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Gefährliche Partnerschaft.

Die Rückwirkungen der Inschutznahme Böhmens und Mährens durch das Reich auf die englische Oeffenklichkeit haben blitzlichtartig zu einer D e - Maskierung der wahren englischen Mentalität geführt. Während noch in den Parlamenten die verantwortlichen Staatsmänner ihrer angeblichen Enttäuschung über das Nicht- funktionieren der Münchener Abmachungen Aus­druck geben und gern Deutschland die Schuld dafür zuschieben möchten, hat die englische Diplomatie in beschleunigtem Tempo einen neuen Plan gestartet, der auf nicht mehr und nicht weniger als auf eine neue Einkreisung Deutschlands hinausläuft. Gerade daraus ergibt sich, ebenso wie aus den ooranaegangenen Ermunterungen an Prag durch die englische und auch französische Presse, wie wenig die politische Führung Englands selbst den Geist von München zu ihrem eigenen gemacht haben konnte. Die Vermutung, für die es in den ver­gangenen WocherfEschon mancherlei Symptome gab, daß für England und Frankreich das Münchener Abkommen nur eine Atempause und ein Zeitgewinn sein sollte, bis das Kräfteverhältnis sich zu Gunsten der Westftaaten gebessert haben würde, wird durch die jetzige Haltung Englands geradezu zur Gewißheit. Das Foreign Office hat an eine Reihe kleinerer europäischer Staaten ebenso wie an die Sowjetunion Einladungen gerichtet, sich für einen neue Einkreisungspolitik gegen Deutschland zur Verfügung zu stellen. Gerade unter dem Einfluß der unwahren und verleumderischen Kampagne der französischen und angelsächsischen Presse im Hinblick auf die Lösung des tschechischen Problems hoffte man, die angegangenen Staaten psychologisch soweit mürhe gemacht zu haben, daß man jetzt mit einem Ueberraschungscoup Erfolg haben würde.

Die Airtworten, die aus der Mehrzahl der umworbenen Länder in London eingelaufen sind, werden die englische Regierung inzwischen darüber belehrt hoben, daß die Nerven der kleineren Völker und ihr Urteilsvermögen wesentlich stabiler sind als die der englischen öffentlichen Meinung oder zum mindesten, als man es sich in London eingebildet hat. War die für Böhmen und Mähren jetzt von Deutschland gefundene Lösung die Frucht der Fehler und verwerflichen Absichten des Versailler Systems, so ist auch die Haltung der neutralen und selb­ständigen Staaten Europas zu den englischen Ein­kreisungsversuchen das Ergebnis zwanzig­jähriger Erfahrungen, die sie mit der Genfer Liga, der kollektiven Sicherheit, mit Sank­tionen und anderen feuergefährlichen Blockbildungen gemacht haben. Es ist schon ein freventliches Spiel mit dem Schicksal der kleinen Nationen, wenn man ihnen auf der einen Seite einedeutsche Gefahr" vorgaukelt, um ihnen auf der anderen Seite Kom­binationen und Bündnisse daneben anzubieten, deren Erfolg bei kühler Ueberlegung nur ein politischer Selbstmord sein kann.

Die Skrupellosigkeit dieser ganzen so plötzlich ins Werk gesetzten Angst, und Schreckenspolitik enthüllt sich am deutlichsten in der Einbeziehung Moskaus. Die Sowjetregierung und ihre Zwil­lingsschwester, die Komintern, sehen bereits wieder ihren Weizen blühen. Wenn jetzt aus dem Kreml Vorschläge zu einer europäischen Konferenz mit dem Ziel der Bekämpfung und Zerschlagung der autoritären Mächte zu hören sind, wird man das für die sowjetrussische Seite ganz gut verstehen kön­nen. Die katastrophale Niederlage der Sowjets in Spanien und die diplomatische Mattsetzung Mos­kaus durch die Münchener Politik waren so schwere Niederschläge für das bolschewistische System, daß es begreiflicherweise alle Anstrengungen machen muß, um sich wieder eine Pforte nach Europa hin zu öffnen. Eine andere Frage ist schon die, welche Vorteile sich die ost- und südosteuropäischen Staaten von einer Bundesgenossenschaft mit den bolschewisti­schen Machthabern versprechen könnten. Jugo­slawien und Ungarn, die beide mit den Achsenmächten befreundet sind und ihre Außen­politik an die Politik der Achse anzugleichen wün­schen, haben überhaupt keine diplomatischen Beziehungen zu Moskau. Jugoslawien hat sie nie­mals gewünscht und niemals hergestellt, und der brutale Abbruch des diplomatischen Verhältnisses zu Ungarn durch die Sowjetunion anläßlich des Bei­tritts Ungarns zum Antikominternpakt wird auch andere Staaten darüber belehrt haben, daß ein gutes Verhältnis zu Moskau dann nicht mehr mög­lich ist, wenn die betreffenden Staaten Anstrengun­gen machen, den Bolschewismus von ihren Ländern und Völkern fernzuhalten.

