Ltadklheater Gießen.
Heute abend erste Wiederholung von „Minna von Barnhelm", Lustspiel in 5 Akten von G. E. Lessing. Spielleitung Hannes Razum, Bühnenbilder Karl Löffler. Die Vorstellung findet gleichzeitig als 21. Vorstellung der Freitag-Miete statt.
Vortragsabend Prof. Temesvary: Lreuher-Sonate.
Am heutigen Freitagabend, 20.15 Uhr, findet im großen Hörfaal der Universität der letzte Vortrag von Prof. Temesvary statt. Es wird die Kreutzer^Sonate von Beethoven gespielt.
Berufswettkamps vor der Gauent'cheiduna.
NSG. Im bevorstehenden Gaukampf des Reichs- berufswetttampfes, der vom 24. bis 28. März statt- findet, Nehmen die KdF.-Gaufportämter die sportliche Leistungsprüfung der Erwachsenen ab, die aus einem Dreikampf besteht. Für die männlichen Teilnehmer sind ein 1000-Meter-Lauf, Keulenweitwurf und Weitsprung, für die weiblichen 800-Meter-Lauf. Medizinballstoßen und Weitsprung vorgesehen. Die Laufwettbewerbe sind auf jeden Fall im Freien durchzuführen. Bei leistungsbedingter Austragung in der Halle tritt an die Stelle des Keulenweitwurfes der Männer das Medizinballstoßen und für den Weitsprung in beiden Fällen Hochsprung. Die sportliche Leistungsprüfung des Gaukampfes erfolgt nach einer 100-Punktewertung, d. h. es werden nicht für jede Uebungsart Mindestleistungen- gefordert, sondern die Gesamtpunktzahl ist entscheidend. Schwächen in einer Hebung können durch erhöhte Leistungen einer anderen ausgeglichen werden. Die geforderten Leistungen stellen gegenüber den Anforderun- den des Ortswettkampfes eine Steigerung dar. Diejenigen Tellnehmer, die die geforderte Mindestpunktzahl nicht erreichen oder die sportliche Leistungsprüfung im Gauwettkampf nicht durchfuhren, scheiden aus dem Reichsberufswettkampf 1939 aus.
Helft mit im Oeutschen Hrauenwerk!
GJs. Von der Presiewalterin der Kreisfrauenschaft wird uns geschrieben: Am 24. Februar hat unsere Frauenführerin, Frau Scholtz-Klink, Geburtstag. Alle Frauen des Deutschen Reiches schulden dieser weitsichtigen Frau wärmsten Dank. Sie hat das Werk des Führers durch das Zusammenfassen der Deutschen Frauen im Deutschen Frauenwerk in weitgehendem Maße unterstützt. Durch das Deutsche Frauenwerk gab sie uns Frauen ein neues Ziel, ein neues, ganz dem inneren Wesen der Frau entsprechendes Betätigungsfeld. Wir dürfen mithelfen am Deutschen Aufbauwerk, wir fördern dadurch die Zukunft unserer Kinder.
Wie können wir nun unserer Frauenführerin unseren Dank abstatten? Am besten wohl dadurch, daß auch wir versuchen, möglichst allen Frauen des Deutschen Volkes für die große Einheit zu interessieren und zu werben. Denn nur wer einen tiefen Einblick in die ganze und außerordentlich vielseitige Arbeit der Organisation hat, kann sie voll würdigen und schätzen. Deshalb findet am Freitag, 24. Fe- brur, in der Aula der Universität ein Werbeabend für das Deutsche Frauenwerk in Form einer Feierstunde statt und wird allen Beteiligten und Gästen eine Bereicherung und weitgehendste Aufklärung über die Arbeit des Deutschen Frauenwerkes bringen. Ihr deutschen Frauen, bringt dem Führer und seiner Mitarbeiterin Frau Scholtz-Klink euren Dank dar: Kommt und tretet ein in das „Deutsche Frauenwerk l"
Bon der Handwerkerversicheruna.
