Ausgabe 
22.8.1939
 
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nen Postämtern und in verschiedener Eigenschaft be­stand er im Jahre 1911 die Derwaltungsprüfung und war dann über einen größeren Zeitraum (bis 1935) Vorsteher des Postamtes in W e i l b u r g. Im Jahre 1935 wurde er zum Amtmann befördert und in die Personalabteilung der Hauptpost in Frankfurt a. M. berufen. Nunmehr wurde Postamtmann Lotz zum Leiter des Postamts Gießen bestimmt.

lieber seine berufliche Tätigkeit hinaus stellte sich Postamtmann Lotz jederzeit freudig in den Dienst der öffentlichen Arbeit. Er war in Weilburg Bei­geordneter und außerdem Kreistagsabgeordneter im Oberlahnkreis. Ferner stellte er seine Arbeitskraft dem Verwaltungsrat des Lahntal-Städtebundes zur Verfügung. Wie wir hören, sieht sich Postamtmann L o tz in Gießen vor einer Reihe größerer Ausgaben.

Reiseschristleiter besuchen Gießen.

Gegenwärtig macht eine Gruppe von 30 Reise­schriftleitern aus allen Teilen Deutschlands eine Studienfahrt durch das Rhein-Main-Gebiet, um sich mit den Schönheiten und der Eigenart der hiesigen Landschaft bekanntzumachen. Die Fahrt begann in Frankfurt a. M.. in ihrem weiteren Verlauf werden Bad Homburg, Darmstadt, Lindenfels, Worms, Mainz, Bad Schwalbach, Bad Ems, die Loreley, Aßmannshaufen und Wiesbaden besucht werden. Von Wiesbaden aus setzt die Reisegruppe am kom­menden Samstagoormittag ihre Fahrt durch die Kurorte des Taunus fort nach Gießen, wo sie um die Mittagsstunde eintreffen wird. Hier wird auf Einladung der Stadt Gießen das Mittagessen eingenommen. Anschließend wird ein Rundgang durch Gießen die Gäste mit den Sehenswürdigkeiten unserer Stadt bekanntmachen. Im Verlaufe des Nachmittags erfolgt die Weiterfahrt durch den Hüttenberg nach Bad-Nauheim, wo die Fahrtteil- nehmer am Samstagabend und am Sonntag zu Gast sein werden.

Lehrer des Gymnasiums bei der Erntehilfe.

Am Samstag ließen es sich auch mehrere Lehrer des hiesigen Landaraf-Ludwigs^Gymnasiums nicht nehmen, während des freien Nachmittags bei der Ernte zu helfen. Teils mit dem fahrplanmäßigen Omnibus, teils auf Rädern was bei der glühen­den Sonne dieses Tages schon vor der Arbeit Schweiß hervorpreßte begaben sich sechs Mann derBelegschaft" unter Führung des Oberstudien­direktors Pg. W o l k e w i tz nach dem benachbarten Grün in gen, das fünf Helfer angefordert hatte. Dort wurden sie vom Ortsbauernführer dem Erb- Hofbauer Fay zugewiesen, und mit Eifer ging man an die, wenn nicht neue, so doch ungewohnte Arbeit. Fröhlich fuhren die einen hinaus aufs Feld, um dort aufzugabeln. Und man ließ sich auch durch einen leichten Regen nicht aus der frohen Laune bringen. Wie auf einem Schulbilde fehlte bei die­sem Erntebild auch nicht die dunkle Wolkenwand eines Gewitters fern am Horizont: Wagen auf Wagen schwankte hochbeladen nach Hause, wo der andere Teil derBelegschaft" in der Scheune ab« lud. Hier entstand ein fröhlicher Wettstreit zwischen oben" undunten";unten" versuchteoben" mürbe zu machen: immer schneller riß das lausende Band des Elevators die Garben in die Höhe, daß der letzte Mann, hoch oben in schwindelnder Hohe, kaum rechtzeitig abnehmen konnte. Schnell verging der Nachmittag. Am späten Abend fuhr man nach einem kräftigen Abendessen müde und mit einigen Blasen an den Händen, aber stolz auf die geleistete Arbeit, nach Gießen zurück. L.

Gießener Dochenmarktpreise.

