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Hr. 145 Drittes Blatt

Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)

24-/25. Zuni 1939

Aus Der Stadt Gießen.

Wenn der Holunder blüht!

Mr alle kennen das Geschichtchen von der hohen Göttin Freya oder Frau Holle, die über Land ging und überall Menschen, Tiere und Pflanzen auf ihre Klagen belauschte. So kam sie auch an dem jammernden Holunderstrauch vorbei, der vorgab, daß kein Mensch nach ihm schaue und er einer der verachtetsten Büsche sei. Frau Holle versprach ihm, seine vorgebrachten Wünsche zu erfüllen. Seit diesen Zeiten ehrten unsere Altvordern den Strauch sehr und nannten ihn Holunder (aus Holla und tar der Baum) das ist Hollas Baum. Aber nicht das genannte Märchen ist das einzige, das von ihm erzählt. Tausend Sagen und Volksbräuche, die selbst bis in die heidnische Vorzeit zurückgehen, bringen uns Kunde von ihm. Fetzt auf der Höhe des Jahres, steht er wieder in seinem Hochzeitsschmucke, in seiner ganzen Pracht da, die großen, herrlich weißen Dlütendolden in die warme Sommerluft reckend. Wo alles andere Gesträuch im Wachstum versagt, da gedeiht er fröhlich weiter. Gilt es, verfallene Mauern bedecken oder Schutthalden, Feldraine, sonnenlose, öde Großstadthöfe zu beleben, idyllische Waldecken oder Bachränder zu schaffen, überall, wo nür ein bißchen Nahrung für ihn vorhanden ist, siedelt er sich an, wächst und entwickelt sich vor- ttefflich. Weithin auffällig leuchten die stark duf­tenden Blüten und erfüllen die Umwelt mit ihrem Wohlgeruch. Weißen Blüteninseln gleich, schwimmen sie geradezu in dem massigen, dunkelgrünen Blätter- dache. Vergeblich suchen wir jetzt einen Zierstrauch, der einen Wettbewerb mit seiner Schönheit mit unserem Holunder aufnehmen könnte. Alle Men­schen und besonders die Kinder kennen und lieben ihn. Gar manche Spiele werden im Schatten seines Hauses in der grellen Mittagssonne des Sommers ausgetragen. Noch klingt uns Aelteren aus längst vergangener seligen Kinderzeit der alte Vers in den Ohren:

Ringel, ringel, Reihe Sind der Kinder dreie, Sitzen unterm Hollerbusch, Rufen alle: husch, husch, husch!"

Wer von den Buben hat sich noch nicht aus dem Holunderholze eine Flöte oder Knallbüchse geschnitzt? Kleine Mädelchen sitzen zu gerne unter seinem schützenden Blätterdach und flechten Ketten . aus Löwenzahnstielen, schmückend mit Kugeln aus dem weichen Holundermark.

Diel zu wenig noch ist der Holunderstrauch als Heilpflanze bekannt. Nur Kenner wissen seinen hohen Nutzen zu schätzen. Aus seinen duftenden Blüten bereiten sie einen blutreinigenden, beruhi­genden, schweißtreibenden Tee. Husten, Heiserkeit und Katarrhe der Luftwege werden bei seiner An­wendung gelindert. Wer hätte nicht schon einmal den Versuch gemacht, frisch gepflückte Blätter un­seres Holunderstrauches zur Behebung starken Kopf- wehes aufzulegen? Unsere Vorfahren kannten hin­reichend die segnenden Wirkungen dieses Allerwelts­busches. Keine Hausfrau versäumte alljährlich ihre Möbel aus Obstgehölzen mit dem Blättersafte des Holunders abzureiben, um die lästigen Holzwürmer fernzuhalten.

Wir das Gedenken diesesall^rschönsten" unter den Sträuchern, wie Hermapn Löns sagt, nicht ab­schließen, ohne uns in unsere Jugendzeit zurückzu­versetzen. Wie oft sangen wir an den herrlichen Sonntagabenden des Sommers, wenn wir mit der frohen Dorfjugend zum Anger zogen, das einfache und doch so liebliche Dolksliedchen:

Am Holderstrauch, am Holderstrauch, Der blüht so schön im Mai, Da sang ein kleines Vögelein * Ein Lied von Lieb und Treu..." e.

Bornotizen.

Tageskalender für Samstag:

DDA.-Sammeltag mit Platzkonzerten. Gloria- Palast (Seltersweg):Im Kampf gegen den Welt-

3m Kampf

gegen den Weltfeind."