Aber noch unangenehmer würde sich die Situation für die unmittelbaren Grenznachbarn der Sowjetunion darstellen, wenn sie sich den englischen Plänen gefügig gezeigt hätten. In dem Augenblick, in dem das neue Bündnis gegen Deutschland zu spielen anfangen würde, müßten Polen und Rumänien daraus gefaßt sein, daß rote Armeen durch ihr Gebiet marschierten, wenn dieEinkrei­sung" überhaupt einen Sinn haben sollte. Alle Welt aber weiß, daß neben dem Soldaten der Sowjet­armee der bolschewistische Agitator der Komin­tern marschiert und daß jede Besetzung fremden Landes durch Sowjettruppen gleichzeitig eine Bol- ichewisierung bedeuten würde. Der Fall des spani­schen Bürgerkrieges, in dem es immerhin nur bol- sckstvestifcheFreiwillige" gab, ist denn in der Tat noch zu frisch in der Erinnerung aller Völker. Jeder Ausbruch von Feindseligkeiten gegen Deutschland im Rahmen des erträumten englischen Systems würde also die Sowjetisierung der ost- und südosteuropä- ischen Staaten Europas bedeuten. Und wieder würde, diesmal im größeren Rahmen, das spanische Spiel deMnen, in welchem England ebenfalls mit seinen Sympathien mehr als zwei Jahre lang auf der Seite der Zerstörer europäischer Kultur und Zivili­sation sich befand.

Aber die Staaten Osteuropas haben an ihren Ent­täuschungen und schlimmen Erfahrungen gelernt. Erst kürzlich hat der polnische Staatspräsident in einer feierlichen Rede erklärt, daß das politische Vermächtnis Pilfudskis die völlige Unabhängigkeit und Selbständigkeit der polnischen Politik fei. Auch Rumänien hat es schnell verstanden, die englische Intrige mit dem angeblichen deutschen Ultimatum an Rumänien zu durchkreuzen, und führt feine Wirt- schaftsverhandlungen mit Deutschland weiter. Hat doch selbst Lord Halifax kürzlich im englischen Ober­haus anerkannt, daß Südosteuropa das natürliche Feld deutscher Wirtschaftsausbreitung ist. Auch die kleinen Staaten Südosteuropas sehen hierin einen natürlichen und erwünschten Vorgang. Kr.

Kabinettssitzunq in London.

London, 22. März. (DNB.) Aus seiner Mitt­wochs-Sitzung beschäftigte sich das britische Kabinett mit der neuen Lage in Mitteleuropa. Dem Kabinett lagen die Antworten der Dominien und gewisser europäischer Mächte vor, über den britischen Vor­

schlag für eine gemeinsame Erklärung, in dereine gemeinsame Haltung gegen Angriffsaktionen" zum Ausdruck gebracht werden solle. Preß Association bestätigt, daß die britische Regierung die franzö­sische, s o w j e t r u s s i s ch e und polnische Regierung ausgesordert habe, diesen Vorschlag zu prüfen. Welter habe sie angeregt, daß die Mächte nicht nur ihrem Wunsch Ausdruck geben sollten, die gegenwärtigen Beratungen fortzusetzen, sondern daß je auch sofort zu Konsultationen zusammentreten sollen imInteresse der gemeinsamen Verteidigung",

