Ausgabe 
24.7.1939
 
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M. 170 Zweiter Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen) Montag, 24.)uli 1959

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Aus der Stadl Gießen.

Merkregeln für die Pilzzeit.

Allgemeine Merkregeln über die Eßbarkeit oder Giftigkeit der Pilze (Märchen von der Zwiebel und dem silbernen Löffel, Verfärbung, unangenehmer Geruch oder Geschmack, auffallende Färbung usw.) gibt es nicht. nur solche Pilze, die du ganz genau als unschädlich kennst? Der Anfänger sammle nur die bekanntesten Arten, wie Pfifferlinge und Stein­pilze, die bei genauem Zusehen gar nicht verwech­selt werden können. Was du nicht kennst, lasse im Walde stehen. Zn Zweifelsfällen wende dich an einen wirklich guten Pilzkenner, an die nächste Pilz- Beratungsstelle oder an die Deutsche Gesellschaft für Pilzkunde in Darmstadt.

Der Pilzreichtum und die Artenzahl unserer Wälder sind viel größer als meist angenommen wird. Nur leichtsinnige Prahlhänse kennenalle Pilze". Vergiftungen sind dann unausbleiblich. Der Steinvilz (Röhrenpilze mit Röhrchen auf der fjut» unterseite) hat ungefähr 50 ähnlich aussehende Ver­wandte; Blätterpilze gibt es bei uns ungefähr 1500 verschiedene Arten, deren Genußwert und sonstige Merkmale großenteils überhaupt noch nicht wissen­schaftlich erforscht sind.

Sammle stets nur frische Pilze. Durchwässerte, zu alte, angefaulte und stark zerfressene Schwämme lasse im Walde zurück. Nimm die Schwämme vor­sichtig aus dem Boden heraus, damit du das Pilz­geflecht (die eigentliche Pilzpflanze!) und junge Fruchtkörperanlagen nicht herausreißt und dadurch zerstört. Die gesammelten Pilze werden am besten sofort bei der Heimkunft geputzt und zubereitet. Pilze enthalten ungefähr 90 v. H. Wasser und sind I leicht verderblich. Die Fruchtschicht auf der Hut- > Unterseite (Blätter, Röhrchen usw.) schneide man , nicht weg, wenn sie keine Maden enthält. Sie ist ! reich an wertvollen Nährstoffen. Das Brühwasser > schütte man nicht weg, weil es die am leichtesten löslichen Nährstoffe enthält. Pilze sind schwer ver- idaulich. Sie müssen deshalb bei der Zubereitung istork zerkleinert werden. Außerdem müssen Pilz- sspeisen gut zerkaut werden. Abends sind größere :Pilzmahlzeiten nicht zu empfehlen.

Die meisten Pilzvergiftungen werden durch den ;arünen Knollenblätterpilz hervorgerufen, der leicht- ssinnigerweise als Champignon, als Grünling oder :als grüner Täubling eingetragen wird. Eine Gabel­spitze von ihm kann den Tod herbeiführen. In man- .chen Jahren hat er in Deutschland bis zu 100 Todes­fälle verursacht. Bei den geringsten Anzeichen einer ^Pilzvergiftung sorge man für sofortige und gründ­liche Entleerung von Magen und Darm durch Brech- .und Abführmittel, wie für rascheste ärztliche Hilfe.

Hefter alle vorkommenden Pilzvergiftungen be­lichte man bitte sofort an die medizinische Fach­kommission der Deutschen Gesellschaft für Pilzkunde (Dr. med. Welsmann, Pelkum bei Hamm/Westf.), !da alle diese Fälle dort mit Unterstützung durch das iReichsgesundheitsamt gesammelt und wissenschaftlich verarbeitet werden. Bei jeder Vergiftung fordere man sofort bei der Deutschen Gesellschaft für Pilz- 'kunde in Darmstadt einen Fragebogen an.

Tageskalender für Montag.

Fremdenverkehrsoerein Gießen: 20.15 Uhr im iHotel Hindenburg Mitgliederversammlung. Glo- -ria-Palast, Seltersweg:Mama Colibri".

