Ausgabe 
22.7.1939
 
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tage Abwandlung des lateinischen.Wortescanfare", d. i. Singen. Man fing an, die singende, weiner­liche Sprache der Bettler und ihr frömmelndes Ge­tue, das ihnen die Klöster angewöhnt hatten, mit Cant" zu bezeichnen, da man gerade damals Bett­ler mit Dieben und Gaunern in einen Topf zu wer­fen pflegte, in weiterem Sinne auch das Kauder­welsch der Gaunersprache mit allem Drum und Dran. Es war darum nur natürlich, daß aus wahl­verwandtschaftlichen Gründen der englische Gent­leman den in der Diebes- und Gaunerwelt entstan­denenCant" übernahm und in der britischen Außenpolitik mit der Zeit zu jener höchsten Voll­endung entwickelte, von der die jüngsten Londoner Propagandakünste so treffliche Proben lieferten.

Es kamen zwei Ursachen zusammen, um die Bet­telei in England während des 16. Jahrhunderts zu einer immer schlimmeren Landplage zu machen. Die Landlords hatten angefangen, ihre neben dem Acker­bau betriebene und sehr einträgliche Lieferung von Schafwolle zum Hauptgeschäft zu machen. Die riesen­haften, seit der Normannenzeit bestehenden Baro­nien, wovon eine einzige off 900 alte angelsächsische Landschaften einschloß, waren damals noch besät von kleinen Bauernwirtschaften. Nach M a c a u l a y lebten 160 000 Grundeigentümer, die mit ihren Fa­milien mehr als ein Siebentel der Gesamtbevölke- tung ausmachten, von der, Bewirtschaftung kleiner Hufen, die ihr freies Eigentum waren. Die großen Grundherren brauchten dies Bauernland zur Ab- rung ihrer in immer rascherem Tempo erweiterten Schsftriften. Sie wandten Gewalt, Rechtsbruch, Ver­brechen und List an, um ihre Besitzungen von ein­gesprenkelten kleinen Bauernwirtschaften zu säubern und deren Aecker mit in Weideland zu verwandeln Gewöhnlich genügte es, die Gemeindeländereien ein­zuhegen und dadurch der Mitbenutzung durch die Bauern, auf die sie von attersher ein Recht hatten, zu entziehen, wodurch die Bevölkerung ganzer Dör­fer an den Bettelstab gebracht wurden. Nur die Nutznießung am Gemeindeland hatte Vieh- und Schweinehaltung, Feuerholz- oder Torfbeschaffung usw. möglich gemacht.

Thomas Morus schildert in seinerUtopia" das traurige Los der durch die Einhegungen ver- triebenen Bauernfamilien:Auf geraden oder krum­men Wegen, auf jede Weife zwingt man sie mit ihrem ganzen Hausrat zum Fortgang, die armen, unglücklichen Geschöpfe Männer, Weiber, Haus­väter und Hausmütter, vaterlose Waisen, Witwen, trauernde Mütter mit ihren kleinen Kindern arm an Habe zwar, doch reich an Zahl, denn die Be­wirtschaftung des Bodens erforderte viele Hände. So ziehen sie denn fort von dem gewohnten hei­mischen Herd, ohne eine Ruhestatt zu finden. All ihren armseligen Hausrat, der vielleicht in einem anderen Falle noch einen leidlichen Preis erzielt hätte, müssen sie jetzt, da sie so plötzlich auf die Straße gesetzt werden, für einen Spottpreis los­schlagen. Und wenn nun der kärgliche Erlös ihrer Habe auf der Wanderschaft aufgezehrt ist, was bleibt ihnen dann anderes übrig, als z u stehlen, worauf sie bei Gott mit vollem Recht g e - not werden, oder doch mindestens betteln zu gehen? Dann aber werden sie als Landstreicher ins Gefängnis geworfen, weil sie umherziehen ohne zu arbeiten, während sie doch niemand beschäftigen will. Mögen sie sich noch so bereitwillig zur Arbeit anbieten; denn ein einziger Hirt ober Schäfer reicht nunmehr dazu aus, das Vieh auf ein so großes Stück Weideland zu treiben, für dessen Anbau, als es noch Ackerland war, eine Menge Arbeitskräfte erforderlich waren."