falls man glaube, daß irgendwelche weiteren An- griffsakte beoorstünden. Als der Labourabgeord- ncte Wedgwood im Unterhaus am Mittwoch die An­frage stellte, ob die Regierung beabsichtige,wirt­schaftliche und militärische" General- stabsbesprechungen mit den Vereinig­ten Staaten aufzunehmen, um sicherzustellen, daß amerikanische Lieferungen im Falle eines Krieges an England und seine Verbündeten durch- gefüyrt würden, antwortete ein Vertreter der Re­gierung mit einem Nein.

Englische Verdächtigungen.

Tendenziöser Bericht des britischen Innenministers über die Rückgliederung des Memellandes.

London, 23. März. (DNB ) Im Namen Cham­berlains gab Innenminister Sir Samuel Hoare eine kurze Erklärung im Unterhaus zur Memel- frage ab: Mie verlaute, fei dem litauischen Außenmini st er während feiner Anwesenheit in Berlin von der Reichsregierung die Forde- runtvauf sofortige Abtretung des Memellandes an das Reich übermittelt worden, und zwar zusammen mit einer Androhung, daß im Falle irgendwelchen Widerstandes oder irgendeines Ersuchens um Unter- tützung von anderer Seite die Angelegenheit nicht mehr länger in diplomatischer, sondern in mili­tärischer Weise erledigt werden würde. Diese Forderung laufe auf ein Ultimatum hin­aus, und die litauische Regierung sei gebeten wor­den, eine Entschtz'idung binnen an« nähernd vier Tagen zu treffen. Gleichzeitig fei ihr die Zusicherung gegeben worden, daß im Falle einer Annahme keine weiteren Forderungen mehr g e ft eilt werden wür­den. Wie verlaute, sei die Forderung a n g e n o m - m e n worden. Seitdem die deutsche Forderung ge- teUt worden sei, habe die litauische Regierung sich mit der britischen Regierung nicht in Verbindung gesetzt, Ministerpräsident Chamberlain werde eine ausführliche Erklärung abgeben, sobald ihm das möglich fein werde.

Hierzu schreibt derDeutsche Dien ft":

Durch eine freie Vereinbarung der Vernunft hat Litauen das Memelland der deut­schen Heimat zurückgegeben. Damit wurde e t n U n = recht wieder gutgemadjt, unter dem 140 000 Deutsche seit nunmehr 20 Jahren bitter zu leiden hatten. Der britische Innenminister, Sir Sa­muel Hoare, hat den Sieg des Glaubens dieser Deutschen an ihr Volkstum zum Anlaß genommen, um im Namen des britischen Premierministers Verdächtigungen und Lügen in die Welt zu streuen, die den alleinigen Schluß zulassen, daß es sich hierbei erneut um den unverblümten Versuch handelt, die Aufrichtung einer neuen Ordnung in Europa zu hintertreiben.

Mit den Mitteln der nackten Gewalt haben die Versailler Mächte unter der Regie Englands wider den Grundsatz des Selbstbestimmungs- rechtesderVölker 140 000 Deutsche vom Mut­terland getrennt und sich dabei nicht gescheut, sich mit der Berufung auf das Recht des Stärkeren zu begnügen. Englands Sprecher, Lloyd George, war es auch, der die ideologische Gebundenheit des ame- rikanifchen Präsidenten erkannte und mit Non­chalance Länder verteilte, von deren geographischer Lage der amerikanische Friedensprophet nicht immer zuverlässig unterrichtet war.

