Ausgabe 
24.7.1939
 
Einzelbild herunterladen

Verregnete Heimatfeste

oer»

(Fortsetzung folgt).

k

mir

das

achtet? Äengstigt sie sich? Warum vertraut sie nicht mehr?

Aus der Kammer der Chauffeure, in, der Schlüsselbrett hing, drangen Stimmen.

Römer drückte auf die Klinke. Die Tür war schlossen. Er klopfte.

** Fremdenverkehrsverein Gießen. Am heutigen Montagabend findet im Hotel Hinden­burg eine Mitgliederversammlung des Fremdenver- kehrsoereins Gießen e. 23. statt. (Näheres in der heutigen Anzeige.)

** Silberne Hochzeit. Am gestrigen Sonn tag, 23. Juli, konnten August Bau m und Frau Elisabeth, geb. Allemann, Ebelstraße 30, chre fiwerne Hochzeit feiern. (Wir beglückwünschen nachträglich'.)

** U n f a l l. An der Ecke Bismarckstraße und Lud- wigstraße ereignete sich heute morgen ein ^crM)r51 Unfall. Ein Motorradfahrer, Gustav Koch aus Eber­stadt, stieß mit einem Personenkraftwagen .zusammen und erlitt eine Gehirnerschütterung. Der Seningludte wurde durch das Rote Kreuz in die Klinik gebracht

Vallendar öffnete.Haben Sie Charly gesehen?" fragte er hastig und verwehrte Römer gleichzeitig den Eintritt.

Ich wollt meinen Schlüssel abgeben", sagte der Arzt erstaunt. Die hastige Frage Vallendars ließ ihn aufhorchen.Was ist denn da drinnen los?"

Preetz__

Es geht noch nicht so schnell mit ihr, Charly. Ich war heute dort."

Unruhig trat sie von einem Fuß auf den anderen. Ich möchte aber gehen ..Fast kläglich klang ihre Stimme.

Scharf sah Römer sie an.Was haben Sie?"

Nichts. Wirklich nichts, Doktor. Aber ich habe keine Zeit."

Augenblick, Charly! Wollen wir morgen zu­sammen nach Gatow fahren? Ich will die Kinder­klinik besichtigen. Es wird Sie bestimmt inter­essieren."

Hatte Vallendar geschrieben? Hatte er sie ver­gessen? Was hatte der Doktor da eben gesagt?Ich weiß es noch nicht, Doktor", antwortete sie und wußte kaum, was sie sagte.Ich rufe Sie an, ja?"

Besorgt schüttelte er den Kopf.Sie sind doch nicht krank, Charly?"

Mühsam lächelte sie.0 nein, ich glaube nicht!" Der Druck auf ihrem Herzen wurde stärker.Ich rufe Sie an ganz sicher!" Es war ein Brief da, und dann dann würde sie es dem Doktor sagen: Ich fahre mit Vallendar aus, Doktor! Ich Ganz schnell ging sie auf feinen Wagen zu.Bis nachher, lieber Doktor!"

Er fühlte ihre heiße Hand in der seinen.Charly, : was ist Ihnen?" wollte er fragen, aber sie hatte ' sich schon von ihm gelöst und hastete die Straße hinab.

Stunden. ,

Am Abend und in der Nacht huldigte die Iu- gend der umliegenden Orte dem Tanz. Trotz des zeitweise niedergehenden Regens ließ die Stimmung nichts zu wünschen übrig.

Don der Universität Gießen.

Von der Pressestelle der Ludwigs-Universität zu Gießen wird uns mitgeteilt: Professor Dr. Kurt Stade wurde als Vertreter der Allen Geschichte an unserer Universität zum Mitglied der Historischen Kommission für das Land Hessen ernannt.

sie glücklich.

Aber warum wartete er nicht? Warum stand er nicht im Gang oder hatte sie schon vor der Einfahrt erwartet? Irgendwo mußte er doch sein! Er hatte ihr doch wegen morgen Bescheid geben wollen ... Hatte er sein Versprechen vergessen?

