Ausgabe 
23.2.1939
 
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Ur. 4 6 Zweites Blatt

Gießener Anzeiger tGeneral-Anzeiger für Gberheffen) Donnerstag, 25. Februar

Aus der Stadt Gießen.

Knvjpentage.

Warme Nachmittagssonne breitet Hellen Glanz auf die Straße. Sie entzieht ihr den nächtigen Frost und macht den feinen Saudbelag weich, daß selbst leichte Schritte eine sichtbare Schuhspur hinterlassen.

Aus der winterfahlen O^de und Abgestorbenheit der Wiesen glimmt bereits allerwärts neues Leben. Junge Halmbüschel und winzige Blattrosetten leuchten als erste grüne Tupfen an der Erde, deren sattes Braun, wo es Maulwürfe zu kleinen Hügeln aufgeworfen haben, feucht und frisch schimmert. Die seltenen lichtscheuen Höhlenbewohner scheinen ebenso wie das Geziefer, dem sie unermüdlich nach­stellen, nicht mehr vor eisigen Tagen zu bangen, sonst hätten sie sich nicht schon aus wärmeren Tiefen so dicht an die Oberfläche gewagt. In den mächtigen Espen, die steil und stämmig wie vereinzelte Licht­maste emporragen, braut der Säst. Die dicken, täglich stärker und praller werdenden Knospen «verraten gieriges Drängen zum Licht. In kurzer Zeit Platzen die Schalen, und die wolligen, walzen­förmigen Kätzchen werden wie gefräßige Raupen über die Zweige und den Boden wimmeln. Um die Wipfel der Kopfweiden webt ein rötlicher Schimmer. Sie haben ausgeschlafen, und die schlanken Gerten möchten ebenfalls ihre Knospenaugen aufschlagen.

Eine Schafherde weidet zerstreut am Rande eines Wäldchens. Plötzlich fegt der schwarze Schäferhund wie ein Sturmwind die Waldbüsche entlang und schreckt die Außenseiter zurück. Sie fluten wie das Wellenrudel einer Brandung der Herde in die Flanke und kommen dort zur Ruhe. In der Nähe der weidenden Tiere ist ein Viereck eingezäunt, eine Hürde, in der ein zweiräderiger Schäferwagen steht. Ob Hirt und Herde schon int Freien nächtigen?

Beim Abbiegen ins Buschwerk knackt dürres Gezweig unter den Tritten, wodurch sich ein Häher aufgestöbert fühlt, der mit heiserem Rätschen flüchtet. Die blau-weiß gesprenkelten Spiegel der Flügel leuchten in der Sonne, die überall zwischen den Stämmen und Aesten mit neugierigen Strahlen einschlüpft. Tiefer im Gehölz, in einem Dickicht schlanker, dichtgewachsener Fichten, flattert und schreit es weiter. Der Häher scheint Gesellschaft be­kommen zu haben, und da diese Vögel nichts lieber tun als rufen und lärmen, jede Waldstimme mit Geschick nachahmend, dauert es eine Zeitlang, bis sie sich beruhigen.

In einem Wiesensee jenseits des Wäldchens lacht die Sonne, daß er von weitem wie Glas blitzt und das vortäuscht, was er vor kurzem noch war: eine blanke Eisbahn. An vielen Stellen wachsen bereits grüne Inseln aus den versickernden Wassern. Einige Krähen stolzieren mit emsigem Nicken auf ihnen herum. Andere sehen aus Baumwipfeln, mit ihren Schnäbeln im Gefieder nestelnd, abwartend zu. Plötzlich knallt ein Schuß in die Stille. Es sind weder Jäger noch Wild zu entdecken, dennoch fliegen die mißtrauischen Krähen verdrießlich quarrend auf und streichen ab. P- B.

Voruotizen.

Tageskalender für Donnerstag.

Gloria-Palast, Seltersweg:In geheimer Mis­sion". Lichtspielhaus, Bahnhofstraße:Frauen für Golden Hill".

Vorwärts, wir greifen <m!

54 Reichs- und Gauredner sprechen in 162 Kundgebungen im Kreis Weiterau

Jeder macht mit und bekennt sich durch seine be­dingungslose Teilnahme zur nationalsozialistischen Idee und zum Führer. In den nächsten 10 Tagen kennt der gesamte kreis wetterau nur eine einzige große Parole: vorwärts, wir greifen an im Frühjahrsfeldzug der NSDAP.?

kreispropagandaleitung wetterau der NSDAP.

