den Abstimmungsarbeiten betätigte. Sein Andenken wurde in üblicher Weise geehrt.
Der Bundesgruppenleiter sprach dann über die historischen Begebenheiten der letzten Woche und gab der Freude darüber Ausdruck, daß nach der Rückkehr des Hultschiner Landes und der nunmehrigen Regelung in dem gesamten Raume der Ostmark jetzt auch das Memelland wieder sreige- worden ist. Der Bundesgruppenleiter hob hervor, daß die Heimattreuen, die das Leid und Elend ihrer Landsleute kennengelernt hatten, am besten den Jubel begreifen, der dem Führer jetzt entgegenbraust. Er forderte seine Landsleute auf, auf dem bisherigen Wege ihre Pflicht zu tun zum Dank für den Mann, der die Sehnsucht der vor den Grenzen des Reiches gebliebenen Volksgenossen erfüllte.
Landsmann Apotheker Hahn sprach dann über den Kampf seines Kriegskameraden Dr. Neumann, dem jetzigen Führer der Memeler. Hahn erzählte aus den Kriegszeiten, in denen er jahrelang mit dem Oberveterinär Dr. Neumann in Schaulen,' Mitau und Walk Ausammenwirkte.
Die Gießener Ostdeutschen sandten an Dr. Neumann ein Begrüßungstelegramm für die befreiten Memeler Volksgenossen.
** Ein Goethe-Bildnis. Aus Anlaß der Gießener Goethe-Festwoche hat die hiesige Kunsthandlung Hirz in ihrem Schaufenster ein Bildnis des Dichters ausgestellt, und zwar eine Originalzeichnung in Kreide des Malers Gerhard von ßü geigen. Die Zeichnung stellt Goethe in mittleren Lebensjahren dar und befindet sich heute in Gießener Privatbesitz. Kügelgen (1772 bis 1820) wirkte seit 1814 als Professor an der Dresdener Kunstakademie und hat sich mit seinen Porträts (Goethe, Herder, Wieland u. a.), wie mit Bildern religiösen und mythologischen Inhalts, einen seinerzeit' sehr geschätzten Namen gemacht. Sein Sohn war übrigens der Maler und Schriftsteller Wilhelm von Kügelgen (1802 bis 1867), dem wir die „Jugenderinnerungen eines alten Mannes" verdanken.
Aus der Gchulkameradschast in die Volksgemeinschaft.
Am gestrigen Donnerstagnachmittag wurden zum ersten Male die jetzt zur Entlassung kommenden Schüler und Schülerinnen in feierlicher Weise von den Schulen verabschiedet und durch die zuständigen Ortsgruppenleiter der NSDAP, in die große Volksgemeinschaft ausgenommen.
Nach den verabschiedenden Worten der Lehrer bzw. der Leiter der Schulen, durch die die Schüler und Schülerinnen gewissermaßen die Reifesprechung erhielten, in denen zum Ausdruck kam, daß sie nun reif in ihrer Entwicklung und reif für das Leben sind, sprachen die Ortsgruppenleiter, dre den Jungen und Mädels die Bedeutung der wichtigen Lebenswende klär machten und sie in die kämpfende und schaffende Volksgemeinschaft unseres großen deutschen Volkes aufnahmen. Sie wiesen die Jugend darauf hin, daß sie sich schon in dieser Stunde zu entscheiden hat, für das, was künftig den Sieg davontragen soll, das Gute oder das Schlechte. Und weiterhin zeigtet sie ihnen den Weg zur Arbeit, zur Gemeinschaft des ganzen Volkes und zu einem lebendigen Glauben, der verpflichtet, Gott nicht Lurch Worte, sondern durch Taten zu dienen. In dieser Stunde wurde auch den Eltern, Erziehern und Führern der Jugend, die sie bisher zu betreuen hatten, gedankt. Nachdem dann die Schüler 'ihr Gelöbnis zur Reinheit des Wollens, zur Pflichterfüllung in der Volksgemeinschaft und zur Treue zum Führer im Chor gesprochen hatten, übernahmen die Ortsgruppenleiter die Jungen und Mädels durch Handschlag in das große verpflichtende Leben unseres Volkes und in die große deutsche Volksgemeinschaft. Sie überreichten ihnen dabei ein mit dem Führerbild versehenes Gedenkblatt der NSDAP., das die Worte Adolf Hitlers trägt: „2)ein Leben ist gebunden an das Leben Deines ganzen Volkes. Das ist nicht nur die Wurzel für Deine Kraft, sondern auch die Wurzel für Dein Leben."