Festvorstellung im Gloria-Palast.

Im überfüllten Gloria-Palast fand gestern abend als Festvorstellung die Gießener Erstaufführung des unter der Leitung von Professor Karl Ritter geschaffenen dokumentarischen Ufa-FilmsIm Kampf gegen den Weltfeind" Deutsche Frei­willige in Spanien statt! Unter den zahlreichen Ehrengästen aus Partei, Staat, Wehrmacht und Behörden befanden sich auch eine Anzahl hie­siger Spanienkämpfer. Daß in der Menge der Zuschauer und Hörer die Luftwaffe besonders stark vertreten war, versteht sich von selbst.

*

Der Krieg in Spanien ist siegreich beendet. Der Bolschewismus hat auf der Pyrenäenhalbinsel eine vernichtende Niederlage erlitten. Nach dem trium­phalen Einzug der in der Legion Eondor zusam­mengefaßten deutschen Freiwilligen vor dem Führer in Berlin, den wir ja alle in Film, Bild und Wort in diesen Tagen miterlebt haben, ist es an der Zeit, in einem zusammenfassenden Tatsachenbericht ein Bild jener jahrelangen erbitterten Kämpfe auf spanischem Boden zu geben, an denen, zusammen mit den Truppen General Francos und den italienischen Freiwilligenverbänden, die deutsche Legion unter dem Befehl von Generalmajor Frei­herr von R i ch t h o f e n hervorragenden Anteil hatte. Dieser Aufgabe dient Professor Ritters Film, der mit seinem Stabe längere Zeit in Spa­nien weilte und auf den wechselnden Kriegsschau­plätzen, vielfach inmitten heftiger Kampfhandlungen an der vordersten Front, die imposante Bilderreihe dieses Films geschaffen hat. An der Kamera stan­den: Heinz Ritter (Professor Ritters Sohn), Eberhard v. d. Heyden, Walter H r i ch und Her­bert Lander. Der von Werner Beumelburg sachlich und sachkundig geschriebene Text wird im ersten Teil von Staatsschauspieler Paul Hart­mann, im zweiten und dritten von Rolf W e r - n i ck e gesprochen. Don Herbert W i n d t stammt die begleitende Musik.

Der Film gliedert sich organisch in drei große Hauptabschnitte. Der erste berichtet, anhand non Karten und Originalaufnahmen, die Vorgeschichte und die Geschichte des spanischen Krieges vom Juli 1936 bis zur Vernichtung der roten katalanischen ' Armee und zur Erreichung der französischen Pyre- inäen-Grenze. Was bisher nur in flüchtigen Aus.

Stadt Gießen zählt fast 48000 Einwohner.

Die Einwohnerzahl des Landes Hessen.

Ergebnisse der Volkszählung vom 17. Mai 1939.

LPD. Nach dem Ergebnis der Dolkszählunb vom

Von den kreisangehörigen

Gemeinden mit 5000

17. Mai 1939 betrug an diesem Tage die Zahl der

und mehr Ortsanwesenden dürften die

Einwohner-

ortsanwesenden Einwohner im

Lande

Hessen ins-

zahlen folgender

Orte interessieren:

gesamt 1469 914 (davon 712 671 männliche und 757 243 weibliche). Es entfallen auf die

Alsfeld Alzey

2 948

4 852

3111

5 014

6 059

9 866

Stadtkreise:

männlich

weiblich

insgesamt

Bensheim

8 054

8 493

16 547

Darmstadt Gießen Mainz Offenbach

54 598

24 388

76 319

39 107

60 928

23 292

82 652

45 056

115 526

47 680

158 971

84 163

Heppenheim Bingen Dieburg

4 423

7 384

3 328

5152

9153

3171

9 575

16 987

6 499

Worms

23 392

26 765

50 157

Butzbach

4 048

2 805

6 853

In unseren o b

erbeff Heben Lan

dkreisen

Friedberg

6 693

5 894

12 587

wurden folgende

Einwohnerzahlen festaestellt:

Bad-Nauheim

5 727

7 254

12 981

Alsfeld

22 399

22 532

44 931

Vilbel

3 027

3 272

6 299

Büdingen

29 970

30 015

59 985

Lauterbach

2 603

3 092

5 695

Friedberg

49 778

50 613

100 391

Groß-Gerau

3 847

3 775

7122

Gießen

33 387

35 404

68 791

Rüsselsheim

8 053

7 621

15 674

Lauterbach

16 526

17 502

34 028

Rege Bautätigkeit im Gießener Aordviertel.