Die Veranstaltungen finden am 4. und 5. März in sämtlichen Gemeinden des Grohkreises wetterau

Nur noch wenige Tage trennen uns von dem ' statt. Sonstige Veranstaltungen und Versammlungen großen Fruhjahrsfeldzug der Partei leingeschlossen der Vereine) fallen an diesen beiden im kreis Detterau. Wieder einmal liegt die Tagen aus.

NSDAP, im Angriff. IBieder aebt eine rieuve _, ...

TropaganbarocUe unerhöilen Ausmaß durch den ®cr fircl5 rodlec W roiEÖer cinmal im Mn9nif- ganzen kreis, um auch den letzten Volksgenossen zu erfassen und an seine Pflichten als National­sozialist und Deutscher zu mahnen. Namhafte und bekannte Reichs- und Gauredner werden bis in die kleinsten Gemeinden hinein das Gedankengut des Führers und die Idee des Nationalsozialismus tragen.

DerÄgdgauLandheffen imlagdjahr 1937/38

Von Ernst Holzel.

DerGießener Anzeiger" brachte in Nr. 45 vom 22. Februar 1939 einen Bericht über die Strecke des Jagdjahres 1937/38 im Jagdgau Land Hessen und ihren materiellen Wert. Diese Zahlen bekommen für den Jäger erst dann den rechten Wert, wenn er bas verflossene Jagdjahr mit anderen vergleichen kann, um danach bemessen zu können, ob das Jahr gut war oder schlecht in seinem Ertrag, und um vielleicht weiter eine Dorstellung von der Entwick­lung der jagdlichen Verhältnisse in den letzten Jah­ren überhaupt zu bekommen. Es sei deshalb dieser Vergleich im folgenden in der Weise ermöglicht, daß die erste Zahl die Streckenzahl für das Berichtsjahr, also 1937/38, die Klammerzahlen dagegen die für 1935/36 und 1936/37 wiedergeben.

Dann ergibt sich folgendes Bild: Rotwild 489 (287, 411), Damwild 217 (39, 517), Rehwild 16 902 (8356, 15 246), Schwarzwild 406 (238, 277), Hasen 42 919 (64 812, 84 141), Kaninchen 15 257 (11018, 18 455), Füchse und Dächse 5134 (3063, 4693), an­deres Haarraubwild und Wiesel 2772 (1163, 868), Fasanen 4805 (4586, 6014), Rebhühner 26 977 (33 258, 35 085), Enten 5702 (2003, 3331).

Was das Schalenwild angeht, so wird aus den Zahlen der erhebliche Eingriff sichtbar, der aus Gründen der Landeskultur in die Bestände vorge­nommen wurde. Der Bericht des Landesjäger­meisters stellt dazu fest, daß damit die erstrebte Be­standsverminderung im allgemeinen erreicht wurde. Den Jäger interessieren dabei vor allem auch die Verhältniszahlen der Geschlechter, die bei Rotwild jetzt mit 1:1 und 1:1,5, für Rehwild mit 1:1,1 bis 1,5 angegeben wird. Damit ist aber die Gliederung erreicht, die wohl als die natürliche zu bezeichnen ist und von Anfang an bei Inkrafttreten der Ab­schußpläne erstrebt wurde. Die Bejagung des

Schwarzwildes litt unter dem Fehlen des Spur- schnees und darunter, daß das Wild infolge der stärkeren Bejagung in noch stärkerem Maße Wechsel- wild wurde.

Die Zahlen für Niederwild spiegeln ganz deutlich den Witterungsoerlauf wider und zeigen, wie sehr die Niederwildstrecken witterungsbedingt sind. Das Frühjahr 1937 war naß und kalt und bewirkte den Verlust eines großen Teiles des ersten Hasensatzes. Auch Hühner und Fasanen litten genau so. Als der regenreiche und warme Vorsommer dann eine ganz ungewohnt frühe Heuernte brachte, fielen neben Rehkitzen zahlreiche Gelege und brütende Hennen der Sense und Mähmaschine zum Opfer. Der feuchte Sommer brachte zahlreiche Magen- und Darm­wurmerkrankungen. Besonders hervorstechend ist der Rückgang der Hühner, dem nur durch eine Verbes­serung der Brut- und Deckungsverhältnisse vorge­beugt rberden kann. Die verlängerte Schonzeit für Enten, vor allem die. Januarschonzeit, hat sich sehr günstig ausgewirkt. Auffallend ist der dauernde Rückgang des Schnepfenstriches, der heute in einst bekannt guten Revieren gleich Null ist. Die Zahl der Füchse ist geringer geworden, dagegen trotz eif­riger Bejagung der Bestand an Dächsen gestiegen, worunter die Niederjagden sicherlich auch noch zu leiden hatten.

