Ausgabe 
22.10.1939
 
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Feldpostsendungen der Kriegswehrmacht

2.

3.

Verzögerungen in der der Zustellung der Postsachen *

werden zu können. Beförderung und in

Schweinemarkt in Grünberg.

4- (Srünberg; 21. Sept. Der Auftrieb betrug 243 Ferkel. Folgende Preise wurden erzielt: 6 Wo­chen alte Ferkel 16 bis 18 RM., 6 bis 8 Wochen alte Ferkel 19 bis 23 RM., 8 bis 13 Wochen alte 24 Lis 27 RM. Handel lebhaft, Markt fast aus­verkauft.

Die Deutsche Feldpost arbeitet in aufopfernder Weise, um unsere Soldaten im Osten mit Brief- und Paketsendungen aus der Heimat zu versorgen. Ihre Leistungen sind um so höher zu bewerten, als für die Beförderung der Postsendungen keine oder nur unzulängliche Verbindungen und häufig nur schlechte Straßen zu Perfügung stehen. Gewaltige wegetechnische Schwierigkeiten sind zu überwinden, um allen Anforderungen gerecht

tragen;

bei Sendungen von Urlaubern und an sie muß aus der Anschrift ober der Absenderangabe klar erkennbar sein, daß es sich beim Empfänger oder Absender um einen Wehrmachtangehörigen handelt.

Feldpostsendungen mit Tinte adressieren!

Um den in mancher Hinsicht für die Hausfrau veränderten Verhältnissen entsprechen und um manche Frage, die sich heute ergibt, beantworten zu können, hat das Deutsche Frauenwerk in Gießen eine Beratungsstelle geschaffen, in der den Haus­frauen unserer Stadt eine Möglichkeit gegeben ist, sich über alles zu unterrichten, was die Hausfrau in dieser Zeit wissen muß. Bei der Einrichtung dieser Beratungsstelle wurde Wert darauf gelegt, es den Hausfrauen insofern leicht zu machen, als keine langen Wege zur Beratungsstelle notwendig werden sollen. Da ein großer Teil der Gießener Hausfrauen doch regelmäßig den Wochenmarkt be­sucht, wurde das Beratungszimmer in den Neubau am Lindenplatz verlegt, also in unmittelbare Nähe der Stände auf dem Wochenmarkt. Es wird leicht fein, mit dem Weg zum Wochenmarkt auch den Gang zur Beratungsstelle zu verbinden. Die Gie­ßener Hausfrauen werden diesen Umstand sicher­lich zu schätzen wissen.

Am gestrigen Donnerstagoormittag wurden be­reits die ersten Beratungsstunden abgehalten. Die Beratung liegt in bewährten Händen. Frau Schä­fer, in weiten Kreisen der Gießener Hausfrauen, wie auch im Kreisgebiet durch viele Vorträge und Kurse bekannt (sie ist die Kreissachbearbeiterin für die Abteilung Volkswirtschaft-Hauswirtschaft im Deutschen Frauenwerk), hat die Beratung über­nommen und wird aus ihrem reichen Wissen und aus ihren Erfahrungen manche Antwort ohne jeg­liche Rückfrage an anderer Stelle geben können.

Daß die Einrichtung der Beratungsstelle einem Bedürfnis entspricht, geht schon daraus hervor, daß bereits kurz nach der Eröffnung die ersten Rat­suchenden kamen. Eine Frau wollte wissen, wie sie es am besten bewerkstellige, Lehrmädchen für den

ten. Die Gebühren für Zahlungsanweisungen wer­den vom Konto des Auftraggebers abgebucht.

Feldpostsendungen der Erscchwehrmacht und der Urlauber.

Die gleichen Vorschriften finden entsprechende Anwendung auf die keine Feldpostnummer tragen­den Sendungen der Angehörigen der Ersatzwehr­macht und die der Urlauber, jedoch mit folgenden

Die Bearbeitung der Feldpostsendungen wird sehr erschwert, wenn die Anschrift undeutlich ist. Die Verwendung von Blei-.und Tintenstift ist nicht zweckmäßig. Am besten eignet sich die Beschriftung mit Tinte. Ferner ist auf gut haltbare Verpackung zu sehen. Die Absenderangabe darf nicht vergessen werden.

