Ausgabe 
24.10.1939
 
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geboren wurde und den niederdeutschen Menschen in all seiner Bindung an Haus, Hof und Tradition der Familie erkennen ließ. Und anschließend brachte August Hinrichs eine sehr feine Geschichte aus dem Dreißigjährigen Krieg, aus der der große innere Reichtum sprach, aus dem der Dichter schöpft. Er führte seinen Zuhörern einen rauhen Krieger vor Augen, der ein wildes Fähnlein an seinem Heimat­dorf vorbeiführt, weil ihn dort ein tie,es Erlebnis anrührt, weil er dort einer Mutter und ihrem Kind (die von den in den Wald fliehenden Bauern zurück­gelassen wurden), seinen schönen Mantel gegeben hat, der ihn, den Krieaer, dann im verschonten Dorf alsSt. Michael" in die Legende eingehen läßt.

Ein Beispiel seiner dramatischen Gestaltungskraft gab der Vorlesende dann mit einer Schilderung einer heldenmütigen Tat aus dem Weltkrieg und forderte damit seine Zuhörer zu gespanntester Auf­merksamkeit heraus. Mit einer heiteren Skizze schilderte er zum Schluß sehr unterhaltsam die An­bahnung eines höchst unproblematischen Liebesver- hältnisses zwischen zwei jungen Menschen und löste damit vorbehaltlose Freude und starken Beifall aus. Der Dichter las aus der engen Verbundenheit mit seinem Werk sehr rasch und pausenlos und for­derte damit von seinen Zuhörern ungeteilte geistige Gefolgschaft. Heinrich Ludwig Neuner.

Gastspiel Äellani.

Der Zauberkünstler und Illusionist Bellani, der schon öfter in Gießen Gastspiele gab, unterhielt am vergangenen Sonntagabend wiederum eine stattliche Anzahl von Besuchern im Saalbau Liebig- straße. In seiner von Humor gewürzten Art zeigte er zunächst eine erstaunliche Fülle von Kartenkunst­stücken, so daß aller Anlaß bestand, ihn ob seiner Fingerfertigkeit zu bewundern. Da sich ihm zahl­reiche junge Männer zur Verfügung stellten, hatte er dann Gelegenheit, in vielerlei Form.Willens- Übertragungen zu zeigen, die sich sehr lustig gestal­teten und viel Gelegenheit zu herzlichem Lachen boten. Die Obsekte seines Willens fühlten sich in den verschiedensten Zuständen, streichelten Vögel, die gar nicht vorhanden waren, dirigierten Orchester mit großer Geste und mit ebensoviel Schwung, und zeigten sonst noch allerlei Künste, die ihnen im All­tag wohl kaum zu eigen waren. Mit großem Bei­fall wurden dann die Darbietungen verfolgt, bei denen der Künstler Geld auf alle mögliche und un­mögliche Art hervorzauberte und damit einen Hut füllte. Im zweiten Teil der Dortragsfolge sah man noch verschiedene Illusionen mit Seidentüchern, Blumensträußen usw., die auch diesmal wieder ihre überraschenden Wirkungen auslösten. Viel Bei­fall dankte dem Künstler, der sein Programm ganz allein bestritt, für seine Mühe. Der Saal war bis auf den letzten Platz besetzt.

Lebensmittel-Bestellscheine auch auf Wochenmärkten.

Anläßlich der jetzt erfolgten Verteilung der neuen Lebensmittelkarten ist in der Presse und in gleich­zeitig an die Verbraucher aus-gegebenen Merkblät­tern gesagt worden, daß die Bestellscheine der in Frage kommenden Karten Montag, 23., bzw. Diens­tag, 24. Oktober beim Kleinhändler abgegeben wer­den sollen. Ergänzend hierzu wird darauf hinge­wiesen, daß selbstverständlich die Bevölkerung, die. auch schon bisher regelmäßig Fleisch, Fettwaren, Käse, Butter und Marmelade auf den Wochen- Märkten gekauft hat, dies auch in Zukunst tun kann und dementsprechend die Bestellscheine für diese Waren auch an den übrigen Tagen der Woche bei ihren Händlern auf den Märkten abliefern kann.

Gießener Dochenmarktprette.

