Ausgabe 
22.6.1939
 
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Nr. 143 Erstes Blatt

189. Jahrgang

Donnerstag. 22.)uni 1959

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Portugal feiert seine Spanienkämpfer.

Don unserem d. i.-Korrespondenien.

Lissabon, Juni 1939.

Am Tag des Heiligen Antonius von Padua bil­dete eine Festvorstellung im TheaterSao Luiz" den Abschluß der Veranstaltungen zu Ehren der aus Spanien zurückgekehrten portugiesischen Freiwilligen. Das Fest dieses Heiligen (13. Ium), der sich in ganz Portugal einer beson­deren Beliebtheit erfreut, weil er (was nicht überall bekannt ist) in Lissabon geboren wurde, bedeutet hierzulande den Beginn des Sommers und bildet den Anfang für jene harmlosen Volksbelustigungen, bei denen abends auf den mit Girlanden, Papier­laternen und Blumen geschmückten Straßen und Plätzen, zumal auf den verschiedenen Märkten, ge­tanzt, gesungen und musiziert wird. Sankt Antonius ist ein Typus, wie er dem Portugiesen gefällt; er hat ein abenteuerliches Leben geführt, ist über Nordafrika und Sizilien nach Italien gekommen, dort in persönliche Beziehungen zum Heiligen Franz von Assist getreten und wird vor allen Dingen in der Kunst als schöner Jüngling dar- gestellt und nicht als ein abgemagerter, lebens­fremder Asket. Seine Spezialität ist es, den Mäd­chen einen Bräutigam, den Frauen Kinder zu bringen. Er ist ein Heiliger, zu dem das Volk Vertrauen hat, der ihm menschlich nahesteht; es ist daher mit Bestimmtheit anzunehmen, daß der größte Teil der jetzt aus dem Krieg hsimkehrenden Portugiesen eine Medaille mit seinem Bild auf der Brust trägt.

Die für die portugiesischen Freiwilligen im spa­nischen Krieg gewählte BezeichnungOs Viriatos" erinnert an den lufitanischen Freiheitshelden B i r i - athus, der seine Heimat von der römischen Knechtschaft retten wollte und schließlich im Jahre 140 v. Ehr. durch Verrat ermordet worden ist.

Die Unterstützung, die der nationalspanischen Bewegung von portugiesischer Seite zuteil geworden ist, hat sich in anderer Weise als bei den übrigen Freunden Nationalspaniens vollzogen. Während es außer der deutschenLegion Condor" und den ita- l enischenFlechas" zeitweise auch eine irische Bri­gade sowie ein Bataillon (bandera), das den Namen Jeanne d'Arc" führte und nur aus Franzosen be­stand, gegeben hat, haben die Portugiesen keine eigenen militärischen Verbände ge­bildet. Es handelte sich hier vielmehr um eine im wahren Sinne des Wortes volkstümliche Bewegung, um das spontane Erwachen eines iberischen Zusammen gehörig keits gefühls ange­sichts einer der beiden stammverwandten Nachbar­ländern gemeinsam drohenden Gefahr. Des­halb sind im ersten Anfangsstadium des Krieges, als die Lage sich noch in keiner Weise geklärt hatte, Tausende aus Portugal, wenn auch nicht gegen den Willen der Regierung, so doch auf eigene Faust über die Grenze gegangen und haben sich bei natio­nalspanischen Truppenteilen anwerben lassen. Ein großer Teil von ihnen ist bei der Fremdenlegion, demTercio", eingetreten. Doch auch in anderen damals sich neu formierenden Korps sind Portu- gie en ausgenommen worden, zumal in den Batail­lonen derFalange" und bei denrequetes", den ruhmreichen Brigaden von Navarra. Besonders wertvoll war die sofortige Unterstützung durch portu­giesische Flieger. Nicht zu vergessen auch die Ver­dienste desRadio Club" in Lissabon, der als erster den Kampf gegen die über die Vor­gänge in Spanien verbreiteten Lügenmeldungen auf nahm: sein Direktor, Hauptmann Botelho M o n i z, ist jetzt ebenfalls mit denViriatos" aus Spanien zurückgekehrt.

Schon als vor nunmehr annähernd zwanzig Jah­ren (1920) während der Kämpfe im Rifgebiet die spanische Fremdenlegion gebildet wurde, haben sich Tausende von Portugiesen gemeldet und sind seitdem das ausländische Element geblieben, das am liebsten genommen wird, weil sie sich be­greiflicherweise verhältnismäßig leicht den Spaniern anschließen und meist ausgezeichnete Soldaten sind. Gerade deshalb ist auch der Gründer der Fremden­legion, General Millan A str a y, der Ehren-Oberst (Colonel-Fundador = Oberst-Gründer) desTercio" geblieben ist, zu dieser Begrüßung der portugie­sischen Freiwilligen nach Lissabon gekommen, weil er sich gewissermaßen als den Vater aller betrachtet, die bei der von ihm geschaffenen und im Krieg aufs neue glänzend bewährten Elitetruppe gedient haben. Millan Astray hat in den Feldzügen in Nordafrika einen Arm und ein Auge verloren; er gilt als das lebende Symbol militärischer Pflicht­treue und Selbstverleugnung und ist auch dement­sprechend in Lissabon gefeiert worden. (Bekanntlich war Franco einer der Nachfolger Millan Astrays als Kommandeur der Fremdenlegion.)

