Ausgabe 
23.12.1939
 
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Weihnachtsbriefaus d-mKelde

Für Eure freundlichen Gaben zum Weihnachts- fest, mein lieber Herbert, sage ich Dir und Deiner Familie besten Dank. Eure Liebesgaben sind durch die Vorsorge der Feldpost diesmal pünktlich ange- langt und werden am Heiligabend bei meiner Kom­panie verteilt werden. Besonders danke ich Euch dafür, daß Ihr auch der beiden Vollwaisen in meiner Kompanie gedacht habt, svdah von meinen Männern bei der Postoerteilung nun niemand leer ausgeht. Es hat uns immer lerd getan, wenn wir sehen mußten, daß diese beiden Gefreiten ohne einen Gruß aus der Heimat blieben. Das Beispiel, das Ihr gegeben habt, wird hoffentlich noch Nach­ahmung finden, sodaß in Zukunft jeder Soldat weiß, daß auch an ihn draußen gedacht wird.

Ich hoffe, daß auch Ihr diesen Brief rechtzeitig zum Weihnachtsfest erhaltet. Es ist ein merkwür­diges Gefühl, wieder einmal Weihnachten draußen mit den Kameraden im Felde zu verleben. Ich hätte nicht geglaubt, daß das noch einmal geschehen würde. Nun aber, da es geschieht, wissen wir auch, warum es geschehen ist. Gewiß ist es viel, wenn eine Generation, wie die unsere, zwei Kriege mit- zumachen hat, aber man kann sich ja seine Gene» vatwn nicht aussuchen und ich glaube daß eine Generation ja auch gewertet wird nach den Auf­gaben, die ihr gestellt werden.

Es ist ein gutes und tröstliches Gefühl zu wissen, daß auch die übrigen Kameraden, Die den Welt­krieg mitgemacht haben, so denken wie ich. Unter meinen Männern habe ich unseren alten Zugfüh­rer aus dem Weltkrieg, den Du ja auch kennen ge­lernt hast, wieder ange troff en. Er ist jetzt Feld­webel und Kompaniemutter, und einen besseren hätte ich garnicht finden können. Wir haben noch mehrere alte Leute bei uns, und es wird uns in gewissem Sinne leid tun, wenn sie entlassen wer­den, so sehr wir sie auch der Heimat und der Familie gönnen. Sie sind uns aber, das muß ich Dir offen sagen, eine sehr große und wertvolle Hilfe gewesen. Sie waren gewissermaßen der Kitt, der die Kompanie zusammenhält. Sie haben den übrigen Kameraden die Kameradschaft vorgelebt und sie wußten, was der Krieg wirklicy war. Es ist d-as gerade für den Anfang von besonderer Bedeutung gewesen, denn diese alten Feldsoldaten wußten, wie man sich benimmt. Sie wußten aber auch, wie man unnötige Opfer erspart, und neben der guten Aus- bildung unserer jungen Soldaten ist es gerade die Feldersrahrung der alten gewesen, die es ermög­licht hat, daß wir mit so geringen Verlusten aus Polen jetzt hier an den Westwall kamen.

Es ist ja m diesem Krieg bisher vieles anders gewesen, als es 1914 war. Eines aber ist das gleiche wie damals: Es herrschen heute der gleiche Geist, der gleiche Ernst und die gleiche Selbstverständlich' kett der Pflicht. Mit Phrasendrescherei ist hier nichts zu machen, und die großen Worte hat sich mancher sehr schnell abgewöhnt. Statt dessen aber ist etwas besseres entstanden, nämlich eine Kampfgemeinschaft. Wir entsinnen uns noch der Tage an der Bzura und der schweren Tage vor Warschau. Das hat uns zusammen geb rächt und wird uns auch weiterhin zu­sammenhalten. Wenn neue Kämpfe kommen, so werden wir sie in bester Gemeinschaft und Kame­radschaft überstehen. Du weißt, ich mache nicht gern große Worte, aber ich bin aus meine Männer stolz. Sie haben sich bis jetzt bewährt, und sie werben sich auch in der Zukunft bewähren.

