzon, das Hausmädchen, daß es schon wieder nach Gas rieche, und daß sie den Rohrleger bestellt habe. Als Suzon im gleichen Monat zum zehntenmal eine Reparatur des Gasrohres für notwendig erklärte, wurde es dem Hausbesitzer zu bunt. Er ließ den alten Meister kommen, und der stellte fest, daß es sich offensichtlich um Sabotageakte handle. Mit Hammer und Stemmeisen sei das Rohr beschädigt worden. Bei dieser Feststellung brach die anwesende Suzon in Tranen aus. Sie umklammerte gnadeflehend die Knie ihres „Patrons" und legte ein reumütiges Geständnis ab. Sie selbst sei die Saboteurin, aber schuld sei Die Liebe. Sie habe sich in den hübschen Rohrleger- gehilfen verliebt, aber der sei leider so schüchtern und habe offensichtlich gar nicht bemerkt, welche Avancen sie ihm machte. Darum habe sie immer neue Reparaturfälle schaffen müssen, um endlich dem blöden Burschen die Augen zu öffnen. — Ihr wurde verziehen.