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Ferienwanderung 55a UF. 61

fGroh-Venediger 3674 m) vom 7. 8. bis 18.8.1939.

Die Fahrt geht zunächst nach St. Johann in Tirol. Won hier weiter nach Rosental. Dort beginnt die nochalpine Wanderung: BerndlalmSeebach-See Uürsinger Hütte Keeskogel Groß-Venediger Werndlalm Bettlersteig Rosental. Rückfahrt.

Teilnehmerpreis: 61,50 RM. einschließlich Bahn- isahrt, Abendessens Uebernachtung, Frühstück und Dergführung. Anmeldungen umgehend bei allen RdF.-Dienststellen. 50690

Der Landkreis Gießen im Rechnungsjahr 4939.

Der Haushaltsplan festgesetzt. Zahlreiche neue Aufgaben.

Der Landrat des Landkreises Gießen hat am heu­tigen Montagvormittag den Voranschlag des Landkreises Gießen für das Rech­nungsjahr 1 9 3 9 mit den Mitgliedern des Kreisausschusses beraten und danach endgültig fest­gesetzt. Wir haben Herrn Landrat Dr. Lotz um eine Uebersicht über die wichtigsten Punkte des neuen Haushaltsplans gebeten. Die nachstehenden Zeilen enthalten diese Mitteilungen.

In der Gesamtsumme schließt der Voran­schlag für das Rj. 1939 mit 1 421 515 RM. in Ein­nahme und Ausgabe, gegen 1 135 339 RM. im Vor­jahre ab. Davon entfallen auf die Betriebs- redjnung je 1 351119 RM. (im Vorjahr 1 065932 RM.) in Einnahme und Ausgabe, auf die Ver­mögensrechnung 1939 insgesamt je 70 396 Mark (im Vorjahr 69 407 Mark).'

Im einzelnen verteilen sich die Einnahmen und Ausgaben in der Betriebsrechnung wie folgt:

Allgemeine Verwaltung: E (Einnahme) = 4687 RM. (im Vorjahr 5193 RM). A (Aus­gabe) = 64 128 RM. (im Vorjahr 53 310 RM.).

P o l i z e i w e s e n: E - 61 676 (60 648) RM.; A = 63 966 (63 538) RM.

Schulwesen: Keine Einnahmen, A = 202920 RM. (154 100) RM.

Kunst und Wissenschaft: Keine Einnahmen, A = 5860 RM. (5370) RM.

Bauwesen: E - 3571 (5571) RM., A 260 944 51 572 (15 572) RM.

Allgemeine Förderung der Wirt­schaft: Keine Einnahmen, A = 10 995 (5995) RM.

Wohlfahrtspflege und Gesundheits­wesen, einschließlich Erwerbslosen- und Woh­nungsfürsorge: E - 221 132 (166 489) RM., A 470 252 (372 626) RM,

Anstalten und Einrichtungen: E - 4243 (9410) RM.; A = 17 094 (24 144) RM.

Finanz- und Steuerwesen: E = 1 052 419 (817 305) RM.; A = 252 719 (235 116) RM .

Grundstücksverwaltung: E = 2241 (20) RM.; A = 2241 (15) RM.

Kapitalvermögen und Kapitalschul­den: E - 1150 (1296) RM.; A nichts (146) RM, Mark.

In der Vermögensrechnung ist, wie im Vorjahre, der Reste- und Ausgleichs stock in Einnahme und Ausgabe mit je 60 000 RM. ein­gestellt, der Kapitalien- und Erneuerungsfonds in Einnahme und Ausgabe mit je 10 396 (9407) RM.

In der Betriebsrechnung sind einige Ver­änderungen von besonderem Interesse. Dabei sehen wir von den üblichen Aenderungen infolge plan­mäßiger Mehrausgaben für Personalaufwand und üblicher sozialer Ausgaben ab, ebenso lassen wir Mehrausgaben für den Bürobedarf usw. außer Be­tracht.

Förderung der Dorfverschönerung.