Nur nützliche und dauerhafte

Liebesgaben!

Haussrauenberatung durch das Deutsche Frauenwerk. Beratungsstunden an Wochenmarkttagen. - Später Kurzkurse.

*

** Das Naturschutzgebiet Hangel­stein wird heute in einer Bekanntmachung allen Volksgenossen zur näheren Kenntnis gebracht. Ins­besondere seien die wanderfrohen Mitbürger au ' diese Veröffentlichung hingewiesen.

** Leiche gelandet. Heute morgen wurde bei der Müllerichen Badeanstalt die Leiche einer 69jährigen Frau von Gießen aus der Lahn gebor­gen. Nach den polizeilichen Feststellungen liegt Frei­tod vor. Die Ursachen, die die Frau zu diesem Der- zweiflungsschrttt bewogen, konnten noch nicht end­gültig ermittelt werden.

müssen daher in Kauf genommen werden. Es wird infolgedessen erneut darauf hingewiesen, daß nur wirklich nützliche und dauer­hafte Dinge versandt werden dürfen. Don dem Verschicken leicht verderblicher Lebens- mittel wird auf das Dringendste ab geraten. Dieses um so mehr, als für ausreichende Verpflegung unserer Soldaten an der Front durch die militärischen Dienststellen in jedem er­denklichen Maße gesorgt wird.

Verkehrsunfall bei £id>.

* Lich, 21. September. Am Mittwochabend er« eignete sich auf der Landstraße LichSteinbach, kurz hinter der Stadt Lich, an der scharfen Kurve ein Derkehrsunsall. Dort geriet em mit meh­reren Personen besetzter Lastkraftwagen, oi- fenibar infolge der schwierigen Fahrverhältnisse in dieser Kurve, aus der Fahrbahn und stürzte die Straßenböschung hinab. Dabei erlit­ten die drei Mafien des Wagens erhebliche Ver­letzungen, die ihre Ueberfiihrung in das Kranken­haus zu Gießen erforderlich machten. Der Lastkraft­wagen wurde stark beschädigt.

In der Anschrift der Feldpostsendungen müssen der Dienstgrad und der Name des Empfängers, die üpfstellige Feldpostnummer seiner Truppeneinheit und die Postsammelstelle angegeben sein. Auf Sen­dungen an Angehörige der Luftwaffe, der Manne und einiger Sonderformationen ist eine Postsam­melstelle nicht anzugeben.

Die Anschrift teilen die Soldaten ihren Ange­hörigen mit. Bezeichnungen, aus denen die Trup­pengattung hervorggeht, z. B. Kanonier, Funker, Flieger, find verboten. Dagegen sind Dienstgradbe­zeichnungen, wie Soldat, Gefreiter, Unteroffizier, Leutnant, zugelassen. Die Anschrift hat also bei­spielsweise nur zu lauten:

a) An den Gefreiten Karl Schulze Feldpostnummer 23 422 Postsammelstelle Breslau

b) An den Wachtmeister Fritz Müller Feldpostnummer 13 652

lieber der Anschrift müssen die Sendungen den VermerkFeldpost" tragen.

Zugelassen als Feldpostsendungen sind a) Post­karten; b) Briefsendungen offen ober geschlossen bis zum Gewicht von 250 g; c) Post- und Zah­lungsanweisungen ins Feld bis zum Betrage von 1000 RM.; d) Postanweisungen und Zahlkarten vom Felde in die Heimat bis zum Betrage von 1000 RM.; e) Zeitungen. Zeitungen können in der Heimat beim Verlag für die Soldaten bestellt wer­den; die Zeitungen gehen dem Soldaten als Feld­postsendung (z. B. unter Streifband) zu. Ebenso können die Soldaten beim Feldpostamt Zeitungen bestellen, die ihnen ebenfalls als Feldpostsendungen zu geh en.

Ausgeschlossen sind Einschreib- und Wertsendungen, ferner Postaufträge, Postnachnahmen, Briefe mit Zustellungsurkunde, Rückscheinsendungen, Postwurf­sendungen, sowie telegraphische Post- und Zah­lungsanweisungen und telegraphische Zahlkarten.