Im Nordviertel unserer Stadt sind gegenwärtig mehrere Bauvorhaben in Angriff genommen wor­den. An der Ecke Walltorstraße/Hitlerwall, in dem tiefgelegenen Garten, wurde dieser Tage mit der Erbauung eines Wohnhauses begonnen. Gleichzeitig wird mit diesem Neubau erreicht werden, daß die Straße einen guten Abschluß findet. Am Ende des Wernerwalls läßt die hiesige Brauerei ein mehr­geschossiges Lagerhaus errichten. In der Ederstraße, nahe der Steinstraße, ist eine Unterstellhalle für Kraftwagen und eine Tankstelle erbaut worden, die in Kürze betriebsfertig werden wird. Für die Er­bauung weiterer Wohnhäuser im Schwarzlachgebiet, und zwar in der verlängerten Ederstraße, werden gegenwärtig Kanal- und Straßenbauarbeiten zur Ausführung gebracht.

Schöne Ebereschenallee Sandweg.

Die umfangreichen Wohnhausbauten im Schwarz­lachgebiet haben neue Straßenzüge erstehen lassen. Eine dieser Straßen, derSandweg", hat nunmehr eine besondere Ausgestaltung erfahren. Die Straße, die in stattlicher Breite angelegt wurde, ist mit Ebereschenbäumen in zwei Reihen bepflanzt worden und läßt schon jetzt erkennen, daß sich eine schöne Allee ergeben wird. Die Straße erscheint besonders reizvoll dadurch, daß sie einen freien Ausblick zwi­schen den Bäumen hindurch zum Gleiberg, zum Vetzberg, zum Dünsberg und zur Höhe des Oberen Hardthofes gewährt. Die Straße stellt einen schönen

Zugang und Abschluß zu den vielen Wohnhäusern in der Schwarzlach, von der Marburger Sttaße her, dar. Die Straße führt bis zum Viadukt an der Ederstraße und hat eine Länge von säst 500 Meter. /

Die Bautätigkeit 1938 in Hessen.

Lpd. lieber die Bautätigkeit im Jahre 1938 ver­öffentlicht das Statistische Reichsamt jetzt das end­gültige Ergebnis. Dabei kann die erfreuliche Feststellung gemacht werden, daß sich auch in die­sem Berichtsjahr der nationalsozialistische Aufbau­wille wieder voll bewährt hat und daß, trotz des erhöhten Arbeits- und Materialeinsatzes an der Westgrenze, ein erheblicher Zuwachs an Wohngebäuden sowie an öffentlichen und an Wirtschaftsgebäuden verzeichnet werden kann, wenn auch das überaus günstige Ergebnis des Vorjahres nicht erreicht wurde.

In Hessen wurden in diesem Zeitraum 1296 öffentliche und Wirtschaftsgebäude und 2690 Wohn­gebäude errichtet. Der Rohzugang an Neubau­wohnungen betrug dadurch 4258 Wohnungen. Un­ter Hinzurechnung von 489 Umbauwohnungen er­höht sich diese Zahl auf 4747. Nach Abzug der ab­gegangenen Wohnungen ergibt sich, daß im Jahre 1938 in Hessen für 4509 Familien brauchbare Woh­nungen geschaffen wurden.

feind". Lichtspielhaus (Bahnhofstraße):Katja, die ungekrönte Kaiserin".

Tageskalender für Sonntag:

DDA.-Sammeltag mit Platzkonzerten. Deut­scher Liedertag: 10.30 bis 12 Uhr Chorsingen auf Straßen und Plätzen. Verein ehemaliger 116er, Gießen: 12.40 Uhr Abfahrt nach Großen-Linden. Gloria-Palast (Settersweg):Im Kampf gegen den Weltfeind". Lichtspielhaus (Bahnhofstraße): Katja, die ungekrönte Kaiserin".

Achtung! Morgen Wiederholungs­übung zum SA.-Wehrsport-Abzeichen.

Die erste Wiederholungsübung für das SA.- Wehrabzeichen für das Jahr 1939 wird im Bereich der Standarte 116 am morgigen Sonntag, 25. Juni, durchgeführt. Jeder Wehrabzeichenträger, der nach dem 30. April 1899 geboren ist, hat teilzunehmen.

Antreten aller nicht der SA. oder einer Gliederung angehörigen Wehrabzeichenträger des Standorts Gießen 7.45 Uhr an der Volkshalle.

