m. 119 Zweites Blatt
Gießener Anzeiger (Genrral-Anzetger für Oberheflen)
Vergangenheit
Sippenpflege.
Eine Aufgabe der Frau.
»er „Entrümpelung" besonders wichtig. Unsere Gegenwart wird einmal Ve
ein. Dorum sollte die Frau stets daran denken, in Familienbuch zu führen, in dem sie alle er- nnernswe.rten Ereignisse in der Familie und Verwandtschaft aufzeichnet; vielleicht auch das, was sie slbst von Eltern oder Großeltern weiß oder von llteren Angehörigen kennt. Dies ist ein guter Zrauch, der in unserer schnellebigen Zeit wieder zu Ehren kommen sollte. Wir können außerdem »och Lichtbilder sammeln, ordnen oder beschreiben.
Die Frau, die durch ihre Che aus der Familie hrer Eltern in die Familie ihres Mannes einge- reten ist, ist das natürliche Bindeglied zwischen ien Geschlechtern, deren Blut sich durch ihre Mutter- chast in ihren Kindern vereinigt hat. Darum ist ts auch ihre naturgegebene Aufgabe, das Wissen von den Vorfahren an ihre Kinder weiterzugeben.
Mutter behüten, die Gesundheit.
An sich braucht noch keiner blutarm zu sein, toenn er eine bleiche Gesichtsfarbe hat. Die Zahl ier Blutveränderungen und Blutkrankheiten ist so mannigfaltig, daß nur ein Arzt entscheiden kann, °b etwas vorliegt. Die Aerzte lassen sich auch nie von dem Aussehen leiten; sie untersuchen den ganzen Menschen. Und die moderne ärztliche Wissenschaft hat sehr genaue Verfahren ausgearbeitet, um Gus dem sogenannten Blutbild ziemlich einwandfreie Schlüsse ziehen zu können.
Uebrigens wird in der letzten Zeit die sogenannte Bleichsucht der jungen Mädchen immer seltener. Cie beginnt gewöhlich in den Entwicklungsjahren ; md hängt mit dem Zustand der Keimdrüsen zu- ifcmmen. Die Gesichtshaut zeigt eine hochgradige Aässe mit einem Stich ins grünliche. Der bleich- sicchtiqe Mensch ist schnell ermüdet und zu korper- lichen Anstrengungen unfähig. Ohnmächten, Ohren- foufen und Flimmern vor den Augen gehören zum Krankheitsbild. Vielfach sind die Mädchen von kräftigem Körperbau und reichlich ernährt. Die Aerzte verschreiben an erster Stelle bestimmte Elsenprapa- rate, die nach den strengen Vorschriften des deutschen Arzneibuches in den Apotheken zu bekommen litt). Oft wird dem Körper auch Arsen zugesuhrt. lor allem aber achten die Aerzte auf eine zweck- iräßige Krankenkost, die leicht verdaulich sein und viel Eiweiß enthalten muß.
Viel bekannter als der Wacholüerbaum oder der Wacholderstrauch sind tue Frucht dieses Bau- 1125 oder die aus ihm hergestellten Produkte^ Man kmnt Wacholderbeeren, Wacholderextrakt, Wach - dcrmus, Wacholdersast, Wacholderspiritus Aus Wacholderbeeren gewinnt man harntreibende L.ees^ !>i; nach bestimmten Vorschriften des 2lrznelbuchs hcraeftellt werden. Deshalb ist es gut, die verschieden Produkte aus Wacholderbeeren oder anderen Produkten der Pflanze auch da zu kaufen, wo sie ned) den Vorschriften des ^neibuches hergestellt 'lid. Es sind nämlich auch im H°u^rhandel Wachol- )erbßeren zu bekommen. Man sollte M) ßubinö- gewöhnen, Dinge, die für die menschllche Gesundheit gut sein sollen, nicht bei herumreisenden Hau lurern zu kaufen. *
Die Zeiten sind vorbei, in denen man eirum fcimpf um den Heilwert de s W a s se r s f h rei mußte. Für unsere Aerzte rst das Wasser m irinen verschiedenen Derwendungsformen ern
NSG. Oft hört man die irrige Ansicht, Sippen- forsthung ser nichts anderes als eine Anhäufung trockener statistischer Zahlen, vor allem erheben Frauen den Einwand ihnen liege das nicht. Leider or? maü Dle,!a$ bie falsche Vorstellung vom „Ahnennachweis , den viele nur für den vorschriftsmäßig durchgefuhrten Nachweis der arischen Abstammung ansehen. Aber das Geheimnis der Ver- gangenheit zu ergründen und daraus Lehren für tue Gegenwart und Zukunft zu ziehen, das ist der eigentliche Sinn der Sippenkunde. Die Frau, der das klar geworden ist, weiß genau, welche Aufgaben ihr hier zufallen.