NSG. Es mehren sich die Stimmen darüber, daß bei der Durchführung des neuen Gesetzes über die Altersversorgung für das deutsche Handwerk in den Kreisen der Meister und Meisterinnen große Unklarheit besteht. Diese Unklarheit wird noch vermehrt dadurch, daß vor allen Dingen von verschiedenen Versicherungsgesellschaften unb ihren Agenten eine große Rührigkeit gezeigt wird. Die berufenen Stellen des Handwerks haben deshalb bereits vor längerer Zeit darauf hingewiesen, daß es unzulässig ist, wenn Versicherungsagenten in den Handwerkerversammlungen Werbevorträge halten wollen. Die Deutsche Arbeitsfront weist erneut darauf hin, daß allen Handwerkern kostenlos Rat und Auskunft
Oer Landdienst im Gan Hessen-Nassau.
924 000 Arbeitsstunden durch Landdrenstangehörige unseres Gaues im Jahre 1938 geleistet
NSG. Nachdem im Berliner Sportpalast der Landdienst der Hitler-Jugend durch den Stellvertreter des Führers eine so hohe Bewertung gefunden hat, durfte es interessieren, zu hören welche Entwicklung der Landdienst im Gau Hessen-Nassau genommen hat.
Lange Zeit ist der Landdienst in unserem Gau nur auf begrenztes Interesse der Bevölkerung gestoßen. Dies lag zum größten Teil daran, daß der Einsatz der ersten jungen Idealisten im Dienst am deutschen Boden sich fast vollkommen im Stillen abwickelte. Waren es im Jahre 1937 erst sieben Jungenlager und zwei Mädellager, so gab der erfolgreiche Einsatz dieser wenigen Kräfte Anlaß, int Jahre 1938 die Lager auf 17 Jungen- und acht Mädellager zu erhöhen. Daß der Landdienst eine außerordentliche Hilfe für den Bauern bedeutet, sei mit nachfolgenden Zahlen bewiesen: 230 Jungen und 100 Mädel leisteten im Jahre 1938 924000 Arbeitsstunden, das sind 2800 Arbeitsstunden durchschnittlich für jeden Landdienstangehörtgen unseres Gaues. Welch' große Freude die Jungen und Mädel an der Landarbeit gefunden haben, wird durch die Tatsache belegt, daß bereits jetzt 30 Jungen und 18 Mädel einen Landarbeitslehrvertrag abgeschlossen und damit sich freiwillig^dafür entschieden, einen bäuerlichen Beruf zu ergreifen.
Der Erfolg des hessen-nassauischen Landdiensteinsatzes fand seine Anerkennung durch die Ortsbauernführer. Im April wird die Zahl der Lager auf 40 gesteigert, und zwar sollen 350 Jungen in 25 Lager und 200 Mädel in 15 weiteren Lagern untergebracht werden, so daß in 40 Dörfern Hessen- Nassaus bereits jetzt mit einer tatkräftigen £>ilfe während der Hauptarbeitszeit des Bauern gerechnet werden kann.
Eine wesentliche Rolle dürfte die Frage der Beschaffenheit der Lager spielen. Hier hat — und dies sei nachdrücklich betont — die Hitler-Jugend die volle Verantwortung für einwandfreie Heimgestaltung übernommen. Jedes Lager wird vor dem Einzug der Gruppen durch den Landdienstreferenten des Gebietes, der selbst Jahre praktischen Landdienstes mitgemacht hat, einer eingehenden Prüfung unterzogen auf Eignung, Wohnlichkeit usw. Erst nach der Besichtigung erteilt Sie Reichsjugendführung die Genehmigung zur Einweisung der Jugendlichen. Dar
über hinaus werden die Lager regelmäßig besucht und überwacht, um auch damit die einwandfreie Betreuung unb Führung der Landdienstangehörigen zu garantieren.
