Panama-Skandal
Panama-Kanal
Neues für den Büchertisch
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werden wechseln. Heute ist es Panama: morgen werden sie Hanau heißen, Oustric, Stavisty.
eine wirklich umfassende Darstellung des riesigen Stoffes bis heute noch immer fehlt: um so größer ist allerdings die Zahl vorzüglicher Einzeldarstellungen, und es ist ein entschiedenes Verdienst des kleinen Buches, daß dieses Schrifttum im Anhang, wohlgeordnet nach Gattungen und Zeitaltern, dem Leser übersichtlich dargeboten wird. Ein genau gearbeitetes Verzeichnis der wichtigsten Künstler und Werke nimmt, zusammen mit dem Namenverzeichnis, Bezug auf den sorgfältig aufgegliederten Text und gibt dem Leser willkommene Hilfen. Selbstverständlich will und kann die „Kleine Kunstgeschichte" weder Burckhardt noch Gregorovius noch Wölfflin noch irgendeiner der wichtigen Spezialdarstellungen Konkurrenz machen oder gar eine von diesen entbehrlich machen: sie wird, im Gegenteil, dem, der sie richtig zu lesen und zu behandeln weiß, gerade den Weg zu jenen weisen und erleichtern, die Grundlagen und allgemeinen Voraussetzungen schaffen und jedenfalls dem deutschen Jtalienreisenden überall ein zuverlässiger Begleiter und Ratgeber sein; handliches Format, geschmackvoll-gediegene Ausstattung und eine aparte Bildauswahl tragen das ihre dazu bei. HansThynot.
Oie Durchstechung der Landenge vor 25 Zähren.
Von Walther Schwerdtseger
Fünfundzwanzig Jahre sind es her, daß einer der großen Menschheitsträume Wirklichkeit wurde, der Durch st ich der Landenge von Panama. Spricht man jedoch heute von Panama, denkt man kaum an die gigantische Tat, um derentwillen es dem alten Goethe der Mühe wert schien, „noch einige fünfzig Jahre auszuhalten". Panama: diese drei Silben einer verschollenen indianischen Sprache sind ein Begriff für die ganze Welt geworden. Größe und Erniedrigung eines bedeutenden Mannes liegt darin, das Elend von Millionen kleiner Sparer — der „pauvres epiciers de France“ — und der ganze Sumpf demokratisch-parlamentarischer Korruptionswirtschast.
. „Sie haben durch Ihre Tat die Schöpfung Gottes verbessert." Mit diesen begeisterten Worten hatte Renan den Erbauer des Suezkanals, Ferdinand von L e s f e p s , unter den vierzig „Unsterblichen" der Akademie ausgenommen. Lesseps war kein Ingenieur: er war Diplomat. Und dennoch hat man zu Recht sein Bronzestandbild in die Hafeneinfahrt von Port Said gesetzt, denn die Erbauung des Suezkanals war mehr die Tat eines eisernen Willens und eines begeisterten Herzens als die eines rechnenden Hirns. Er war fünfundsiebzig, als er daran ging, die Unvollkommenheiten der Schöpfung noch einmal zu korrigieren, indem er den Panama- tanal schuf.
Was zu Zeiten des Hernando Cortez noch kühne Phantasterei war, mußte der neuzeitlichen Technik ohne große Schwierigkeiten gelingen. Hingen doch an dieser Stelle Nord- und Südamerika nur durch eine kaum fünfzig Kilometer breite Brücke zusammen. Die wolkendurchbohrenden Felsketten der Kordilleren senkten sich hier zu verstreuten Hügeln, kaum höher als die Türme von Notre Dame. Zugleich bot sich hier die Möglichkeit, Frankreichs gesunkenes Ansehen in der Welt durch eine große Tat zu heben, „die Welt in Erstaunen zu setzen durch große Dinge, die keine Kriege sind!"
Die französischen Sparer gaben hunderte von Millionen für die 1879 in Paris gegründete Panama-Gesellschaft. Neun bis zehn Prozent Dividende versprachen die lockenden Zeichnungsprospekte. Man sah nicht die Schwierigkeiten, die der vulkanische Boden und die Fiebersümpfe von Panama den Arbeiten entgegensetzten. Man überlegte nicht, daß die Bedeutung des Kanals für den Handelsverkehr wesentlich geringer sein mußte, als die des Suezkanals. Ist doch der Schiffsweg von Neuyokk über das Mittelmeer nach Yokohama nicht weiter als über Panama! Die sprichwörtliche Lässigkeit der Franzosen in geographischen Dingen wurde ihnen zum Verhängnis.