Sache des Mannes ist, „zu wirken und zu stre- den So mag auch die aktive Sippenforschung ihm überlassen bleiben oder sogar den Kindern, die in der Schule an diese Frage herangeführt werden. Der Frau aber fällt die große, verantwortungsvolle Aufgabe zu, was die Kunde von' der Sippe bringt, in der Familie in bewußte Tat umzusetzen. Eine Mutter, die es versteht, chren Kindern in vielen kleinen Erzählungen und Hinweisen einen Schatz lebendiger und beispielgebender Erinnerungen an ihre Ahnen mitzugeben, hat damit für den Sippegedanken mehr getan als hundert Forscher aus Urkunden herauslesen können.
Die Mutter soll ihre Kinder nicht nur „lehren", sondern ihnen aud) „wehren". Diejenige Frau, der die Sippenkunde mehr ist als einige Jahreszahlen, kennt die Vorfahren ihrer Kinder, weiß um die Vorzüge und Fehler der Verstorbenen, sieht aus Ahnen- und Sippschaftstafel, welche guten und schlechten Anlagen vielleicht noch im Verborgenen in ihren Kindern wirksam sind. Sie kann bewußt und rechtzeitig durch chre Erziehung manchen Charakterfehler, manche Veranlagung zügeln und zum Guten lenken. Wenn wir auch wissen, daß wir unser ganzes Wesen aus dem Blute unserer Vorfahren erhalten haben, so sind wir doch von jedem „Fatalismus des Blutes" weit entfernt und können abschätzen, was eine richtige Erziehung auszu- richten vermag. Noä) beglückender ist es für eine Mutter, wenn sie in ihren Kindern die Vorzüge und Fähigkeiten wiedererkennt und diese guten Anlagen nun durch ihre zielbewußte Führung fördern kann.
Auch ihren „ordnenden Sinn" kann die Frau in den Dienst der Sache stellen. Wer weiß besser als sie darum Bescheid, was das Haus alles in sich birgt und wo? Sie wird zu allererst berufen fein, die Aufzeichnungen, Urkunden und Briefe hereinzu- holen, mit deren Sichtung aud) oft unscheinbare Erbstücke aus dem Besitz der Vorfahren aufbewahren, Bilder und Andenken sammeln, in alten Briesen das Wichtige vom Unwichtigen trennen und iberhaupt darauf achten, daß nichts verlorengeht, was verdient, den kommenden Geschlechtern er- )alten zu bleiben. Das ist gerade heute in der Zeit
Aus dem Reiche der Frau.
