Ausgabe 
23.2.1939
 
Einzelbild herunterladen

herkge Reformkabinett beibehalten und durch den markantesten Vertreter des rechtsnationalen Gedan­kens in der Partei, Valentin Hornan, ergänzt habe. Der Vertreter der aus der Regierungspartei ausgetretenen konservativen Abgeordneten, Kör­nitz, sprach sich ebenfalls für die Fortführung der Reformpolitik aus und gab seinem Vertrauen in die neue Regierung Ausdruck. Der Führer der Agrar- Opposition, Tibor Eckhardt, kündigte an, die Kleinlandwirte-Partei werde den Ministerpräsidenten b/i der Verwirklichung seines Programms bedin­gungslos unterstützen. Seine Person biete die Gewähr für die Schaffung einer wirklichen natio­nalen Einheit.

Parade und Flottenschau vor Franco.

Eine Rundfunkansprache des Staatschefs.

Barcelona, 23. Febr. (DRB.) Am Dienstag­abend hielt der Staatschef General Franco über alle nationalspanischen Sender eine Ansprache an­läßlich einer großen Parade in Barcelona. Er würdigte die ungeheure Leistung der nationalen Armee, die das rot-gold-rote Banner auf die Pyre­näengipfel gepflanzt habe. Hieran könne die Welt den Schwung und die Kraft des neuen Spaniens erkennen. Die Blutsaat der spanischen Jugend werde fruchtbar aufgehen in Gestalt eines neuen Spa­niens. Die Bef-reiung Kataloniens bezeichnete Ge­neral Franco als die größte Wasfentat des Krieges, denn innerhalb 44 Tagen sei die gesamte Provinz befreit worden.

Im Hafen von Tarragona fand am Mittwoch eine Parade der gesamten nationalspanischen Mit­telmeerflotte unter Teilnahme des Generalissi- mus statt. An Bord des KreuzersCanarias" fuhr General Franco die Front der Kriegsschiffe ab, die über alle Toppen geflaggt hatten. Marineflieger führten in geringer Höhe Kunstflüge aus. Der Führer Nationalspaniens dankte der Flotte für ihren Einsatz und ihre Mitarbeit bei der Befreiung des Landes. An der Flottenschau nahmen 15 Einheiten der natio­nalen Marine, darunter die KreuzerCanarias", Cervera" undNavarra" teil. An den Vorführun­gen der Marineluftwaffe waren über 200 Seeslug­zeuge beteiligt. Das Diplomatische Korps war als Gast zugegen.

Frontkämpferbesuch in Warschau

Warschau, 22. Febr. (DNB.) Hier traf der NSKK.-Obergruppenführer General der Infanterie Herzog von Sachsen-Coburg-Gotha, Präsioent des ständigen Internationalen Front­kämpferkomitees und der deutschen Frontkämpfer­verbände, in Begleitung von Gauleiter Oberpräsi­dent Schwede - Coburg, Reichskriegerführer Generalmajor Reinhard und einem Vertreter des Reichskriegsopferführers Oberlindober ein. Sie wurden von General G o r e ck i, dem Präsi­denten der Förderation der polnischen Frontkämpfer- verbände, General Jarnuszkiewicz, dem Hauptkom­mandanten des polnischen Frontkämpferoerbandes, und Abordnungen der polnischen Frontkämpfer- verbände mit ihren Fahnen begrüßt. Der Herzog von Coburg legte am Grabe des Unbekannten Sol­daten einen Kranz nieder. Zu der Feier waren eine Ehrenkompanie der Warschauer Garnison und eine Kompanie der Polnischen Legionäre angetreten. Anschließend legte der Herzog auch im Belvedere- Schloß, der Arbeitsstätte Marschall P i l s u d s k i s, einen K^anz nieder und besichtigte das nach Polen übergefühÄe Magdeburger Häuschen des Marschalls. Dann wurde die deutsche Abordnung von Marschall Rydz-Smigly, anschließend vom Staatspräsi­denten Mos.cicki empfangen, woran sich ein Essen im Schloß anfchloß.

Holland verstärkt seine Grenzbefestigungen.