Wie groß die Zahl derViriatos" ist, die fetzt in Spanien gekämpst haben, 'läßt sich noch nicht bestimmt feststellen. Der zuvor erwähnte Haupt­mann Botelho Moniz hat kürzlich einmal ange­geben, daß sie ungefähr zwölftausend Mann betragen dürfte. Wenn diese von dem jedenfalls vorzüglich unterrichteten Offizier ver­tretene Ansicht zutrifft, daß von diesen rund fünftausend gefallen sind, so würde dies ein sehr hoher Prozentsatz sein. Hiermit wären die Verluste Portugals im spanischen Krieg ungleich stärker als im'Weltkrieg, an dem es mit einer Division (also etwa zehntausend Mann) beteiligt war. Während aber von den damals gebrachten Opfern stets mit einer gewissen Erbitterung ge­sprochen wird, weil das Land damals gegen seinen Willen durch das Bündnis mit Eng­land zur Kriegserklärung an die Mittelmächte ge­zwungen worden war, wird jetzt mit aller Selbst­verständlichkeit darauf hingewiesen, daß zur Rettung

der Iberischen Halbinsel vor der ihr drohenden marxistischen Gefahr auch portugiesisches Blut hätte vergossen werden müssen; und man ist stolz darauf, daß Söhne des Landes ihr Leben für eine große gemeinsame Idee hingegeben haben. Dor allen Dingen ist bezeichnend, daß in diesem Zusammen­hang in der Presse mitunter ganz unbedenklich von einem EinheitsbegrisfIberia" gesprochen wird, was noch vor wenigen Jahren kein Portugiese getan haben würde.

Spanischerseits ist gerade in diesen Tagen vor­behaltlos anerkannt worden, daß ohne die vom ersten Augeblick an loyale und zuverlässige Haltung Portugals die unter Anlehnung an die gemeinsame Landesgrenze in Bajadoz vollzogene Vereint- gung der Nord- und Südarmee, die schließlich über den weitern Verlauf des Krieges entschied, ernstlich in Frage gestellt gewesen wäre. Nicht minder freimütig wird darauf hingewiesen, was die Folge hätte sein können, wenn Portugal, was doch bei seiner engen Verbundenheit mit Großbritannien naheliegnd gewesen wäre, sich mit der politischen Einstellung der westeuropäischen Demokratien identifiziert hatte.

Jerusalem, 21. Juni. (DNB.) Wie die ara­bische ZeitungFalastin" meldet, haben die arabi­schen Frauenorganisationen von Akko und anderen Städten Palästinas im Zusammenhang mit dem feigen jüdischen Bombenattentat in Haifa, bei dem 18 Araber getötet und 24 verletzt wurden, Protefttelegramme an den britischen Oberkommissar gesandt, in denen die sofortige Auf­lösung aller jüdischen Parteien, eine Durchsuchung der judischenn Klubs und Organisationen und die Verhaftung der an den unerhörten Terrorakten chuldigen Judenhäuptlinge gefordert wird. Aus dem gleichen Anlaß hat der arabische 21 c r jt eir c r> band in Haifa an den britischen Ministerpräsiden­ten Chamberlain gedrahtet:Zum vierten Male müssen wir arabischen Aerzte in Haifa mit ansehen, wie unsere Brüder durch Bomben des ver­brecherischen Zionismus getötet wur­den. Wir protestieren dagegen, daß diese Ver­brecher immer noch nicht verhaftet worden sind, obwohl die jüdische Presse zugibt, daß die Täter Juden waren. Nicht ein einziger jüdischer Verbrecher befindet sich im Konzentrationslager, während die Gefängnisse und Lager von Arabern überfüllt sind."