Ihre Nerven begannen zu zittern. Ihr Trotz regte sich. Wenn das möglich war, dann wäre alles, was sie gehofft und gewünscht hatte, nur ein törichtes Spiel ihrer Einbildungskraft gewesen. Dann wäre sie für Vallendar nicht mehr als ein kleines Er­lebnis. , Ein flüchtiger Abend in einer gemütlichen Weinstube bei zärtlicher Musik. Nichts sonst! Nichts!

Wieder begann sie zu suchen. Aber nirgends fand sie Vallendar. Nicht in der Nische der Wagenwäscker, in der Licht brannte, ohne daß aber einer der An­gestellten zu sehen gewesen wäre. In die Chauffeur­stube konnte sie nicht hineinblicken; da hatte man einen Sack vors Fenster gehängt. Sicherlich schlief

wartet?"

Unfähig, ein Wort zu sprechen, nickte sie nur mit dem Kopf. Ein Knäuel saß in ihrem Hals; sie mußte schlucken.

Darf ich Ihnen einen Vorschlag machen, Charlys Bitte warten Sie, bis ich meinen Wagen eingestellt habe!"

Wieder nickte sie und hielt nur mühsam die Tränen

-flltet: U/elten

Roman von Harald Baumgarten

Copyright by Carl Duncker Verlag, Berlin W 35

23. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)

Ein Verlangen quälte sie, wieder an seinem Steuer zu sitzen und Werner Vallendar neben sich zu wissen. Sie sah fein strahlendes, schönes, jungenhaft frohes Gesicht; sie sah das tiefe Leuchten in feinen Augen. Ich hab' ihn lieb! wußte sie, und der Gedanke machte

zurück. Dann glaubte sie plötzlich, Vallendar habe ihr vielleicht eine Botschaft nach Hause geschickt. Daß sie daran noch nicht gedacht hatte! Er hatte fortmussen, er hatte doch so viele Verabredungen mit Produzen­ten und Regisseuren, und ach, sie wußte ja, daß er immer im Trubel stak, immer gejagt war von einem hetzenden Hin und Her, in dem er sich wohl- fühlle...Ich muß rasch nach Hause, Doktor! Frau

Mehr Mittel für die Jugendfürsorge.

Der Sondervoranschlag der B e z i r k s s ü r - forqefteHe und des Jugendamtes für 1939^fchließt mit einem Zuschußbedarf von 2273 Reichsmark gegenüber 196 640 Reichsmark lmDo- jahre ab Die Mehrausgabe von 30 662 RM. t) durch erhöhte Kosten der Krankennerficherunn für Kriegshinterbliebene, durch gesteigerte Aufwen düngen für Familienunterstützung von Angehor gen der Wehrmacht und des Arbeitsdienstes und durch erhöhte Anforderung des Staates zu den M des Gesundheitsamtes zur Bekämpfung der Tube Mofa verursacht. Ferner wurden für Hellkuren ür Kinder und Erwachsene Mittel m den Vor­anschlag eingestellt.

Der Vermögensstand.

Der Vermögens st and des Kreises Ende Rj. 1937 weist ein Kapitalvermögen von

fünfzehn? , f

Er blieb auf dem Bürgersteig stehen. Das Leben der Weltstadt umbrandete ihn. Wie einsam man fein kann! dachte er. Wie unendlich einsam unter Mil­lionen Menschen! Ein zaghaftes Lächeln spielte um seinen Mund. Rührselig, Doktor Alfred Romer? Frühlingsgelüfte im Herbst? Kinderklinik. Arbeit. Schillernde Seifenblasen, die sich in Luft auflofen ... Schlußstrich, wie? Ein bißchen Humor! Echten, tiefen Humor!

