Ein zweckloser Krieg.
Die italienische Presse
an die Adresse der Westdemokratien.
Mailand, 22. Sept. (DNB. Funkspruch). Auf die sinnlose und durch keinerlei Gründe der Vernunft oder der Moral zu rechtfertigende Halsstarrigkeit der beiden Westdemokratien, den Krieg gegen Deutschland um jeden Preis fortzusetzen, antwortet die italienische Presse mit ernsten Mah- nungen, die Unversöhnlichkeit nicht auf die Spitze zu treiben — zumal die Westmächte kein anderes Argument als die Wiederherstellung des Unrechtes von Versailles für ihre Haltung ins Treffen führen können. Der „Popolo d'Jtalia" erhebt erneut die Frage, warum Mil- lionen Menschen für einen zwecklosen Krieg aufgeopfert werden sollen. Das bewaffnete Eingreifen Nußlands in Polen sei eine neue Tatsache von ungeheurer und entscheidender Tragweite. Die entscheidende Folge dieser neuen Tatsache sei, daß das Polen von Versailles niemals wieder aufgerichtet werden könne; denn dazu müßte man nicht Deutschland Niederkämpfen, sondern auch einen neuen Feldzug gegen die Sowjetunion organisieren und gewinnen. Dazu aber gehöre ein neuer, weitaus mehr vom Gluck begünstigter, wenn nicht genialer Napoleon. Wenn man also mit der Mene größter Entschlossenheit behaupte, daß es gelte, Polen wieder herzustellen, so sei dies einfach absurd. Wenn die Demokratien Deutschland als Angreifer verurteilen wollen, dann müßten sie das gleiche Verbrechen auch Rußland zum Vorwurf machen. Entweder haben beide angegriffen oder keiner. Wenn man einen Krieg auf Leben und Tod gegen Deutschland entfessele, dann könne man einen solchen gegen Rußland nicht ablehnen. Wenn Rußland es für zweckmäßig hielt, zur Eroberung von ehemals russischen Gebieten zu schreiten, so sei Deutschland marschiert, um deutschen Boden zu besetzen.
Delegierte des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz in Berlin.
Berlin, 21. Sept. (DNB.) Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz hat den Regierungen der kriegführenden Staaten mitgeteilt, daß es sich ihnen zur Verfügung stellt, um seiner Ueberlieferung gemäß dazu beizutragen, die mit dem Krieg verbundenen Leiden zu lindern. Nach Empfang einer zustimmenden Erklärung der Reichsregierung hat das Komitee als seinen Delegierten nach Berlin Herrn Marcel I u n o d entsandt, der alsbald mit den zuständigen Regierungsstellen und mit dem Deutschen Roten Kreuz in Erörterungen eingetre- ten ist, um die Richtlinien für die praktische Zusammenarbeit festzulegen. Herr Iunod ist vom Internationalen Komitee vom Roten Kreuz bereits während des Abessinien- konsliktes und während des spanischen Bürgerkrieges mit gleichartigen Aufgaben betraut worden und hat sich dabei g r^p ß e Verdi e n st e erworben.
Vollstreckung eines Todesurteils an einem Volksschädling.
Berlin, 21. Sept. (DNB.) Gestern wurde der Landwirt Robert Gleim aus Olbersleben (Kreis Weimar) hingerichtet, der durch Urteil des Sondergerichts in Weimar vom 18. September 1939 wegen Verbrechens gegen die Verordnung gegen Volksschädlinge vom 5. September 1939 zum Tode und zum Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte auf Lebenszeit verurteilt worden ist. — Robert Gleim hat in der Nacht zum vergangenen Montag ihm gehörige größere G e • treidevorräte an gezündet, um sich die Mühe des Dreschens zu ersparen und sich in den Befitz der Versicherungssumme zu setzen.
fischte er sie alle wieder heraus. „So!" sagte er. „Jetzt können wir endlich anfangen! Wo ist das Fenster?"
