Ausgabe 
23.10.1939
 
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25./2L September 1959

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)

:r. 225 Dritter Blatt

stöbert Koch, ich und die Schlafkrankheit

Von Hans-Edo Schwerin.

Wer küßt Madeleine?

Wenn Augen versagen Magnus-Brillen tragen!

Sprechstunden der Redaktion.

11.30 bis 12.30 Uhr. 16 bis 17 Uhr. Samstagnach*

mittags geschlossen.__

Der gedehnte Augenlbick.

Zum 25. Geburtstag der Zeitlupe im September.

Voll Ungeduld drängt der Mensch von einer Er­findung zur anderen. Kaum hatte vor hundert Jah­ren der Franzose Daguerre das Fotografieren erfunden, als den Anhängern dieser neuen Kunst die Belichtungszeit bereits viel zu lange dauerte, die allerdings auch anfangs oft bis zu einer Stunde Zeit in Anspruch nahm. Die Objektive der Kamera und die Lichtempfindlichkeit der Platten wurden verbessert. Die Belichtungsdauer sank auf ein er­trägliches Maß herab. Warum aber nur unbewegte Bilder aufnehmen? Könnte man doch Moment­aufnahmen machen! Auch dieser Fortschritt ge­lang. In welchem unvorstellbaren Bruchteil einer Sekunde wir heute denAugenblick" festhalten kön­nen ist bekannt. Aber selbst damit waren die Men­schen nicht zufrieden. Sie wollten nun genau wissen, w i e sich alles in dem festgehaltenen Augenblick ab­spielt. Konnte man nicht mit dem Mikroskop über­raschende Vergrößerungen erzielen und so die Ge­heimnisse der Natur entschleiern? Wie wäre es, wenn man den Augenblickvergrößerte ? Wenn man ihn dehnte, um auf diese Weise den Der-

o e 9 n e rs u u n u ij in c ii, die selbstverständlich auch äußerst befähigte Kameramänner bedingen. Diese biologischen Kulturfilme, denen sich Dr. Ulrich K. T. S ch u l z , als Leiter dieser Herstellungsgruppe der Ufa, mit besonderer Liebe seit nunmehr zwanzig Jahren widmet, zeigen uns ähnlich wie bei den Menschen die Schönheit der Tiere in der Bewegung. Darüber hinaus zieht aber auch die Wissens schäft aus den Zeitdehner-Filmen höchsten Ge- winn. Verblüffende Ergebnisse traten zutage.. erkannte man unter anderem erst durch den Zetti dehner, daß der Kolibri, obwohl doch ein Vogel, nicht wie die übrigen Vögel fliegt, sondern wie ein Insekt, indem seine Flügel beim Fliegen eine lie­gende 8 beschreiben. Auch daß die Bienen 190 Flügelfchläge in der Sekunde ausführen und dis Stubenfliegen gar 330, erfuhr man erst durch deN

Es war der 2. April des Jahres 1906. Auf der iahen Terrasse des Catarakt-chotels in Afsouan oren nach der Teestunde die bunten, schatten- imdenden Vorhänge bereits geöffnet worden. An- üchtig schaute man dem allabendlich wiederkehren- ;n phantastischen Schauspiel entgegen, mit dem der Optische Sonnenuntergang auch die hier schon Mimisch gewordenen Fremden immer neu entzückte

Die drei jungen Männer, die in einer Ecke an der Brüstung der Terrasse saßen, zeigten jedoch selt- merwe'ise nicht die geringste Anteilnahme an dem ^lammengaukelspiel", das sich jenseits der vom ; j[ umfloßenen Insel Elephantine und den dahinter egenden Bergen entwickelte. Schweigend zogen sie V den Strohhalmen ihrer geeisten Orangeade und arrten trübsinnig vor sich hin. Die drei waren r englische Prinz Leopold v. B., unser kanadischer ireund Charley G. und ich.

Der Teufel hole diese Schlafkrankheit", stieß r'i'nz Leopold schließlich grimmig hervor.

würde.

