Ausgabe 
24.6.1939
 
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Auch Siam sollgarantiert" werden

London warlet aus einen Schritt Moskaus

Dr. Li. London, 24. Juni.

Baumwolle gegen (Summt

Kriegswirtschastsabkomrnen zwischen England und USA.

Einflußnahme Englands seinen ursprünglichen Cha­rakter als Bollwerk der Unabhängigkeit der vor­derasiatischen Völker von irgend welchen Gruppie­rungen der Großmächte verlieren würde. Es ist kein Zweifel, daß diese intrigante Politik Englands in der ganzen arabischen Welt große Erregung her­vorgerufen hat. Die ägyptischen Nationalisten haben kaum Sehnsucht, die englische Vormundschaft mit der türkischen zu vertauschen, die sie vor hundert Jahren schon beseitigt hatten, und auch die im ara­bischen Freiheitskampf gegen die Türken noch dem Weltkrieg entstandenen arabischen Reiche werden mit höchstem Mißtrauen Englands Bemühungen verfolgen, der Türkei wieder an der Levanteküste Raum zu verschaffen. Bezeichnend ist, daß gerade m diesen Tagen zwischen SaubM^otien, dem 3rat

der Lebensinteressen und nationalen Wünsche der Nächstbeteiligten verfügt, als ob es belanglose Schachfiguren wären, zeigt sich in der von England eifrig betriebenen türkisch - ägyptischen Annäherung.

Obwohl man in Kairo keinerlei Anlaß hat, eine Bedrohung seiner Westgrenze zu fürchten und ein kürzlicher Besuch des Marschalls B a l b o , des Generalgouverneurs von Libyen, bei den ägyp­tischen Militärs in den freundschaftlichsten Formen verlief fühlt man sich, selbstverständlich unter nach­drücklichen Vorstellungen Englands,schutzbedürftig" und außerstande, gegebenenfalls nach zwei Fronten hin die Grenzen zu verteidigen. Aber auch hierfür weiß man in London Rat, die Türken werden oufgefordert, wieder die Wache am Suezkanal zu beziehen, wohl verstanden die gleichen Türken, die vom Suezkanal fernzuhalten England im Weltkrieg eine ganze Armee aufgeboten hat. Der ägyptische Außenminister ist eben in Ankara, um entsprechende Verhandlungen zu führen, wobei England auch noch seinen ägyptischen Bundesgenossen in den Bund der vier vorderasiatischen Mächte einschmuggeln mochte, den am 8. Juli 1937 die Türkei, Iran, Afghanistan und der Irak im Schloß Saadabad nahe der persischen Hauptstadt Teheran geschlossen Hades uni> der oMrgemäß dM eyie indiretttz

Es verdient festgehalten zu werden und muß gegenüber den Verfälschungsversuchen der englischen und französischen Presse immer wieder ausdrücklich betont werden, daß dieser radikale Kurswechsel in der Außenpolitik der westlichen Demokratien, der trotz wortreicher gegenteiliger Versicherungen ein­deutig von dem Beziehen einer festen Position gegen die autoritären Mächte Zeugnis ablegt, lange 'vor dem Zerfall der Tschecho-Slowakei und der Errichtung des Protektorats Böhmen und Mähren einqeleitet worden war. Nunmehr ging man in Paris und London lediglich im Bewußtsein der Unzulänglichkeit der eigenen Rüstungen gegenüber der zusammengeballten Macht der Achse darauf aus, Bundesgenossen zu suchen und durch die politische Einkreisung der Achsenmächte die eigenen Kriegsoorbereitungen zu ergänzen. Daß in diesem Einkreisungssystem, für das die britische Regierung federführend wurde, die Sowjetunion den Kern bilden müsse, wird vermutlich den englischen Imperialisten wie ihren seltsamenpazifistischen" Freunden sehr bald klar geworden fein. Die Regie- rung und die gemäßigten Kreise der Konservativen, die sich mit Neville Chamberlain und Halifax voran seit München Schritt für Schritt von der groß­zügigen politischen Linie haben abdrängen lassen, auf der sie angetreten waren und auf der das deutsch-britische Flottenabkommen und der Öfter» vertrag mit Italien lagen, hatten sich unter dem Druck der von der Agitation der Kriegshetzer mobil gemachten öffentlichen Meinung den Argumenten der Opposition gefügt und. wie sie nach München in der Verstärkung des Tempos der Aufrüstung und in der Organisation der zivilen Verteidigung den Forderungen der Opposition weitgehend ent­sprochen hatten, so hoben sie sich nach den Marz-Ereig- nissen mit einem Eifer, der den anfeuernden Beifall der Opposition gefunden und sogar dem höchst kritischen Herrn Churchill Worte der Anerkennung entlockt hat, dem politischen Einkreisungsgeschast

