Ausgabe 
23.5.1939
 
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VienenzWer aus Hessen-Mau in Gießen.

Die Landes fachgruppe Hessen-Nassau der Bienen­züchter hielt am Samstag und Sonntoa in Gießen einen Lehrgang für Kömginnenzucht ab. Mehr als hundert Bienenzüchter aus dem Gau trafen bereits Samstag mittag in Gießen ein, wo sie in der Bergschenke" von dem Gauobmann für das Zucht­wesen der Imker in Hessen-Nassau, Bodeno en­de r, der zugleich Vorsitzender der Ortsfachgruppe Gießen ist, begrüßt wurden.

Die Leitung des Lehrganges lag bei dem Direk­tor der Bienen-Lehr- und Versuchsanstalt Marburg, Landwirtschaftsrat Dr. F r e u d e n st e i n, der mit Unterstützung von Abbildungen und Wandtafeln einen grundlegenden Vortrag über den Werdegang der Königinnenzucht und deren Bedeutung hielt. Dr. Freudenstein hob hervor, daß der Imker heute die Zucht der Königinnen nicht mehr wahllos der Natur im Bienenvolk überläßt, sondern sich die sehr weit vorgeschrittenen Erfahrungen einer Wahlzucht zunutze macht und gewissermaßen die Natur korri­giert. Der Imker hat es in der Hand, Larven in einem bestimmten Entwicklungszustand, die im na­türlichen Werdegang Arbeitsbienen geworden wären, zu Königinnen zu bestimmen. Er kann auf geeig­nete Weife den Haupteinfluß der Bienen, der bei diesem Vorgang nicht zu entbehren ist, dahin len­ken, daß sie sich dieser vordtzsttmmten Larven an­nehmen und sie durch besondere Pflege und vor allem durch die Fütterung in gewünschter Weise zur Entwicklung bringen. Die Erfahrungen haben be­wiesen, daß diese Wahlzucht die Bienenzucht allge­mein qualitativ verbessert. Neben der Königinnen­zucht wird auch eine strenge Auslese in der Droh­nenzucht getrieben. Für diese Zwecke unterhatten die einzelnen Orts- und auch die Kreis-Fachgruppen Huchtstellen, die in einem Umkreis von etwa vier Kilometern bienenfrei fein müssen. In diesen wird ,-ein ausgewähltes Bienenvolk mit reichlich Drohnen auf gestellt, dem eine Königin ohne Dröhnten und nur mit einem kleinen Begleitvölkchen zu ihrem Hochzeitsflug zugeteilt wird. Die Gießener Orts­fachgruppe unterhält eine solche Zuchtstation im Krofdorfer Wald in der Nähe des Forsthauses Wald- haus.

Im Anschluß an den Vortrag wurden praktische

Vorarbeiten auf dem Außenstand des Vorsitzers der Gießener Ortsfachgruppe durchgeführt.

Am Sonntagmorgen wurden zunächst die Erfolge der vorbereitenden Arbeiten des Vortages auf dem Außenstand nachgeprüft. Das Ergebnis war trotz der großen Anzahl von Anfängern in der Königin- nenzucht sehr gut. Hierauf wurden den Teilnehmern in einem zweiten lehrreichen Filmvortrag die wei­teren Einzelheiten der Königinnenzucht vermittelt.

Abschließend begrüßte der Vorsitzer der Landes- fackgruppe, Seydel (Eltville), die Teilnehmer des Leyrgangs und ergänzte die Ausführungen durch feine eigenen praktischen Erfahrungen. Er gab einen Ueberblick über den Stand der Bienenzucht, für die heute sieben anerkannte Zuchtrassen be­stehen. Bei dieser Reinzucht handelt es sich um Rassen, die auf Grund der Erfahrungen die beste Eignung in einem bestimmten Gebiet aufweisen können. Dabei machte er die interessante Fest­stellung, daß nach dem jetzigen Stand der Erfah­rungen für unser Heimatgebiet, den Gau Hessen- Nassau, voraussichtlich eine Rasse zur Aufzucht ge­langen wird, die bis jetzt die beste Eignung für einen aus Wald und Feld bestehenden Raum er­wiesen hat. Der Vorsitzer der Landesfachgruppe dankte dem Leiter des Lehrganges, Land wir tfchafts- rat Dr. Freuden st ein, und auch der Orts­gruppe Gießen und deren Vorsitzer Boden- b e n d e r für die Arbeit, der sie sich willig unter­zogen haben.