Dieser Landraub, der mit der Zeit zu rascherem und reibungsloserem Verlauf immer mehr in ge­setzliche Formen gekleidet wurde wurde jahrhun­dertelang fortgesetzt, bis der alte selbständige Bauernstand so gut wie gänzlich zugrundegerichtet und in ein vogelfreies Landstreichertum verwandelt war, soweit die sich nach und nach anbahnende indu­strielle Entwicklung den Arbeitswilligen unter den Entwurzelten Feine' neuen ordnungsmäßigen Lebens- möglichkeiten bieten konnte.

3m 16. Jahrhundert nun wurde das Elend der von der Scholle Vertriebenen dadurch ungemein ver­schärft, daß durch die Aufhebung derKlöster unter Heinrich VIII. die Grundlagen kirchlicher Wohl­tätigkeit zerrüttet worden waren, ohne daß vom Staate her irgendwie zureichender Ersatz geboten

worben wäre. Eine ähnliche Wirkung hatte die Ein­ziehung der den Gilben gehörenben Grunbstucke. Alles war darauf angelegt, ben Spielraum ber Schafzucht zu vergrößern. Englanb würbe ein Land, wo, wie Morus sich ausbrückt,b i e S ch a f e b i e Menschen fräße n", währenbbis Füße ber Schafe sich in Gold verwandelte n". Ehe sich eine Armengesetzgebung entwickelte, die auch nur einen geringen Bruchteil dessen zu leisten vermochte, was die Armenpflege und Arbeitsbeschaffung ber Feubalzeit zuwege brachte, kam es dahin, daß alle Landstraßen von Bettlern, Dieben und Räubern wimmelten. Man wütete dagegen mit Schanbpfahl, Peitsche und Kerker, und man möchte dabei so we­nig einen Unterschieb zwischen einem unverschuldet Arbeitslosen und einem Verbrecher aus- Vererbung, Gesinnung oder Gewohnheit, daß jedermann die Vollmacht gegeben wurde, einenmüßigen" Armen einzufangen und als seinen Sklaven an die Kette zu legen. Armut überhaupt wurde mehr und mehr von den herrschenden englischen Kreisen mit Ver­brechertum gleichgesetzt.

Es war ja auch kein Wunder, daß sich innerhalb ber an Zahl unheimlich anschwellenden Klasse ber Paupers", ber Armen, bie Grenzen zwischen Ar­mut unb Unehrlichkeit immer mehr verwischten. Wenn ehemalige Besitzer behaglicher Bauernhöfe im Hanbumdrehen zu Hungerleidern und Bettlern wer­den konnten, ohne daß ein Hahn danach krähte, so gehörte schon ein ungewöhnlich fester innerer Hält dazu, jeder Versuchung zu trotzen, krumme Wege zu gehen, um aus der gräßlichsten Not her­auszukommen. Die allgemeine Hoffnungslosigkeit ber Lage der von der Scholle Vertriebenen konnte nur dazu führen, daß sich die Flut der Armut großenteils in eine Flut von Verkommenheit, La­ster unb Elend verwandelte.

Was Wunder, daß die Sprache des niederen

Hamburg, 21. Juli. (DNB.) Die Hansestadt Hamburg steht ganz im Banne der großen fünften KdF.-Reichstaguna, zu der bie Vertreter von 21 Na­tionen nach Hamourg gekommen sind. Ueberall in den Straßen, die herrlichen Fahnen- und Girlan­denschmuck erhalten haben, sieht man in- und aus­ländische Trachtengruppen im Bunt ihrer farben­frohen Kostüme. Im großen Saal ber Musikhalle fand die Eröffnungsfeier statt. Von der Stirnseite grüßte das Sonnenrabsymbol ber NS.-Gemeinschaft Kraft burch Freude". Auf dem mit Blumen ge­schmückten Podium hat das Nationalsozialistische Symphonieorchester Platz genommen, das unter der Stabführung von Prof. Franz Adam den musi­kalischen Rahmen dieser Feierstunde gestaltet. Man sieht Delegationen aus fast allen Ländern der Welt, vor allem die besonders starke Abordnung des Deutschland verbrüderten Italiens und Spa­niens, die starken Delegationen Ungarns, Bulgariens, Iugofl am iens und der an­deren europäischen Länder. Neben den Abordnun­gen aus allen Gauen des Großdeutschen Reiches bemerkt man bie Abordnungen bes Protektorates Böhmen unb Mähren sowie aus ber Slowakei. Ein­geleitet wurde die Feier mit der Festlichen Ouver­türe von Franz Adam, gespielt unter der Stabfüh­rung Pros. Adams. Dann ergriff Reichsamtsleiter Dr. Lafferentz das Wort zu seinem umfassen­den Leistungsbericht, über den wir schon berichtet haben.