Gebührenfrei sind alle zur Feldpostbeförderung zugelassenen Sendungen, die in der Anschrift oder Absenderangabe die Feldpostnummer tragen, mit Ausnahme der Postanweisungen und Zahlkarten, für die bis auf weiteres die Inlandsgebühren geh

Vhein-Mainische Börse.

Mittagsbörfe ruhig und nachgebend.

Frankfurt a. M., 21. Sept. Der Börse man­gelte es an Anregungen aus dem Puplikum, das sich sehr abwartend verhält und weder nennens­werte Kauf- noch Derkaufsausträge gegeben hatte. Aus der Börse heraus setzten sich noch mäßige Ab­gaben fort, so daß die Kurse am Aktienmarkt überwiegend weiter etwas nachgaben. Dabei be­wegte sich das Geschäft in engsten Grenzen, selbst in den Spitzenwerten kam es meist nur zu Min- Üestabschlüssen. Von diesen eröffneten IG. Farben mit 156,50 (156,25), Siemens mit 202,13 (201,65), anderseits AEG. mit 112,50 (113,25), Vereinigte Stahl mit 92 (92,50), Hoesch mit 106,90 (107,25) und Mannesmann mit 100,50 (101). Stärker er­mäßigt waren Rütgerswerke auf 140,50 (144).

Am Rentenmarkt kam es kaum zu größerem Geschäft, auch wiesen die Kurse weiterhin nur wenig Veränderung auf, indessen scheint die Marktbesse- rung anzuhalten. Reichsattbesitz gewannen 0,40 v. H. auf 131,75, aber Reichsbahn-Vorzugsaktien 121,25 bis 120,75 (122). Industrie-Obligationen waren über­wiegend weiter leicht erhöht. Goldpfandbriefe fanden kleine Nachfrage, ebenso Staatspapiere. Stadt- anleihen still, 4,50 v. H. Darmstadt von 1928 nach Pause 95 (96), ebenso 4,50 v. H. Pirmasens 95,25 (96,50). Steuergutscheine I zogen im Telephonver­kehr wetter etwas an.

>Im Verlaufe bröckelten die Kurse vielfach weiter etwas ab bei denkbar kleinstem Geschäft. AG. für Verkehr 101 nach 101,50, Hoesch 106,25 nach 106,90, Rheinstahl 124,75 (125,50) bis 123,50, Dereiniate Stahl 91,75 nach 92, Berger Tiefbau 136 (137) bis 135,50, Gesfürel 131,50 nach 133,25, Siemens 200,13 nach 202,13. Auch die später notierten Papiere lie­hen größtenteils 0,50 bis 1,50 v. H. nach.

Jranffurfer Schlachlviehmartt.

Frankfurt a.M., 21. Sept. Auftrieb: Rinder 746 (gegen 1246 am 14. 9.), darunter 98 (110) Och­sen, 140 (273) Bullen, 305 (579) Kühe, 203 (284) Färsen, Kälber 805 (631), Hämmel und Schafe 208 (16), Schweine 655 (339). Notiert wurden je 50 kg Lebendgewicht in RM.: Ochsen a) 44,50 bis 46,50 (46,50), b) 40 bis 42,50 (42,50), c) (37,50). Bullen a) 43 bis 44,50 (43 bis 44,50), b) 39 bis 40,50 (38 bis 40,50), c) (35,50). Kühe a) 43 bis 44,50 (41,50 bis 44,50), b) 38 bis 40,50 (37,50 bis 40,50), c) 31 bis 34,50 (28 bis 34,50), d) 20 bis 25 (18 bis 25). Färsen a) 43 bis 45,50 (44,50 bis 45,50-, b) 40 bis 41,50 (38,50 bis 41,50), c) 30 bis 36,50 (35,50 bis 36,50), d) 28 (). Kälber a) 62 bis 65 (62 bis 65), b) 55 bis 59 (55 bis 59), c) 46 bis 50

(45 bis 50), d) 30 bis 40 (25 bis 40). Hämmel a2)

49 bis 50 (), b2) 43 bis 47 (), c) 38 bis 42 ().