ausgeschlossen. Dieser Besuch würde eineminofflMl- len Meinungsaustausch mit den englischen und französischen Vertretern' dienen.

Gott sei Dank, daß es in Asien noch einen unab­hängigen Staat gibt, der garantiert werden kann. Dieser Staat ist Siam, ein Land ^wa so groß wie Deutschland, dber nur von rund 12 Millionen Menschen bewohnt. Es liegt in Hinterindien und grenzt im Westen an das englische Burma, im Osten an das französische Jndochina. Jetzt eben ist in dem vielgenannten Kriegshasen Singapur eine Konferenz englischer und französischer Fetten-, Luft- und Armeeoffiziere zusommengetreten, die sich mit der Dexierfrage beschäftigen, wie sie mit den lächerlich schwachen englischen und französischen Machtmitteln im Fernen Osten gegen Japan aus­trumpfen können. Jeder Mensch weiß, daß von einem Auftrumpfen gar nicht die Rede sein kann, sofern nicht die Vereinigter> Staaten mit- machen, und auch dann ist dieses Auftrumpfen durch die weiten Entfernungen des Stillen Ozeans er­schwert. Nun sindErwägungen" aufgetaucht, ob man denn nicht S i a mgarantieren , d. h^ in die antijapanische Front einreihen tonne. Prompt wird von den französischen Zeitungen die Vermu­tung verbreitet, daß Siam durch einen Geheirnver- trag an Japan gebunden fei. Die Behaup­tung ist das Feigenblatt, die siamesische Regierung zum Gegenbeweis aufzufordern oder einen Vorwand für eine Intervention zu haben, die eineGarantie einleiten könnte. Siam ist in diesem Spiel etwa dieselbe Rolle zugedacht wie den baltischen Staaten in Nordosteuropa.

hingegeben.

Freilich nach dem ersten schnellen Erfolg in Polen mußte man sich mit einseitigen Garantien für Griechenland und Rumänien zu­frieden geben. Die Türkei verlangte für ihre Bundesgenossenschaft einen hohen Preis, den zu bezahlen man in London allerdings Frankreich überließ. Und auch dieses bezahlt mit Werten, die ihm nicht gehören, denn der Sandschak Alexandrette. dessen Abtretung die Türkei als Morgengabe für das Bündnis verlangt und erhalten hat, ist syrischer Mandatsbesitz, und die Syrer, die nach immer auf die Ratifizierung ihres vor Jahr und Tag in Pans geschlossenen Unabhängigkeitsvertrages warten müs­sen, sind wenig erbaut über diesen Verrat, den ihr bisheriger Vormund noch schnell vor Tores­schluß an ihnen begeht. Aber über solche Zwirnsfäden ist die .britische Politik noch niemals gestolpert. Sie scheut nicht einmal davor zurück, den Türken, um sie fester an sich zu binden, auch noch den Aleran- brette benachbarten Sandschak von Aleppo und Oel- Schürfrechte in der nordostsyrischen Provinz El Dschesire zu versprechen. Damit macht sich England zum Schrittmacher der Türken in Gebieten des alten osmanischen Reiches, deren arabische Bewoh­ner einst die britische Propaganda zum Aufstand und Abfall von Konstantinopel ermutigt hat. Das gleiche Phänomen krasser Konjunkturpolitik, die über Räume und Völker mit souveräner Verachtung