Dr. Ley spricht.

Nach den Ausführungen Dr. Lafferentz', bie im­mer wieder von Beifall unterbrochen wurden, be­grüßte Reichsstatthalter Gauleiter Kaufmann die Ehrengäste. Dann ergriff, von lang anhaltendem Händeklatschen begrüßt, Reichsorganisationsleiter Dr. L e y das Wort.Wir haben", so führte er u. a. aus,soeben eine stolze Reihe von Zahlen an uns vorbeiwandern sehen. Es ist schon eine Freude unb ein Genuß zu hören, was diesesKraft^durch- Freube"-Werk in einem Jahre geschaffen hat, unb

Volkes in England mehr unb mehr an Grobheit, Offenheit unb Würde verlieren unb einem Zuge zur Unaufrichtigkeit, Heuchelei, Verstellung unb Scheinheiligkeit verfallen mußte. Die Neigung zu heuchlerischem Gebrauch frommer Rebewendungen erklärt sich zwanglos aus ber langen Trabiti on einer umfangreichen kirchlichen Armenpflege. Die Klostergüter umfaßten, als Heinrich VIII. sie einzog, ein Drittel ber Anbaufläche Englanbs. Die von ihnen vertriebenen Pächter stellten ein großes Kon­tingent ber Bettlerscharen, bie bie Landstraßen un­sicher machten. Ihnen ebenso wie ben weiten Kreisen armer Lanbbewohner ober auch Faulpelze und Tagediebe, die vom Klostergut mit gelebt hatten, | war die Gewohnheit, den frommen Brüdern nach dem Munde zu reden, in Fleisch unb Blut übergegangen. Sie behielten biesen Ton bei, als es barauf ankam, die Herzen hartgesottener welt­licher Arbeitgeber ober Machthaber zu rühren ober sie über ihre etmaiae tatsächliche Verberbtheit unb Unehrlichkeit zu täuschen, unb sie steckten bie übrige Masse ber Landstreicher, Bettler, Diebe unb Gau­ner, die die Grausamkeit der herrschenben Kreise zusammenrührte, bamit an. Die starke Vermischung ber Stände im Laufe ber inbuftricllen Revolution, die zunehmenben Möglichkeiten, im industriellen unb kolonialen Zeitalter die gesellschaftliche Leiter em­porzuklimmen, bas und vieles andere brachte es leicht zuwege, dencant ber Bettler- unb Gauner­sprache in entsprechender Verfeinerung auf bie Sprache ber vornehmen Gesellschaft abfärben zu lassen und sie in ber britischen D i p l o m a - t i e zum probaten Mittel ber Diffamierung frember und ber Beschönigung eigener Hanblungsweisen zu machen.

Als bie jungfräuliche Königin Elisabeth John Hawkins wegen seiner ersten gewinnreichen Sklavenjagd zum Ritter geschlagen hatte, wählte er

bas in einem Jahre, wo unser Volk bis aufs Aeußerste angespannt war. Wenn man nun einmal bie sechs vergangenen Jahre nipimt unb bie Lei­stungen bes brutschen Volkes auf allen Gebieten ins Auge faßt, bann erst wird man ermessen können, wie gewaltig diese Leistungen sind, daß sie wirklich diejenigen, die nicht daran teilnehmen ich denke da an das Ausland, wie ein Wunber erscheinen müssen.Kraft durch Freube" hat dem schaffenben deutschen Menschen nicht nur ben Adel ber A r - beit wiedergegeben, yat nicht nur die Parole der Freude erteilt, sondern hat den Alltag ver­edelt, die Feude unb bie Schönheit in die Men­schen hineingetragen, seine Werkplätze verschönt und ihm das Leben lebenswert gemacht.