* Gießen, 24. Okt. Auf dem heutigen Wochen­markt kosteten: Markenbutter, XA kg 1,60 RM., Matte 25 bis 50 Rpf., Käse, das Stück 5 bis 10, Wirsing, Vi kg 7, Weißkraut 5, Rotkraut 8, gelbe Rüben 6 bis 8, rote Rüben 8 bis 10, Spinat 20, Unterkohlrabi 6 bis 8, Rosenkohl 20 bis 30, Feld­salat, Vio 10 bis 12, Tomaten, H kg 10 bis 25, Zwiebeln 8 bis 10, Meerrettich 30 bis 60, Kürbis 6 bis 8, Kartoffeln, Vt kg 4 Rpf., 5 kg 40 Rpf., 50 kg 3,15 bis 3,45 RM., Aepfel, % kg 10 bis 25 Rpf., Birnen 10 bis 25, Zwetschen 13, Blumen­

kohl das Stück 10 bis 60, Salat 5 bis 8, Endivien bis 8, Lauch 5 bis 10, Sellerie 10 bis 30, Rettich 5 bis 10, Radieschen, das Bündel 8 bis 10 Rpf., Weißkraut, 50 kg 4 RM., Wirsing, 50 kg 6 RM., Rotkraut, 50 kg 7 RM.

DOM -Untergau 116 Gießen.

BD7N.-Werkgruppe 4a/116, Werkschar.

Am Sonntag, 29. Oktober, findet die erste Vor- tellung des HJ.-Theaterringes statt. Die Karten ind Dienstag bei Hedwig Dippel, Bahnhof» traße 12, abzuholen. Die Vorstellung beginnt um 14.45 Uhr.

** Ernennung bei der Kreiskasse. Der Landrat des Landkreises Gießen hat den Kreis-

kasfe-Sekretär Wilhelm Weber in Gießen zum Kreiskasse-Obersekretär ernannt

** Eine öffentliche Mahnung richtet die Stadtkasse heute an die säumigen Zahler von Ge­bühren und Steuern. Die Zahlung muß umgehend erfolgen, andernfalls die Beitreibung durchgeführt wird.

** Lehr gemein schäften der Deutsch en Arbeitsfront. Das Berufserziehungsamt in der DAF. beginnt demnächst mit neuen Lehrge- meinschaften sowohl für die kaufmännischen Berufe, als auch für die FachgruppeEisen und Metall". Anmeldung und Beratung kann bis 28. Oktober erfolgen. Jede Lehrgemeinschaft erstreckt sich über den Zeitraum von 20 Doppelstunden.

Preisverteilung im Blumenschmuck-Wettbewerb.

Am gestrigen Montagnachmittag fanden sich zahlreiche Preisträgerinnen des Blumenschmuck­wettbewerbs im Stadthaus Gartenstraße ein, um für ihre Bemühungen um Blumenschmuck an Fen­stern, Balkonen, Vorgärten usw. im Wettbewerb Die Preise in Empfang zu nehmen. Der Saal, in dem die Preisverteilung stattfand, bot sich in fest­lichem Schmuck dar; da die meisten Preise in schö­nen Blumenstöcken und Zierpflanzen bestanden, war der Feier auch der richtige Rahmen gegeben.

Beigeordneter Nicolaus als stellv. Vorsitzen­der des Fremdenverkehrsvereins Gießen hielt eine kurze Ansprache, dankte zunächst im Namen des Fremdenverkehrsvereins den Herren R e h n e l t und Schwarz, die sich beim diesjährigen Blumen­schmuckwettbewerb wieder mit ihrem fachmännischen Wissen um die gerechte Beurteilung der Leistungen bemüht hatten, er dankte aber auch den zahlreichen Frauen für ihre Arbeit im Dienste der Verschöne­rung von Haus und Garten und damit des Stadt­bildes. Er gab dem Wunsche Ausdruck, daß sich am Wettbewerb, und damit an der Schaffung von Blumenschmuck in unserer Stadt immer mehr Frauen beteiligen möchten. Mit einfachen Mitteln und mit viel Liebe lasse sich, so betonte Beigeord­neter Nicolaus, gerade auf dem Gebiete des Blumenschmucks viel tun. Ein schöner Vorgarten,

mit Verständnis bearbeitet, lasse sich zu einem Schmuckstück und selbst ein unscheinbares Haus durch Blumen zu einer wahren Augenweide aus­gestalten. Wenn Blumen aus allen Fenstern lug­ten, so schaue damit die Seele der waltenden Frau aus dem Hause. Der Blumenschmuck in den Straßen und an den Häusern sei über die Freude hinaus, die jeder einzelne an seinem Hause erlebe, auch ein Dienst an der Stadt Gießen.

