Ausgabe 
23.12.1939
 
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locfen durch 1 Auf dem Chi

>or der Oberndorfer Kirche saß schon

Herren -um Was denn,

Am Himmel hoch im tiefen Blau öer Stern... Aus Morgenlanö vor fast zweitaufenü Jahren Drei Könige kamen öurch üte Nacht gefahren/ Der Golöglanz wies öen reich belaöenen Herrn Den armen Stall: öa war öas Kinü geboren.

Dee Älem so golüen, öas Wunöer so wett... Statt öer Hirten unö öer erschrockenen Herüe Liegen im Kelü, an öer Grenze, unter öer ikröe Die ungezählten Äolöaten schweixenü bereit... Aber auch heute werüen uns Kinöer geboren,

9UI

«erteil.

Unö noch immer weröen öie Kerzen entzünöet, Glänzt aus öen Zl mmen tröstlich öer Gnaöenschein Der ewigen Weihnacht tief in öie Seelen hinein, Wirö uns örausten unö euch in öer Heimat verkünöet: Zrieöe auf Lröen, öen Meuchen ein Wohlgefallen.

In Jetten, als wir sorglos glücklich waren, Haben wir lange öaS liebliche Wunöer ergessen, Dachten zur Weihnacht an Gelö unö ein gutes Essen, Auch an öen Daum mit Lichtern unö Engelshaaren - Aber Verkünöung unö Sinnbilö gingen verloren.

n Wh. während 1 starrte, legte sich chend im h oft ge­hen. Den' 'M gr- berührt.

ände W- jeimat - e ftuinnli in bisher r Freude, -bringt.

noch Mittel und Wege geben, um einen Düngen für die Eisenbahn anzuschaffen. Es sei ja noch nicht aller Tage Abend beziehungsweise aller Nächte

etrosfeiR heulend.

Stranfl!*

Der eine der beiden männlichen Gäste, derselbe, der eben die entsetzliche Zuakatastrophe verschuldet hat, hebt plötzlich den Kops und ruft völlig un- motiviert zu der Dame des Hauses hinüber:Dei euch ist es doch wirklich immer zu reizend unö ge­mütlich!*

Klein-Ursel, die sich noch dem Kaff« wieder zu ihrer Puppenstube zurückgezogen hat, lormnt von Zeit zu Zeit zum Dati und zu den beiden Onkeln, legt die Hände auf den Rücken, schüttelt das Köpf­chen und saot:Die Männer sind völlig verrückt!*

Ja, die Männer sind glücklich! Am glücklichsten

ein Lied schreiben, bamit es bei der Christmette gesungen würde. Dann würde dieses Lied verwehen, m Vergessenheit versinken, wie so viele andere.

b°ran wenn nur die Symphonie gut

, 8ranz Gruber trat neuerdings den Blase- balg des Harmoniums, griff in die Tasten. Seine Lugen hingen an den krausen Schriftzügen des Pfarrers, die er vor sich auf dem Pulte hatte, und er begann zu melodieren, wie es ihm der Tert des Weihnachtsliedes eingab.

. unö er m Stack er Blut. ü> ließen

Kaff«.

Der Dati, wie aus weiter Ferne:

Iren hilf, erzeug, Dolfe in 4 stand N- Ob lpierhiille in seinen it fieber- Ne. ölfe kam, r Wolfs-

stellen.*

Die vier Damen einschließlich Ursel trinfen also für sich. Gesprächsthema:Die Männer sind völlig verrückt!"

Die drei Männer arbeiten mit ihren Zügen. Manchmal dringen erregte Rufe zu den Dirnen in« Nebenzimmer:

Mensch, du sollst doch die Lokomotive nicht an­fassen! Hier wird alles fernbedient. Nur die Wagen Dürfen berührt werden, aber auch nur beim Ran-

Ewiges Wunöer öer Weihnacht

Don Hans Thgriot.

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dern sich nicht etwa über dieses Geschenk für ein ...... * ' " ' nicht danach.

aber ist der Dati.