Wenn wir allerdings lesen, daß im Gesamtreich nicht weniger als 69 243y wildernde Hunde und 342 953 Katzen neben 719 696 Krähen und Elstern zur Strecke gebracht werden konnten, Zahlen, die sich mit denen des Vorjahres fast decken, dann wird damit eine weitere Gefahrenquelle für die Jagd­erträgnisse klar, gegen die noch viel zu wenig ge­schieht.

Aoch einmal freundliche Verkehrsbelehrung!

Aber Anzeigen an den Stoppstraßen.

Gießener Wochenmorktpreije.

* Gießen, 23. Febr. Auf dem heutigen Wochen­markt kosteten: Markenbutter, % kg 1,60 Mark, Matte 20 bis 25 Pf., Käse, das Stück 4 bis 9, Eier, ausländische, Klasse C 10%, Wirsing, % kg 15, Weißkraut 11 bis 13, Rotkraut 13 bis 15, gelbe Rüben 12 bis 14, rote Rüben 10 bis 12, Spinat 30 bis 35, Unterkohlrabi 8 bis 10, Rosenkohl 42, Feld­salat 1,10 Mark, 1/10 10 bis 15 Pf., Tomaten, % kg 30 bis 45 Pf., Zwiebeln 13 bis 16, Meerrettich 40 bis 70, Schwarzwurzeln 20 bis 40, Rhabarber 35, Kartoffeln, % kg 5 Pf., 5 kg 43 Pf., 50 kg 3,35 bis 3,75 Mark, Blumenkohl, das Stuck 20 bis 40 Pf., Endivien 10 bis 20, Lauch 5 bis 12, Sellerie 10 bis 35, % kg 30, Rettich, das Stück 10 bis 15 Pf.

In den Abendstunden des gestrigen Mittwoch un­ternahm die Polizei mit 24 Mann in Gemeinschaft mit 12 Mann vom NSKK. wieder eine Derkehrs- kontrolle. Man beschränkte sich diesmal darauf, nur drei Verkehrsadern unserer Stadt mit Kontroll­mannschaften zu besetzen, um dadurch eine gründ­liche Überprüfung der Fahrzeuge ohne große Zeit­verluste für die Kraftfahrer durchführen zu können. Wurden bei der letzten Verkehrskontrolle alle Fahr­zeuge angehalten, die stadtauswärts fuhren, so galt die Kontrolle diesmal jenen Fahrzeugführern und Fahrzeugen, die in die Stadt wollten. Die Kontroll- mannfchaften übten ihre Tätigkeit in der Frank­furter Kratze, in der Marburger Straße und in der Kaiserallee aus. Das Ergebnis der Derkchrskontroll-

aktion beweist, daß es trotz vielfacher und eindringlicher Ermahnungen manche Fahrzeugbesitzer immer noch nicht für notwendig erachten, ihre Fahrzeuge so auszustatten und zu halten, daß sie den kritischen Blicken jedes Polizei­beamten standhalten könnten.

Trotzdem beließ es die Polizei gestern noch ein­mal in allen Fällen, in denen Mängel festgestellt wurden, bei der freundlichen Ermahnung, den Mangel abzustellen. Man ließ es also noch ein­mal bei einer Verkehrsbelehrung bewenden! Immer­hin wurden solche Fahrzeuge, an denen die Beleuch­tungseinrichtungen, die Kennzeichen, die Bremsen usw. nicht in Ordnung waren, zur Vorführung in ordnungsgemäßem Zu ft ande bei der zuständigen

Die verzauberte Stadt.

Von Richard Gerlach.