Außenminister Lord H a l i f a x hat die Verhand­lungen mit Sowjetrußland wieder in seine Hand ge­nommen." Dieser Satz ist das Leitmotiv der Sams­tagpresse. In einer Unterredung, die der Außen­minister noch in den späten Abendstunden des Frei­tags mit dem Londoner sowjetrussischen Botschafter Maiski gehabt hat, soll Lord Halifax versucht haben, die Frage der Garantien für die baltischen Staaten zu einer Klärung zu bringen. Auch habe ihm, so heißt es, daran gelegen, ein gewisses Mißtrauen des sowjetrussischen Der- Handlungspartners zu zerstreuen. Schließlich habe der Außenminister erneut den englischen Wunsch nach einem schnellen positiven Abschluß der Ver­handlungen zum Ausdruck gebracht. DerDaily Telegraph" glaubt zu wissen, daß dieser Wunsch wahrscheinlich bald in Erfüllung gehen werde, ver- sucht aber gleichzeitig, dem sowjetrussischen Verhand­lungspartner jeden Schuld für die bisherige Ver­zögerung zuzuschreiben. Das Blatt schreibt:Es scheint Tatsache zu sein, daß während der letzten Phase der .Verhandlungen es schwierig gewesen i|t, von den sowjetrussischen Vertretern eine^tlare Er­klärung darüber zu bekommen, was Sowjet- rußland eigentlich will." DerTimes erscheint im Gegensatz zumDaily Telegraph' der augenblickliche Stand der Verhandlungenaus­gesprochen enttäuschend".

Für die nächste Unterredung zwischen Molotow und den beiden Botschaftern der Welt­mächte ist in Moskau noch kein Z e i t p unkt f e ft g e s e tz t worden. London erwartet offensicht­lich nunmehr ein Entgegenkommen von sowjetrussi­scher Seite, nachdem es, wie es behauptet, in feinem letzten Vorschlag den Moskauer Wünschen ent­sprochen habe. Es wäre nicht ausgeschlossen, daß Lord Halifax diese englische Ansicht am Freitag­abend erneut Maiski zu verstehen gegeben hat. Der diplomatische Korrespondent der T i m e s ", der gewöhnlich den Standpunkt des englischen

London, 23. Juni. (Europapreß.) Ein enalisch- nordamerikanisches Abkommen über den A u s - taufchkriegs wichtiger Rohstoffe wurde in London durch Handelsminister Stanley und den nordarneri konischen Botschafter Kennedy un­terzeichnet. 2Iirf Grund dieses Abkommens ver­pflichtet sich die Regierung der Vereinigten Staa­ten von Nordamerika zu Lieferung von 60 000 Tonnen Baumwolle. Das wird etwa die Hälfte der Jahresausfuhr von nordameri« kanifcher Baumwolle nach England sein. Der ae« nauc Preis wird erst später festgesetzt werden. Es wird sich um einen Betrag von etwa 6 Millionen Zfund (rund 72 Millionen Mark) handeln. Als Ge- enleistung wird die englische Regierung den Ver­einigten Staaten Gummi im gleichen Werte, vor­aussichtlich etwa 80 000 Tonnen, liefern. Diese Menge entspricht etwa dem fünften Teil des nor­malen Jahresverbrauches an Gummi in den Der- einigten Staaten. Das Abkommen enthält ferner Bestimmungen zur Vermeidung von Störungen auf dem Weltmarkt und sieht vor, daß die obengenann­ten Vorräte ledigli ch i m Falle eines grö­ßeren Krieges verbraucht werden sollen. Sollte ein Kriegsfall in den nächsten sieben Jahren nicht eintreten, so soll der Verbrauch der Vorräte nach gemeinsamen Beratungen beider Länder ge­regelt werden.

Evening Standard" schreibt, es handele sich um einen sehr unglücklichen Abschluß. Die autoritären Staaten seien zu den Methoden des Tauschhandels zurückgekehrt, weil ihnen die nötigen finanziellen Mittel für den normalen Handel fehlten. England und USA. aber verfügten über ausreichende Mittel, um an den Methoden des normp-

und dem Jemen ein gegenseitiger Hilfeleistungspakt zustande kam, der feine antibritische Spitze nicht verleugnen kann. Vielleicht wird von dieser Seite aus auch England eine Gegenwirkung bei feinem Versuch spüren, den Bund der vorderasiatischen Mächte aus seiner Unabhängigkeit zu locken.