Wagen fuhren. Er stand, sah zu, sah ihnen nach. Junge Menschen gehören zusammen! wußte er. Junge, schöne Menschen ... Wehmut? Nein Froh­sinn. Eine letzte Hürde! Drüber weg!

In diesen Minuten, da Dr. Römer über die Straße nach seiner Wohnung ging, begrub er eine Hoffnung, die sich nie ganz entfaltet hatte. Er begrub einen Wunschtraum, der nie hatte Leben gewinnen können.

Er stieg die Treppen hinauf und schloß seine Woh­nung auf.

Seine Schwester kam ihm entgegen; sie führte ihm die Wirtschaft.Drei Patienten haben angerufen, Alfred! Du mußt wohl gleich gehen."

3a, natürlich. Wo sind die Anschriften?"

Stehen auf dem Mcrkvlock. Ein Fall scheint Jew­eilig zu fein."

und allenchalben herrschte die angenehmste Stirn- ^2?is schließlich ein schwere Wolkenwand heranzag und einen anhaltenden heftigen Regen mit sich brachte, der die vielen Festbesucher innerhalb weniger THnuten in die Burg jagte, die im Nu einem Bienenhaus glich und in allen ihren Raumen die Festbe ucher aufnahm. Im Kaisersaal mürbe weiter getanzt, viele Gäste ließen sich in^den Gast­zimmern nieder, blieben zum Abendbrot, bis schließ­lich gegen 20 Uhr der Regen für einige Zett aus- hörte und den Aufbruch ratsam erscheinen ließ Allenthalben und insbesondere von der Jugend wurde tief bedauert, daß das Fest in feinen Abend­stunden den Unbilden der Witterung zum Opfer fiel und nicht so ausklingen konnte, wie es sich ebermann gedacht unb gewünscht hatte. Hoffentlich steht das nächste Gleibergfest unter günstigerem Stern.

KdF.-Sommersest in Kloster Arnsburg.

,Zch gehe gleich wieder. ruhig allein und, stell' mir etwas zurecht! Ich weiß nicht, wann ich zuruck- kehre." Während er die Anrufe überlas, klingelte das Telephon.Hier Doktor Römer."

Hier Charly."

Ja, Charly?" , ± ,

Ich fahre morgen mit Ihnen nach Gatow, lieber Doktor! Holen Sie mich ab!"

Um neun Uhr, lieber Doktor!" Ihre Stimme klang müde und verschleiert.

Aber er hörte den Unterton von wildem Trotz. Also gut, Charly! Bis morgen!"

Sie haben sich gezankt! dachte er und hängte ab. Das gehört dazu! Zwei junge Menschen müßen sich abschleifen. Es ist alltäglich. Bloß die Betreffenden meinen, es sei besonders und welterschütternd. Die Harmonie entsteht erst nach Kämpfen ... Oh, wie ver­nünftig denke ich! Man könnte darüber lachen!

Er packte seine Arzttasche unb ging. Den Wagen brauchte er nicht' zu holen, da die Wohnungen der Pattenten ganz in der Nähe lagen.

In der Bier- und Selterswasserbude, die Franz Gerisch diesen Sommer am Wannsee eingerichtet hatte, klingelte es.

Um die Bude, die aus zwei kleinen Wohnräumen und einem Schankraum bestand, lagerte sich die kleine Zeltstadt. Jetzt waren die meisten Zelte verlassen und winterlich geschützt, aber sonntags erschienen bet schönem Wetter noch genug anhängliche Zelt- bewohner und kochten ihren Kaffee bei Vater Gerisch. Warum hätte Gerisch im Winter die Miete in der Stadt bezahlen sollen? Viel roars ja nicht, was er winters hier draußen verdiente, aber manchmal kamen Spaziergänger, freuten sich über die kleine be­helfsmäßige Gaststube und bestellten Grog oder Bier. Unb neben der Zeltstadt lagen Schrebergärten, deren Besitzer auch öfters bei ihm einiges verzehrten.

