England und LlGA.
Von Dr. Paul Rohrbach.
Zum ersten Male in der Geschichte der Dereirüg- ten Staaten und Englands schütteln sich ein englischer König und ein amerikanischer Präsident im Weißen Hause in Washington die Hand. Fast alles, was die Presse der Heiden Länder seit Wochen zu diesem Ereignis schreibt, berührt irgendwie die Tatsache, daß die gewaltsame Lostrennung der nord- amerikanischen Kolonien vom eigentlichen Mutter- lande vor anderthalb Jahrhunderten heute auf keine Weise mehr ihre Beziehungen beeinflußt. Umso stärker wird, namentlich von der englischen Seite, hervorgehoben, daß zwei Nationen aus derselben angelsächsischen Wurzel sich in der Person ihrer Oberhäupter begegnen. Das gilt wohl für die Sprache, aber keineswegs für das Blut. Nur ein fchwach-es Drittel vom Blut des amerikanischen Volks stammt aus England; ein gutes Viertel ist deutscher, ein Fünftel irischer, d. h. keltischer, und der Rest ist skandinavischer, romanischer^ slawischer, jüdischer und sonstiger nicht- englischer Herkunft.
Es ist auch keineswegs an dem, daß England mit dem Frieden von Versailles vom Jahre 1783, der die 13 Provinzen zwischen dem Atlantischen Ozean und dem Mississippi aus der britischen Untertanenherrschaft entließ, den nunmehrigen Vereinigten Staaten von Amerika lauter Freundschaft erwiesen hätte. 1812 führte es Krieg gegen sie. Englische Truppen verbrannten die Hauptstadt Washington, und wenn auch die Engländer bei New Orleans ein Schlappe erlitten und der Friede von Gens zwei Jahre später die Grenzen unverändert ließ, so war doch eine Hauptabsicht der englischen Kriegführung gelungen: die junge und kräftige amerikanische Seeschiffahrt war so aut wie vom Meere verschwunden, und das hing der Union noch ein halbes Jahrhundert später im Kriege mit den abgefallenen Südstaaten nach.
England hätte nichts lieber gesehen, als daß sich die Südstaaten als „Confederated“ gegenüber den „United“ States behauptet hätten und die große Tochternation jenseits des Wassers so in zwei gegeneinander auszuspielende Gebilde zerfallen wäre. Man braucht nur an die Alabama-Frage zu erinnern. Die „Alabama" war das berühmteste der Kaperschiffe, die von den Konföderierten ausgeschickt wurden, um den Handel der Union zu schädigen. Sie wurde unter den Augen der englischen Behörden in Liverpool ausgerüstet und war mehrere Jahre lang der Schrecken aller Handelsschiffe der Union. Erst im Juni 1864 wurde sie von einem Kriegsschiff der Nordstaaten im Aermel-Kanal vor der Einfahrt in de^i Hafen von Cherbourg gestellt und vernichtet, bevor sie einlaufen konnte. Nach der Niederlage der Südstaaten forderte die Regierung in Washington in drohendem Ton von England Entschädigung für die Handelsverluste, die von der „Alabama" und den übrigen mit englischer Hilfe ausgerüsteten, in englischen Häfen schützend aufgenommenen Kaperschiffen verursacht waren. Der Streit zog sich bis 1871 hin. London rmd Washington einigten sich auf
ein internationales Schiedsgericht, und dieses sprach den Vereinigten Staaten eine Entschädigung von 15 Millionen Dollars zu. Die südlichen „Rebellen" hätten den Krieg auch nicht vier Jahre (1861 bis 1865) durchhalten können, wenn sie nicht unter der Hand von England aus mit Waffen und Kriegsmaterial versorgt worden wären.
Als die Vereinigten Staaten durch den siegreichen Krieg mit Mexiko (1846 bis 1848) m breiter Front den Zugang zum stillen Ozean erlangt hatten, tauchte schon die Frage eines Kanals durch die Landenge von Panama aus. 1850 schloß England, als der damals noch stärkere Teil, mit der Union den nach den beiden Unterhändlern Clayton und Lord Bulwer genannten Vertrag, durch den ihm auf jeden Fall ein Milbe st immungs- reckt für den Fall eines Kanalbaus zugesichert wurde. Dieser Vertrag bestand bis 1901, als Theodore Roosevelt Präsident der Vereinigten Staaten und Wortführer eines kräfttgen, durch den Sieg über Spanien angefeuerten amerikanischen Imperialismus, England aber durch seine lange An- strengung im Burenkrieg ermüdet war. Roosevelt forderte und erhielt von der englischen Regierung den Verzicht auf den Vertrag von 1850, und durch ein neues Abkommen, über das ein Jahr lang verhandelt wurde, den Hay-Pauncefote-Dertrag, wurde den Vereinigten Staaten der alleinige Ausbau und die alleinige militärische Beherrschung des Panamakanals überlassen.