So glücklich ist der Dati über das Geschenk, das er seinem Urs eichen gemacht hat.

So unsagbar glücklich ist der Vati über das Ge- 1 schenk, das er dem Dati gemacht Hal.

zweijähriges Mädchen, sie fragen gar sie sind sofort selber bei der Sache.

Die Mutti kommt und bittet die

sicher und bte Mesner Rost singt al» rote etn Glöckerl."

Nachher is recht." Der Pfarrer wollte wieder hinab, in die Sakristei. Aber der Lehrer hielt chn zurück.Du, Pfarrer, denk dir nur, jetzt hab ich mit offenen Augen im wachem Zustand geträumt. Was ganz Närrisches hab id> geträumt. Plötzlich hab ich eine große Kirche gesehen und hab gewußt, die ist weit übemt Meer im Land Amerika. 9n der Kirche sind viele feine Leute gesessen, so nobel war dir alles, so schön unö glänzend, wie ich's noch nie gesehen hab. Und die haben alle unser Lied ge­rungen."

Du bist ein Spinnl-uber, mein lieber Lehrer*, lachte öer Pfarrer.Was fällt öir nur ein unser armseliges Lied.* Er sah in öie träumerischen, Hellen Musikantenaugen unö da ganz plötzlich verging ihm das Lachen. Etwas Ahnungsvolle», Großes war da, etwas, dagegen sich der Pfarrer nicht wehren konnte. Er strich beruhigend dem Leh­rer über die schmale Hand.Stellen wir's dem lieben Gott anheim, Gruber. Wer weiß, ob er

unserem Liebel bestimmt hat, zu sterben und zu vergehen, wie es den andern Liedern geschchsn ist,! die wir schon zusammen gemacht haben. Und jetzt leb wohl, Gruber. Macht eure Sache rechts"

Oben auf der Empore begann die Orgel zu spie- len, ein sinniges Thema blühte auf, wuchs zu einem weihevollen Vorspiel, Stimmen der Sänger fielen ein, der Sopran jubelte darüber hinaus, ©in seliges Klingen und jauchzen braufte durch den Raum, ein neues Lied, das von dieser Stunde an auf den Schwingen der allgewaltigen Zeit hinausflog über Land und Meer, überall dorthin, wo Menschen beim Lichterbaum die heilige Nacht feierten ...

gieren!"

Mensch, die Leerlok soll doch auf Gleis 3, nicht auf Gleis 2!" ,

Mensch, jetzt hast du schon wieder dreißig Tote und hundert Schwerverletzte auf dem Gewesen. Nun stell doch die Weiche endlich auf den geraden

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öer Lehrer Franz Gruber an der Orgel, hatte die Partitur des Liedes vor sich, des LiedesStille Nacht, heilige Nacht", das der Pfarrer Joseph Mohr gedichtete hatte. Es war ein liebes, heimeliges Lied geworden, fang sich leicht und ging ins Gehör. Jp irgend einer gerne ruhten die Augen des Lehrers, ein Blick schien hinaus^udringen, durch die Mauern Der kleinen, festlich geschmückten Kirche, hinaus über Berge und Grate, in die weite, große, lärmende Welt.

Die hölzerne Treppe f narrte; rasch, bevor er seinen Ornat anzog, kam der Pfarrer noch einmal auf den ©hör. Er beugte sich über den Lehrer.

Na. geht das Liebel? Können sie's alle?" Wohl, da fehtt sich nix, Pfarrer. Der Chor ist

tzineEstenbahnfürKlein-Llriel

Don Losch m Lange.

Der Vati ist noch so jung, so jungenhaft.

Acht Tage vor Weihnachten schleppt er ein ne- figes Paket ins Haus.Noch für Ursel!" flüstert er her Mutti auf dem Flur zu.Ich zeige es öir nach dem Abendbrot."

Die Mutti starrt das riesige Paket an. ..Aber dir haben doch schon die Puppenstube!

