Ausgabe 
23.10.1939
 
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Fortsetzung d e s alten, wenn auch in ein­geschränktem oder erweitertem Umfang, anzusehen ist. Der Reichsfinanzhof hat erklärt, daß die anläß­lich der Arisierung eingetretenen Besitzwechsel von Unternehmen für die Gewerbesteuer in der Regel ohne Bedeutung sind. Das bedeutet, daß der neue Unternehmer die bisherige Gewerbe­steuer weiter zu entrichten hat, auch wenn sie etwa auf einer zu hohen Schätzung des Finanzamts be­ruhen sollte.

Aus aller Welt.

Beim Spiel in die Brust geschossen.

In Geilshausen (Kreis Gießen)vergnüg­ten" sich am gestrigen Sonntagnachmittag zwei Buben mit Tesching-Schießen. Dabei han­tierte ein zehnjähriger Junge so unglücklich mit der geladenen Schußwaffe, daß der Schuß los­krachte und das Geschoß seinem Spielkameraden, einem 14 Jahre alten Jungen aus Geils­hausen, in die rechte Brust sei te drang. Der bedauernswerte Junge wurde sofort nach Gießen in die Chirurgische Klinik eingeliefert. Hier war sein Befinden am heutigen Montagvormittag den Umständen entsprechend gut.

Lin eigenartiges Eisenbahn-Unglück.

Ein eigenartiges Eisenbahn-Unglück hat sich auf dem Bahnhof von T e r n i ereignet. Ein Güterzug, der Braunkohlen geladen hatte, geriet infolge Versagens der Bremsen in eine über­große Geschwindigkeit und fuhr in rasender Fahrt in den Bahnhof ein. Auf der Einfahrtsweiche entgleisten alle 2 2 Güterwagen des Auges, und die elektrische Maschine wurde auf den Bahnsteig geschleudert. Trotz Warnung hielten sich dort zwei neugierige Reisende auf; sie wurden getötet. Zehn weitere Personen erlitten Ver­letzungen. Don dem Zugpersonal kam ein Brem­ser ums Leben.

Der Adlerschild des Reiches für Dr. Karl INuck.

Der Führer hat dem Generalmusik­direktor Dr. Karl Muck in Stuttgart aus Anlaß der Vollendung seines 80. Lebensjahres den Adlerschild des Deutschen Reiches mit der Widmung: Dem großen Dirigenten" verliehen. Außerdem übersandte der Führer dem Jubilar mit seinen persönlichen Glückwünschen sein Bild mit eigenhändiger Unterschrift. Reichsminister Dr. Goeb­bels hat Dr. Muck telegrafisch die herzlichsten Glück­wünsche übermittelt.

Volksschädling erschossen!

München, 21. DEL (DRB.) Der am 6. Oktober dieses Jahres vom Sondergericht München wegen Handtaschenraubes zu zehn Jahren Zuchthaus und zehn Jahren Ehrenrechtsverlust verurteilte Franz Potleschak sollte am Dienstag, 17. Oktober, in eine Strafanstalt verbracht werden. Er wurde anläßlich eines Fluchtversuches sofort erschos­sen. Potleschak hatte am 21. September dieses Jahres in der Sendlingerftraße in München unter Ausnutzung der Verdunkelung einen Handtafchen- rcrUb verübt.

Schwere Vlultal in Köln.

In der Nähe des an der Bonner Autostraße ge­legenen Hochkirchener Wasserwerks in Köln wurde ein 24jähriges Mädchen, das in einem Kölner Restaurant in Stellung war, in schwer verletztem Zustand aufgefunden. Das Mädchen wurde in ein Krankenhaus geschafft und ist noch nicht verneh­mungsfähig. Ihre schweren Verletzungen rühren von BM'schlägen an Kopf und Hand her. Als Täter konnte der 20 Jahre alte Wilhelm Bußmann. er­mittelt werden. Bußmann gab zu, daß er die Ab­sicht gehabt habe, das Mädchen zu töten und zu berauben.

D8A-Schiffe im schweren Atlantik-Sturm.