Schafe a) 42 (), b) 34 bis 39 (), c) 25 bis 32

(). Schweine a) 61 (61), bl) 60 (60), b2) 59 (59), c) 55 (55), d) 52 (52). Sauen gl) 60 (60). Markt­verlauf: Rinder, Kälber und Schweine zu geteilt, Hämmel und Schafe flott.

Haushalt zu bekommen; ein Mann wollte wissen, wie es zweckmäßig wäre, Gurken ohne Essig zuzu­bereiten, da mit der Verwendung von Essig für ihn gesundheitliche Schäden verbunden wären. Eine der Besucherinnen wollte gerne wissen, wie sie ihre diesjährige zu erwartende große Kürbisernte am besten und am vielseitigsten verwerten kann. Auch hinsichtlich der Lebensmittelmarken sind bereits die ersten Fragen gestellt worden. Alle diese und noch andere Fragen wurden nach bester Möglichkeit be­antwortet. Wenn Rückfragen bei anderen Dienst­stellen notwendig werden, dann geschieht dies tele­phonisch oder die Ratsuchenden werden an die rich­tige Stelle gewiesen. Aus der hauswirtschaftlichen Literatur werden Rezepte gegeben, und vor allem wird den Hausfrauen Aufschluß erteilt über die zweckmäßige Verwendung der zur Verfügung stehenden Nahrungsmittel.

Um die Hausfrauen auch in praktischer Hinsicht mit den Erfordernissen unserer Zeit vertraut zu machen, sollen demnächst in den Räumen am Linden­platz auch hauswiittschastliche Kurzkurse abgehatten und bei der Arbeit, am Gasherd oder am elektri­schen Herd Hinweise für sparsamste, zweckmäßigste und appetitlichste Verwendung der Nahrungsmittel gegeben werden. An den Kurzkursen werden je­weils 16 Frauen teilnehmen können. Die Kurse werden in den Nachmittagsstunden abgehalten. Voraussichtlich sollen auch Mütterschulungskurse ein­gerichtet werden.

Mit der Einrichtung dieser Beratungsstelle hat sich das Deutsche Frauenwerk eine dankbare Auf­gabe gestellt. Es wäre zu wünschen, daß unsere Gießener Hausfrauen ohne jede Scheu von der neuen Einrichtung Gebrauch machen, die für jede Familie zum Nutzen sein kann.

Aus der Stad« Gießen.

Kinderreichen Müttern den Vortritt.

Da sich aus verschiedenen Gründen manchmal ein Anstehea in den Einzelhandelsaeschäften nicht ver­meiden läßt, wurde zwischen Dem Hauptamt für Volkswohlfahrt und dem FachamtDer deutsche Handel" in der DAF. folgende Vereinbarung ge­troffen:

Kinderreiche Mütter, schwangere Frauen, stillende > Mütter, Gebrechliche und Körperbehinderte sollen , beim Kauf in den Einzelhandelsgeschäften bevor­zugt abgefertigt werden. Zu diesem Zweck roirp das FachamtDer deutsche Handel" in der DAF. entsprechende Aushänge für die Einzelhandels ge- schäfte Herstellen, die in ansprechender Form auf die Bevorzugung des genannten Personenkreises Hin­weisen. Die Ortsgruppen- und Amtsleitungen der NSDAP., sowie das Amt für Volkswohlfahrt geben entsprechende Bescheinigungen aus, auf Grund der die bevorzugte Abfertigung in den Einzelhandels- gefchätten erfolgt.

Skontoabzüge bei Bezahlung mit Steuergutscheinen.

Nach den Bestimmungen des neuen Finanz- planes find gewerbliche Unternehmen berechtigt, Lie­ferungen und sonstige Leistungen bis zu 40 v. H. des Rechnungsbetrages in Steuergutscheinen zu bezah­len Es find Zweifel aufgetaucht, ob die Zahlungen in Steuergutscheinen als Barzahlung zu behandeln sind, so daß der Skonto, der für eine Barzahlung vertraglich vereinbart ist, abgezogen werden darf. Der Reichsminister der Finanzen hat sich in emem Bescheid von 11. August 1939 SA 3202 B423 Gen. B. auf den Standpunkt gestellt, daß die Hingabe von Steuergutscheinen an Zahlungsstatt einer Zahlung in Geld gleichsteht. Ein vereinbarter Skontoabzug kann deshalb nicht lediglich aus dem Grunde verweigert werden, weil von der Pflicht oder dem Recht, in Steuergutscheinen zu bezahlen, Gebrauch gemacht wird. Damtt dürfte die Frage geklärt sein, daß auch bei der Bezahlung durch Steuergutscheine Skonto zu gewähren ist.