1890 hatte der Präsident Mac Kinley die Wendung Amerikas zu einer verschärften Schutzzoll- P o lit i k vollzogen, die niemanden weniger Freude machte als den Engländern, die bis dahin beinahe konkurrenzlosen Versorger des amerikanischen Marktes mit europäischen Jnduftviewaren sein durften. Mit dem älteren Roosevelt setzte die sogenannte Dollar-Diplomatie ein, die darauf ausging, mit Hilfe des wachsenden amerikanischen Kapitalreichtums die süd- und mittelamerikanischen Staaten in wirtschaftliche und damit auch in politische Abhängigkeit von der Union zu bringen. Das bedeutet ein noch bis heute zu immer größeren Erfolgen gesteigertes Eindringen nord amerikanischen Kapitals in Gebiete, die bisher eine Domäne des enMschen gewesen war.
Im Weltkrieg wurde es den Engländern sehr rasch klar, wieviel für sie darauf an kam, die amerikanische Hilfe, zuerst mit Geld und Kriegsmaterial, dann auch mit Truppen, zu gewinnen. Als der englische Propagandist Nevinson nach dem Kriege Amerika verließ, faßte er sein Urteil in die Worte zusammen: „Nothing impressed me more in the United Staates than the docility of the people!“ — Nichts habe auf ihn in den Vereinigten Staaten einen größeren Eindruck gemacht, als die „Gelehrigkeit" des Volkes! Ein Amerikaner, der Senator Johnson von Kalifornien, hat ihm etwas später mit den Worten sekundiert, die Amerikaner seien das „most gullible people“, das leichtgläubigste Volk der Welt, d. h. ein gegebenes Gefäß für englische und sonstige Propaganda. Ist das nicht dasselbe, was wir fetzt erleben? Und sollte es in der Umgebung König Georgs nicht wiederum erfahrene Leute geben, die mit dem amerikanischen „docility“ rechnen möchten?
Aus aller
Well.
Oer Titel „Ganitätsrat-.
Gemäß der Verordnung des Führers über die Verleihung von Titeln kann für besondere Verdienste und nach mindestens zehnjähriger Bewährung im Beruf Geraten der Titel „Sanitätsrat" und Tierärzten der Titel „V e te r i n ä r r a t" verliehen werden. Wie der Reichsinnenminister durch Erlaß bestimmt, ist bei der Auswahl der durch die Titelverleihung zu ehrenden Aerzte und Tierärzte ein strenger Maßstab anzulegen. Richtunggebend muß dabei fein, daß einwandfreie Berufsausübung von längerer Dauer allein lein' Anlaß für die Titelverleihung sein kann. Die Titel Sanitätsrat und Veterinärrat sollen vielmehr eine Auszeichnung für besondere 23 er bi enfte fein, die durch allzu häufige Verleihung nicht entwertet werden darf. Bei der Vorbereitung der dem Reichsinnenmimster vorzulegen- ■ den Anträge auf Verleihung der Titel ist eine Mitwirkung der zuständigen Aerztekammer bzw. Tierärztekammer vorgesehen. Weiter muß die politische Würdigkeit durch eine bei dem zuständigen Gauleiter der NSDAP, einzuholende Auskunft festgeftellt werden.
Ore Wiesbadener Tagung der Homöopathen.