Die Entlassungsfeier in der Schillerschule trug ganz den Charakter einer Mädchenoeranstal- tung und war durch Chorgesänge und vor allem durch Siunsprüche und Gedichte ausgestattet, die der Eigenart des Mädchens entsprechen und wertvolle Gedanken mit den Weg gaben. Hier sprach Lehner Hoffmann zu den Mädchen, während Rektor Stroh die Entlassung vornahm und Ortsgruppenleiter Thomas die Mädels in die Volksgemeinschaft aufnahm.
In der festlich geschmückten Turnhalle der Alten P e st a l o z z i s ch u l e ging aus allen Liedern und Gedichten das Bild des großen Deutschen Reiches hervor, dem nun der Knabe sich als junger Mann zu widmen hat. Lehrer Roth gab den Knaben beherzigenswerte Worte mit auf den Weg und Rektor Strauch nahm die Reifesprechung vor, während Ortsgruppenleiter Thomas sie auf das große Leben des Volkes verpflichtete.
Sehr feierlich gestaltete sich auch die Entlassungsstunde der Goetheschule, die eine große Vortrags folge aufzuweisen hatte und bei der die beherzigenswerten Worte, die Lehrer Wahl den
Schülern sagte, jeweils durch Gedichte ober Führerworte eine Bekräftigung seitens der Jugend erhielten. Im Chor sprachen dann die Schüler das Gelöbnis aus, und nach der Freisprechung durch Rektor Krausch sprach Ortsgruppenleiter Grahl- mann, überreichte ihnen die Gedenkblätter und begrüßte sie durch Handschlag zum Eintritt in die Arbeitsgemeinschaft des Deutschen Reiches.
In der Neuen Pestalozzischule marschierten die Jungen und Mädels in Uniform hinter der Ortsgruppenfahne in die festlich geschmückte Turnhalle ein. Zu Beginn der Ansprache des Rektors Müller, Der sie aus der Kameradschaft der Schule in die Gemeinschaft des Völkes entließ, flammten zwei das Hoheitszeichen flankierende Pylonen auf. Angesichts der Hakenkreuzfahne verpflichtete Ortsgruppenleiter Kreuder die Jungen und Mädels, und wie bei den anderen Feiern, so klang auch diese Feststunde mit dem Gruß an den Führer und dem Gesang der Nationallieder aus.
Schulentlaffungsfeier in Wieseck.
D W i e s e ck, 23. März. In dem mit Fahnen des Dritten Reiches geschmückten Saal von Gastwirt Braun fand gestern die Entlassungsfeier des ältesten Jahrganges unserer Schule statt. Nach einem Eingangslied und Eingangsspruch begrüßte der Klassenlehrer Stumpf den Ortsgruppenleiter, die Politischen Leiter, die Vertreter der HI., die Eltern und die Lehrer. In seinen Abschiedsworten an die Kinder, deren Entlassung aus der Schule in eine Zeit des Aufstiegs fällt, ermahnte er sie zur Treue zum Führer, zur Treue im Beruf. Es wechselten nun Lieder und Gedichte mit verbindenden Worten, die einen Ueber- blick über die letzten sechs Jahre deutscher Geschichte gaben, zugleich ein Bekenntnis zu Deutschland und zum Aufbauwerk des Führers darstellten und erkennen ließen, wie lebensnah die Schule heute arbeitet. Ein Bild von der Pflege der Leibesübungen gaben Gymnastik und Tänze der Mädchen, Sprünge am Bock und Bodenturnen der Knaben. Rektor Petri übergab nach dem Einmarsch der Fahne dem Ortsgruppenleiter Euler 64 junge Menschen zur Weiterführung in den Gliederungen der Partei und gab der Hoffnung Ausdruck, daß alle stets treu zu Volk und Führer stehen. Ortsgruppenleiter Euler ist der Ueberzeugung, daß die Kinder einen guten Kern aus der Schule mitbringen, der die Weiterführung erleichtert. Der Abend habe gezeigt, daß die Jugend Geschichte erlebt und die geschichtlichen Wunder versteht. Vaterland — Deutschland war der Grundgedanke des Abends. Die Fahne ist das Syrn- dol^des Kampfes. Wer kämpfen will, muß Opfer bringen. Mit der Aufforderung, der Fahne die Treue zu halten, wurden die Kinder durch Ortsgruppenleiter Euler feierlich mit Handschlag von Rektor Petri übernommen. Der Gruß an den Führer beendete die eindrucksvolle Feier.
