9. A.-Spott
Deutscher Schühensieg über Ungarn.
Die Fahrt der deutschen Pistolenschützen nach Budapest zum Länderkampf gegen Ungarn im Olympischen Schnellfeuerschießen gestaltete sich zu einem großen Erfolg. Mit 270:268 Punkten wurden die Magyaren geschlagen. Für die Gesamtwertung wurden die fünf besten Schützen jedes Landes gewertet. Als beste Einzelschützen erwiesen sich die beiden Deutschen Dr. Jasper und Martin Zindel.
Turnländerkampf Deutschland-Italien
Wie die Reichssportführung mitteilt, haben die finnischen Turner auf die anfangs November geplante Reise nach Deutschland und Italien verzichten müssen, da die vorgesehene Mennschaft nicht zur Verfügung steht. Als Ersatz sind nun unsere italienischen Freunde mit ihren bekannten Turnern eingesprungen, so daß es am 5. November in Dresden zu einem Länderkampf zwischen Deutschland und Italien kommen wird.
Knapper Fußballsiea in Sofia.
Nur ein 2:1 (2:0) unserer Fußball-Mannschaft gegen Bulgarien.
Wie schon vor vier Jahren in Leipzig, erwiesen sich die bulgarischen Fußballer auch im zweiten Länderkampf gegen die deutsche Nationalmannschaft als ein überaus schwer zu bezwingender Gegner. Mit 2:1 (2:0) Toren fiel der Sieg unserer Elf äußerst knapp aus, er war aber in diesem Ausmaß verdient und entspricht durchaus den gezeigten Leistungen. Nach einer starken Angriffsperiode der Bulgaren kam die deutsche Mannschaft glänzend ins Spiel und sicherte sich durch Urban und Conen eine 2:0-Führung bis zur Pause. In der zweiten Spielhälfte gaben dann aber zumeist die Bulgaren den Ton an und kamen durch Jordanoff zum verdienten Ehrentreffer.
Mit 18 000 Zuschauern hatte das Junak-Stadion einen ausgezeichneten Besuch aufzuweisen.
Als der jugoslawische Schiedsrichter Stefanovic die beiden Mannschaftsführer aufrief und Szepan wieder das Los gewann, stellten sich die Mannschaften in folgender Aufstellung zum Kampf:
Deutschland: Tor: Klodt; Verteidigung: Janes, Billmann; Läuferreihe: Kupfer, Sold, Kitzin- ger; Sturm: Lehner, Gellesch, Conen, Szepan, Urban.
Bulgarien: Tor: Maznikoff; Verteidigung: Mokanoff, Ormandieff; Läuferreihe: Petroff, Nebel- koff, Stambolieff: Sturm: Angelofs, Lozanoff, Sto- janoff, Belokapoff, Jordanoff.
Auf dem schweren Boden beginnen die Bulgaren sogleich mit hohem Spiel, das sich als ungemein wirksam erwies. Schon in der zweiten Minute kann Billmann einen Angriff des gefährlichen Angeloff nur zur Ecke abwehren. Mehr und mehr tritt die technisch glänzend beschlagene rechte bulgarische Angriffsseite in Erscheinung: aber die deutsche Abwehr steht wie eine Mauer. Das Spiel ist sehr wechselvoll, da auf beiden Seiten mit langen, hohen Bällen gearbeitet wird. Als wirkungsvollster Angreifer erweist sich Lehner. So kann der Augsburger in der 16. Minute seinen Kameraden Gellesch in glänzende Schußposition bringen, aber des Schalkers Bombe trifft nur die Torlatte. Immerhin bleiben die Deutschen nun im Angriff, und ein Zögern der bulgarischen Verteidigung gibt Urban in der 21. Minute die Gelegenheit zu einem entschlossenen Torschuß. Deutschland führt 1:0! Aber die Bulgaren greifen weiter an. Eonen bemüht fick mit Erfolg um den Fluß des Angriffsspiels, aber Szepan setzt sich nicht voll ein. In der 39. Minute setzen die deutschen Stürmer wieder zu einem herrlichen Vorstoß an. Conen schickt Lehner vor und der Augsburger gibt den Ball an den mitgelaufenen Conen zu- rütf; der aus einer Entfernung von 25 Meter eine harte Bombe abfeuert, die unhaltbar in die rechte bulgarische Torecke geht.