* Gießen, 22. Aug. Auf dem heutigen Wochen­markt kosteten: Markenbutter, XA kg 1,60 RM., Matte 25 bis 50 Rpf., Käse, das Stück 4 bis 10, Wirsing, kg 6 bis 7, Weißkraut 5 bis 6, Rotkraut 7 dis 8, gelbe Rüben 7 bis 8, rote Rüben 9 bis 10, Spinat 20 bis 25, Römischkahl 8 bis 9, Bohnen, grün 13 bis 23, gelb 13 bis 23, Erbsen 15 bis 20, deut che Tomaten 20 bis 26, Zwiebeln 5 bis 13, Rha­barber 8 bis 10, Pilze 35 bis 40, Kartoffeln, neue, % kg 5 Rpf., 5 kg 50 Rpf., 50 kg 4 bis 4,50 RM., Frühäpfel, % kg 15 bis 35 Rpf., Falläpfel 6 bis 8, Pfirsiche 32 bis 35, Brombeeren 35 bis 40, Preisel­beeren 38 bis 40, Birnen 15 bis 35, Johannisbeeren 15, Pflaumen 15 bis 25, Zwetfchen 15 bis 25, Mira- dellen 25 bis 35, Renekloden 20 bis 25, Blumenkohl, das Stück 10 bis 35, Salat 5 bis 8, Salatgurken 10 bis 30, Einmachgurken 1 bis 5, Endivien 8 bis 15, Oberkohlrabi 5 bis 8, Rettich 5 bis 10, Radieschen, das Bündel 8 bis 10 Rpf.

Reichsparteitag des Friedens

Mehrfach konnten mir in letzter Zeit berichten, in welcher Form und mit welchem Material der Landkreis Gießen, die Stadt Gießen bzw. Ober- Hessen bei der großen AusstellungWille und Tat" in Wiesbaden in Erscheinung treten. Die Beteiligung Oberhessens an dieser Ausstellung erfährt nun, wie wir Horen, eine Bereicherung von nicht alltäglicher Art und gleichzeitig von hoher Bedeutung für das Verständnis um das Wesen, insbesondere aber der Besiedlungsgeschichte unserer

nahmen.

Die verschiedenen Kulturen und Völker der letzten Zeit werden durch ihre wichtigsten Waffen, Geräte und Gefäße gekennzeichnet, wobei die bewunderns­werte Technik der verschiedenen Gefäßtypen und Tongefäße mit ihren reichen Verzierungen in Er­staunen setzen und an Hand guter Nachbildungen von Schwertern und Dolchen die Waffenfreudigkeit der germanischen Eroberer bewußt werden lassen.

Es verdient in diesem Zusammenhang besondere Erwähnung, daß die Karten in großen Formaten und in bewundernswert schöner zeichnerischer Durch­arbeitung mit Tusche, mit Blei- und Farbstiften an­gelegt sind und über die wissenschaftliche Arbeit hinaus eine beachtenswerte technische Leistung dar­stellen.

Es ist zu erwarten, daß diese besiedlungsaeschicht- liche Sonderschau, die nicht nur in Oberhessen, son­dern in ganz Westdeutschland besonderem Interesse begegnen wird, ihrem Schöpfer, Direktor Dr. Krüger, und damit auch unserer Stadt Gießen zu einem Ehrentitel werden wird.

Gießen-Klein-Linden.

Am Samstag, 19. August, konnte der Eisenbahn­dreher Friedrich Jung, in der Hegstraße wohn­haft, fein 25jähriges Dienstjubiläum bei der Reichs­bahn begehen. Die Arbeitskameraden versammelten sich aus diesem Anlaß am Samstagvormittag im Speisesaal des Bahnbetriebswerks, um den Jubi­lar zu ehren. Reichsbahninspektor Rau übermit­telte dem Jubilar die Glückwünsche der Reichsbahn-

Oberhessen von der Eiszeit bis in das Mtelalter

Interessanter Bestandteil der Ausstellung »Wille und Tat".

auch für die Marscheinheit des Adolf-Hitler-Marsches bei dem Vorbeimarsch an dem Führer. 3un\~uj°au des Lagers ist schon ein Vorkommando des Gebietes Hessen-Nassau in Nürnberg.

