Ausgabe 
24.10.1939
 
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Nr. 249 Zweites Blatt

Dienstag, 24. Oktober 1939

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Vderheffen)

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Dieder.

Dichterworte nehmen sie in den Schlaf als Träume hinein, die ihnen Friedensstunden mitten im Kriege

Vögel im Kriege.

Von Franz Schauwecker.

zuverlässige ier läßt ruhig mschlolen >d pünktMi twache«

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Keine Konservendosen in den Müll

Alle alten Dosen jetzt sammeln. Für neue Deckel wird gesorgt.

3 liefen Tagen sammeln in den Dörfern un" Städten des Gaues Hessen-Nassau die Block- und Zellenleiter der Partei in allen Familien Bücher L L Wehrmacht, die zu Büchereien zusammen- gefaßt den Truppenteilen des Heerse, der Luftwaffe und der Kriegsmarine und vor allem den Lazaret­ten zugeteilt werden. Der schwere Dienst unserer Soldaten fordert in den Ruhestunden Entspannung. Für die Zeit der Erholung und Kräftesammlung den Männern im feldgrauen Rock unterhaltenden und erbauenden Lesestoff zur Verfügung zu stellen, ist unsere Aufgabe. Wir wissen, daß dem Kämpfer das gute deutsche Buch ein unentbehrlicher Freund sein kann. Jeder Volksgenosse des Rhein-Main- Gebietes trägt deshalb durch eine Buchspende dazu bei, reichhaltige Büchereien den Soldaten zur Ver- lUgrrng zu stellen.

Hochzeitmachen ist wunderschön.

Daß es auch im Lande Oberdonau der Fall ist, beweist die Wiener Schriftstellerin Ann Tizla Leitich durch einen hübsch bebilderten Aufsatz den Lesern des Oktoberheftes von Velhagen & Klafings Monatsheften. Sie schreib: Die Braut trägt das alte deutsche sinnige Rosmarinkränzel statt der lieblichen, doch fremden Myrthenblüte. Die Frauen prangen in jenen kostbaren alten Goldhauben, deren Umrahmung einen Schimmer von Reiz und Jugend auf das älteste Antlitz zaubern. Die Bro­kate der weiten Festgewänder rauschen, die perlen­besetzten Schließen der silbernen Halsbänder blitzen. Breite Uhrketten spannen sich über Bauernbäuche, und sonngebräunte Männergesichter blicken unter schönen altmodischen Zylindern oder großen schwar­zen Hüten mit wippenden Krempen.

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Daß die alten Konservendosen über die Müll- verwertung bisher erfaßt wurden, ist jedermann bekannt. Sie wurden der Schmelze zugeführt und auf diese Weise das wertvolle Zinn zurückgewon­nen. Wir müssen jetzt im Kriege auf diesen für die einzelnen / Haushalte sehr einfachen Weg, die Konservendose einfach in den Mülleimer zu wer­fen, verzichten und allgemein darum bitten, daß die alten Dosen nicht mehr in den Mülleimer wan­dern, sondern sauber gereinigt und solange aufge­hoben werden, bis sie aus den Haushalten zufam- mengefanimelt werden. Wir kennen alle Einwände hiergegen, Platzmangel und die Tatsache, daß die klappernden Ungeheuer immer der Hausfrau vor den Füßen herumstehen usw. usw. Wenn die Haus­frauen aber Wert darauf legen, auch im nächsten Jahre wieder Konserven zur Verfügung zu haben, dann müssen sie mithelfen, daß die Konserven­fabriken die nötigen Einmachbehälter haben. Rach Lage der Zinnvorräte wird für die kommende Saison nur für die notwendigen Deckel gesorgt werden können, so daß die Verwendung der alten Dosen unbedingt erforderlich ist. Die Familien, die schon selbst in Konservendosen eingemacht haben, wissen ja, daß dies eine selbstverständliche Sache ist. Es wird einfach der Aufbruchrand weggeschnitten,

etwa 1IV2 mm, wobei die Dose sofort neu ge­bördelt wird, so daß sie zusammen mit einem neuen Deckel wieder verwendungsfähig ist wie eine neue Dose.

