Ausgabe 
23.3.1939
 
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Memel gehört wieder zum Reich.

Blick auf einen Teil der Stadt Memel mit dem Hafen im Hintergrund. (Scherl-M.)

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Kurische Nehrung.

Die Kurische Nehrung vo» Cranz bis Memel ist wieder unser! Jeden, der sie kennt, wird das Verlangen überkommen, sie als deutsches Land wiederzusehen. Wilhelm von Humboldt pries diesen Landstrich als eine der wundersamsten und eigen­artigsten Landschaften der Erde. Man must mit den flinken Schiffen des Seedienstes Ostpreußen zur Kurischen Nehrung fahren. Wer dann bei Nid- d e n, dem anmutigsten Nehrungsdorf inmitten der hohen Wanderdünen, an Land geht, der wird so­fort spüren: hier geschieht das Letzte, hier schlägt die Erde wahrhaft den großartigsten Dreiklang in majestätischer Einfachheit an: Sand, Himmel, Meer. Meer, Himmel, Sand. Himmel, Sand, Meer. Im­mer dies. Und der Mensch ist ein Körnlein darinnen.

Kurische Nehrung... Die goldenen Gründe des Meeres sind heraufgewandert mit mächtigen steilen Dünen, um noch einmal nach schmalem güldenem Aufflammen in dem breiten Gewässer des Haffs zu versinken. Die Dünen wandern seit Jahrhunderten. Ewig sich langsam wandelnd. Bis zu einem halben Hundert Meer steigen die Billionenheere der Sand­körnchen mit zähem Willen im Seewind die lichten Berge der preußischen Sahara hinan und hinab. Dörfer wurden und vergingen; andere fand die Königin Luise- auf der Flucht als der Große Kur­fürst, da er den Schweden auf den Fersen saß anderen als wir werden einst unsere Nachfahren auf der uneinsamen Nehrungswanderung begegnen. Heute sind die Zugvögel in R o s s i t t e n, der be­rühmten Vogelwarte, die Segelflieger bei den schwarz bekappten Dünen von Pillkoppen und die Einsamkeitssucher, meist Maler und Dichter, in dem bunt in die goldenen Düneschluchten geschmieg­ten Nidden zu Haus.

Aber diese Siedlungen sind auch nur sandkorn-. haft eingestreut in diese Welt aus Himmel, Sand und Meer. Dort, wo bei dem nun wieder deutschen Nidden von allen Seiten nichts als Einsamkeit auf die hohen Dünen zuströmt, die sich wie riesige Ur­weltwesen, fast fleischfarben, zwischen Meer und Haff lagern und im leuchtenden Sommerwind einen im Sonnenglast siebenfarbig erglänzenden Sand­hauch ausatmen da kann der Mensch nach stun­denlangem Einfühlen und Hineinspüren in diese grandiose Stille von Zeit und Raum die Geschenke dieser seltsamen Landschaft entgegennehmen, die Ge­schenke des Meeres, das uns hier gütig auf seinen cmporgehobenen, dahingewobenen Grund führt. Wenn sich die Augen dann endlich erlöst schließen und der Takt des Herzens mit dem Takt der Wogen im Einklang wiegt, dann verwandert auch alles an Sinnen und Trachten in der eigenen Brust wie

Sand, wie goldener Sand, der aus dem Meer der Ewigkeit steigt und wieder versinkt.

Herrlich ist es, hier eine Nacht unter freiem Himmel zu schlafen. Allein in die Wüste zu gehen... Oben auf der höchsten Düne. Nacht. Das Anklatschen der Wellen ist nicht mehr zu hören, so hoch ist die Düne. Ein Blick zurück: das weite Becken des Haffs, dahinter ist ein grünender Hauch: die entsunkene

Dr. Ernst Neumann, der Führer der Memel­deutschen, der die Deutschen dieses Landes in den schweren Kampfzeiten gesammelt hatte. (Scherl-M.)

