nach dem Abflug von Danzig nach Berlin 20 km von der Küste entfernt in 1500 m Höhe über der Ostsee von polnischen Küstenbatterie n und von einem polnischen Krie gsschi sf beschossen. Die Besatzung des Flugzeuges bestand aus Flugkapitän Böhner, Flugmaschinist Nickel und Flugzeugfunker Suppa. Ferner befanden sich an Bord der Maschine 17 Fluggäste, darunter vier Kinder.
Polen leitet Wirtfchastsblokade gegen Danzig ein.
Danzig, 23. August. (DNB.) Die Polen versuchen, durch Verweigerung ihrer vertragsmäßigen Lieferungsverpflichtungen für agrarische Erzeugnisse in Danzig innere Schwierigkeiten hervorzurufen. Nach den Danzig - polnischen Marktregulierungsverträgen ist seit fünf Jahren für die Belie
ferung Danzigs mit polnischer Sutter die polnischen Molkerei- und Butter-Genossenschaft in Posen allein zuständig, deren Leiter, ein Direktor Dobroczynski, sich von jeher durch beson- dere Unfreundlichkeit dem Deutschtum gegenüber ausgezeichnet hat. Seit einiger Zeit wird nur noch Butter geliefert, wenn Danzig 8 0 o. H. d e s Wertes der Ware vorausbezahlt. Nun liefert man aber nicht einmal die rechtzeitig bestellte und vorausbezahlte Ware fristgemäß. Der Danziger Milchverforgungsoerband hat infolgedessen sich gezwungen gesehen, ab 21. d. M. die gesamte Käse- erzeugung im Danziger Gebiet einzu st el- len und auf Butterherstellung umzustellen, um keine Ernährunasschwierigkeiten entstehen zu lassen. Der Diehversorgungsverband klagt Darüber, daß auch d i e Käufe polnischer Rinder von den Polen nicht angenommen werden und nur ein Drittel des angeforderten Bedarfs in Danzig eingetroffen ist.
Grausiges Verbrechen an einem Volksdeutschen.
Bon polnischen Aufständischen entmannt und in einen Tümpel geworfen.
Berlin, 23. August. (DNB.) Dem „Angriff" berichtet sein nach Polen entsandter Sonderberichterstatter: bei K o st s ch i n im Posener Bezirk be- fant) sich der Landarbeiter Hans (Stubb a tf) mit seinem zehnjährigen Bruder Georg auf dem Wege zur Stadt, als plötzlich vier Polen, die schwere Knüppel bei sich trugen, hinter den beiden jungen Volksdeutschen hergelaufen kamen. Stub- bach, der auf Grund wiederholter Beschimpfungen und Bedrohungen in den letzten Tagen mit Recht einen Ueberfüll befürchtete, zumal er in einem der Verfolger den berüchtigten Hetzer und Rädelsführer der Aufständischen Brzceak erkannte, versuchte, mit seinem Bruder über das Feld zu entkommen. Die Polen hatten die Fliehenden jedoch bald ein« geholt und stürzten sich mit Knüppeln und Messer auf ihre Opfer. Während Georg Stubbach, nachdem er mehrere rohe Schläge über Kopf und Schulter erhalten hatte, davonlaufen konnte, hatten sich die Banditen über seinen älteren Bruder geworfen und traktierten den am Boden Liegenden mit ihren Waffen und mit Fußtritten. Die unmenschlichen Verbrecher nahmen dann mit einem Fleischermesser an dem schon lebensgefährlich Verletzten eine Entmannung vor. Das unglückliche Opfer dieses entsetzlichen Verbrechens wurde dann in einen Tümpel geworfen und war schon tot, als mehrere nicht weit von der Stätte des viehischen Mordes auf dem Felde arbeitende Volksdeutsche herbeigeeilt mären, die der Bruder alarmiert hatte. Von der Polizeibehörde wurde bisher lediglich von der Tatsache des Todes Kenntnis gegeben und die Leiche beschlagnahmt.
Die volksdeutsche Bevölkerung ist von dem neuerlichen Blutopfer der polnischen Wahnsinnshetze und der unmenschlichen Art dieses Verbrechens vor Entsetzen und Empörung wie gelähmt. Die Schreckenstat wirkt umso ungeheuerlicher, als in den letzten Tagen und Wochen von polnischer Seite wiederholt unter gemeinen Beschimpfungen geäußert worden mar, das deutsche Geschmeiß müsse ohne Ausnahme entmannt und ausgerottet werden.(!)