MarNumschau für die Hausfrau.
Alle müssen helfen.
Man kann sehr viele Meinungen hören, immer aber sind deutsche Frauen und Männer der Ansicht, daß jeder für sich auf seinem Polten darauf bedacht sein muß, die an ihn gestellten Anforderungen bis zum äußersten zu erfüllen. Alle wissen, daß das große Ziel nur mit Hilfe jedes einzelnen Volksgenossen, nur unter vollkommener Bereitwilligkeit und Einsicht aller erreicht werden kann. Wir brauchen nur an eine der nächstliegenden Fragen zu denken: an die einer gesunden und auskömmlichen, aber im Rahmen unserer Lebensbedingungen liegenden Ernährung! Hierbei kann jeder sehr viel helfen.
Es liegt in der Hand der Hausfrau, eine zeitgemäße „Wirtschafts- und Ernährungspolitik im kleinen Eigenhaushalt" zu treiben, die ihrem Wirtschaftsgeld nicht schlecht bekommen würde und der Gesundheit und dem Wohlbefinden der Familie durchaus zuträglich ist. Es wird also nicht mehr jeden Tag zum ersten Frühstück Brötchen geben, nach deren Genuß Vater, Mutter und Kinder sowieso bald wieder hungrig werden, sondern derbes, würziges Roggenbrot mit Marmelade oder Zuckerhonig. Eine warme Suppe aus Haferflocken oder deutschem Sago kann mindestens dreimal in der Woche dafür- eingesetzt werden. Auch die Sitte, nur am Freitag Fisch zu essen, wird durchbrochen, mindestens zweimal in der Woche kommt Fisch auf den Tisch. Aber nicht etwa Kartoffelsalat und gebratene Fischfilets ober in Wasser ausgekochter und dadurch wertlos gewordener Fisch mit Senfbutter und Salzkartoffeln, nach deren Verzehr alle bald wieder hungrig werden, sondern ordentlich gekochte und vernünftig ^ufammengefteüte Speisen müssen vorgesetzt werden. Fischfrikassee im Kartoffelbreirand, im eigenen Saft gedünsteter Fisch mit Krautsalat und Pellkartoffeln werden bald überzeugen, daß der Fischtag besonders lecker und sättigend ist. Die Reste sollen auch noch weit liebevoller als bisher verwendet werden. Nicht einfach wärmen oder aufbraten! Sie werden gemeinsam zu neuen, wohlschmeckenden und ausreichenden Abendgerichten ver
braucht, die man mit Pellkartoffeln, was die rhein. mainischen Hausfrauen jetzt in der Wanderausstellung „Haushalt leicht gemacht — Koche billig und gut" kennen lernen, sehr gut ergänzen kann.
Ein Puddingrest aus deutschem Puddingmehl wird abends als sättigende Beilage in die billige Mar- meladesuppe gegeben, zu dem aber auch gerne noch Brot, Rettich, Räucherfische oder ein Stück Käse, ein Schüsselchen Quark bewilligt wird. Wenn die Hausfrauen alle die in genügenden Mengen vorhandenen Lebensrnittel, die wirklich zu einer gesunden Ernährung gehören, beim Einkauf bevorzugt (das find Kartoffeln, Fisch, Gemüse, Milch, Käse, Räucherwaren, Kartoffelerzeugnisse), so haben sie dadurch eine große an sie gestellte Pflicht erfüllt.