Am Nachmittag wurde mit Omnibussen eine Fahrt zur Zuchtstation im Krofdorfer Forst unter­nommen. Der Vorsitzer der Landesfachgruppe und der Obmann für das Zuchtwesen faßten dort die Ergebnisse der Tagung noch einmal zusammen. Obmann Bodenbender wies vor allem auf die genaue Führung der Zuchtbücher, die in ganz Großdeutschland einheitlich eingeführt wurden, hin, ferner daraus, daß jede Königin eine Zuchtkarte er- hätt, so daß, ganz einerlei ob sie der Züchter auf seinem eigenen Stand behält oder ob sie innerhalb Großdeutschlands verkauft wird, ihre Abstammung und ihre Leistungen nackgewiesen werden können.

Zum Abschluß der Fayrt wurde auf dem Gleiberg eine kurze Rast eingelegt, um den Gästen aus dem Gau Hessen-Nassau die Burg zu zeigen.

spielen und Auswählen von allen möglichen und unmöglichen Verkleidungen herum. Wir haben ja nur ganz einfache Mittel zur Verfügung. Dirndl­schürzen geben königliche Umhänge, Turnbuxen die­nen als Ritterhosen, ja selbst Nachtgewänder, wie Schlafanzüge, werden verwendet. Endlich ist der ersehnte, oder gefürchtete, Abend gekommen. Lang­sam füllt sich der große Saal mit Dorfbewohnern, BDM. und HI. Vor der Tür warten die Mit- wirkenden in phantastischen Kostümen. Das ge­dämpfte Licht verbreitet über die bunten und dunk­len Gestalten einen geheimnisvollen Schein. Nach dem gemeinsamen LiedDer Winter ist vergangen", einer kurzen Ansprache unserer Führerin und ein paar Worten des Bürgermeisters über den Sinn oes Dorfgemeinschaftsabends, beginnt das ersehnte MärchenspielKönig Drosselbart". Mit glühenden Wangen lauschen die Zuhörer. Trotzdem keine Kulissen da sind, kann man sich lebhaft hineindenken, wie die stolze Prinzessin mit dem verachteten Bettel­mann ziehen muß, und wie sie, nachdem sie sich gebenrütigt hat, doch Königin wird. Begeisterter Beifall belohnt die kleinen Schauspieler. Lustige Scherzspiele bringen die Zuhörer kaum aus dem Lachen heraus, und bann singt der ganze Saal mit wachsender Begeisterung das Himmellah (siehe auch Kilometerstein", Seite 134). Bürgermeister, BDM. und alle schunkeln fröhlich beim Kehrreim mit. Währenddem haben sich im anderen Zimmer schon einige für das nächste Schauspiel umgezogen. Der Titel lautet vielversprechend:Till Eulenspiegel als Kunstmaler". Tiefe Ruhe herrscht, alles wartet gespannt. Da erscheint auch schon der Till in den Seppelhosen vom Lehrer und einer aus Taschen­tüchern gebastelten Mütze. Jubelnd lauschen jetzt die Zuhörer, wie der Till die Heuchler und Lügner nun seinerseits betrügt. Als nächste Nummer folgt der VolkstanzDer Walzerkanon". Das LiedDer Mai, der Mai, der luftige Mai" unterhält einst­weilen die Besucher, bis man zum Start bereit ist. Unter Ziehaklängen fliegen die Röcke im Tanz. Tanzend gehts auch wieder zur Tür hinaus. Nach dem Streit des Professors und der Studenten, ob man Herz oder Pumpe sagen soll, kommen gar der Alte Fritz und der Franzmann an die Reihe. Schastenstiefel, Reithosen und Mützen dazu haben uns die netten Duartierleute gepumpt, und sie kön­nen nun ihre Hosen und Stiefel herumspringen sehen, auch bei dem SingspielRußla, wenn .du meine wärst". Nach dem schelmischen Lied's isch mer alles ei Ding" folgt als Abschluß des Abends eine Polonaise, wobei alle, sowohlSchauspieler" wie Zuschauer, mitmachen, anschließend noch ein wenig Walzer und dann SchlußliedAde zur guten Nacht". Sjalbtot, todmüd sinken wir ins Bett, aber fein war's doch...!