Für die bäuerlichen Haushalte wird nach Mit­teilung des Reichsnährstandes aus dem vorhande­nen Bestand von Konservendosendeckeln ein erheb­licher Teil zur Verfügung gestellt werden für die bald beginnende Schlachteperiode, damit die Bauern und Landwirte in der Lage sind, die Vorräte ein­dosen zu können, was sich bisher immer noch als die beste Konservierungsmethode erwiesen hat.

Für die städtischen Haushalte wird das Einmach­glas im nächsten Sommer und Herbst wieder zu größerer Bedeutung gelangen. Rohstoff für Glas ist in jedem Umfange in Deutschland vorhanden, und die Glasfabriken werden bis zur nächsten Sai­son wieder mit Gläsern in genügender Anzahl am Markte sein. Die Haussrau muß sich also mit ihren Einmachmethoden den vorhandenen Einmachge­fäßen anpassen. Auch viele Kleingartenbesitzer, für die das Einmachen in Konservendosen schon zu einer ständigen und sehr lobenswerten Ge­wohnheit geworden ist, werden sich kaum darauf verlassen können, im nächsten Jahr über das not­wendige Dosenmaterial zu verfügen.

1 es Ihnen gern über den Tisch reichen."

Rein! Ich möchte es in mein Kontor geschickt ' haben." Bullox nannte seine Adresse in der Kon- Zession. Es war ungefähr vier Kilometer bis dahin.

Es wird dem unermüdlichen Schüler Ihrer Lehre ein Vergnügen sein, es zu besorgen."

Waas? Sie wollen doch wegen der Hand­voll Reis nicht einer Ihrer verehrten Herren Kom­mis den gottverdammten Weg machen lassen?"

Rein", entgegnete Li Tschang lächelnd. ,Zch alter Narr bringe es selber."

Bullox spürte in seinem bis dahin fpleenHen Gedankenablauf er hatte sich mit demChinL ja einen Spaß machen wollen einen kleinen Knacks.

Wie ist das möglich?" rief er. Die Spaßmacher- Maske glitt von seinen Zügen, die plötzlich ernst und wißbegierig dreinschauten.

Ich bin", sagte der Chinese und kein Muskel seines wie in Knetmasse gearbeiteten, feststehenden

Kleider-Sammlung in Gießen.

Die kreisnmtsleiiung IBefterau der 3t$D. feilt mit:

3n der Zeil vom 25. bis 31.10. 1939 findet in der Stabt Gießen die diesjährige Kleidersammlung für das Kriegswinterhilfswerk statt.

An die Volksgenossen ergeht die Bitte, schon jetzt ihre Bestände nachzuprüfen und die entbehrlichen Kleidungsstücke zur Abgabe für die Sammler des Dhw. bereitzulegen.

Es ist eingehende Vorsorge getroffen, daß big reparaturbedürftigen Kleidungsstücke in den Näh­stuben der NS.-Frauenschaft zur Ausbesserung ge­langen und dann Ausgabe an die hilfsbedürftigen erfolgen kann.

hierbei darf nicht vergessen werden, daß gerade in diesem DHW. der Ausgabe der Kleidungsstücke an die hilfsbedürftigen durch die Einführung der Bezugscheinpflicht eine erhöhte und gesteigerte Be­deutung zukommt.

Auch diese Sammlung soll und muß im Zeichen der Volksverbundenheit stehen. Darum bringe hier jeder ein Opfer und unterstütze nach besten Kräften auch diese Sammlung!

Für die Volksgenossen muß es eine Selbstverständ­lichkeit sein, daß die besten Bücher zur Spende gerade gut genug find. Die Sammlung darf nicht etwa dazu dienen, den Bücherschrank von überflüssigem Zeug zu befreien. Wenn das Abschiednehmen von lieb­gewordenen Büchern auch oft schmerzlich erscheinen mag, für unsere Soldaten ist nichts zu wertvoll. Sie setzen für uns das Höchste, ihr Leben, ein. Jeder be­weise auch bei dieser Sammlung feinen Willen, der Front am Feind zu helfen, wo immer ein Ruf zu dieser Hilfe ergeht. Warte auch niemand mit der Auswahl der Bücher, bis der Blockleiter vorspricht, sondern suche jeder umgehend geeignete Bücher aus, damit sie der Sammler sofort in Empfang nehmen kann. Mit jedem Buch vermitteln die Volksgenossen unseres Gaues einem Frontsoldaten ein stärkendes Erlebnis als Kraftquell für feinen Einsatz.