Anzug: Uniform oder Marschanzug. Mitzubringen sind: Urkunde, Leistungsbuch, Besitzzeugnis und Sportzeug. Entschuldigungen müssen schriftlich ein­gereicht werden. Nähere Anweisung siehe Mittwoch- Ausgabe dieser Zeitung.

Urlaub für die Gruppen-AuSscheidungs- kämpfe am 1. und 2. Juli in Kassel.

NSG. In einem Aufruf haben Reichsorganisa­tionsleiter Dr. Ley und Reichsminister des Innern Dr. Frick darauf hingewiesen, daß zu den Reichs­wettkämpfen der SA. den hieran beteiligten SA.- Führern und -Männern Urlaub zu gewähren ist, ohne daß diese Männer hierdurch finanziell benach­teiligt werden.

Die zu den Reichswettkämpfen fahrenden SA.» Führer und -Männer aus dem Bereich der SA- @nippe Hessen haben nun am 1. und 2. Juli die hierfür notwendigen Ausscheidungskämpfe in Kassel durchzuführen. Für diese Veranstaltung gilt selbst­verständlich dasselbe wie für Berlin, da die ein­satzfreudigen Männer ihr Können erst in den Vor­entscheidungen für die Reichswettkämpfe in Kassel unter Beweis stellen müssen.

BOA.-Haus- und Straßensammlung.

Aufruf bet' Kreisleitung Dellerau.

Am Samstag, 24. und Sonntag, 25. Juni, findet im ganzen Deutschen Reich eine haus- und Stra- ßenfammlung statt. Träger dieser Sammlung ist der VDA. Da der VDA. heute mehr denn je die Aufgabe hat, die deutsche Volkstumsarbeit im Aus­land durchzuführen, bitte ich die gesamte Bevölke­rung, diese Sammlung auf das beste zu unter­stützen. Backhaus, Kreisleiter.

Kampf gegen die Kinderlähmung.

Alljährlich sucht die Kinderlähmung vornehmlich im Spätsommer ihre Opfer unter der Jugend Deutschlands. Zwar gesundet der weitaus größte Teil der Erkrankten, doch fordert diese Krankheit jährlich auch eine Anzahl von Todesopfern. Eine weitere, nicht unbedeutende Anzahl von Volks- genossen, die von dieser Krankheit betroffen wurden, erleidet gesundheitliche Einbußen durch Lähmung einzelner Körperteile.

Wer diese Krankheit überstanden hat, trägt Schutz st offe gegen sie in seinem Blut. Diese Schutzstoffe seines Blutes werden zum Schutz

Wenn Augen versagen Magnus-Brillen tragen!

von Neuerkrankten gegen die gefürchteten Läh­mungen verwendet. Der von der Kinderlähmung Genesene kann Blutspenden wiederholt in Abständen von einigen Wochen abgeben, ohne selbst d i e gering st e gesundheitliche Einbuße z u erfahren. Im ganzen Reiche wird diese gegen­seitige Hilfe, zu der jeder Deutsche seinem kranken Volksgenossen gegenüber verpflichtet ist, unter ört­licher Leitung der Gesundheitsämter durchgeführt; das gesammelte Mut wird dabei zur Verhütung der Uebertragung anderer Krankheiten vor Abgabe an die Kranken in geeigneten Laboratorien untersucht und aufbereitet.

Kinder und Erwachsene, die die Kinderlähmung in den letzten sechs Jahren überstanden haben, wer­den zu Blutspenden gegen eine Anerkennungs« gebühr von 10 Reichsmark für je 100 Kubikzenti­meter Mut wie in den Vorjahren aufgefordert werden.

Der Bedarf ist allgemein groß, zumal wenn die für den Spätsommer zu erwartende Häufung der Erkrankungen den vorjährigen Umfang erreichen oder übersteigen sollte. Vielen Kranken ist schon in den letzten Jahren durch Genesene geholfen worden; mögen auch diese jetzt wieder bereitwillig dazu bei­tragen, daß durch ihr Blut den neuerdings Er­krankenden geholfen wird!