Nach der Pause drängen die Bulgaren immer stärker und ziehen selbst die Verteidiger auf die
Mittellinie vor. Unsere Abwehr steht jedoch unbezwinglich. Um die Mitte der zweiten Halbzeit kommen die Gastgeber zu drei Ecken hintereinander, und in der 27. Minute ist endlich der Ehrentreffer fällig. Allerdings startet Lozanoff aus einer klaren Abseitsstellung, die von Janes auch angezeigt, aber von dem Schiedsrichter nicht beachtet wird. Loza- noffs Schuß faustet Klodt im Sprung weg, der Ball kommt jedoch dem Linksaußen Jordanoff vor die Füße, der mit sicherem Schuß Klodt bezwingt. Unter den wilden Anfeuerungsrufen der Zuschauer werden die Bulgaren immer überlegener, aber die deutsche Abwehr verhindert mit beispiellosem Einsatz einen weiteren Erfolg der Gegner.
tsrgebniffe der Runöenfpide.
DfB.-Reichsbahn — Leihgestern 3:3.
Steinbach — Steinberg 0:2.
Großen-Linden — Großen-Buseck 1:6.
Londorf — 1900 0:7.
Lollar — Krofdorf, kampflos für Krofdorf.
In einem flotten Spiel sicherte sich der FC. Teutonia zwei wichtige Punkte gegen die sich stark wehrenden Steinbacher. Großen-Linden mußte die Ueberlegenheit der Großen-Busecker anerkennen. Der Sieg der Gäste war in dieser Höhe verdient. Vergeblich fuhr Krofdorf nach Lollar, doch zogen es die Platzherren vor, nicht anzutreten.
VfB.-Reichsbahn I — Leihgestern I 3:3 (1:0).
Die wenigen Zuschauer, die zum Waldsportplatz gewandert waren, kamen voll und ganz auf ihre Kosten, denn man sah ein Spiel, das jeden begeistern konnte. Die Gäste waren den Grün-Weißen in punkto Schnelligkeit und Wucht bedeutend über. Die Mannschaft kämpfte mit riesigem Einsatz und hat das Unentschieden verdient. Die Grün-Weißen wirkten matt, der beste Teil war die Verteidigung, die aufopfernd spielte. Im Sturm fielen die Halbstürmer aus, auch wurde zu engmaschig gespielt, um dem Gegner beizukommen.
Die Grün-Weißen, die beim Spielbeginn nur zehn Spieler zur Stelle hotten, mußten eine Drangperiode der Gäste durchyiachen, die sofort mit gefährlichen Angriffen das Tor bestürmten. Die Schüsse waren aber zu ungenau, einen Bombenschuß machte Heeg unschädlich, dann war der elfte Spieler zur Stelle, und das Spiel wurde ausgeglichen. Nachdem der Mittelstürmer der Gäste eine klare Chance verpaßt hatte, war es Godglück, der, frei vor dem Tore stehend, den Schuß neben das Gehäuse setzte. Nach 39 Minuten gab Fröhlich einen scharfen Schuß ab, den der gute Gästetorhüter nur ab klatschen konnte, Köppers verwandelte im Nachschuß zum Führungstreffer. Kurz darauf verschoß Fröhlich eine gute Torgelegenheit, dann ging es zur Pause. Wenn man geglaubt hatte, daß die Gäste nachließen, hatte man sich geirrt, denn sie gingen mit ungeahntem Elan los, und bei einem Freistoß erzielte der Linksaußen in der 52. Minute den Ausgleich. Weiter drängten die Gäste, doch Köppers brachte im Nachschuß die Grün-Weißen nochmals in Führung. Möhl schied vorübergehend aus, und schon war der Ausgleich wiederhergestellt, der Mittelstürmer hatte sich frei- gespielt und schoß wuchtig unter die Latte. Die Gäste wurden durch die Herausstellung von Leutheuser ermutigt und griffen weiter stürmisch an, doch auf der Gegenseite schoß Schlitz das Führungstor. Dieses Erfolges sollten sich die Grün-Weißen nicht lange erfreuen, denn kurz darauf war der Ausgleich fällig. Die Grün-Weißen versuchten, die Führung an sich zu reißen, doch waren alle Bemühungen erfolglos. Mit diesem Ergebnis endete das lebhafte Spiel.