„Was weiß ich!" sagte Frau Meier. „Ich habe doch keine Röntgenaugen! Hast du die Wand?"
„Die Wand habe ich!"
„Dann ist es am besten, du tastest dich an der Wand entlang, bis du eine Glasfläche spürst. Dann bist du am Fenster!"
Herr Meier tat wie ihm geraten. Er tastete bis er eine große, glatte, kühle Glasfläche spürte, dann begann er das Verdunkelungspapier darüber zu spannen und mit Nägelchen zu befestigen. Nachdem er sich mit dem Hammer das dritte Mal auf den Daumen geschlagen hatte, fluchte er wild. „So geht das nicht! Ich werde das Papier auf das Glas kleben müssen! Rudi!"
Meier Junior kam aus dem Nebenzimmer, wobei er den Kanarienvogel samt Käfig umwarf.
„In der Küche, gleich rechts, steht ein Topf mit flüssigem Leim. Den bringst du her!"
„Wenn du nur schon fertig wärst!" seufzte Frau Meier „Dann könnten wir Licht machen und zu Abend essen. Ich habe dein Leibgericht gekocht: Fleischröllchen mit Majoransoße!"
„Majoransoße! Aah!" Herr Meier schmatzte genußvoll. „Ich eile! Ich fliege! Wo nur der Junge bleibt?"
Er wird doch nicht in der Finsternis auf den Balkon geraten und hinuntergefallen sein?!
Herr Meier tappte besorgt in die Küche. „Rudi, wo bist du?" Sein Sprößling saß inmitten einer Batterie von Gläsern im Schutze der Dunkelheit und fraß still und geschwinde das Aprikosen- Einaemachte in sich hinein. Die väterliche Ohrfeige ging daneben und der Junge entwetzte ms Herren- zimmer. Dort stolperte Papa Meier bei der Verfolgung über ein Paar Beine, kriegte einen kurzen Schopf zu fassen und landete die vorbereitete Ohrfeige.
Au!" schrie eine Männerstimme.
"Nanu? Der Karl vom Nebenhaus? staunte Herr Meier. „Wie kommen denn Sie in unsere Woh-
habe ihn hereingelassen!" zirpte eine 17jäh- Was^^llfi du bist auch hier? Was sitzt ihr denn da'so mäuschenstill herum? Ich denke ihr seid im Kino?!"
„Haben wir nicht nötig!" sagte Karl freimütig, ier ist es noch dunkler!"
„Richtig — dunkel!" sagte Herr Meier. „Ich muß jetzt endlich diese Verdunkelung vollenden!" Er tappte sich in die Küche zurück. Hier standen viele Töpfe herum. Emil probierte mit dem Finger — aha, hier war hie zähe, klebrige Masse! Zurück ins Zimmer und das Papier damit angestrichen. Herr Meier arbeitete, keuchte und schwitzte eine Viertelstunde lang.
„So!" sagte er dann. „Jetzt können wir endlich Licht machen! Ich habe das Fenster vollständig verklebt!" Und er knipste den Lüster an.
„Auslöschen!" schrie in diesem Augenblick Emilie „Auslöschen! Du hast das Papier statt aufs Fenster auf den großen Spiegel geklebt!"
Tiefe Niedergeschlagenheit erfaßte die Familie Meier. „Ich bin erschöpft!" sagte Emil. „Gib das Abendessen! Ich werde morgen weiter verdunkeln!"
Frau Emilie wollte das Nachtmahl auftragen. Sie suchte eine halbe Stunde, aber sie fand die Majoransoße nicht. Also ging man hungrig zu Bett.
Fünf Minuten vor dem Einschlafen richtete Herr Meier sich auf. „Emilie!" stöhnte er, „Emilie, ich weiß jetzt, wo die Majoransoße ist!"
„Nun?"
„Auf dem Spiegel! Sie klebt übrigens ausgezeichnet! Wenn ich morgen weiter verdunkle, mußt du mir noch eine Portion machen!"
Schlaf und Lebensdauer.