Ostpreußenküste. Die Welt jenseits von Raum und Zeit ist dieser Sandstreif im Meer. Ich studiere stundenlang den wandernden Sand. Jedes Sand­korn bekommt ein Menschenangesicht. Völkerwande­rung. Dann gehe ich weiter und finde eine mit Blumen und Gras oasenhaft bewachsene Düne in­mitten der kahlen. Ich lege mich in sie hinein und schlafe plötzlich ganz leicht ein.

Wenn ich aber die Augen öffnete in dieser Nacht auf der Düne, dann standen die Sterne kugelhaft sichtbar in dem bis zum Horizont aller Richtungen

der Windrose unverstellten, vom Nordlichchauch er­hellten Himmel. Der Goldstreif der Nehrung zitterte über den Wassern, die stille logen: Haff und Meer spiegelglatt. Zwei riesige ins Ewige gerichtete Augen.

Dann die Rückfahrt über das Haff. Das bunte Nidden entschwindet hinter den zusammen­geschrumpften Dünen mit seinem letzten roten Doch, mit seiner stolzen Kiefer am Uferhang. Seltsame

Führende Männer

Fischerkähne, eine kleine Flotte, kommen Herons gefahren, mit wunderlich viereckigen Segeln und heidnischen Wahrzeichen am Bug und am Most. Die Wimpel stehen starr, denn sie sind aus Holz ge­schnitzt und tragen des Fischers Namen von alt- kurischem Klang. Im Sonnanglast scheinen die am Horizont zerrinnenden Dünen zwischen Himmel und Erde zu schweben. Alfred Hein.

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Memeldeutschtums.

23on links: Willy Bertuleit, der Präsident des Memeldirektoriums und stellvertretende Vorsitzende des Memeldeutschen Kulturverbandes; Dr. Wilhelm B r i n d l i n g e r, der Ober­bürgermeister der Stadt Memel; Paul Kw a u k a , der Führer der memeldeutschen Sicherheits- Abteilungen. (Scherl-Bilderdienst-M.)

Das Memelland ist frei.

Eine Karte des Memelgebiets. (Scherl-Pilderdienst-M.)

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KÖNIGSBERG

Der Reichsprotektor dem Führer unmittelbar unterstellt.

Berlin, 22. März. (DNB.) In einer Verord­nung zum Erlaß des Führers über das Protektorat Böhmen und Mähren vom 22. März 1939 wird be­stimmt: Der Reichsprotektor in Böhmen und Mähren ist der alleinige Repräsentant des Führers und Reichskanzlers und der Reichs re gierung im Protektorat. Er untersteht dem Führer und Reichskanzler unmit­telbar und erhält Weisungen nur von ihm. Zen- tralstelle zur Durchführung des Erlasses des Führers und Reichskanzlers über das Protektorat Böhmen und Mähren ist der Reichsmini st er des Innern. Die obersten Reichsbehörden hoben bei allen Maßnahmen, die das Protektorat betreffen, im besonderen bei dem Erlaß von Rechtsvorschriften und bei Organisationsmaßnahmen das Einverneh- men mit der Zentralstelle herbeizuführen. Auf Vor­

schlag des Reichsministers des Innern hat der Füh­rer den Staatssekretär Dr. Stuckart zum Lei­ter der Zentral st elle zur Durchführung des Erlasses über das Protektorat Böhmen und Mähren im Reichsministerium des Innern bestellt.

Tagung des Landesausfchuffes für Böhmen.

Prag, 22. März. (Europapreß.) Der Landesaus- schuß für Böhmen hielt unter dem Vorsitz des Lan­despräsidenten Dr. S o b o t k a eine Tagung ab. Dieser gedachte des Führers, der das tschechische Volk in den Schutz des Deutschen Reiches genommen habe und auch des Präsidenten Dr. H a ch a, dem der Landesausschuß im Namen des Landes Böhmen der steten Dankbarkeit des tschechischen Volkes für all das versicherte, was er in den vergangenen Schicksalstagen für die Nation geleistet habe und für fein unermüdliches opferwilliges Bestreben, aus den bisherigen Parteien eine einheitliche, starke, na-