Londorf — 1900 ----- 0:7.
Die Blau-Weißen lösten ihre Aufgabe in Londorf besser, als man es erwartete. Der Hinweis auf die Gefährlichkeit in der Vorschau tat hier wohl das Erforderliche, denn neben dem sonst üblichen technischen Spiel zeigte die Mannschaft einen rührigen Eifer, und was die Hauptsache ist: das Schießen wurde diesmal nicht vergessen.
Nach anfänglich ausgeglichenem Spiel kamen die Mau-Weißen im weiteren Verlauf zu einer Feldüberlegenheit, die in mehreren Erfolgen zum Aus
Hauses legte. Verschiedene Kameraden gaben in Erinnerung an den Weltkrieg der Freude Ausdruck, die jeweils im Felde herrschte, wenn Feldpostpakete auch aus den Reihen der Kameradschaft ankamen, und sprachen von den lebhaften Gefühlen der Dankbarkeit, die jeden Soldaten erfüllten, wenn er solche Grüße aus der Heimat bekam. Im weiteren Verlaufe des Abends wurden den Kameraden Schwan zum Geburtstag und den Kameraden Gerb i a und Kern zu ihren Dienstjubiläen herzliche Glückwünsche ausgesprochen. Sozialwart A l b o l d berichtete über die in jüngster Zeit getroffenen Maßnahmen. In einigen Stunden kameradschaftlicher Unterhaltung ging der Abend zu Ende.
Appell verMarinekameradschostGießen
Am gestrigen Sonntag versammelten sich die Kameraden der Marinekameradschaft Gießen in ihrem Bootshaus zur Oktober-Monatsmusterung.
Der Kameradschaftsführer gab nach der Begrüßung der Kameraden einen kurzen Rückblick auf die Leistungen aller Wehrmachtsteile. Mit besonderer Freude wurde der Arbeit der Kriegsmarine in den letzten Wochen gedacht. Den im Kampfe gebliebenen Kameraden wurde eine ehrende Gedächtnisminute gewidmet.
Bei der Behandlung reiner Kameradschaftsangelegenheiten wurde als vordringliche Aufgabe die Pflege der Verbundenheit mit den zum Wehrdienst einberufenen Kameraden herausgestellt. Die Anschriften der meisten Kameraden sind bekannt, die Verbindung ist hergestellt, und zur Aufrechterhaltung eines regen kameradschaftlichen Verkehrs zwischen Heimat und Front haben sich einige Kameraden gefunden, die sich vorwiegend dieser Tätigkeit widmen. Eine große Anzahl Kartengrüße lag vor; sie wurden von der Musterung erwidert. Zur Versorgung der Kameraden mit Liebesgaben wurde der Grundstock gelegt. In die Betreuung der Kameradschaftsanqe- horigen werden eingeschlossen die Kameraden der Marine-SA., soweit sie bei der Kriegsmarine einberufen sind. Zur Kriegsmarine einberufen sind 22 Kameraden jeglichen Alters.