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London hat dadurch, daß es Polen einen Freibrief gegen die Deutschen gab, die Hauptschuld an der unvorstellbaren Bestialität, mit der die Polen innerhalb ihrer Grenzen das eingesessene Deutschtum auszurotten versuchen. Diese unmenschliche Schuld soll den Engländern nicht genommen werden, sie tragen vor der Geschichte und ihrem Gerichtsurteil die Verantwortung. Wie der Brite die palästinensischen Araber, so behandelt der Pole die Volksdeutschen. Er bietet dazu den Mob auf, er läßt die berüchtigten oberschlesischen „Aufständischen" wieder los,'er steckt Tausende von Volksdeutschen in Gefängnisse oder in Zuchthäuser, mißhandelt und schändet wehrlose deutsche Frauen und Kinder und begeht an den männlichen Deutschen ungestraft Mordtaten, Folterungen und schlimmere Verbrechen, die zum Himmel schreien. Die ungezählten Opfer,
die nicht ins Reich flüchten konnten, kommen nicht nur auf das Konto der polnischen Horden, sondern auch der Engländer, die mit einem gewissen Hohn versichern, es sei alles nicht wahr, die Polen seien würdig und bereit, sich gegen — deutsche Angriffe zu wehren!
Seit März ist Polen mobil gegen Deutschland. Seine Grenzen gegen Deutschland und die Slowakei sind von deutschen Siedlern entblößt, die ins polnische Hinterland oertrieben wurden. Man hat die Wege durch Drahtverhaue und Maschinengewehrnester versperrt, die Straßen unterminiert, Schützengräben gezogen, Drahthindernisse aufgestellt und was solcher Dinge mehr sind, die in der Tschecho- Slowakei sich als nutzlos erwiesen, als es ernst wurde, und sicherlich einer deutschen Truppe kein ernstes Hindernis zu bieten vermöchten. Man hat einen Drahtverhau des Hasses, der Bestialität und der sinnlosen Wut um Polen gezogen, das eine Hölle bildet, man berauscht sich feige an dem vergossenen Blut wehrloser Menschen, man ergötzt sich an dem Stöhnen und den Schreien der Gemarterten. Roß und Reisige aber schützen diese Feigheit nur so lange, als sie nicht wirklich ihrer eigentlichen Aufgabe, dem harten Kampf gegen deutsche Waffenträger, nachzukommen haben!
Wieder ein Vlutopser polnischer MrdheHe.
Stettin, 24. August. (DNB.) Der „Stettiner Generalanzeiger" berichtet aus Bromberg: In den Morgenstunden des 23. August wollte sich der Volksdeutsche B r u ch a 1 a, der in der Nähe von Rogowo ein kleines Anwesen hat, mit seiner Frau auf das Feldbegeben, um Erntearbeiten zu erledigen. Bruchala war von anderen Volksdeutschen in den letzten Tagen oftmals gewarnt worden, da aus den Schimpfreden und Hetzreden von Ausständischen vermutet werden konnte, daß sie Bruchala „eins auswischen werden". Als er nun mit seiner Frau an einer Baumgruppe an der Straße vorüberging, stürzten plötzlich mehrere junge Burschen auf die Ahnungslosen, gaben schon aus wenigen Metern Entfernung mehrere P i st o 1 e n s ch ü s s e ab. Bruchala wurde am rechten Schenkel und an der Hüfte verletzt und stürzte zu Boden, worauf ihn ein weiterer Schuß aus unmittelbarer Nähe in das linke Auge traf und den sofortigen Tod herbeiführte. Als die Mörder sich von dem Erfolg ihres verbrecherischen Ueberfalles überzeugt hatten, entfernten sie sich eiligst, ohne sich weiter um ihr Opfer zu kümmern. Die Fr^u Bruchalas, die sich auf ihren niedergestreckten Mann stürzte, mar von den polnischen Banditen roh beiseite gestoßen morden. „W i r werden Euch alle ausrotten!" brüllte einer der bestialischen Aufständischen der unglücklichen Frau noch zu, die in fünf Monaten ein Kind erwartet.
Vor der Parlamentssitzung in England.