In einer versteckten Bucht der Adria, der kleine Dampfer von Split fährt anderthalb Stunden, schläft altersgrau und wie seit langem vernetzen T r o q i r, das Tragurion der Griechen. Grell blendet in der Sonne die zinnenbewehrte Zwingburg, die einst die Venetianer wie einen Riegel vor die Stadt schoben. Noch erinnern Tempelreste an die Antike, aber eine merkwürdige Zeitlosigkeit dustert seither aus den vergessenen Gassen. Selbst das Domporta des- Radovanus mit den grimmigen Löwen laßt sich keinem bekannten Stil emordnen und die Gegenwart hat der Stadt überhaupt keinen Zug ^Wi?°k°men an einem Markttag, und die Frau aus dem Gebirge hatte den Eseln die armseligen Brennholzbündel abgenommen und vor sich ver­teilt, nun stand sie am Rande des Kais m der Linken die Wirtel mit schwarzerWolle halb unter den Arm geklemmt, während die hechte drehend den Faden auszog, eine opmnerm vor dem blauen Meer, die das Werk der Parzen unerschütterlich wie vor Jahrtausenden verrichtete

Im Schatten der Bäume hatten auf dem Markt die Bauern Früchte, Eier und Käse m fachen Kor­ben ausqebreitet, aber keiner pries ferne JBare an, sie hockten unbeteiligt daneben. Wer kaufen wall würde schon kommen. Neben ihnen auf der Erde stand die Flasche mit Wein, sie brachen em Stuck des weißen Brotes ab und aßen gemächlich davon. Die kleinen Pferde, auf denen sie stundenweit auf steinigen Wegen aus ihren Einsamkeiten herab- gerttten waren, hatten sie an der Mauer angebun­den. Mädchen schritten daher, die auf dem Kopf eine Bütte und obendrauf noch ^nen scknvergesullten Korb trugen. Aber ihr Gang war leicht und wie­gend sie schienen die Last nicht zu spuren, die Hände waren frei, sie wurden nur etwas angehoben, kaum in die Hüften gestützt. Auch diese Haltung war Jahrtausende alt, es war die emz g mögliche auf den schmalen Bergpfaden im Karst, aber s , die seit undenklichen Zeiten geübt war gab den Frauen das stolz Aufgenchtete trotz der abgetr genen, meist dunklen Arbeitskleider.

Als wir sie unter dem zerfallenen, von Gras überwucherten Tor zusammenstehen sahen- das G sicht vorn schwarzen Tuche umrahmt begriffen mir, bah mir an ihren Sorgen nicht teilhatten,-wir, auf "nem »Men Dampfer «-k°"men waren für ein paar Stunden. Uns schien die Stadt zu fchlum

mern, abseits, versunken, fast nicht wahr; ihnen aber war sie der Mittelpunkt ihres Lebens, hier und droben in ihrer Abgelegenheit ereignete sich alles für sie, und was außerhalb sein mochte, war verschollen.

Nie habe ich das WortFremder" so begriffen wie in Trogir, wir waren Fremde, wir kamen und gingen, sie aber blieben und gehörten hierher, und sie lebten so, wie sie auch vor dreihundert ober zweitausend Jahren gelebt hätten.

Wir eilten durch die Straßen und suchten die Reste der Vergangenheit, aber bald trafen wir schon wieder auf die Kathedrale, und die beiden Mädchen, die wir schon einmal gesehen hatten, waren auch wieder da. Es waren Lastträgerinnen, später sahen mir sie Sandsäcke auf dem Kopf auf ein Schiff schleppen. Sie lächelten uns zaghaft und verwundert zu wie Abgesandten einer fernen, un­glaublichen Welt. Einst ging die Jugend von Tra­gurion nach Olympia.

Als mir an den Kai zurückkamen, spann die Parze immer noch den Faden. Aber sie sah über uns weg auf das Meer, sie nahm uns Fluchtige wohl kaum wahr.

Witzige Weisheit.

Aus G. Chr. Lichtenbergs Schriften.

Vor 140 Jahren, am 24. Februar 1799, starb der aus Ober-Ramstadt bei Darmstadt gebur- tiae Physiker und Satiriker Georg Christoph Lichtenberg als Professor in Göttingen, wo er dreißig Jahre lang gewirkt hat.

Kleine Fehler zu entdecken, ist seit jeher die Eigen­schaft solcher Köpfe gewesen, die wenig oder^ar: nid)t über die mittelmäßigen erhaben waren;.die merklich erhabenen schweigen still oder sagen nur etwas gegen das Ganze, und die großen Geister schassen nur, ohne zu tadeln. * *

mzie glücklich würde mancher leben, wenn er sich um anderer Leute Sachen so wenig bekümmerte als um seine eigenen. *

Man muß keinem Menschen trauen, der bei seinen Versicherungen die Hand auf das Herz legt.

Wenn die Menschen sagen, sie wollen nichts ge­schenkt haben, so ist es gemeiniglich em Zeichen, daß sie.etwas geschenkt haben wollen.

Ich habe durch mein ganzes Leben gefunden, daß sich der Charakter eines Menschen aus nichts so sicher erkennen läßt, wenn alle Mittel fehlen, als aus einem Scherz, den er übel nimmt.