Dabei ist der Dienst keineswegs immer leicht. Es ist ja nicht so, als ob hier den ganzen Tag Skat gespielt würde und als ob der Aufenthalt im Bun­ker einem Sanatoriumsaufenthalt gleichzustellen wäre. Du weißt als alter Soldat, was zu tun ist, und du weißt auch, daß der Dienst dazu da ist, um getan zu werden. Und wenn wir vorn liegen, so fehlt es auch nicht am Kriegsernst. Die Späh­truppunternehmen, von denen das Oberkommando der Wehrmacht berichtet, sind keine Kleinigkeiten, und es ist auch nicht eine Selbstverständlichkeit, hier im Pfälzer Wald, ob es stürmt oder schneit, auf der Wacht zu stehen. Zum Glück wird für uns I

ja so gesorgt, daß wir sehr wenig Abgänge haben. Aber auch wenn alles geschehen ist, um uns den Winterfeldzug zu erleichtern, so bleibt auch zu Weihnachten 1939 der Krieg eben Krieg. Und wenn die Zeitungsleser daheim von den KdF.-Veranstal- tungen an der Front vernehmen, nun, so ist das doch immerhin eine Ausnahme, auf die wir uns vielleicht einmal im Monat, wenn wir hinten in Reserve liegen, freuen können. Und wir hören auch nicht jeden dritten Tag allesamt ein Wunschkonzert, sondern wir haben oft ganz andere Dinge zu tun.

Wir feiern aber dieses Weihnachtsfest froh und zufrieden, weil wir wissen, um was es geht und weil wir wissen, daß wir diesmal an der Heimat den gleichen festen und unerschütterlichen Rückhalt haben, den die Heimat an uns hat. Mit den Frie-

densschalmeien kst es nun in diesen Tagen nichts, aber wir wissen das zu tragen, denn wir sind Männer und müssen Männer fein. Das gilt auch für die jüngsten unter meinen Leuten, Denn sie sind alle in Polen zu Männern geworden. Ich er­innere mich gerade in diesen Festtagen, daß der Führer einmal gesagt hat, daß uns nichts auf der Welt geschenkt wird. Das gilt auch für den Frie­den. Wir wollen den Frieden, wir haben ihn im­mer gewollt. Aber da wir chn nicht anders haben können, so mässen mir jetzt um ihn kämpfen. Wenn nun m dieser Stunde über Euch in der Heimat und über uns an der Front der Weihnachtsstern steht, so ist uns das eine feste Hoffnung, daß in diesem Kampf um den Frieden unsere Waffen gesegnet sein werden.

Weihnachtsfeier in der Stellung einer Flakbatterie. (Scherl-Bilderdienst. Hofftnann-M.)

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Die Liebesgabe.

Von Walter Sperr ng.

Ein kalter erbarmungsloser Winter hatte 1917 das Land zwischen Wilna und Minsk in Fesseln gelegt. Doch das Leben ging weiter in der weißen Einöde; auch in der kleinen Sägemühle am Rande des Wal­des, in der Nähe des Naroczfees.

Die feldgraue Belegschaft hatte ttotz allem den Anschluß an die Zeit nicht verloren. Weihnachten stand vor der Tür; das sollte fern der Heimat fest­lich begannen werden. Karl Neuber hatte den Auf­trag, von Der eine Stunde entfernten Abteilung die Post zu holen. Er machte sich am stützen Nachmittag aus den beschwerlichen Weg, dachte heute oft an feine Jugend, die er elternlos bei Fremden auf dem Dorf verbrachte, wo's mir Arbeit über Arbeit gab.

Ihm war auch jetzt gar nicht weihnachtlich zu­mute. Er nahm sich vor, das Fest wie üblich zu ver­schlafen.

Die Post war reichlich etngegangen an diesem Tage. Briefe und Päckchen für seine Kameraden. Nur ihm hatte hierher keiner geschrieben. Er er­wartete auch nichts. Um so erstaunter war er, als ihm zuletzt noch ein Päckchen gereicht wurde, auf dem ganz deutlich sein Name stand.

Für mich ...?" murmelte er und drehte das Päckchen mit dem Stempel seines Heimatdorfes verlegen und unschlüssig herum. Absender war der alte Schulmeister, der sich einst große Mühe mit ihm gegeben hatte; und Drin lag nun außer einer Tabakspfeife und einem Kartengruß ein ganz kleiner künstlicher Weihnachtsbaum mit einigen dün­nen Kerzen.