Don Dutzenden von Krankenwagen erwartet, er­reichte der DampferPresident Harding" der United-States-Line nach stürmischster je ver­zeichneter Atlantitfahrt mit 119 Verletzten den Neuyorker Hafen. 27 Personen, deren Ver­letzungen die Ueberführung in Krankenhäuser nötig

machte, waren beredter Beweis der Gewalt der hundert Fuß hohen Sturmwelle, welche den Rauch- alon kurz und klein schlug und die Korridore des Schiffslazarettes unter Wasser setzte und ein Mann­schaftsmitglied über Bord spülte. Kapitän Robert erklärte, die Welle sei sogar über die Kommandobrücke hinweggegangen und habe die wachhabenden Offiziere zu Boden gewor­fen. Unter den Leichverletzten befindet sich der bel­gische frühere Premierminister Paul von Z e e - D III 88".

ein Film aus dem Leben der deutschen Luftwaffe.

Als erster Film, der das Leben unserer jungen und nunmehr bereits in zahlreichen Kämpfen be­währten Luftwaffe in einer Spielhandlung gestal-

Die deutsch-sowjetrussischen Ver­träge und Abmachungen haben bereits heute die Blockade Englands zerbrochen. Ein Land, das nach Norden, Osten und Süd­osten ungehindert Handel treiben kann, ist nicht mehrblockiert". Genau so wie der Zweifrontenkrieg als englischer Wunschtraum dahin ist, genau so ist auch die totale Blockade, wie sie England 19141918 gegen uns anzuwenden vermochte, dahin.

Der deutsche Handel mit seinen nöMichen,öst­lichen und südöstlichen Nachbarn ist aber nicht nur frei, er wird vielmehr und zwar aus gegen­seitigem Interesse heraus in vielen Dingen noch eine Erweiterung erfahren. Die deutschen Erz- und Nahrungsmittelbezüge wer­den, das liegt in der Natur der Dinge, stärker werden, auf der anderen Seite haben über auch die Nachbarstaaten Deutschlands einen ver­stärkten Bedarf an gewissen Ausfuhrprodukten Deutschlands, wie beispielsweise an Textilien, insbesondere Garnen und vor allem an Kohle; ganz abgesehen von der Erweiterung des Handels ntit Sowjetrußland. Eine solche Verstärkung des Handelsverkehrs ist aber nur möglich, wenn auch die verkehrsmäßigen Vorbedingungen dafür vor­handen sind, oder doch schnell geschaffen werden können.

Erfreulicherweise liegen hier die Dinge recht günstig. Das deutsche Eisenbahnnetz ist von jeher eines der leistungsfähigsten der Welt ge­wesen. Das polnische Eisenbahnwesen hat zwar unter der Zerstörung zahlreicher Brücken und Bahnhofsanlagen gelitten, dagegen ist es dank der Tätigkeit unserer Flieger den Polen nicht mög­lich gewesen, das rollende Material rechtzeitig zu- rückzuzichen. Dies ist vielmehr in reicher Fülle und im wesentlichen unzerstört in unsere Hände ge­fallen. Es wird daher sehr bald nicht nur möglich sein, das ehemals polnische Verkehrsnetz wieder herzustellen, sondern auf ihm auch mit sozusagen bodenständigen Mitteln einen eigenen leistungs­fähigen Verkehr zu unterhalten.

Weniger günstig steht es auf polnischem Gebiet Mit den Wasser st raßen. Die Weichsel, deren Stromsystem, wie ein Blick auf die Karte zeigt, nunmehr ganz in deutscher Hand ist, ist infolge der polnischen Vernachlässigung völlig versandet und kommt daher als Verkehrsträger kaum in Frage. Dagegen kann die deutsche Oder sehr wohl auch einen Teil des neu entstehenden Verkehrs übernehmen. Die reichen Kohlenvorkom­men und die Erzeunisse der ehemals ostoberschle­sischen Schwerindustrie werden in der Oder ihren natürlichen, weil kürzesten Weg zur Ostsee nehmen, wenngleich natürlich die einstige ,Johlenbahn" Polens (Ostoberschlesien Gdingen, jetzt Goten­hafen) ebenfalls für diesen Verkehr herangezogen werden wird, sobald der Hafen des ehemaligen Gdingen wieder von den versenkten Schiffen ge­räumt ist.