Universitäts-Garteninspektor i. R. R e h n e l t sprach davon, daß ihm durch die Wettbewerberin­nen die Arbeit leicht gemacht worden sei. Sodann gab er die Namen der Wettbewerber bekannt, die mit Sonderauszeichnungen bedacht werden konnten, und schilderte, was der besondere Anlaß zu dieser Auszeichnung gewesen ist. Schließlich gab er noch in kurzen Zügen Pflegemaßnahmen für diejenigen Blumen und Ziersträucher bekannt, die anschließend zur Verteilung kamen.

Mtt großer Freude nahmen dann die Frauen die schönen, gutentwickelten Blumen und Zierpflanzen in Empfang und gleichzeitig auch ein kleines Bäck­chen mit Senkern und Trieben von Ziersträuchern, die von einem Spender, der nicht genannt sein wollte, zur Verfügung gestellt worden waren.

Die Namen der Preisträger haben wir in un­serer gestrigen Ausgabe bereits mitgeteilt.

Hellas-Magdeburg schwamm deutschen Rekord.

Einen schönen Erfolg für seine unermüdliche Traininasarbeit erntete wieder einmal der SV. Hellas Magdeburg, der sich besonders auf dem Ge­biet des Brustschwimmens hervorragend betätigt hat und nun selbst in der Zeit des Krieges mit einer Rekordleistung aufwarten konnte. Während eines Trainingsabends stellten die Schwimmer Schubert, Kähne, Köninger und Ohrdorf über 4 X 100-Meter- Brust mit 4:56,8 Minuten einen neuen deutschen Rekord auf und verbesserten damit ihre eigene bis­herige Höchstleistung um 2 Sekunden. Die Einzel­zeiten waren: Schubert 1:18,8; Kähne und Könin­ger je 1:12,8; Ohrdorf 1:12,4. Das ergab eine Durchschnittszeit von 1:14,2 Mim

Italien schließt Länderkämpfe ab.

Italiens Turner und Sportler haben in den nächsten Wochen zahlreiche internationale Kraft­proben zu bestehen. Dem Turnländerkämpf zwischen Deutschland und Italien am 5. November in Dres­den folgt am 12. November in Zürich ein Fußball­spiel zwischen der Schweiz und Italien. Am 10. De­zember werden Italiens Amateurboxer in Deutsch­land erwartet und im Januar treten in Stockholm Schwedens Boxer als Gastgeber auf. Am 25. und 26. Dezember tragen Italiens Wasserballer, die sich zuletzt bei dem Europa-Turnier in Doettnchen aus­zeichneten, zwei Länderkämpfe in Budapest gegen Ungarn aus.

Torreiche Handballkänipfe im Kreis Gießen.

Wenn auch diesmal das Wetter erträglich war, so machte sich trotzdem abermals ein Mangel be­merkbar, der nicht Übersechen werden darf: Die Schiedsrichterfrage. Eine Anzahl Spiele ging ohne die eingesetzten Pfeisenmänner in Szene, eines mußte sogar ausfallen. Die Schiele selbst zeitigten folgende Ergebnisse:

Dv. Hörnsheim Tv. Lützellinden 12:6 (2:3)

Tv. Holzheim TV. Höckelheim 12:10 (7:6)

Tv. Dornholzhausen Tv. Münchholzhausen 9:6 (7:6)

Tv. Garbenheim Tv. Katzenfurt 6:5 (4:2)

Tv. Londorf Mto. Gießen 6:8 (4:2)

Spvg. 1900 Gießen VfB.-R. Gießen 10:0 (6:0).

Der Lokalkampf Hörnsheim gegen Lützellinden hat von seiner Zugkraft nichts einaebüßt. Auch heute noch bringt man chrn das größte Interesse entgegen, auch heute noch wird auf beiden Setten mit Erbit­terung gekämpft. Schade nur, daß nicht beiderseits die Kräfte von einstmals zur Verfügung stehen.