Das gleiche Schicksal droht ja schon dem Bal- k a n b u n d durch die einseitige Bündnispolitik der Türkei. Das empfindet man besonders in Belgrad, da Jugoslawien sich wohl politisch wie wirtschaftlich der Achse genähert hat, freilich ohne bestimmte Bin­dungen einzugehen und die alten Freundschaften mit Frankreich und den Staaten des Balkqnbundes über Bord zu werfen. Aber die einseitige Stellungnahme der Türkei zwingt auch die andern Mitglieder des BalkanbMdes zur Prüfung der Lage. Der rumä«

gerkriegs, die Pazifisten von einft die lautesten Rufer im Streit, die sich mit den Imperialisten rein­sten Wassers vom Schlage der Churchill, Amery und Duft Cooper zu heftigen Anklagen gegen die Schwerfälligkeit und Ideenlosigkeit der Regierung vereinigten, die ihrer Meinung nach durch eine schwächliche Außenpolitik England in eine Situation gebracht hatte, in der es für Englands Regierung fein Entweder-Oder mehr gab. Aus dieser Geistes­verfassung heraus, die aus ideologischer Abneigung, wie bei der Linken, oder aus dem alten macht- polittfchen Argwohn der Vorkriegszeit, wie bei den konservativen Diehards, jedes Paktieren mit den autoritären Mächten ablehnt, wurde in den Reden der Opposition das Abkommen von München, von dem sich feine Urheber und die große Masse ihrer Völker den Beginn einer neuen Fnedensara der Zusammenarbeit zur organischen Neuordnung Eu­ropas versprachen, zu einerNiederlage Chamber­lains" und einerDemütigung Englands gestem­pelt, und auf einen Wink der jüdischen Finanzge- maltigen der City, die sowohl in den Parlaments­kulissen wie im Londoner Zeitungsviertei ein ge- wichtiges Wort mitzusprechen haben, war die Mehr­zahl der großen politischen englischen Blatter vom konseroattvenDaily Telegraph" angefangen dis zum marxistischenDailn Herold" willfährig ge­nug, diese bösartige und verhängnisvolle Lesart dem englischen Volke in den Kopf zu Hammern, was auch erstaunlich rasch und vollkommen gelang. In Frankreich ist die Entwicklung nicht sehr me anders verlausen, nur daß hier die Vorzeichen fast ausschließlich antiitalienisch waren und das Kadi- net Daladier selbst mit dem Ministerpräsidenten an der Spitze die keineswegs im einzelnen formu­lierten Wünsche des faschisttschen Imperiums auf Berücksichtigung feiner Lebensnotwendigkeiten tm Mittelmeer und in Nordafrika mit höchst kategori­scher Geste und in Bausch und Bogen abgelehnt hat, um trotz der zwar von entschlossener Bereit­schaft, aber auch von größter Friedfe^lgkelt zeu­genden Reden des Duce das französische Volk m eine wahre Kriegspsychose zu stürzen und Frank­reichs wirtschaftliche und militärische Aufrüstung aus volle Touren zu bringen. Auch hier das gleiche Bild wie in England: die niederträchtigsten Kriegshetzer und lautesten Schreier stellte die Volksfront, deren kurzes Regime am meisten dazu getan hat, Frank­reichs Kriegswirtschaft zu desorganisieren.