Damit kommt man zu einem der entscheidendsten Derkchrsfaktoren, den Ostseehäfen. Mit Stet- tin,Danzig und Gotenh a f e n besitzt Deutsch -

tet, wird am 27. Oktober in Berlin und in 150 Städten im Reich derTobis-FilmD III 88" anlaufen. Er spielt in einem Fliegerhorst und verkörpert den Geist ewigen deutschen Sol­datentums, so wie ihn heute unsere Luftwaffe in ihren Reihen pflegt. Ein Kampfflugzeug aus der Richthofenstasfel des Weltkrieges und einer unserer modernen Bomber stehen im Vordergrund des Ge­schehens, das uns den opferfreudigen Dienst unserer Flieger nahebringt. Die Regie führte Herbert Maisch, ein Frontoffizier des Weltkrieges. Der bekannte Australienflieger Hans Bertram hatte die flugtechnische Leitung bei der Herstellung des Films. In Spitzenrollen sind Christian K a y.ß l e r , Otto Wernicke, Heinz Welzel und Hermann Braun zu sehen.

land drei äußerst leistungsfähige Häfen, von denen Stettin der bedeutendste ist. Stettin ist eigentüm­licherweise, abgesehen von Gotenhafen, gleichzeitig auch der jüngste Ostseehafen. Während die anderen Ostseehäfen, wie Danzig, Reval, Riga usw. bereits in der Hansezeit eine bedeutsame Rolle gespielt haben, war der südlichste Ostseehafen Stettin in jener Zeit nahezu völlig bedeutungslos. Es lag dies einmal daran, daß Stettin 6 5 k m land­einwärts an der südlich eingebuchteten Ostsee liegt, und daß die Technik jener Zeit nicht in der Lage war, die dadurch entstehenden Schmierigkeiten der Einfahrt zu beseitigen. Ein weiterer Grund war der, daß infolge der politischen Zerissenheit Deutschlands dem Hafenplatz Stettin jahrhunderte­lang ein ausreichendes Hinterland fehlte. So beginnt der Aufschwung des Stettiner Hafens eigentlich erst im 19. Jahrhundert, zu einer Zeit, als die früheren großen Hafenplätze der Hansezeit ihre Bedeutung längst verloren hatten.

Die fortgeschrittene Schiffahrts- und Hafenbau­technik des industriellen Zeitalters überwand sehr rasch die Ungunst der Lage Stettins, und die grö­ßere politische Einheitlichkeit des Hinterlandes wirkte sich ebenfalls in einer Steigerung des Stet­tiner Hafenverkehrs aus. So war 1913 Stettin be­reits der weitaus größte Hafenplatz der O st s e e. Mit 6,246 Millionen Tonnen Ge- samtgüteruMschlag war der Stettiner Hafenverkehr mehr als doppelt so groß wie der des nächstgrößten Ostseehafens Petersburg mit 3,007 Millionen Ton­nen. Weit hinter Stettin zurück standen auch die damaligen deutschen Ostseehäfen. Danzig hatte einen Güterumschlag von 2,11 Millionen Tonnen, Lübeck von 1,99 Millionen Tonnen, Königsberg von 1,75 Millionen Tonnen, Memel von 0,704 Mil­lionen Tonnen und Kiel von 0,617 Millionen Ton­nen. Auch die größten Ostseehäfen des Auslands, wie Riga, Gotenburg, Kopenhagen und Stockholm erreichten bei weitem nicht die Hälfte des Stettiner Güterumschlags.

Diese aussteiaende Entwicklung wurde durch Versailles jäh unterbrochen. Der Güter­umschlag Stettins ging auf 3,3 Millionen Tonnen im Jahre 1932 zurück. Mit der Machtübernahme änderte sich das Bild jedoch wieder sehr rasch. Das Deutschland Adolf Hitlers wandte seine Aufmerk­samkeit der wirtschaftlichen Stärkung des Ostens in besonderem Maße zu. Die vernachlässigte Oder wurde zu einer leistungsfähigen Schiffahrtsstraße ausgebaut, deren Bedeutung durch den Bau des Hebewerks von Niederfinow noch gesteigert wurde. Auch die politische Zerrissenheit des Hinterlandes im weiteren Sinne wurde durch die Bildung des Reichs Protektorats Böhmen-Mähren endgültig be­seitigt. So registrierte Stettin im Jahre 1938 wie­der einen Gesamtgüterumschlag von 8,246 Millionen Tonnen. Es hat also den Verlust von Versailles nicht nur wieder aufgeholt, sondern liegt heute be­reits um rund 3 0 v. H. über dem Stande von 6,246 Millionen Tonnen im Jahre 1913. Diese Steigerung des Hafenverkehrs ging selbstverständ­lich Hand in Hand Mit einem zielbewußten Aus­bau des Hafens, und so ist Stettin, Deuffchlands

größter Ostseehafen, aufs beste gerüstet zur LösMtz der Ausgaben, die ihm durch den Krieg erwachsen sind.

Wirtschaft.