500 Privatquartiere für Frauen aus unserem Gau.

NSG. In diesem Jahre nehmen 500 Frauen aus dem Gau Hessen-Nassau an dem Reichsparteitag m Nürnberg teil. Das Vorkommando der Gaufrauen­schaftsleitung hat bereits ein Standquartier in der Stadt der Reichsparteitage bezogen. Das Standquar­tier befindet sich in einem Heim der Nürnberger NS.- Frauenschaft. Da alle Teilnehmerinnen aus dem Gau Hessen-Nassau in Privatquartieren untergebracht werden, bedarf es ziemlich umfangreicher Vorarbei­ten. Zur Teilnahme am Reichsparteitag zugelassen werden nur solche Frauen, die schon feit längerer Zeit aktiv in der Frauenarbeit stehen. Für sie wird Nürn­berg eine neue Kraftquelle fein.

Oie hessen-nassauische HI. auf dem Reichsparteitag.

NSG. Zum Reichsparteitag fährt das Gebiet Hes­sen-Nassau mit 1054 Hitler jung e n unter denen sich auch die beste DJ.- und die beste HI.- Mannschaft des Reichssportwettkampfes befindet. Außerdem nimmt die beste Mannschaft des Gebietes Hessen-Nassau im Wehrsportfünfkampf an den. Wett­kämpfen des Reichsparteitages teil. Die Mannschaften fahren nicht mit dem Sonderzug, sondern müssen chon am 3.September in Nürnberg sein. Em Fan­farenzug in Stärke von 61 Jungen wird an der HJ - Kundgebung mitwirken. Der Sonderzug des Gebietes Hessen-Nassau fährt am 8. September von Frankfurt am Main-Süd nach Nürnberg-Märzfeld. Der Rück­transport erfolgt am 10. September.

Die Uniformierung der HI. hat eine kleine Ver­änderung erfahren. Alle Teilnehmer werden zu der Kundgebung weiße Strümpfe tragen. Dasselbe gilt

zum Abschluß der jüngeren Steinzeit von den Thü­ringerSchnurkeramikern" verdrängt wurden, wo­bei das entstand, was man gemeinhin die Jndo- germanifierung zu nennen pflegt.

Noch in der Bronzezeit ist unser heimischer west­deutscher Raum Kampfgebiet verschiedener Kulturen und Volkselemente gewesen. So stieß während der jüngeren Bronzezeit noch einmal ein ackerbautrei­bendes Volk der Urnenfelderkultur-aus dem Donau­raum nach Süd- und Mitteldeutschland vor und besiedelte intensiv einen Raum, den wir während der frühen Eisenzeit als keltisch besiedelt wieder­erkennen. Seit der Hügelgräber-Bronzezeit, spätestens seit 1500 vor unserer Zeitrechnung, drangen die Germanen in verschiedenen Etappen am Nieder­rhein einerseits und durch Oberhessen anderseits gegen Süddeutschland vor. Die letzten Vorstoße treten dem Kundigen schon aus der römischen Heber« lieserung entgegen, da die von den Sueben be­drängten Kelten am Oberrhein CäsKr um Hilfe riefen. Römische Weltmacht setzte mit Hilfe zahl­reicher Legionen und mit mächtigen Befestigungs­werken (Limes) dem germanischen Artsturm über drei Jahrhunderte Widerstand entgegen, bis die in ihrer Volkskraft erstarkten Germanen den Limes kraftvoll überwanden und das schon einmal ger­manisch besiedelte Rheinland endgültig in Besitz

Heimat.

Der Direktor des Oberhessischen Museums tn Gie­ßen, Dr. Krüger, ist mit seinen Mitarbeitern seit etwa 1 ^Jahren damit beschäftigt, neben der Arbeit, die ihm als Leiter des Museums obliegt, die Besiedlungsgeschichte Oberhessens an Hand von selbstgezeichneten Plänen, mit Bildern, mit bilbungen und mit Originalfunden so anschaulich darzustellen, daß jeder Beschauer daraus Gewinn haben kann und tief einzudringen vermag in eine historische Entwicklung, die uns heute vom völki­schen Gesichtspunkt her besonders interessieren muß. Wir besuchten den Direktor des Museums und fan­den ihn in feinem Arbeitsraum über einen der Pläne gebeugt, an die jetzt letzte Hand angelegt wird, und die, etwa 30 an der Zahl, bei der Aus­stellungWille und Tat" in einem einzigen großen Raum vereinigt werden. Diese Schau, die hier ent­steht, wird dann eine organische Fortsetzung in den Ausstellungen der einzelnen oderhessischen Kreise finden. Die historische Schau wird veranstaltet vom Oberhessischen Museum der Stadt G i e ß e n und für die Ausstellung wirtschaftlich ge­tragen von den ßanöratsämtern d e^ o b e r h e s f isch e n Kr e i f e von der Stadt Gießen.