Herr Hoare! Sie haben auf der Bühne des briti­schen Unterhauses und als Sprecher des englischen Volkes eine unverantwortliche Hetze entfacht. Sie haben versucht, getreu dem Vorbild der britischen Lügenpresse, die Ang st Psychose als politisches Kampfmittel einzufetzen. Es dürfte Ihnen nicht unbekannt gewesen sein, daß nicht von deutscher Seite zuerst jene von Ihnen

aufgestellte verleumderische Behauptung zurückge- wiesen wurde, die deutsche Reichsregierung habe unter Drohungen den litauischen Außenminister da­von abzuhalten versucht, die Unterstützung anderer Mächte anzurufen. Sie täten besser daran, sich mit jenen Grausamkeiten zu beschäftigen, die den ge­schichtlichen Weg des britischen Empire immer noch kennzeichneten. Wenn in Zukunft ähnliche Worte wie die Ihren den allgemeinen Umgangston ab­geben sollen, mit denen die berufenen Vertreter der britischen Regierung im Unterhaus mit Deutschland glauben verkehren zu können, bann wirb in Zu­kunft auch das Wort eines britischen Ministers für Deutschland nicht mehr wert sein als das Phrafen- aedresch einer gewissenlosen und völkeroergiftenden Asphaltpresse!

Jeder Engländer, der noch ein Gefühl für Anstand und Sauberkeit im Verkehr von Menschen und Völkern untereinander besitzt, wird sich von jenen Verzerrungen des Sprechers der englischen Regie­rung ebenso abwenden, wie Herr Hoare gewiß fein kann, daß Deutschland in Zukunft derartige Metho­den nicht unwidersprochen hinnehmen wird.

Mißvergnügen in Paris.

Paris, 22. März. (DNB.) Die Wiedereingliede­rung des Memelgebietes wird von der Pariser Presse in großen Schlagzeilen verkündet. Obwohl man dieses'Ereignis schon seit acht Tagen voraus­sagte, geben die Blätter der nunmehr vollzogenen Tatsache einen sensationellen Anstrich und sparen dabei nicht an gehässigen Bemerkungen und frechen Verdrehungen. DerI n t r a n s i g e a n t" spricht von einemneuen Gewaltstreich", und auch die an­deren Blätter stellen in dreister Weise die Behaup­tung auf, daß die litauische Regierung sicheinem deutschen Ultimatum gebeugt" habe.

Der kommunistischeC e S o i r" spricht mit sicht­lichem Mißvergnügen von deraußerordentlichen Brutalität", mit der der Große F a s ch i st l s ch e Rat wieder einmal die Festigkeit der Achse Berlin- Rom proklamiert habe. Man müsse endlich ver­stehen, daß das geringste Zugeständnis an Mussolini diese Achse nur noch verstärken würde. Der Temp s" jammert,das Völkerrecht fei wieder einmal verletzt worden", und vergießt heuchlerische Tränen über dcks Abkommen, daseinem kleinen Staat aufgezwungen" worden sei. Das rechts­stehendeJournal des Debats" besitzt die Frechheit, Deutschland vorzuwerfen,wieder einmal sein Wort nicht gehalten zu haben".(!) Deutschland habe erklärt, daß es nicht die Absicht habe, Memel anzutasten, vorausgesetzt, daß die litauische Regie­rung das Memelstatut achte. Ohne jede Rücksicht auf die klare Tatsache, daß Litauen seine Verpflichtun­gen in der gröblichsten Weise mißachtet hat, bringt es das Pariser Blatt dann fertig zu behaupten, die­ses Statut sei von Litauen einaehalten worden, aber das Reich habe die letzten Monate dazu be­nutzt, um in Memel die Vormachtstellung der na­tionalsozialistischen Elemente zu festigen.

Memel feiert den Tag der Befreiung.

Letzte Sitzung des Memellandtoges. Freiheitsmarfch der SA.

Memel, 23. März. (DNB.) lieber das befreite Memelland ist nach einem herrlichen Vorfrühlings­tag eine klare Nacht hereinaebrochen. Noch immer dröhnt der Marschtritt der SA. und der schmetternde Klang der preußisch-deutschen Märsche durch die nächtlichen Straßen Memels. Noch immer wollen die ergreifenden Freudenkundgebungen der Men­schen im Nordosten Großdeutschlands kein Ende finden. Auf dem hell angestrahlten H e u m a r k t begann um 20 Dhr der große Aufmarsch der SA., die gegen 21 Uhr ihren Freiheitsmarsch durch die von dichten Spalieren jubelnder Menschen umsäumten Straßen der Stadt antrat.