Zolles Heilmittel. Wasserkuren und feuchte Umschläge werden tagtäglich von unseren Aerzten verordnet, obwohl der Pfarrer Kneipp und der Bauer Vinzenz Prießnitz schließlich keine Aerzte waren. Um einen Prießnitzumschlag zu machen, verfahrt man folgendermaßen: Ein Handtuch ober cm möglichst grobes Leinentuch wird einige Minu- ten in kühles bis kaltes Wasser getaucht. Dann druckt man es gut aus und wickelt es schnell um den Körperteil, auf den es ankommt. Um das feuchte Xud) tut man ein Woll- oben Flanelltuch und steckt es mit Sicherheitsnadeln fest. Den Wickel läßt man liegen, bis er trocken ist. Gewöhnlid) dauert es Mei Stunden. Auf keinen Fall aber darf der Pa- tlent ins Frieren kommen. Nimmt man den Um- Ichkag ab, dann wird die Haut, wenn sie heiß geworden ist, feucht abgerieben. Sonst genügt es,'sie völlig trocken zu reiben. Bei Kopfschmerzen, Halsentzündung, bei nervöser Schlaflosigkeit und bei den verschiedensten fieberhaften Erkrankungen wendet man den Prießnitzumschlag an. Es gibt Hand-, Unterarm-, Oberarm-, Schulter-, Fuß-, Unterschenkel-, Bein-, Hüft-, Hals-, Brust-, Bauch-, Kreuz-, Rumpf- und Ganzwickel. Man bekommt die verschiedensten Arten in den Apotheken.
PRAKTISCHE VORSCHLÄGE
Eine alte Dolksweisheit sagt, daß Dicke nicht alt werden. Darin steckt Erfahrung, und es entspricht dem Sprichwort, daß ein jegliches Uebermaß ungesund sei. Auch bei der Ernährung. Denn dick sein ist meist soviel wie überreichlich ernährt sein. Durch überreichliche Ernährung wird das Herz Überbelastet. Namentlid) kann im mittleren und späteren Lebensalter jedes Pfund Uebergewicht verkürzend auf das Leben wirken. Es gibt darüber eine Statistik, die sich auf 70 000 Menschen bezieht und 24 Jahre lang durchgeführt wurde.
Von besonderem Wert ist die Erkenntms des Verhältnisses von Gewicht und Gesundheit für die werdende Mutter. In der letzten Hälfte der Schwangerschaft ist jedes Uebermaß und auch das an Ernährung zu vermeiden. Ueberbelaftung der Verdauungsorgane, Verdauungsstörungen können für das Kind schädlich sein. Auch ist es töricht, anzunehmen, daß Kinder, die so dick wie Posaunenengel zur Welt kommen und bei der Geburt 9 bis 10 Pfund wiegen, besonders lebensstark sind. Ueber- mäßige Nahrungszufuhr, insbesondere übermäßig viel Flüssigkeit, z. B. auch Suppen, mit denen man nur den Magen betrügt, führen zu einer unerwünschten Gewichtszunahme des Kindes und damit zu einer schweren Geburt. H. S.
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Für Öen Sommersport zeigen wir heute zwei praktische Hosenrockkleider aus weißem Pikee.
Das ärmellose Kleid links mit dem viereckigen Ausschnitt und den großen Perlmutter» knopfen am Blusenteil ist aus Waffelpikee. Für den Weg zum Sportplatz wird zu ihm ein Bolerojäckchen aus dem gleichen Material getragen. Das Jäckchen hat senkrecht gestellte Taschen, wie sie auch den beiden Falten des Rockes eingearbeitet sind. Gürtel: rotes Lackleder.
Aus diagonalgeripptem Pikee ist das Kleid redjts mit dem übergeknöpftem Rockteil. Das rückenfreie Blusenteil wird durch einen hinten geknöpften, schmalen Rollkragen gehalten; die schrägen Taschen sind eingeschlitzt, die Kniffe im Rockteil als Biesen abgesteppt. Die Knöpfe sind wie die am Jäckchen (mit dem Raglanärmeln) aus Stoff. Ausputz: ein großes Monogramm und ein Taschentuch in gleicher Farbe. H.
praktische Winke.