Im Septemberheft der Zeitschrift „Die neue Rundschau" veröffentlicht Herbert Fritsche eine Studie „Der Schlaf", die diese Erscheinung des Lebens, der wir alle unterworfen sind, in ihren vielen Merkwürdigkeiten beleuchtet. Alt ist die Frage nach der richttgen Schlafdauer: „Goethe gönnte sich reichlich Schlaf, zuweilen vierundzwanzig Stunden lang. Je rücksichtsloser ein Mensch Spezialanpassungen für Ziele des Wachlebens erwirbt, desto erfolgreicher vermag er dem weichen Dunkel des Schlummers gegenüber zu verhärten. Friedrich der Große, Napoleon und Moltke schliefen nur vier bis fünf Stunden täglich. Beziehungen zwischen Schlafdauer und Lebensdauer lassen sich allgemeingültig nicht ermitteln. Extreme Kurzschläfer wie Alexander von Humboldt, Mommsen, Carlyke und Liebig wurden — in der angegebenen Reihenfolge — neunzig, sechsundachtzig, fünfundachtzig und siebzig Jahre alt. Auch unter Aerzten gab es und gibt es Ver-
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iszick
Zwischen Bzura und Wechselstrom. — Im Kampfabschnitt nördlich Lowicz.
DNB......... 21. Sept. (PK.) Lowicz,
die tote Stadt, liegt hinter uns. Hier haben noch vor wenigen Tagen heftige Kämpfe getobt. Denn auch hier hat der in dem großen Sack westlich von Warschau eingeschlossene Pole die deutschen Linien zu durchbrechen versucht. Auch hier ist er, wie überall, mit blutigem Kopf zurückgejagt worden. Nun schleicht wieder die Stille durch die Straßen und Gassen. Von der Front her geistert emsiger Lichtschein über die zerrissenen Ruinen. Irgendwo heult ein Hund, und eine Katze streicht mit grünfunkelnden Augen durch das Dunkel. Dann und wann rattert eine Kolonne über das Pflaster. Dann wieder Totenstille.
Wir marschieren durch den Abend nach Norden. Der Divisionsgefechts st and in K. ist unser Ziel. An Ellern und Weiden vorbei, vorüber an niedrigen, strohgedeckten Hütten geht der Weg. Je weiter wir Vorkommen, desto häufiger finden wir zerschossene Fahrzeuge am Straßenrand. Ihre im knappen Licht unserer Kraftwagen aufschimmernde lehmbraune Farbe weist sie als polnisch aus. Links von der Straße, am Walde von Sokolow, liegt eine zerschlagene polnische Batterie. Tiefe Trichter neben ihr berichten, daß sie ein Opfer unserer Fliegerbomben wurde.
Kurz vor unserem Ziel fahren wir durch eine Straße des Grausens. Hier hat unsere Artillerie mit ihrem vernichtenden Feuer den fluchtartigen Rückzug polnischer Kolonnen ge- faßt. Wild durcheinandergeworfen liegen Protzen, Geschütze, Bagagewagen. Daneben strecken tote Pferde ihre Beine steif und starr gegen den Himmel. Dazwischen gefallene Soldaten, und der Beschauer verhält einen Augenblick vor diesem Bilde einer vernichtenden Niederlage. Man sollte die ehemals regierenden Männer Polens auf diese Straße führen. Man sollte ihnen den Wahnsinn vor Augen hasten, der darin lag, ein Großdeutschland anzugreifen und es vernichten zu wollen. „Mit Mann und Roß und Wagen hat sie der Herr geschlagen."