Interessant und begrüßenswert ist zunächst ein neuer Ausgabeposten in Höhe von 5000 R M., der für Zuschüsse zur Förderung der D orf ver­schön erungsaktion bestimmt ist. Mit Hilfe dieses Betrages wird sich wohl in manchen Ge­meinden des Kreises auf diesem Arbeitsfeld eine fruchtbare Arbeit in Gang bringen lassen. Man kann nur hoffen und wünschen, daß die Gemein­den von dieser Förderungsmöglichkeit in regem Maße Gebrauch machen.

Erhebliche Mittel für die Schulen.

Auf dem Gebiete des Schulwesens hat der Kreis Gießen als Anteil an den nichtgedeckten per­sönlichen Ausgaben der staatlichen höheren Schulen künftighin 40 000 RM., gegen 34 000 RM. bisher, aufzubringen, als Anteil an den persönlichen Kosten ninnwiiri'ii ii Hin ihm hu i ii

der Berufsschulen sind im neuen Haushaltsjahr 140 320 RM. gegen 97 000 im Vorjahre, zu leisten, ferner sind als Schulbaurücklage 18 500 RM. vor­gesehen. Die Schulbaurücklage soll den Zweck erfüllen, bedürftigen Gemeinden bei Schulhaus­bauten helfend zur Seite zu stehen.

Unterstützung der Kunst.

Dem Gießener Stadttheater läßt der Kreis Gießen wiederum mit einem Zuschuß von 3000 RM. seine Förderung zuteil werden. Museen, wissenschaftliche und künstlerische Vereinigungen er­halten 1100 RM., das Rhein-Mainische öanbes- orchester wird mit 1210 RM. Zuschuß gefördert.

Zusätzliche Instandsetzungskosten für die Landstraßen.

Auf dem Gebiete der B a u v e r w a l t u n g sind 145 100 RM. für laufende Straßenunterhaltung, einschl. Straßenwärterlöhne, ferner als neuer Aus­gabeposten für zusätzliche Jnstandsetzun-

gen von Straßen 100 000 RM. vorgesehen. Diese neue Ausgabe wird von den Bewohnern un­serer Dörfer zweifellos begrüßt werden, da mit diesen Mitteln die sog. Kreisstraßen, d. h. die Land­straßen zweiter Drbming, eine fortlaufende Verliesse« rung und Pflege erfahren sdllen, um den Erforder­nissen des lokalen Fährverkehrs auf den Landstraßen in gebührender Weise genügen zu können.

kräftige Förderung der Arbeit für unsere Jugend.

Aus dem Gebiete der Wohlfahrtspflege, des Gesundheitswesens und der Woh- nungsfürsorge hat es mancherlei Verände­rungen gegeben. Das Kreisfürforgeamt macht eine Ausgabe von 44 582 RM. gegen 41 740 RM. im Vorjahre, erforderlich. Die Fürsorge im Rahmen der Reichsfürsorgepflichtverordnung erfordert einen Aufwand von 291 450 RM. im Vorjahre 202 850 RM., die Jugendfürsorge verlangt Aufwendungen

Alle Kräfte Ser Partei für die Erntehilfe.

Aufruf des Kreisleiiers.

Wieder steht die Einbringung der Ernte vor der Tür. Wieder gilt es. dem Bauern zu helfen, daß sein kostbarstes Gut, der Ertrag eines schweren Arbeitsjahrcs, binnen kürzester Zeit heil und un­beschädigt in die Scheunen gebracht wird.

Ich rufe daher die Partei mit all ihren Gliede­rungen, angeschlossenen Verbänden und auch die sonstigen Organisationen auf. sich dafür einzusehen, daß überall in Stadt und Land Hilfe bei der Ernte geleistet wird. Weine Bitte geht auch an alle Be­amten, Angestellten und Arbeiter, die nicht in der Landwirtschaft tätig sind, in den kommenden Wochen der Ernte sich mit allen verfügbaren Kräften ein- zusehen. Die Vorarbeiten zum Ernteeinsatz wurden bereits mit dem Arbeitsamt und allen sonstigen beteiligten Stellen eingehend besprochen, so daß dem erfolgreichen Beginn der Aktion nichts mehr im Wege steht. Ich erwarte von jedem Partei- und Volksgenossen, daß er sich der hohen Bedeutung der Einbringung der Ernte bewußt ist und restlos seine Pflicht erfüllt.