Gesichts verzog sichein ganz klein wenig wohl­habend geworden, indem ich mich selbst um alles bemühte. Dabei bleibe ich. Denn ich will nicht wie­der ganz arm werden."

Bullox schwieg und schien angestrengt nachzu­denken.Hören Sie, Herr Li Tschang", sagte er schließlich,Gott scheint Ihnen einen gesegneten Verstand verliehen zu haben. Schicken Sie mir mit dem Reis noch 1000 Sack Sojabohnen und 50 Tons Bohnenkuchen, die ich gerade für Singapore brauche. Haben Sie?"

56,3 Jen per Ton. Erstklassige Loko-Bohnen« tuchen zum niedrigsten Tagespreis."

Ganz recht, Herr Li Tschang, zum Preis des Tages. Ich schätze, Sie haben mir da soeben die beste kaufmännische Lehre gegeben, die ich je empfangen habe.

Der Chinese verbeugte sich tief und notierte gleichmütig den Auftrag.Ich hoffe meinen glor­reichen Freund Bullox bald wieder in meinem armseligen Lädchen begrüßen zu können", äußerte er beim Abschied und selbst der menschenkundig- fte Beobachter hätte nicht sagen können, ob in seinem heiteren Angesicht ein Schimmer abgrün­diger Ironie mitglänzte oder nicht.

Kaufmännischer Llrtterrichi

Von Heinrich Riedel

Zeitschriften.

W i r bauen einen Luftschutzraum. So heißt ein neuer bilderreicher Lehr-Artikel in der neuestenS i r e n e", der eingehend schildert, was man alles bei der Herrichtung von Luftschutzräumen beachten muß. Die wichtigen Einzelheiten wie z. B. Zugang, Gasschleuse, Notauslaß, Splitterschutz­vorrichtung, Kampfstoff- und Einsturzsicherung, Inneneinrichtung und vieles andere werden erklärt. Mit einem .Hellseher' auf Derdunkelungskontrolle" heißt ein weiterer Bericht, der mancherlei Verdunks- lungsjünder aufs Korn nimmt

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Tageskalenber für Dienstag.

Stadttheater: 20 bis 22.45 UhrAgnes Bernauer". Gloria-Palast (Seltersweg): Zentrale Rio". Lichtspielhaus (Bahnhofstraße):Renate im Quar­tett".

Sladttheater Gießen.

Heute abend wird das SchauspielAgnes Ber­nauer", von Friedrich Hebbel, zum zweiten Male

geben. Wie das Lied, wie der Gemeinschaftsgesang die Herzen der Kameraden näher zusammenführt, so wird auch als bewährter Freund des geistigen deutschen Menschen das Feldbüchlein neue Bande unter den Waffengefährten knüpfen, wird ihnen manche frohe Stunde, manche Stunde ernster Ein­kehr oder lebendiger Diskussion bescheren. Wie ein frischer Trunk, ein guter Bissen den Leib frisch hält, wird, will und kann das Geistesbrot unserer Dichter und Denker den ganzen Menschen frisch und unver­zagt erhalten, wird also mithelfen, durchzuhalten

Die Partei sammelt Vücher für unsere Soldaten

Jede Buchspende ein Kraftquell für die Feldgrauen.

wiederholt. Spielleitung Dr. Hannes Razum. Jnge- borg Riehl und Hans Caninenberg spielen die ju­gendlichen Hauptrollen. Bühnenbild Karl Löffler. Die Vorstellung findet als 4. Vorstellung der Diens­tag-Miete statt.

Mittwoch, 25. Oktober, Anfang 19.30 Uhr, Ende 22.30 Uhr:Gasparone", Operette von Millöcker. Musikalische Leitung: Heinz Markwardt. Spiellei­tung: Harry Grüneke. Mittwoch-Miete, 4. Vor­stellung.