An tiefen Bombentrichtern vorbei, in denen sich unten das Grundwasser sammelt, gelangen wir auf den Marktplatz des Fleckens. Ein düster- malerisches Bild! Mächtige Feuer lodern fünfen« sprühend durch die Nacht und werfen zuckende rote Lichter über die geborstenen Mauern der Häuser. Aus den Fensterhöhlen starrt das Dunkel mit toten Augen auf das wildromantische Bild dieses Schlacht- ''eldes. Tausende von Kriegsgefangenen Tagern um die Feuer. In tiefem Schweigen liegen !)ier Polens Soldaten. Sie sind des Kampfes satt. Die haben es aufgegeben. Das spiegelt sich in ihren Mienen, das spricht aus ihren Augen. Nur Brot wollen sie und Wasser. Es sind Regimenter aus der Provinz Posen, und sie haben gefämpft, ohne zu wissen wofür. Mit leisen Worten sagt einer: „Man bat uns erzählt, daß die polnische Armee schon über« all über die deutsche Grenze einmarschiert wäre. Nur hier bei uns müßten wir noch den „Niemien" Niederkämpfen. Dann wäre der Weg nach Berlin tei. Man h a t uns schändlich belogen. Jetzt wissen wir, daß Polen verloren ist!"
Notquartier in einem oben Haus. Nur wellige Stunden auf der Strohschütte, und der graue, irebelvolle Herbstmorgen sieht uns wieder auf der Zandstraße, lieber Osmolin und Sanniki geht der Marsch. Schon weitet sich bas hügelige Lanb zur ftieberung. Dort vorn fließt die Weichsel mit braungelben Fluten dahin. Wir gehen eine Straße ob, die dicht hinter der Front über Brzezie nach Zrzozow führt. In riesigen Mengen türmen sich in ten Straßengräben und auf ben Feldern zurück- c elassene Waffen, erbeutete Geschütze und Fahrzeuge, krümmer einer Armee, die Krieg, Land und Ehre verloren hat.
In wuchtigem Vorgehen warf der deutsche Angriff die polnischen Regimenter über den Haufen. Aoch gestern wurde hier gekämpft. Noch heute zer- vühlten dort vorn die Granaten die Erde. Noch Netzen Bauernhäuser und Strohdiemen in Brand, kriegsfackeln, die unheimlich den Nebel durchglühen. Dir erreichen B r z o z o w. Ringsum brennt und malmt es. Tauben segeln im irren Flug durch die
Rauchwolken. Funkenstiebend stürzen Hauswände prasselnd zusammen. Nur der weite Bau der Kirche ragt unversehrt aus den Schwaden auf und blickt auf ein Chaos der Vernichtung herab.
Unsere Infanterie ist in Schützenreihen durch die von zerbröckelnden Mauern. Balkentrümmern und polnischen Ausrüstungsstücken übersäten Stra- ßen gezogen. Sie rückt immer weiter vorwärts. UeberaU auf der ganzen Front, rund um die letzten eingeschlossenen Divisionen des polnischen Kernheeres, drückt deutsche Infanterie die Polen zurück. Hier und da bleibt eine Lücke, durch die die polnischen Gefangenen strömen. 12 000 Mann haben sich im Abschnitt der Division heute nacht ergeben. 3000 haben heute die Waffen gestreckt, und immer noch quillt es erdbraun aus diesem Sack. Immer ftioch heben polnische Soldaten die Hände. Sie sind a m E n b e. Sie wollen nicht mehr und sie können wohl auch nicht mehr.
Weithin schleppen die Rauchfahnen der brennenden Gehöfte über der Bruchlandschaft der Weichsel. Dort vom, bei How sind bereits schnelle deutsche Kräfte eingetroffen. UeberaU geht es voran. In verschwitzten Uniformen, stoppelbärtig und den ganzen Emst der letzten Kampftage im Gesicht, so kämpft sich unsere Infanterie vor. Und nicht anders ihre treuen Waffenbrüder von der Artillerie. Wer aber in den Gesichtem von Frontsoldaten zu lesen weiß, dem wird es klar: Diese deutschen Kämpfer werden nicht nachlassen. Sie werden hart und tapfer chre schwere Pflicht tun bis zum siegreichen Emde.