Backhaus, Kreisleiter.

NSG. Die Sicherstellung der Ernährung unseres Volkes unb ber allgemeine Mangel an Arbeits­kräften machen auch in biefem Sommer ben Einsatz aller verfügbaren Kräfte zur Einbringung unserer Ernte notroenbig. Der Stellvertreter bes Führers hat aus biefem Grunbe ungeordnet, baß vom 1. August bis 15. Oktober alle nicht unbebingt not- roenbigen Arbeiten ber Partei unb ihrer Glieberungen zurückgestellt werben. Im Gau Hessen-Nassau wür­ben bie Kreisleiter angewiesen, persönlich bie Maßnahmen für eine schnelle unb um­fang r c i rfj' e Erntehilfe burchzuführen.

An ber Einbringung ber Ernte hat nicht nur ber Bauer als Erzeuger ein Interesse, fonbern von ber Ernte hängt bis E r n ä h r u n g des gesamten Volkes ab. Die Erntehilfe ist beshalb eine hoch­politische Angelegenheit aller Volksgenossen.

An die Spitze der Erntehilfe tritt die Partei mit allen ihren Organisationen und Verbänden. Im Gau Hessen-Nassau erfolgt der Einsatz der Hilfskräfte unter Leitung der Kreisleiter nach der jeweiligen wirtschaftlichen Struktur der Kreise.

Bei jeder Kreisleitung wurde ein Arbeitsausschuß gebildet, dem außer dein Kreisleiter der Leiter des zuständigen Arbeitsamtes, der Landrat oder Ober­bürgermeister, der Kreisbauernführer, ein Vertreter ber zuständigen Industrie- und Handelskammer, der Kreiswirtschaftsberater, der Kreisamtsleiter ber NSV. unb ber Kreishandwerksmeifter angehören. Die Hoheitsträaer ber Partei find dafür verantwort­lich, daß in Zusammenarbeit mit den Bauernführern überall rechtzeitig der freiwillige Ernteeinsatz aufgenommen: werden kann.

Ls muß möglich gemacht werden, daß in behördlichen und ähnlichen Dienststellen die Hälfte der Arbeitskräfte an einem ganzen oder halben Tag für den Ernteeinsatz freigemocht wird. Auch hier sollen die Behördenleiter und Beamten mit gutem Beispiel vorangehen. Frauen und Mädel, die keinen Beruf ausüben und Kinder betreuen sowie leichte Arbeiten ver­richten können, sollen sich in den Dienst der Sache stellen, um die Bauersfrau zu entlasten. Die Erntekindergärten, die sich bereits in den letzten Iahren überall bewährt haben, sollen nicht nur die Bauersfrau von der Kinderbe­treuung entlasten, sondern in gleichem Maße die Frauen von Arbeitern, Angestellten und Beamten, um dadurch auch diese Frauen für die Erntehilfe freizumachen.

Zusammen mit ber Erntehilfe wird im Gau Hessen-Nassau auch ber Einsatz für bie Bekämp- fungbes Kartoffelkäfers geregelt. Es muß unter allen Umftänben verhindert werben, baß sich dieser überaus gefährliche Schädling hier festsetzt unb/ seine Millionenschaben verursachende Vernich­tung beginnt. Außer dem bereits angeführten Per­sonenkreis kommen für die Kartoffelkäferbekämpfung unb für bie Erntehilfe auch bie Männer unb Frauen in Frage, bie von ber NSV. unb dem W H W. betreut werben. Eine weitere roir^ kungsvvlle Hilfe werben die Lehrlinge barstellen, bie ebenfalls in gewissen, örtlich näher 'zu bestim­menden Zeiträumen eingesetzt werben können. Dazu foanmt noch ber Einsatz ber Hitler-Jugend, bie in Verbindung mit ihren Fahrten unb Lagern bereits schon in vielen Fällen geholfen hat.