Hilde Haas Fahrtengruppe 3/116 (Gießen-Ost).

Ueberall gastfreundlich ausgenommen.

Nun zücken wir alle unsere Taschentücher, und singend und die letzten Grüße winkend verlassen wir Niederbrechen. Das schöne Wetter stimmt uns alle froh, beinahe übermütig. Unser Weg führt am Ernsbach entlang. Rechts und links erheben sich die Untertaunusberge. Wir sehen die Bauern, wie sie auf den Feldern Disteln stechen, Kartoffeln stek- ken oder Dickwurzkömer legen. Vor uns liegt die Rsichsautobahn, Strecke FrankfurtLimburg, lieber« all wird tüchtig daran geschafft. Wir bleiben stehen und betrachten uns eine neu fertiggestellte Brücke, über welche sie führt. Ein Arbeiter kommt und erzählt uns, daß-auf derselben Strecke, wo heute die Reichsautobahn verläuft, in früheren Jahr­hunderten eine wichtige Derkehrsstraße der Römer und Germanen war.

Das ist also Dauborn, das durch feinen guten Schnaps bekannte Dörfchen. Am Fuße eines kleinen Parkes, auf den die Dauborner mit Recht sehr stolz sind, liegt es, langgestreckt und sehr sauber, wie alle die schönen Bauerndörfer, durch die wir kommen. Stolz zeigt ein alter Dauborner nach dem Kirchturm und erklärt mir, das Fäßchen, welches auf der Spitze wäre, sei das Wahrzeichen Dauborns

Hine Frau mit Herz

Roman von Hedda Lindner

Copyright by Carl Duncker Verlag, Berlin

33 Fortsetzung (Nachdruck verboten.)

Als Holk den Apparat auf feinem Schreibtisch schnarren gehört, hatte er mit einer gleichmütigen Bewegung nach dem Hörer gegriffen; er war ge­wohnt, alle Augenblicke angerufen zu werden. Sein Ausdruck hatte sich aber gespannt, als er vernom­men, daß er aus Arosa verlangt würde. Und wenig später hatten Verblüffung, Befremdung, Entsetzen, Angst, Empörung sein Gesicht verzerrt. Mit un­natürlicher Ruhe waren ihm die ungeheuerlichsten Dinge berichtet worden. Nur einmal hatte er unter­brochen.Chamäleon?" hatte er ungläubig gefragt.

,Äch sagte Ihnen: Chamäleon!" war es etwas ungeduldig zurückgekommen. ,/Jeder zweite Polizist weiß, was dieser Name bedeutet."

Aber woher wissen Sie?"

Eine Sekunde Stille, dann war die Stimme wie- dergekommen.Das tut nichts zur Sache, und ich bitte Sie, heute meinen Namen noch nicht zu nen­nen, wenn Sie es vermeiden können; morgen ist es gleichgültig."

Was wollen Sie damit sagen?"

Ein leises, spöttisches Lachen.Daß ich so etwas wie ein Gewissen in mir entdeckt habe, nur leider etwas zu spät, es bekommt mir nicht mehr. Also gönnen Sie mir den guten Abgang und halten Sie den Mund; ich muß Ihnen etwas Besseres gönnen. Und nun keine unnützen Reden, Mann, das Flug­zeug startet bald in Zürich. Sie haben keine Minute zu verlieren."