Schnell sinkt der Abend hernieder. Die Front schiebt sich durch das Dunkel immer weiter vor. Wir bleiben zurück und lassen den Nachschub der Kolonnen an uns vorüberrauschen. Blasser Leuchtkugelglanz geistert durch die nächtlichen Nebel, und in seinem Schein wandern schwarze Schatten über die Dorfstraße. Mit klappernden Hufen jagen herren
lose Pferde über das geborstene Pflaster. Irgendwo wird sie die Sammelstelle einfangen. In müdem Trott ziehen Kolonnen von Gefangenen vorüber. Der Hupenruf eines Kraftwagens foBimt durch die Nacht. Leise und verstohlen knarren auf schiefen Rädern gebrechliche Fahrzeuge mit mageren Gäulen dahin. Zwischen Hausgerät, Bettzeug, Körben und Koffern hocken Männer, Frauen und Kinder auf den Wagen. Polnische Bauern, die einst mit ihren zurückgehenden Soldaten geflüchtet waren, nun aber wieder zurückkehren und irgendwo hinten ihre Katen wieder aufsuchen.
Als wir nach hinten kommen, belebt sich die Straße. Bergungskolonnen laden die erbeuteten polnischen Waffen auf. Männer vom Arbeitsdienst arbeiten auch in der Nacht, um die zerschossenen Straßen wieder fahrbar zu machen. Feldgendarmerie sichert Ortschaften und Straßenkreuzungen^ und an einem stehengebliebenen Güterzug hat eine Wachmannschaft Posten ausgestellt. Ja, es herrschen Zucht und Ordnung dort, wo die deutsche Wehrmacht steht, und uns scheint, als wäre dem armen Polen nicht mehr Not als deutsche Gründlichkeit, Ordnung und Sauberkeit!
Wir kommen wieder nach K i e r n o z i a. In diesen wenigen Stunden ist der Ort wie umgewandelt. Die Straßen sind sauber, Schutt und Gerümpel sind beiseite geräumt. In der Nähe der Kirche hat sich eine Tankstelle aufgetan. Die Bewohner haben sich wieder in ihre Häuser begeben. Man behilft sich, so gut man kann. Mit festem, schweren Schritt gehen deutsche Soldaten als Posten auf und ab. Da und dort eilt ein Kraftwagen, ein Kradfahrer, über das holprige Pflaster. Rückwärts aber hellt sich der dunkle Himmel ab und zu auf. Leuchtkugeln sind eF. In hohem Bogen steigen sie strahlend auf. Fanale des deutschen Sieges. Steinbrecher.
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„Du wirst mir noch die ganze Wohnung kaputt rachen!" jammerte Emilie. „Ueberhaupt finde lch ß’’ einfach blödsinnig, im Dunkeln zu verdunkeln! rvwas muh man tagsüber machen!"
„Tagsüber sitze ich im Büro, Emilie!" sagte Herr Üteier, leicht gereizt. „Ich habe eben nur abends ?eit. Und jetzt halte keine langen Tiraden, sondern
„Wie soll ich das wissen! Hier ist es stockfinster, aif der Straße ist es stockfinster, nicht mal der Itonb scheint!" Emilie fühlte einen Stuhl und ließ sich mit einem tiefen Seufzer daraus nieder.
■3n diesem Augenblick ertönte ein Schrei.
„Was hast du?" fragte Herr Meier erschrocken
.„Die Nägelchen!" sagte Emilie. „Ich habe mich Ausgesetzt!"
.„Fein! Endlich haben wir sie-! Gib' sie her!
'Emilie tastete und tastete, dann spürte sie etwas Deiches, Warmes und ließ die Nägelchen hinein- faUen.
.„In die Hand, Emilie!" brüllte Herr Meier er- Mt. „In die Hand, nicht in den Kragen!" Bis auf itnei, die in tiefere Gefilde vorgestohen waren,
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Familie Meier — total verdunkelt!
Don Kurt Günther von Fischer.
Das deutsche Volk soll auch in ernsten Lagen Gelassenheit bewahren und die Nerven nicht verlieren. Das geeignete Mittel dazu ist der Humor. Daher diese Geschichte.