Allerdings blieben sie feiten fo lange wie die beiden, die feit einigen Tagen allabendlich auf dem Sofa, das früher einmal Polfterdank eines Zweiter« Klaffe -Abteils gewesen war, Platz nahmen, Zigarren rauchten und tränten.

Das Telephon unterhielt Gerisch fürJ)ie Zeltstadt. Bei ihm konnte man alle Anrufe erledigen und auch angerufen werden.

Vater Gerisch also kam hinter dem dürftigen Schanktisch hervor und hob den Hörer ab.Herr Schmal wird verlangt!" rief er über die Schulter, 1 und sah fragend zu den zwei Männern hin.

Der Größere, Schlanke, erhob sich.Für mid)!y Er ging an den Apparat.Ja! Was gibt es denn?

Eine hastige Stimme schlug an sein Ohr:Hellte abend ist eine fahrende Leihbücherei in die Garage i gekommen! Sie stand an dem betreffenden Abend , neben dem Mietwagen; am nächsten Morgen ist sie 'rausgefahren. Dort kann es fein! Muß es fein! Ober aber es ist in einem der verliehenen Bücher auf dem Lande

dort einer? Auch oben bei der Benzinlampe, wo er am ersten Abend im Gespräch mit dem Doktor ge- standen hatte, war Vallendar nicht. Anscheinend war er fortgegangen. Aber er mußte wiederkommen!

Ungeduldig sah sie nach rechts unb links die Straße hinab. Menschen tarnen und gingen. Das abendliche Leben wogte. Nirgends war Werner Vallendar!

Die plötzliche tiefe Mutlosigkeit der ersten Liebe überfiel sie. Ihre braunen Äugen blickten schwer­mütig; sie fühlte sich todunglücklich. Es war schrecklich, hier auf der Straße stehen zu müssen und vergebens auszuspähen ... Ihr blasses Gesicht hellte sich erst auf, als sie Römers Wagen ankommen sah.

Er bremste sogleich und hielt. Seine zuverlässige, treu besorgte Stimme kam erlösend auf sie zu:Tag, Charly! Wie geht es? Haben Sie auf mich ge-

ab. ...

Zunächst fei der sehr fleißig musizierenden Musik­schule von Gambach Erwähnung getan. Er waren die Musizierenden Schulkinder in den letzten Schul­jahren, die auf Ziehharmonikas und auf Blockflöten mehrstimmige schöne Volkslieder, flotte Märsche und

Römer fuhr in den Tunnel und parkte seinen Wagen. Seine Gedanken waren ein wenig trübe. Warum war Charly seiner Bitte ausgewichen? Vor acht Tagen hätte sie das nicht getan; immer hatte sie sonntags für ihn Zeit gehabt ... Sein Wagen war, beschmutzt. Ich will ihn waschen lassen! beschloß er. Er soll blitzen, wenn Charly mit mir fährt! Wenn wenn--! Dies Wort war die Begleit­

musik zu seinen Schritten. Es geht etwas in Charly vor! sorgte er sich. Hatte sie wieder etwas beob-

Gleibergfest sehr gut besucht.

Der Gleiberg war gestern das Ziel vieler Be- ucher, die im Kraftwagen, in Omnibussen, Mit aer Eisenbahn, auf dem Fahrrad und schließlich zu Fuß aus weitem Umkreis der Burg und Berges­höhe zustrebten. Schon zum pünktlichen Beginn der Veranstaltung waren die zahlreichen Stuhle und Bänke im weitläufigen Garten fast bis auf den letzten Platz besetzt. Aus Stadt unb Land waren bie Volksgenossen gekommen, fanben sich in schöner Gemeinsamkeit, und jedermann kam'm der Bereit­schaft, ein schönes sommerliches Fest zu erleben. Die Jugend war stark vertreten, bie Kinder, die mit ihren Eltern in großer Zahl erschienen waren, Versprachen sich einen großen Tag.