D e n H a a g, 23. Februar. (Europapreß.) Bei der Besprechung des Wehrhaushalts in der niederländi­schen Ersten Kammer erklärte Landesverteidigungs­minister van Dijk, in Kürze würden längs der Grenze bedeutende Verstärkungen vorgenommen und Hunderte von Kasematten gebaut werden. Die von der Opposition kommende Anregung, die Flotte um vier neue Schlachtkreuzer zu verstärken, lehntederMinisterabmit dem Hinweis, da­durch würde der Wehretat 40 Jahre lang um je 40 Millionen Gulden zusätzlich belastet werden. Die Einführung der zweijährigen Dienstzeit hielt der Meister aus dem Grunde für unmöglich, weil die vorhandenen Kasernen nicht ausreichten und der Bau neuxr Kasernen 150 Millionen Gulden verschlingen würde.

Kleine politische Nachrichten.

Der Führer hat den Gauleiter des Gaues Schwa­ben der NSDAP, beauftragt, die vom Führer be­stimmten besonderen städte baulichen Maßnahmen für die Stadt Augsburg zu treffen. Den gleichen Auftrag erhielten für Bay­reuth der Gauleiter der Bayerischen Ostmark, für Breslau Gauleiter Joseph Wagner, für Dres - den Reichsstatthalter Mutschmann, für Graz Gauleiter Dr. Uiberreither, für bte Hansestadt Hamburg Reichsstatthalter Kauffmann und für Würzburg Gauleiter Dr. Hellmuth.

*

Gauleiter Henlein übergab die S ch ul u n g s- burg des Sudetengaues ihrer Bestimmung. .Sie entstand durch Umbau der Liebigschen Villa am Südabhang der Äserberge, bte bas Reichenberger Tal im Norben abschließen. In Den Tagen der schwersten Kampfzeit Des Subetenbeutsch- tums diente dieses einsame Haus im Walde oft als Zufluchtsstätte für die SDP.-Amtswalter.

Die neue belgische Regierung ist nun vervoll­ständigt worben. Der Ehren-Dizegouverneur des Kongo Gaston H e n e n , hat das Kolonialmmiste^ riurn angenommen. Um die Vertreter der Landwirt- schaftskreise im Parlament für seine Politik zu ge­winnen, hat Ministerpräsident Pierlot em beson­deres Ackerbauministerium geschaffen, das er |eiD)t übernommen hat.

Die britische Handelsbilanz für das Jahr 1938 schließt nach den vom Handelsarnt ver­öffentlichten Zahlen mit einem U n ter f $ u ft o o n 55 Millionen Pfund ab. Die Einnahmen der Schiffahrt allein zeigten eyien Rückgang von 30 Millionen Pfund.

Sruckfeblerberichtigung.

In dem AufsatzDie He I s s n u n t e r N a p° - l e o n" non Generalmajor a. D Rudolf Mohr (Bei lag-W - hr und Wass - n") befinden sich zwe> störende Drsickfehler. Aus der dritten Spalte im mitt­leren Absatz: Langsam erstarb der Feuerkampf muß es In der fünften Zeile heißen: in größter Ruhe (statt JKübe). Ferner muß es im drittletzten Absatz am Schluß heißen: 40 000 (statt 4000 Mann).

Im Lande der heiligen Regenschlangen.

Die deutsche Australien-Expedition auf der Heimreise.

Nach fast einjährigem Aufenthalt in Australien, dessen Inneres durchquert wurde, hat die unter Lei­tung von Dr. Petri stehende Expeditionder Deutschen Gesellschaft für Kultur­morphologie ihre Arbeiten beendet und am 16. Januar in Freemantle auf dem italienischen FrachterRomolo" die Heimreise angetreten. Die deutschen Forscher, die mit einer überraschend rei- Ken wissenschaftlichen Ausbeute heimkehren, werden dieser Tage in Genua eintreffen.

Durch die Wildnis der Kimberley.