Inzwischen war der Memelländische Land­tag zu feiner ersten und zugleich letzten Sitzung zusammengetreten. Die 25 deutschen Abgeordneten trugen das Braunhemd oder den schwarzen Rock des Memeldeutschen Ordnungsdienstes. Von den vier litauischen Abgeordneten war nur einer erschienen. Als Dr. Neumann den von einer dichten Zu­hörermenge bis auf den letzten Platz gefüllten Saal betrat, klangen ihm jubelnde Hei'lrufe entgegen. Dann trat Dr. Neumann unter feierlicher Stille an das Podium und gab in sichtlicher Ergriffenheit den Gefühlen Ausdruck, die alle Memeldeutschen in die­ser geschichtlichen Stunde erfüllen.

Die Geschichte der letzten 20 Jahre, so führte er aus, habe bewiesen, daß dieses Land nur deutfch fei. Man habe versucht, das Memelland mit einem Land zu verkoppeln, das aus größter Anspruchslosigkeit hergekommen sei. Trotzdem wäre die Entwicklung vielleicht eine andere gewesen, wenn es den Memeldeutschen vergönnt gewesen wäre, ihre Kräfte wirken zu lassen. Stattdessen habe man ver­sucht, jede selbständige Entwicklung des Memellandes zu unterdrücken. Um so stärker fei das Bekenntnis zum Deutschtum geworden. Dr. Neumann schilderte weiter, wie die litauischen Machthaber zu wirt­schaftlichen Druckmitteln übergegangen feien, nachdem sie eingefehen hätten, daß Gewalt allein die Memeldeutschen nicht zerbrechen könne. Auch das sei vergeblich gewesen, und nach den letzten Wahlen sei die kleine litauische Fraktion zu völliger Bedeutungslosigkeit herab- gesunken. Dr. Neumann ging bann auf die jüngste Entwicklung ein.Mir ist", so sagte er,durch die memeldeutsche Fraktion das Vertrauen und die Voll­macht gegeben worden, im Namen der 25 memel- deutschen Abgeordneten zu handeln. Ich habe getan, was ich tun mußte. Der Weg war richtig. Der Schicksalsweg von 20 Jahren ist zu Ende. Wir sind wieder was wir waren:Angehörige des deutschen Volkes und Reiches",

Dr. N e u m a n n verlas abschließend folgende Proklamation:

Memeldeutsche! Der Tag der Erfül­lung i st da! Die litauische Regierung hat unser deutsches Memelland an das Grohdeutsche Reich zurückgegeben! Wiir kehren heim ins Reich, in unser deutsches Vaterland, dem unsere heiße Liebe in den Zeiten der Rot ge­hörte und in alle Ewigkeit gehören wird. Un­zählige Male haben wir noch unter dem li­tauischen kriegsgeseh, und -erst recht seit wir unseren Marsch in die Freiheit antraten, feier­lich erklärt: Wir wollen heim ins Reich! Was wir mit tiefer Sehnsucht erhofft und mit un­beugsamem Dillen erkämpft haben, das e r - fülltsichindieser Stunde.- Wir kehren heim ins Reich! Unermeßlich und unaussprech­lich ist unser Dank anden Führer aller Deutschen, an unseren Führer Adolf Hiller! Dr. Neumann gab ferner bekannt, daß er im Namen des Memellandes anden Führer fol­gendes Telegramm gerichtet hat:Mein Führer! Das deutsche Memelland kehrt mit dem heutigen Tage zum Deutschen Reich zurück. Der unerschütterliche Glaube an das deutsche Volk und an Sie, mein Führer, haben uns die Jahre des Kampfes bestehen lassen. Ihnen allein gebührt unser Dank, und Ihnen gehört die grenzenlose Liebe aller Memeldeutschen."