Zunächst ließ sich auch alles wunderschön an. Musik erklang im Garten unter den dichtbelaubten Bäumen. Die meisten Festgäste waren in hellen, sommerlichen Kleibern erschienen (wenn auch für alle Fälle und mit Rücksicht auf bie wemg günstig lautenben Wetterberichte der letzten Tage (Mantel unb Regenschirme mitgenommen worben waren), fo baß die große Burgfreiung ein ungemein leben» diaes Bild bot, wie man es eben nur zum Gleiberg- fest zu sehen bekommen kann.

Für die Durchführung des Festes, das mit aller Sorgfalt vorbereitet worben war, hatten sich die Mitglieber des Gleibergvereins und zahlreiche Hel­fer aus den Gemeinden Krofdorf und Gleiberg zur Verfügung gestellt. Für die Kinder gab es manchen luftigen Geschicklichkeitswettbewerb, bei dem es hübsche Preise zu erringen galt. Die Jugend war mit stürmischem Eifer dabei. Für die reifere Jugend war inmitten des Burghofes eme Tanzfläche eingeräumt worden unb bie Musik spielte unermüblich. ßanbrat Dr. Lotz (Gießen) hielt in seiner Eigenschaft als Leiter des Gleiberg- vereins eine kurze, herzliche Begrüßungsansprache, sprach über ben Sinn ber Heimatfeste, über ben Heimatbegriff überhaupt unb auch davon, wie das Herz unser aller insbesondere an den Bergeshöhen hänge unb sie immer mieber als ber Inbegriff des Heimaterlebens angesehen werden. Abschließend ge­buchte er in dankbarer Würdigung des Mannes, ber durch feine Leistung und Tatkraft dem deutschen Volke die Möglichkeit gibt, in Ruhe und Frieden Heimatfeste zu feiern.

In schöner Harmonie nahm das Fest seinen weiteren Verlauf. Die Wißmarer Tanzgruppe trug kMch einige Volkstänze zur Verschönerung des Astes bei und unterstrich damit ben Charakter des Heimatfestes. Viele Besucher nahmen im Verlaus des Nachmittags Gelegenheit, durch die Ruinen der Burg zu gehen. Eifrig wurde getanzt, eifrig spielten bie Kinder, mit Leidenschaft wurde auf einem be- sonderen Wurfstand mit hölzernen Kugeln nach Blechbüchsen um die Wette geworfen, für ben Wirt *unb feine vielen Helfer gab es sehr viel zu tun

insgesamt 282 322,16 NM. und eine Schuldenlast von insgesamt 32 563,22 RM. aus. Der Kreis Gießen kann sich also mit seinem Vermogensstan durchaus sehen lassen.

Veränderungen durch die Neuordnung im »resie.

Im Rechnungsjahr 1937 hatte ber Kreis Gießen einen

mit (nach ber Volkszählung vom 16. Juli 1933 angegeben) 105 621 Einwohnern. D-m Kreis ge­hörten damals 79 Landgemem^n m>t 69708 Gm- mohnern an Durch die Auskreifunfl der Stadt Metzen und die Zuteilung non Men Gemeinden des aufgelösten «reifes Schotten nut Wirkung vom 1. November 1938, fowie r.e Ewgememdu von Klein-Linden und Wefeck zur Stadt M t 1. April 1939 hat ber Kreis Gießen am 1. llpril 1939 noch einen Flächeninhalt von 638 Ouabrat- kilometer mit 84 Landgemeinden und 68 498 Ein­wohnern.

Das nun fast traditionelle Sommerfest ber Kreis­dienststelle Wetterau ber NS-GemeinschaftKraft durch Freude" hat sich in den letzten Jahren all­mählich zu einem Volksfest ber nördlichen Wetterau entwickelt. Zu Fuß, mit dem Fahrrad, Motorrad, Auto und nach schöner alter ländlicher Sitte mit dem Leiterwagen, festlich geschmückt mit Cichengrun ober Buchenlaub, waren viele Hunderte von Gasten aus den Nachbardörfern zum Sommerfest nach Kloster Arnsburg gekommen. Aus dem benachbar­ten Gambach waren allein 18 geschmückte Leiter­wagen mit Festgästen erschienen.