In südwestlicher Richtung durchzogen die deutschen Forscher bas wilde Hochland von Kimberley. Vier Kamele und fünf Reitpferbe trugen Forscher, 'Be­gleiter unb Gepäck, lieber heißes unb ausgebrann- x über öde unb trockene Basaltebenen führte ber Weg. Taaelang wurden sie vom Dürft gequält, wenn alle Wafserlöcher ausgetrocknet waren. Die Expedition war auf diese spärlichen Wasserlöcher angewiesen, zu denen oft Umwege von vielen Stun­den gemacht werden mußten. Die übrige Nahrung lieferte meist die Jagd. Im Durchschnitt saßen die Forscher täglich fünf bis sieben Stunden im Sattel, weil die Tiere durch den Nahrungsmangel nicht überanstrengt werden durften. Wege waren nicht vorhanden, meist wurden ausgetrocknete Flußbetten benutzt, um schneller vorwärts zu kommen. Bei einem nicht ungefährlichen Erlebnis hätte die Expe­dition beinahe eins der kostbaren Pferde eingebüßt. An einer landschaftlich schönen Stelle des Colde- river gebot Dr. Petri dem kleinen Trupp Halt zu einer kurzen Ruhepause. Im gleichen Augenblick schoß eine gelbe, als äußerst giftig bekannte Schlange aus dem Busch und wand sich blitzschnell um b'ie Vorderbeine eines Pferdes, auf dem ein schwarzer Begleiter faß, der sofort fein Pferd zurückriß. Im letzten Augenblick konnte ein Expeditionsteilnehmer die Schlange erschießen. Selbstverständlich rechneten die Expeditionsteilnehmer damit, daß das Pferd von der Schlange gebissen sei und binnen einer halben Stunde sterben würde. Wie durch ein Wunder aber war nichts geschehen. Die Schlange ist ein gefähr­licher Feind der australischen Farmer, die unzählige Pferde und sonstiges Vieh durch Schlangenbisse ver­lieren. Die hauptsächliche Nahrung bildeten die er­legten Känguruhs und Krokodile. Ge­legentlich führte das Jagdglück auch einmal ein Emu vor die Flinte. Emu gilt als Leckerbissen, und wenn eins geschossen wurde, gab es ein großes Fest. Dem Tier werden zunächst die Haare abgefengt, und dann wird es im Erdofen gekocht. Es wird ohne weitere Vorbereitungen in die glühende Asche ge­legt und mit heißer Asche so bedeckt, daß kein Dampf entweichen kann. So laßt man das Tier einige Stunden dünsten. Ausgenommen wird es hinterher. Die eingeborenen Blackfellows können unheimliche Mengen Emufleisch vertilgen. Sie können dann aber auch tagelang hungern ober wochenlang mit sehr wenig Nahrung auskommen.

Die mitgenommenen Karten erwiesen sich in vielen Fällen als falsch. Wie unwegsam das von den Forschern bereiste Gebiet, das zum Teil noch keines Weißen Fuß betreten hat, ist, zeigt ein kleines Erlebnis, das Dr. Petri berichtete. Zwei Forscher waren etwa zehn Minuten zurückgeblieben, um mit Hilfe der Karten die geographische Position zu er­mitteln. Als sie nach zehn Minuten versuchten, die Karawane wieder einzuholen, hatten sich die Spuren bereits verloren. Die beiden verirrten sich und konn­ten erst nach IVz Stunden die Gruppe erreichen, die mittlerweile gestoppt hatte, um auf die Zurückgeblie­benen zu warten.

Neue Felsbilderfunde.

Zu den besonderen Arbeitsgebieten der Expe­dition gehörte auch die Durchforschung Australiens nach neuen Felsbildern. Im Mount- Haan-©ebiet konnten nun nach langem Suchen ganz überraschende Funde gemacht werden. Unter vor­hängenden Felsen wurden ganze Galerien mit Fels­bildern gefunden. Zum Teil waren die Felsbilder erst kürzlich nachgemalt worden, was aus der noch frischen Farbe geschlossen werden konnte, zum Teil aber waren sie auch alt und sehr verblaßt. Am häu­figsten kommt unter den Fels^eichnungen die Schlange vor. Es handelt sich Dabei um Zeich­nungen, wie sie bisher noch nicht bekannt waren

und für die bis jetzt noch keine endgültige Erklärung gegeben werden kann. Die Schlange Ungur ge­nannt hat eine weitverzweigte Bedeutung. Sie ist das mythische Tier, das aus der Traum- und Heroenzeit stammt, alle Flüsse und Wasserlöcher ge­macht und dem Lande seine jetzige Gestalt gegeben hat. Auch heute lebt nach dem Glauben der (Einge­borenen die Schlange Ungur noch in tiefen Wasser­löchern. Zur Trockenzeit liegt sie zusammenaerollt in einer Höhle, zur Regenzeit aber wandert Ungur durch die Flüsse, gebiert seine jungen Ungurs, läßt nach langer Trockenheit überallhin Wasser fließen und bewirkt neue Fruchtbarkeit. Ungur ist auch die Regenbogenschlange, die aus der Erde gekrochen kommt, den Himmel entlang kriecht und den Regen frißt. Der Regenbogen, den man am Himmel sieht, ist aber nicht Ungur selbst, sondern nur ein Abdruck von ihm. Die Felszeichen wurden von den For­schern genauestens kopiert und photographiert.