Leere Tüten zum Einkäufen mitnehmen

Irn Zusammenhang mit der Anordnung über Papierersparnis erhielten auch die Geschäftsleutt mit Ladenbetrieb die Weisung, äen Papierverbrauch auf das Notwendigste zu beschränken. Schon vor einigen Monaten erging aber auch an das einkau­fende Publikum die Bitte, keine unnötigen Ein­packungen im Fleischer- und Kolonialwarenladen zu verlangen. Einsichtige Hausfrauen haben ihren praktischen Einkaufskorb von früher wieder vorge­holt und eine Schüssel für Fleisch, Quark usw. bann untergebracht. Es gibt aber noch andere, die sogar Sauerkraut und Leber in der Titte nach Hause tragen möchten. An alle Hausfrauen wendet sich daher der Einzelhändler heute noch einmal mit der Bitte für durchfeuchtende Waren ein Gesäß mit- zubri'ngen, größere Einkäufe nicht mit dem Ein­kaufsnetz, sondern dem praktischen und geräumigen Korb zu erledigen und gut erhaltene Tüten zum nächsten Einkauf wieder mttzubringen. Es kann eine Menge von Papier gespart werden, wenn alle Hausfrauen hier mittun!

Durch eine Infektion gestorben.

In der Chirurgischen Klinik in Gießen verstarb nach siebentägigem schweren Leiden der 58 Jahre alte Wagner meister Johann Hübel aus Alpen­rod (Oberwesterwaldkreis). Der bedauernswerte Mann hatte bei der Arbeit an der Kreissäge eine Verletzung erlitten, die er nicht weiter beachtete. Nach mehreren Tagen trat infolge Infektion eine schwere Blutvergiftung ein, die den Tod des Mannes zur Folge hatte.

Abweichungen:

1. Sendungen an Angehörige der Ersatzwehr­macht müssen neben dem Namen des Empfän­gers den Truppenteil enthalten. Die Anaabe einer P r i v a t a n s ch ri f t ist unzulässig; Sendungen von Angehörigen der Ersatzwehr­macht müssen den Briefstempel der Einheit

Der Täter mitten unter uns

Roman von Kurt Riemann

Copyright by Verlag Oskar Meister, Verdau L Sa. 39 Fortsetzung. (Nachdruck verboten!)

Also... er ist gar nicht Vaters Bruder?" Nein, Mrs. Holgerson. Der Bruder ihres Herrn Vaters ist bereits vor drei Monaten gestorben. Dieser Her ist kein anderer als sein langjähriger Privatsekretär. Aber nun lassen Sie mich der Reihe nach berichten.

Am Tage, an dem Sir John begraben wurde, wurde bei mir ein Verdacht wach, daß hinter seinem jähen Ende ein Geheimnis stecke, ein Ge­heimnis, das auch mein Freund Linkerton mit Doktor Hellmers in Verbindung brachte, vielleicht wußte er irgend etwas... aber er war genau so ahnungslos wie ich.

Das änderte nichts an der fixen 3bee, die sich in meinem Hirn einzunisten begann: Sir John ist keines natürlichen Todes gestorben!"

3a, hatten Sie denn irgendwelche Anhalts­punkte oder begründete Vermutungen dafür?" un­terbricht ihn Vivian.Die Polizei war der Auf­fassung, daß ein Unglücksfall vorliegt, und wir haben alle das gleiche gedacht."

Das Unglück erschien mir sehr wenig wahr­scheinlich. Die Nacht war fast klar und mondhell. Ihr Herr Vater kannte seit Jahren Weg und Steg genau und er erfreute sich bester Gesundheit, sonst hätte man an ein plötzliches Unwohlsein glauben können. Nein, nein, an diesem rätselhaften Todes­sturz stimmte irgend etwas nicht. Und außerdem schien die Kette sonderbarer, zunächst unerklärlicher Ereignisse einfach nicht abzureißen."