Kurz hinter Aden erkrankte einer der Begleiter des Herzogs, ein junger italienischer Offizier, schwer an Malaria und in diesem Zusammenhang kam unter den Passagieren das Gerücht auf, man könne den diese Krankheit übertragenden Moskito daran erkennen, daß er nicht parallel sondern schief zur Wand säße. So begann ein fürchterliches Massen­morden und jede Mücke auf unserem gesegneten Schiff mit auch nur einem Anflug vonschlechter Haltung" wurde unnachsichtlich zu Tode befördert. Nun, schaden konnte das ja ohnehin nicht; ich ^erin­nere mich aber nicht, ob dieseSitztheorie" die wissenschaftliche Anerkennung Kochs gefunden hat.

Das gemeinsame Bordleben hatte bis auf einige Außenseiter die Passagiere desBürgermeister" zu einer großen Familie zusammengeschlossen. Frau Koch, die ihren Mann aus diesmal begleitete, hatte durch ihr liebenswürdiges Wesen schnell unser aller Herzen gewonnen. Koch selbst, von Natur ernst und zurückhaltend, zeigte für alles eine wohl­wollende Teilnahme. Die Aequatortaufe bereitete ihm offensichtliches Vergnügen, vor allem Neptuns Leibarzt, der sehr lustig ausstaffiert und mit aller­lei vorsintflutlichen Instrumenten unwahrschemlicher Größe ausgerüstet war. Leider konnte über die Schlafkrankheit nichts aus ihm herausgebracht werden.

Am 4. Mai erreichten wir Dar-es-Salam, die Hauptstadt Deutsch-Ostafrikas. Die Stunde des Abschieds war gekommen! Die gelbe Flagge flat­terte empor. Auch Koch und Kleine mußten durch die Quarantäne. Es erschien wie eine Ironie. Dann brachte das Ruderboot sie an Land. Robert Koch betrat den afrikanischen Boden, um hier eine seiner letzten großen Forschungsarbeiten in Angriff zu nehmen.

Zeitdehner.

An diesem letzten Beispiel zeigt sich auch, daß anfangs dem Zeitdehner gewisse Grenzen gesetzt waren, weil er damals noch nicht fähig war, dis erforderliche Anzahl von Bildaufnahmen je Sekunds zu liefern. Ueberhaupt war die erste, von ErnemamH herausgobrachte Zeitlupe ein recht ungefüges 3ro<

strument, das ungefähr die Größe eines Klaviers hatte und zehn Mann Bedienung benötigte. Wie! auf allen anderen Gebieten der Fotografie begnüg-- ten sich die Erfinder jedoch nicht mit den bereits wertvollen Anfangserfolgen. Wir verfügen heutS über Zeitdehner-Aufnahmegeräte, die jeweils 120* * 240 und 1500 Bilder in der Sekunde aufneh-. men. Wer einmal einen Blick in das Gehäuse des! bei der Ufa am meisten gebrauchten Zeitdehner-« Apparates hat werfen können, den wird das Wun^ derwerk des motorisierten Getriebes ebenso in 6m staunen versetzen wie die Tatsache, daß sich dieses Gerät in der Größe nicht mehr von einem gewöhne lichen Filmaufnahmegerät unterscheidet. Aber schon ist man dabei, einen Zeitdehner für Kulturfilmauf-< nahmen zu bauen, der bis zu 5 0 00 Bilder in der Sekunde aufnehmen kann, ganz zu schwei« gen vßn jenem Apparat, der für rein wissenschaft­liche Zwecke sogar 70 000 (siebzigtausend!) Bilder in der Sekunde liefert. Unhandlich hat man im Drange nach immer neuen Verbesserungen und Vervoll­kommnungen einen Mikro-Zeitdehner ge­schaffen, der die aufzunehmenden Objekte oer-* größert und zugleich die Zeit des Augenblicks dehnt.