Puppenstube!" Der Dati lacht geringschätzig aus. »Keinen Blick wird sie fürste Puppenstube haben, denn sie das gesehen hat!" .. . ,

Am Abend packt er aus. Seine Augen lin° J?ri?p unö glänzend vor Freude. Die Augen der Muttt sind auch groß, und sie werden immer großer. Sie sicht eine Lokomotive mit einem langen D^ug, alles herrlich und naturgetreu nachgebildet, eine »veile, etwas kleinere Lokomotive, gut ein Dutzend Eüterwagen, einen Schnellttiebwagen, einen Vayn- M, Weichen, Signale, Schienen einen ganzen terg von Schienen. Die Muttt schüttelt den Kopf urä fragt:Sag mal, hast du eigentlich einen Sohn »!xr eine Tochter?"

Eine Tochter, öer Vati muß es gestehen.Aber mar um soll ein Mädel nicht eine Eisenbahn haben? Unö er erzählt Wunderdinge von dem Töchterchen eines Bekannten, das mit Bleisoldaten spiele wie ^,Nim,'^ie Meme ist immerhin schon fünf Jahre alt", stellt die Muttt fest. -Außerdem ist 'hr Vater lebst Soldat." Und sie setzt ihre peinhd>e Fragerei fort:Und wie alt ist deine Tochter?

Zwei Jahre, der Vati kann nicht umhin er mutz zugeben?Aber sie ist schon so si-u>-ckt,M« eme Lier- oder Fünfjährige, ja, als ob sie sch

*t WMye*& dmckt es anders aus. Sie sagt:Du bist vol g ver nickt!" Und von den Kosten will sie erst gar licht reden. Natürlich redet sie doch davon Aber bo ist der Vati Sofort mit Zahlen und hegendem len zur Stelle.Sie mal" erklärt er unö umW mit weiter Hanöbewegung die vor Neuheit gl 3 ten Herrlichkeiten,das ist sa vorerst^ einmal der Grundstock, das Atternotwendigste -

Das Allernotwendigste", echot die Muttt.

Christmette war, Mitternacht In den Bergen. Don nah unö fern zuckten Lichtlein einher Berg- bauern, die ins Tal stiegen, um zu mitternächtlicher otunöe die Geburt Christi zu feiern. Steigeisen true-gn sie an den Füßen, denn die Wege waren hart und glatt gefroren, Laternen hatten sie in den Händen, und tiefvermummt waren chre Gesichter. Denn der scharfe Frost klang wie tausend feine Glocken durch das Land.

Auf diesem Grundstock baue ich ... ich meine: bauen wir nun auf: jedes Jahr zwanzig Meter neue Schienen . .*

Zwanzig Meter Schienen."

Oder auch nur zehn, jedes Jahr zwei neue Züge, ober meinet®egen nur einen, dazu das Beiwerk, und besonders das Beiwerk kostet ja so gut wie gar nichts, wenn du mal bitte hier im Katalog sehen willst, ich schlage ganz zufällig auf: ein Paar rote Schlußscheiben für öen letzten Wagen zwanzig Pfennig!" Er wiederholt mit erhobener Stimme.

Nur zwanzig Pfennig! Und außerdem", fährt er rasch fort, denn er merkt, die Mutti will ihn unter- brechen, wahrscheinlich mit dem nicht aanz unberedp tiflien Einwand, daß das Paar Schlußscheiben wohl aanz zufällig der billigste Gegenstand aus dem Ka- talog fein durfte,und außerdem wollte ich eigen - lieh zehnmal soviel kaufen, wie ich tatsächlich gekauft habe, ich habe also neunzig Prozent emgefpart.

Gegen diese Logik ist die Mutti machtlos. Aber warum es denn eine elektrische Eisenbahn Jem müsse? Eine Uhrwerkeisenbahn ober eine Holzeisen­bahn hätte doch auch genügt?