N. T. London, 23. August.
Der.polnische Botschafter Graf Raczynski wurde am Mittwochnachmittag von Außenminister Lord Halifax empfangen. Der Botschafter der Vereinigten Staaten, Kennedy, sprach am Nachmittag zum zweiten Male im Foreign Office vor. Weitere Besucher waren der lettische und der ungarische Gesandte. Der rumänische Gesandte Tilea, der zur Berichterstattung in der letzten Woche in Rumänien weilte, hat um eine Unterredung mit dem Außenminister nachgesucht. Ministerpräsident Chamberlain hatte Unterredungen mit führenden Kabinettsmitgliedern und dem Frakttonsvorsitzenden der Liberalen, Sir Archibald Sinclair. Ferner hatte der Stellvertretende Vorsitzende der Labour Party, Greenwood, eine Unterredung in der Downing Street 10. Greenwood begab sich später in die sowjetrussische Botschaft, wo er eine Unterredung mit Botschafter M a i s k i hatte.
Die Arbeiter-Opposition wird sich im Parlament dem Antrag der Regierung auf die Verabschiedung des Ermächtigungsgesetzes für den Notfall nicht widersetzen. Damit erhält die Regierung nahezu diktatorische Vollmachten. Der Nationalrat der Arbeiterpartei, in dem sowohl die Partei-Organisation als auch die parlamentarische Fraktion sowie die Gewerkschaften vertreten sind, erklärt, man erkenne zwar die Notwendigkeit der Durchdringung des Ermächtigungsgesetzes an, hoffe aber, daß dadurch keine „wesentlichen Freiheiten" sowohl des einzelnen als auch der gesamten arbeitenden Klasse beeinträchtigt würden. Das Festhalten Englands an feiner Garantie für Polen wird begrüßt.
politische Geschäftigkeit in Paris.
E.F. Paris, 23. August.
Der Präsident der Republik, Lebrun, ist am Mittwochnachmittag von seinem lothringischen Landsitz nach Paris zurückgekehrt. Er bat seinen Urlaub unterbrochen, um am Donnerstag den Vorsitz im Ministerrat führen zu können. Die Blätter rechnen damit, daß dem Minister- rat die angeforderten Berichte der Botschafter in Berlin und Moskau über die Tragweite des deutsch-sowjetrussischen Nichtangriffspaktes vorliegen werden, und daß Außenminister Bon
net einen Bericht erstatten werde. Bonnet hat am Mittwochvormittag den ungarischen Gesandten Graf Khuen-Hedervary empfangen. — Außerdem hatte Bonnet eine Unterredung mit General Lerond, der in der Nachkriegszeit Vorsitzender der Jnterallierten Kommission in Danzig war.
Ministerpräsident Daladier empfing den polnischen Botschafter Lukasiewicz, der in der letzten Zeit fast täglich ein- oder zweimal mit Regierungsmitgliedern Rücksprache genommen hat. Darauf hatte Daladier eine Unterredung mit Bonnet. Sodann trat das Ständige Komitee der nationalen Verteidigung zu einer langen Sitzung unter Vorsitz von Daladier zusammen. An der Sitzung nahmen außer Daladier, der gleich- zeittg auch Kriegsminister ist, Luftfahrtminister Guy la Chambre, Marineminister Cam - p i n ch i, Außenminister Bonnet, Generalissimus G a m e 1 i n, der Generalstabschef General C o l s o n, der Generalsekretär für die nationale Verteidigung, General Jacquomet, der Generalstabschef der Luftstreitkräste, General Vui11e - m i n, der Ches des Admiralstabes, Admiral Dar- lan, sowie der Chef des Militärkabinetts Data- diers, General Decamp, teil.
In den Wandelgängen der Kammer, wo in der vergangenen Hochsommer-Periode nur wenige Abgeordnete zu sehen waren, finden sich jetzt 'wieder mehr Deputierte ein. Die größte Rechtspartei, die Republikanische Förderation des Abgeordneten Louis Marin, hielt eine längere Sitzung ab. Der ehemalige Ministerpräsident und jüdische Vorsitzende der Sozialdemokratischen Partei, L6on Blum, fordert im „Populaire" die französische Regierung im Namen der sozialdemokratischen Kammergruppe auf, irf kürzester Frist eine außerordentliche Parlamentssitzung einzuberufen. Seine Forderung sei nicht durch eine systematische Opposition gegen die Regierung bestimmt, deren Haltung er angesichts der durch den deutsch-sowjetrussischen Pakt geschaffenen Lage billige. Er handle auch nicht aus Pessimismus oder Fatalismus, sondern glaube an die Möglichkeit des Friedens. Er fordere die Einberufung 'des Parlaments als Republikaner in einer Stunde, wo eine neue Lage die Regierung vor ernste Beschlüsse stelle.
Molotows Amtssitz im Kreml.