Wie in jedem Jahre auf der Reichstagung möchte ich auch in diesem Jahre wieder eine Parole für bie kommende Arbeit ber NS.-GemeinschaftKraft durch Freude" ausgeben:Kraftvolle Män­ner unb schöne anmutige graue n". Mann und Frau sind jedes für sich nichts, doch beide zusammen bilden sie eine Ganzheit, auch in der Leistung, in der Arbeit. Wir wollen das Glück des Volkes, seine Gesundheit, seinen Fortschritt. Wir wollen, daß es sich entwickelt. Unb hier ist nun bie Erziehung von Mann u r. o Frau ein wichtiges Problem. Wir wollen nicht nur ein kraft­volles Volk, sondern auch ein schönes Volk, ein kulturmäßig hochstehendes Volk. Wir sehen nicht eine Sparte, wir sehen ben Menschen in feiner Ge- sckntheit. Und dieser Mensch kann erst zur Höchst­leistung und Vollkommenheit kommen, wenn er aus allen Gebieten bes Lebens das Höchste erreicht. Wir wollen kraftvolle Män­ner, die die Verkörperung des Mannes sind, und wir wollen anmutige Frauen, bie die Verkörperung der Schönheit sinb. Die hohe Schule bes Manne s- t u m s war in Deutschlanb immer d i e Armee. Heute ist es nicht nur bie Armee, sonbern auch bie Partei, bie SA., bie ff unb all die anberen vielen Gliederungen und Verbänbe.

als Helmzeichen einen gefesselten Neger unb gab bem Schiss, mit dem er (eine Expedition zur Erbeutung schwarzenElfenbeins" für die west, indischen Plantagen unternahm, ben NamenDer Jesu s". Das war schon berselbe offizielle britische Cant, ber im Fernen Osten englische Kaufleute von Christus reben ließ, wenn sie Kattun meinten. Mit bemfelben Eifer, mit bem man ben Negerhan- b e l jahrhundertelang mit größtem Gewinn betrie. ben hatte, roure er aus Gründen ber Moral vsr. fehmt, sobald man sich durch einen moralische^ Feldzug gegen bie chinesische Auswanderung über bas portugiesische Macao ein Monopol für ben Handel mit chinesischen Kulis gesichert hatte, an bem sich noch mehr uerbienen liefe.

Es gibt keine Greuel, über die sich John Bull jemals sittlich entrüstet hätte, ohne sie vorher über­trumpft zu haben. DieK o n g o g r e u e 1" sind ein Kinderspiel im Vergleich zu ben Scheußlichkeiten, bie später eine anglo-peruanische Gesell, schuft am Patumayo, einem Nebenfluß bes Ama­zonas, beging. Die Gesellschaft war in London aus­gezogen und immer von Engländern kontrolliert worden. Als aber ein amerikanischer Publizist ber schmutzigen Katze die Schelle angehängt hatte, schickte man eine eigene Untersuchungskommission aus unb tat so, als ob lediglich Peruaner an den vorgekoni- menen Bestialitäten schuld seien. Immer wieder verstand es britischer Cant, vor derWeltmeinung", die freilich in großem Umfange v o n Englä 'n. bem gemacht wird, bie Spuren jeweiliger Un­taten John Bulls zu verwischen. Die Quellen ber Aufklärung über sein langes Sünbenregister fließen jedoch immer reichlicher und bie Zeit wird kommen, wo britische offizielle Heuchelei bei keinem Volke ber Erbe etwas anderes auszulösen vermag als homerisches Gelächter.

Akademie der Schönheit und derModr

Anders ist es bei ben Frauen. Hier sind g* wattige Sünden der Vergangenheit gut zu machen, und mir stecken in der Gegenwart noch nicht einmal in den Anfängen. Ich begrüße es, daß unsere Spori- gruppen in den Werken unb Industrien heute rhythmische Gruppen schaffen, denn unsere Frauen sollen schön sein. Unsere deutschen Frauen sollen auch lernen, zu anmutigen und bewegten Frauen zu werben. Ich habe daher Institutionen in ber Deutschen Arbeitsfront gegrünbet, bie einmal vom rein fachlichen Standpunkt aus S ch ö n h e i t s- inftitute, Akademien ber Schönheit und der Mode und der Farbe aufbauen sollen, in Wien, Berlin und in München. Aber bas darf keine Angelegenheit einiger Menschen fein, sondern mir müssen diese Schönheitskuttur in die Fabriken hineintragen. Die deutsche Ar- beiterin soll wissen, was schön ist, sie soll wissen, mie sie sich schön machen kann. Aber nicht bas ist schön, was neu i st. Wir müssen zu einem ganz anderen Begriff auch der Mode kommen. PZir fassen dieses Problem an. wollen nicht nur die Männer zu Soldaten erziehen unb das Mannestum pflegen, sondern es soll daneben ewig sein auch die schöne b e u t f th e $r<i u. Dann wird unser ganzes deutsches Volk auch zur schönen deutschen Kultur kommen, die wir Haden müssen. Wir wollen also nicht nur bie kraftvollsten Männer, sondern auch die anmutigsten Frauen in ber Welt haben. Am Enbe dieses Weges werben bann Kunst und Kultur nicht mehr der Besitz einiger weniger fein, und Freube unb Kraft werben erkannt werden als der Ausdruck un­seres Lebens an sich. Das wird dann das neue Deutschland sein, auf das mir stolz sind unb bas unser Volk befähigen mirb, ihm die Kraft zu geben, sich den Platz an der Sonne zu erkämpfen, den es kraft seines Fleißes verlangen kann und verlangen muß.