Auf die Holzeisenbahn geht der Datt überhaupt nickt ein, derartig läppische Gedanken können auch nur Frauen haben. Und was die Uhrwerkelsenbahn betrifft, so erklärt er, gerade weil er selbst als Junge nur eine solche besessen habe, solle sein Junge . . fein Kind einmal eine elektrische Dahn bekommen. Was habe er sich immer geärgert wenn er die Lokomotive habe aufziehen müssen! Ob etwa der Lokomottoführer seine Maschine aus den Schie- nen hebe und sie mit einem lächerlichen Schlüssel oufdrehe? Na also!Und nun sieh drer , faflt er und zeigt auf ein verwirrend technstch anstehendes Schaltbrett,mit diesen Hebeln stelle ich sämtliche Si anale und Weichen, alles wird fernbedient, mit diesen Hebeln lasse ich den Zug anfahren und hal­ten mit diesen Hebeln regele ,ch seine Geschwindlg' kett' auf freier Strecke. Der Zug rotro überhaupt nicht mit den Händen angefaßt!"

Aber die Mutti versteht das nicht, vielleicht ist sie zu weiblich für solche G-dankenaanae. Sie kommt noch einmal darauf zurück, daß eine Eisenbahn für ein zweijähriges Mädchen zu hoch und zu männlich sei Wenn es sich um einen acht- ober ^niahngen Jungen handelte, wollte sie nichts gesagt haben 3 meint der Datt, schließlich werden es doch

Das Fest des Lichtes.

Don August Wtnnig

Kein Derstand kann Feste schaffen. Feste werden aus der Seele geboren. Vergeblich mühen sich Men­schen, gesetzten Zwecken festlichen Ausdruck zu geben. Nur aus der Tiefe eines allgemeinen und großen Gefühls kann ein Fest erstehen. Wo Absicht ein Fest schaffen will, wird sie immer scheitern.

Unsere Feste reichen in Zetten zurück, von denen uns Jahrtausende trennen. Sie sind Ausdruck eines Seelenzustandes, über den der Alltagsoerstand lächelt, und der doch selbst über uns noch mächtig wird, wenn der kosmische Lauf uns unter die Bedingungen stellt, unter denen dieser Seelenzustand einst seine großen Feste schuf.

Denn aus dem einfachsten und größten Gefühl sind diese Feste geboren, aus einem Gefühl, für das die Kraft Der zerdachten Menschen der Gegenwart meist nickt mehr ausreicht und das dock selbst in feinem aus Jahrtausenden herüberstrahlenoen Abglanz noch mächtig genug ist, um sich Achtuna zu erzwingen. Wer wollte es roagen, dieses Gefühl zu zergliedern?

Jede tiefere Lebensschau gelangt zuletzt zu der Erkenntnis, daß in allem Sein eine Gegensätzlich­keit liege und in allem Geschehen ein Ringen der Gegensätze stattfinde: ein Ringen um die Erlösung auf einer höheren Ebene. Das geringste und alltäg­lichste Ding ist dieser Gegensätzlichkeit nicht minder voll als die größten kosmischen Beziehungen, zu denen unsere Sinne noch reichen. Den Ur-Geaensatz aber bilden das vom Menschen als Einheit gesehene All und der Mensch selber in feiner Einsamkeit. Dort bas All, von uns als Ganzheit empfunben, als die Summe besten, was nicht wir selbst finb, unb hier das körperlich gebundene Bewußtsein des einzelnen Men­schen. Das Gefühl einer ungeheuren Einsamkeit er­greift den Menschen der sich dieser Zweiheit bewußt wird. Dort das Ganze uno hier der einzelne. Im Grunde jeder Menschenseele lebt bas (Brauen vor bieser Einsamkeit. Aus biesem (Brauen lebt ber menschliche Drang, bie Ur-Sehnsucht aller Mensch­lichkeit nach ber Befreiung aus ber körverlichen Haft, nach ber Vereinigung mit bem All, nach ber Erlösung aus biesem Gegensatz, nach ber Heimkehr. Diese Sehn, sucht unb ihre Erfüllung meint Goethe, wenn er sagt:

Unb alles Drängen, alles Ringen Ist ewige Ruh in Gott bem Herrn.