Durch die Reise des Reichsaußenministers von Ribbentrop nach Moskau konzentriert sich die allgemeine Aufmerksamkeit weit mehr als bisher auf denjenigen Punkt innerhalb der fowjettussischen Hauptstadt, von dem aus offiziell die Schicksale der Sowjetrepubliken gelenkt werden. Der Vorsitzende des Rats der Volkskommissare, wie der Amtstitel des fowjetruffischen Ministerpräsidenten lautet, und Außenkommissar Molotow, mit dem der Reichsaußenminister dort zusammenkam, hat seinen Amtssitz im Kreml. Dieser bildet innerhalb Moskaus eine Stadt für s i ch mit einer großen Zahl prunkvoller Paläste aus den Regierungszeiten verschiedener Zaren, vor allem aus der Zeit Peters des Großen.
Der Kreml, der durch seine Lage auf den Hügeln die Stadt beherrscht, rft umgeben mit einer kilometerlangen Mauer von 20 Meter Höhe, also in der Höhe etwa eines vierstöckigen Hauses. Von den fünf mächtigen Toren, die in das Innere der Krepilstadt führen, find zwei schon seit einer Meitze von Jahren geschlossen. Das nach Westen gelegene Borowizskija-Tor wird nur von Stalin benutzt, der als einziger auch seine Privatwohnung im Kreml hat, während alle Mitglieder der sowjet- russischen Regierung außerhalb des Kremls wohnen. Die Diplomaten fahren durch das Haupttor in den Kreml, das am Roten Platz liegt, auf Dem
die großen Militärparaden stattzufinden pflegen. Meistens wird der Wagen des betreffenden Diplo. maten innerhalb des Tores bereits von einem Aut» mit einigen Beamten erwartet, die den Wagen be$ Besuchers als Lotsen durch das Gewirr der Kremlstadt geleiten.
Der Weg zu dem Amtssitz Molotows führt am Großen Palais vorbei, von dem aus man auf dem gegenüberliegenden Ufer der Moskwa bas prunkvolle Palais der englischen Botschaft sieht. Dann geht es weiter vorbei an der großem gesprungenen Glocke, man passiert einen Tury und gelangt auf einen weiten Platz. Wenn mait diesen überquert, steht man vor dem ehemalige Gebäude des russischen Senates der Zarenzeit. Hier, im ersten Stockwerk dieses Gebäudes, liegen die Amtsräume des sowjetrussischen Regierungschefs und Außenkommissars. Auf grünem Läufer durch- schreitet man einen breiten Korridor mit gewölbter Decke und kommt zunächst in das Arbeitszimmer des Sekretärs, auf dessen Tisch die große Anzahl von Telephonapparaten auf fällt. Das Arbeitszimmer Molotows ist ein großer, gut ausge- ftatteter Raum. Man sieht den schweren Diplomatenschreibtisch, eine Anzahl lederbezogener Klubsessel, und einen langen Tisch für Beratungen. Arn der Wand sind Bilder von Stalin und Lenin ange. bracht.
Oer wirtschaftspolitische Schock.
Man hat im demokratischen Ausland sehr schnell begriffen, daß der Paktabschluß zwischen Berlin und Moskau, der ja einen historischen Wendepunkt in den Beziehungen beider Reiche darstellt, nicht nur weltpolitisch, sondern auch weltwirtschaft- l i ch eine neue Aera einleiten dürfte. Die sensationelle Nachricht von der Ribbentrop-Reise kam für die Jndustriemagnaten, Kaufleute und Börsenspieler der Demokratien ebenso überraschend wie für deren politische Führer. Sie äußerte sich zunächst in einer gewissen Schockwirkung, die sich in Kursrückgängen an der Pariser und Londoner Börse sowie in einer zunehmenden Tendenz zur Kapitalflucht aus England und damit aus dem Pfunde widerspiegelte. Anderseits erkannten die Wirtschaftskreise der neutralen Länder, wie Holland und Belgien, die beruhigende Wirkung, die von diesem weltpolitischen Umschwung ausgehen könnte. Denn die Kriegsgefahr, die von den Einkreisungsmächten so mutwillig heraufbeschworen war, scheint nach dem Urteil dieser Leute nunmehr im wesentlichen beseitigt zu sein. So war es bezeichnend, daß die Amsterdamer Börse in durchaus fester Haltung reagierte und daß dann auch die Kursverluste in Paris und London zum Teil wieder aufgeholt wurden.