Bei aller erstrebten Anschaulichkeit, auch für den Laien, stellt die Arbeit ein außerordentlich exaktes wissenschaftliches Werk dar. Die Karten und Zeich­nungen entstanden zum großen Teil aus eigenen Studien des Leiters des Hberhessischen Museums; sie wurden bisher noch nirgends veröffentlicht und noch nicht gezeigt. Der Beginn der gesamten Arbeit liegt thematisch bei den eiszeitlichen Kulturen, wie sie von Professor Dr. Richter am Totenberg bei Treis (Lumda) festgestellt und ausgedeutet worden sind; das Ende liegt im frühen Mittelalter, etwa um die Zeit 500 nach unserer Zeitrechnung. Die be­deutsame Schau, die in Deutschland in dieser Form bisher einmalig ist, gibt nicht nur einen lückenlosen besiedlungsgeschichtlichen Heberblick, sondern zeigt eindeutig das rassische und blutmäßige Herkommen der oberhessischen Bevölkerung auf.

Nachstehend sei im einzelnen dargelegt, wie sich die Besiedlungsgeschichte Oberhessens und damit auch des weiteren Heimatgebietes in den Karten darstellt: An Hand der Darstellungen, derspre­chenden Karten", ist zu sehen, wie Westdeutschland von verschiedenen Besiedlungsströmen der ostischen Bandkeramiker", der westischen Michelsberger Pfahlbausiedler und der aus Spanien und Sud- --------------- . , . - ...

frankreich stammendenGlockenbecher"-Kulturen Verwaltung und überreichte ihm ein Gluckwunsch- befieöelt und in Besitz genommen wurde, die dann schreiben und ein Treugeldgeschenk der Reichsbahn, aber durch das nordische Blut in verschiedenen Wel- Er würdigte die Verdienste des Jubilars und teilte len, zuerst durch die Röfsener Kulturen und später noch mit, daß ihm das Treudienstehrenzeichen bei

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ThemaDienstauffassung rwehr". Der Vortragende

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einen Vortrag über das , in der Freiwilligen Feuerwehr gab einen umfassenden Heberblick über die Pflichten und Rechte der Angehörigen der Feuerwehren, über die Bedeutung ihrer eidlichen Verpflichtung als An» gehörige der Feuerpolizei und auch über die Ver­pflichtungen, die sie durch die Eingliederung der Klein-Lindener Freiwilligen Feuerwehr in die Tie. ßener Wehr übernommen haben. U. a. teilte er auch mit, daß von der Freiwilligen Feuerwehr Klein-Linden eine Gruppe für den Sonntagsdienst

einer besonderen Angelegenheit später noch über- reicht würde. Die Gefolgschaft ehrte ihren Arbeits. kameraden durch ein schönes Geschenk. Der Jubilar dankte gerührt für die vielen Ehrungen. Von pri­vater Seite wurden dem allseits beliebten Manns ebenfalls viele Glückwünsche übermittelt.

Das neue Gauhaus.

Der Gauleiter bei dem Richtfest.

NSG. Am Samstag fand in der Gauhauptstadt Frankfurt am Main das Richtfest für das neue Gauhaus der NSDAP, statt, das, iut Herzen der Stadt am Horst-Weffel-Platz gelegen, am 1. Oktober eröffnet wird. Zu dem Richtfest waren Gauleiter Reichsstatthalter Sprenger, owie der Stellvertretende Gauleiter Linder mit ast sämtlichen Amtsleitern erschienen, die mit den etwa 500 an dem Umbau beschäftigten Männern einige kameradschaftliche Stunden verlebten.