Die Musterung war ferner der Ansicht, daß gerade th Kriegszeiten das Marinebootshaus, in dem sich viele junge Menschen, insbesondere vor der Machtergreifung, ihre ersten Kenntnisse in Marineangelegenheiten holten und die heute ihren Dienst bei' der Kriegsmarine tun, bestens erhalten werden muß. Es soll auch in Zukunft enge Verbindung mit der Marine-SA. und der Marine-HI. gepflegt werden. Beide Formationen waren d er treten durch Sturmführer Heß und Kamerad R u p p e I (alter U-Bootsfahrer von U 48).
Sonntäglich wird nunmehr in der Schießballe des Bootshauses unter Leitung des Kameraden Heinemann geschossen werden. Es wurden noch einige interne Fragen behandelt, zu denen die Kameraden das Wort ergriffen. Mit der Anordnung, daß in Zukunft an jedem zweiten Sonntagvormittag im Monat zur Musterung angetreten wird, wurde die Monatsmusterung Oktober beendet.
Einmalige Einstellung in die Schutzpolizei.
Auf Befehl des Führers stellt die Schutzpolizei infolge der ihr in Polen neugestellten Aufgaben einmalig eine größere Anzahl von ungedienten Wehrpflichtigen der Geburtsjahrgänge 1909 bis 1912 ein. Die Dienstzeit bei der Schutzpolizei wird nach Maß- gäbe besonderer Bestimmungen auf die Wehrdienstzeit angerechnet. Bedingungen für die Einstellung sind: Volle ff* und Polizeitauqlichkeit, Mindestgröße 1,70 Meter (in Ausnahmefällen 1,68 Meter), einwandfreie Lebensführung. Auf das Lebensalter wird bei der Besoldung Rücksicht genommen. Merkblätter, die alles weitere enthalten, sind bei der nächsten Dienststelle der Schutzpolizei oder der Gendarmerie sowie bei jeder noch bestehenden ^-Dienststelle erhältlich, wo auch jede Auskunft erteilt wird.
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** Siebzig Jahre alt. Am morgigen Dienstag, 24. Oktober, kann Frau Aenne Mohr, geb. Richter, die Gattin des Generalmajors a. D. Mohr in Gießen, Wilhelmstraße 21 wohnhaft, in aller Frische ihren 70. Geburtstag begehen. Der Jubilarin gilt auch unser herzlicher Glückwunsch zu ihrem Geburtstage.
MftsliMSttfiMSe
Roman von wollher kloepstr
toputfghi ög tarl vumker Verlag - Berlin w 62
22. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
„Nur am Anfang, Franz. Später lachst du über diese Sorgen. Ich merbe es dir gemütlich machen, und abends gehen wir aus; wunderbar wird es werden. Ist von Eschelbrunn schon Nachricht da?"
„Fräulein Ferber hat noch nichts von sich hören lassen, es wundert mich."
„Was macht die Tanzstunde?"
„Es geht vorwärts", beteuert er, was eine faustdicke Lüge ist. „Jetzt spielen sie einen Walzer. Komm, Riele."
Wcchrend der zweiten Runde, die er mittelmäßig absolviert, muß er wieder an die Wohnung von Lepsius denken. Dreitausend Mark Miete. Donner und Doria, das will verdient sein! Und dann die vielen sonstigen Spesen und das teuere Leben. Die Auslagen in so einer Großstadt sind die reinsten Anfechtungen, namenttich für Riele. Den ganzen Tag muß man den Geldbeutel zücken. Trotzdem, es wird schon gehen. Einen gewissen Stamm Kunden übernimmt man ja von Lepsius, das andere fft Glück und Sache der Tüchtigkeit. Wenn das Krankenhaus verkauft ist, wird er mit dem Hofrat abschließen.
„Du sag, wie tanze ich?"
„Fein, Franzel", erwidert sie voll Herzensfrüh- kichkeit.
„Gehen wir? Du mußt dich doch umziehen. Sind viele Leute bei deiner Großmama?"
„Ja. Wie stets. Ich rate dir, dich vorher fattzu- essen."