So kann uns das, was in dem Vierteljahrhundert! seit der Geburt des ersten Ememannschen Zeit­dehners auf diesem Gebiet geschaffen wurde, mit berechtigtem Stolz erfüllen. Bleibt neben dem tech« nischen "Wunder nur noch das metaphysische Wun­der, das uns nämlich erlaubt, die Grenzen der Zeit fast nach Belieben zu verschieben, so daß sich wie­derum die Frage ergibt: was heißt und was ist eigentlich Zeit? Doch das ist ein Kapitel für sich. Immerhin aber sind wir dem Worte aus Goethes Fausts wenigstens etwas näher gerückt, weil uns dergedehnte Augenblick" erlaubt zu sagen:Der« weile doch, du bist so schön!"

vorragenden Spiels und meiner guten Karten wur­den wir Turniersieger. Cagni bekam als Preis ein

ohne den Zeitdehner? Wenn auf der 7. Bienale trt Venedig die Ufa-Kulturfilme und mit ihnen die bio«

lauf eines Augenblicks studieren zu können? Immer wieder dachten kluge Menschen über dieses ebenso reizvolle wie wichtige Problem nach. Und siehe da: auch diese Erfindung gelang! Am 2. September 1914 meldete die Firma Ernemann in Dresden die Zeit­lupe zum Patent an. Damit war die Zeitlupe, die man treffender Zeitdehner nennt, geboren.

Wie vor dem Mikroskop so öffnete sich auch vor dem Zeitdehner eine völlig neue Welt. Wielands Wort aus demOberon" bewahrheitete sich mehr denn je:Ein einziger (gedehnter) Augenblick kann alles umgestalten!" Mancher vermeintliche Sieger im harten Sportkampf hat dies erfahren müssen. Der Zeitdehner wurde zum unbestechlichen Schieds­richter, mitunter sogar zum Strafrichter. Welche künstlerischen Genüsse uns der gedehnte Augenblick bescheren kann, das bewies schon der erste große Zeitdehner-FilmWege zu Kraft und Schönheit" von Dr. Nicholas Kaufmann, dem Leiter der nach ihm benannten Herstellungs­gruppe der Kulturfilme der Ufa.

Ueberhaupt der Kulturfilm! Was wäre er

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Am Morgen nach dieser nächtlichen Bekanntschaft , traf ich bei der Fütterung der Versuchstiere zum ersten Male mit Robert Koch zusammen. Mit ( den launigen Worten: ,

Auch ein Opfer der Schlafkrankheit", stellte - Kleine mich vor. > '

Etwas befangen stand ich vor dem großen Ge­lehrten. Seine klugen Augen sahen mich durch die scharfen Brillengläser fragend an. Ich faßte mich schnell und sagte, nachdem ich ihn über meine bis­herigen schlechten Erfahrungen mit der Schlafkrank­heit aufgeklärt hatte, stolz, meine soeben empfange­nen Kenntnisse verwenden zu können:

Herr Professor, die Trypanosama gambiense (Erreger der Schlafkrankheit) hat mir zwar die Ex­pedition zum weißen Nil verdorben, sie entschädigt mich aber in diesem Augenblick durch die Ehre Ihrer Bekanntschaft."

Koch lächelte nachsichtig über mein etwas plum­pes Kompliment und antwortete humorvoll, ich täte wohl der Trypanosama gambiense zu viel Ehre an. Die Schuld an unserer Bekanntschaft trüge eigent­lich die Tsetse-Fliege. Wie meistens im Le­ben sei auch hier der lleberträger viel gefähr­licher als der Errege r.

Diese erste Begegnung führte zu einer Bekannt­schaft, an die ich mit Stolz zurückdenke. Mit beson­derer Freude erinnere ich mich unserer gemeinsamen Schachpartien, ein Spiel, das Koch mit ebenso gro­ßer Meisterschaft wie Passion spielte und zu dem mich das Schicksal als zwar keineswegs ebenbürti­gen, aber um so mehr begeisterten Gegner des großen Mannes ausersehen hatte.

An den schon damals sehr beliebten Bridgepartien nahm Koch nicht teil. Der Mittelpunkt dieser Ver­anstaltungen war der Herzog der Abruzzen mit feinem Adjutanten Kapitän Cagni, die durch ihre Nordpol-Expedition und Andenbesteigung

bekannt geworden waren und diesmal zur Erobe­rung des Rouvensori auszogen. Es waren zwei außerordentlich interessante Persönlichkeiten, deren scharfgeschnittenen, kühnen Gesichtern man es ansah, daß sie nicht nur gesellschaftlicher Unterhaltung, sondern auch ernsten und gefährlichen Unterneh- mungen gewachsen waren. Sie fürchteten auch die Schlafkrankheit nicht'. Ein glücklicher Zufall machte , mich zu Cagnis Bridgepartner. Dank seines her-