Durch biefe grunblegenbe Anordnung im Gau Hessen-Nassau sind die organisatorischen Voraus­setzungen für einen umfassenden Einsatz bei ber Ein­bringung ber Ernte gegeben. Es ergeht nun an j e b e n V o l k s g e n o^ s e n bie Aufforberung, sich in ben Dienst dieser Sache des ganzen Volkes zu stellen.

Der Zeiger der Llhr.

Von Hans Joachim Müller.

Als er ben Kaffer aus dem Gepäcknetz hob, brückte Dle bas Glas feiner Armbanduhr ein. Es zer­splitterte mit leisem Knirschen, unb er hatte eine Meile zu tun, bie winzig fernen Scherben vom anbrück en zu entfernen, während ber Zug lang- am in den Bahnhof einlief.Seltsam", dachte Ole, -_.£s ist wie ein Vorzeichen. Ob es Gutes ober -Schlechtes bedeuten mag? Heute abenb werde ich es wissen."

lieber ben Straßen und Gassen Lufedsunbs lag >ie Zeitlose Stille ber Kl ein stabt. Ole lief umher, betrachtete die winkligen Häuschen, den breit hin­gelagerten Bau bes Schlosses, und bemühte sich, Anhaltspunkte der Erinnerung zu finden. Vor fünf Jahren war er einmal hier gewesen, aber damals gatte er Jngegert noch nicht gekannt. Nun hatte oer Namen der Stabt einen anderen Klang für ihn bekommen, ben schmer.siich und süß mit ihm ver­bunden blieben Dinge, die er besessen hatte unb verrinnen sah.

Er zu Mittag, von Unruhe erfüllt, und ging :ange vor der verabredeten Zeit an der Post auf ind ab, wo sie sich treffen wollten. Er fei für ein :aaar Stunden auf der Durchreise da, hatte er ge­ragt am Telephon sprach sie wie eine Fremde .mb schien wenig überrascht, daß er gekommen war.

Sie trug ein hellgelbes Kleid und zarte, weitaus- ^eschnittene Schuhe an ben kleinen Füßen. Wie das ine Jahr alles Vertraute aus ihrem Gesicht ge­wischt hatte! Ihr Kinn ist frauenhafter geworden, Machte er. Hast du etwas erlebt, Kleine?

Ich bin übrigens ziemlich eilig", sagte sie.

Er betrachtete sie noch immer, und es erschien gm unwirklich, baß sie ba vor ihm stanb. Wie oft ::atte er sich bas vorgestellt, mein Gott, auf biefe I tötunbe hatte er gewartet, und heute abenb mußte er wieder fahren.

Eilig bist bu?" fragte er.Was hast du denn tor?"

Ich bin zum Tee cingelaben."

Das wird nicht so wichtig fein."

Woher weißt du denn das?"

Du entschuldigst dich eben bei den Leuten." Weil bu hier bist? Bilde dir bloß nichts ein." Ole biß sich auf bie Lippen. Jetzt fing es an, »schlag für Schlag und Wort für Wort, oh, sie tourben sich nichts schenken. Neun Zehntel ihrer r kurzen Zeit hatten sie gestritten bamals unb | tun fiel ihm ein, daß er sich nur an ben kleinen

Rest, an bie wenigen Stunden des Einigseins und des Glückes erinnert hatte in all ber Zwischenzeit.

Dein Brief übrigens", begann sie roieber,ich habe gelacht, weißt bu, gelacht habe ich. Was hast bu dir eigentlich gabei gedacht?"

Sie lief leichtfüßig neben ihm her in ihren schma­len Schuhen, bie Absätze klapperten auf bem Pfla­ster, und sie nahm zwei Schritte, wenn er einen tat. Das mit bem Brief, bas faß: Er wußte nichts zu antworten. Wenn ihr nur fclbft ein bißchen besser zumute wäre. Mit bem Schreiben war es nun auch aus. Aber wie hochmütig war er immer, oh, sie wollte sich rächen.