Donnerstag, 20. Oktober, Anfang 20 Uhr, Ende 21.30 Uhr: Erstes Orchesterkonzert in Verbindung mit dem Gießener Konzertverein. (1. Platzmietekon­zert.) W. A. Mozart: Jupiter-Symphonie, L. van Beethoven: Klavierkonzert in Es-dur.

Freitag, 27. Oktober, Anfang 20 Uhr, Ende 22.15 Uhr: ErstaufführungFür die Katz", Komödie von August Hinrichs. Spielleitung: Karl Volck. Frei­tag-Miete, 5. Vorstellung.

Samstag, 28. Oktober,Zigeunerbaron", geschlos­sene Vorstellung für die NS.-GemeinschaftKraft durch Freude". Kein freier Kartenverkauf.

Sonntag, 29. Oktober, Anfang 14.45 Uhr:Die

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Aus der Stadt Gießen.

Sas Büchlein.

Der deutsche Mensch braucht neben seiner leib- l'he" E5"ahrunggeistiges Brot", verlangt nach gedanklicher Anregung und sucht seelische Vertiefung bei allem feinen Tun. Diese Verinnerlichung ist es gewiß, die dem deutschen Schaffen und Kämpfen jenen Schwung gibt, der auch die größten Wider­stände überwindet, jener ideale, aber doch real- wirkende Auftrieb, von dem Fichte in seinen Reden an die deutsche Nation" vor der Volkserhebung 1813 sagte, daß esdie Kraft des Gemütes fei die Siege erfechte".

Der Krieg von 1914/18 hat dem großen Seelen- entzunder recht gegeben; der jetzige Abwehrkampf Deutschlands wird es wiederum tun. Vor 25 Jahren soll es die Engländer und ihre Verbündeten immer wieder von neuem in Erstaunen versetzt haben bei gefallenen oder verwundeten deutschen Soldaten in Tasche ober Tornister Bücher gefunden zu haben- GoethesFaust", NietzschesZarathustra", Arndts Katechismus für den deutschen Wehrmann", ja griechische Textausgaben derIlias" undOdysi fee"" trugen deutsche Jünglinge ins Feld, um sich in nächtlicher Wachtstube oder am seltenen Ruhe­tage geistig über die Schwere des Fronttaglebens, über manch geschautes Grauen des Kriegstreibens zu erheben.Sursum corda! Die Herzen hoch!" war die innere Parole der Helden von Lange- marck und Ypern, und es ist wohl gewiß, daß heute zahlreiche Söhne jener Helden, die vor 25 Jahren bluteten, es machten wie ihre Väter, daß sie sich nämlich einen stummen Freund und be­redten Lehrer in Gestalt eines oder des anderen Büchleins mit ins Feld hinaus nahmen.

Dieses urdeutsche Bedürfnis nach dem geistigen Brot der Nation weist nun den Angehörigen und Freunden daheim einen Weg bei der Gestaltung von Liebesgabensendungen. In Betracht kommt ja letzten Endes immer nur dasBüchlein", das Buch im Taschenformat; aber unsere deutschen Verlags- anftalten haben es sich seit Jahrhunderten an'ge- keqen sein lassen, gerade diese Kleinvolumina zu pflegen; und seit Jahrzehnten gibt es zahlreiche Ausgaben deutscher Dichter und Denker, die das Allerbeste unseres Schrifttums zu einem billigen Preise im Kleinformat vereinigen. Es ist somit für jedes verständnisvolles Elternpaar, für Gattin, Braut oder Freund möglich, das herauszusuchen, was dem Feldgrauen dort draußen Freude, Er­hebung zu bieten vermag. Dennoch mag ein Rat erteilt werden, der auf dem ersten Blick verwun­derlich, beim zweiten Nachdenken aber verständlich ! erscheinen dürfte. Schickt nicht nur Bücher ins Feld, die nach eurem Wissen dem zu Beschenkenden Ineu sind, sondern wählt ab und zu ein Buch, von dem ihr wißt, daß es der Empfänger schon 0 f t las! Denn solch ein Buch war ihm ein guter Freund, ein immer wieder ausgesuchter Kamerad, und wenn er plötzlich das geliebte Werk in feldmäßiger Kleinausgabe wieder in die Hand - nimmt, so wird es ihm zumute fein, als käme ein Stück Heimat zu ihm!