Was soll ich damit?" Er blickte sich ratlos um, das Bäumchen in seiner Hand haltend. Enttäuschung spiegelte sich auf seinem Gesicht wider. Die Pfeife;

KrümeniJÄ!

die war richtig. Aber ein Tannenbaum? ... Hier, wo er täglich Tannenbäume zersägen mußte, und außerdem ...

Das können sie doch zu Hause nicht wissen", begütigte einer.Nimm ihn mit, als Andenken!"

Neuber wickelte alles zusammen und hing das Päckchen ans Koppel. Die Pfeife benutzte er gleich und trat rauchend den Rückweg an.

Er fühlte das Zunehmen des Frostes und be­schleunigte seine Schritte. Dunkelheit senkte sich herab. Schon blitzten einige Sterne am Himmel. Als er den Wald erreichte, war das Tageslicht längst enteilt. Die Aeste knisterten unter der Gewalt des Frostes. Ab und zu fiel geräuschlos ein Schnee­klumpen aus dem Geäst. Er hatte keine Furcht, aber eigentümlich war ihm doch zu Mute.

Er begann zu pfeifen, hörte aber gleich wieder damit auf, denn es war ihm, als höre er einen Hund bellen.

Nun blieb er stehen. Er hatte sich nicht getäuscht. Ganz deutlich kamen die Laute aus dem Dunkel des Waldes. Hunde? ... Er faßte seinen Stock fester irni) schritt weiter. Wieder hörte er das Dellen und Heulen. Diesmal viel näher und hinter sich. Ab­wartend blieb er abermals stehen und schaute an­gespannt horchend zurück. Es war ihm, als huschten dunkle Gestalten zwischen den Stämmen. Da wie­der! Schwarze Schatten! In hastigen Sprüngen kamen sie näher und waren auf dem hellen Sch nee - gründ schon deutlich erkennbar. Neuber beugte sich vor in jähem Erschrecken.Wölfe!" entfuhr es ihm. Seine Hand griff nach der Schußwaffe. Im letzten

Augenblick. Der erste Schuß krachte. Der (Betroffene machte einen wilden Satz und verschwand heulend. Zwei andere setzten zum Sprung an. Neuber schoß wiG besessen. Die Wölfe zogen sich zurück, strichen aber in weiten Kreisen noch um ihn herum, und er hatte keine Kugel mehr. Er schlua mit dem Stock gegen einen Baum. Da legten sich zwei der Blut- aierigen unweit von ihm in den Schnee und ließen kein Auge von ihm.

Er dachte an sein Ende, seine Hände fuhren hilf­los suchend in die Taschen. Er griff das Feuerzeug, und jetzt erinnerte er sich, daß Feuer Wölfe in Schach halten könnte. Feuer ... Sein Fuß stand zwischen den im Schnee liegenden Päckchen. Ob Kerzen genügten? Hasttg riß er seine Papierhülle auf. Wieder hielt er das kleine Däumchen in seinen Händen und die Kerzen er steckte sie mit fieber­hafter Eile im Halbkreis um sich in den Schnee.

Gerade als wieder Bewegung in die Wölfe kam, flammten die Lichter auf. Er sah ein Paar Wolfs- augen leuchten, aber alles blieb still.

Jetzt werden sie in der Heimat um den Weih­nachtsbaum stehen, kam ihm in den Sinn, während er traumverloren in die kleinen Flammen starrte. Weihnacht? Ein «schmerzliches Lächeln legte sich auf fein Gesicht, als die erste Kerze zischend im Schnee verlöschte. Er hatte das früher auch oft ge­sehen, wie Kerzen am Tannenbaum erloschen. Den anderen war das immer ein wenig schmerzlich ge­wesen, wie er wußte. Ihn hatte es nie berührt. Aber heute ...

Wieder verging eine Flamme. Noch zehn waren übrig. Neuber gab alles Denken und alle Hoffnung auf. Zusammengekauert saß er hinter der von Lücken unterbrochenen Lichterreihe. Alle seine Sinne ver­sagten ihren Dienst. Er hörte auch nicht das Rusen aus der Ferne. Erst als seine Kameraden die besorgt um ihn, auf die Suche gegangen waren vor ihm standen, kam er zu sich.