Mehr Fische essen!
Im' Durchschnitt hat jeder Fleischvollverbaucher im Laufe des vergangenen Jahres 49,35 kg Schweinefleisch, 23,23 kg Rind- und darüber hinaus noch Hammel- und Kalbfleisch verzehrt. Wie steht es dagegen mit dem Fischverbauch? Vor zwei Jahren betrug er jährlich etwa 12 bis 13 kg je Kopf. Im letzten Jahre dürfte der Verbrauch noch etwas gestiegen fein, er ist aber noch längst nicht so hoch wie es wünschenswert wäre. Nur jedes sechste Fleischgericht etwa ist ein Fischgericht! Wenn jeder Haushalt wenigstens noch ein Fisch- statt ein Fleischgericht einführt, so würde sich der Verbrauch von Fischen schon wesentlich erhöhen. Unsere Fischerei ist durchaus in der Lage, erhöhte Verbraucher- ansprüche zu erfüllen. Auch in der letzten Woche war die Versorgung unseres Gebietes mit Seefischen wieder günstig, so daß sämtliche Konsumfische, wie Schellfisch, Kabeljau, Seelachs ober Rotbarsch, überall zu haben sind. Neben diesen Fischen sind auch grüne Heringe aus Norwegen und Salzheringe käuflich. Was die von Feinschmeckern so beliebten Süßwasserfische und Marinaden betrifft, fo ist auch hier eine reiche Auswahl vorhanden, fo daß alle Sonderwünsche der Verbraucher zur Zufriedenheit erfüllt werden können. .
Fernsehsender Großer Feldberg.
LPD. Weithin ist der hohe Turm des Fernsehsenders auf dem Großen Feldberg im Taunus sichtbar, ein Wahrzeichen deutscher Technik und deutschen Erfindergeistes. Zur Zeit werden die Apparaturen für den Sendebetrieb eingebaut, so daß in absehbarer Zeit mit der Fernsehüberfragung für die Öffentlichkeit begonnen werden kann.
Was ist Fernsehen?
Beim Fernsehen handelt es sich nicht um eine optische Angelegenheit mit einem Fernrohr ober begleichen, fonbern unter Fernsehen ist bie elektrische Übertragung von Ereignissen in beweglichen Bildern zu verstehen. Wenn z. B. der Führer auf dem Reichsparteitag in Nürnberg spricht, bann ist an ben Fernsehempfängern nicht allein feine Stimme zu hören, fonbern es erscheint gleichzeitig fein Bilb mit feiner Umgebung, und jede feiner Bewegungen ist zü erkennen. Zur Aufnahme ber Vorgänge am entfernten Ort, z. B. in Nürnberg, wirb eine sogenannte Fernsehaufnahmekamera — zu vergleichen mit ber Filmkamera eines Film- operateurs — benutzt. Die hierdurch in elektrische Ströme umgewandelten Eindrücke des Auges werden mittels besonderer Kabel zum Sender auf dem Großen Feldberg im Taunus übertragen und vom Sender ausgestrahlt. Die elektrischen Ströme werden durch die Braunsche Röhre des Fernsehempfängers wieder in Lichtwellen zurückverwandelt, und ber aufgenommene Vorgang erscheint nach Bruchteilen einer Sekunbe auf ber Empfängerfcheibe bes Fernsehempfängers.