Nein, Holk hatte keine Minute zu verlieren, und doch brauchte er nicht ein, sondern mehrere Minu­ten, um die Tragweite des soeben Gehörten voll zu erfaßen. Dann allerdings handelte er mit der Schnelligkeit des erfahrenen Piloten, der jeder plötz­lichen Situatton begegnen muß. Er rief dringend den Kommissar Böninger an und hatte das Glück, ihn gleich an den Apparat zu bekommen.

Böninger war ein erfahrener Kriminalist und ein Mann, den so leicht nichts aus der Fassung brachte. Diesmal verlor er sie, vielleicht zum ersten Male in seinem bewegten Leben, dafür aber gründlich. Kaum länger als eine Sekunde, aber dennoch zu lange für Holks fieberhafte Erregung.

Böninger, haben Sie gehört?" rief Holk hastig.

Jetzt kam die Antwort.Wenn ich Ihre Stimme nicht genau erkannt hätte, müßte ich annehmen, daß sich jemand einen üblen Scherz mit mir macht", sagte der Kommissar heiser,aber so frage ich Sie: woher wissen Sie alles?"

Aus einer unbedingt zuverlässigen Quelle, die ich im Augenblick nicht nennen kann. Sie müssen

und feines guten Schnapses. 54 Schnapsbrennereien sind heute noch in Betrieb. Nun denkt man vielleicht, die Dauborner hätten sich ihrem Gewerbe angepaßt und würden viel trinken. Nein, im Gegenteil, fast aller Schnaps, der in Dauborn gebrannt wird, bleibt nicht dort. Der Dauborner ist genügsam, er trinkt bestimmt den allerwenigsten. Oberhalb des Dorfes im Wiesengrund liegt ein schönes Schwimmbad.

Heute ist Sonntag, und wir wandern nach H o f Gnadenthal. Unser Weg führt durch Wiesen und Wald, und die Sonne meint es wirklich gut. Nun liegt der Hof vor uns. Jetzt knipsen mir ihn auch. Der Blick darauf ist sehr schön. Staunend bewundern wir den alten Fachwerkbau aus dem 16. Jahrhundert. Und unsere allgemeine Feststellung, daß in den schönen, ja in den schönsten deutschen Gegenden Klöster stehen, bewahrheitet sich. Doch in dem ehemaligen Klosterhof herrscht heute Hoch­betrieb. Neuzeitliche und der Gegend angepaßte Höfe liegen um das einstige Nonnenkloster, auf denen eben das Vieh gefüttert wird. Die Sonne sinkt schon. Wir müssen uns sputen, um bald unser Tagesziel Neesbach zu erreichen. Es ist ein kleines Dörfchen und hat nur eine Straße. Alle Einwohner sind Bauern und Landwirte, denn der Boden ist hier sehr fruchtbar. Ich bin bei einem Bauern in Quartier. Abends helfe ich beim Schweinefüttern. 26 Schweine sind in einem Stall. Ein unbeschreiblicher Lärm, Quietschen und Kreischen empfängt uns. Jetzt sind alle Tröge gefüllt, und ein behagliches Schmatzen hat dem Qietschen Platz ge­macht. Nun ist das Vieh gefüttert, und es wird

mir glauben: es kommt auf Sekunden an. Was soll geschehen?" drängte Holk.

Jetzt hatte den Mann drüben bas^be Fieber ge­packt. Man hörte es an seiner Stimme, obwohl er sich bemühte, seine Aufregung nicht durchklingen zu lassen. ,Zch komme so rasch als möglich mit meinen Leuten, aber für den Fall, daß ich es nicht schaffe, halten Sie vor allem Frau Wegner in Ihrem Zim­mer zurück; es wird nicht auftallen, da Sie sich ja kennen." (Er war im Laufe des Winters häufiger mit Holk zusammengekommen, den er sehr schätzte, und wußte von jeinem Interesse für Dina.)Das Flugzeug darf mcht weiterfliegen, ehe ich da bin. Einen Vorwand werden Sie schon finden. Die Paß­stelle unterrichten wir. Los!"