Wie jedes neue Werk, das die Bewegung in Angriff nahm, mußte auch der Landdienst erst Erfahrungen sammeln und sich entwickeln. Heute regeln feste Richtlinien jede Einzelheit. War früher der Landdienst eine ausgesprochene Arbeitseinsatzmaßnahme, so ist er nunmehr bereits eine Erziehungsmaßnahme geworden, die jedem jungen Menschen die Möglichkeit gibt, sich in einjährigem Einsatz zu prüfen, ob er der Kerl dazu ist, den Weg zum Bauern zurückzugehen. Die Arbeitszeitregelung sieh^ im Gegensatz zur früheren Festlegung einer jährlichen Gesamtarbeitszeit eine Bestimmung für die tägliche Festlegung je nach Arbeitsanfall vor, wobei selbstverständlich in Zusammenarbeit zwischen Reichsnährstand, Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Reichsjugendführung die arbeitsrechtlichen Grundlagen in dem Landdienst-Dorfgruppenvertrag festgelegt sind. Heber* nimmt der Ortsbauernführer die Auslese der Betriebsführer, die einen Landdienstangehörigen zugewiesen bekommen, so hat die Reichsanstalt die Aufgabe, den Betrieb selbst auf die Notwendigkeit der Zuweisung einer zusätzlichen jugendlichen Arbeitskraft zu prüfen. Die Hitler-Jugend aber übernimmt es, den Lagerführer, der neben dieser Aufgabe auch selbst beim Bauern mitarbeitet, zu stellen. 1
Der deutsche Bauer braucht diese jungen Helfer. Nicht durch irgend einen Zwang treten die Jungen und Mädel in den Landdienst ein, sondern freiwillig reihen sie sich in die Front gegen die Landflucht. Eines aber haben sie, Mut und Kraft, Beispiel zu sein. Dieser Mut wird sie auch begleiten zu dem Ziel, einmal selbst Bauer zu werden. Möge dieses Beispiel vielen ihrer jungen Kameraden Anlaß sein, auch den Weg zum Boden zu finden. Denn, wen einmal der Boden gerufen hat, Sen hält er fest, der legt feine Hände mit an den Pflug.
Die Hitler-Jugend hat durch den Landdienst einen Weg gewiesen, der Landflucht nicht durch Worte, sondern durch die Tat entgegenzutreten. Sie wird diesen Weg in verstärktem Tempo weitergehen im Glauben an die Worte des Führers: „Das deutsche Voll wird ein Bauernvott sein!"
über die Durchführung des Gesetzes in den Rechtsberatungsstellen erteilt wird. Da für die Versicherungsbefreiungen auf Grund von Lebensversicherungen am 1. Juli dieses Jahres der Termin abläuft, empfiehlt es sich, daß jeder Meister und jede Meisterin, die irgendwelcke Zweifel über die Durchführung des Gesetzes haoen, sich schon jetzt bei den Rechtsberatungsstellen melden. Für die Durchführung ist noch zu berücksichtigen, daß die Durchführungsvorschriften vom Gesetzgeber bis heute noch nicht erlassen wurden.
** Die amtliche Reiterscheinprüfung findet am Sonntag, 26. Februar, 9 Hhr, bei SA.- Sturmführer S ch ö m b s, Hniversitäts-Reitinstitut, Brandplatz 5,-statt.
** Ernennung. Der Kanzlist Hofmann bei dem Landrat in Gießen wurde mit Wirkung vom 1. d. M. zum Kanzlei-Assistenten ernannt.
** Arbeitsjubiläum. Am heutigen Tage kann der bei den hiesigen Stadtwerken beschäftigte Schmied Wilhelm Größer auf eine 25jährige ununterbrochene Dienstzeit zurückblicken. Der Arbeitsjubilar wurde im Kreise seiner Arbeitskameraden besonders geehrt und ihm ein Glückwunschschreiben des Oberbürgermeisters überreicht.
** HausrAbbrü ch e. Nachdem das Gebäude Löwengasse 19 in den Besitz der Stadt gekommen und inzwischen geräumt ist, wird es mit dem Nachbargebäude („Villa" Vogt) niedergelegt. Gleichzeitig wird das Gebäude Wolkengasse 19, das schon längere Zeit in städtischem Besitz ist, abgebrochen. Weiterhin kamen im Laufe dieses Winters eine baufällige
Scheune in der Wetzsteingasse und der ehemalige Leichenwagenschuppen in Der Sandgasse zum Abbruch. Auch wurde im Laufe dieses Winters das Gebäude Wartweg 19, ehemaliges Wirtschaftsgebäude „Zur schönen Aussicht", zwecks Schaffung des Bauplatzes für die Errichtung des neuen HJ.-Heimes niedergelegt.