In ber gleichen Art, wie ber Rundfunk vom Mikrophon abhängig ist unb nur bas übertragen kann, was bas Mikrophon aufnimmt, ist bas Fernsehen von seinem elektrischen Auge — feinem Aufnahmegerät — abhängig, und es kann nur das übertragen werden, was mit dem elektrischen Auge aufgenommen wird. Sowohl beim Rundfunk als
auch hier beim Fernfehrundfunk kann das Empfangsgerät nur bas roiebergeoen, was ihm auf der drahtlosen Welle zugetragen wird. Der Fernsehempfänger liefert auf ber Empfangsscheibe einen ständigen Reigen von Bewegungen unb Szenen. Die Personen unb Gegenstänbe im Fernsehempfänger bewegen sich genau wie im Film. Dabei werden diese Bewegungen in dem- gleichen Augenblick im
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ZAHNPASTA
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Nomon oon Walther Sloepffer.
Copyright bg (kack Buncker Verlag,Berlln^Z5
28 Fortsetzung. (Nachbrück verboten.)
„Wenn sie so ist, wie bu sagst, so mag sie ruhig <3um Teufel gehen", brauste Holl auf. „Mit so einer ist mir nicht gebient."
Dr. Kistenmacher ging gekränkt zur Tür.
„Nichts für ungut, Holl. Ich empfehle mich und Überlasse dich dir selbst."
Hyll ließ bie Worte bes Kollegen in sich nach- llingen. Er hatte Maxie feit vier Tagen nicht mehr gesehen. Sie bockte, er bockte. Was ihn betraf, boch wohl mit Recht. Die Verstänbuislosigkeit feinem Veruf gegenüber hätte er zur Not noch verziehen, aber ber Ausflug mit Tinfer war eine ausgesuchte Gemeinheit. Einfach mit einem anberen loszuziehen, foenn einem mal was wiber ben Strich ging, bas war schon allerhanb unb eine uerbammte Belastungsprobe. Er liebte Maxie noch immer, er war bereit, ihr zu verzeihen, aber sie mußte ben ersten Schritt tun. Ihr nachlaufen? Kam gar nicht in Frage. Warum rebete Kistenmacher ihm immer vorn Alten vor? Er heiratet boch bas Mäbel unb nicht ben Chef mit feinem Mammon. Man hatte doch seinen Stolz. Wenn Maxie ihn wirklich liebte, würde sie den Weg zu ihm finden; wenn nicht, bann mochte es kommen, wie es mußte.
Holl riß ben Laborkittel herunter, in ben Säuren viele Löcher gebrannt hatten. Er wusch sich um- stänblich bie Hänbe unb verließ bann ben Arbeitsraum. An alle Scheiben trommelte Regen; es war roieber einmal, wie so oft in biefem Sommer, ein „Tief über Jslanb". Vor ber Anstaltsapotheke stieß Holl auf Giefeke, ber ein Gesicht machte wie ein gegen ben Strich gekämmtes Stachelschwein.
„Tag, Herr Gieseke! Sie sehen ja wie ein Patient aus!"
„Bin ich auch. Kopfweh zum auf bie Koniferen klettern. Habe mir soeben ein Pulver geholt Muß gestern zu junges Bier in ber Kantine erwischt haben. Was ich sagen wollte — ich rief neulich ben Chef an, wie versprochen. Er vermißte nichts. Wirb wohl ganz harmlos gewesen sein, Ihr Kabinenmann."
„Um so besser."
„Uebrigens kommen bie Herrschaften heute zurück. Das ist ja ein Wetter, um aus ber Haut zu
fahren, zumal an bem See. Sehen Sie nur, wie bas roieber gießt. Meine Tochter bleibt vorerst auch hier. Geht foroiefo fein Geschäft bei biefem Sauwetter."
„So, fo!" sagte Holl gutgelaunt. Daß Maxie zurückkam, war eine fabelhafte Neuigkeit, an bie er allerhanb Hoffnungen knüpfte. Maxie hatte es wahrscheinlich ohne ihn nicht mehr ausgehalten, Maxie ging in sich, Maxie war boch ein lieber Kerl. Und ber Regen, biefer breimal gelobte Schnürlregen, hatte ihren Entschluß vermutlich unterstützt.
,Lch muß jetzt gehen, Herr Doktor."
„Ich auch. Tag, lieber Herr Gieseke."