Sprechen konnte er nicht. Nur seine Hände um­klammerten fest die Liebesgabe aus der Heimat das Bäumchen und redeten eine eigene stumme Sprache, und in feinem Herzen regte sich ein bisher unbekanntes Gefühl; ein Gefühl dankbarer Freude, das alle Menschen an diesem Tage näherbringt.

Bescherabend.

Von Ernst Kreutzer

Zu Mittag gab es Gänseklein mit Reis und es wurde in der Küche gegessen, da das Wohnzimmer verschlossen mar. Derbes geschah nur einmal im Jahre. Kurz darauf verschwand der Ehristbaum vom Balkon. Tagelang hatte er draußen am Bal­kongeländer gelehnt, nun war er plötzlich verschwun­den. Mr mußten noch sehr klein gewesen sein, aber welche Rolle spielt es, ob wir fünf, sieben oder acht Jahre alt waren, auch später waren wir an diesem Nachmittag noch immer klein.

Mein Bruder holte die Wäscheleine aus der Speisekammer. Ich schleppte einige Stühle herbei, stieg darauf und spannte die Lerne vom Schrank zum Fenster. Draußen im Gang hörten wir die Schritte der Eltern. Türen gingen auf und zu. Papierrascheln und geflüsterte Worte drangen zu uns, dann machte es einmal leisePing" und das Herz schlug uns schneller. Da ich der Äeltere war, obwohl nur um Iahreslänge, nahm mein Bruder unwillkürlich jede Stimmung von mir an. Er ließ den Blick nicht von meinem Gesicht. Sprach ich zu ihm, bewegte er genau so die Lippen und machte dasselbe, mein Gesicht dazu

Ich sehe an diesem Gänseklein- und Küchennach-

spielte die große Spieldose in dem Mahagonischrank neben der Tür langsam und klimpernd das Weih­nachtslied. Während die Mutter unsere Hände los­ließ, trat mein Vater auf sie zu und zog sie an sich, und nun standen mir feierlich verwirrt unter der Tür und fangen verlegen und heiser das Weih­nachtslied mit.

Aber nur unsere Münder fangen, denn der Schrecken der Freude saß uns im Herz und mit wett geöffneten, starren Auaen folgten wir dem lackglänzenden, langen fährenoen Gsenbahnzug, der schnurrend auf den Hellen Weißblechgleisen über den ausgezogenen Tisch eilte, durch bemooste Tunnels hindurch und an erleuchteten Bahnhöfen vorbei. Das Weihnachtslied ging zu Ende, die Ehriftbaum- kerzen zwischen dem Engelshaar und dem Silber­schnee und den großen blauen, roten und grünen Glaskugeln leuchteten still und strahlend, der Eisen- bahnzug fuhr langfamer, die Eltern wischten sich lächelnd die Tränen aus den Augen, das Fen­ster wurde zugemacht, und dann schlossen sich unsere Ettern jener unvergeßlichen Entdeckungs- und Be- wunderungsreise an, die nun für uns begann. Und erst jetzt waren wir erlöst.

Wie es möglich war, nach diesem Freudenrausch eine Nacht lang zu schlafen, ist mir unbegreiflich. Aber der Augenblick des Erwachens am Weihnachts­morgen entschädigte für alles. Mit bloßen Füßen, in den zu langen Nachthemden, gingen wir leise ins noch morgendunkle Weihnachtszimmer. Dort duftete es nach Tannennadeln, nach Marzipan und dem Lack des neuen Spielzeugs. Dieser erste, große Weihnachtstag lag nun wie ein ganzes Jahr vor uns. Damals wußte ich noch nicht, was ein Fest war, aber ich hatte es so tief erlebt, daß alle an­deren, späteren Feste damit nicht mehr zu verglei­chen waren.