„Warum?"
„Solche Erfahrungen muß man selbst sammeln." „Wie wäre es mit einem Ausflug morgen? Ins Gebirge? Ich möchte dich wieder einmal für mich haben, Riele. Hier wollen zuviel Leute etwas von dir."
„Gut, Franz; sagen wir Garmisch. Um Sieben geht ein D-Zug Aber Schuhe muß ich mir noch kaufen; fix, sonst schließen die Läden."
Er ist ordentlich froh über Rieles Zusage. Lange hat er das nicht mehr gehabt, dieses Alleinsein mit Riele. Montag Hoftheater, gestern Filmpremiere, heute Einladung bei Frau von Steinacker, solche Zerstreuungen sind ja am Platz, aber mit Maß und Ziel. Er bringt seine Verlobte an ihre Woh- nung in der Prinz-Ludwig-Sttaße, dann geht er
nach seinem Hotel in der Ottostraße. Der Portter überreicht ihm mit dem Brief einen Schlüssel von Fräulein Ferber. Severin öffnet ihn gespannt, lieft ihn gleich in der Halle und läßt ihn dann versonnen in die Tasche gleiten. Fräulein Ferber schreibt:
„... die Kinder sind gesund und fragen viel nach Ihnen. Dr. Wenz gibt sich alle Mühe, aber er versteht es nicht so richtig mit den Leuten hier. Das Kassenhonorar für das erste Quartal ist für Rechnungen und laufende Ausgaben brcrufgegangen. Drei weitere Privatpattenten habey bezahlt, es sind 65 Mark. Es geht hier so ein Gerede wegen einem alten Bild, das Sie verkauft haben sollen, und das Bild sei ein großes Kunstwerk. Wegen der Praxis waren bis jetzt vier Interessenten da, zwei wollen noch Bescheid geben. Man muß halt abwarten. Die Annonce im Aerzteblatt habe ich vorsichtshalber nochmal aufgegeben."
„Wird schon recht werden", murmelt Severin und geht die Treppe hinauf.
Als Severin am frühen Morgen sein Hotel verläßt, um Riele zu dem besprochenen Ausflug abzuholen, ist es sechs Uhr. Der Himmel ist mit blassem Grau überzogen, in dem geronnene, milchige Flocken schwimmen, was zweifelhaftes Wetter bedeutet. Straßenkehrer fegen den Asphalt, ein Auto in der Nähe macht Anlasserschwierigkeiten, und der müde Schutzmann an der Ecke wünscht dringend abgelöst zu werden.
Severin hat einen herrlich klaren Kopf, obwohl er nur fünf Stunden geschlafen hat. Bei Frau von Steinacker gab es gestern dünnen Tee und dünne Brötchen, aber weise und anregende Geschräche. Die alte Dame präsidierte am Stirnende einer langen Tafel, eingeschnürt, weißsträhnig und sehr bedacht auf das ihr zukommende Zeremoniell. An der langen Tafel, die in ihrer artigen Gesetztheit in Severin den flüchttgen Eindruck einer Generalversammlung erweckte, saßen Träger großer Namen, Gelehrte, Künstler, Industrielle, in die Severin unklare Zukunftshoffnungen setzte. Es konnte ja sein, daß dieser Abend nützliche Verbindungen angeknüpft hatte. Jedenfalls war er nicht besonders fröhlich gewesen.
Jetzt ist Severin vor Rieles Haus und läutet. Sie ist schon in Reisedreß und bittet aus dem Fenster um eine Minute Geduld. Im Zug kuschelt sie sich dicht an chn und behauptet, schlafen zu müssen; so frühes Aufstehen sei nicht ihre Sache. Sie gräbt ihren Kopf unter Severins Rock und empfindet seine nahe Wärme als große Annehmlichkeit. Der Starnberger See gleitet vorüber, und milchiger Dunst schwebt über dem Wasser.