Nach Begrüßungsworten des Architekten, Prof. Dr. Liefer, und dem Richtspruch, Der von einem Gefolgschaftsangehörigen gesprochen wurde, ergriff der Gauleiter das Wort, um den Arbeitskame- raden für ihre Leistung und ihren Einsatz zu danken. Er betonte dabei, daß jeder seine Pflicht bis zum Aeußersten getan fjabe, um den Umbau des neuen Dienstgebäudes in dieser kurzen Frist durchzuführen. Jeder könne stolz sein, daß er an diesem Bau habe mitschaffen dürfen, dem der Führer erneut feinen Namen verliehen habe. Wenn die Partei im Tau Hessen-Nassau auch heute ein neues Dienstgebäude einrichte, so stehe doch bereits fest, daß die Gau- Hauptstadt Frankfurt am Main einst Parteibauten beherbergen werde, die der Baugesinnung unseres nationalsozialistischen Jahrtausends entsprechen und den Stempel Adolf Hitlers tragen werden.

Nachdem noch Generaldirektor Arndt für dis am Bau befindlichen Firmen gesprochen hatte, nahm das Richtfest bei Musik und einem bunten Pro- gramm als Abschluß vieler Wochen voll harter Ar. beit einen fröhlichen Verlauf.

bereitzustellen sei, die bei Bränden eventuell, zur Hilfeleistung bereit fein müsse. Lebhafter Beifall der Kameraden und Dankesworte von Brandmeister Lenz bekundeten dem Vortragenden das dankbare Interesse der Kameraden. Im Anschluß an den dienstlichen Appell blieben die Kameraden noch einige Stunden beisammen.

Der hiesige Kindergarten beging am Sonn- tag sein Sommerfest. Mit Blumen geschmückt zogen die Kleinen in den Hof des Kindergartens ein, wo sie durch Kinderspiele, Lieder und Gedichte die Eltern und die übrigen Besucher erfreuten. Der Vorsitzende des Kindergartens sprach der Schwester und ihren Helfern Dank für die bisherige Arbeit aus und schilderte anschließend die großen Auf­gaben der Kinderschwester bet der Erziehung der Kleinen. Mit der Verteilung von Brezeln an die Kinder fand die Veranstaltung ihren Abschluß.

Am Samstagabend fand ein Dienstappell der Freiwilligen Feuerwehr Klein-Lin« Den in der GastwirtschaftZum deutschen Hof" statt. Noch der Eröffnung des Appells durch Brand­meister Lenz von der Freiwilligen Feuerwehr Giehen-Klein-Linden hielt Hauptbrandmeister Koch von der Freiwilligen Feuerwehr Gießen-Stadt

** Eine Achtzigjährige. Am heutigen Dienstag, 22. August, kann Frau Kath. Sperber, Crednerstraße 35 wohnhaft, ihren 80. Geburtstag begehen. Der Jubilarin, in deren Familie Der Gießener Anzeiger schon seit 50 Jahren bezogen wird, gilt auch unser herzlicher Glückwunsch zum Geburtstag.

**7 3 Jahre alt. Der Zugführer i.R. Kaspar Göbel, Ebelstraße 12 wohnhaft, begeht am mor­gigen Mittwoch, 23. August, seinen 73. Geburtstag. Dem alten Herrn, einem langjährigen Bezieher des Gießener Anzeigers, bringen auch mir unsere herz­lichen Glückwünsche dar.

Der Täter mitten unter uns

Roman von Kurt Riemann

Copyright by Verlag Dskar Meister, Werdau i. Sa.

12. Fortsetzung. (Nachdruck verboten!)

Man hatte gestaunt, ihm aber .natürlich feinen Willen gelassen. Daß er sich ein Liegesofa ins Dienstzimmer stellen ließ, verwunderte niemanden. Aber Klubsessel? Blumenständer?

Nein, da hatte man wohl Grund zum Kopffchüt- teln. So etwas findet man in Scotland-Hards weiten Räumen nur einmal.

Auch Allan Pembroke schüttelt den Kopf, als er hier eintritt, schüttelt ihn lächelnd und vorwurfs­voll, wie er es schon hundertmal getan hat.

Du lebst hier wie ein Fürst", lacht er und sieht sich um.Unj'ereiner hat ein möbliertes Zimmer, das ihm nicht gefällt und das er obendrein teuer bezahlen muß, du aber richtest dir's auf Kosten von Vater Staat häuslich ein. Ich muß schon sagen, das nötigt mir Bewunderung ab!"