Doch auch hier ber Gegensatz: bie Sehnsucht nach bem Einssein mit bem All, und ber Lebenswille ber Kreatur, ber sich auflehnt gegen ben Tod. Aus dem Ringen dieses Gegensatzes ist das einfache und große Gefühl geboren, das diese Feste schuf, die schon durch ihre Dauer bezeugen, aus welcher Tiefe sie flammen. Sie stammen aus ber Menschensehnsucht nach Vereinigung unb Gleichsetzung mit bem All, und stammen ebenso aus ber Freube am Leben und aus dem Willen zum Leben. Der'Ur-Gegensatz sucht in ihnen feine Auflösung. Unsere Weihnacht wurde als ein Fest des Lichts bedangen. Sie begrüßte ben Sieg bes lebenfpenbenben Lichtes im kosmischen Lauf unb feierte bie Verbunbenheit bes Menschen mit ber Allnatur. Sie besiegelte feierlich bas Einssein mit bem All unb bejuoelte bas wieberkehrenbe Licht.

Das Christentum hat bem alten Feste ein neues Symbol gegeben. Aber ist es nicht munberbar be- beutungsvoll, baß biese Weihnacht als Fest ber Ge­burt des Gotteskinbes nur bei ben jungen Völkern zu einem großen Feste werben konnte? Nur bie jungen nordischen unb östlichen Volkstümer hatten bie Kraft, bem christlichen Symbol ben Hiniergrunb eines echten Mythos zu geben. Nur bei den nor­dischen und östlichen Völkern berührt das Weih­nachtsfest bie letzten Grünbe ber Menschenseele. Für uns ist bie christliche unb bie alte Weihnacht eins geworben. Uns leuchtet ber Tannenbaum, unter welchem bie Krippe bes Gotteskinbes steht. Das Licht, bas Kinb unb ber Tannenbaum finb bie Symbole unserer Weihnacht. Was wäre für uns dieses Fest, wenn nicht ber Tannenbaum leuchtete! Unb was wäre Weihnacht, wenn ihm die beglückten Kinder fehlten! Das Licht am grünen Baum unb bas Kinb, dem es erstrahlt, finb bie Weihnachtssymbole, bie unser Fühlen in bieser Zeit mit ber Seele unseres Volkstum» in ber Frühzeit oerbinben. In ihnen huldigen wir dem erhabenen Unerkannten, besten Sinn wir mit Bekenntnissen zu erfassen trachten, ohne hoffen zu bürfen, baß jemals Menfchensinn unb Menschenwort seiner Unenblichkeit gerecht wer­ben könnten. Ihre Dreiheit in ber Weihnacht, an biesem deutschesten aller Feste, kann auch in ben Menschen von heute jene Stimmen wecken, bie sonst zu scyeuem Schweigen verurteilt sind unb bie, wenn sie nach Wortgestalt suchen, bas Wort des Evan­geliums finden: Ehre fei Gott in der Höhe!

jetzt Kaffee?"

Die beiden anderen Herren sind nicht etwa be­ledigt durch dieses ungastliche Verhalten ihres Gaste aebers, hn Gegenteil, Jie finden es durchaus in ber Ordnung. Außerdem feien sie noch so satt vom Pfefferkuchen gestern abenb. Schließlich meint der Vati:Wenn es unbebingt sein muh, kannst bu uns ja ben Kaffee und Kuchen hier auf ben Fußboden

Morgen.