Tag des deutschen Gastes" verschoben

Wie wir vorn Städtischen Verkehrsamt mitgeteilt erhalten, wird der für den 29. Juli vorgesehene Tag des deutschen Gastes", entsprechend einer An­ordnung des Leiters des Reichsfremdenoerkehrsver- bandes, Staatssekretär Esser, verschoben. Ein neuer Termin liegt noch nicht fest.

schnitten und Teilaufnahmen der Wochenschauen ge­zeigt werden konnte, erscheint hier im Ueberblick und Zusammenhang als eine Bilderchronik der jüngsten Geschichte, als Schilderung eines Kampfes, der wohl fern den deutschen Grenzen auf fremdem Boden ausgetragen, aber gegen den allgemeinen, ganz Europa und feine Kultur bedrohenden Welt­feind geführt wurde und damit nicht nur die Sym­pathien, sondern auch tatkräftige Hilfe und mili­tärischen Einsatz Deutschlands in Spanien forderte. Noch einmal ziehen die Bilder der Zerstörung und Verzweiflung in den von den Roten besetzten und entflammten Provinzen am Beschauer vorüber, der sich hier mit eigenen Augen davon überzeugen muß, worum es geht, und daß dieser Krieg nicht allein eine Angelegenheit des schwer heimgesuchten spa­nischen Volkes sein konnte. Alsbald nach der natio­nalen Erhebung unter General Franco beginnt nach dem Willen des Führers auch der zielbewußte, genau vorbereitete und gründlich organisierte Ein­satz der als Legion Condor zusammengefaßten deut­schen freiwilligen Hilfskräfte. Die Legion hat an allen Brennpunkten des Kampfes gestanden, an allen Schlachten des spanischen Krieges, zu jedem Opfer bereit, hervorragenden Anteil gehabt. Mehr als einmal muß man im Ablauf der Bilderfolge von Gefecht zu Gefecht an ein vor vielen Jahren im Fernen Osten berühmt gewordenes Wort denken, an den Befehl des britischen Admirals Seymour im Boxer-Aufstand:The Germans to the front! Tetuan, Toledo (mit dem Alkazar), Madrid, Bru- nete und Temel sind einige der noch unvergessenen Namen aus dem spanischen Kriege, die hier im Bittre wieder lebendig werden. Besonders eindrucks­voll die Aufnahmen aus der mörderischen Winter­schlacht um Temel.

Die stärkste Anteilnahme des deutschen Beschauers gehört naturgemäß dem zweiten Hauptabschnitt. Er zeigt die deutschen Freiwilligen der Legion Condor während der Kämpfe, vor allem während der großen Schlußoffensive.bei Toledo und der endgültigen Be­freiung Spaniens. Man bekommt ein Bild von der Zusammensetzung der Legion, von der Vorbereitung der Offensive beim Stabe, vom Einsatz der Aufklä­rer, der Luftnachrichtentruppe, der Panzer, der Flak, der leichten und schweren Artillerie. Die Legion ist überall und nirgends; wo es am heißesten hergeht, wo die Kämpfe am erbittertsten toben, wo der na­tionale Angriff stockt oder sich festläuft, wo den Roten ein überraschender Vorstoß oder Einbruch gelingt: überall sind die Deutschen zur Stelle, greifen ein, greifen an, stellen die Schlacht wieder her und erzwingen die Entscheidung. Der dritte Teil dieses zweiten Hauptabschnittes läßt den Beschauer

die ganze Spannung, Dramatik und Vehemenz des Kampfes mit allen Waffen und allen Mitteln pla­stisch und unmittelbar miterleben: ein Bild des modernen Krieges schlechthin, wie er sich darstellt in der Artillerievorbereitung, im Einsatz der Kampf­flieger, im rasenden Tiefangriff der Jäger und Auf­klärer, in den Infanterie- und Panzer-Angriffen, im Einsatz der Sturzbomber und im Einbruch ins feindliche Hinterland. Man erlebt das alles, als ob man selbst daran teilnähme: aus der Kanzel eines Bombers 5000 Meter über den feindlichen Linien, aus der feuernden Artilleriestellung, durch den Seh­schlitz eines angreifenden Panzerwagens, im Stoß­trupp der Flammenwerfer, welche die letzten roten Widerstandsnester ausbrennen. Triumph einer emi­nent entwickelten Technik in der modernen Krieg­führung wie in der modernen Bildberichterstattung, und wenn in diesem Materialkrieg die Tapferkeit und Opferbereitschaft unserer Legionäre über alles Lob erhaben war, so sollen darüber der Schneid und die Energie der Kameraleute nicht vergessen werden, die hier unter Einsatz ihres Lebens ein dokumentarisches Filmwerk schufen, wie man es bisher nicht zu sehen bekam. Es wirkt wie ein Symbol von bezwingender Eindruckskraft, wenn man unter dem Ansturm eines deutschen Tanks eine Mauer zusammensinken sieht, der Hammer und Sichel als Zeichen des roten Weltfeindes aufgemalt waren.