Fünfhunderttausend Franzosen träumten nachts von Panama. Die ferne tropische Landenge, einst Eldorado der spanischen Eroberer, wurde das Goldland ihrer Rentnerwünsche. Es war unfaßbar, eine Katastrophe, als sie im Dezember 1888 mit ihren Zinsscheinen, die man nicht mehr einlöste, vor den Bankschaltern standen. Jahrelang hatten die Zeitungen voll Begeisterung von den Fortschritten des Baus berichtet, hatten führende Staatsmänner sich mit ihrem Namen für das große Werk eingesetzt. Jetzt barst das Riesengebäude auseinander, und eine Flut von Korruptionsprozessen, Verleumdungen und Beleidigungsklagen brach hervor. Die Büchse der Pandora war geöffnet.
Panama ist ein indianisches Wort und bedeutet: fischreicher Ort. Nun zeigte es sich, daß sie hier alle b^i dem anderthalb Milliarden-Fischzug mitgemacht hatten: Bankleute und Journalisten, Parlamentarier und Minister. Hundertundfünszig Abgeordnete mußten sich wegen Annahme von Bestechungsgeldern vor einem Untersuchungsausschuß verantworten. Das ganze Kabinett verschwand in der Versenkung. Allerdings, nach einigen Jahren, als man Panama über die Dreyfus-Affäre vergessen hatte, tauchten dieselben Politiker wieder auf. Sie hatten ihre Westen mit dem Fleckwasser der Zeit notdürftig gereinigt und wurden wieder Abgeordnete, Minister, Senatoren und Ritter der Ehrenlegion.
Drüben aus der Landenge wächst der Urwald wieder über den großen Graben, der halb vollendet ist, zusammen. Sonne und regenschwere Passate, Schlingpflanzen und Termiten beginnen ihr Zerstörungswerk. Erst fünfzehn Jähre später nähmen die Vereinigten Staaten — wie es Goethe schon in politischer Voraussicht geahnt hatte— die Arbeiten wieder auf.
Sie begannen im November 1903 mit einem Jntrigenstück, aus welchem die Republik Panama heroorging — de facto nur ein Dominium der USA. und des amerikanischen Bananentrusts. Zehn Jahre noch dauerten die Arbeiten. Mit einem echt amerikanischen Theatercoup wurde die letzte Etappe eingeleitet. Man legte 4000 Kilometer Leitungen bis nach Washington in das Arbeitszimmer des Staatspräsidenten, durch einen Fingerdruck löste dort Wilson tausend Sprengladungen aus. Einen Sekundenbruchteil später stürzte der Gamboadamm zusammen. Als der vulkanische Regen von Staub und Felstrümmern sich gesenkt hatte, flössen die Wasser des Stillen und Atlantischen Ozeans ineinander.
Im August 1914 waren die Bagger- und Abstützungsarbeiten weit gediehen, daß der Kanal der Öffentlichkeit übergeben werden konnte. Aber das Sensationsftück, das man jenseits des Ozeans vor Sternenbanner-Kulissen aufführte, fand in Europa kein Publikum. Die schwungvollen Festansprachen versanken im Donner der Geschütze.
men. Die beiden Autoren waren sich, wie Einleitung dargelegt wird, der Kühnheit und der Schwierigkeiten eines solchen Planes wohl bewußt: den kaum übersehbar vielschichtigen und vielgestaltigen Stoff in so handlicher Verkürzung darzubieten, daß ein brauchbares ,Lese-, Lern- und Nachschlagebüchlein" entstand, welches den deutschen Jtalien- fahrer neben dem Baedeker auf der Reise begleiten, einen ersten Ueberblick geben und ihm die Möglichkeit gewähren soll, innerhalb der hier gewiesenen, großen Grundlinien der Entwicklung das Einzelne und Besondere einzuordnen und ihm eine Würdigung zuteil werden zu lassen, die,^ unter Verzicht auf die Liebhabereien und Vorlieben früherer Generationen und Zeitalter, jeder Epoche und jedem Stil nach Möglichkeit und bestem kunstgeschichtllchen Wissen und Gewissen gerecht wird. Daß damit 'schärfste Begrenzung und eine immerhin auch persönlich bestimmte Auslese notwendig wurde, wird niemandem klarer sein als den Verfassern, deren Arbeit so wohl aufeinander abgestimmt ist, daß der Leser kaum einer Fuge oder eines Bruches im Bau des Ganzen gewahr werden wird. Das Unternehmen einer italienischen Kunstgeschichte an sich bedarf natürlich heute weniger denn je zuvor der inneren Begründung oder Rechtfertigung, zumal, worauf die Autoren mit gutem Grunde Hinweisen,