Viele Tage ritten die deutschen Forscher durch heißes, ödes Land. Am unerträglichsten war die Hitze in den frühen Morgenstunden vor Aufkommen der Brise. In den Nächten war es bitterkalt bis 3um Gefrierpunkt. Die Nahrungsmittel wurden immer spärlicher, und die Forscher waren froh, als sie end­lich ihr Ziel, die Küste, erreichten.

Jtoöioonruf beimflying Doctor.

Nach kurzer Rast an der Küste reiften die deut­schen Forscher weiter zum Drysdale-River. Hier fanden sie eine Missionsstation, die von spanischen Benebiktinermönchen und Nonnen geführt wird. Die Deutschen wurden sehr freundlich ausgenommen und hatten fortan von der Missionsstation viele Vorteile für ihre Arbeit. Die Station weist mehrere Häuser auf, ein regelrechtes Kloster, einen Nonnenkonvent, eine Kirche und verschiedene Schuppen sowie Erd­nuß-, Bananen-, Kokosnuß- und Mangopflanzunaen. Die Schwarzen nennen den Platz Kalumburu. Hier sahen die Forscher zum erstenmal ein Haus aüs Kimberlen-Sanostein. Es dürfte wohl auch das ein­zige in Australien fein. Alle übrigen Bauten waren aus dem australischen Standard - Baustoff, aus Wellblech. Früher lag die Station 15 Kilometer weiter nach der Küste. Der verlassene Platz wird heute als Fischereistation sowie als Landungsplatz und Plantage benutzt. Den Verkehr zwischen beiden Plätzen besorgt ein Automobil, das einzige zwischen Wyndham, dem Fitzroy und dem Leopold Ranges, also einem Gebiet, daß weit größer ist als Preu­ßen. Da die beiden Plätze nur durch einen Pfad verbunden sind und das Auto auch nur und allein auf diesem einzigen Pfad fahren kann, dürfte Auto­nummer, Stempel und dergleichen überflüssig fein. Die spanischen Mönche haben fast das Leben der (Eingeborenen angenommen. Sie bauen alle Häuser selbst, sind ausgezeichnete Farmer und Handwerker, In Kutten sieht man sie nur beim Gottesdienst, sonst tragen sie Khakikleidung und gehen barfuß. So sehen sie aus wie jeder Bushman.

Der Distrikt wird von vier verschiedenen Stäm­men bewohnt, den Mari, den Kamdera, Kujini und den Wolmei. Die soziale Verfassung, verwandtschaft­liche Beziehungen, Leben und Religion der Stämme wurden von den Forschern genau ergründet und aufgenommen. Auch diese (Eingeborenen glauben an Die mythische Schlange, die Regen und Fruchtbarkeit bringt, obschon dieser Glaube wesent­lich unkomplizierter ist. In dieser Zeit erlebten die deutschen Forscher den unerwarteten Besuch eines Flugzeuges der Aerial Medical Station, das auf die Missionsstation kam, um eine kranke (Einge­borene abzuholen. Mit dem Flugzeug, das auf Radio-Anruf der Paters binnen zwei Stunden er­schien, kam Dr. King, derflying Doctor, ein junger, viel befdjäftiger Mann, der in Wyndham nicht nur Arzt, sondern auch Magistrats- und Ge­richtspräsident ist. Fast alle Stationen haben eine Sendeanlage, durch die sie mit Wyndham-Radio und mit der Medical Station in Verbindung stehen. So haben sie die Möglichkeit, den fliegenden Doktor in kürzester Frist herbeizuholen. Dr. King entflieg feinem Flugzeug, erledigte seine Geschäfte und nahm die kranke (Eingeborene mit seinem Flugzeug nach Wyndham. Welch ein Segen diese Einrichtung im menschenleeren und wegelosen Australien ist, wird nur der ermessen können, Der einmal dort gelebt hat. mr.

Die deutsche Sozialversicherung.