Die Leute, die niemals Zeit haben, tun am wenigsten. *

Die unterhaltendste Fläche auf der Erde für uns ist die vom menschlichen Gesicht.

Es ist in der Tat verkehrt, wenn man unfern Kindern alles mit der Liebe beibringen will, da in dem höheren Leben, wenn wir älter werden, uns das Wenigste zu Gefallen geht, und wir uns immer unter einen Plan demütigen müssen, den wir nicht übersehen. Also je eher je lieber zu jenem künftigen Leben gewöhnt!

Gib meinen guten Entschlüssen Kraft, ist eine Bitte, die im Vaterunser stehen könnte.

*

Aufklärung in allen Ständen besteht eigentlich in richtigen Begriffen von unseren wesentlichen Be­dürfnissen.

Es kommt nicht darauf an, ob die Sonne in eines Monarchen Staaten nicht untergeht, wie sich Spanien ehedem rühmte, sondern was sie während ihres Laufes in diesen Staaten zu sehen bekommt.

*

Wenn eine Betschwester einen Betbruder heiratet, so gibt das nicht allemal ein betendes Ehepaar.

Selbst die sanftesten, bescheidensten und besten Mädchen sind immer sanfter, bescheidener und besser, wenn sie sich vor dem Spiegel schöner gefunden haben. *

Wenn Heiraten Frieden stiften können, fo sollte man den Großen die Vielweiberei erlauben.

*

Es ist gar übel, wenn man alles aus Ueberlegung tun muß und zu nichts früh gewöhnt ist.

*

Die Frage: Soll man selbst philosophieren? muß, dünkt mich, so beantwortet werden als eine ähnliche: Soll man sich selbst rasieren? Wenn mich jemand darüber fragte, so würde ich antworten: Wenn man es recht kann, ist es eine vortreffliche Sache.' Ich denke, daß man das letztere zu lernen suche, aber ja nicht die ersten Versuche an der Kehle mache.

Zulassungsstelle, bei den Polizeibezirken oder den Gendarmeriestationen am Heimatort des Besitzers befohlen.

Durch sechs Beamte wurde außerdem eine Kon­trolle anben Stop st raßen an der Moltke- straße und an der Ecke am alten Stadthaus durch­geführt. Hier allerdings wurde ohne Nachsicht durchgegriffen, wenn sich Kraftfahrer oder Radfahrer über das Halteverbot hinwegsetzen zu können glaubten.

In verschiedenen zeitlichen Abständen und selbst- verftänblich ohne jebe zeitliche Bekanntgabe werben auch in Zukunft Verkehrskontrollen abge­halten. Wie wir von ber Polizei erfahren, wirb es bann aber nicht mehr bei freunblicher Verkehrs-

SPITZENLEISTUNG

OPEL

belehrung bleiben können, vielmehr wirb bann um nachsichtlich jeber Mangel am Fahrzeug mit einer Anzeige bestraft werben müssen.

Im Verlaufe ber gestrigen Verkehrskontrolle wur­den in 1% Stunden insgesamt 234 Kraftfahrzeuge, 4 Fuhrwerke und 114 Fahrräder angehalten und einer Zustandsüberprüfung unterworfen. An 28 Kraftfahrzeugen und an 15 Fahrrädern wurden da­bei mehr ober weniger erhebliche Mängel seftgeftellt. Von gebührenpflichtigen Verwarnun­gen sah man biesmal ab unb bekehrte also nur über bie jeweils entsprechenben Vorschriften.

An ben Stapstraßen würben 18 Kraftfahrer an­gehalten unb zur Anzeige gebracht. An Rabfahrern mußten bei ber Kontrolle an ben Stopstraßen 28 angezeigt werben.

KMMWWEM

Sonberjug 1296D

zur Internationalen Automobil-Ausstellung Berlin.

Auf Grunb ber überaus großen Nachfrage haben wir uns entschlossen, einen 2. Sonberzug einzulegen, unb zwar Abfahrt 1. 3. 39, abends, in Frankfurt am Main. Rückfahrt ab Berlin 3. 3. 39, abends. Ankunft in Frankfurt a. M. 4. 3., vormittags. Fahrpreis ein­schließlich Eintritt in die Ausstellung unb eine lieber* nachtung mit Frühstück 16,50 RM. Anmelbungen so­fort bei unserer Dienststelle Gießen, Seltersweg 60.