Futtermittelkarten für nichtlandwirtschaftliche Tierhalter.

Zahlreiche Tierhalter in der Stadt sind nicht in der Lage, ihren Nutztierbestand durch FuttergewM' nung aus einem eigenen landwirtschaftlichen Betrieb zu erhalten. Für die Betriebe dieser Tierhalter wer- den ab 1. November 1939 Futtermittelkarten aus- gegeben. Nur auf diese Karten dürfen in Zukunft die für die Versorgung von Pferden, Rindern und Schweinen erforderlichen Futtermittel bezogen und abgegeben werden. Die HV. der deutschen Getreide- und Futtermittelwirtschaft oder eine von ihr damit beauftragte Stelle wird die jeweils zu beziehenden Futtermittel rechtzeitig bekanntgeben. Der ZdR. teilt dazu mit, daß von der HV. auch die näheren Aus­führungsbestimmungen ergehen werden, in denen die Regelung der Versorgung anderer Tiergattungen als der genannten ebenfalls enthalten sein wird.

Nhein-Mainische Börse,

lleberrviegend fest.

Frankfurt a. M., 21. Oft. Die Börse hielt ihre feste Grundtendenz auch zum Wochenschluß aufrecht, da wieder einige Nachfrage überwog. Das Geschäft blieb jedoch im engen Rahmen der letzten Tage, lediglich in den festverzinslichen Pa- pieren waren die Umsätze teilweise etwas größer. Der Aktienmarkt lag zwar wieder nicht ganz einheitlich, größtenteils ergaben sich aber weitere Erhöhungen von etwa 0,50 bis 1 v. H. Sehr still und nahezu unverändert waren erneut die führen­den Papiere, wie JG>Farben mit 157,50 (157,65), Verein. Stahl mit unv. 90,50, Mannesmann mit unv. 99,50. AEG. gaben 0,50 v. H. nach auf 115, anderseits Rheinstahl 128 (127,50). Stärkere Ab­weichungen wiesen Buderus mit 94,40 (92,90), Ver­einigte Deutsche Metall mit 143,50 (142) und Gesfürel mit 131,75 (133) sowie Ilse Bergbau mit 172,50 (175) auf. Von Maschinenaktien gewannen MAN. auf die Veröffentlichung des Rechnungswerks 2 v. H. auf 146,50, anderseits Rheinmetall 110,75 (111,75) und Demag 133 (133,50).

Der Rentenmarkt blieb fest. Reichsaltbesitz 134,75 (134,65), Dekosama I 139, (138,75), do. II 157,25 (157). Nachfrage fanden weiterhin Gold- und Liquidationspfandbriefe, ferner Reichsschatzanwei- sunaen, sowie im Freiverkehr Wiederaufbau^« schlage, Kommunal-Umschuldung, die auf 93,35 (93,25) anzogen, und frühe Fälligkeiten der Steuer­gutscheine I, die etwa 20 Rps. höher lagen. Indu­strie-Obligationen lagen ruhiger, aber behauptet, 4,50 v. H. Main-Kraft jedoch 93,75 (94,25). Stadt« anleihen wenig verändert.

Auch im Verlaufe war das Geschäft ohne Be­wegung, die feste Grundtendenz wurde voll be­hauptet. JG.-Farben 0,25 v. H. erhöht auf 157,75, im übrigen erfolgten kaum zweite Notierungen. Bei den später notierten Werten hielten sich die Ab­weichungen meist unter 1 v. H., Conti Gummi 1,50 vom Hundert fester mit 209.

Im Freiverkehr blieb es sehr ruhig. Tages« geld unv. 2 v. H.

Hauptschriftleiter Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Stellvertreter des Hauptschriftleiters: Ernst Slum- schein. Verantwortlich für Politik, Feuilleton und die Bilder: Dr. Fr. W. Lange; für Stadt Gießen, Pro­vinz, Sport und Wirtschaft: Ernst Blumschein. An« zeigenleiter: Hans Beck. Verantwortlich für den In­halt der Anzeigen: Theodor Kümmel. Druck und Ver­lag: Brühlsche Universitätsdruckerei, R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen. Monatsbezugspreis 2,05 RM. einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illu­strierten 15 Pf. mehr. Einzelverkaufspreis 10 Pf. und Samstags 15 Pf., mit der Illustrierten 5 Pf. mehr. Zur Zeit ist Preisliste Nr. 4 vom 1. September 1937 gültig

Stettin der größte Ostseehafen.

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