Abgesehen von diesen Stimmungszeichen ist man sich jedoch in der Londoner City hinreichend darüber klar geworden, daß die englische Wirtschaftspolitik einem allgemeinen W a n d e l ihrer Methoden, Ziele und Wertungen entgegensetzen muß. Die nicht mehr zu bezweifelnde Vertiefung und Ausweitung des deutsch-russischen Warenaustausches, die schon in verhältnismäßig kurzer Zeit mit festen Ergebnissen rechnen dürfte, wird nämlich einen Zustand befestigen, den das machtlüsterne England bisher mit allen Mitteln zu verhindern trachtete: die deutsche Blockade-Festigkeit. Gewiß ist es der nationalsozialistischen Führung durch den Vierjahresplan bereits gelungen, Deutschland in den wichtigsten Rohstoffen und Nahrungsmitteln vom Ausland unabhängig zu machen, aber wir entbehrten doch bisher jener größerey Bewegungsfreiheit in wirtschaftlichen Dingen, auf die ein Volk wie das deutsche berechtigten Anspruch hat. Was wir selber im eigenen Lande- nur unter großen Mühen gewinnen konnten und was uns die Einkreisungsmächte unter den Vorwänden einer lebensfeindlichen Wirtschaftsdoktrin am liebsten verweigern möchten, gerade das vermag uns die sowjetrussische
Wirtschaft in reichem Maße zur Verfügung zu stellen. Wir denken dabei an den Holzreichtum der unendlichen russischen Wälder, an die Erzlagerstätten und die Oelselder der Sowjetunion, um nur einige Beispiele zu nennen. Wir denken auch daran, daß die ungeheuren Reichtümer, die noch ungenutzt in der russischen Erde verborgen sind, erst gehoben werden müssen und daß es vorzugsweise deutsch« Techniker, Ingenieure und Maschinen gewesen sind, die schon einmal mit größtem Erfolg den Aufbau einer eigenen sowjetrussischen Industrie mit in dir Wege geleitet haben.
Es waren verschiedene Gründe politischer Natur, die in den späteren Jahren zu einer Einschränkung dieser deutsch-russischen Zusammenarbeit führten, |j daß sich der Umsatz des russischen Außenhandels ii den ersten zehn Monaten 1938 schließlich auf dir hauptsächlichsten Länder folgendermaßen verteilte: England 507,3 Millionen Gold rubel, USA. 427,7; Belgien - Luxemberg 168,5; Holland 151,6; Deutschland 128,8; Iran 119,1; Frankreich 87,0 Millionen Goldrubel. Man ersieht aus dieser Aufstellung recht deutlich, welche Folgerungen für das Handelssystem der angelsächsischen Mächte ein- treten könnten, falls Deutschland, wie erwartet, von seiner fünften Stelle im sowjetrussischen Außenhandel wieder zur Spitze auf rück en würde. Nun ist es selbstverständlich nicht die Absicht Deutschlands, einen Handelskrieg zu führen und dritte Mächte von fremden Märkten zu verdrängen, aber es wird anderseits auch dafür forgen, daß feine eigenen Interessen an den Rohstoffgebieten der Well nicht durch unnatürliche Manipulationen der Plutokratten b e e i n t r ä ch t i gt werden. So äußert man in englischen Wirtschaftskreisen schon jetzt die nicht unberechtigte Befürchtung, daß der wirt- f d) a f 11 i ch e Einkreisungsring, ben London durch seine politischen Kredite auf dem Balkan um das Deutsche Reich zu schmieden versuchte, gleichfalls gesprengt ist. Man beainnt einzusehen, daß es angesichts der deutsch-russischen Annäherung für England immer schwieriger, wenn nicht unmöglich wird, durch finanzielle ober händlerische Maßnahmen einen politischen Druck aus Deutschland auszuüben. Unter den vielfältigen Kräfteverschiebungen, die der Abschluß des deutsch- russischen Nichtangriffspaktes auslösen wird, ist diese Verstärkung der deutschen Wirtschaftskraft nicht eine der geringsten. H. Ev.
Oer britische Botschafter vom Führer empfangen.
Berchtesgaden. 23. Aug. (DNB.) Einem Wunsche der britischen Regierung folgend, empfing heute der Führer auf dem Berghof ben britischen Botschafter Str Neville Henderson. Dec Botschaft t überreichte dem Führer einen Brief des britischen p r e - mierministers an ben Führer, ber im gleichen Sinne wie bie gestrigen englischen Verlautbarungen über ble kabineltssihung abgefaßt war. Der Führer ließ bem britischen Botschafter keinen Zweifel barüber, baß bie von ber britischen Regierung eingegangenen Verpflichtungen Deutschlanb nicht zu einem Verzicht auf bie Vertretung nationaler lebenswichtiger Interessen veranlassen könnten.