Holzheim hatte auch diesmal wieder Glück. Denn die Gäste setzten ihm schr schwer zu. Das zeigt deut­lich der Halbzeitstand, der nur eine knappe Füh­rung der Platzbesitzer sah. An diesem Ergebnis wurde auch in der Folgezeit nichts geändert, sodaß man froh sein konnte, mit zwei Toren in Führung zu gehen. ____

Wie stark Dornholzhausen ist, beweist der be­merkenswerte Sieg seiner Mannschaft gegen die favorisierten Vertreter aus Münchholzhausen. Span­nend war das Treffen und abwechselnd gingen beide Mannschaften in Führung. Wenn zum Schluß die Jungens der Einheimischen dann doch zum Siege kamen, zeigt dies mehr als deutlich, mie stark sie in Wirklichkeit sind.

Garbenheim hat Katzenfurt knapp schlagen und damit die Spitze der Tabelle übernehmen können. Ob das aber das Endergebnis fein wird, steht noch nicht fest, zumal die Entscheidung wahrscheinlich doch in Katzenfurt fallen, wird.

Der Mtv. Gießen traf, wie vorauszusehen war, auf einen starken und sichessicheren Gegner, der der Mannschaft bis zum Schluß außerordentlich zu schaffen machte. Bis zur Halbzeit lagen die Ein- heimischen in Führung, mußten sich dann aber doch geschlagen bekennen, weil die Gäste mehr und mehr aufkamen.

Grohen-Vuseck 1. 3gb. Mtv. Gießen 1. 3gb. 7:2 (1:1).

Am Sonntag trafen sich beide Mannschaften zu einem Freundschaftskampf in Großen-Vuseck. Der Witterung entsprechend war der Platz nicht in bester Verfassung. In der ersten Halbzeit war das Spiel ausgeglichen. Mit 1:1 ging es in die Pause. Nach der Pause sanden sich endlich die Gastgeber und konnten den Sieg sicherstellen.

WirMafi.

Nhein-Mainische Börse.

I Etwas fester.

Frankfurt a. M., 23. Oktober. Zum Wochen, anfang kam das Geschäft nur langsam in Gang. Am Aktienmarkt war die Haltung weiter etwas fester, da sich kleine Anlagekäufe fortsetzten. Zumeist ergaben sich daher durchschnittliche Er­höhungen von 0,50 bis 1 v. H. Andererseits fehlte es auch nicht an leichten Einbußen zufolge mäßi­ger Abgaben. Rheinstahl 127,50 (128), Scheidean- st alt 205,50 (206), etwas stärker gedrückt Betula auf 149 (151) und Westdeutsche Kaufhof auf 75,50 (77). Eine Sonderbewegung hatten VDM. mit 147,50 (143,50). Fest. waren ferner Daimler mit 111,13 (109,50), Buderus mit 95,25 (94,40), ebenso zogen IG.-Farben auf 158 (157,75), Deutsche Erd. öl auf 130,90 (130,40), MAN. auf 147 (146,50), Der. Stahl auf 91 (90,50) und Rheinmetall auf 111 (110,75) an.

Arn Rentenmarkt bestand weiterhin Nach, frage. Von Auslosungswerten Reichsaltbesitz unv. 134,75, dagegen Dekosama I 139,50 (139), do. II 157,50 (157,25). Gesucht wurden erneut Gold- und Liquidationspfandbriefe, außerdem Reichsschatzan- Weisungen und andere. Industrie-Obligationen waren vielfach 0,25 bis 0,50 v. H. befestigt. Stadt« anleihen ruhig und unverändert. Von unnotierten Renten blieben Steuergutscheine I in frühen Fällig, ketten gefragt.

Der Freiverkehr war ohne Geschäft. Tages« geld unv. 2 v. H.

Frankfurter Getreidebörse.