Er reicht dem Freunde die Hand über den Tisch hin und läßt sich in den tiefen Sessel fallen, der gerade vor Dem Arbeitsplatz Linkertons steht.

Aber weich und bequem sitzt du doch, was?" knurrt er kampflustig hinter den Akten.Dann hat Der vielbeschriene Luxus für dich wenigstens nur Angenehmes. Moment mal, Allan, ich knoble hier graoe... steck dir inzwischen Rauchzeug an. Blau ist's ja doch schon."

Pembroke nickt stumm und zündet sich eine Zi­garre an. Zwischen ihm und Inspektor Linkerton sind keine Förmlichkeiten nötig. Er weiß, wie un­angenehm es ist, in irgendeiner Arbeit aufgestört zu werden. Drum raucht er still und vergnügt und läßt den Freund erst seinen Fall zu Ende durch­denken.

Sie kennen sich seit Jahren.

Aufseufzend legt Linkerton endlich den Federhal­ter beiseite.

So, das wäre geschasst, Immer dieselbe Schwei­

nerei. Da heben die Weiber ihre drei Schwur­finger hoch, lügen dem Gericht dann was vor, daß Die Decke herunterkommt, und ich habe die Schere­reien hinterher. Zwei Jahre für eine paar blöd­sinnige Redereien ... ich begreife nicht, wie ein Mensch so wenig Geschäftsinteresse an sich selber haben kann und auf solchen Kuhhandel eingeht!"

Er schiebt die Akten beiseite und reckt seine ge­waltigen Arme.

Na, und Du, Allan, du wirst auch von Tag zu Tag weniger. Kriegst du denn nichts Ordentliches zu essen?"

Der Witz ist uralt und das Opfer des Witzes denkt nicht Daran, auch nur die Spur eines Lächelns anzudeuten. Im Gegenteil. Er tupft feine Asche langsam ab und macht ein recht ernsthaftes Gesicht.

Ich muß mit dir mal reden, Linkerton", beginnt er,wenn mich nicht alles täuscht, steht mir eine eklige Arbeit bevor."

Schau, schau! Wird wieder spioniert bei euch?

Das auch. Aber deshalb bin ich nicht gekom­men. Nein, es handelt sich um Perkins."

Um Perkins? Sir John?" staunt Linkerton.

Ich denke, der ist lange begraben?"

Stimmt. Und tot war er auch. Aber ... ich kann mir nicht helfen ... mir will's noch immer nicht in den Kopf, daß er fo plötzlich gestorben isi!"

Linkerton kneift ein Auge zu.

Soll das etwa ... Mordverdacht heißen?" Vielleicht."

Hast Du irgendwelche Veranlassung zu solchem Verdacht?"

Ja... und nein!" entgegnet Pembroke zögernd.

Na, sag mal, kannst du dir denken, daß ein Kerl wie der Geheimrat sich so mir nichts dir nichts in den Abgrund stoßen läßt?"

Auch das ist sehr unwahrscheinlich. Und trotz­dem komme ich von diesem Verdacht nicht los. Willst du dir das bitte mal durchlesen?... Gestört werden können wir doch jetzt nicht?"

Linkerton hebt sich aus seinem Sessel und geht zur Tür.

Smith zwo'." brüllt er, und als fern am Ende des Korridors eine Stimme unverständlich ant­wortet, fährt er in gleicher Lautstärke fort:Ich bin nicht zu sprechen bis auf Widerruf. Tot. Ge­storben. Oder dienstlich in Kairo. Wie Sie wollen. Verstanden!"

Dann schließt er sorgfältig die Tür ab.

So. Nun zeig mal den Wisch her!"

Pembroke reicht ihm ein Papier, das er aus seiner Brieftasche hervorholt.

Eine Weile ist es ganz still, nur die Schreib­tischuhr tickt, während Linkerton liest, einmal, zwei- mal, mit zusammengezogenen Augenbrauen und aefurchter Stirn.

Dann läßt er das Blatt sinken und sieht den Freund an.