Der Autor.
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„Emil, wo bist du? Ich sehe absolut nichts!" „Hier, Emilie, hier zu deiner Rechten!" „Aha! Jetzt habe ich dich. Ist das deine Hand? „Nein! Das ist die Nase!" Herr Meier schnaufte. .Paß' doch auf, Emilie! Hast du die Rolle schwarzen Papiers?" ,
„Ja! Hier ist sie! Eine lange, dünne Rolle! Geb echt, daß du damit nichts ..."
Ein lauter Krach ertönte. „O Gott! stöhnte Ctmilie. „Was ist das?"
„Das ist die Vase von Tante Emma!" sagte Herr Sieier. „Das heißt, das war die Vase von Tante (hmma. Ich habe das greuliche Ding sowieso nie l-iiden können!"
6) N ....___ ... ............. ......
ban* Ü6 mir lieber die Nägelchen! Wo sind die Nägel-
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Oer Kriegszuschlag zur Einkommensteuer.
Zur Erhebung des Kriegszuschlags bei der Einkommensteuer werden in der „Deutschen St eü e rz e i tu n a" zahlreiche Einzelfragen geklärt. Wenn ein Arbeitnehmer in mehreren Dienstverhältnissen steht und mehr als eine Lohnsteuerkarte besitzt, so ist bei der Ermittlung der Lohnsteuer der tatsächliche Arbeitslohn um die auf der Lohnsteuerkarte vermerkten Beträge zu erhöhen. Bei der Berechnung des Kriegszuschlags ist von der durch die Hinzurechnungsbeträge erhöhten Lohnsteuer auszugehen. Dadurch wird vermieden, daß einem Arbeitnehmer in mehreren Dienstverhältnissen, die in die Lohnsteuertabelle eingearbeiteten steuerfreien Beträge mehrmals zugebilligt werden. Die gleichen Grundsätze gelten auch, wenn es sich um eine Ehefrau handelt, die in einem Di en st Verhältnis steht. Auch auf der Lohnsteuerkarte dieser Cheftau ist der Hinzurechnungs- vermerk enthalten.
Sind auf der Lohnsteuerkarte eines Arbeitnehmers steuerfreie Beträge, z. B. wegen erhöhter Werbungskosten und Sonderausgaben vermerkt, so ist zur Ermittlung der Lohnsteuer von einem um d i e steuerfreien Beträge verminderten Arbeitslohn auszugehen. Die sich ergebende Lohnsteuer ist auch die Grundlage des.Kriegszuschlags. Durch die Grenze von 234 RM. monatlich wird erreicht, daß ein Arbeitnehmer mit diesem Arbeitslohn ungefähr so gestellt ist wie ein veranlagter Steuerpflichtiger mit 2400 RM. Jahreseinkommen, denn zur Abgeltung der Werbungskosten und Sonderausgaben sind 39 RM. monatlich schon in die Lohnsteuertabelle eingearbeitet. Nach den Härtebe- ftimmungen fit der Kriegszuschlag enfiprechend geringer zu berechnen, wenn der verbleibende Monatslohn nach Abzug des Kriegszuschlags die Freigrenze unterschreiten würde. Die anderen Abzüge, mit denen der Arbeitslohn belastet ist, wie Lohnsteuer, Bürgersteuer, Versicherungsbeiträge usw. bleiben bei dieser Berechnung außer Betracht.
Bei den Veranlagten wird der Kriegszuschlag zusammen mit der Einkommensteuer festgesetzt. Erhöht oder ermäßigt sich in einem Rechts- mittelverfahren die ursprünglich festgesetzte Einkommensteuer, so ändert sich damit auch der Kriegszuschlag. Es ist jedoch nicht möglich, den Kriegszuschlag mit einem selbständigen Rechtsmittel zu bekämpfen, es sei denn, daß er rechnerisch unrichtig ist oder die Freigrenze nicht beachtet wurde. Die ersten Vorauszahlungen des Kriegszuschlages sind am 10. Oktober und 10. Dezember fällig. Sie betragen je ein Zwölftel der zuletzt veranlagten und um die angerechneten Steuerabzugsbeträge verminderten Einkommensteuer und sind von den Steuerpflichtigen ohne besondere Aufforderung zu entrichten.