Dennoch wird ja das Büchlein, das als neuer Freund sich nähert, stets willkommen sein, wird es um so mehr fein, als nach gutem deutschen Soldatenbrauch auch der Kameradenkreis Anteil <m der willkommenen Liebesgabe haben wird. Da wird dann ausgetauscht; manch Büchlein wird auch einem kranken oder verwundeten Kameraden ins Lazarett gebracht oder geschickt; und an ruhigen Tagen oder Abenden wird mancher im Vorlesen Gewandte dos aus der Heimat gesandte Büchlein zum Kameradenkreise in Unterstand oder Bürger- quartier sprechen lassen. Die deutsche Landschaft, für die sie an den Grenzfronten flehen, taucht vor

! den jungen und alten Soldaten im Geiste auf: der Strom deutscher Denkart belebt ihren Willen;

MWj, MM iSutteB Sinnet jrloreö* Belobt igeben.^

Freier", Lustspiel von Eichendorff. Geschlossene Vor­stellung für die Hitlerjugend. Kein freier Karten­verkauf. Anfang 19 Uhr, Ende 21.30 Uhr:La Traviata, Oper von Giuseppe Verdi. Musikalische Leitung: Heinz Markwardt. Spielleitung: Bernhard Schmitz. Die Vorstellung findet außer Miete statt.

Gießener Konzerl-Verein.

Die klassische Vortragsfolge des ersten Orchester- konzerts am Donnerstag, 26. Oktober, wird durch die Zwischenspiele zuRosamunde" von Schubert ergänzt werden. Dem Auftreten des aus Gießen gebürtigen Pianisten Helmut R 0 l 0 ff wird all­gemein" mit berechtigter Spannung entgegen gesehen. Der junge Künstler wird auf Grund seiner bedeu­tenden Erst-Ersolge in Berlin heute schon zu den besten Hoffnungen unseres künstlerischen Nach­wuchses gezählt.

August Hinrich« liest in Gießen.

Erster Abend des Goelhe-Vundes.

Mit einem Abend ernster Besinnlichkeit eröffnete der Goethe-Bund im vollbesetzten großen Hörsaal der Universität die Winterarbeit 1939/40. Kreisleiter Backhaus sprach einleitend über die Kulturarbeit, die seit Jahrhunderten in Gießen eine Pflegestätte hat, urnriß gleichzeitig die Aufgaben, die gerade in unserer Gegenwart gestellt sind und die darin be­stehen, deutsche Kunst und Kultur einem möglichst breiten Kreis schaffender Volksgenossen zu vermit­teln. Abschließend würdigte der Kreisleiter dem Goethe-Bund herzliche Worte der Anerkennung für feine bisherige fruchtbare Arbeit, forderte aber auch dazu auf, dem Volksbildungswerk der Partei alle Unterstützung angedeihen zu lassen. Ein herzlicher Gruß des Kreisleiters galt dem Dichter August Hinrichs.

In einer geschickten Auswahl dessen, was bann der auf das herzlichste begrüßte Gast des Abends aus feinen Werken zur Verlesung brachte, vermittelte August Hinrichs eine Ueberschau über sein dich­terisches Schaffen. Er begann mit der überaus sorg­fältigen Schilderung seines Heimathauses im Olden- burgischen, er rief Wesen und Geist seiner Ahnen herauf, schilderte Landschaft und die Menschen in ihr und machte damit seine Zuhörer mit den Grund- elementen bekannt, von denen sein dichterisches Wirken ausgeht. Dann gab der Dichter einen Aus­schnitt aus seinem großen RomanDie Hartjes", der ganz aus dem Geiste der angestammten Heimat

und zu siegen.

Vornotizen.