„Hoffentlich geht der Nebel weg", wünscht Severin inständig, aber Riele wandelt schon in Schlaf
bezirken. Severin sitzt unbequem, aber er wagt sich nicht zu rühren. In Farchant küßt er Rieles Ohr, was sie mit Augenausschlagen und Gemaunze quittiert. „Wir find gleich da, du Siebenschläferin!"
„Schon?"
Sie gähnt und gibt sich Mühe, durch eine dicke Schicht Müdigkeit an die Oberfläche emporzustoßen. Sie hat eins von den Gesichtern, die auch im Schlaf gut aussehen. In Garmisch unternehmen sie oas übliche: Berge bewundern, Läden bettachten, nach Partenkirchen gehen. lieber dem Zugspitzgipfel hängt dünnes Grau, das die Sonne nur durch Wattemauern ahnen läßt. Ein paar Touristen knüpfen verfrühte Freudenausbrüche an diese Tatsache. Die Villen und Bauernhäuser haben Gärten vor sich, die reine Farbenrinnsale sind. Häufig vrunken Sonnenblumen hinter den Zäunen, einen schwefelgelben Flammenkranz um die dunkelsamtene Scheibe. Sie stehen wie Wächter über all den anderen Blumen, die vom kühlsten Blau bis zum feurigsten Rot die Farbenskala durchlaufen. An den Gräsern blitzt noch der Tau.
„Und jetzt, Franzi?"
„Wenn es dir recht ist, möchte ich mal die Partnachklamm sehen. Daß ich es nicht vergesse, Fräulein Ferber hat geschrieben."
„Gute Nachrichten?"
„Geht an. Das mit dem Krankenhaus zieht sich wider Erwarten in die Länge."
„Eigentlich ist sie ganz hübsch."
„Wer?"
„Deine Wirtschafterin. Bißchen was gehabt mit ihr?"
„Ich? Was fällt dir ein, Riele!"
„Na, na, ist doch naheliegend, wie ich die Männer kenne."
„Gar nichts ist naheliegend", sagt er unwillig. „Fräulein Ferber ist ein braves Mädel."
„Du bist manchmal schrecklich naiv, Franz. Ich habe da mal so einen Blick von ihr auf gefangen; die ist zllm mindesten verliebt in dich. Wir Frauen verstehen uns auf derartiges."
„Unsinn!"
„In gewissen Punkten seid ihr Männer einfach blind. Bei mir hast du es auch nicht gemerkt, sei nur fttll."
Der Weg zur Klamm fft kühl und menschenleer. Severin bleibt vor dem ersten Wasserfall stehen, während Riele weitergebt. Hinter einem Felsvorsprung fyat sich ein Maler etabliert und vergleicht kritisch seine Leistung mit der Wirklichkeit. Er hat einen Pinsel zwischen den Zähnen, hält den Kopf schief und versperrt Riele den schmalen Pfad.
„Verzeihung, meine Dame", murmelt er, beiseite tretend, und sicht Riele ins Gesicht. „Ach, Sie sind's.
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nationszüge, die jedoch meist ein Opfer der schlecht Platzverhältnisse wurden, nicht hinaus. Eine große Chance hatte die Platzmannschaft kurz vor Halbzeit, doch den schön geschossenen Ball wehrte der Tormann der Teutonen im Verein mit dem Torpfosten ab. Nach Halbzeit hatte der Sturm der Gäste den etwas besseren Boden des Spielfeldes unter sich. Mit zügigen Angriffen warteten sie auf und noch kaum 20 Minuten schoß Schmitt zum 1. Treffer ein.
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druck kam, die bis zum Schluß die Zahl fielen gab. Den Gastgebern blieb trotz eifrigstem Bemuhy, der Ehrentreffer versagt.
Die körperliche Ueberlegenheit der ßonborfr glichen die Gießener durch größere Beweglichkßt und durch technisch besseres Spiel aus.
Steinbad) I — Watzenborn-Steinberg I 0:2 (0:0).