Böninger betrat mit seinen Leuten die Flua- leitung in dem gleichen Augenblick, in dem die Rohrpostmeldung der Funkstelle rasselnd in den Drahtkorb fiel. Holk selbst öffnete die Kapsel.Ge- rade geschafft, die Maschine wird eben hereingeholtl" nickte er dem Kommissar zu. Böninger atmete tief auf; feine Stirn zeigte trotz der Kälte dicke Schweiß­tropfen: er mußte wie ein Irrsinniger gefahren fein.

Gleich kommt noch ein Wagen mit einem Herrn, der nach Ihnen fragen wird", sagte er.Es ist der Juwelier Stiller, einer unserer besten Fachleute, den ich noch rasch benachrichtigen ließ. Er wird zu­nächst- feststellen müssen, ob der Stein im Schirm­griff tatsächlich ein Rohdiamant ist oder ob wir einem Bluff aufgesessen sind."

Holk hörte wieder die Sttmme am Telephon: morgen ist es gleichgültig. Das war Ernst gewesen, bitterer Ernst. Er schüttelte den Kopf:Es ist be­stimmt kein Bluff."

Hoffentlich nicht!" brach Böninger aus.Aber ich habe noch nicht gelernt, an Wunder zu glauben. Und dieser geheimnisvolle Gewährsmann von Ihnen, der uns da plötzlich denBlauen Strahl" auf dem Präsentierbrett serviert, so daß wir nur mit freundlichemDanke schön" zuzugreifen brau­chen, das ist ein Wunder! Und als Zugabe sagt er noch so nebenbei, wo und unter welcher Maske sich das Chamäleon befindet. Sie hätten bas Prä­sidium sehen müssen, als ich Ihre Nachricht weiter- gab. Jeder hängt an einer anderen Strippe; in einer halben Stunde ist die ganze Schweizer und drei Viertel der europäischen Polizei hochgebracht aber wenn das blinder Alarm war, bin ich er­ledigt: die Blamage bringt mich glatter um, als das Chamäleon mich umbringen könnte."

Sie werden sich nicht blamieren, sondern durch Auf filmen des ,Blauen Sttahls' berühmt werden", sagte Holk, während er zur Mütze griff, um auf bas Flugfeld zu gehen, wo die D-ASIS bereits dicht über dem Erdboden war.Und ich werde einem Läufer sagen, daß er den Juwelier am Eingang erwartet und gleich m mein Zimmer bringt. Ebenso hole ich, wie verabredet, Frau Wegner hierher."

In Zürich war Dina verabredungsgemäß mit Dr. Stoecklin zusammengetroffen, und als der alte

auch schon dunkel. Ein Heimabend beschließt den Tag.

Um 1.30 Uhr verlassen mir Neesbach und marschieren weiter über Heringen und Netzbach, zwei flrine Dörfer, nach Oberneisen. Steile Felsen von ungefähr 50 Meter Höhe erheben sich hinter dem Ort. Steil und grau ragt eine Mauer hervor. Es war auch ein ehemaliges Kloster. Weit­hin sichtbar steht oben auf dem Berg die Kirche. Sie ist sehr schön gebaut und steht unter Denkmal­schutz. Am nächsten Abend machen wir einen Dorf­gemeinschaftsabend. Alle Vorbereitungen werben ge­troffen. Wirorganisieren" einen Saal und alles andere, was mir dazu brauchen. Anschließend wur­den die Dorfbewohner durch einen Sprechchor ein« geladen. Und als wir abends beginnen, ist der Saal gestopft voll. Mit einem frohen Lied begann der Abend. Ein Stegreifspiel, von uns selbst aus- gedacht, folgte. Der Beifall war sehr groß, als das StegreifspielRumpelstilzchen" feinen Höhepunkt er­reicht hatte. Lieder und Volkstänze wechselten dann ab, bei denen auch unsere Gäste tüchtig mitmachten.