Raum arbeiteten mehr als zwanzig Angestellte eifrig an Säcken, Kisten und Kasten. Denn Li Tschang war sehr reich.

Er stand selbst hinter dem Ladentisch und be­grüßte den eintretendenfremden Teufel" höflich.

Li Tsch liau fan ma?" (Haben Sie Ihren Reis gegessen?) sagte Bullox auf chinesisch. Es ist die traditionelle Begrüßungsfrage der Chinesen. In Bullox' Mund er hatte die fünf Worte sorg­fältig auswendig gelernt sollte sie einen Witz bedeuten.

Aber die Engländer sprechen fremde Sprachen so komisch aus. Der Sohn des Himmels lachte laut­los, aber bis über beide Ohren.

Und wie tun Sie tun?" fragte er dann auf einmal blitzgeschwind und formgerecht auf Englisch dagegen, seinen Krampf abschüttelnd.

Vielen Dank", entgegnete der vor ihm stehende feixende Rotkopf ein wenig überrascht.Euer Ex­zellenz scheinen sehr gesund zu sein, denn Sie sind sehr dick. Sind Sie nicht?"

Bitte lachen Sie nicht über meine Magerkeit", erwiderte der in der Tat ziemlich rundliche Chi­nese, bescheiden das Kompliment abwehrend.Es scheint Ihnen" er sprach ein für einen Fremd- rassigen beinahe elegant zu nennendes Englisch, nicht jenes lächerliche Kuli-Pigeon; bloß statt des r", das kein Chinese herausbringt, gebrauchte er einl", ober er verschluckte den Laut ganz nach Ihrem blühenden Aussehen zu urteilen, in diesem Lande gut zu gefallen, nach meiner albernen Meinung."

Bullox lachte ganz ungeniert heraus. Aber den Chinesen störte das gar nicht.Ihr törichter älterer Bruder steht zu Ihren Diensten", sprach er weiter

Der Krieg scheucht Mensch und Tier aus ihren Wohnungen auf. Was unter den Tieren fliehen kann, sucht vor der Schlacht das Wette, dem Rest droht Vernichtüng unter den Kugeln von Freund und Feind. Nur eine Tiergattung hält sich überall und selbst unter den erschwerendsten Widrigkeiten, wenn man ihr nur nicht die Möglichkeit des Woh­nungsbaues nimmt: die Vögel. Zwei Erlebnisse mit Vögeln im Weltkrieg sind mir unvergeßlich.

Unser Schützengraben lief mitten durch ein som­merliches Stoppelfeld, das von Feldveilchen, Wicken, spannenhohen Gräsern, krausem Gekraut bunt und | blühend bis an den Himmelsrand lag. Dort stand ich eines dämmernden Morgens auf Posten, den Blick durch die Enge der Schießscharte in die grüne Weite nach drüben gerichtet, wo eine bünnc, Schlange den gewundenen Leib faul und schlafend regungslos ins Feld gelegt hatte: der feindliche Graben. Kein Schuß fiel. Die ersten Lerchen regten sich, und ihr verschlafenes Trillern klang hier und . dort aus dem morgengrauen, feuchten Felde empor.

Plötzlich schwirrte etwas neben mir und warf wir- I belnde Triller wie eine Handvoll Blüten in die kühle Lust.

Neugierig und vorsichtig sah ich zur Seite. Da lag mein Gewehr in der Schießscharte und auf dem blinkenden Schloß saß eine Haubenlerche, den hals gebläht, die feinen Federn gesträubt unter Dem Sturm der Töne, das Köpfchen zurückgebogen. Der I zierliche Haubenschopf zitterte leise mit, und mit lialbgeschlossenen, lustfunkelnden Augen schmetterte I sie mit aller Kraft sorglos alles hinaus, was ihr ine kleine Brust erfüllte und bedrängte. Behutsam gab ich meinen Nebenleuten ein Zeichen Aber sie I Iahen schon längst mit vergnügten Mienen unD Spitzenden Augen heimlich nur nach dem singenden Bogel; nach dem Feinde sah keiner. Die Lerche schwieg und begann von neuem, schwieg und begann

und kreuzte die Hände über der Brust.