Bei uns wurde eingebrochen! Man hat Vaters Schreibtisch nach seinen Privatsachen durchsucht, ohne irgend etwas zu finden!" nickt Claire.

Aber Pembroke fällt blitzschnell ein:Wer sagt Ihnen das? Soweit ich im Bilde bin, vermißte niemand von ihnen irgend etwas. Aber wußten

Sie, was sich in Ihres Vaters Schreibtisch befand?" 'Nein, das allerdings nicht. Wenn man die Sache so ansieht..." v _

. bann beginnt der Einbruch ein anderes Ge­sicht zu bekommen. Für mich war das sofort der Fall, obwohl ich damals absichtlich schwieg. Ueber- haupt, die ganze Einbruchsgeschichte hing genau so in der Luft wie der »UnglücfsfalT an den Klippen. Sie konnte wahr sein... sie konnte aber auch ge­stellt sein. Sie verstehen: ein vorgetäuschter Ein­bruch. .

Und zum ersten Male bekam damals mein Ver­dacht eine bestimmte Richtung: der Einbrecher mußte im Hause zu suchen sein!"

Bei uns im Hause?"

Aber das ist doch sehr gut möglich! Schauen Sie... Wertsachen vermutet auch der törichste Ein­brecher nicht in einem altertümlichen Schreibtisch, den man mit einem krummen Nagel und einem | Schraubenzieher öffnen kann. Sir John wird dort sehr wahrscheinlich nur belanglose Dinge aufbe­wahrt haben, für die im Werk kein Platz war. Privatandenken, Bilder, vielleicht auch Briefe, was sich eben so in einem Schreibtisch anzusammeln pflegt. Der Einbrecher muß an diesen Dingen ein bestimmtes Interesse gehabt haben. ,

Entdeckt wurde der Einbruch von Mister Perkins. Er hat das auch ganz vorzüglich organisiert. Daß ein erbrochener Schreibtisch auffällt, war chm klar. Also sagte er sich: ,Wer den Dieb beinahe gefaßt hätte, steht am weitesten außer Verdacht!'

In aller Seelenruhe brach er den Schrank aus, nahm, was er suchte, nämlich die Todesanzeige seines früheren Chefs, ein paar Familienbilder, die ihm gefährlich werden konnten ... und als er fertig war, schlug er Lärm."

Jawohl! Aber Sie vergessen, daß das von seinem Zimmer aus geschah! Und das liegt über Vaters Arbeitsraum. Außerdem war die Tür ver­schlossen. Hawkins mußte sie erst aufschließen. Ich erinnere mich noch sehr genau!" wirft Claire mit blitzenden Augen ein.

Aber Pembroke ist nicht aus der Ruhe zu bringen.

Der Einbrecher war Eric Söderblom!"

Wer ist... ach so, ich verstehe schon. Man muß sich erst daran gewöhnen, daß aus dem Onkel Wil­liam ein Herr Eric Söderblvm geworden ist."

Er kam von oben, drückte das Fenster ein und zog sich an den Säulen, die den Balkon stützen, wieder hinauf. Allerdings hatte er das Pech, den Zweig eines Hängegeraniums abzubrechen. Der brachte mich erst auf die Vermutung, daß der Ein­brecher ... dort oben wohnen könnte.

Doch das waren alles dunkle Verdächtigungen, die keinerlei handgreiflichen, begründeten Schluß zulie­ßen. Wertvoll daran war nur, daß zum ersten Male überhaupt die Person des Onkels in den Kreis der möglichen Täter miteinbezogen wurde. Und dann kam die ganze dumme Geschichte mit den drei schwarzen Sternen auf der Visitenkarte.

Ich gestehe, daß ich keinen Fall der Kriminal- aeschichte kenne, in dem die Furcht der Menschen in so raffinierter Weise in Rechnung gesetzt wurde. Denn der Schreiber dieser Karte war niemand an­ders als der gute Onkel selbst. Er praktizierte die bewußten Karten auch immer sehr geschickt dahin, wohin er sie haben wollte. Mit diesem ©infall. hielt er uns alle zum Narren, denn auch ich hielt ihn zuerst für bedroht, von jenem unbekannten Mörder. Mehr wollte er mit seinem Kartentrick nicht er­reichen. Er war bedroht ... er stand also außerhalb eines möglichen Verdachtes."