*

Seit Wochen und Monaten vergeht kein Tag, an dem nicht neue britische Gewaltakte und jüdische Terroranschläge gegen die Araber gemeldet werden. Erinnert fei an die Drangsalierung der Einwohner des arabischen Dorfes Lydda, die in einem Hilferuf an verschiedene diplomatische Vertretungen am 12. April seststellten:Unschuldige Frauen, Kinder und Greise wurden durch Soldaten der Mandats­regierung gefoltert. Vorräte wurden vernichtet, Ein­richtungen zerstört. Verhaftete gepeinigt, Gebäude verbrannt ... Wir können diefe Folter nicht mehr ertragen ..." oder an die Hilferufe der arabischen Frauen aus Beit-Rima vom 9. Mai, wo es hieß, bei einer Durchsuchung des Dorfes seien Frauen in Geburtswehen gezwungen worden, ihr Haus zu

Die offizielle Bestätigung dieser mit Blut besiegel­ten Waffenbrüderschaft war der im März dieses Jahres geschlossene F.r e u n d s ch a f t s p a k t zwi­schen Portugal und Spanien. Da anfangs mit einer nicht zu verkennenden Absichtlichkeit betont wurde, daß man sich in Lissabon bei der im spanischen Krieg eingenommenen Stellungnahme nicht von London habe beeinflussen lassen, konnte man leicht auf die Vermutung kommen, hinter dieser beider­seitigen iberischen Annäherung könnte sich eine gegen England gerichtete Spitze verbergen. Es ist daher nicht zu verwundern, daß man sich in Dow­ning Street bemüht, eine solche etwa vorhandene Spitze abzubiegen. Dies ist die Erklärung dafür, wenn neuerdings von englischer Seiteganz harm­los" plausibel gemacht werden soll, der portugie­sisch-spanische Pakt könne doch sehr wohl als Brücke dienen für eine Freundschaft zwischen England und Spanien. Das würde aber ausgerechnet das fein, was England gern haben möchte: nicht nur Por­tugal, sondern die ganze', den Ozean mit dem Mittel­meer verbindende Iberische Halbinsel; deshalb hätte es gewünscht, daß Spanien aus dem Kriege ge­schwächt, womöglich in zwei Teilstaaten gespalten, hervorgegangen märe; deshalb möchte es in der Frage einer möglichen Restauration der Monarchie eine vermittelnde Rolle spielen und einen ihm zu Dank verpflichteten Schattenkönig auf den not­dürftig reparierten spanischen Thron setzen.

verlassen und im Freien zu gebären. Die Manner seien gefoltert und getötet worden, das ganze Dorf tagelang von der Welt abgeschnitten, ohne Essen und Trinken, ja den zusammengepferchten Dorf­bewohnern habe man sogar zugemutet, ihren Durst mit dem Waschwasser der britischen Soldaten zu löschen.

Das ist Englands furchtbare Blutschuld in Palä­stina. So verfahren die Briten mit einem freiheit­liebenden Volk, dessen Land ihnen nicht einmal gehört, sondern das ihnen nur zu treuen Hän­den übergeben worden ist. Zur gleichen Stunde aber, ba den britischen Politikern in London das Wehklagen der arabischen Witwen und Waisen, der empörte Aufschrei eines ganzen Volkes in den Ohren gellen müßte, da doziert der britische Pre­mierminister im Unterhaus überMißhandlungen und unwürdige Behandlung" von britischen Staats­angehörigen in Tientsin. Wenn die Japaner in Verfolg ihrer berechtigten Maßnahmen in Tien­tsin harmlose Leibesvisitationen an englischen Staatsangehörigen vornehmen, macht die englische Presse ein Geschrei, als ob es sich um die schlimmste Verletzung der heiligen Güter der Menschheit han­delt, aber in Palästina rottet dasselbe England mit seinen jüdischen Helfershelfern ein ganzes Volk in feinem eigenen Lande aus, das es ihm zuvor ge­stohlen hat! So verfährt Albion mit Nationen, die in seine Macht gefallen sind und sich Nicht wehren können. Fürwahr, ein furchtbares Beispiel für alle Völker der Erde! Deutschland selbst hat bereits einmal, als es ohnmächtig und wehrlos am Boden lag, in dem Reparationswahnsinn in der noch nach dem Waffenstillstand fortgesetzten Hunger­blockade und in dem ruchlosen Raub seiner Kolo­nien und Auslandskapitalien den eiskalten Ver­nichtungswillen der britischen Politik zu spüren bekommen. Ein zweites Mal wird es gegen diese brutale und profitgierige Politik besser gewappnet sein.

gefährdet und dieses breitäaige Moratorium notwendig gemacht. Das Blatt behauptet, die chine- ischen Bankkunden hätten ihr Vertrauen in die Finanzinstitute ihres Landes verloren, da Englund in der Tientsiner Frage keine entschlossene Haltung gezeigt habe. Diese Haltung gefährde u. a. die fünf» z i g Millionen Silber-Dollar, die Eng» land zur Zeit im Auftrage der Regierung Tschiang- kaischeks m Nordchina festhalte. Beeinträchtigend wirke weiter die ständig zunehmende Kontrolle, die Japan auf die chinesische Ausfuhr aus­zuüben vermöge.

Kein Fortschritt in Moskau.