Der Weihnachtsabend. Muttt hat die Puppen­stube unter die Tanne gestellt, Vati hat den Schie- nenberg auf den Fußboden in zwei Ovale, ein grö­ßeres unb ein kleines, verwandelt. Zuerst wird ein Lieb gesungen, unb Ursel blickt nur auf ben bren­nenden Baum. Dann knipst Muttt die kleine Lampe an, die das Puppenzimmer erhellt, gleichzeitig spielt Vati auf seiner Schalthebelklaviatur, und die bei­den Züge beginnen, aneinander vorbeizurasen, ein begeisternder Anblick. Der Sehnelltriebwagen steht vorerst auf einem Abstellgleis, vorschriftsmäßig durch ein Haltesignal gesichert.

Ursel trippelt näher. Natürlich können die un- ablässig surrenden Züge ihrer Aufmerksamkeit nicht entgehen, sie hält einen Augenblick an, stellt sachlich lest:Ach, ein Puffbahn!", bann entdeckt sie bie Puppenstube und stürzt mit Jubelgeheul darauf zu. Mutti hebt ben Kopf, o, nur ein wenig, und lächelt, o, nur ganz leise. Datt steht auf und nimmt Ursel bei ber Hand:Ei, ei, was ber liebe Weih- nachtsmann uns öa für eine liebe Puffbahn gebracht hat!" Ursel sieht flüchtig auf bas technische Wunber zu ihren Füßen und zieht ihr Händchen langsam, aber nachdrücklich aus Datts Fingern:Ja, aber Ursel hat ein Puppenstube!"

Ist der Datt enttäuscht über diesen Mangel an Teilnahme? Es scheint nicht so. Zerstreut nimmt er Kenntnis von den ihm bescherten Gaben, zer- streut führt er bie Mutti an ihren Tisch, zerstreut haucht er einen Kuß auf ihre Nase. Dann spielt er. Sonst hat er Weihnachten immer im Sestel ge­legen, hat bie Weihnachtsbücher angelesen, hat die Weihnachtszigarren angeraucht und das Weihnachts­gebäck probiert, das heißt: aufgegefsen. Heute liegt er den ganzen Abend auf dem Boden und spielt mit Klein-Ursels Eisenbahn.

Der Datt spielt auch am Vormittag des ersten Weihnachtstages Eisenbahn.Man muß sich doch genau unterrichten, damit man das Kind anleiten kann", erklärt er ber Muttt. Das Kind füie(t mit ber Puppenstube. Nachmittags kommen Bekannte, zwei junge Ehepaare. Fünf Minuten nach ihrem Criwfreffen liegen statt einem brei Männer auf bem Fußboden. Und bie beiden männlichen Gäste wun-I schenk,

Ein Weihnachistieb.

Don Gustav Benter

D« Pf-rrh-rr Joseph Mohr trat in t> SsiU>. ch-n des Lehrer- Franz ®ru6er, d-r an feinem S°rm°mwn fafe unt, über eanem Thema von S>an phantasierte. Schneeubersiaumt. ei-bereist war bi^ Heine, stämmige Gestatt de- Seiftfidjen. auf b r hohen Mutze aus Marderfell faß ein netfiltW Zuckerhut von Neuschnee, der sich jetzt, da Äohs Me Kappe abnehmen wollte, neigte, barst unb aut dem Fußboden zerstiebte. auf

Bringst mir den Winter in die Stuben Pfarrer" mrinte der Lehrer, tteß das Thema noch einmal' von ber vox angehca fingen unb ausklingen

"3a, den Winter. Urck noch was. Kannst gerob am Harmonium sitzen bleiben, Lehrer, bu sollst mir ein Liedei komponieren. Ein Weihnachtslied"

Freilich wohl Weihnachtslied. In fünf Tagen ist das Fest und wir müffen in der Kirche von Oberndorf auf dem Ehor doch was singen lasten Also gib her dein Liedel. Heute abend hab ick Zeit, Da werd ich's komponieren!"