Nun ging das Raten los. Drüben, hinter dem Dorf, das mir von der Straße sahen, lag ein weißer Berg. Was konnte das fein? Doch unsere Neugier sollte gestillt werben. Eben kam eine ganze Reihe Wagen daher, welche das weiße Zeug geladen hatten. Wir fragten die Fuhrleute; diese lüfteten nun das Geheimnis. Weiße Tonerde, Kaolin ge­nannt, wird dort gegraben. Der größte Teil im Tagebau, ein Teil im Untertagebau. Er wird in den Lohrheimer Fabriken gewaschen und dann nach

Herr hörte, daß sie allem war, bot er ihr seine Gesellschaft für den Abend an. Sie sagte gern zu; sie mochte ihn leiben und war vor allem dankbar, daß er sie vor dem Alleinsein rettete; nun, da Arosa und alles, was damit zusammenhing, hinter ihr lag, dachte sie mit immer größerer Sorge an Holk. Wenn er sie nicht verstand, wenn er die lieber- rurnpelung durch Mikeny als Verrat auftaßte. Ihre Nervosität wuchs beängftigenb; sie dachte an nichts und an tausend Dinge zugleich und fühlte dabei im Unterbewußtsein ein großes Erstaunen, vatz sie je über ihre Liebe zu Holk im Zweifel war.

Arn Sonntag er ft hatte sie vier Wochen Zeit ver­langt, um zu überlegen, ob sie sich für ihn entschei­den sollte, und heute hatte sie bei dem Gedanken, ihn zu verlieren, qualvolle Angst.

Wie gefällt Ihnen dieses Lokal?" fragte Dr. Stoecklin.

Sehr hübsch!" sagte sie und bemühte sich, ange­regt und heiter auszusehen.Wie heißt es benn?,r

,Korso. Es ist eines unserer nettesten Abend- lokale."

Ach!"

Er merkte ihre Betroffenheit.Kennen Sie es?" 3a, das heißt: eigentlich nein!" Und als sie fein Erstaunen über diese merkwürdige Antwort sah, entschloß sie sich, ihm ihr damaliges Erlebnis mit Daisy Davis zu erzählen. Es war nicht alltäglich und lenkte sie außerdem von ihren Gedanken ab.

Dr. Stoecklin hörte interessiert zu.Das ift wirk­lich eine Frechheit und hier imKorso^ wollte diese Person auftreten. Nun verstehe ich Ihr Er­staunen. Ich dachte nur, Sie hätten den Namen am Eingang schon gesehen."

Ich hatte nicht darauf geachtet", gestand Dina beschämt. Worauf achtete sie denn überhaupt noch? Sie mar mit allen ihren Gedanken in Biringen.

Was solche Verbrecher nicht alles fertigbringen, wenn sie in der Klemme sitzen!" meinte Dr. Staeck- lin nachdenklich. ,Hch höre auch so manches, obwohl ich mit Strafsachen kaum etwas zu tun habe. Wer ein asoziales Subjekt wie bas Chamäleon zur Strecke bringt, der erwirbt sich ein Verdienst um alle anständigen Menschen."

Es ist aber nicht sicher, daß er mit der Sache damals zu tun hatte."

Immerhin ist es wahrscheinlich. Und daß er es war, der denBlue Ray" gestohlen hat, das steht wohl fest."

Davon haben wir sogar in Arosa gehört. Es soll ein wertvoller Stein sein."

Der Belohnung nach, die das Diamantensyndikat ausgesetzt hat, sicher. Aber wer weiß, ob er je wieder zum Vorschein kommt. Ein geschickter Schlei- fer..." Er verstummte, denn eine Sängerin trat auf. Ihr Vortrag dauerte ziemlich lange, und nach­her kam er nicht wieder auf das Thema zurück.