— Karl Neurath: Einsame Frauen. Roman einer Zeit. 341 Seiten. In Leinen 4,80 RM., brosch. 3,20 RM. Bernhard Sporn Verlag, Zeulenroda. — (209) — Karl Neurath, heute Hauptschrift- leiter und Kulturpolitiker in Kassel, ist unseren Lesern nicht unbekannt: er hat vor längerer Zeit das Feuilleton des Gießener Anzeigers betreut, sein Bauernkriegs-Drama „Der Bundschuh" wurde vor Jahren im Stadttheater aufgeführt: außer kleineren Beiträgen unterhaltender Art werden manchem auch die früher erschienenen Romane „Das Domgut" und „Der Preußenkaplan" geläufig sein. Der Stoff zu Neuraths jüngstem Buche geht wohl im Keim auf die Zeit seiner Tätigkeit bei der Weser-Zeitung zurück: es ist ein Bremer Kaufmanns- und Gesellschaftsroman, der in den schlimmen und wirren Jahren nach dem Kriege spielt. Oswald Holsten, nach sechsjähriger Gefangenschaft in die Heimat zurück- gekehrt, findet die Vaterstadt verwandelt, den alten Hanseatengeist vergessen oder verachtet, das alte Bürgertum in gefährlicher Auflösung begriffen und selbst die eigene Frau im Innern entfremdet. Der Heimkehrer begreift, daß er noch einmal anfangen muß, sich sein Leben aufzubauen, sich in die drohend verwandelte Welt zu finden und an eine neue Zukunft zu glauben: für sich selbst, für die Vaterstadt und das ganze Land. Er verliert seine Frau, aber er setzt sich durch, hat den festen Willen und den guten Glauben an das Gnadengeschenk ehrlicher Arbeit; und er findet auch endlich die Frau, die zu ihm paßt, die ihn versteht, sich an ihm wandelt und Hand in Hand mit ihm die Zukunft bestehen wird, die sich gegen Ende glückverheißend auftut mit einer Schilderung der ersten Ausreise der „Bremen", die den alten Hanseatengeist und den deutschen Namen in der Welt wieder zu Ehren bringen wird. — Neuraths flüssige, offenbar aus persönlichen Erlebnissen gespeiste Erzählergabe, seine treffsichere Schilderung eines ausgeprägt norddeutschen Menschentypus, sein gesunder Optimismus llnd fein für seelische Konflikte und wirtschaftliche Probleme gleichermaßen aufgeschlossener Sinn geben dem Buch seine Eigenart und eine über das bloß Unterhaltsame hinausgehende Anziehungskraft. Hans Thyriot.
— Eckart Peterich und Wolfgang Braunfels: Kleine italienische Kunstgeschichte. (Frankfurter Bücher / Idee und Geschichte IV.) 143 Seiten. Sozietäts-Verlag, Frankfurt a. M. — (210) — Eine Geschichte der italienischen Kunst auf 140 kleinen Seiten unterzubringen, ist ohne Zweifel ein bemerkenswertes Unterneh-
Einer nur, der Minister für öffentliche Arbeiten, blieb auf der Strecke. Eiffe 1, der berühmte Turmbauer der Pariser Weltausstellung, mußte einen Teil der 19 Millionen herausg-eben, die er als Honorarvorschuß für ungebaute Schleusen ein= gesteckt hatte. Der Finanzberater der Panama-Gesellschaft, der jüdische Baron Rein ach, zog es vor, an fienkblaq zu sterben. Andere flüchteten zur gro-, ßen Erleichterung hochstehender Persönlichkeiten nach England und wurden nie behelligt.