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Das Bellen eines Hundes. Die Nischen in den Stadtcafes find von Liebespaaren besetzt. Bücher werden vom Bücherbrett genommen. Ich höre, am Radio sitzend, die Stimme einer Gedichte lesenden Frau. Oh, wer bist du? Ahnst du, wen du tröstest? Oder ich höre die weiche Kanttlene eines Geigers. Ich verfolge durch den weiten Raum den Weg der Melodie, den unbegreiflichen und rätselhaften Weg, die unter den Wolken entlangreist und vom sanften Kuß der fallenden Schneeflocken berührt wird, die über den Winterschlaf der Wälder zittert und über die im grünen Mondlicht glitzernden Eisflusse gleitet. Irgendwo in einer der Weltstädte steht ein Mann die Geige unterm Kinn, das Gesicht voll Versunkenheit er spielt, und ich lausche seinem Spiel: v-ckur-Takte, wo man dem Atem anhalten möchte; Tis-woll-Passagen, in denen Kummer und Leid ertrinken, die ein Fenster in die farbige Welt aufreißen und die Flügel eines Engels haben, in der achten Stunde eines Winterabends.

nährte und zur Blüte brachte. Es ist wieder einmal Abend, da ich deiner gedenke, Abend wie einst, schwebend zwischen Licht und Dunkel. Auseinander­geführt hat uns das Leben. Und wenn du heute dem Manne begegnen würdest, der dich Siebzehn­jährige im wilden Grün des Juni erwartet hat, du würdest ihn nicht wiedererkennen. Und doch hat einst meine Hand in deiner gezittert und mein un­gestümer Mund dich geküßt. Ich habe noch Briese deiner Mädchenliebe; die Sätze sind mit violetter Tinte geschrieben und die Buchstaben sind klar und einfach gezeichnet. Jetzt in der achten Stunde des Abends habe ich sie hervorgenommen und dann ge­lesen. In einem lag zwischen den Blättern eine Blüte; die einstmals die weiße Blüte eines Jas­minstrauches war, ist inzwischen braun und um cheinbar geworden. Die Blüte war gepflückt von dem Strauch hinter der Bank. Der Strauch steht noch, üppiger und undurchdringlicher denn je, ein grünes Gitter am Hügel, und duftet erregend und leuchtet mit weißer Girlande weithin.

*

Im Herbst. Es regnet, der Wind weht ungestüm und der Lichtschein der Straßenlaterne flackert un­ruhig an den Häuserwänden. Das Geräusch dürrer Blätter treibt den Weg hinunter. Morgen im spa­ten Tagesgrauen werden die Wipfel der Ahorn­bäume wieder etwas lichter und leerer fein. Ich kenne um diese Stunde die Schwaden blauen P eifentabaks um die ländlichen Wirtslampen. Jetzt wird auch der harte Schlag der Tarock- und Skat­spieler beginnen und vor Mitternacht nicht auf­hören. Ich werde alle Knaben sehen, die an ihren Studiertischen sitzen und krause mathematische Zei­chen auf die Blätter der Schulhefte schreiben. Die Kinos beginnen und entführen die Gedanken und Wünsche "in tausend Abenteuer.

jene Eft ander, m h aus d-' e Rainen1 NI HM- den > Wa§ uni jnküchr fci rnt: * der Heu dne MW iche eijtf tzten ieineier u® :et hat-

To hell with it", machte Charley aus tiefster kberjeugung seinem zorngeschwellten Herzen Luft, md mit "einem ähnlichen frommen Wunsche pflich- ite ich den beiden Freunden unmißverständlich bei.

Wir hatten aber auch wirklich Grund zu solch hwerwiegenden Verwünschungen. Alle Vorberei- ungen zu unserer großen Expedition waren bis ins Ileinste vollendet. Die englischen Behörden hatten pegcn der nahen Verwandtschaft des Prinzen zum aglischen Königshause uns jede erdenkliche Unter- lützung zuteil werden lassen. In acht Tagen sollte er zur Verfügung gestellte, kleine Regierungs- i-impfer uns unseren achtzehnjährigen jugendlichen Leichtsinn entsprechenden Abenteuern entgegenfah- en da kam dieses blödsinnige Startverbot, lnd das alles, weil die Schlafkrankheit im oberen Mgebiet ausgebrochen war und entgegen ihrer jnjtigen Gewohnheit nicht nur Schwarze, sondern cuch Europäer angefallen hatte. Natürlich hatten nir weder für die Schlafkrankheit noch für das lusreifeoerbot irgendwelches Verständnis. Aber oeder meine beweglichen Vorstellungen bei den eng- ischen Behörden, Prinz Leopolds telegraphische Bit- t?n nych London noch Charlys erprobtesten kana- ischen Urwaldflüche nützten irgend etwas. Der träum war aus!