Für die Kleidung: Zum Waschen werden Spitzen in nicht zu langen Stücken um eine Flasche gewickelt, wobei man breite Muster doppelt legt. Sie werden mit Nähgarn der gleichen Farbe umwickelt; dann wird die Flasche, die man am Halse hält, so lange in handwarmer, nicht scharfer Seifenlauge geschwenkt, bis Staub und Schmutz sich gelöst haben? Wünscht man Appretur, zieht man die gespülte und ausgedrückte Spitze durch leichtes Gelatinewasser. Mit sauberem Tuch wird vorgetrocknet und bann die Spitze von der Flasche auf ein Bügelbrett leicht gespannt aufgeheftet. Zuerst wird sie unter einem Tuch gebügelt und zuletzt ohne Tuch damit man die Musterung und die Kante richtig herausbringt, vollkommen trocken geplättet. — Helle Filzhüte werden mit einem Brei aus Magnesia und Benzin gereinigt, den man mit einem Pinsel aufträgt, Wenn das Pulver trocken ist wird es abgeklopft und der Hut abgebürstet. — Die Griffigkeit der ©eiben ft rümpfe bleibt erhalten, wenn man sie zum Waschen zunächst in Borarlösung einweicht (50 Gramm Borax auf einen Eimer Wasser). Man läßt sie etwa zwei Stunben weichen unb wäscht sie bann in leichter Seifenlösung ahne starkes Reiben durch. Nicht _aus- mrinnen sondern nur ausdrücken und an der i'sUß- Atze au'fhangen. — Schweißflecke aus Blusen beseitigt man durch Abreiben mit einer MlAung von Salmiakgeist, Spiritus und Aether. Auch ein Watiien in Mer Abkochung von Panamaspanen Ä nickt ZU schlimmen Fällen.
ür den - Untere K°rb-
’Ä „ r reinigen mir mit einer Bürste, Seifen. Mnh „nb bei6pm Wasser, Mit klarem, kalten Wasser nodmefov»- Diese Behandlung ziemt aber nur "ellen ungetarbt-n Möbeln. Farbiges ober lackier-
tes Rohrgeflecht darf nur mit weicher, in Kalt- wasser getauchter Bürste behandelt unb sollte mit Tüchern leicht getrocknet werben, während die Möbel aus Rohrgeflecht an der Luft trocknen. — Sehr gute Putztücher kann man durch Uebereinanöerfteppen mehrerer Beinlängen sonst nicht mehr verwendbarer Strümpfe Herstellen. — Dielenritzen, in denen sich Staub und Bakterien festsetzen können, dichtet man mit einer Mischung aus gebranntem Gips und Leim, dem man etwas Farbstoff in der Dielenfarbe zugesetzt hat. — Fettflecke auf Teppichen, Ledermöbeln, Fußböden kann man dadurch beseitigen, daß man den Kaffeesatz dick auf den Fleck streut und bis zum Trockenwerden liegen läßt.
Für die Küche : Beefsteaks einige Stunden vor dem Braten auf beiden Seiten mit etwas Oel bepinselt und zwei bis drei Stunden zwischen zwei Tellern gelegt ins Dunkle gestellt, werden viel besser und weicher. — Spargel soll stets vorn Kopf zum Ende geschält werden, nicht umgekehrt. — Gemüse läßt sich ein bis zwei Tage frisch halten, wenn man es fest in leicht angefeuchtetes Papier wickelt und an einem dunklen Platz verwahrt. — Butter kann man — besonders eine Annehmlichkeit für kinderreiche Mütter — auf folgende Weise strecken: 250 Gramm deutsches Kartoffelmehl wird mit dreiviertel Liter Milch (Magermilch) glatt gerührt und mit 250 Gramm Butter bis zum Aufwallen auf Feuer gegeben. Nach ein wenig Abkühlung fügt man ein ganzes Ei unb 25 Gramm Salz hinzu und hat so einen reinen, wohlschmeckenden Brotaufstrich. — Gehackte Kräuter dürfen nicht mit den Speisen gekocht, sondern erst im Augenblick des Anrichtens beigefügt werden; sie verlieren sonst völlig ihr Aroma. — Milch wird, selbst an heißen Tagen, nicht sauer, wenn man sie frühzeitig kocht und ihr dabei fe einen Eßlöffel Zucker auf den Liter beifügt. D. S.