Kleine politische Nachrichten.
Der Oberbefehlshaber der Kriegsmarine hat dem Kommandanten und der Besatzung des U-Bootes, das den britischen Flugzeugträger „C o u r a g e o u s" versenkt hat, seine Anerkennung ausgesprochen.
Der japanische Ministerpräsident General Abe teilte mit, daß Anfang November eine neue Zentralregierung in China unter Wang- t s ch i n g w e i eingesetzt werde, nachdem eine Einigung mit den provisorischen Regierungen in Peking und Nanking erzielt worden fei.
Hauptschriftleiter Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Stellvertreter des Hauptschriftleiters: Ernst Blum- schein. Verantwortlich für Politik, Feuilleton und die Bilder: Dr. Fr. W. Lange; für Stadt Gießen, Provinz, Sport und Wirtschaft: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. Druck und Verlag: Brühlsche Universitätsdruckerei, R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen. Monatsbezugspreis 2,05 RM. einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr. Einzelverkaufspreis 10 Pf. und Samstags 15 Pf., mit der Illustrierten 5 Pf. mehr. Zur Zeit ist Preisliste Nr. 4 vom 1. September 1937 gültig
fechter des .verhältnismäßig kurzen Schlafes, so Hufeland, der einen Schlaf von weniger als sechs und mehr als sieben Stunden für ungesund yielt, während der im Alter von sechsundneunzig Jahren verstorbene Hermann Weber sogar dem zu langen Schlaf Schlafflüsse, Entartung der Gehirngefäße und frühes Versagen der Denkkraft sowie Fett- und Wassersucht auss Sündenkonto schrieb. Dem steht der bekannte Ausspruch Carl Ludwig Schleichs entgegen: Verschlafe, wenn du Talent oazu hast, ruhig die volle Hälfte deines Lebens, du wirst dann die andere Hälfte doppelt gelebt haben." Auch bei der Erörterung der rechten Tageszeit für den Schlaf ist keine Einigkeit unter den Forschern zu erzielen gewesen. Wer die kosmischen Rhythmen von Tag und Nacht, wie es zuweilen geschieht, für die einzig lebensgemäßen Markierungen der Wach- und der Schlafzeit hinstellt, vergißt, daß viele Tiere stets bei Tage schlafen. Giseoius sagt ferner diesbezüglich: „Man hat nichts davon gehört, daß Nachtwächter besonders nervös find. Auch die Nordlandbewohner mit ihrem unregelmäßigen Schlaf find es nicht."
Sochschulnachrichten.
Der Ordinarius in der Rechtwissenschaftlichen Fakultät der Universität Heidelberg, Dr. Wilh. Groh, der seit 1937 im Reichserziehungsrninfiterium tätig ist, wurde als o. Professor an die Universität Berlin berufen. — In diesen Tagen starb kurz nach Vollendung seines 66. Lebensjahres der im Vorjahre emeritierte Ordinarius der Physik an der Wirts cha ftsh o ch schule Berlin, Dr. Friedrich-Fran? Martens.
Zeitschriften.
— Die Jllustrirte Zeitung, Leipzig, geht mit ihrer neuesten Ausgabe von 21 September 1939 von der Stägigen zur 14tägigen Erscheinungsweise über. Die uns vorliegende Nummer steht ganz im Zeichen des unaufhalfiamen deutschen Vormarsches in Polen, sowie der Entwicklung der Weltpolitik. Ein vierfarbiges Kunstblatt von Rudolf Lipus zeigt deutsche Tankabwehr im Manöver. Aus dem kulturellen Teil des Heftes erwähnen wir die Würdigung der großen Deutschen Kunstausstellung 1939 in München an Hand von 15 besonders charakteristischen Motiven.