Vezirlsschöffengerichi Gießen.
Die L. W. in Berstadt war der Abtreibung (Vergehen gegen § 218 StGB.) beschuldigt. Die Ver- yandlung fand unter Ausschluß der Öffentlichkeit statt. Die Angeklagte wurde unter Zubilligung mildernder Hmstände zu einer Gefängnis st rase von zwei Monaten verurteilt.
Der O. P. in Gießen ist wegen Diebstahls, Betrugs und Hrkundenfälfchung (Vergehen und Verbrechen nach §§ 242, 263, 267, 268 StGB.) anae- klagt. Er war zum Termin nicht erschienen. Auf Antrag der Staatsanwaltschaft erging Beschluß: Der Angeklagte ist zum Termin am 7. März 1939 vorzuführen, weil er trotz ordnungsmäßiger Ladung zum heutigen Termin nicht erschienen ist.
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Der G. W. S. in Wölfersheim war beschuldigt, etwa Mitte August 1938 in der Absicht, sich einen rechtswidrigen Vermögensvorteil zu verschaffen, eine öffentliche Hrkunde (Führerschein) gefälscht zu haben. (Verbrechen gegen §§ 267, 268 StGB.) Der Angeklagte war geständig.
Der Vertreter der Anklage beantragte, unter Zubilligung mildernder Hmstände auf die gesetzliche
Mindeststrafe von drei Monaten Gefängnis zu erkennen. „_______
Mit Rücksicht daraus, daß auch aus § 363 StGB. Bestrafung erfolgen könne, wurde die Verhandlung nochmals eröffnet. Der Anklagevertreter beharrte auf feinem Antrag.
Urteil: Der Angeklagte ist schuldig der Hebertre- tung des § 363 StGB, und wird zu einer Haft- strafe von drei Wochen verurteilt.
Aus Der engeren Heimat.
Gauwandertag in Schotten.
NSG. Die NS.-Gemeinfchaft »Kraft durch Freude" des Gaues Hessen-Nassau gibt jetzt ihre größeren Wanderveranstaltungen für das Jahr 1939 bekannt. Sechs Wanderer-Sonderzüge sind bisher vorgesehen, im März nach Michelstadt im Odenwald, Ostern in den Schwarzwald ober den Gau Saarpfalz, im August nach Holzhausen bei Gladenbach, im September ins Aartal, im Oktober zum Emtedanksest nach Nanzenbach und im November nach Ufingen. Der 18. Mai ist Gauwandertag, an ihm treffen sich die KdF.-Wanderer aller Kreise in S ch o 11 e n im Vogelsberg. Die Wanderwarte unternehmen am 28. und 29. Mai eine Wanderung nach dem Schlitzerland. In Hachenburg (Westerwald) treffen sich am 28. und 29. Oktober die Wanderführer aller Kreise zu einem Wanderführertreffen. Neben diesen großen Veranstaltungen finden in großer Zahl in allen Kreisen und Orten die beliebten KdF.-Wan- berungen statt.
Tödlicher llnglücksfoll eines Kindes.
In kochendes Wasser gestürzt.
* Dutenhofen (Kreis Wetzlar), 23.Febr. In unserem Orte ereignete sich ein schwerer Un = fall, dem das vierjährige Söhnchen Herbert des Formers Weber zum Opfer fiel. Der kleine Junge sah am Fastnachtsbienstag dem Maskentreiben auf ber Straße zu, erschrak aber plötzlich vor einer Maske unb ging rückwärts in ben Hof eines Nachbarn. Dort ftanb zufällig ein Zuber heißen Wassers auf ber Erbe. Das Kind stürzte rücklings hinein und erlitt dabei schwere Verbrühungen, die sofort die Ueberführung des Kindes in die Chirurgische Klinik notwendig machten. Heute vormittag ist das bedauernswerte Kind leider feinen schweren Brandwunden erlegen.