Keine Ahnung, was das bedeuten soll! Außer- dem ist Der Brief deutsch! Ich bin kein Spezialist für Fremdsprachen!" gesteht er ehrlich.Was hat denn das mit dem alten Perkins zu tun?"

Der Brief gehört einem Mann namens Doktor Hellmers."

Dem technischen Leiter eurer Werke?"

Jawohl. Ich habe ihn gefunden, als ich mich mal eine Weile in seinem Labor herumdrückte. Aus seinem Inhalt geht hervor, daß über diese Sache schon eine ziemlich ausgedehnte Korrespondenz ge­führt sein muß. Wie du bemerkt haben wirst, hoher Polizeifürst, ist hier allerlei, was auf den ersten Augenblick verblüffend wirkt. Erlaubst du, daß ich dir den Brief langsam und deutlich übersetze?!"

Bitte. Du hattest immer eine vorzügliche Art der deutlichen Aussprache. Daß ich mir einen Kognak Dabei zu Gemüte führe, stört dich wohl nicht?"

Keinesfalls. Ich werde nicht abseits stehen!"

Als sie-mit Behagen ihre Gläser geleert haben, legt sich Linkerton in seinen Sessel zurück und lauscht, während Pembroke lieft, nicht laut, aber sehr, sehr deutlich.

Southampton, am 17. Februar ..."

Wann ist der alte Herr gestorben?"

Am 10. März."

Hm."

Also:

Mein sehr geehrter Herr Sohn!"

So steht tatsächlich hier. Ist das nicht eine reich­lich blödsinnige Anrede? ... Aber es kommt noch seltsamer. Hör nur:

So einfach ist das nicht."

Was? ... Was ist nicht einfach?"

Ja, wenn ich das wüßte, Du zierlicher Elefant! Dann wäre mir manches klar. Oder hast du bereits AhnunLmL"^

Frage nicht, lies weiter!"

Gehorsam setzt Pembroke seine Vorlesung fort.

Ich bin nicht so närrisch, von Blutsbanden zu sprechen, Die Sache Dürfte nun geklärt fein. Aber gesetzlich stehen mir gewisse Ansprüche zu. Du wirst begreifen daß ein Mann in Deiner Stellung schon einiges anwenden muß, um den ihm unbequemen Menschen aus Dem Wege zu räumen."

Ekelhafte Ausdrucksweise! Was meint er da­mit? Aus Dem Wege räumen? Einen unbequemen Menschen? Das klingt ja beinahe kriminalistisch!"

Stimmt, Linkerton! Es kommt sogar noch viel kriminalistischer. Höre nur:

Große Herren lieben es nicht, an ihre Ver­gangenheit erinnert zu werden. Aber Du hast nicht mit der Starrköpfigkeit Deines ..."

Nun folgen Drei Punkte, Die Dem folgendenlie­ben 2Jater'y einen besonderen Geschmack geben, also:

... nicht mit Der Starrköpfigkeit Deines..- lieben Vaters gerechnet. Meine alte Forderung bleibt aufrechterhalten und ich schließe mit dein schonen Bibelwort: Da siehe Du zu!

Dein alter gebeugter Vater

Friedrich Hellmers.

Hm. Da müssen wir wohl Diesen Doktor Helb mers wie auch seinen sonderbaren Vater unter die Lupe nehmen! Nach diesem Brief muß zwischen den beiden ein Verhältnis bestanden haben, das nicht gerade alltäglich zu nennen ist."

Scheint so. Ich habe auch gleich bei dem jun« gen Hellmers auf Den Busch geklopft."

UnD?"

Nun, ich habe ihm erzählt, was ich für ange« bracht hielt, und einen prächtigen Menschen in ihn» gefunden."

Trotz des Briefes?"

Jawohl." ,

Verstehe ist nicht!" schüttelt Linkerton Den Kops- Ich würde Den Mann unter ständiger Beobachchng nehmen! Allerdings ..." er hebt seinen mächtigen Körper hinter dem Schreibtisch, pafft dicke Rauch' wölken in Die Luft und zeigt alle Anzeichen ange' ftrengter geistiger Arbeit,... allerdings, daß Hell' mers junior Den Brief so mir nichts Dir nichts ver­liert ...? UnD ohne großes Gesuche oder sonstige Anzeichen Der Unruhe?"

Keinesfalls." (Fortsetzung joW