Die 100. Hauptvers am ml u n g desDeut- schen Zentralvereins Homöopathischer Arzte ist in Wiesbaden beendet worden. Aus den zahlreichen interessanten Referaten, die dabei noch erstattet wurden, seien zunächst die Ausführungen von Dr. Fritz Hartwich - Berlin über die Bedeutung der Homöopathie für die ärztliche Entwicklung erwähnt. Danach ist die Homöopathie kein ausgesprochenes arzneitherapeutisches Prinzip, sondern sie erweitert und vertieft die Auffassung vom Krankheitsgeschehen, fördert die Erkennung und Feststellung eines organischen Krankheitsge- schehens schon in den allerersten Anfängen und zeigt damit den Weg zu einer erfolgreichen Beein- slussung. Es sollte deshalb unter Förderung der allgemeinen Ausbildung des praktischen Arztes beson-- ders auf feine Weiterbildung auch zum homöopathischen Arzt hingewirkt werden. — Professor Dr. W. H e u v k e (Frankfurt a. M.) betonte die zunehmende Bedeutung der diätetischen Vorschriften. Die Wirkung von Obst-, Milch- und Obstsafttagen, also „halben Fasten- tagen", bestehe in der Entlastung von Leber, Niere und Herz durch Arbeitseinsparung für die Eiweiß- verdauung, wobei weiterhin die Zufuhr von Harn- säure bildenden Stoffen vermieden werde. Auch die Fettverdauung werde bei diesen „Schontagen" nicht belastet, den wichtigsten Faktor bilde aber der veränderte Mineralbestandteil. Die Herabsetzung der Salzzufuhr auf den 20. bis 30. Teil der normalen Kost führe zu einer Entwässeruna des Organismus, wobei das wafseraustteibende Kalium mit feiner herzwirksamen Funktion gegenüber dem Nattium im ttebergewicht bleibe. Die Apfeldiät bei Durchfällen vermindere die Fäulnisbakterien und reinige gleichzeitig den Darm mechanisch in einer Weise, wie es kein künstlich eingebrachtes Desinfektionsmittel erreichen könne. Bei „Schontagen" unter gleichzeitigem Einsatz von Herzmitteln könnten Wasser und Salze reichlich ausgeschieden werden, was für die Behandlung von Nieren- und Leberschäden, Infektionskrankheiten, Asthma, Blutdruck-Kranken und Ueberempfindlichen von entscheidender Bedeutung sein könne. Dr. Thiene! (Fürstenfeldbruck) wies auf die bedeutenden Erfolge der Homöopathie in der Tierheilkunde hin. So hat sich das
Schlangengift Lachesis in solchen Fällen oft de- währt, wo andere Mittel versagten. Hochfteoernde Tiere (Geburtsrauschbrand, Blutvergiftungen, Entzündungen) konnten in 24 Stunden geheilt und damit vor Notschlachtungen bewahrt werden. Von 2000 behandelten Rindern konnten 1500 gerettet werden. Eine bisher als unheilbar geltende seuchen- hafte Euterentzündung an Schafen wurde evenfalls homöopathisch behandelt. Von 153 erkrankten Tieren wurden 139 geheilt, 11 Tiere verloren die Euter, wurden aber sonst gesund, und nur drei Tiere gingen ein. Bei einer fieberhaften Erkrankung nach dem Kalben wurden unter Anwendung von Lachesis von 894 Kühen und Stuten 733 gerettet. — Die nächste Tagung des Deutschen Zentralvereins homöopathischer Aerzte findet 1940 in Köln statt.
Oer Braunschweiger Frauenarzt Or. Nolte erneut freigesprochen.
Der leidenschaftliche Streit der Meinungen, der schon seit Jahren um den Fall des Braunschweiger Frauenarztes Dr. Nolte schwebt, hat jetzt einen für den Angeklagten ehrenvollen Abschluß gefunden, nachdem ihn das Landgericht Magdeburg wegen schwerer und gefährlicher Körperverletzung in fünfzehn Fällen zu vier Jahren Zuchthaus verurteilt und ihm die Berufsausübung auf fünf Jahre unter» sagt bat, sprach ihn jetzt die auf Revisionsantrag des Angeklagten vom Reichsgericht mit der erneuten Verhandlung betraute Zweite Potsdamer Strafkammer frei, wie es seinerzeit auch schon das Heimatgericht in Braunschweig getan hat.