Mittwoch, 24. Mai 1939
Für unfern Küchenzettel.
Bon Zrida Aisch.
Auf der Bank in der Anlage sitzt ein kleiner Junge, die Häiidchen im Schoß gefaltet, die Beinchen baumeln. Auf dem Köpfchen hat er einen dicken goldenen Kranz von Löwenzahnblüten. Er feiert Frühling. — „Ach", sagt die Frau, die danebensitzt, „jetzt ist es aus mit dem Löwenzahn- salat". Ja, aber dafür hat uns dies kühle Frühjahr wundervollen Kopfsalat beschert. Wir bringen ihn in immer neuen Formen auf den Tisch. Diesmal geben wir ihn z u kaltem Seefisch mit grüner Butter. Am besten sind Fischfilets. Sie werden, wenig gesalzen, mit einigen Löffeln Weißwein und Wasser, mit Lorbeerblatt, Piment und weißem Pfeffer gedämpft. Dabei verdampft die Brühe. Der gare Fisch darf nicht zerfallen. Er wird kalt auf eine Platte gelegt unb mit grüner Butter glasiert. Dazu nimmt Margarine, wer Butter sparen will. 125 Gramm Margarine werben weich gerührt, dann kommt ein hart gekochtes Eigelb und ein rohes unter Rühren hinzu. Allerlei Kräuter, wie Petersilie, Esdragon, Kerbel, Pimpernell, Basilikum, wenig Liebstöckel, zusammen zwei Hände voll, werden in ganz wenig Wasser weichgedämpft, nachdem sie von allen Stengeln befreit sind. Mit einigen Kapern werden sie durch ein Sieb gegeben und zu der Butter gerührt. Etwa vorhandenes Kochwasser bleibt zurück. Einige Tropfen Essig oder Zitrone würzen. Die Tunke wird durch langsames Hinzurühren von Oel zu der rid)tigcn Steife gc» bracht. Sie muß ganz grün aussehen unb sich über ben Fisch streichen lassen, ohne abzutropfen.
Sülzring mit Kopfsalat. Wir bereiten uns eine einfache Sülze aus Fleisch- ober Würfel
SP1TZENLE1STUNG
brühe. Sie wirb mit Aspikpulver ober eingeweichter Gelatine gesteift. Eine mit Olivenöl ausgestrichene runbe Form (Küchenwunder) wirb mit etwas flüssiger Sülze ausgegossen, unb wenn sie zu erstarren anfängt, gibt man Stücke von harten Eiern, Tomaten unb Gurken hinein. Reste von gekochtem, nicht zu weichem Gemüse können auch untergebracht werben. Dann füllt man die übrige Sülze darüber, läßt kalt unb steif werben und stürzt. In das Loch in ber Mitte gibt man Kartoffelsalat ober mit Pfeffer, Salz unb Essig abgeschmeckten Kopfsalat.
Zwiebeln als Gemüse. Auf jede Person nimmt man zwei große Zwiebeln und ein Ei. Die Zwiebeln werden fein geringelt und in Fett hellgelb gedämpft. Dann bestreut man sie mit deutschem Paprika und säubert mit Zitrone oder Essig. Sie dienen als Unterlage für die pflaumen meid) gekochten Eier. Das Bratfett ber Zwiebel erhält eine dünne Mehlschwitze und wird abgeschmeckt mit To- matenkatchup, bas wir uns im vorigen Jahr bereiteten. Ein kleiner Schuß Wein erhöht ben Geschmack. Wer hat, kann Hagebuttenwein nehmen.