Holl ging schnurstracks über ben Fabrikhof zum Zestungsstaud ber Anna Schwiebus, bie verheult hinter ihren Illustrierten unb Generalanzeigern saß.
Sie hatte ernstlich Kummer um bie Fortführung ihres Betriebs.
„Kopf hoch, Anna", tröstete Holl. „So arg nahe hat bir ber Scheuert boch gar nicht geftanben; ich meine in puncto Verwanbtschaft. Man muß bamit zufrieben fein, baß er es überftanben hat. Waren viele Leute bei ber Beerbigung?"
, „Ja, schon. Diele Arbeitskameraben. Auch ein paar von ber Verwaltung mit Kränzen. Es war eine schöne Leich'. Das freut mich für ihn. Deswegen meine ich auch gar nicht, fonbern wegen mir selber. Was soll ich einschichtige Person denn nun an- fangen?"
„Du mußt bich nach etwas anderem umsehen. Ich helfe bir babei. Ich werbe mal bie Anzeigen burch- |tubieren. Uebrigens habe ich schon heute einen kleinen Gelegenheitsverbienft für bich. Ich brauche ein wenig Blut zu einem Exveriment. Wenn bu willst, kannst bu zehn Mark oerbienen. Das ist bie gesetzliche Gebühr. Es tut nicht besonders weh, ein rascher Stich in ben Arm, es ist so viel wie nichts. Laß mal beine Armvenen sehen. Gut, gut. Hoffentlich hast bu bie richtige Blutgruppe."
»Du brauchst nur zu sagen, wann ich kommen soll, Georg. Zehn Mark sind viel Geld für mich", sagte Anna eifrig.
„Sagen wir, morgen nachmittag um fünf Uhr. Pünktlich. In meinem Zimmer. Ich möchte die Sache nämlich vorerst noch geheimhalten. Wenn dich jemand im Krankenhaus fragt, sagst bu, du müßtest mich in einer privaten Angelegenheit aufsuchen."
„Es ist recht, Georg. Muß ich mich ausziehen?" „Nur bie Bluse, Anna."
Maxie Hegemann staub vor einem Feinkostladen in ber Neuhauser Straße. Sie sah entzückend aus in bem schlichten Sommerkleid. Am Straßenrand wartete ihr Auto. E.s war Vormittag und regnete. Maxie war gestern aus Seesham zurückgekommen, mit allem Drum und Dran, mit gewichtigen Koffern und ber runden Hutschachtel, mit Paps und dem Fräulein, mit Tinfer und einem Strauß von Herrn Hingerl. Im Bunde mit bem jungen Wiener, ber es auffällig eilig hatte, nach München zurückzukehren, hatte sie so lange auf Vater Hegemann llosge- rebet, bis ber sich ber Einsicht nicht verschließen konnte, daß man des Dauerregens halber am besten die Sommerfrische abbrach. Maxie schützte Wetter und mangelhaftes Essen vor, aber in Wirklichkeit war ihr Seesham wegen Holl verleidet.
Was sollte sie noch länger an einem Ort, ber sie an allen Ecken und Enben mit anklägerischen Erinnerungen überfiel?
Seit Maxie von Paps erfahren hatte, Holl sei am Morgen jenes Ausfluges in ber „Neuen Post" gewesen, war ihr schmollender Trotz in Nachdenklichkeit umgeschlagen. Sie fand, Holl und sie wären nunmehr quitt. Er hatte sie geärgert, und sie hatte sich revanchiert.' Sie ahnte, baß Georg damals eine Versöhnung angestrebt hatte, weil er sich beim Käptn, dieser Plaudertasche, nach ihr erkundigte. Daß Georg durch ihren Seitensprung mit Tinser gekränkt war, grollte und nichts von sich hören ließ, konnte sie gut begreifen. Es lag jetzt an ihr, den nächsten Schritt zu tun. Man konnte zum Beispiel am Nachmittag in der Nähe des Krankenhauses herumstrolchen und würde ihn dann wahrscheinlich zu Gesicht bekommen. Das Weitere ergab sich von selbst. Paps gegenüber hatte sie Holls plötzliches Verschwinden mit dem Fall Scheuer! begründet.