Dr. Ley kam dann auf das Wort eines aus-

Kraftvolle Männer und anmutige Krauen".

ör. Ley gibt auf der fünften ReichsiagungKraft durch Freude" die Parole für das kommende Jahr.

Kunst der Gemeinschaft.

Die Landschaft auf der Großen Deutschen Kunstausstellung 4939.

Lon unserem Sonder lorrespondenten. Dr. H. A. Thieß.

München, Juli 1939.

Cs ist gewiß kein Zufall, daß ber Besucher, ber in ber Mitte ber Ehrenhalle im Haus ber Deutschen Kunst steht, beim Blick zur Rechten ein monu­mentales Bilbnis bes Führers, beim Blick zur Linken ein großformatiges Delbilb mit einer bäuerlichen Darstellung,Durch Wetter unb Wind", erblickt. Jenes stammt von F r i tz Krler, dieses von I. P. I u n g ha n s. Sogleich auf diesen ersten Blick fühlt sich ber Betrachter ein- gespannt in seinen Lebenskreis: die Gemein­schaft von Führer und Volk.

Hat man nun in wiederholten Gängen versucht, des Vorwiegenden und Wesentlichen der Ausstellung habhaft zu werden, so wird man wie von selbst auf jene Forderung des Nationalsozialismus geraten, bie über der Gemeinschaft steht und hier'bündig verwirklicht ist: bie Gemeinschaftsleistung. Nicht als ob ber abwegige Gebaute Platz greifen konnte, bie Werke ber Ausstellung seien ein Ergebnis gemeinsamer Arbeit; so grob unb plan verwirklichen sich die Ibeen ber Kunst nicht. Vielmehr ist es spürbar so, daß unter ben Künstlern eine über bas ganze Reich gespannte Gemeinschaft im Werben ist, bie sich unter benfeiben Werkregeln weiß unb biesen zur Geltung verhilft. Es ist eine Ge- meinschastskunst, bie auszuhrücken bas Inbivibuum Hilfsstellung leistet.

Am offenfunbigften ober sagen mir, in der hier gebotenen Kürze am raschesten beweisbar tritt das in ber Lanbschaft zutage. Lange fragt man sich, was eigentlich ben sonoren, un­gemein nachhaltigen Einklang aller dieser Werke ausmache. Eine Weile mag man meinen, es sei bas allen gemeinsame handwerkliche Können, die Greifbarkeit alles Gegenständlichen; aber bald schon fängt man an zu Zweifeln, daß dies allein es fei, qnb endlich kommt man dahin, drei große Züge von Künstlern zu unterscheiden, die jene höhere Gemeinschaft unterteilen unb durch ihre engere noch bekräftigen.