Frankfurt a. M., 23. Oktober. Die Nachfragtz nach Roggen hat sich durch die Erhöhung der Der- mahlungsquote verstärkt. Weizen ist nach wie vor stark angeboten; die beschränkte Aufnahmefahigkert einiger Mühlen wird durch Kaufaufträge der RfG. ausgeglichen. Anlieferungen an Brau-, Industtte« und Futtergerste werden laufend aufgenommen. Die erhöhten Haferangebote gchen vornehmlich an btt Wehrmacht. Mehl hat laufendes Bedarfsgeschäft. Die Nachfrage nach Mühlenprodukten kann beftie- tjipgt werden. Schnitzellieferungen aus der neuen Kampagne stehen bevor. Geflügelfutter wird in den nächsten Tagen zur VerteAung gelangen. An Tre­bern und Malzkeimen besteht Mangel. Rauhfutter wenig verändert. Alle Notierungen blieben unver« ändert. ....

Frankfurter Schlachtviehmarkt.

Frankfurt a. M., 24. Okt. (Vorbericht.) Um 10 Uhr war folgende Marktlage: Dorauftrieb: etwa 500 Kälber, 60 Schafe und Hämmel, etwa 10(XJ Schweine. Es kosteten: Kälber 30 bis 65 RM., Schafs 25 bis 42, Hämmel 40 bis 50, Schweine 52 bis 56 RM. Marktverlauf: Alles zugeteilt.

(Nachdruck verboten.)

23. Fortsetzung.

Dr. Severin schneidet in der öffentlichen Mei'

sterl" ist seinerzeit ordnungsgemäß verkauft mor- oen. Daß unter dem alten Gerümpel ein kostbare» Bild steckte, konnte niemand riechen, und die de« sagten Stadträte können sich an das Bild und alles Drum und Dran der Jnventarübernahme auch niche

VlkWMöerfremöe

Roman non fflaltljtr filoepfer topytfoN ön Carl Bunter Verlag > Berlin«62

Das Bild, diese Frau mit der Bohnenblut-, du ein Heller und smarter Geschäftsmann. einem ahnungslosen Doktor entführt hat, erzeugt eine Art! Aufstand in der kleinen Stadt, sofern man Wirts« Hausdebatten, familiäre Diskussionen und erregt«: Stadtratssitzungen unter diesem Begriff zusammen« fassen will. Es hagelt Vorwürfe, es wird farmm. gestritten, und selbst Abc-Schützen wissen aümaW über einen Mann Bescheid, der Lukas Cranach- heißt und teure Bilder gemalt hat. Parsunke, tu!«- kisch und gerissen, hat eine kleine Notiz in DCffl Arnfelder Kurier lanziert, die den ganzen Bezlrc wachrüttelt und Parsunkes Glaubwürdigkeit ftageit. Die Eschelbrunner sind sich nur in einem Punw restlos einig: das Bild muß wieder her. Das qc eine Prestigefrage, eine Ehrensache sozusagen, ganz zu schweigen von dem materiellen Nutzen, den man sich von der Gegenwart des Lukas Cranach ver­spricht. Der Wirt Schühlein zum Beispiel, um mic einen Fall herauszugreifen, erhofft sich.geradeziL Wunder des Fremdenverkehrs von der Heimreyc des Bildes.

Grog ist besser."

Dann mache ich dir Grog." Er ist voll Aufmerk­samkeit, hüllt sie in die zweite Wagendecke und sieht von Zeit zu Zeit auf die Uhr, als ob er die Strecke abzukürzen vermöchte. Vor Rieles Woh­nung entlohnt er den Chauffeur, der 45 Mark for­derte, die Severin seufzend bezahlt. Dann bringt er Riele hinauf, die sogleich in ihr Schlafzimmer verschwindet und ihm einen von ihren Schlaf- anzügen herausreicht, damit er sich umziehen und die feuchten Kleider zum Trocknen hängen kann. Severin geht sodann in die Küche, macht Feuer, spannt eine Leine über den Herd und sucht die Zu­taten für den Grog zusammen, was gar nicht so einfach ist. Denn Riele ist ein Ausbund von

mehr erinnern.

Was tut man in solchen Fällen? Man setzt eine« Ausschuß ein, der das weitere zu veranlassen har. Diesem Ausschuß gehören Bürgermeister Heller, der Stadtsekretär und Stadtrat Weinzierl an, bei bene« die Bildersache in guten Händen ist. Um nun all« Einzelheiten der Weiterentwicklung aus der Nay« folgen zu können, bleibt unser Freund Parfum« In Eschelbrunn, tut sich ungern, aber notgebrungM nach Arbeit um und findet solche auch bei Vitus Friedrich, der schon lange eine Schreibkraft suchl- Jn dieser Stellung, nämlich hinter einer Schreis maschine, treffen mir Parsunke heute an. Eben tnti sein Brotgeber ins Büro.