Als Dina ihr Hotelzimmer betrat, schlug ihr der dumpfe Geruch welkender Blumen entgegen. Sie sah sich forschend um, sie hatte doch alle Sträuße in

Oberneisen in die Fabrik geschafft, wo zum müßten Teil Pergamentpapier daraus gemacht wird. Jetzt hatten wir Lohrheim erreicht. Unsere Quartiere waren, wie immer, schon fertig, und die Leute waren wie überall sehr gastfreundlich.

Maria Braun, Fahrtengruppe 4/116.

Dornoiizen.

Tageskalender für Dienstag.

NSD.-Dozentenbund und Volksbildungsstätte Gie­ßen: 20.15 Uhr tm Hörsaal des Botanischen Jnstt. tuts (Brandplatz 3) Vortragsabend Professor Dr. E. Küster »Deutsche Gärten . Stadttheater: 20 bis nach 22 UhrSeltsamer 5-Uhr-Tee". Gloria- Palast (Settersweg):Spiel im Sommerwind". Lichtspielhaus (Bahnhofstraße):Ich bin gleich wie­der da".

Lladtthealer Gießen.

Heute abend findet die Erstaufführung von Fritz Koselkas neuem LustspielSeltsamer Fünf-Uhr-Tee" statt. Spielleitung Dr. Hannes Razum. Bühnenbild Karl Löffler. Die Vorstellung findet gleichzeitig als 32. und letzte Vorstellung der Dienstag-Miete statt. Ende nach 22 Uhr.

BOM.-!lntergau 116 Gießen.

GD.-Schar der BDM.-Verk-Grnppe 3e/116.

Am 25. 5., um 20 Uhr, findet in der Schiller­schule die Prüfung für die Teilnehmerinnen am Santtätskursus statt.

Am 1. 6. beginnt um 20.15 Uhr rn der Schiller­schule der Säuglingspflegekursus, an dem auch die Neuüberwiesenen teilnehmen.

Ferienkinder der 7!SV. kehren heim.

Vor etwa vier Wochen waren etwa 70 Kinder aus Hamburg mit dem ersten KinderttanSport der NSV. unseres Kreises in unserem Bahnhof einge­troffen und hatten bann, sowett sie nicht in Gießen untergebracht wurden, die Reise in die Orte des Kreises Wetterau fortgesetzt, um vier Wochen der Erholung in unserer oberhessischen Heimat zu ge­nießen. Allzu rasch verging den Kindern die Zeit, die ihnen ein reiches Erlebnis brachte, aber auch eine ausgezeichnete Verpflegung, so daß viele von ihnen mit erheblichen Gewichtszunahmen in das Elternhaus zurückkehren. Gestern mittag um 11.32 Uhr verließ der Zug, der die Kinder wieder nach Hamburg brachte, unseren Bahnhof. Die Pflege« eitern, die die Kinder in der Zeit der vier Wochen liebgewonnen hatten, fanden sich in stattlicher An­zahl am Zug ein und winkten den Kleinen zu, bis sie der Zug den Blicken entführte. Und bei den Kin­dern gab es manche heimliche Träne! Mit Dankbar­keit werden sie sich des Ferienaufenthaltes in unserem schönen Glesien und Oberhefsen erinnern.

Tagung der Kaffenverwalter des Kreises Gießen.

Am Samstag fand auf Einladung des Landrats imFrankfurter Hof" eine Versammlung der Kas- se-nverwalter der Gemeinden des Kreises Gießen statt, in der von Sachbearbeitern des Landrats eine Reihe dienstlicher Fragen erörtert wurden. Für den am Erscheinen verhinderten Landrat Dr. Lotz er­öffnete Regierungsrat Weber die Versammlung und begrüßte die zahlreich Erschienenen. Den beiden langjährigen verdienten Kassenverwoltern M ö b u s von Wieseck und Jung von Klein-Linden, die durch die Eingemeindung von Wieseck und Klein-Linden zur (Stabt Gießen als Kassenverwalter aus dem Landkreis Gießen ausscheiden, widmete Regierungs­rat Weber herzliche Abschiedsworte, dankte ihnen für ihre Pflichttreue und vorbildliche Dienstführung und wünschte ihnen in ihrem neuen Wirkungskreise bei der Stadt Gießen bestes Wohlergehen. Herr Mobus dankte auch im Namen seines Kollegen Jung für die anerkennenden Worte und ver­sicherte, daß sie sich in diesem kameradschaftlichen Kreise stets wohlgefühlt hätten und an die gemein-