nische Außenminister Gofencu war zu diesem Zwecke soeben in Ankara und Athen. Die Türkei wünscht, offensichtlich um ihre Stellung mnerha b des Balkanbundes zu starken, den Beitritt Bul. qariens, mit dem sie gute Beziehungen unter­hält, und das sie auf diesem Umwege auch dem britischen Einkreisungssystem eingliedern mochte aber in Bulgarien fordern Regierung und Volk mit großer Einmütigkeit die Revision des Fnedensdik. tats von Neuilly auch in territorialer Umsicht wenig, stens so weit, daß R u m ä n i e n btc Suddobrudscha zurückgibt und Griechenland den Bulgaren durch einen Korridor den Zugang zum Aegaischen Meer gewährt. Aber es scheint, daß weder Ru­mänien noch Griechenland der türkischen Fürsprache ein williges Ohr geliehen haben. Dagegen sollen Zwischen Rumänien und der Türkei Verhandlungen gehen die im Sinne der britischen Unterstutzungs- politik für Polen diesem die Zufuhr von Kriegs­material durch die Dardanellen erleichtern sollen. Polen, dessen Großmannssucht nach Erhalt der bri­tischen Blankovollmacht täglich unerträglichere For- men annimmt ist mit Rumänien durch einen Mitt- tärpaft verbunden, der einstmals zum Schutz gegen einen sowjetrussischen Ueberfall gedacht war. Denn in Warscha hatte man nicht vergessen, daß -öu- diennys Reiterscharen 1920 vor den Mauern der Hauptstadt standen, und in Bukarest fühlte man sich bedrückt, daß die Sowjetunion die Einverleibung Bessarabiens durch Rumänien niemals anerkannt hatte.

Es entsteht also jetzt das Kuriosum, daß gerade die Macht neben England und Frankreich zum Schu« Polens und Rumäniens aufgeboten werden soll, deren Absichten beide seit Jahrzehnten auf das stärkste mißtrauen. Trotz all dieser Widerspruche bleibt das ganze Einkreisungssystem Englands ohne den Beitritt der Sowjetunion Stückwerk. Das weitz man in Moskau und erlaubt sich daher eine Brüs­kierung der britischen Unterhändler, wie sie m ber Geschichte der Diplomatie beispiellos ist. Kem Vor­schlag der britischen Regierung findet Gnade vor den Augen der Beherrscher des Kreml, aber Woche für Woche bemüht sich Halifax, neue entgegenkommen, bere Formulierungen auszuarbeiten, und Chamber- Iain muß inzwischen die über die ständigen Stockun­gen schon höchst ungeduldigen Parlamentsabgeord­neten beschwichtigen und mit nichtssagenden Redens, arten auf die nächste Unterredung mit Molotow vertrösten. Beide, Chamberlain wie Halifax, haben längst alle ideologischen Hemmungen fallen gelassen, aber es nützt ihnen nichts, Moskau ist entschlossen, fein Hilfsversprechen nur zum höchsten Preis zu ver» kaufen. In London ist man bemüht, zu vertuschen, daß die Hauptschwierigkeit in den Verhandlungen mit Moskau immer wieder in der Forderung des Kreml nach Uebernahme ganz bestimmter Derpflich- tungen auch für den Fernen O sie n liegt, die England wenn irgend möglich vermeiden mochte, um sich nicht in seinem Verhältnis zu Japan vor eine klare, den Engländern aber keineswegs ange­nehme Entscheidung gestellt zu sehen. So werden Vorschläge und Gegenvorschläge, Verlautbarungen und Dementis wohl noch einige Zeit hin und her- gehen. Die wachsende Nervosität der englischen Oeffentlichkeit zeigt das Britische Reich in seiner ganzen Schwäche als Bittsteller am Kremltor, em wahrhaft kläglicher Anblick für alle, die einst zu dem meerbeherrschenden Albion aufsahen, jetzt aber er» fahren müssen, daß Englands Staatsmänner ihre Stunde nicht erkannt haben und vor ihrer wahrhaft europäischen Aufgabe in die veraltete und unfrucht- bare Dorstellungswelt politischer Intriganten ge­flüchtet sind. Fr. W. L.

Englische Besitzerweiterung in Arabien.