Da sind zunächst jene Bilder, die im Banne einer sanften Dämmerung stehen; in ihnen ist bas reine, klare, scharfe Licht gleichsam weggeschluckt; es sind Landschaften, worin ein milbes, man möchte mit bem lin de siöcle sagenglühenbes" Leuchten einen warmen und satten Nachklang hinterläfet. Wenn wir

hier Lubwig DillsUeberschwernrntes Moor" zuerst nennen, so deshalb, weil auch in den älteren Lesern sogleich ein bestimmtes Moll aufklingen wird. Hierhin gehören, um nur ein paar Beispiele zu wählen, Willy ter Hells Landschaften, Hermann Urbans Bilder in der höchst per- (änlich verwendeten Harz-Enkaustik, Fritz Bur- man nsBlick aufs Meer". Diese Art ist vieler Abwandlungen fähig, allein durch die Sonderheiten der Palette. Ohne ins attmeisterliche Galeriebraun zu geraten, das Spitzweg einmalzuviel Einbrenn" nannte, bevorzugt sie doch ihre Lieblingsfarben: ein düsteres bis ins Schwärzliche spielendes Olivgrün, Herbstlaubgold und -braun, Bleu mourant, Schim­melgrau. Man kann die weiche, stimmungsvolle Melodie con sordino spielen, wie es Max'Cla- r e n b a ch in feinemWintertag" tut; man kann breiter unb saftiger ins Zeug gehen, wie Max Za e pe r in feinen Waldlanbfchaften. Anton M ü l- ler-Wifchin, ber mit acht Oelbildern vertreten ist, weiß mit bewegtem Pinselstrich ein erregenbes heimliches Leben in die Stille zu bringen. R a f - !.ael Schuster-Woldans Prosperostab be­herrscht eine Insel für sich; diese in schwimmenden, lockenden, nebelnden Lasuren eingeschleierteSu- sanna ist ein Akt, ber bes kostbaren Rokoko- Ehmens roürbig ist. Aus stumpfen Tönen unoer- bas Feuer von Ebelsteinen zu schlagen, l* OtkoHamels Teil; die kreidige Herbheit E b » m u n b Steppes ', die Sagenphantasien F. W. a $cJmann Bradls großräumige Ä?^^often Hugo Hodieners aufsteigende Visionen doch wir wollen aufhören, sie alle auf­zuzahlen, tue dahin gehören. Wieweit ber Ausbruck k^Qnb ^m Fühlen der Zeit gemäß sei, steht hier nicht zur Rebe; es genügt, ihn wahr- genommen zu haben. Die Dämmerung des Waldes bes Adenbs, bes Winters, bes Interieurs, bie Dämmerung m jederlei Form ist dieser Malerei andacht ger Aufenthalt".

fkf)tVn geschlossenem, wenn auch £ H r Ianflcm 3uge eine lichte, farbenklare n i*rLL fmb umgekehrt alle

Ratten, auch die letzten, weggeschluckt Oskar Martin-Amorbach:' ..Abend", eine groß- angelegte unb episch geschaute Komposition von stillem prnft unb weiser Klarheit, mag den Klang

angeben. Dieser Art scheint ber bäuerliche Lebens- kreis nahe zu stehen; bie pastorale Hymne auf Frucht unb Ernte, Traube unb Aehre, Stall unb Tier schmilzt mit ben lichten Farben gern zusam­men. Bemerkenswert ist dabei die Anziehungskraft, die ber schöne beigefarbene Ton des Höhenviehs auf diese Art der Palette ausübt; er gibt in mehreren Werken, auch in Martin-AmorbachsAbend", ben ©runbton. Rudolf SchellersHeimkehr", Georg EhmigsWeinlese in Franken", bie ihren Hellen Klang aus bem fröhlichen Rot unb ihre Rhythmik aus ben stark ho.verenden Bewe­gungen ber Figuren bezieht, sind jatie Beispiele die­ser Art, die auch in ber figürlichen Komposition Carl Schmalbach! weiterströmt. Die zart- gebauten, lichterfüllten Landschaften Otto Goe­bels, bie weitatmenben von Theodor Grätz, leiten schon zu ber dritten Art ber Landschasts- ausfassung über.

Sie schiebt sich als kleinste Gruppe zwischen bie erste unb zweite. Währenb biefe, so unterschiedlich sie sonst auch sein mögen, doch durch ben r I ä d)i = gen Auftrag, das flächige Sehen, bie flächige Ge­staltung untereinander verbunden sinb, treten wir jetzt bei ber brüten Gruppe in betont b r e i « dimensionale Räume. Hier geht es um atmo­sphärische Probleme; man bemüht sich um Licht, Luft, Dunst, Rauch, um Nähe unb Ferne, Tiefe unb Weite. Erhard Amadeus-DiersSil­houetten", ein starkerfülltes Stadtbild, Otto Bloß' Frühling an ber Schaumburg" mit bunklem Berg, lichtem Tal unb rauschendem Regen mögen diese Gruppe bezeichnen, zu ber auch bes feinnervigen Edward Harrison Comptons bekannte Hochgebirgsschilberungen gehören. Oscar Deit» reichersAlte Werft vor Genua" versucht ben Durchbruch ins Räumliche auf andre Weise, durch eigenwillige Farbkontraste und kraftvollen Aufbau.