Ein Platz auf der Anklagebank blieb leer. Den Dicomte de Lesseps hatte das Gericht von der Teilnahme an den Verhandlungen befreit. Er war völlig gebrochen, ein Mann von achtundachtzig Jahren der bereits lange Perioden des Schwachsinns hatte. In Wirklichkeit faß auf diesem leeren Platz die Dritte Republik. „Ich habe die politischen Sitten der Demokratie meiner Zeit nicht erfunden; was blieb mir übrig, als mich ihnen anzupassen?" hatte Lesseps offen erklärt. Die bittere Wahrheit, die in diesem Zynismus steckt, hatten die „pauvres epiciers de Franc“ mit ihren Spargroschen bezahlen müssen. Das ist es. Es ist das System, das auf die Anklagebank gehört. Aus diesem Sumpfboden werden immer neue Skandale und Korruptionsaffären auftauchen, nur Namen und Akteure
— Georg Kolbe: Bildwerke. Dom ftünffc ler ausgewählt. 56 Seiten. Gebunden 80 Rpf. Im Insel-Verlag zu Leipzig. — (204) — Die schone und wohlfeile Reihe der Bilderbandchen m der Insel- Bücherei, von denen wir hier bereits eine ganzs Anzahl besprochen haben, wird durch den vor- liegenden, Nr. 422, um eine der bedeutendsten und repräsentativsten Erscheinungen zeitgenössischer beut- scher Kunst bereichert: wenn man etwa m den Figuren Arno Brekers und Josef Thoraks den monumentalen und heroischen Ausdruck unserer gegenwärtigen Kunstgesinnung erblicken kann, so wird man in Georg Kolbes Gestalten vielleicht den deutschen Jdealtypus einer edlen menschlichen Kor. perlichkeit erblicken. Der Umstand, daß die 43 Bildtafeln dieses Bandes vom Künstler selbst ausgewählt sind, geben der Folge etwas Persönlich- Dokumentarisches, der jeder andern Auswahl und Zusammenstellung von fremder .Hand notwendig fehlen müßte; da die Reihe der abgebildeten Figuren überdies chronologisch vom Jahre 1902 bis zum Jahre 1938 reicht, spiegelt sich in ihr naturgemäß auch eine lange künstlerische Entwicklung von der Werdezeit bis zur Höhe und Reife einer absoluten und fraglosen Meisterschaft; man mag das an Einzelheiten wie der Oberflächenbehandlung — von der Marmorglätte des frühen Frauenbild- niffes bis zur kraftvoll-körnigen, gleichsam durch- bluteten Körperlichkeit der späteren, bronzenen Gestalten und Köpfe — verfolgen. Die lebensgroße Tänzerin aus der Berliner Nationalgalerie üont Jahre 1912, die vor mehr als einem Dierteljahr- hundert Kolbes Ruhm weithin verkündete, ist noch immer eine der bezauberndsten Figuren in der langen Reihe und scheint Überdies ein bis heute gültig gebliebenes Wesensmerkmal aller Kolbeschen Plastik unübertrefflich auszuprägen: jenes stille, gefaßte Maß, das aus dem Griechischen übernommen sein muß, die gesammelte Ruhe noch in der schwingenden Bewegung, den beseelten und vergeistigten Ausdruck einer vollkommen natürlich gebildeten, nirgends stilisierten Leiblichkeit. Kolbe umgreift und formt seine Figuren und seine Kopfplastiken mit unbestechlichem Auge und feinfühlig nachbildender Hand, die keine fälschende Idealisierung gestatten, sondern im unverhüllten und schwei. genden Körperlichen, in Gesichtsausdruck, Bewegung und Haltung die elementarste .Spiegelung eines namenlosen 'Menschenwesens oder einer berühmten Persönlichkeit sinnfällig werden lassen. Das gilt füc jene Tänzerin, Inbegriff jugendlich-weiblicher An- mut, ebenso wie etwa für den Kopf des Malers Sleoogt oder das Selbstporträt des Künstlers (1934), für das Männerpaar vom Kriegerehrenmal Stral. sund und die „Große Sitzende" nicht minder als für den weiblichen Genius vom Beethoven-Denkmal, an dem Kolbe seit zehn Jahren arbeitet, und das für die Stadt Frankfurt am Main bestimmt ist. — Ein Nachwort von Richard Graul gibt auf gedrängtem Raume eine knappe Würdigung von Kolbes bildhauerischer Entwicklung und (Eigenart an Hand der von ihm getroffenen Auswahl aus dem Gesamtwerk. Hans Thyriot.
Kunst und Wissenschaft.
Deutsche Expedition erforscht die peruanischen Hochkordilleren.
Die vom Deutschen Alpenverein zur Erforschung der p-eruanischen Hoch-Kordilleren entsandte sechs- köpsige Expedition unter Leitung des Innsbrucker Geographen Professor Kinzl hat den Hauptteil ihrer Aufgabe erfüllt. Das Unternehmen setzte die 1922 von der Expedition Borchers begonnene Erforschung und Kartographierung des Gebietes der sogenannten Cordillera Bianca fort Borchers' Karte wurde nach Süden weitergeführt. Die Größe des neuerschlossenen Gebietes beträgt mehr als 4000 Quadratkilometer. Sieben Sechs- taufender wurden zum ersten Mal bestiegen, darunter der Huascaran Pico Norte mit 6655 m Höhe. Außer der Kartenaufnahme wurden gletfcherkund- liche Forschungen angestellt und 2000 m Schmalfilm erstmals auf Höhen bis zu 6000 Meter gedreht. Bei den Forschungen stieß man auf Spuren prä. inkaischer Siedlungen. Die Expedition begibt sich nun zur Erforschung weiterer Gebiete in den peruanischen Hoch-Anden in die Nähe von Huancayo.
AUSSTELLUNG
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Gießen (Seltersweg 62), Großen-Linden, Ober-Ohmen, 21. August 1939
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