ß onb o n, 24. Juni. (Europapreß.) Die in Deutsch- lanb und Italien veröffentlichten und in England wiederholt dementierten Meldungen über die B e - setzung Shabwas im südarabischen Staate fernen sind in einem Telegramm Mo­hammed Raghibs, des Außenministers des fernen, an denDaily Expreß" bestätigt worden. Die eng- lischen Behörden in Aden behaupten, daß Shabwa ein Teil des Protektorats von Hadramaut ist, wie das in dem zwischen England und der Türkei vor Ausbruch des Weltkrieges im Jahre 1914 ab­geschlossenen Vertrag festgelegt worden war. Nach dem türkischen Rückzug von Arabien besetzte ö e r Imam d e s fernen diese Gebiete und forderte sie für sich.Dieser Anspruch", so heißt es in einer Darstellung des Kolonialministeriums,ist nicht ge­rechter als ein englischer Anspruch auf Galais. Eng­land ist entschlossen, seinen Vertragsrechten Achtung zu verschaffen, und in der Verfolgung dieser Politir besetzte kürzlich eine kleine Truppe des Protektorats Shabwa."

Belgiens Lnabhängigkeitspolitil

Brüssel, 23. Juni. (Europapreß.) Der belgische Kabinettsrat befaßte sich mit einer Entschließung des Senatsausschusses für Auswärtige Angelegen- Heiken, in der es hieß, die Unabhangigkeitspolim gestatte es Belgien aufs neue, General st a o s - besprechungen mit anderen Mächten zu führen. Ministerpräsident und Außenminister Pierlot hatte erst vor kurzem in einer Kammer­rede den Begriff der Unabhängigkeitspolitik dahin ausgelegt, Belgien müsse sich aller Bi n b u n« gen enthalten, die das Land in einen Konstin führen könnten, der feine unmittelbaren gebens* interessen nicht berühre. Weiter hatte sich Pierioi hinsichtlich der Frage, ob eine rnilitäri s H Fühlungnahme mit anderen Ländern ratsam fei, auf seinen Vorgänger Spaak berufen, D*r vor längerer Zeit die Aeußerung gemacht hatte, die Aera der Generalstabsbesprechungen sei M endgültig vorbei. Der Ministerrat hat die durch die Enftchließung des Senats entstandenen Zweifel nunmehr durch eine Verlautbarung besei­tigt, in der es heißt:Die Regierung ist einmütig und fest entschlossen, bei der Außenpolitik zu beharren, die seit 1936 verfolgt wird um) die seitdem ständig die Billigung des Parlaments gefunden hat."

Vor Unterzeichnung des englisch-polnischen Bündnisses. London, 24. Juni. (Europapreh.) Die Unter- Zeichnung des englisch-polnischen Bündnisverträge steht nach Auffassung unterrichteter Streife in ton don nahe bevor. Seit dem Abschluß des vorläufig , Abkommens im März dieses Jahres ist in forttau i senden diplomatischen Verhandlungen zwischen -w > schau und London der endgültige Wortlaut t eigentlichen Bündnispaktes festgelegt worden. D : Verhandlungen sind jetzt abgeschlossen und die eng ? lische Regierung hat Paris von dem Wortlaut & > Paktes in Kenntnis gesetzt. Warschauer Meldung- > über einen für die Nächste Zeit geplanten Besuch

Dr. Li. London, 24. Juni.

Trotz anders lautenden Meldungen aus Singapur behaupteteDaily Expreß", die siamesische Regie­rung habe England und Frankreichoffiziell ge­beten, diesen fernöstlichen Staat gegen leben An­griff zu garantieren. Die Bitte werde m Lon­don und Paris erwogen. Arn Freitagabend hatte es noch in allen aus Singapur eingetroffenen Meldun­gen geheißen, daß die siamesische Regierung wahrend der englisch-französischen Militärgesprache in Singa­pur eindeutig zu erkennen gegeben habe, fic wolle Daß ihr Land unter allen Umständen neutral bleibe. Die Meldung desDaily Expreß" muß aus diesem Grunde um so mehr überraschen, als sie durch Den Zusatz ergänzt wird, daß der in Singapur anme- enbe Beobachter der Regierung von Bangkok tm Auftrage der Regierung England und Frankreich sämtliche Flugzeugstützpunkte des Landes zurDerfügung gestellt habe.

Der Wunsch Englands, Siam in das strategilche Netz des Femen Ostens einzubeziehen, wird in er­ster Linie diktiert von der Ansicht, daß Singa­pur und die Malayenstaaten im Falle fernöstlicher Verwicklungen auf die Dauer unhaltbar sein muß­ten, wenn nicht Siam als Hinter la n d die­ser englischen Schlüsselstellung im Fernen Osten m das Derieidigungssystem eingebaut werden könne.