Maxie überlegte, was sie in dem Geschäft alles bestellen sollte. Mama war noch immer nicht aus Kopenhagen zurück, und darum lagen auch Maxie gewisse Hausfrauenpflichten ob. Neben ihr stand eine einfache Frau mittleren Alters und gesegneten Leibes unb betrachtete sehnsüchtig bie ausgestellten Herrlichkeiten. Plötzlich griff die Frau nach Maxies Arm unb stöhnte unterbrückt.
„Fehlt Ihnen etwas? Sind Sie krank?" fragte Maxie erschreckt.
Die unbekannte Frau krümmte sich zusammen und gab keine Antwort. Als die Wehenwelle verebbt war, kam sie aus ihrer niebergebogenen Haltung hoch und meinte, entschuldigend auf ihren Leib zeigend:
„Ich glaube, es geht los."
„Was geht los?/7 fragte Maxie in aller Unschuld.
„Die Entbindung. Ich bekomme meine Kinder immer sehr schnell."
Maxie war etwas verwirrt. Sie schlug vor: „Dort steht mein Wagen. Ich bringe Sie in die Klinik^
„Nicht in die Klinik. Ich muß boch nach Hause", widersetzte die Frau.
„Wo wohnen Sie denn?"
Die Frau nannte eine Straße in Giesing, die Maxie nicht tannt.
„Sie sind ein hilfsbereites Mädchen", lobte die Frau, als die Wagentür zuklappte. „Ich habe nicht gedacht, daß es mich mitten auf der Straße über» fällt. Ich heiße Tukan. Mein Mann ist bei den Motorenwerken." Ein neuer Schmerz riß ihr die Worte von ben Lippen weg.
Maxie halt bie unklare Empfindung, baß hier Haffmannstropfen am Platze wären. Leider hatte sie keine, darum nahm sie ihr Fläschchen mit Kill« nisch Wasser. Dann brachte sie Frau Tukan in die ärmliche Wohnung. Eine Horde Kinder, die sich vor dem Haus tummelte, unterbrach ihr lautes Spiel und gaffte bie junge Dame an, die aus einer andern Welt stammte. Maxie versuchte unbefangen auszusehen. Die Tu tausche Stube sah wie em Kriegsschauplatz aus. Fünf Kinder, zwischen drei und zehn Jahren, wie Orgelpfeifen in ber Größe, hatten in Abwesenheit ber Mutter bie Einrichtung auf den Kopf gestellt. Das älteste mußte sogleich zur Hebamme. Eine Nachbarin half Frau Tukan ms Bett. Maxie befreundete sich mit bem Jüngsten, indem sie es auf ben Schoß nahm. Sie entsann sich dunkel gewisser Kinderverse. „Lirum, larum, Löffelstiel" oder „Es kriecht ein Käfer fribbel krabb". Sie ließ dabei zwei Finger auf dem Bauch des kleinen Peter spazierengehen. Dann schaffte sie die Kinder nach Frau Tukans Angaben in die Nebenwohnung. Da kam auch 'schon die weise Frau.
Die wusch sich die Hände, untersuchte und zog ein bestürztes Gesicht. Die Frau wimmerte. Maxie uno bie Nachbarin stauben sorgenvoll und unnütz am Bettende.
„Stimmt was nicht?" fragte Frau Tukan ängstuch- „Ja, freilich", erklärte die Hebamme, „man muß nach bem Arzt schicken."
Die Kreißende stieß einen ächzenden Ton aus. Dann verlangte sie, daß man Dr. Klotz hole. Max'* übernahm es, in einer nahen Wirtschaft zu telepyo' nieren. Dr. Klotz wäre augenblicklich nicht baheiM' hieß es, aber man werbe ihn suchen, unb er käme so rasch wie möglich. Maxie rief auch gleich an, der Chauffeur solle kommen unb ben Wagen holen, falls er gebraucht mürbe.
(Fortsetzung folgt!)