In humorvoller Art rief ein in alte bunte Uni­form gekleideterFestpolizist" zum Beginn des Festes auf. Unter den Klängen der Musikschule Gam­bach und dem schneidigen Marsch des Spielmanns­zugs der Hitler-Jugend von Gambach marschierte alt und jung in ben Hof und bas Innere der altehr­würdigen Klosterruine.

Die festliche Ausgestaltung ber Veranstaltung hatte die Ortsgruppe Gambach ber NSDAP, über­nommen. Ortspropagandaleiter Nern (Gambach) hatte mit ortseigenen Kräften ein abwechslungs­reiches Programm zusammen gestellt.

Die Musikschule Gambach unter Leitung von Leh­rer Gottfried Lahm eröffnete mit dem Egerländer Marsch, von neun Ziehharmonikaspielern bargebo­ten, die Vortragsfolge. Für die Kr^-dienststelle Wetterau der NS. - GemeinschaftKraft durch Freude" grüßte Pa. Reitz (Gießen) die vielen Be­sucher aus nah und fern. Nun wechselten in bunter Reihenfolge bie vielen Darbietungen miteinander

Tanzweisen spielten. Auch, die Mufikvorträge der Kinder mit Chorgesang gefielen allen Zuhörern.

In ber Hauptfeier erfreuten bie Schuler ber bei­den oberen Volksschulklassen von Gambach mit Rei- gen unb rhythmischen turnerischen Darbietungen unter Ziehharmonikabegleitung. Die Hebungen zeug­ten von guter Schulung und waren dem Alter der Kinber angepaßt. . , .. .

Eine besonbere Bereicherung erfuhr bie Feier durch die Gesangsvorträge des Mannergesangver­eins Gambach unter Stabführung von Chorleiter Nern (Pohl-Göns). Die Chöre, meist Lieder im Volkston, waren heimatlich abgeftimmt. Auch bei ber Nachfeier gab ber Chor noch weitere Proben feines Könnens. Auch die Festbesucher selber beteilig­ten sich mit dem Gesang einiger Lied^, begleitet von ben jungen Musikanten aus Gambach, an ber Aus- aeftaltunq des Festes.

Am Schluß des ersten Teils des Festes ergriff Da Reitz (Gießen) das Wort unb führte u.a. aus, daß der Sinn der KäF.-Veranst-lltung darin daß die Freude den Menschen Kraft fleben solle, den schweren Schicksalskamps zu meistern. Er sprach noch davon, wie dem deutschen Volke IN seiner breiten Masse die Kulturgüter zugänglich gemacht werden sollten, deren Genuß früher nur einigen Schichten beschieden war. Es müsse vor allem auch Heimat- liebe in bie Herzen aller Volksgenossen gemlau^t werden, damit jeder seine Heimat so liebe baß er im Ernstfälle auch bereit wäre, sie zu verteidigen.