Der Pfarrer zog einen Zettel aus der Tasche unö reichte ihn dem Üchrer. Der saß über bas Har­monium gebeugt, öas Papier nahe an bie kurz Ä Augen herangeschoben. Er las öas Gedicht

Pfarrer vor einer halben Stunde nieöcrg^ schrieben hatte: roie's ihm so eingefallen war, hatte ies Joseph Mohr aufgekritzelt. Er hatte die Gabe fleine artige Verse zu schmieden, und war ein gro­ßes Kirchen fest, bann tat er sich mit bem Franz : hruber zusammen, der diese Verse komponierte. Sie erklangen auf dem Kirckenchor, bie Mesner Roll fang öas Solo wunderschön, der Gruber begleitete mif ber Orgel und ber Gesangverein Oberndorf wirkte mit. Wie Falter waren biefe kleinen Lieber, ; pogen daher, erfüllten eine andachtsvolle Stunde mit ihrem Klang unb verflatterten wieder.Ist auch nicht ber Mühe wert, daß so was erhallen : bleibt", dachte öer Pfarrer.Unsereiner ist nicht zur Unsterblichkeit geboren." Stille war in ber Stube, nur von draußen dröhnte dumpf ber Salzach hohles Brausen herüber. In Eis unb Kri- stall war ber wilde Fluß gebannt, Schnee deckte weithin öas Salzburgerland. Ein harter Winter war, gerade so wie vor etlichen Jahren, damals, als die Franzosen in Rußland fast erfroren wären. Waren böse Zeiten gewesen heute war es still and friedlich, Der Napoleon faß auf Helena gefan­gen, und öie Wett kam langsam wieder ins Gleis. Das ist ein schönes Liedel, Pfarrer", drehte sich fendlich Franz Gruber um.So ein schönes hast i>u wahrhaftig noch nie gemacht."

Geh, was du nicht sagst. Das hab ich hinge- chrieben wie alle anderen. Jetzt mach nur eine eine Musik dazu, dann ist alles recht!"

Ich glaub, ich hab schon bas Thema." Der Leh­rer fingerte in ben Tasten, trat ben Blasebalg des Harmoniums.Die ersten Worte fingen sich so: Stille Nacht, heilige Nackt, alles schläft, einsam wacht ...*

$r spielt die Melodie.

Der Pfarrer erhob sich.Ist recht, Gruber. Mach iS nur schön sangbar, sonst kann die Mesner Nosl . tws Solo nicht singen. Mach keine Symphonie braus."

Der harmlose Spott hatte seinen Grund. Franz iBnrber nämlich hatte, als er feine Lehrerstelle in : Dbrrrtborf an trat, ben Kopf voll großer Pläne ge- babt. Musiker hatte er werden wollen, berühmter * Komponist, so etwas wie der Herr van Beethoven In Wien, den Gruber einmal bei einem Besuch der Landeshauptstadt geschen hatte. Ganz klein und trmfelig wurden feine Musikantenplane, als er : Seethoven sah. Und doch füllte der Lehrer bie frillen Mußestunden des Winters mit dem Kompo- i deren aus: artige Mmuette, kleine Sonaten und Quartette entstanden, füllten als totes, nutzlos ver- schrieb en es Papier bie Schublade. Die Lieder, bie Öruöer gemeinsam mit Mohr für bie Kirchen feste (nfertigte, derer achtete er nicht. Sein Sinn stand wch Höherem.

Er träumte sich in die Dämmerung hinein, bie Minählich leise ins Gemack schleierte. Draußen ttömten bie Flocken feierlich und still nieder, das Traufen ber Salzach aber klang wie fernes Orgel- diel. Unb aus biesem Brausen löste sich jetzt eine Nelodie, ein zartes Klingen unb Jubilieren viel­leicht fang ber Wind, vielleicht war's ein Winter- neislein, bas vor bem Fenster zwitscherte. Dem Nusikanten in ber bämmerverhangenen »Stube vurde es zur Melödie, er lauschte auf. Das war bte Tonfolge, welche ihm vorhin auf bie ersten Sorte des Liedes eingefallen war. Die Forderung ter Gegenwart stand nüchtern vor ihm er mußte

in wann Hoffnung )n Mn inne Der­as Rufen n - die waren -