Nach der Anklage sollte Dr. Nolte in 18 Fällen ohne zwingende ärztliche Notwendigkeit an Frauen Operationen vorgenommen haben, die sie für alle Zukunft zur Erfüllung ihrer Mutterschaftspflichten untauglich machten. Der Angeklagte bestritt die Berechtigung dieses schwerwiegenden Vorwurfs von Anfang an und blieb bis zum Schluß im jetzigen Verfahren dabei, daß er keine unerlaubten Eingriffe, sondern nur solche Operationen vorgenommen habe, die nach den Vorschriften des Gesetzes erlaubt und nach den Regeln der ärztlichen Kunst erforderlich erschienen, um schwerste Gefahren für bas Leben der behandelten Frauen abzuwenden. Niemals habe er aber gesunde Organe entfernt, sondern immer nur solche, bei denen entzündliche Erkrankungen, Verwachsungen ober sogar völlige Funktionsunfähigkeiten Vorlagen.
Nach achttägiger Verhandlung unter Hinzu- Ziehung von sechs hervorragenden Spezialärzten als Sachverständige hielt die Potsdamer Strafkammer diese Angaben des Angeklagten nicht für widerlegt und gelangte daher zu einem Freispruch. Die Entscheidung wurde u. a. darauf gestützt, daß der Angeklagte seine Operationen nie allein ausgeführt hatte, sondern stets in Gegenwart anderer Aerzte und Schwestern, die ihm assistierten. Alle diese Augenzeugen seiner Operationen bekundeten aber übereinstimmend, daß sie nie irgendwelche verdächtigen Beobachtungen gemacht hätten. Dr. Nolte gehört auch nicht zu den Aerzten, die sich bei den Operationen in Schweigen hüllten Er habe vielmehr sehr häufig die Notwendigkeit der Eingriffe an Hand der erkrankten Organe eingehend demonstriert. Selbst als ein anderer Arzt ihm eine Frau überwies zur Vornahme einer Operation, die zwangsläufig zur Unfruchtbarmachung führen mußte, habe der Angeklagte einen so weitgehenden Eingriff abgelehnt. Nach dem Ergebnis der Beweisaufnahme komme auch nicht eine falsch verstandene Mildherzigkeit oder gar eine Bereicherungsabsicht in Frage, zumal es sich durchweg um minderbemittelte Frauen und Kassenpatienten ge-
Aus den Anfängen der deuffchen LuMffahri.
Ein Rückblick auf das Jahr 1909.
Was bedeuten 30 Jahre im Leben eines Volkes? Wir veraessen so schnell, wie es vor 30 Jahren bei uns aussah, und wenn uns heute eine Zeitung aus dieser Zeit vor Augen kommt, bann können wir kaum glauben, daß die darin geschilderten Zustände nur ein Menschenalter hinter uns liegen. Damals brausten noch keine Luftgeschwader über uns weg, kein Rundfunk übermittelte uns im Bruchteil von Minuten Nachrichten aus fernen Weltteilen, wir hatten noch nicht 8000 Tote durch Autounfälle zu verzeichnen, der Fernsprecher war noch nicht so verbreitet wie heute, kurz das Leben verlief geruhsamer und weniger aufregend. Die Zeppeline hatten ihre ersten Fahrten hinter sich, als 1908 das Unglück von Echterdingen alle Hoffnungen, die man auf des Grafen Idee fetzte, zunichte zu machen schien. Damals aber erfaßte eine Begeisterung alle Kreise unseres Volkes, wie wir sie.kaum für möglich gehalten hatten. In wenigen Tagen wurden sechs Millionen Mark gesammelt, um bas Werk des nicht zu erschütternden Grafen weiterzuführen. Unsere Stadtverwaltung hatte damals mit an erster Stelle einen namhaften Betrag gezeichnet. Die Luftschiffbau-Zeppelin-G.m.b.H. wurde gegründet in der Hoffnung, baß bas Reich größere Aufträge zum Bau von Luftschiffen erteilen würde. Diese letztere Hoffnung hat sich aber nicht erfüllt, und so mußte hier die Selbsthilfe eintreten.
Vor 30 Jahren (am 16. November 1909) wurde ferner in Frankfurt a. M im Hause des Herrn Oberbürgermeisters Adickes, der krank zu Bett lag, die Deutsche-Luftfahrt-Akt. - Ges. (Delag) gegründet. Eine größere Anzahl von Städten schloß sich zusammen, um Aufträge zum Bau von Luftschiffen zu erteilen und von der Luftschiffbau-Zep- pelin-G- m. b. H. den alleinigen Vertrieb und Betrieb solcher Luftschiffe für Personenverkehrszwecke in Deutschland zu übernehmen. Den Luftschiffen aller Systeme sollte die Einrichtung der neuen Gesellschaft zur Verfügung gestellt werben. Man hoffte, ausgedehnte Luftfahrten über das Reich und „dar- überhinaus" ausführen zu können. Der neuzugründende Luftschiffhafen sollte so gewählt werden, daß er von Friedrichshafen leicht in einem Tag zu erreichen sei, und man war schon damals überzeugt, daß Frankfurt diesen Voraussetzungen am besten entsprechen würde, weshalb man dort den Standort und Mittelpunkt für die Luftschiffe zu errichten gedachte.