Die Nachfeier fand auf dem Festplatz unter ben jahrhundertealten Baumriesen statt. An ben -Bor« führungen der Nachfeier beteiligten sich namentlich bie nationalsozialistischen Jugendorganisationen. Die BDM.-Gruppe Gambach, geleitet von M. Anm Schwab, brachte Reigen, Volkstänze, Körper- schulung und Keulenübungen zur Aufführung. Die Kindergruppe der Frauenschaft von Gambach unter Führung von Frau Lettner erfreute mit finber« tümlichen Reigen. Auch bie Jungmädel von (Sam- dach unter ihrer Leiterin, Frl. Helma Weimer, wollten nicht zurückstehen. Sie tanzten schöne Reigen unb Volkstänze unb sührten Freiübungen vor. Am meisten Anklang fand wohl bas MärchenspielDie Bremer Stadtmusikanten". Auch berKuhhandel des Jungvolks von Gamback verfehlte ferne Wir- kuna nicht. Erwähnung verdient auch noch die Ju­gendgruppe von Eberstadt, geleitet von Frl. ßtfe- lotte Rühl, die mit ihrem leichtbeschwingten Rei­gen eine schöne Leistung bot. Sämtliche Darbietun« gen ernteten starken Beifall. Nach ber Aufführung : vergnügte sich die Jugend mit Spielen, dieBuben schnappten" am Galgen desPolizisten ihre . Würstchen, bie älteren übten sich im Schießen. Alt i und jung verlebte bei Frohsinn einige recht frohe

Ach nichts, lieber Doktor! Eine Betriebsversamm­lung. Man hat mich um Rat gebeten. Es gilt, etwas zu schlichten ... Ich hänge Ihren Schlüssel ans Brett!" Vallendar nahm Römer ben Schlüssel einfach aus der Hand.Aber Sie haben mir noch nicht geantwortet, Doktor: Ist Charly draußen?" Dabei lammte in feinen Augen ein Heller Glanz auf; feine Stimme liebkoste ben Namen.

Fräulein Charly ist nach Hause gegangen. Prüfend sah Römer ihn an.

Oh, Charly ist nach Hause gegangen? Ja, na­türlich!" Ich hole sie morgen ab! nahm er sich vor. Sie braucht von nichts zu wissen nichts vom Be­such des jungen Kriminalbeamten unb nichts von dem, was wir vorhaben ...Auf Wiedersehen, lieber Doktor' Die Leute wollen an die Arbeit gehen. Er schlug bie Tür zu. Junge Meyhen können sehr egoistisch sein ...

Römer blieb einige Sekunben vor der geschlossenen Tür stehen. Erregte Stimmen brandeten hinter ihr auf. Hölzern wandte er sich um und ging aufwärts. ' Charlys seltsames Benehmen^Die erregte Frage Vallendars nach ihr? Vallenda^ natürlich: Val- lenbar ... War es ein Wunber? Es mußte so sein. Gestern war Charly aus gewesen, hatte Frau Preetz erzählt; unb Herr Vallenbar war dagewesen ... Römer biß die Zähne zusammen. Es war eine Seifenblase! grübelte er. Sie zog wie eine bunte, schillernde Kugel vor mir her. Ich wagte nie, nach ihr zu greifen; ich fühlte, ich würde sie sonst zer­stören. Nun ist die Seifenblase in einen anderen Himmel geflogen. Natürlich: zehn Jahre zu früh auf bie Welt gekommen, Doktor Alfred Römer! Oder

in Höhe von 68 500 (im Vorjahre 57 600) RM.; daneben sind noch mancherlei kleinere Ausgaben mit steigender Tendenz zu bemerken. Die Einnahmeseite zeigt erhebliche Beträge, jedoch sind bedeutende Zu­schüsse aus Kreismitteln erforderlich. _ . . '

Im Rahmen ber I u g e n b f ü r f o r g e erscheint hier auch bie Ausgabe zur F ö r d e r u n g de r H , burch Gemeinben und Gemeindeverbande in einer Höhe von insgesamt 5500 RM, ferner die Beihilfe für bas Iugenbherbergswerk mit 500 RM.; diese beiben Posten waren bisher im Kapitel "Allgemeine Verwaltung" verrechnet worden, sie erscheinen m Zukunft zweckmäßigerweise im Abschnitt der -3u- genbfürforge, wo sie hingehören Als neue Ausgabe in diesem Rahmen tritt em Posten von ^000 RM. zur Förderung der HI. «Heim - B e s ch a f - f u na in den Gemeinden des Kreises Gießen in Erscheinung. Diese Aufwendung wird zweifellos die Bestrebungen der Gemeinden zur Be- schaffung von HJ.-Heimen ansehnlich unterstützen. Insgesamt besteht für bie Wohlfahrtspflege usw. ein Zuschußbedarf von 239 302 RM.