(Fortsetzung folgt)

herrscht sie Severin an.

Bis München? Aber Maria ..."

soll wohl Lungenentzündung bekommen, weil dir das Auto zu viel ist?"

weil dir das Auto zu viel ist?"

Er wagt keinen Widerspruch mehr. Sie verbrin­gen eine sehr ungemütliche Dreiviertelstunde in einem unpersönlichen, kalten Mietwagen, dessen Wetterverdeck sehr viel au wünschen übrig läßt. Erst vor Weilheim sagt Riele trotzig, aber schon versön« lich:Du, mir kratzt es im Hals. Jedesmal, wenn ich eine Erkältung bekomme, geht es so an."

Ich stecke dich ins Bett und koche dir Tee. Wir haben es ja bald. Sei nur zufrieden, Riele", trö­stet er.

das viel zu enge Pyjama, was Severin einen Fluch von tropischer Länge entlockt.

Schließlich hat er ein arogähnliches Getränk bei- sommen, bewaffnet sich damit und will zu Riele. Im Korridor gibt es ein bißchen Aufenthalt und Gestolper über Herumliegende Hüte, die von der Toilette gefallen sind, und im Wohnzimmer lauern hinterhältige Stühle und Hocker wie Fußanaeln. Aber er schlägt sich durch und landet lobheischend vor Rieles Bett.

Danke schön, Franz. Lieber Himmel, wie du aussiehst! Wie ein Bajazzo, der beim Maskenver- leiher ein fünf Nummern zu kleines Maskenkostüm erwischt hat! Guck mal in den Spiegel", lacht sie.

Erst den Grog, er verbrennt mir die Finger." Riele hat kalte Zehen", sagt sie kläglich und nimmt ihm das Glas ab.

So. Zeig mal her. Da werden wir gleich ab­helfen", geht er auf ihren kindischen Ton ein. Er setzt sich auf den Dettrand und stellt ihren kleinen Fuß auf seine Knie.Was für eine ist denn am kältesten? Das Peterle ober der Maxi ober ber Winzewimel?" In Starnberg hat er sich die Zeit damit vertrieben, diesen winzigen Dingern ulkige Namen aufzuhängen, und das macht sich jetzt be- zahlt.

Das Peterle friert am meisten", sagt sie ernft- haft.

Er nimmt ihre Füße, die untadelig und weiß aus seidenen Pyjamahofen hervorkommen, in die war­men Muscheln feiner großen Hände, haucht sie an und frottiert sie zärtlich, erst den einen, dann den andern. Diese Stunde des Sichwiederhabens ent­schädigt ihn für den verpfuschten Tag und bannt ihn aufs neue in ihre Verzauberung.

Na, ist es jetzt gut?"

Diel besser; du kannst so nett sein, Franz, wenn du willst. Noch nicht aufhören, du, ich hab' das gerne", sagt sie verspielt, und ihre Augen erinnern ihn an die Augen von Rivieraveilchen.

Und jetzt kommt das Aspirin daran! Um das drückst du dich nicht herum, meine Liebe", meint er drohend und entläßt den zweiten Fuß mit einem Klaps aus ber Behandlung.

13. Kapitel.

terwegs, kurz vor Grainau, legt der Regen los. Erst nieselt es, dann schüttelt sich eine pechschwarze Wolke aus, und es gießt wie aus Kübeln. Es ist ein gro­ßer, anhaltender und gegen Damen flegelhafter Regen, in den sie mit diesem Schlawinerquatsch hineingeschtittert sind. Rieles Knirps, das putzige Schirmchen, ist ohnmächtig gegen diese Sintflut. Sie Haven sich unter eine Tanne gerettet, aber das nützt nicht viel. Severin hat Riele feine Jacke um­geh ängt, aber das bleibt eine kavalierhafte Geste. Zu alledem hat Riele auch noch diese neuen, zu engen Schuhe an, die irrfinnig drücken. Sie ma­növriert sich schweigend in eine ungerechte Wut hinein und schiebt Severins blöder Eifersucht alle Schuld zu. Endlich beruhigt sich die tobsüchtig ge­wordene Wolke, und feucht, ausgefroren und übel­gelaunt eilen die beiden auf Garmisch zu. Dort hat Riele den verständlichen Wunsch, sofort meg- zusahren, aber der nächste Zug geht erst in einer Stunde.