Zum ersten Male erklang dann in einer Sitzung des Memelländischen Landtages, die zugleich die letzte' Sitzung ist, das Sieg-Heil auf den Führer, und die Abgeordneten stimmten spontan das Deutschland- und das Horft-Wessel-Lied an. In­zwischen waren auch die Kolonnen der SA. auf ihrem Marsch durch die Stadt zum Landtagsgebäude gekommen, wo Dr. Neumann den Vorbeimarsch ab- nahm. Auch die Parteigenossen der Auslandsorgani­sation beteiligten sich mit einer starken Gruppe an diesem denkwürdigen Freiheitsmarsch, der diesem stolzen Tage des befreiten Memellandes einen er­hebenden Ausklang gab In freudiger Erwartung rüsten sich die Memeldeutschen nun zu ihrem größ­ten Ehrentag, zum Empfang des Führers.

Hufoige Aufnahme in Warschau.

Warschau, 22. März. (Europapreß.) Die Nach­richt von der Rückgabe des Memellandes an das Reich ist in Warschau ruhig ausgenommen worden. Die Blätter beschränken sich darauf, die neue Lage vorläufig in den Ueberschristen zu charakterisieren, Vie etwa lauten:Blitzartige Entwicklung der Er­

eignisse" oderDie Karte Europas ändert sich wie­der". In polnischen Kreisen erklärt man, daß Polen keine Signatar macht der Memel-Kon­vention 'sei, und daß selbst die litauische Regie- rung in keiner Weise die Vorstellung zu erwecken versucht habe, als ob die Memelfrage eine Anae- legenheit der Sicherheit und Integrität Litauens fei. Die Lebernahme der Exekutive

im Memelland beendet.

Memel, 22. März (DNB.) Die Besetzung sämt­licher bisher unter litauischer Verwaltung stehender Stellen durch dieMemelländische Landespolizei" sowie durch d-ie SA. und den Ordnungsdienst hat sich nut bewundernswerter Präzission und ohne den geringsten Zwischenfall vollzogen. Die notwendigen Aktionen waren bereits in den Mittagsstunden beendet. Die Landespolizei beschlag­nahmte die Waffen der litauischen Wehrorganisatio- nen. Der Memeldcutsche Ordnungsdienst besetzte u. a. das Postamt, und die SA. u.a. das gesamte Hafengebiet, den Rundfunksender sowie die Boote der Hafenpolizei. Die SA. hat ferner sämtliche Aem- ter und Dienststellen auf der Kurischen Nehrung besetzt.

Ueberatl vollzog sich die Aktion unter dem gren­zenlosen Jubel der Bevölkerung. Vor allem bei der armen Fischerbevölkerung auf der Nehrung kam die Freude über die Heimkehr ins Reich in rührender Weise zum Ausdruck. Am frühen Morgen waren bereits zwei Züge aus Memel ausgelaufen, die von Juden überfüllt waren; gestern abend verließ ebenfalls ein Zug Memel, der so von Juden überfüllt war, daß die Fahrgäste zum Teil auf den Trittbrettern standen. Tausende von Menschen hat­ten sich auf die Kunde von der Flucht der Juden am Bahnhof eingefunden und die zahlreichen Taxis, die ankamen, bepackt mit Hausgeräten, Bettzeug ufm. wurden mit allerlei luftigen Zurufen begrüßt. Während der ganzen Nacht konnte man beobachten, wie Leiterwagen und andere Fahrzeuge bepackt mit jüdischem Eigentum, aus den Straßen der Stadt verschwanden.

Wie der bisherige litauische Gouverneur dem Memeldirektorium mitteilte, werden sämtliche im litauischen Heer dienenden Memel­deutschen auf schnellstem Wege in b i e Hei - m a t entlassen werden. Die Memeler Post wird noch heute die bisherigen litauischen Briefmar­ken mit dem UcberbrurfM emelland i ft frei!" versehen.

Freihettsseier in Tilsit.

DNB. Tilsit, 23. März.

Am Donnerstagfrüh um 5 Uhr überschritten deutsche Truppen in Tilsit die Kön.gin-Lui^e- Brücke und rückten in das befreite deutsche Memelland ein. Die in der Nähe der Brücke liegen­den Straßen sind eine einzige dicke Menschenmauer. ein Sturm der Begeisterung! Die Tore der Brücke öffnen sich, und unter den Klängen des Deutschland­liedes marschieren deutsche Soldaten über den Memelstrom. Die mächtige Brücke ist mit den Fahnen Großdeutschlands und Tannengirlanden fest­lich geschmückt. Wo gestern noch der Vytis, das litauische Staatswappen, hing, grüßt heute ein großes Hakenkreuz die einmarschierenden Soldaten.