Gesteigerte Schlagfertigkeit der Aeuerwehren.

Bei den Ausgaben für das F e u e r l ö f ch w e s e n ist ein neuer Betrag von 3000 RM. bemerkenswert, der für die Unterhaltung der V o r f p a n n w a g e n für die Motorspritzen in 9 Gemeinden d e s K r e i s e s Gießen erforderlich ist. Die Neu­organisation des Feuerläschbienstes im Landkr^s Gießen durch die Stationierung von Motorspritzen in verschiedenen, für die jeweiligen Bezirke Zentra gelegenen Orten, unb die Bereitstellung von Bor- spannwagen für diese Motorspritzen hat, wie die Hebungen seit dem Zeitpunkt der Neuorgamsation wiederholt klar erwiesen haben, eine wesentliche ur- höhung des Feuerschutzes durch die 9clt*l9e Schlagfertigkeit der Feuerwehren herbel.gesuhrt. Im Interesse der Gemeinschaft, aber auch jebes emzeb nen kann diese Neuerung nur begrüßt werden, auch wenn dafür einige Mehraufwendungen erforderlich i Zwangsläufig höhere Lreisumlagen.

eiw. ©nmtel .Finanz- und Steuerwesen" richtet sich die" Aufmerksamkeit natürlich besoi^ers auf die Einnahmeseite. Hier ist es der Titel K r e i s u m l a g e n", der in diesem Jahre besonders beachtenswert ist. Die Kreisumlagen sind diesmal um rund 228 000 RM. höher als im Vorjahre fest­gesetzt worden. Waren es im vorigen Haushalts­jahre im Rahmen des Voranschlags und eines Nach- traashaushalts rund 602 0M RM. Kreisumlagen so sind jetzt für den neuen Haushaltsplan 830 000 Mark veranschlagt worden. Dieser erhebliche Unter­schied gegenüber dem Vorjahr ist mit wenigen Wor­ten zu erklären. Zunächst ist in Bettacht zu ziehen, daß im vorigen Jahre die Stadt Gießen und die Orte Wieseck und Klein-Linden noch dem Kreise Gie­ßen angehörten, also an der Aufbringuna der Kreis- umlagen beteiligt waren. Durch bie Auskreisung allein der Stadt Gießen, also ohne Wieseck unb Klein-Linben, ist schon ein Einnahmeausfall bei den Kreisumlagen von 92 000 Mark zu verzeichnen, den man unter Hinzuncchme der Orte Wieseck unb Klein-Linden wohl ohne llebertrei-bung auf insge­samt rund 100 000 RM. veranschlagen kann. Berück- sichttgt man neben dieser Mindereinn ah m e, die auch durch den Hinzutritt neuer Gemeinden in derLaubacher Ecke" bei weitem nicht aufgehoben wird die Mehrausgabe von 100 000 RM. für die zusätzlicheJnstandsetzungderLand. straßen im Kreisgebiet, die erheblich ange­wachsenen Schullasten, die neuen Leistungen für die Dorfverschönerung und für das RennenRund um Schotten" und zieht man außerdem in Betracht, daß auf dem Gebiete der Reichssteuem durch den Fortfall der Grund­erwerbssteueranteile einige Verschiebungen zu Lasten des Kreises eingetreten sind, so ist der erwähnte Mehrbedarf an Kreisumlagen hinlänglich erklärt. Daß die Verwaltung des Kreises bei der Festsetzung der Ausgaben und Einnahmen mit größter Vorsicht unter weitgehendster Rücksichtnahme auf die Steuer­zahler gehandelt hat, bedarf wohl keiner weiteren Begründung. ____________________