So lange warte ich nicht. Besorg ein Taxi!"

Nachmittags fahren sie im Autobus zum Eibsee. Schabe, daß Frau Zugspitze noch immer ihr Ant­litz verbirgt. Die Wolken hängen jetzt tief herunter und sehen nach Regen aus. Severin und Riele sitzen auf der Hotelterrasse, trinken Kaffee und verfolgen ein einsames Fischersegel. Sie haben sich wieder zusammengeredet, plaudern von der Zu­kunft und sind ein Herz und eine Seele. Da naht das Unheil in Gestalt von Herrn Farkas, ber sich nach einer lässigen Verbeugung an den übernächsten leeren Disch setzt. Er hat diesmal kein Malgerät bei sich, bestellt schäkernd bei ber Kellnerin ein Glas Mer und wirft ungenierte Blicke herüber. Er hat die Gewohnheit, nut einer kurzen, schnellen Kopfbewegung sein langes, schwarzes Haar aus der Stirn zu schleudern, und seine verwahrlosten Zi­geuneraugen liegen unverändert lange auf Riele.

Da ist ja der Kerl wieder", flüstert Severin ungehalten.Wie der sich aufführt, ist skandalös. Ich habe Lust, ihm mal die Leviten zu lesen.

Ditte nicht, Franz. Wenn du Krach schlägst, stehe ich auf."

Es liegt dir wohl sehr viel an diesem Schla­winer?" raunt Severin höhnisch. So fest hat er sich's vorgenommen, und nun ist alles für die Katz gewesen.Auf dich muß man ja schrecklich aufpas­sen."

Auf mich muß man gar nicht aufpassen", er­widert sie schroff.Das tue ich schon von selbst. Aber dir möchte ich ein bißchen mehr Selbstbeherr­schung anempfehlen. Diese ^Bevormundung wirst du dir abgewöhnen müssen."

Sie sehen beide zornig aneinander vorbei. Ein Verwürfnis ist da, nicht schlimm, nicht groß, aber immerhin ihr erstes und em Anfang. Sie sagt hoch- mütig, sie wolle zurückfahren; aber es ist zufällig fein Bus da, auch fein anderes Auto.

Gehen mir doch zu Fuß", schlägt er vor. Auf einem Spaziergang, hofft er, wird sich alles mie- der einrenken.Das Wetter hält schon noch aus bis Garmisch. Es soll .ein rnunderschöner Weg sein. Komm!"

Sie sagt nicht ja und sagt nicht nein, aber sie geht mit. Er entwickelt eine mühsame Beredsamkeit, aber sie bleibt in sich gefperrt und schweigsam. Un-

Als Parsunke die letzte Leinfelder-Mark versoffen hat, wäre eigentlich die Abreise fällig. Aber seinen sonstigen Gepflogenheiten zum Trotz bleibt er, der uu .... ________ .... Vagant, in Eschelbrunn Heben. Denn sonderbare

Schlampigkeit. Seit sie ihr Mädchen entlassen hat, Dinge begeben sich da, die man aus allernächster liegt und steht alles kunterbunt durcheinander, der Nähe anschauen und verfolgen muß, nachdem das Zucker neben dem Soda und der Rum neben einer Geschick einen nun mal zum Urheber dieser Dinge Flasche Wasjerglas. Zu allem Pech platzt auch noch ausersehen hat.

nung verhältnismäßig noch am besten ab, well elbft ein Leidtragender und Geprellter ist; wemgec ;ut die früheren Stadtoäter, die man mit un« chönen Namen belegt, und am schlechtesten das damalige Stadtoberhaupt, der Hauptverantworlllche, der sich im Anschluß an eine Grippe rechtzeML nämlich vor zwei Jahren, ins Jenseits gefluchtel hat. In Wahrheit aber trifft gar niemand oi« Schuld, und die Eschelbrunner benehmen sichi I« ungerecht, wie Menschen nur vermögen.Das Klo»