Drei Wochen später, am 19. April 1906, ging ich 71 Port Said an Bord des 10000-Tonnen-Dampfers Bürgermeister" der Ost-Afrika-Linie. Prinz Leopold war bereits auf dem Wege nach England, 'Harley hatte telegrafisch seine Ankunft in Paris nitgeteilt, nur ich hatte mich von Afrika noch nicht trennen können. Bei 40 Grad im Schatten und -0 v. H. Feuchtigkeit fahren wir durch das Rote Meer. In der Kabine ist es unerträglich, tn diesem russisch-römischen Dampfbad ist an Schlaf nicht zu denken. Ich beschließe, die Nacht an Deck >u verbringen und baue mir meinen Liegestuhl an bas luftigste Plätzchen. Schräg über mir leuchtet das Lreuz des Südens. Vergebens suche ich zu schlafen.

Ein bißchen Schlafkrankheit könnte jetzt nichts Ichadey", seufzte ich so in einem Anflug von Galgen­humor vor mich hin. f,.

1Wünschen Sie sich das nicht", höre ich plötzlich eine Stimme neben mir und bemerke jetzt erst, daß sich hier ein Gleichgesinnter schon vor mir eingefun- öen hatte. Der Mann, den ich auf diese nicht ganz alltägliche Weise kennenlernte, war , Professor K l ei ne, der langjährige Mitarbeiter von Robert Koch, später Leiter des Tropeninstituts in Hamburg, der maßgebenden Einfluß auf die Entwicklung des Germanins gehabt hat. des einzig wirksamen Mittels gegen den tödlichen Schlaf Jetzt begleitete er Robert Koch nach Deutsch-Ostafrika, wo die beiden Gelehrten an Ort und Stelle der tücki­schen Krankheit auf den Leib rücken wollten.

Auch das Lichtspielhaus, Bahnof« st raße, hat wieder seine Pforten geöffnet« Unter dem vielsagenden TitelWer küßt Made­leine" geht ebne kunterbunde, eine richtige Filmge­schichte über die Leinwand, reich an tollen, an komischen, an kritischen und lustigen Szenen, dis sich alle daraus ergeben, daß derLuftmillionär , der schneidige Pilot Pierre Pascal, der Auffassung ist, daß er seiner liebreizenden kleinen Frau nicht ganz über den Weg trauen darf. Durch eine ungeschickte Antwort hatte sie sein Mißtrauen ausgelöst, weil sie ihm oetbergen wollte, daß sie zur Feier seines Kilometerjubiläums (und gleichzeitig ihres dritten Hochzeitsjahrestages) einmal in London und nicht in Paris mit ihm (überraschend) zusammen sein wollte. Eine erstaunliche Fülle von Irrtümern, von Verwechslungen und von Mißdeutungen hat der Ver­fasser des Drehbuches in der Folge zwischen das erste Austauchen der FrageWer küßt Madeleine?

und die Antwort auf diese Frage praktiziert und damit einen Film geschaffen, der recht unterhaltsam ist Magda Schneider verkörpert die liebenswür­dige Frau Madeleine, die wahrhaftig von niemand anders geküßt wird, als eben nur von ihrem Manne. Albert Matt er stock stellt den Jdealtyp des Flugkapitäns dar, schneidig, entschlossen, nicht nur am Steuer seiner Verkehrsmaschine, sondern auch in der Verfolgung der mutmaßlichen Verfüh­rer seiner Frau. Herti Kirchner mimt Madeleines temperamentvolle Freundin Francoise, die im Rah­men der Handlung 24 Stunden Hast in einem Badezimmer auf sich nehmen muß. Ihrem ange- trauten Gemahl, dem Romancier Gaston de -Bu­tlers (Emst Waldow) begegnet man in onginellen Gefängnisszenen. Pierre's unbegründete Eifersucht hat ihn vorübergehend hinter schwedische Gardinen gebracht. Eine besonders sympathische Figur ist Hermann Speelmans als Funker Maurice. Am Rande der Ereignisse begegnet man noch ge­schickten Darstellungen von Millionendefraudanten, Polizeikommissaren, englischen Misses Ufw. Pans und London, Flughäfen und Ueberlandexpreßzuge, bilden den Hintergrund für die anregende Hand­lung. (Terra-Film, Regie: Viktor I a n s o n.)