mittag mit seiner undurchsichtigen, bedrückenden und zehrenden Spannung den Himmel vor den Fenstern immer nur von einem bleiernen, fahlen Grau. Dann wurde es dunkler in der Küche, wir hatten spät gegessen, und nun kam der Augenblick, wo wir un­rettbar wieder in die alte Kindereinsamkeit gestoßen wurden. Draußen wurde der Küchenschlüssel plötzlich herumgedreht, wir waren eingeschlossen, es war fünf Uhr, um sieben sollte beschert werden. Ich rückte die Stühle auf den Fliesen entsprechend aneinander, mit den Lehnen gegeneinander, ergriff die herabhängende Leine, läutete ab, mein Bruder stieg rasch noch ein, und dann fuhr unsere Straßenbahn, die Linie 16, durch die Stadt. Es war ein eintöniges und groß­artiges Spiel. Manchmal vergaßen mir, was uns erwartete.Jemand zugestiegen?" fragte ich.Für zehn geradeaus!" sagte mein Bruder,fiat alles Fahrkarten?" fragte ich.Jawohl", sagten die un­sichtbaren Fahrgäste.Karlstraße, umsteigen nach Bürgel", rief ich aus und zupfte zweimal an der Leine. .

Nach langer, langer Zett wurde draußen der Schlüssel plötzlich wieder herumgedreht. Die Mutter kam herein, mit heißen, roten Wangen, und wir mußten uns noch einmal waschen und kämmen und umziehen, ununterbrochen fragten mir sie, ob wir auch viel bekämen, und immer mar die quälende Antwort, der Weihnachtsmann wäre bis jetzt noch nicht gekommen, wahrscheinlich, weil er erfahren hätte, daß wir manchmal ungezogen gewesen wären. Bestand keine Hoffnung, daß er doch noch zu uns kam? Grenzenlos war di« Macht der Ettern über das ahnungslose Kinderherz in dieser Stunde, wir reichten damals gerade bis zum Küchen tisch und waren wehrlos wie ein gefangener Vogel.

Zuletzt standen wir verstört, gewaschen und mit den Sonntagskleidern in der Küche, die Mutter neben uns, und warteten auf das erregendste aller Zeichen Endlich kam es, schauernd und frierend hor­ten wir es, das silberne, klingelnd« Läuten der drei alten Schlittenglöckchen, mit denen der Vater un­sichtbar drüben den Besuch des Weihnachtsmannes anmelbete. Ach, immer wollten wir ihn noch rasch sehen, und immer, unbarmherzig, wehte nur noch hie lange, weiße Gardine im Luftzug des geöff­neten Fensters, durch das der Weihnachtsmann ge­rade hinaus geftiegen war.

Aber der Eintritt ins Weihnachtszimmer, in dem der geheimnisvolle Besucher eben noch geweilt hatte, war für uns beiden kleinen Leute fast unerträglich dramatisch. Denn nun loste sich auch noch die Span­nung der Eltern. Uns beide rechts und llnks an der Hand, ging di« Mutter mit uns aus der Küche langsam über den dunklen Flur zu Der Tür des geheimnisvollen Zimmers, die von meinem Vater drinnen geöffnet wurde, sobald das Klingeln auf- gehört hatte. Und in dem Augenblick, da wir ein» traten in das lichterstrahlende Weihnachtszimmer,

Zeitschriften.

Geleitworte und Glückwünsche in großer Zahl, u. a. von den Ministern Frick, Goebbels und Darrs, begrüßen die Dezemberausgabe vonWester­man n s Monatsheften", die als das 1000. Heft dieser ältesten deutschen Monatsschrift ihren festlichen Inhalt dem Ausland widmet. Farbige Aufiätze stellen das Werk des spanischen Meisters Delazquez und bulgarische Volkskunst dar. 3m Tiefdruck erscheinen malerische Aufnahmen von 3s- land. Ein japanisches Märchen bringt javanische Originalzeichnungen. Marie und Knut Hamsun sind mit einer Erzählung und einem Gedicht vertreten. In der Schweiz spielt der Roman des in Norwegen lebenden Karl Friedrich Kurz. Die Finnländenn Matta Talvio erzählt ihre erste Begegnung mit Deutschland. Ein AufsatzDie Groß« Roms^ ver­knüpft Geschichte mit der Gegenwart des italieni­schen Reiches.

lad)te Vater auf einmal und Eda sagte zufrieden mit ihrer rauhen Stimme:Der sorgt dafür, daß er nicht verhungert, der Bengel!"

.Ich habe Angst, daß die da draußen frieren", sagte Mutter schließlich. Da wurde die Tür aufge­macht; sie tarnen vorsichtig herein, blinzelten gegen das Licht und gingen in großem Bogen an Eda vorbei zu Mutters Bett. Richtig, da laa der neue Bruder, gerade so wie beim letztenmal, als Eda hier war. Das ganze kleine Gesicht war an Mutters Brust gedrückt.