Hochwillkommen als Geschenk des FrühlinHs- walbes sind frische Morcheln. Auch eine einzelne ist schon Würze für Rührei ober Brühsuppen unb Tunken, liebel ist der Sand, der in den Schläuchen sitzt. Er muß restlos entfernt werden, sonst sind die würzigen Frühlingspilze ein sehr zweifelhafter Genuß. Im Geschmack find beide Morchelarten, die graue Spitzmorchel, wie ihre Vase, die breitere, goldbraune Lorchel, erstklassig. Sie müssen erst wässern, immer wieder in neuem, kalten Wasser, bis der Sand fort ist. Große Morcheln müssen klein geschnitten werden. Wer sie nur als Würze nimmt, braucht sie nicht abzubrühen, wer aber große Mengen als Gemüse zu verzehren gedenkt, muß sie erst brühen. ’ Dadurch geht aber ein Teil des Duftes verloren. Wir reichen sie mit einer Sahnentunke ober gebraten mit Zwiebeln und grüner Petersilie. Auch als Zutat zu jungem Gemüse ober in .Spargeltunke allein find sie beliebt.
Beim Spargel achte man barauf, daß er nicht zu schneeweiß aussieht, denn ost ist er gebleicht auf Kosten der Güte und hat auch manchmal lange im Wasser gelegen, wodurch er schwerer wird und auslaugt. Die ersten Brechspargel sind zu bevorzugen. Nur die zartesten brechen wie Glas. Wir können schon einige Köpfe als rohen Salat als Zukost zum Brot geben. Mit wenig Essig unb Oel angemacht. Auch kleine Bündelchen auf geröstetem Brot warm gereicht, finden Liebhaber. In Brühsuppen ober Mehlsuppen koche man erst die gewaschenen Schalen, unb nach ihrer Entfernung gebe man die Spargelenden hinein zum Garen. So geht nichts von der köstlichen Würze verloren.
Junge Kohlrabi dünsten wir in dünnen Scheiben in wenig Wasser mit Butter und würzen mit etwas weißem Süßmost. Dies ist auch Abwechslung für salzlose Küche. — Kohlrabi auf an» bere Art: Die in Scheiben geschnittenen jungen Knollen werden mit wenig Salzwasser weich gedämpft. Aus einem Eßlöffel Butter macht man mit zwei Eßlöffeln Mehl eine gelbe Mehlschwitze, die man mit soviel Buttermilch auffüllt, bis die Tunke die gewünschte Dicke hat. Die feingewiegten Blätter ziehn in dieser Tunke mit den garen, aber noch festen Kohlrabischeiben durch. Als Gewürz paßt Muskat, Paprika ober wenig Schnittlauch. —
Waldmeisterbowlen: In den Bowlentopf gibt man zuerst wenig Weißwein. Hierhinein hängt man ein sauber gewaschenes Sträußchen Maikräuter Sie dürfen noch nicht blühen, sonst wird das Getränk bitter. Nach etwa zehn Minuten nimmt man bas Sträußchen wieder heraus. Auf eine Vi-Liter- flasche Wein rechnet man 40 bis 70 Gramm Zucker. Dieser muß erst einige Stunden vor Gebrauch mit wenig kaltem Wasser aufgestellt werden, unb- bann wird nur der oberste geklärte Zucker genommen. Man kann Rhein- oder Moselwein, aud) alle beide nehmen. Man hüte sich, die Bowle zu süß abzuschmecken. In das Bowlengefäß gibt man zu dem ausgezogenen Waldmeister etroas" Zucker und auf jede Flasche Wein eine gut abgezogene, entfernte, in Stücke geschnittene Orange. Blutorangen verderben den „Teint" des Getränkes. Darauf kommt der gut gekühlte Wein. Die Bowle darf nicht zu kalt und nicht zu warm sein. Alles ist natürlid) eigener Geschmack.