Man war vor 30 Jahren, noch recht bescheiden. Man wollte, wie es in dem Prospekt lautete: Luftfahrten rhein auf- und »abwärts, um den Taunus und Odenwald, in die Täler des Hunsrück, über die zahlreichen Kurorte unternehmen und hoffte dabei, daß diese Fahrten auf.die sportliebende Menschheit und ein internationales Reisepublikum außerordentlichen Reiz ausüben würde. Man sah auch Zielfahrten nach anderen Städten, bei denen man Ankerplätze errichten wollte, vor, z. B. Köln, Düsseldorf, Mannheim, Karlsruhe, Baden-Baden, Stuttgart und Nürnberg, und wollte von diesen Plätzen aus rojeber Rundfahrten unternehmen. Von den «ritten der Technik erwartete man, daß man azu übergehen könnte, auch in anderen Städten Hallen zu erbauen, so daß man z. B. von München aus Fahrten nach den bayerischen Seen und Gebirgen unternehmen könnte. Später wollte man bann die Fahrten über Leipzig nach Berlin und die Ost- und Nordseebäder ausoehnen. Die Stadt Frankfurt stellte im Westen der Stadt ein größeres Gelände zur Verfügung, auf dem eine größere Luftschi ffhalle errichtet wurde. Der Zepvelin-Lustschiff- bau sollte bis Mitte 1910 zwei Luftschiffe liefern, die bei einer Geschwindigkeit von 13 bis 14 Meter in der Sekunde, das sind 80 bis 90 Stundenkilometer, mindestens 20 Fahrgäste aufnehmen sollten.
Am 27. Oktober 1912 hatten wir hier in Gie -
feen die Freude, das Luftschiff „Viktoria ßuifea auf dem Trieb begrüßen zu können, und viele werden sich noch mit Begeisterung an diesen Tag erinnern.
Da kam der Krieg und bas Versailler Diktat und hat alle Hoffnungen vernichtet. Die noch vorhandenen Luftschiffe mußten an die Feindstaaten ausge« liefert und alles, was mit Luftfahrt zu tun hatte, zertrümmert werden. In den Jahren nach dem Kriege haben die Flugzeuge den innerdeutschen Verkehr übernommen, die Zeppelin-Luftschiffe sind über diesen Verkehr hinausgewachsen, sie sind aus einem Kriegswerkzeug zu einem völkerverbindenden Friedenswerkzeug geworden, das ungeahnte Verbindungen zwischen den Völkern und Kontinenten schaffen könnte, wenn —ja wenn die Völker statt sich an Kriegsrüstungen zu überbieten, sich dem friedlichen Weltverkehr widmen wollten.