Landkreis Gissten
* Klein-Linden, 23. Febr. Das zweijährige Söhnchen Gerhard des hiesigen Elektromonteurs Weigel erlitt durch einen unglücklichen Sturz einen Schädelbruch und mußte in die Chirurgische Klinik nach Gießen gebracht werden.
△ Holzheim, 24. Febr. Am heutigen Freitag, 24. Februar, kann eine der ältesten Einwohnerinnen
den Zahnen bekämpfe den Zahnstein!
vesonders hinter den unteren Horderzähnen sitzt der häßliche Zahnstein, putzen Sie daher 3hre Zähne regelmäßig mit Soliöor — besonders Kräftig oon rückwärts! Durch den Gehalt an Sulforizin-Oleat bekämpft SoliboE § den Zahnstein, verhindert seine Neubildung. K
O ZAHNPASTA
SOLI DO
Gegen Zahnstein
Vas Möchm MO.
Noman von Mlthec Kloepffer.
Copyright by darf Duncker Verlag, Berlln^S5
4. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
Marie war, nach dem Treffen mit Holl, zu Professor Dr. Brettschneider gegangen, dem Chefarzt, der auf der wissenschaftlichen Station hauste, Bücher um sich, weltfern an irgendein schwieriges Problem verloren. Brettschneider war ein verrunzeltes Männchen, Junggeselle, bekannter Publizist, mit einem viel zu großen weißen Rübezahlbart und einer durchaus unmodernen Goldbrille. Er saß gerade vorm Mikroskop und betrachtete ein Milzpräparat. Er war mit der Familie Hegemann feit langen Jahren befreundet und neben Dem Hausmeister Gieseke Hegemanns ältester Mitarbeiter. Er kannte Maxie von Kindesbeinen an, duzte sie unb nannte sie hartnäckig Liane, inbem er völlig übersah, baß bas junge Mädchen feinen Vornamen inzwischen mehrmals gewechselt hatte. Denn Maximiliane bot allerhanb Möglichkeiten ber Abkürzung, fiiane, Mila, Maxie.
»Ach du bist es, mein Kind!"
»Störe ich, Onkel Brettschneiber?"
„Gar nicht. Diese Milz ba hat Zeit. Famos siehst bu aus, schön unb bräunlich wie die jungen Damen in den Zeitschriften, die ich manchmal beim Friseur durchblättere. Was trägst du an der Stirn für ein grünes Schirmchen? Hat man das jetzt?"
"Nur beim Segeln unb Tennisspielen. Es ist praktisch gegen bie Sonne. Dars ich mich setzen? Ich komme mit einer Bitte."
„Nur zu, mein Kinb."
„Sie betrifft Doktor Holl. Sag mal, bist du zu- frieden mit ihm?" forschte sie ängstlich.
„Natürlich. Sonst wäre er schon längst wieder hinausgeflogen. Einen Patzer würbe ich nicht einmal dir zuliebe behalten, Liane. Was ist los mit Doktor Holl?"
»Ich habe ihm nahegelegt, er soll dich um Urlaub bitten. Nicht wahr, du kannst ihn entbehren, Onkel Brettschneider?" Maxie gelang eine so bewegliche Miene, daß sie einen Härteren als den guten Professor erschüttert hätte.
Der alle Herr putzte umständlich seine Brille, setzte sie auf unb erroiberte würbig: „Siehst bu, Liane, ich staune immer wieder, wie unlogisch die Frauen sind. Erst hängst du mir diesen jungen Mann mit
ber Begründung auf, du habest gehört, wir seien hier überlastet, und es müßte für das Krankenhaus eine dritte Kraft her, unb heute sagst bu — ich kann ihn leicht entbehren! Da steckt etwas bahinter. Willst bu mir nicht reinen Wein einschenken?"
Maxie seufzte ein bißchen unb spielte mit ihrem Tennisschläger. „Na gut. Ich will bir alles erzählen. Aber bu barfft denen daheim nichts sagen. Ich habe Holl gern." Maxie sand, daß bas Aergste heraußen war.
„Sehr?"