Ich habe mich gut amüsiert an der See bieses Jahr. Was haben wir getanzt! Und so viel nette Leute waren ba. Wir haben jeden Abend Sekt ge­trunken." #

So großartig habe ich bich natürlich nicht aus­geführt."

Na ja, von dir kann man das nicht verlangen. Du bist ja noch nichts."

,Zch weiß."

Und Rosenkönigin bin ich geworden auf ber Reunion im Grand-Hotel. Von allen Seiten haben sie mich photographiert. Weißt bu, bie Rosen be­kommt man doch von den Herren--"

Natürlich, und du hast eben bie meisten be­kommen."

Die Rosenkönigin ist ihr zu Kopf gestiegen. Sie hat Mut, weil wir uns nahe sind und die Wünsche schweigen. Wenn ich fort bin, wirst du es wieder spüren. Du kannst es noch nicht löschen aus deinem Herzen jetzt noch nicht.

Wenn man bie Stunben am Burby-Aelf vergessen könnte. Jngegert, die süß waren und vergiftet vom Kampf. Warum tun wir uns heute wieder weh?' In einer Stunde geht mein Zug, Jngegert, ach, Jngegert! Denk an ben Burby-Aelf, kleines Mcib- chen, so wie bort wird es nie wieder fein. Heiraten wirst du und Kinder haben und am Bridgetifch sitzen schon laufen unsere Wege auseinander, bie Zeit wird unser Leben fressen benfe an bre Wochen, Jngegert, die uns gehört haben trotz allem!

Weißt bu, mit wem ich heute tanzen werde?" Kind", sagte er müde,ich will es doch nicht wissen. Erzähle ich dir denn, wen ich gekannt habe, seit wir uns trennten, und zu wem ich jetzt fahre?"

Einen Augenblick wechselte sie bie Farbe.

Du kannst es mir ja ruhig sagen. Das schadet boch nichts."

Pause.

Gehst bu eigentlich noch auf die Schule?" Meso?." fragte sie ausweichend.

Nun, ich meine nur. Lange kann es doch nicht mehr bauern, bis zu herauskommst."

Er blickte vorsichtig zur Seite. Treffer, verbuchte er. Was tat sie auch so großartig.

Sie traten in ein kleines Cafe. Jngegert erzählte Neuigkeiten aus Lufebsunb, er rührte mit dem Löf­fel in seinem Eisbecher und nickte und hörte nicht zu.

Seine Augen umfaßten ihre Gestalt. Es ist drei­viertel fünf, um halb sechs geht mein Zug. Ich muß bie Uhr noch aus bem Geschäft abhosen, bie Uhr mit dem zerbrochenen Glas. In zwanzig Minuten wird alles zu Ende fein. Aber jetzt sind wir uns nah: Wenn ich ben Arm ausstrecke, kann ich bich be­rühren!

Rabiomusik klang aus bem Nebenraum.

Rouge hast bu auch aufgelegt. Vor einem Jahr hieltest du es noch nicht für nötig."

Pah! Das bißchen!"

Aber es wirkt ganz nett."

Ich habe es gar nicht nötig, auf dich zu wirken. Ich gefalle ganz anderen Leuten."

Von deiner Einladung sagst bu nichts mehr, Jnge­gert. So eilig ist es nun boch nicht gewesen. Um halb sechs geht mein Zug, nun werbe ich es halb sagen müssen, unb wir werben uns bie Hanb geben. Ob wir uns jemals roieber begegnen? Wie groß unb weit ist bieses Lanb! Weißt bu noch, wie bu gemeint bad), kleines Niädchen? Weißt bu noch ben ersten Kuß? Unb bieses Wiebersehen, umpanzert von Hoch­mut wir wollen so tapfer sein, unb mir finb so töricht!

Den Larsson habe ich auch kennengelernt, den Tenor aus Stockholm. Wir haben wunbervolle Aus­flüge gemacht in feinem Cabillac."