Bei schlechten Platzverhältnissen stellten sich im gestrigen Rundenspiel dem Schiedsrichter M (Gießen-Wieseck) in folgender Aufstellung:
Sportgemeinde Steinbach: Deuter; Keßler, Schmitt; Hahn, Becker, Arnold; Beck», A Weber, Größer, Balser, W. Weber.
Teutonia W a tz e nb o r n - St e i n b erz: Wallbott; K. Buß, Fett; L. Buß, Hirz, Wehruin; W. Häuser, Schmitt, Happel, K. Häuser, Harnisch.
Die Platzmannschaft hatte Anstoß und begann so, i fort mit energischen Angriffen, die jedoch von dem «jJB. Verteidigungspaar der Gastmannschaft abgeschlagen wurden. Beide Stürmerreihen kamen über Kombi.
Noch zweimal verfehlten seine Schüsse knapp bas
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ich lege keinen Wert daraus", lacht Riele, und Je $ Lachen geschieht tief drunten in der Kehle, so [$'.? J
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Land — Hand in Hand. 12.10: Mittaskonzert. Dor! spanische Klavierduo Carmen Osorio-Jvss Arriola.
Das Orchester des Reichssenders Leipzig. 12.30 di; 12.40: Nachrichten. 13: Aus einem RüftungSbetrie-!! Werkskonzert in Verbindung mit der NS.-Gemein«
schäft »Kraft durch Freude". 14: Nachrichten. 14.1 ö: Stimmen, die begeiftern. 16: Nachmittaaskonzert, ft Das große Orchester des Reichssenders Hamburg.! riefet 17: Nachrichten. 17.10: Konzert. 18: Ruf ins Land: fAch i
junge Mensch hatte heiße, freche Augen, und es ist ihm ohne weiteres zu glauben, daß er Erittt Macht, wenn sie sich jetzt eine Blöße gibt.
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Zusammenspiel. Besonders der Sturm bewies durch seine Schußkraft seine große Gefährlichkeit.
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Dienstag, 24. Oktober:
6 Uhr: Landvolk, merk' auf! 6.10: Morgengyw nastik. Anschließend: Programmansage. 6.30: Früh« konzert. 7 bis 7.15 Uhr: Nachrichten. 8.05: Gymi nastik. 8.20: Kleine Ratschläge für Küche und Ham
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Ziel. Für einige Minuten drängte die Platzmann, schäft, doch zum Ausgleich führte dies nicht. Emm! Gegenangriff schoß der junge Gästelinksaußen zm 2. Erfolg ein und kurze Zeit später war man sich strittig, ob ein Rückzieher von Schmitt die Torlinie
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8.35: Musik am Vormittag. 9.30: Schulfunk. Send»M e 7 reihe: Vom beispielhaften Leben: Otto LilientholM & Hörfolge. 10: Frohe Weisen (Jndustrie-SchallplatteiilH Zesi und.Eigenaufnahmen). 11: Konzert. 12: Stadt intMKDoir
überschritten hatte oder nicht. Der Schiedsrichter er, kannte nicht auf Tor. Noch gab die PlatzmannschMl das Spiel nicht verloren. Eine weitere große legenheit in Form eines Elfmeters ließ jedoch der • r% Halblinke O. Balser der Steinbacher aus, indem er IP'; den Ball auf den Tormann der Gastmannnschaft fchoj.M
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ichen geschieht tief . .....
daß es sich wie ein dunkel lockendes Gegurre fliv hört. Der junge Mann weiß nicht recht, wie er dran ist. In diesem Augenblick erscheint Severin auf der Bildfläche und wird von Riele flüchtig vorge« stellt. Er betrachtet aus purer Höflichkeit die Oe!« skizze, wechselt ein paar nichtssagende Worte nrit dem ihm unsympathischen Herrn und drängt zM Weitergehen. Rieles Lachen noch im Ohr und H verwegene Di sage dieses Burschen auf der Netzhaut, fragt er ungnädig: „Was war denn los mit dem?' „Nichts von Bedeutung. Ich kenne den Hertt von früher her. Manche sagen, er hätte eine Zukunft als Maler."