Unsere Sozialversicherung hat uns einen Rechenschaftsbericht vorgelegt, der das Jahr 1937 umfaßt, also zum erheblichen Teil schon überholt ist, und zwar im positiven Sinne, denn die Verbesserung der Arbeitsverhältnisse und damit der Grundlagen der sozialen Versicherung hat gerade 1938 die ent­scheidenden Fortschritte gemacht. Die Einnahmen aus Beiträgen betrugen bei der Kranken-, Inva­liden-, Knappschafts- und Angestelltenversicherung int Jahre 1937 rb. 3,76 Mill. RM. und werden jetzt über 4 Mill. RM. betragen. Dazu treten bie ver­schiedenen Reichszuschüsse, so daß die Ein­nahme 4,74 Milliarden betragen wird (1938: 5,36 Milliarden). Die Gesamtausgaben dieser Ver­sicherungen betrugen 1937: 3,79 Milliarden RM. und werden 1938 auf 4,13 Milliarden RM. angewachsen sein. Bemerkenswert ist die Steigerung der Aus­gaben, die zum Teil auf die Vermehrung der Krank­heitsfälle zurückgeht. Ebenso ist zu beachten, daß bte Zahl ber Rentenempfänger im Wachsen ist. Das Vermögen ber Sozialversicherungen (ohne bte Arbeitslosenversicherung) betrug Anfang 1938: 7,44 Milliarben RM. und wird bis Anfang 1939 auf 8,68 Milliarden gestiegen fein. Davon ist die An­gestelltenversicherung fast mit der Hälfte, bte Invalidenversicherung mit einem Drittel und die Krankenversicherung mit einem Achtel be­teiligt. Das ist ein gut Teil des deutschen National­vermögens! Die Versicherungen besitzen 3,2 Milliard. RM. in öffentlichen Anleihen, 2,5 Milliarden RM. in Hypotheken, 324 Mitt. RM. Vorzugsaktien der Reichsbahn. Eine halbe Milliarde in Grundstücken (Sanatorien, Krankenhäusern, Heilstätten usw.). Die Zahl der von ber beutschen Sozialversicherung erfaßten Personen beträgt im Altreich 51 Millionen, nach ber Angliederung der Ostmark und des Sudeten­landes wird die Zahl von 60 Millionen erreicht sein!

Keine Engherzigkeit bei Vornamen.

Der Reichsinnenminister hat Die Richtlinien über bie Führung von Vornamen ergänzt. Die Vorschrift, baß Kinder Deutscher Staatsangehöriger grundsätzlich nur deutsche Vornamen erhalten sollen, habe mitunter dazu geführt, daß Die Standes- beamten langwierige (Ermittlungen über Die Herkunft einzelner Vornamen angeftellt haben. Dies

fei nichtbeabsichtigt. Vornamen, die bisher im deutschen Volke gebräuchlich waren, fei es auch nur in seltenen Fällen, seien auch in Zukunft zu gelassen. Insbesondere seien viele nordische Vornamen auch im deutschen Volke immer gebraucht worden. Als nichtdeutsche Vornamen seien daher in der Regel nur solche nordischen Vornamen anzu- wendem Die sich nicht zwanglos in Die Deutsche Sprache einfügen, wie es bei den Beispielen Der Richtlinien ber Fall sei. Auch bei der Prüfung, ob ein besonderer Grund die Wahl nichtdeutscher Vornamen rechtfertigt, sei großzügig zu ver­fahren. Wenn ein Kind den nichtdeutschen Vor­namen des Vaters oder der'Mutter er­halten solle, so sei dies zulässig, ohne daß erst die Familienüberlieferung aeprüft werde. Ebenso reich­ten nicht nur verwandtschaftliche, sondern auch enge freundschaftliche Beziehungen zu einem Ausländer hin, um die Wahl eines nichtdeut- schen Vornamens zu rechtfertigen.

$raaen Der Mufikpflege.