Alle diese Maler aber umschließt ein einziges geistiges Band: bie Demut vor ber Natur. Sie stel­len bas bewegte ober gar erregte Ich zurück vor dem stillen Walten bes Geschauten. Dieser Zug ist so burchgängig vorhanden, baß man füglich von ber Kunst einer Gemeinschaft sprechen barf. Man muß ben Begriff aber noch in einem anbren Sinne ausbeuten. Auf bie geschilderte Art bes Ausbrucks als ber wahren Kunst kann sich ohne.allen Zwei­tel bie überwiegenbe Mehrheit des Volkes einigen, ohne in Dispute zu geraten. So ruft bie Ausstellung aud) von biefer Seite her zu einer Kunst, bie nicht Pcm ^Einzelwillen, sondern bem Ganzen verpflichtet

t Gemeinschaftskunst bar im Hinblick

auf beibes. bie schöpferische Herkunft und bas Gefäß ber Aufnahme.

Das Wort.

Von Karl Heinrich Waggerl.

Das begreifst du nicht, mein Freund, du verstehst nicht, wie schwierig unb seltsam diese Sache ist. Da hat Gott nämlich in jede Menschenseele ein be­stimmtes Wort gelegt, einen einzigen guten unb wahren Gedanken, und dieses Wort soll dereinst in die Waage fallen, wenn er ihn richtet. Aber nun geht der Mensch mit diesem Wort in seiner Seele in ber Wett umher. Er ist nur ein Viehtreiber ober ein Mann, ber zeitlebens bloß so unterwegs ist, ein Landstreicher also. Unb auch sein Wort ist ganz einfach:Laß es gut sein!" vielleicht oberVer­zeihe mir!"

Cr lebt jedenfalls und nimmt seine Jahre hin. Allein nun zeigt es sich bald, daß er gerade dieses Wart nicht sagen kann. Es ist ihm unmöglich, ver­stehst du. Einmal liebt er in seiner Jugend ein Mädchen. Er spricht mit ihr beim Kirchgang, unb später nimmt er dieses Mädchen auch zum Tanz und ist ein ganz verteufelt flotter Kerl dabei, weil ihre Augen so brennen unb weil sie so schwer an feiner Schulter liegt. Der Mann hat tausend Wone für bas Mäbchen,laß den Riegel offen", sogt er, unb immer", unbewig", oh, viele schöne Worte.

Unb dann hat er also endlich seinen Willen, unb aud) bas Unglück kommt nicht zu spät. Aber ber 'JJiann ist schon weit fort um biefe Zeit.

fftun müßte er ja eigentlich umkehren, es wäre noch früh genug, denn auch das Mäbchen ist eben heimgekommen, es mußte gottlob nicht alle feine pahre im Gefängnis fitzen. Da wartet es jetzt mit (einen brennenden Augen. Und der Mann kommt wirklick) zurück, bleibt eine Weile, würgt an dem xßort. Vielleicht liebt er die Frau (d)on gar nicht mehr, vielleicht ist er ihrer längst satt geworben. Ober boch, er liebt sie. Steht unter bem Fenster, bord)t an der Tür kann nicht, nein, kann bas Wort nicht finben, er geht wieder...

Dieser Mann läuft nun in ber Wett herum, er ist ein kluger Mann, er hat bie Worte zu Dau- fenben in seinem Kopf. Wir sinb alle kluge Köpfe, wir Haden bas Pulver erfunben. Aber es könnte trotzbem fein, daß sich ber Teufel nicht barutn kümmert. Ja. das wäre nicht unmöglich, wenn man alles zusammen nimmt. Der Mann hat Freunde, aber sie bleiben nicht. Er hat andere Frauen, auch sie verlassen ihn wieder, unb zuletzt Ist ber Mann ganz einsam, sein Bart wirb grau,'so einsam ist er.

Eines Tages aber trifft ihn ein Brief unterwegs, trifft ihn wie ein Pfeil in die Kehle. Es stehen