Sie standen verwundert mit offenem Mund. Sie vergaßen, daß die Ziege und die Henne natürlich auch mit hereingekommen waren und verloren die Scheu, obgleich Eda mitten in der Stube stand, dick und rund wie ein Heuschober in ihrem grauen Unterrock, und schrie, daß nun auch das Viehzeug in die Stube hereinaekvmmen sei.

Da fiel der ältesten Schwester etwas ein. Sie wagte sich zwar zuerst nicht recht mit Der Sprache heraus, aber Dann flüsterte sie halblaut:Das ist ja beinahe wie damals, als Jesus geboren wurde. Da waren auch Tiere dabei und das war auch ge­rade am Weihnachtsabend."

5)ört mir nur das Mädchen", rief Eda.fiat sie nicht ganz recht? Laßt die Ziege und die Henne nur ruhig da! Ihr werdet sehen, daß sie Glück bringen."

fährst ches, Mystisches, Fremdes darin. Sie fuhr mit dem Wagen vor und hatte einen großen braunen Korb mit. In dem so viel verstanden die Kinder brachte sie das Jüngste. Und wenn Eda alle ihre Tücher, Mäntel und Röcke abgelegt hatte und nur in Dem grauen Unterrock mit Den roten Borten da­stand, dann mußten sie hinaus. Ob sie etwas zu tun hatten oder nicht, hinaus mußten sie.

Einmal kam Eda, daraus konnten sie sich noch ganz gut besinnen, mitten in der Nacht, hatte das Kind abgegeben, Kaffee getrunken und stand schon reifefertig, als die Kinder erwachten. Das war gut eingerichtet. In diesem Jahr kam sie aber gar am Heiligenabend.

Was war da zu machen? Auf den Nachbarhöfen schmückten sie wohl auch ihre Weihnachtsbäume und hatten mit sich selbst genug zu tun. Es war nicht zu erwarten, daß irgend jemand die Kinderschar von Anders gerade an diesem Abend zu sich nehmen wollte. Da kam es gut zustatten, daß sie den Ver­schlag für di« Ziege und das Huhn hatten. Da drin war es zwar dunkel und ein bißchen katt. Die älteste Schwester nahm das Kleinste auf Den Arm, einer von den Jungens hob die Henne hoch und setzte sie auf seine Schulter, so daß keiner auf sie treten konnte. So standen sie alle draußen zusammenge­pfercht, als der klein« Bruder am Heiligenabend zur Welt kam.

Das war fürchterlich spannend; nie zuvor hatten sie so etwas Spannendes erlebt. Sie konnten Edas rauhe Stimme hören und Mutters schwache Stimme Daneben. Die Kinder geboten der Ziege Ruhe, di« schmähend wiederkaute und sich gar nicht für das Gespräch in der Stube zu interessieren schien, und brachten da? Jüngste zum Schweigen, das weinte und zu dem Weiynachtsbaum hineinwollte. Sie lauschten angefoannt es wäre ja eine so gute Ge­legenheit gewesen, das eine oder andere über die ge­heimnisvolle Eda herauszukriegen. Aber nein, Eda erzählte nur von den Läufern, die sie sich gewebt hatte und wie teuer sie geworden wären. Das Kind erwähnte sie nicht einmal. Es schien lange zu Dauern, ehe sie es auspackte. Nach einer Weile ant­wortete Mutter fast nichts mehr, wenn Eda er­zählte.

Dann und wann antwortete der Vater für sie und plötzlich horten sie draußen etwas ganz Merkwür­diges. Eda rief:Na, willst du keinen Ton von dir geben?" Und gleich Darauf horten sie einen wohl- «kannten Laut: ein Klatschen, gerade wie wenn ein unartiges Kind etwas hintendrauf bekommt. Und gleich fing ein heftiges Kindergeschrei an.

Die draußen fuhren zusammen schlug sie nicht das Kind, diese Hexe? Aber die wagten nicht Die Tür aufzumachen, obgleich das Weinen nicht aufhören wollte. Sie hofften, daß Vater mit der Hexe fertig werden würde Auf einmal wurde es ganz still. Sie zitterten vor Spannung was war jetzt los? Da