Der dritte TeilNach der Befreiung" schil­dert in bewegten Bildern den Jubel des erlösten Landes, die Siegesparade in Madrid, den Abschied der Legion vom Caudillo in Leon, ihre Ankunft in Hamburg und ihre Begrüßung durch Generalfeld­marschall G ö ri n g, endlich den triumphalen Ein­marsch in Berlin, wo die Freiwilligen vom Führer mit stolzer Freude und Worten höchster Anerken­nung empfangen werden.

Die große Zufchauermenge folgte den Vorgängen mit gespannter Aufmerksamkeit und spürbarer An­teilnahme. Das Musikkorps des Fliegerhorstes Gießen unter Leitung von Musikmeister P f a r r e hatte zu Beginn auf der mit der Reichskriegsflagge geschmückten Bühne Aufftellung genommen und brachte einige Stücke zum Vortrag, die lebhaften Beifall fanden. Im Vorprogramm sah man die reichhaltige neue Wochenschau der Ufa, den DDA.- WerbefilmBruder steht zu Bruder" und einen sehr interessanten KulturfilmDas Wort aus Stein", der die Bauten des Führers (Berlin, München, Chiemsee u. a.) in ihrer Planung und Ausführung darstellt. Hans Thyriot.

Rechtfertigung des Schneiders von Mm

Kreisleitung und Stadtverwaltung von Ulm haben vor längerer Zeit eine Berblinger-Arbeitsge. meinschaft ins Leben gerufen, um einwandfreie Fest­stellungen über Persönlichkeit und Werk desSchnei­ders von Ulm" zu treffen. Der Ulmer Sippenfor­scher Kurz hat nun seine langjährigen Forschungen durch urkundliche Untersuchungen in Wien unö. München ergänzt, der NSFK.-Sturmführer Otto Schwarz hat sie vom flugtechnischen Standpunkt aus ergänzt. Diese Forschungsergebnisse werden jetzt unter dem TitelRechtfertigung eines ver­lachten Erfinders" von der Ulmer Stadtverwaltung zusammengefaßt und herausgegeben. Die Deutsche Versuchsanstalt für Luftfahrt bezeichnet auf Grund der Forschungserbebnisse Berblinger als einen seiner Zeit technisch vorausgeeilten und begabten Menschen, der durch anatomische Studien auf den Flugaedanken gekommen sei. Berblinger war nicht ein halbverrückter Schneider und törichter Phan­tast, sondern ein Mann mit ausgesprochen technischer Begabung, der sich einen Apparat baute, mit dem er das Flugproblem glaubte lösen zu können. Der außerdem persönlichen Mut und Einsatzbereitschaft zeigte. Mit seinem Flugversuch von 1811 darf Berb­linger als erster Gleitflieger der Welt angesprochen werden.

Hochschulnachrichten.

Der bedeutende Kunsthistoriker Professor Dr. Hein­rich Wölfflin beging seinen 7 5. ©eburts» t a g. In Winterthur (Schweiz) als Sohn des Alt­philologen Eduard Wölfflin geboren, studierte er in Basel als Schüler von Jakob Burckhardt und erhielt, nachdem er sich 1888 in München habilitiert hatte, 1893 als Nachfolger Durckhardts die Baseler Professur für Kunstgeschichte. 1901 ging Wölfflin als Nachfolger Herman Grimms nach Berlin, 1912 nach München, wo er eine glänzende und äußerst fruchtbare Lehrtätigkeit entfaltete; das größte Audi­torium genügte kaum, den Andrang der Hörer zu bewältigen. 1924 fiedelte Wölfflin nach Zürich über; 1934 trat er in den Ruhestand. Von Wölfflins Bü­chern, denen die neue Kunstwissenschaft manche grundlegenden Erkenntnisse verdankt, seienDie klassische Kunst",Die Kunst Albrecht Dürers", Italien und das deutsche Formgefühl",Bamber­ger Apokalypse"Jugendwerke des Michelangelo" und dieKunstgeschichtlichen Grundbegriffe" ge­nannt, die auf einen großen Schülerkreis den nach­haltigsten Einfluß ausübten. 1933 wurde Wölfflin als Nachfolger Dehios zum Ritter des Ordens Pour le merite für Wissenschaft und Kunst gewählt.