Im Beiprogramm fordert die Tonwochenschan wieder alle Aufmerksamkeit. Man sieht den Führet im Hauptquartier des Ostens, beim Flug ubeü Feindesland, beim Einzug in Städten, und ujlW jubelt von der befreiten deutschen Bevölkerung. Ser. Film zeigt aber auch die hervorragenden Leistungen« der deutschen Pioniere im Brückenbau, schließlich! aber auch jene erschütternden Gegenüberstellungen! deutscher Volksgenossen in Polen Mit den MoidernI ihrer Angehörigen. Ein Landschastsstlm fuhrt faf die ungarische Pußta, Heinrich Ludwig Neuner*

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ringelte blaue Rauch der Zigarren weht aus ge= i öffneten Fenstern. :

Stunde der Zusammenkünfte. Die Landjugend I sucht die nahen Wälder ;sie bieten die Geborgen- i beit, die den Liebenden recht ist. Ich höre einen Waidschrat durch die waldbeerbeschmutzten und von aufge chlagenen Vogeleiern gelben Finger locken. Es ist nicht ein holder, schmelzender Liebesruf, sondern ein etwas heiserer Schrei, doch voll Wild­heit und Kraft, dem Brunftschrei der Hirsche ähn­lich Die wasserrosenbekränzte Nymphe Undine die nach neuester Bademode gekleidet unter dem Wei­den chatten am Teich lag, eilt dem Rufe folgend durch die Rosenhecke, die den Dorfrand umzieht. Noch lange danach sehe ich ein winziges Stuck ihres Schleiers an den Dornzwelgen des Herbduftenden Strauches hängen und im leichten Ab end wind flat­tern. Wohin werden Schrat und Undine eilen? Sie werden das rötliche Abendlicht in den Waldschnei­en suchen, damit es ihnen als Mantel btener wenn ie sich auf das Moosgrün niedersetzen.

Sieh, Undine", wird Faun, der beerensaftbe- träufte und großsprecherische sagen,wir haben ^Jn"der^Gr^stadt trifft man sich zu dieser Stunde unter großen Uhren, auf denen die Blicke der War­tenden mit banger Sehnsucht wellen. Schneller, schneller Zeiger! sagen die Blicke des rangen Mannes, der zehn Minuten zu früh zum ?tell- hiamn aekommen ist. Oh Lust des Wartens, die du das Herz tief beunruhigst; oh köstlicher Augenblick, wenn die geliebte und erwartete Freundin im wip­penden Blumenröckchen und tm gebänderten Hut an der Straßenecke erscheint.

Es fei auch der Torbögen in den Kleinstädten ge­dacht, der schattenkühlen Gelasse unter den Türmen, deren Ecksteine regenzerlaugt und abgewetzt sind. Dem Herzen steigen Erinnerungen auf Erinne­rungen? die ein Lächeln Hervorrufen und Erinne­rungen die einen nachdenklichen J3U9 tns ^icknen Viele hundert Gretchen, Gretchen mit lan­gen Zöpfen und Gretchen mit Schmetterlingsschlei- Fen im Äaar, errötende Biedermeiergretchen und kichernde Rokokogretchen haben im Schatten der Hilf einen eifersuchtgequälten Werther ge- rnnrtef oder auf den spor?nklirrenden Tritt blauer OffH «e unb übermütiger Reiter gehorcht; Diu- menfträuße find an die Mieder geheftet worden, @ würben gedrückt und heiße Worte wurden ^Achte^Stunde am Abend, wie botb warft bn im ^nrnmer Ich sehe vor mir eine Hugellehne, ge­ltet von Feuernelken, eine halbverfallene Kapelle, Hne aroße Linde, darunter eine Holzbank stand, Blick auf die kleine Stadt an der franki- ü 9fuf der Bank saß ich und wartete auf

düb" Mädchen blondes Gewächs dieser Londschost. dlk drin- Schwestern, di- Lilien und dte Rosen,