Englands und Frankreichs Botschafter bei Graf Eiano
Rom, 23. Aug. (DNB.) Der italienische Außenminister Graf Ciano hat Mittwoch, 13 Uhr, ben englischen Botschafter zu einer Unterredung von 20 Minuten empfangen. Um 18 Uhr begab sich ber französische Botschafter in den Palazzo Chigi, wo er eine halbstündige Unterredung mit Graf Ciano hatte.
Die türkische presse wartet ab.
Istanbul, 23. Aug. (DNB.) Die ersten türkischen Pressestimmen zum Nichtangriffspakt Berlin- Moskau find bemerkenswert zurückhaltend und verraten die Tendenz, das Ereignis vorläufig in feiner Bedeutung abzuschwächen. Diese Haltung ist offenbar auf die Tatsache zurückzuführen, daß bie Istanbuler Redaktionen im Laufe der Nacht vom Innenministerium die Weisung erhalten haben, bis auf weiteres jede Kommentierung zu vermeiden. Die Zeitung „Ian" wollte, wie bekannt wird, heute einen Artikel mit heftigen Ausfällen g e - gen Chamberlains Politik bringen, wurde aber veranlaßt, ben Aufsatz zurückzu stellen. Auch bie übrigen Zeitungen wurden vorsorglich verwarnt. Offenbar will man in Ankara abwarten, welche Wirkungen ber Pakt auf bie Haltung von London und Paris ausübt, um erst bann Stellung 3U nehmen. Die Zeitung „Vakit" bedauert bie Langsamkeit ber Derhanblungen ber Westmächte in Mos
kau. In ber Zeitung „Cumhuriyet" kommt bie ungeheuere Ueberraschung zum Ausdruck, bie ber Pakt auch in ber Türkei heroorgerufen hat.
GinwichtigerSeitragzumFriedel!
Das Echo in Holland.
Amsterbam, 23. August. (DNB.) Die hollan- ^bische Presse besaßt sich auch weiterhin lebhaft mit ber Neugestaltung ber deutsch-sowjetrussischen Beziehungen. Der „Nieuwe Rotterdamsche Courant' wendet sich gegen bie von englischer und französischer Seite versuchte Stimmungsmache. Tatsächlich werde der deutsch-sowjettusstsche Derttag weit- gehende politsche und militärische Folgen für Europa haben, ganz abgesehen von seinen großen politischen Auswirkungen. Der „Tele- graaf" schreibt, niemand könne die Auswirkungen ber jüngsten Ereignisse völlig übersehen, doch mufft festgestellt werden, daß fein verantwortungsvoller Staatsmann den Krieg wünsche. Auch Deutschland und Sowjetrußland, die beide in einem riesenhaften Aufbauprozeß begriffen seien, wollen keinen Krieg. Der deutsch-sowjetrussische Derttag bilde einen wichtigen Beitrag zum Frieden. Beide Staaten ergänzten sich in wirtschaftlicher Beziehung. Der jetzt erfolgte Ausgleich werbe für gmV Europa von wohltätigen Auswirkungen fein können-
Oie Konferenz der Oslo-Giaaien abgeschloffen. Brüssel, 23. Aug. (Europapreß.) Die Konft renz von Brüssel mürbe am Mittwoch um 18 Uhr beenbet. lieber bie Besprechungen würbe folgender amtlicher Bericht ausgegeben:
„Im Juli 1938 waren Schweben, Norwegen, Finnland, Dänemark, Holland, Luxemburg uns Belgien durch ihre Außenminister auf ber Konferenz von Kopenhagen vertreten. Sie find damals Überem- gefommen, in Zukunft miteinander Verbindung zu halten und bie Fragen von ge^ meinfamem Interesse zusammen zu prüfen. Anderseits haben sie sich gegenseitig ihrer Bereitschaft versichert, aktiv an ber allgemeinen Be* friebung mitzuarbeiten in einem Geist ber Unparteilichkeit unb Unabhängig' feit gegenüber ben verschobenen Mächtegruppen- Sie haben sich bamals ebenfalls bie Versicherung abgegeben, in ihrer außenpolitischen Haltung oie gleichen Grundsätze anzuwenben, nämlich Friedens' bereitschaft unb den Entschluß, in einemKonstin sich ausschließlich für ihre eigene bedrohte Unabh ängigkeit einzusetzen.