„So", knurrt Severin. Dann fällt er in verbackt« Stummheit, er ist eifersüchtig. Diesen Zustand hot er jetzt öfter. Es ist ein äußerst qualvoller und ur' behaglicher Zustand, von dem nicht damit Geplagt sich nur schwer eine Vorstellung machen tonnen Zwar redet er sich ein, daß es kein Staatsoer' brechen ist, wenn Riele mit anderen tanzt, lach', schöntut; aber ein Stachel, ein Störendes bleibt dennoch zurück, und es dauert stets eine Weile, bb seine Stimmung wieder ausbalanciert ist. Sollten seine Jahre an dieser Empfindlichkeit schuld feilt? Ist man mit Zweiundvierzig schon zu alt, 5'-1 dünnschalig, zu argwöhnisch für eine jun$e FrM« wie Riele? Solche Aufwallungen enden jebesmd damit, daß er sick einen Narren schitt und Besse- rung gelobt. Riele ist eine ganz besondere Fra^ eine Künstlerin, die man nicht mit kleinen Maß' stöben messen darf, beschwichtigte er sich. Es fit eine Vergünstigung, daß man sie besitzen darf, dieses Glück muß wie alles auf der Welt bezahl werden.
(Fortsetzung folgt)
fas", lächelt sie. „Ich habe nämlich ein ausgezeich^ • . netes Namensgedächtnis." Sie erinnert sich ganz Mos deutlich des Wo und Wie vor ,
Berichte vom Landesernährungsamt. 18.15: Kon« iig § zert. Dzwischen: 18.30: Aus dem Zeitgeschehen. W, Ue 19.15: Berichte. 20: Nachrichten. 20.15: Uebertra'jfc gung vom Deutschlandsender. Dazwischen: 22 bifigiW [fegen
——_______________________________Jfo fti
Komisch. Wetten, daß Sie meinen Namen nicht Men d mehr wissen, Fräulein Fabri?" ufc Ü
Lahnpokalspiel 1900 1. 3gb.-DfB.-lt I. 10:0 (6:1ÖU
Beide Mannschaften traten komplett an. ZuM« Anfang konnte die Mannschaft des VfB. leicht jA zu überlegen spielen. Doch mit schnellem DurchspilM.^u errangen die Blau-Weißen bald eine leichte lieber« Im i legenheit. So konnte nach 7 Minuten der samchMg si Rechtsaußen Freitag einen unhaltbaren Schuß a$«|Lrer bringen. Sofort nach dem abgewehrten ©egenftofcflL^L gelang Reitz das 2:0. VfB. kämpfte unverdrossen,Ä doch Engel, Korell, Schneucker und nochmals erhöhten durch unhaltbare Tore auf 6:0. MjflL - Halbzeit bot sich ein anderes Bild. Der VsA. j
brachte eine harte Note ins Spiel. 1900 zeigk Mii so schöne Kombinationen und schloß diese mit sauberen Toren ab. Engel, Reitz, Engel waren nochmals j! •'Qr erfolgreich. Noch kurze Zeit war zu spielen, d-MM
Schwabinger Atelierfest, grüne und
Weindunst und vorgerückte Stimmung. Es war wilde, ausgelassene Sache damals, zu der s' Marion Flohr mitgenommen worden war.
„So trifft man sich wieder. Komisch, nicht. N« Sen sehen zum Anbeißen aus. Sie haben mir damal« JW ungefragt einen Kuß gegeben, kleiner Pi erröt. Dm $ I trage ich seither mit mir herum und kann ihn nickt ^>ed gebrauchen. Wollen Sie ihn jetzt zurückhaben?" Drk junge Mensch hatte heiße, freche Augen, und e? ffjN:
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