WHW Wunschkonzert im Wehrkreis IX.

Der Reichssender Frankfurt unb bie ihm ange­schlossenen Sender werden am 27. Februar mit einem Wunschkonzert im Wehrkreis IX zum Besten bes Winterhilfswerkes erfreuen. Jedermann kann sich im Rahmen dieses Konzerts die Wiedergabe von Märschen, Solbatenliebern, Tanzmusik usw. wün­schen. Er wird diesen Wunsch am besten auf dem Abschnitt einer Postzahlkarte vermerken unb zugleich mit einer entsprechenden Spende unter ber Anschrift Postscheckkonto Frankfurt a. M. 4820, General-K"m- manbo IX. Armeekorps, Abt. Ic, mitteilen. Die Uebertragung bes Konzerts am 27. Februar erfolgt vom Reichssenber Frankfurt in ber Zeit von 20.15 bis 22 Uhr unb von 22 30 bis 24 Uhr. Die WHW.- Wunschkonzerte unserer Wehrmacht waren von jeher sehr beliebt, unb es barf als sicher angesehen wer­den, baß auch bas kommende WHW.-Wunschkonzert im Wehrkreis IX wiederum in breiten Bevölkerungs­schichten starkes Echo unb rege Spendefreudjgkeit auslösen wirb.

Vortrag über Berufsumschulung.

Alle Volksgenossen, bie in ihrem bisherigen Beruf aus irgenb welchen Gründen kein rechtes Fort­kommen haben, durch ben richtigen Einsatz ihrer Arbeitskraft in einem anderen Beruf aber fruchtbare

Wenn bie Nachwelt einmal einen ganz aufgetrenn­ten Damenanzug fände (vielmehr, statt der Nachwelt, eine andere Klasse vernünftiger Wesen) und wollte daraus die Figur der Dame bestimmen, bie bamit überzogen wäre, was würbe ba für eine Figur herauskommen!

LorizmgelCasanova^ im 2Runöfurf.

Runbfunkopern" haben sich schon oft bewährt. Manche Oper ist infolge ihrer musikalischen unb auch textlichen Gestaltung nicht recht bühnenwirksam; es fehlen bie Effekte für bas Auge ober es finb musika­lische Längen vorhanben, bie sich auf ber Bühne schwer überbrücken lassen. Da nimmt sich ber Runb- funk ihrer an, bearbeitet sie unb schafft eine ibeale Wiebergabe über ben Senber. Für Sonntag, 26. Fe­bruar, ist vom Reichssenber Frankfurt bie Auffüh­rung einer komischen Oper vorgesehen:Casa­nova" von Albert L o r tz i n g, für ben Runbfunk bearbeitet von Erich Müller-Ahremberg, ber auch bie Spielleitung hat. Die Besetzung vereinigt erste Kräfte ber Oper. Die Ausführung hat bas große Orchester unter Otto Frickhoeffer, bie Chöre sind einftubiert von Günther Bruchhaus. Die amüsante Hanblung breht sich um ben galanten Offi­zier Casanova, ber selbst in ber Festungshaft noch ben Mäbchen ben Kopf oerbreht unb burch allerhand abenteuerliche Unternehmungen viel Verwirrung an- stiftet.

Hochschulnachrichten.

Professor Dr. Wilhelm S ch m i b , ber frühere Or- binarius ber Klassischen Philologie an ber Universität Tübingen, beging feinen 80. Geburtstag. 1887 habilitierte er sich; 1893 erfolgte feine Ernen­nung zum ao. Professor, 1898 würbe er Orbinarius, unb 1926 erfolgte seine Entpflichtung. Er ist seit 1927 Mitherausgeber ber Tübinger Beiträge zur Alter­tumswissenschaft. Sein Hauptarbeitsgebiet finb grie­chische Sprach- und Literaturgeschichte.

Professor Dr. Bäthgen, ber an ber Univer­sität Königsberg bas Fach der mittelalterlichen Geschichte verwaltet, ist in gleicher Eigenschaft an bie Universität Berlin berufen worden.

Der nb. ao. Professor Dr. phil. Friebrich Blume in Kiel würbe unter Berufung in bas Beamtenver­hältnis auf Lebenszeit zum vrbentlichen Professor ernannt unb erhielt bie freie Staatsstelle eines außerorbentlichen Professors für Musikwissenschaft an ber Universität Kiel. Gleichzeitig würbe Pro­fessor Blume zum Direktor bes Musikwissenschaftllchen Instituts in Kiel ernannt.