Heller Sonnenschein liegt über Tilsit, als in den frühen Vormittagsstunden die Gliederungen der Ac- roegung und de* Reichsarbeitsdienst aus dem Fletscher-Platz ausmarschieren. Hoch von den Masten herab wehen die Fahnen des Großdeutfchen Reiches und die grünweißrote Memelfahne. Um 7 Uhr erschallt brausender Jubel, als D r. Neu­mann im Kraftwagen über die Memel nach Tilsit kommt. Kurz daraus treffen ebenfalls, be­geistert begrüßt, Reichsinnenminister D r. Frick und Ostpreußengauleiter Erich Koch ein. Die Freude der Bevölkerung kennt keine Grenzen, und die Polizei kann nur noch mit Mühe dem Kraft­wagen einen Weg bahnen. Reichsminister Dr. Frick schreitet die Front der im offenen Viereck angetretenen Formationen ab. In feiner Begleitung befinden sich Dr. Neumann, Gauleiter Koch und der Kommandierende General und Befehls­haber im Wehrkreis I, General der Artillerie von Küchler. Dann ist der Augenblick gekommen, aus den alle Memeldeutschen feit 19 Jahren gewartet haben:

Die Grenze zwischen Deutschen und Deutschen, die durch das Versailler Schand­diktat gewaltsam aufgerichtet worden war, ist ge­fallen, und die erste Wagenkolonne fährt ohne Zoll- und Paßkontrolle in das Memelland, voran im ersten Wagen Reichsminister Dr. Frick, Dr. Neumann und Gauleiter K o ch. In diesem Augenblick erreichen die Freudenkundgebungen ihren Höhepunkt, und der Begeisterungssturm will nicht enden. Die Sirenen beginnen zu heulen und die Schiffe im Hafen lassen weithin hörbar ihre Stimme erschallen. Jetzt marschieren auch die Formationen mit ihren Fahnen und Standarten über die Brücke.

700 Jahre deutsch.

Seit den Tagen der Besiedelung der baltischen Ostseeprovinzen (vom Jahre 1201 .ab) ist der Boden, auf dem sich heute die Stadt Memel erhebt, deutsches Land. Deutsche Kolonisten im Gefolge der Schwertritter haben hier, wo das Pruzzenland und Kurland an einer schmalen Stelle an der Ku- rischen Nehrung zusammenstießen, auf kurländischem Boden die deutsche Stadt Memel gegründet. Später

zu Beginn des 14. Jahrhunderts erhielt der preußische Zweig der vereinigten Ritterorden der Deutsch- und Schwertritterherren die Stadt m>t dem zugehörigen Land als Eigentum. Von da an erhob sich d i e Ordensburg in Memel als äußerste Grenzfeste des preußischen Landes und als trutzig redendes Wahrzeichen gegen Litauen, dessen Grenze östlich des Memellandes vom Beginn des 15. Jahr­hunderts an festliegt.

Seit der Mitte des 14. Jahrhunderts hat so zu­erst die weiße Fahne mit dem schwarzen Kreuz der Ordensritter und später (seit 1525) der rote Bran­denburger Aar sich siegreich auf deutschem Blwen behauptet. Das Memeler Land hat nie zu Li6 tauen gehört.

Freilich, der Deutsche Orden hatte schon früh­zeitig neben deutschen Kolonisten auch Litauer, aber in geringer Zahl, im Memelgebiet angefiedelt. (SO1 im 16. und 17. Jahrhundert entstanden größer zu- särnmenhängende Siedlunaen mit litauischen Orts­namen und litauifierten Personennamen. Die Li­tauer sind aber, obwohl sie ihre Muttersprache er­halten haben, gut preußisch und gut deutsch 6*' worden und gut deutsch geblieben bis zum heutige» Tage.