Und wie kamen Sie darauf, im Unglücksfall meines Vaters einen Mord zu sehen?^

Durch einen abgebrochenen Fingernagel. An einer einzelnen Birke oberhalb der Unsallstelle konnte man deutlich erkennen, daß ein Mensch sich in höchster Aufregung festgekrallt haben mußte. Er brach sogar einen Fingernagel, einen Daumennagel dabei ab. Ihr Herr Vater aber hatte unversehrte Hände, das beweisen mehr als sechs Photos. Blieb also nur ein Schluß: ein zweiter Mensch mußte zu­gegen gewesen fein. Das bestätigte mir auch einer der Einheimischen. Leider konnte er den Mann nicht beschreiben, weil der arme Teufel halb taub und schwachsinnig ist. Ich mußte mich also aufmachen, den zweiten Mann zu suchen. Es war ein müh­seliges Stück Arbeit. Dorf für Dorf bin ich abge­laufen, in mehr als hundert Gasthöfen habe ich ge­hockt, guten und schlechten Whisky getrunken und die Ohren dabei aufgesperrt.

Und haben Sie eine Spur gefunden?"

Nein, aber ein paar derbe Wanderschuhe. Sie sehen, wenn man zäh ist, auch das Kleinste für groß erachtet, dann kommt doch ein wenig heraus.

Diese Schuhe hatte ein Gast dem Hausknecht ge­schenkt, am Sonntagmorgen, nachdem der Mord geschah. Und diese Schuhe ließen noch ganz deutlich schwedische Worte auf den Einlagen erkennen. Eine heimliche Haussuchung in dem Zimmer IhresOn­kels", während Linkerton den Mörder Holgersons vernahm, zeigte, daß er die gleichen schwedischen Einlegesohlen trug. Das war ein schwerwiegendes Derdachtsmoment, in ihm den Mann im Gebirge zu sehen."

Phantastisch! Wenn Sie das so erzählen, hört es sich höchst einfach und durchsichtig an!"

Wenn man nach Spuren sucht, scheint alles sehr dunkel und verworren. Wir sitzen hier, meine Damen, rollen alles rückwärts auf und haben den Schlüssel zu den verschlossenen Türen in der Hand, denn wir wissen, daß William Perkins ... Eric Söderblom ist, daß er der Mörder ist. Ich aller­dings mußte gemeinsam mit meinem Freunde Linkerton gewissermaßen durch die Schlüssellöcher kriechen. Denn fein Paß war einwandfrei. Er stammt aus einer Bezugsquelle, die ursprünglich in London und jetzt in Paris beheimatet ist und vor­zügliche Fälschungen lieferte."

Pembroke nippt ein wenig an seinem Tee, der längst kalt geworden ist. Dann fährt er fort.

Plötzlich schlug wie eine Bombe der Diebstahl der Pläne dazwischen. Am Abend des gleichen Ta­ges erfolgte der Tod Mister Holgersons. Auf die 'Stunde genau war die Drohung auf der Visiten- karte eingetroffen. Der Mörder schien ganze Arbett leisten zu wollen. Was tun? Der erste Befurck) der Untersuchung des toten Sängers ergab ganz ein­deutig, daß Hellmers als Täter nicht in Frage kam."

Aber Pembroke die Zeitungen ...?"

... die haben meinen Artikel abgedruckt, Fräulein Claire. Ich wollte es so, daß Hellmers zu­nächst als der Mörder erschien. Der rechte Mörder sollte ganz in Sicherheit gewiegt fein. Tatsächlich konnte Hellmers aus einem ganz einfachen Grunde nicht der Mörder fein. Der Schußkanal ging schräg vom letzten Halswirbel durch das Rückenmark zum Schlüsselbein. Hellmers hätte den Revolver min­destens zwei, drei Meter hochheben müssen, um den Unglücklichen so schräg durchschießen zu können.

(Fortsetzung folgt.)