Ndz. Auf der Tagung der Reichsmusikkammer in Gleiwitz tarn der Präsident ber Kammer, Professor Raabe, auf Den Mangel an Nachwuchs von Orchestermusikern zu sprechen. Dieser Mangel werbe zu einer Beseitigung Des Vorurteils aegen Die Beschäftigung von Frauen im Orchester führen. Trotz des Nachwuchsmangels aber seien die Bestimmungen für Die Lehre verschärft worden, denn Die Qualität Der künstlerischen Leistung Dürfe nicht leiden. Eindringlich behandelte Prof. Raabe Die künstlerische Not ber Unterhaltungsmusiker. Ihre Behebung sei eine Frage der Schaffung eines un­serer Zeit würdigen Lebensstils. Dabei verwies er auf Die Hausmusik unD auf Die Erneue­rung Der Tanzmusik, sowie auf Die Bestre­bungen Der FörDerung Der Ch 0 rmusik. Mit Nachdruck erinnerte er daran, daß ber Führer erklärt habe, Die Größe bes Kunstwerks adele den Text, niemand also habe Die Berechtigung, große Werke unserer Musikliteratur von Den Vortrags- folaen zu streichen, weil ihre Texte nicht mehr mit unserer Weltanschauung übereinstimmten. Dem Volke könne man nicht eine Kultur aufzwingen, Die nicht zu ihm paßt, sondern bas Bodenständige fei so gut wie möglich zu gehalten. So gehörten z. B. Werke von Verdi und Wagner nicht in das Reper­toire einer Bauernkapelle.

Starke Steigerung

Der EhestanDsDarlehen.

Die Zahl der ausgezahlten Ehestandsdarlehen hat im Jahre 1938 in Auswirkung der Neufassung des Gesetzes, wonach die Gewährung von Ehestandsdar­lehen nicht mehr von der Aufgabe Der E r w e r b 5 t ä t i g f c i t Der Ehefrau ab­hängig gemacht wird, beträchtlich zugenommen. Im Jahre 1938 wurden im alten Reichsgebiet 243 691 Ehestandsdarlehen ausgezahlt, das sind über 60 000 mehr als im Jahre 1937. Insge­samt sind damit bisher über 1,12 Millionen Ehe­standsdarlehen ausgezahlt worden. Hierzu kommen für Oesterreich bisher 13 571. Da der Bestand der mit Darlehen geschlossenen Ehen ständig wächst und in vielen dieser Ehen nunmehr bereits die zwei­ten und dritten Kinder geboren werden, nimmt auch bie Zahl Der Geburten in ben mit Dar­lehen geschlossenen Ehen von Jahr zu Jahr stärker zu. Irn letzten Jahre wurden in mit Darlehen ge­schlossenen (Ehen rund 272 500 Kinder lebend ge­boren, bas finb runb 5 0 0 0 0 mehr als im Jahre 1937. Insgesamt wurden bisher über 980 000 Erlasse von Darlehnsvierteln für lebend geborene Kinder gewährt. Anfang des neuen Jahres dürfte die Million überschritten worden' sein. In Oesterreich sind bisher 1062 Darlehenserlasse ge­währt worden.

Gleichzeitig legt Das Statistische Reichsamt die Endbilanz der B e v ö 1 k e r u n g 's st a t i st i k für Die Großstädte im Jahre 1938 vor. Den bis­herigen Berichten entsprechend verzeichnet sie auf Dem Gebiet ber Eheschließungen und Geburten einen neuen

Abrador

fchl Hände

rillenfauber

kräftigen Aufstieg. 225 692 Ehen wurden im Jahre 1938 m ben Großstädten geschlossen, über 15000 mehr als im Vorjahre. Außerdem wurden 343 577 Kinder geboren, 22 661 ober 7,1 v. H. mehr als im Vorjahr. Die auf 1000 Einwohner berechnete Geburtenziffer Der Großstadtbevölkerung hat im Jahre 1938 mit 16,2 ihren bisher höchsten Stand seit der Machtübernahme erreidjt unb war um 0,8 auf 1000 Einwohner größer als in den drei Vorjahren.

Sie Gestattung

Der Gewerbesteuer 1937.

Nachdem das Gewerbesteuergesetz vom 1. De­zember 1936 am 1. Avril 1937 in Kraft getreten war, wurde die Gewerbesteuer für das Rechnunas fahr 1937 zum ersten Male im ganzen alten Reichs- gebiet nach einem einheitlichen Gewerbe steuerrecht veranlagt. Die Finanzämter haben nach der neuen Regelung für jeden gewerbestcuerpftichti gen Betrieb auf Grund feines Gewerbeertrages und Gewerbekapitals Gewerbesteuermeßbeträge fest­zufetzen. Die Gewerbesteuerbeträge felbst ermitteln die Gemeinden, indem fie auf die Steuermeßbeträge den Hebefatz anwenden, der von jeder Gemeinde alljährlich festgefetzt wird. Die Gewerbesteuerstatistik für 1937 umfaßt alle die Steuermeßbeträge, die für dieses Rechnungsjahr bis zum 30. Juni 1938 fest­gesetzt waren.