Hören Sie zu, verehrtes Schildkrötenei!" sagte Bullox gutgelaunt und großartig.Ich möchte ein

Farnes Bullox ein junger, noch wenig abgeschlif- i halbes Pfund Reis bei Ihnen kaufen." fener Engländer, war vor einiger Zeit mit etwasDer aufrichtige Freunds Eurer Herrlichkeit wird Geld nach Schanghai gekommen jenem wohl quirligsten Hexenkessel dieser Erde, in dem alle, Temperamente und Charakterpragungen der wun­derlichen Gattung homo sapiens durcheinander kochen und hatte dort ein Im- und Export- aeschäft gestartet, das gut ging.

Schon in seiner nebligen Heimat waren ihm merk­würdige und teilweise komische Dmge von der Höf­lichkeit und Diensteifrigkeit der chinesi chen Kaufleute (die bekanntlich die besten der Welt sind) zu Ohren aekommen und dies Diktum wollte er nun einmal in öTr sturen und witzig sein sollenden Art seiner Rasse auf seine Richtigkeit prüfen.

Eines Morgens ließ er sich von einem Rikscha­kuli nach Nantao, der Chinesenstadt, ziehen und trat in das Gemischtwarengeschaft des Herrn Li Tlchana ein in der Laune eines mittelalterlichen Festen der seinen Hofnarren hänseln will. In dem endlos langen und unglaublich vollgestopften

brannt und ist vor mir aufgetaucht plötzlich mitten im Trubel der Großstadt oder der Gesell­schaft, in den Schmerzen und Schrecken der Feld­lazarette, und auf einsamen Spaziergängen: die singende Haubenlerche auf dem Gewehrschloß und der staubwerfende Kugeleinschlag.

In den Urwäldern der Pripjetsümpfe war der Mensch für die wenigen Vogelarten, die es dort gibt eicke ungewohnte Gattung zweibeiniger Tiere mit seltsam schlotternder Haut und von großer Schwerfälligkeit und Dummheit. Uhs allen fiel sofort die große Zutraulichkeit einiger Arten auf.

Da gab es einen dunkelbräunlichen Zwerg mit rotgetupften Flügeldecken, der ununterbrochen auf den Beinchen und Flügeln und auf der Hetzjagd nach Mücken war. Er hatte es bald heraus, daß Die Mücken sich gern zu Menschen und Pferden finden, und so geschah es denn oft, daß einem plötzlich solch Knirps haarscharf an der Nase vorüberflitzte und im Flug eine saugende Mücke vom Kinn n>eg= schnappte. Blieb man dann stehen und verhielt sich lautlos und unbeweglich, so flog ein Tier auf den Kopf die Schultern, ja auf den ausgestreckten Ringer wo es ruhig sitzen blieb und einem mit schiefem Köpfchen und blanken Augen forschend ms Gesicht sah, ob dort nicht eine Mücke zu schnappen sei. Ich habe stundenlang mir so die Zeit mit diesen Tieren vertrieben und mich so verloren in dieses unkriegerische Spiel, daß ich mich am Ende, wenn der Vogel plötzlich einem Kameraden zuflog erst besinnen muhte, roo ich Überhaupt seu Der Krieg ! mar dann eine ganz seltsame Wirklichkeit.

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Vielleicht ragte ein Heim über den. Grabenmall, vielleicht hatte dort drüben jemand etwas Vervach- tiges gehört, plötzlich knallte hart und (d^rf e n Schuß, und die Kugel fuhr sausend und dumpf m den Wall, drei Handbreit neben dem Vogel. Der Sand stäubte hoch auf und überspruhte mit einer Wolke die Lerche. Allesamt zuckten wir mit ben Köpfen unter den Rand, und die Lerche stieg schw rend und singend steil in die Luft.

Dieses winzige Erlebnis ist uns noch lange durch d-ie Seele gegangen und hat in all feiner unbewuß­ten Gegensätzlichkeit für uns einen tiefen Sinn g Können, der uns noch später ganz unvernnttelt g packt hat. Mir hat sich dies unbedeutende Geschehen im gewaltigen Ereignis der Zeit förmlich emge

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