Als im April 1913 ein Zeppelinlustschiff sich verflogen hatte und auf französischem Boden bei Luneville eine Notlandung vornehmen mußte, da geriet der französische Chauvinismus in Weißglut. Das Luftschiff wurde zurückgehalten, weil man ihm Spionageabsichten vorwaks, militärische und technische Kommissionen kamen von Paris, um bas Luftschiff zu untersuchen, Materialproben zu nehmen, alle Einzelheiten zu photographieren. Schließlich mußte es freigegeben werden, da man sich überzeugt hatte, daß es nicht französischen Boden überflogen hatte, um militärische Objekte zu photographieren. In einer Unterredung, die der Schreiber dieser Zeilen damals mit Dr. Eckener hatte, wobei er diesem erklärte, daß es doch außerordentlich peinlich wäre, daß die Franzosen das Luftschiff so eingehend untersuchen konnten, erwiderte Dr, Eckener in der ihm eigenen überlegenen Ruhe: „Die Franzosen können Materialproben nehmen, photographieren und zeichnen soviel sie wollen, sie körn nen wohl auch ein solches Schiff bauen, aber führen werden sie es nicht können, auch anderctt Völkern wird es so ergehen." Diese Auffassung er» schien damals etwas hochtrabend, Dr. Eckener Hai aber doch Recht behalten. Die Zeppelin-Luftschiffe, die auf Grund des Versailler Vertrages an unsere Feinde ausgeliefert werden mußten, haben alle nur eine sehr kurze Lebensdauer gehabt, ja von einigen weiß man gar nicht, auf welche Weife und wo sie verunglückt sind
Eine Reihe von Staaten hat Luftschiffe nach dem starren System erbaut, kein Staat ist aber in der Lage gewesen, auch nur eine Verkehrslinie zu eröffnen. Als die Engländer eine Linie London—Indien einrichten wollten, ist der erste Versuch schon ein Fehlschlag gewesen; „R 101" ist auf belgischem Boden bei seiner ersten Fahrt verunglückt. Gewiß, auch wir haben Unfälle zu verzeichnen gehabt, aber nie den Mut aufgegeben, sondern aus diesen Unfällen gelernt. Wenn die Zeppelinluftschiffe für den Kriegsfall auch nicht mehr zur Verwendung kommen, da sie den Flugzeugen und der Abwehr von der Erde aus nicht mehr gewachsen sind, so könnten sie dem friedlichen Weltverkehr und der Wisscnschatt unendliche Dienste leisten. Es gibt kaum ein Land — mit Ausnahme Australiens — das nicht einmal von einem Zeppelinluftschiff überflogen worden wäre, es fei nur an die vielen Flüge nack Nott- und Südamerika, an den Weltfluq nach Asien und Amerika und an die wissenschaftliche Arktisfahtt vom Jahre 1931 erinnert.
Vielleicht kommt doch noch einmal die Zeit, in der die Vernunft siegt und die Zeppeline das verwirklichen, was man vor 30 Jahren so bescheiden erhoffte — eine Verbindung zwischen den Völkern der Erde zu schaffen und der Wissenschaft in der Erforschung noch unbekannter Teile des Erdballs zu dienen. L. O.
handelt habe. Endlich konnte auch die Erklärung nicht widerlegt werden, die der Angeklagte für feine auf den ersten Blick belastenden Eintragungen in den Krankenbüchern gegeben hat.
Gchiffsunglück in Spanien fordert 59 Todesopfer.
Burgos, 24. ffiai. (DKB.) Bor Sanlandcr ereignete sich ein furchtbares Schlffsunglück, bei dem insgesamt 59 Seeleute umfamen. — 3n der Nahe der Hafeneinfahrt wurde ein Fischerboot mit 49 Alaun Besatzung von einem heftigen Sturm überrascht und kenterte. Der Vorgang war von der Hafenwache gesehen worden, und sofort lief ein Rettungsboot mit 10 Alaun Besatzung aus. In dem hohen Seegang konnte sich dieses jedoch nicht behaupten und ging ebenfalls unter. Die Besatzungen beider Schiffe sind ertrunken.
Autounfall der Königin-Alutter von England.
Die Königin-Mutter Mary wurde in London das Opfer eines Autounfalles. Ihr Wagen überschlug sich nach dem Zusammenstoß mit einem Lastwagen an einer Straßenkreuzung in einem Londoner Vorort. Mit Hilfe von Passanten konnte die Königin-Mutter aus dem Wagen befreit werden und nach einer kurzen Erholung im Hause des nächsten Arztes die Rückfahrt nach London antreten. Die Königin-Mutter hat, einem ärztlichen Corn- muniquö zufolge, erhebliche Quetschungen davongetragen, so daß man ihr einige Tage völlige Ruhe verordnet hat. Der allgemeine Zustand ist jedoch zufriedenstellend.
Fünf Todesopfer eines Schiffsunglücks.
In hem gefährlichen Fahrwasser um die Färöer Inseln ereignete sich ein Schiffsunglück, bei dem von den 6 Mann der Besatzung eines dänischen Sandbaggers fünf ums Leben kamen.
Amerikanisches U-Boot gesunken.