Die erroiberte nichts. Er ergriff noch einmal mit allen Sinnen biefen Augenblick unb bieses Bilb: Marmortischchen, Kleinstabtcafe, Sonne unb Sper­linge auf bem Borbstein branßen, unb vor ihm bie feine Linie vom Hals zur Schulter im Ausschnitt des leichten Kleibes. Nie mürbe er bas vergessen, in hunbert Jahren nicht.

Ich benfe, es wirb Zeit, Jngegert."

So? Ja, richtig. Ich muß ja auch roeg."

Ein Jahr ist es her. ein Herbstmorgen, als mir zum erstenmal Abschieb nahmen.... unb Jahre finb im Augenblick ersetzt, boch tückisch harrt bas Lebewohl zuletzt!" Hast bu bas einmal gelesen? Die .Trilogie ber Leibenschasten*? Ah, wie solltest du

(Er gab ihr leicht bie Hanb unter ber Tür des Cafes.

Leb wohl, Jngegert!"

Mach es gut, Ole. War kolossal nett von bir, bich an mich zu erinnern. Wenn ich mal in deine Gegenb komme, besuche ich dich auch. Bestimmt!"

Id) habe mich nicht einmal nach ihr umgesehen, fiel ihm später, im Zuge, ein. Sicher hat sie sich umgeroanbt nun ist bas alles vorbei. Es wird noch eine Weile schmerzen, bis bie Zeit bie Sehn­sucht heilt.

Ob sie das Armband noch trägt, das ich ihr schenkte? Es mar aus dünnen, goldenen Schuppen- gliebern und schmiegte sich wie eine Schlange um ihr Handgelenk. Ich habe versäumt, darnach zu sehen.

Ole blickte aus bem Zugfenster, ber Abenb stand groß hinter ben Bergen. Vielleicht ist es besser, sie trägt es nicht mehr, bas Schlangenarmbanb, einmal muß alles sein Ende haben. Man sollte auch keine Bilder aufheben, sie sind nur Ballast ber Seele. Wer wirb bie Nächste fein? Das Uhrglas ist mir heute zerbrochen, bie Zeiger liefen weiter. Es war boch ein Zeichen ...

Hier werden Ehen repariert."

Dora Hoile hier werben Ehen repariert", so liest man auf einem Schild an der Tür eines Häuschens in Croybon bei Lonbon. Den bisher unbekannten Bern. hriidug nrroorbene (iben aus- zubeffern, übt eine 65jährige Witwe, die früher An­gestellte beim Gericht des Ortes zum Schutz Minder­jähriger war. Sie will die gewonnenen Erfahrun­gen aud) im Ruhestände in ben Dienst ihrer Mit­menschen stellen, und sie hat sich jetzt schon eine ge­wisse Berühmtheit in ber Gegenb erworben, weil es ihr tatsächlich gelingt, viele Eheleute, bie sich scheiben lassen wollen, 'roieber auszuföhnen. Im Jahre 1938 mürben bei dem Gericht von Croybon 678 Scheibungsklagen eingereidjt. Mrs. Hoile sprach mir jebem einzelnen ber scheibungslustigen Gatten, und sie hatte ben Erfolg, baß nur 27 Ehepaare noch vor dem Richter erschienen und sich scheiben ließen; alle anberen schloffen unter ben gütigen Zureden ber alten Dame Frieben und leben jetzt glücklich zusammen, voll Dank gegen bie Frau, bie sie ver­söhnt hat. Der Erfolg war so groß, baß Mrs. Hoile einen Helfer suchen mußte, den sie in einem men­schenfreundlichen Arzt gefunden hat; sie richtete auch eine Art Filiale in einer Straße in London ein, in der sie zweimal in der Woche Beratungsstunden abhält. Als man sie über ihre Methoden fragte, antwortete sie:Man braucht viel Geduld; man muß die beiden Ehegatten, jeden für sich, ihre Kla­gen Vorbringen lassen und bann versuchen, beide bazu zu bringen, daß sie das bessern, worin sie Un­recht haben. Ich habe im allgemeinen gefunden, daß bie Schuld in einer Ehe, in ber es schlecht gel)tz niemals ganz nur bei ber einen Seite liegt,"