Für die Provinz Hessen-Nassau wird die Zahl der ©teuerfälle mit 69448 mit einem Steuerrnest betrag von 19,6 Mill. RM. beziffert, das sind je Fall ein Steuermeßbetrag von 282,80 NM. Das er­rechnete Sollauskommen beträgt rb. 42,5 Mill. NM. Die Summe der Steuermeßbeträge je Kops der Bevölkerung errechnet sich mit 7,60 RM., das errech nete Sollaufkommen je Kopf mit 16,44 RM. In Hessen stellt sich die Zahl der (Steuerfälle auf 36238 mit einer Summe der Steuermeßbeträge von 9,2 Mitt. RM., das find je Steuerfatt von 252,84 RM. Das errechnete Sollauskommen beträgt 24,7 Mitt. NM. Je Kops der Bevölkerung errechnet sich eine Summe der Steuermeßbeträge von 6,41 RM. und ein Sollauskommen von 17,28 NM.

Im Reichsdurchschnitt stellte sich der Steuer­meßbetrag je Steuerfatt auf 300,45 RM., die Summe der Steuermeßbeträge je Kops der Bevöllerung auf 7,93 RM., das errechnete Sottaufkommen je Kops mit 17,34 RM., das errechnete Sollaufkommen insgesamt 1144,8 Mitt. RM. Es ergibt sich hieraus, daß das Land Hessen mit 6,41 RM. Steuermeßbetrag je Kopf der Bevölkerung erheblich unter dem Reichsdurchschnitt bleibt, während in Hessen-Nassau sich nur eine geringfügige Differenz ergibt.

Oie Pflichtkrankenkassen 4938

Das Statistische Reichsamt gibt soeben einen vor­läufigen Jahresbericht 1938 über bie Pflichtkranken­kassen heraus. Die allgemeine Wirtschaftsentwicklung, Die starke Arbeitsanspannung, Die Einglieberung weiterer vor allem älterer Personen in ben Arbeitsprozeß, bie z. T. gesundheitlich nicht mehr so widerstandsfähig finb, wirkten sich auch in ber Kran­kenversicherung aus. Infolgedessen hat bic Inan- spruchnah me ber Kassenleistungen ^genom­men. Dank ihrer in Den letzten Jahren gefestigten Organisation, ihres durchaebilbeten Verwaltungs­apparats unb ihrer gesunden finanziellen Grund­lagen konnte bie Krankenversicherung ben gestiege­nen Ansprüchen ohne Schwierigkeiten gerecht wer­den. (Einige Krankenkassen konnten sogar die Bei­träge senken. Im ganzen hat sich die Beitrags« höhe nur unerheblich geändert, ber satzungsmäßige fieiftungsumfang jedoch roieberum erweitert. Die Gesamtausgaben Der Pflichtkrankenkassen be­liefen sich im Berichtsjahr auf 1548,8 Millionen Mark, Die Gesamteinnahmen auf 1569,2 Millionen Mark. Das Jahr 1938 schloß Danach mit einem Einnahmeüberschuß von rb. 20 Millionen Mark ab. Einnahmen unb Ausgaben sind gegen 1937 um 9,1 v. H. g e ft i e g e n.

Im Interesse Der weiteren Leistungssteigerung Durch Verwaltungsvereinfachung hat die Zahl ber Pflichtkrankenkassen sich auch im Berichts­jahr weiter vermindert, und zwar um 91 §egenüber dem Vorjahr auf 4474 Krankenkaffen :nbe 1938. Insgesamt ist durch diese im Interesse ber Versicherten erfolgte Zusammenfassung Die Zahl Der Pflichtkrankenkassen feit Ende 1933 um 1913 gesenkt worden. Der Mitgliederbestand betrug im Jahresdurchschnitt 1938 rund 21,1 Millio­nen gegen 20,2 Millionen im Jahre 1937. Er war Damit um 0,9 Millionen Personen höher als im Vorjahr. Insgesamt wurden im Berichtsjahr 10,4 Millionen arbeitsunfähige Kranke gegen 9,1 Mil«