Nach einer Tauchübung ist das amerikanische Unterseeboot ,,Squalus" in der Nähe von Portsmouth vor der Küste von New Hampshire g e - fünfen und liegt in über 70 Me er Tiefe hilflos auf dem Meeresgrund. 62 Mann Besatzung befinden sich an Bord. Nachdem das gesunkene U-Boot durch ein rotes Rauchbombensignal angezeigt hatte, daß es sich in Schwierigkeiten befände, eilten mehrere Hilfsschiffe, darunter das U-Boot-5,ebeschiff „Fal- con", zur Unfallstelle. Auch acht Taucher sind unterwegs. Endlich gelang es dem Unterfeeboot „Scul- pin", eine Telephonoerbindung mit dem verunglückten „Squalus" herzustellen. Die Besatzung des gesunkenen Schiffes teilte mit, daß während der Tauchübung ein Ventil nicht geschlossen mar und so Wasser in die Mannschaftsräume und den Maschinenraum eingedrungen fei. Das U-Boo: „Squalus" ist erst im vergangenen September vom Stapel gelaufen. Außer der Besatzung befinden sich vier Werftbeamte und ein Schiffsbauvertreter an Bord.
Inzwischen hat auch der Kreuzer „Brooklyn" Befehl erhalten, sich zur Unfallstelle zu begeben. Die „Squalus" ist mit den neuesten Sicheryeitsvorriih- tungen ausgerüstet und soll nach Ansicht der Sachverständigen mindestens 24 Stunden unter Wasser sich aufhalten können. Unter den Offizieren des gesunkenen U-Bootes befindet sich auch der bekannte Leichtathlet Josef Petterson, der bei der Berliner Olympiade Vierter im 400-Meter-Hürdenlaufen wurde. — Bel den beiden letzten amerikanischen U-Boot-Katgstrophen, die sich 1925 und 1927 abspielten, kamen insgesamt 73 Menschen ums Leben.
Vier Tote beim Absturz eines englischen Bombers.
Die englische Luftwaffe erlitt einen schweren Un- gl ü ck s f a l l. Ein Bomber des Standortes Manion stürzte in der Nähe von Newark ab. Don den vier Insassen wurden drei auf der Stelle getötet, während der vierte mit schweren Verletzungen ins Krankenhaus gebracht wurde. Der Apparat ist zerstört. Der Schwerverletzte ist bald darauf ebenfalls verstorben.
Wissenschaft um den blauen Dunst.
In Bremen starb Dr. Richard Kißling im Alter von 88 Jahren. Er hat als Begründer der modernen Tabakchemie Weltruf erlangt. 1881 gelang es ihm, eine quantitative Bestimmungsmethode für das Nikotin im Tabak, 1882 für das Nikotin im Tabakrauch auszuarbeiten. Später baute er ein 93er« fahren auf, durch das der Nikotingehalt im Tabak herabgesetzt werden kann. Seinen Namen machte vor allem fein Handbuch der Tabakkunde, des Tabakbaues und der Taoakfabrlkatlon bekannt. Kißling gehörte auch zu den Gründern der 1938 ins Leben gerufenen Tabakwissenfchaftlichen Gesellschaft.
Ein Rehbock durchschwimmt zweimal den Rhein.
In der Höhe von Kaub bot sich am Rheinufer ein seltenes Schauspiel. Ein stattlicher Sechserbock sprang, wahrscheinlich von wildernden Hunden gehetzt, in die hochgehenden Fluten und durchquerte den Rhein bis nach Kaub. Als er bann auf dem Wege in das Städtchen war, wurde er von Straßen- Passanten erschreckt, wendete zurück zum Rheinufer und stürzte sich erneut in die Fluten, um zum zweiten Male den an dieser Stelle sehr breiten Strom zu überqueren und dann drüben in den Waldungen zu verschwinden
Heuschreckenplage in Bulgarien.
Südbulgarien wird seit mehreren Tagen von stak' ken Heuschreckenschwärmen henngesucht, die bereits große Flächen fruchtbaren Garten- un& Ackerlandes verwüstet haben. Zur Leitung der kämpfunq der Plagegeister, die in großen dunklen Molken das Land überfallen, hat sich Landwirtschaftsminister Bagrlanow selbst in das Koto- strophengebiet begeben. Den Bauern ist Militär zur Hilfe geeilt. Die Bauern erhielten eine so unvermutete wie wirksame Hilfe durch die Störche, die em willkommenes Fressen fanden. Es sind bereits über 3000 dieser klugen Vögel im Kataftrophengebiet, die von weither angelockt wurden.