Vasen gestellt da fiel ihr Blick auf Mr. Griffins Nelken, die immer noch auf dem Schirm festgebun­den waren. Mit einem Laut des Bedauerns loste sie den Draht und legte sie in das Waschbecken. Wenn ihr auch der Geber nicht sympathisch war, die Blu­men sollten nicht darunter leiden.

Der kleine Schirm lag unbeachtet auf dem Tisch; wo das Licht ihn schräg von der Seite traf, schim­merte der Kristall des Griffes in bläulichem Feuer.

Dina hatte noch nie so aufgeregt ein Flugzeug bestiegen wie heute, selbst nicht, als sie der geheim- nisvollen Botschaft des Dr. Stoecklin entgegeneilte. Ms die Rheinfälle anzeigten, daß die deutsche Grenze überflogen war, zappelte sie buchstäblich vor Ungeduld. Es war gut, daß die Maschine nicht allzu besetzt war; so konnte sie mal nach der einen, mal nach der andern Seite aus dem Fenster schauen, ob Biringen immer noch nicht zu sehen war.

Endlich, endlich leuchtete bas Signal zum An- schnallen auf. Schon konnte sie die Gebäude er­kennen und di« kleinen Pünkchen davor: das waren di« Männer, die auf bas Flugzeug warteten. Ob Holk dabei war? Er würbe sich in diesen Wochen doch erkundigen, wer in Zürich gebucht hatte; sicher wußte er längst, daß sie kam. Aber wenn er nicht da war und sie ihn suchen mußte? Die Zeit war sehr knapp, wenn sie weiterfliegen wollte. Oder ob sie nicht doch lieber ...

Weiter kam sie nicht, die D-ASIS hatte aufgesetzt und rollte langsam auf der Plattform aus. Dina erhob sich und ergriff ihren kleinen Toilette ko fier, der im Netz lag. Dann wandte sie sich dem Ausgang au. Eine Frauenstimme klang hinter ihr:Sie haben ihren Schirm vergessen!

Hastig sah sie nochmals hinauf. Richtig, da oben lag er. Sie nickte der Mahnerin zu:Vielen Dank!" Keine von ihnen bemerkte, daß der gediegen aus- febenbe Herr mit der Aktenmappe, der für eine Uhrenfirma reiste, erleichtert aufatmete. Di na hätte beruhigt fein können, an den Schirm erinnert wäre sie auf alle Fälle.

Unten stand Holk und grüßte sie mit einem Lä­cheln, als sie in der Tür erschien. Sie atmete tief und erlöst auf, ehe sie eilfertig die kleine Treppe hinab kletterte. Der Assistent trat auf sie zu:Ihren Paß, bitte!"

.Lassen Sie nur, Schröder!" sagte Holk.Ich werde den Paß der gnädigen Frau gleich mit durch die Kontrolle nehmen, damit sie wenigstens nocy eine Zigarettenlänge Zeit übrig hat. Kommen Sie, gnädige Frau."

Der Flugassistent Schröder war viel xu wohl­erzogen, um sein Erstaunen merken zu lassen; so fiel auch den übrigen Fluggästen bas Ungewöhnliche dieses Vorgangs nicht auf. Der einzige, der bei der Schnelligkeit, mit der sich alles abspielte, darauf ge­achtet hatte, wußte auch zugleich eine Erklärung dafür.

(Fortsetzung folgt.)