„Ganz schrecklich. Ich habe gar nicht gewußt, baß es so etwas gibt/'
„Hm."
„Guck mal, bas ist so gekommen. Ich habe doch im Frühjahr diese große Denedigreise mit der „Monachia" gemacht. Paps wollte mich allein nicht fortlassen, er hat manchmal so komische Ansichten, unb ba habe ich mich eben so einer Gesellschaft angeschlossen. Holl war unser Reiseleiter. Die Reisebüros nehmen ba so Herren, bie mit der Landessprache und der Gegend Bescheid wissen. Holl mußte ein wenig Gelb oerbienen, weil es mit einer Assistentenstelle ober Praxis nicht klappte unb er boch aus einer einfachen Familie stammt Er war allen Teilnehmern sofort sympathisch: ruhig unb bescheiden, wie er ist. Namentlich gegen ältere Damen war er ungeheuer nett unb zuvorkommenb. Gegen die jüngeren war er selbstverständlich auch nett, aber in Grenzen. Er ist überhaupt nicht so auf Frauen aus, o nein, das habe ich gleich gemerkt. Trinkgelder hat er auch keine genommen, obfchon ihm die paar Mark wahrscheinlich gutgetan hätten. Dann war das am Lido. Ich bin mit ben anderen hinausgeschwommen, benfe an nichts, unb plötzlich wirb mir ganz schwarz vor ben Augen. Ich bin wohl zu rasch ins Wasser gestiegen. Ein richtiger Schwinbelansall mit allem Drum unb Dran, mit Herzgeschichte und Funkentanzen. Unb wie ich ge» rabe noch denken kann: Holla, Maxie, jetzt geht's schief, jetzt säufst du ab wie ein Stein — da hat wich Holl schon beim Schlafittchen und bugsiert mich an Den Strand. An den Seilen, die für die Nichtschwimmer ins Wasser hinausgehen, hat er mich abgesetzt und gestützt unb gesagt: „Bitte, nehmen Sie sich mal einen Moment zusammen. Die anderen brauchen nicht zu wissen, daß wir ein bisserl schlapp gemacht haben, sonst ist gleich eine Mordsgaudi. Haben Sie etwas am Herzen? Nicht? Um so belfer. Na, das wird rasch wieder in Ordnung sein. Sehen - die, geht schon wieder Ein anderer hatte ein Theater hergemacht von wegen Heldentat und Lebensrettung und so. Aber so etwas liegt 1 ®eor9 "icht. Der ist überhaupt ganz anders als die
andern Männer. Und da hab ick also meinen Kops an seiner Schulter gehabt und hab Wasser gespuckt unb war himmelsfroh, baß ba so ein starker, zuverlässiger Mensch war, an bem ich mich hab anb alten können. Später hat er mir auf ben Rücken geklopft: „Wär' boch ewig schab' gewesen um so ein reizenbes Möbel; baß ich es sag: Sie finb mir bie Liebste von der ganzen Kiste."
Das war seine Liebeserklärung; wenigstens habe ich es für eine solche genommen. Unb bann ift’s eben so weitergegangen mit uns. Unb wie er erfahren hat, baß Paps bie große Fabrik besitzt, war ihm bas erst gar nicht recht. „Das wird schöne Schwierigkeiten geben", hat er gemeint. Und zu ber Stellung hier habe ich ihn auch erst Überreben müssen."
Maxie hob ben gesenkten Kopf unb schielte unsicher zu Brettschneiber hinüber, ber keinen Ton von sich gab unb mit einem Brieföffner spielte. Hört Der überhaupt zu, buchte sie. Sie züngelte ein bißchen in ihrer Oberlippe herum und fuhr bann in ihrer Erklärung weiter:
„Jetzt ist natürlich das Mißliche mit Paps und Abele. Die haben boch noch keine Ahnung. Unb ba habe ich mir eben ausgemalt, wenn Georg mit nach Seesham könnte, ließe sich das vielleicht deichseln. Ich könnte ihn mit den Eltern bekannt machen und so. Das geht jetzt schon an die vier Monate zwischen uns und ist nichts Halbes unb nichts Ganzes. Mal ein Spaziergang, mal eine Tasse Kaffee, mal ein Telephongespräche, bas ist alles, was wir voneinander haben", schloß sie betrübt.