Was derDaily Expreß" für Siam offen aus­spricht, das deutet derDaily Telegraph für Niederländifch-Jndien an. Er fd>reibt, die Vorgänge der Konferenz von Singapur wurden von den holländischen fernöstlichen Behörden aufi merksam verfolgt. Man spreche davon, em Besuch hoher holländischer Offiziere in Singapur sei nicht

len Handels fest zuhalten. Warum wende jetzt England freiwillig eine Handelsmethode an, die man verurteilt, und zu der sich andere mehr aus Not gewandt hätten?

Hüll macht Ausflüchte.

Washington, 23. Juni. (DND.) Außenmini- ster Hüll war auf der Pressekonferenz sehr betre­ten, als er gefragt wurde, ob dieses Tauschabkommen von Baumwolle gegen Kautschuk nicht feiner traditionellen" Handelsvertrags- Politik klar widerspreche. Hüll erklärte, bei dem Abkommen handele es sich n i cf) t um ein Tauschgeschäft (harter) sondern um eine Auswechselung (exchange). Hüll versuchte dies näher damit zu begründen, daß die Waren­mengen nicht in den Handel gelangen, sondern ausschließlich für den Kriegsfall gestapelt würden. Der Tauschhandel soll sich übrigens neben Kautschuk auch noch auf britisches Zinn be­ziehen.

Im Zeichen der Kriegshetze ist also erlaubt, was sonst eine höchstverabscheuungswürdige Handels- Methode" sein soll. Wenn der notleidende Farmer Fleisch und Baumwolle Deutschland gegen deutsche Waren liefern will, die ihrerseits dem amerikanischen Menschen zugute kommen würden, erhebt sich in Washington ein gewaltiges Geschrei. Auch bei jeder anderen Gelegenheit wettert das Ministerium gegen behördliche Einmischung in private Handelsgeschäfte, aber jetzt nimmt es mit dem Geld des Steuer­zahlers gewaltige, geschäftliche Transaktionen vor.

Außenamtes wiederzugeben pflegt, schreibt, daß zum Abschluß eines Uebereinkommens zwei notwendig seien. In London sei man der Ansicht, daß der nächste Schritt vorwärts von Moskau kommen muß, wenn Sowjetrußland ernstlich be­absichtige, an der Bildung derFriedensfront" teilzunehmen, für die die englische Regierung arbeite.

pariser Entrüstung.

Paris, 23. Juni (Europapreß). Der offiziöse Temps" veröffentlicht einen äußerst scharfen Leit­artikel gegen die Haltung Moskaus. Man könne zwar nicht bestreiten, daß vorn allgemeinen Stand» punkt aus betrachtet die fowjetrussifche Zusammen» arbeit für die Errichtung einerFriäensfront" nützlich sei. Aber es würde ein Irrtum sein, wenn man den Eindruck aufkommen lassen würde, daß die sowjetrussische Zusammenarbeit durchaus un­erläßlich sei und daß ohne Moskau jeder wirkliche Widerstand gegen eine gewaltsame Aenderung un­möglich sei. Es sei zwar möglich, daß die Sowjets die Lage zugunsten des Prestiges ihres revolutio­nären Regimes ausnutzen wollten und daß sie den demokratischen Mächten Bedingungen aufzuzwingen suchten, die nur noch eine sehr vage Beziehung zu den europäischen Interessen hätten, da diese Be­dingungen ausschließlich den sowjetrussischen Inter­essen zugute kommen würden. Dies entspreche nicht den Forderungen der polittschen Wirklichkeit. Die Abneigung der baltischen Staaten gegen jede (Garantie ziehe für die Konzessionen, die man Moskau machen könne, eine Grenze. In Lon­don und in Paris fei man überzeugt, daß die Ver­nunft in Moskau den Sieg über die gegenwärtige Prestige-Politik davontraaen werde, und daß noch Möglichkeiten für den Abschluß eines Paktes be­stünden, der nötigenfalls von anderer Art sein könne als derjenige, über den gegenwärtig ver­handelt werde.