Im Sommer ist es um diese Stunde noch gläsern- hell. Um diese Stunde sind die Gartner mit dem Sprengen und Gießen der erschlafften Pflanzen und Blumen beschäftigt. Sengend und fahl W bas Feuer der Sonne auf den Beeten. Das Midel der Rehe tritt aus dem Waldrand «uf die Klee- äcker, um zu äsen. Stunde, wo bie Duste der Pflan­zen stark und schwer werden und durch die offenen Fenster kommen. Der erste wolkendurchlaufende Feuerschein der im Westen sich aufbauenden Ge­witter ist zu sehen. In der großen Stadt ist diese Stunde nicht viel, nur verödete Straßen und Platze.

Stunde, die mit sanftem Mantel auf die länd­lichen Treppen sich breitet. Daneben W .ber rett umspannte Kübel mit den weißen Bluten des Oleanderbaumes. Man hat ihn gegossen- und der schöne Oleanderschwärmer ist aus dem Mittag sch t aufgeflogen und knistert an der Fe"ßerscheibe, sich der goldene Fleck der schragstehenden Sonne spiegelt. Stunde nach dem Abendessen der g -

Relief der achten Abendstunde

Von Anton Schnack.

Die Stunde ber weichen Dämmerung im Früh­ling. Die Fledermaus huscht aus dem Gebälk unter dem Hausdach. Die untergegangene Sonne hat einen glühendroten Streifen am Horizont hinterlassen Ich kenne die Kiefernwälder um diese Zeit sie sind wie von einem blaßgrünen Tuch bedeckt.

Stunde, welche die alten Städte verzaubert. In den Toren hat die Dämmerung schon die Farve : der Schwärze angenommen, die Türme wachsen im verfallenden und ungenauen Licht, das schwel­gen herrscht, und vom Lärm des Tages ist nur die

1 Icharfe Ausdünstung der vorbelgetriebenen Tiere, ; der ausgeschütteten Brühen und Wasser und d Bitterkeit gekochten Malzes zurückgeblieben.

Die Stunde der Besinnlichkeit. Man muß sich -vorstellen, wieviele Stirnen und Gesichter sich i

8 dieser Stunde an die Fensterscheiben pressen alte und junge, v er grübelte und faltenlose, Mäd­chen, Männer und Frauen. Was denken sie, was Iräumen sie? Mit welchen Sehnsüchten und Wün­schen sind sie beschäftigt? Um diese Stunde horte ich Wildgänse auf ihrer Wanderstraße nach Norden ^Es°ist die Stunde, wo der Wem große G-watt hat. Vom Dämmerlicht umspielt, trinkt mancher Einsame Vergestenheik, er trinkt aus dem Glase alles, was verweht: den Staub des Sommersd fallende Laub, das gemähte Gras, bie verwelkten Blumen und die gestorbene Liebe. Er trinkt im gleichen Zuge aber auch alles, was wieder ersteh. den neuen Ssmmerglanz, das sprossende Laub feurigen Blüten, die reifenden Fruchte und die neue Liebe.

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Manikürekasten, den mir Robert Koch, der freund- dann nicht zuletzt dank der überaus efaen 3 ,

licherweise die Preisverteilung übernommen hatte, d e h n e r - A u f n a h m e n . b schmunzelnd überreichte und meinte, es wäre bei- n" or " " "

nahe so schön wie fein Sezierbesteck.

Djibuti liefen wir nur kurz an, um einen Juden an Land zu setzen. Unzählige Kisten mit Waren wurden ausgeladen, die der geschäftstüchtige Sohn Israels aus Ochsenwagen nach Addis Abeba schaffen wollte, um den nicht minder gerissenen Kaiser Me- nelek von Abessinien damit zu beglücken. Damals dachte noch keiner daran, daß dieses Land einmal das Kernstück des italienischen Imperiums werden