Brettschneiber wachte auf.
„Wie schnell bas heutzutage bei euch jungen Leuten geht! Er rettet bich unb bu fällst ihm um ben Hals. Zu meiner Zeit, liebe Liane--Aber bas
wird bich nicht interessieren. Natürlich müssen bie Eltern bas allmählich erfahren. Also schön, sag' deinem Holl, er soll wegen des Urlaubs bei mir vorsprechen."
„Ich habe ja gewußt, daß du mein guter Onkel bist", freute sich Maxie unb trat auf ben alten Herrn zu. „Aber jetzt muß ich schleunigst zu Tisch. Wir haben heute roieber ben jungen Mann aus Wien bei uns zum Essen, Herr von Tinser. Vielen, vielen Dank, Onkel Brettschneiber."
Marie verließ bas Krankenhaus unb ging durch den Garten nach der Villa hinüber. Während sie sich umzog, meldete bas Mädchen: „Der junge Herr Baron ist bereits seit einer Viertelstunde da. Ein fescher Mann."
„Ja, ganz nett. Wie ist denn meine Frisur? Recht verstruwelt? Geben Sie mir das Grüne her!"
Maxie schlüpfte in bas Kleib unb überlegte, daß dieser Tinser, ben Papa jetzt öfter einlub, viel annehmbare Eigenschaften hatte. Er sah blendend aus, hatte eine schlanke Figur und einen interessanten Kopf. Seine Umgangsformen waren untadelig, er hatte auch einen guten Schneider unb war sicher ber Traum vieler junger Mädchen. Auch ber Wiener Dialekt klang hübsch aus seinem Munbe, unb gab seinen Worten etwas Unbeschwertes, Liebenswürdiges.
Maxie hatte jetzt das Kleib übergeftreift unb schritt ins Speisezimmer, wo schon alles versammelt war.
„Endlich, Kind! Du hast uns aber lange warten lassen", tadelte die Mutter unb schellte bem Diener. Frau Abele war eine vornehme Erscheinung, etwas nervös unb zur Runblichkeit neigenb, was ihr das Leben zuweilen verbitterte. Sie besaß dasselbe hellblonde Haar wie die Tochter.
„Na, laß nur, Adele", beschwichtigte der Geheimrat und blinzelle Maxie mit einem Verschwörerblick zu. „Wir haben uns auch so ganz ausgezeichnet unterhalten, nicht wahr, Herr von Tinser?^ Hegemann, ein gutaussehender Fünfziger, mit etwas Bauch und angegrauten Schläfen, hielt in Zweifels-' fällen stets zu feiner Tochter.
„Das will ich meinen, Herr Geheimrat, Schauen S', wenn ich von Wien red', geht mir hall das Herz auf. So eine Stadt gibt's nicht gleich wieder auf bera Well. Küß die Hand, gnädiges Fräulein; aus» fchaun tun wir wie ein SRaientagr Tinser war von Maxie jedesmal begeistert unb lächelte Der- schwenberisch. Schlank unb biegsam — ganz sein Geschmack war bas Mädel. Er verglich es im stillen mit der Artemis, die er voriges Jahr im Louvre gesehen hatte, und die chm eine Art Ideal- begriff für Formenschönhell geworden war. Tinser beschränkte sich indes nicht auf stumme Bewunderung, sondern ließ ein erprobtes Damengespräch vom Stapel, worin er Meister war.
„Nun, Herr von Tinser, jetzt nach vierzehn Tagen darf man ja wohl fragen, wie es Ihnen bet uns in München gefällt?" sagte Maxie zwischen ^uppe und Vorspeise.
„Ohne Einschränkung — großartig, Fräulein He gewann!"
„Na. na, übertreiben Sie nur nicht. Wie ich meinen guten Paps kenne, spannt er feine jungen Herren tüchtig ein. Im Dienst ein Viech, sagt man hierzulande."
„Maxie!" drohte Frau Slbele vorwurfsvoll.
(Fortsetzung folgt!)