London, 22. Juni. (Europapreß) Die Londoner Blätter müssen in den letzten Morgenausgaben zu» geben:Sowjetrußland sagt: Kein Fortschritt!" Die Schlagzeile beruht auf einer Erklärung, die in den frühen Morgenstunden des Donnerstags in Mo s- k a u über die Konferenz des Vortages veröffentlicht worden war. In dieser heißt es:In Kreisen, dis dem Kommissariat für auswärtige Angelegenheiten nahestehen, wird erklärt, daß dieneuen" englisch- französischen Vorschläge im Vergleich zu den frühe­ren Formeln feinen Fortschritt zeigen." Der bisherige Mitarbeiter des zur Zeit in Moskau weilenden Leiters der mitteleuropäischen Abteilung im englischen Außenamt, William Strang, Harry Roberts, wird Donnerstag die sowjetrussische Hauptstadt verlassen, um sich nach London zu­rück zu begeben. Die Blätter behaupten, diese Reise stünde in keinem Zusammenhang mit der jüngsten Entwicklung der Moskauer Verhand­lungen.

Halifax in Verlegenheit.

London, 22. Juni. (Europapreß.) Außenmini­ster Lord Halifax hielt am Mittwochabend auf einem Festessen desKlubs von 1900", auf der auch Winston Churchill zugegen war, eine außenpolitische Rede, in der er feststellte, es sei unmöglich, von einer Besserung der europäischen Lage sprechen zu können. Der Minister vergaß dabei allerdings, zu sagen, daß zu diesem Zustand England in entscheidendem Maße beigetragen hat. Nun sei im Fernen Osten ein Zwischenfall aufgetaucht", der die Sorgen und Aengste noch vermehrt hätte. DieserZwischenfall" .sei nur einem Mißverständnis ent­sprungen, der zweifelloszum Teil auf einer Verschiedenheit der Auffassungen beruhe". .Unter den vorliegenden Umständen hätte England jedoch den japanischen Forderungen nicht nachgeben können.

Auf die Grundsätze der britischen Außenpolitik eingehend, sagte Lord Halifax, man müsse erkennen, daß die Welt nicht stehen bleibe. Englands Ziel sei, der Notwendigkeit gerecht zu werden, wider­sprechende Ansprüche in einer sich wandelnden Welt aufeinander abzustimmen. Allerdings fühlte sich der Minister verpflichtet, gleichzeitig seinen Widerstand gegenMethoden der Gewalt" zu erklären, lieber» leitend auf das englische Bestreben, zurzeit in aller Welt neue Bundesgenossen gegen die autoritären Staaten zu suchen, bemühte sich Lord Halifax, diese Methode mit der harmlosen Erklärung abzutun, England versuche nur, alle Gleichdenkenden um sich zu vereinigen. Dies geschehe Nicht aus Feindschaft gegen irgendeine Nation. Die von England ge­gebenen Garantien an bestimmte europäische Staa­ten verfolgten daher auch nur das Ziel, die Un­abhängigkeit dieser Staaten (über die sich England allein zu wachen berufen fühlt) gewahrt zu wissen. Die Verhandlungen mit der Sowjet­union würden unter dem gleichen Gesichtspunkt geführt. Die eingetretene Stockung glaubte Lord Halifax damit begründen zu können, daß die Suche nach einer richtigen Formel eben Schwierigkeiten bereite. Wie sehr England daran gelegen ist, Sow­jetrußland in seine Einkreisungsfront einzubeziehen, erhellt aus folgender Bemerkung des Ministers: Um ein Abkommen zu erreichen, sind wir weiter­gegangen, als manche für richtig hiel­ten. Wenn wir bisher keinen Erfolg hatten, fo können wir mit Recht sagen, daß es nicht unser Fehler war. Wir haben wiederholt Versuche ge­macht, um andere zu überreden..

England sucht

Hilfe um jeden Preis:

Italienische Pressestimmen stellen Englands kritische Lage klar.

Rom, 21.Juni. (DNB.) Unter der Ueberschrift Heuchelei und Ohnmacht" glossiert der Tevere" die verzweifelte Suche Englands nach Bundesgenossen im Fernen Osten angesichts seiner völlig hoffnungslosen Lage in Tientsin, wo es auf die Gnade oder Ungnade Japans angewiesen sei, das ihm jetzt dis Quittung für jahrelange kleinliche Schikanen, Genfer Quer» treibereien und offene Parteinahme gegen Japans lebenswichtigste Interessen präsentiere. England be­mühe sich vor allem um Amerika und S o w j e t r u ß l a n d , die es in typisch britischer Art gern gegen die Bedrohung seines Ansehens und feiner Profite durch Japan einspannen möchte, wofür es sogar bereit sei, jeden Preis zu zahlen. Englands Taktik gehe darauf aus, Japan durch eine kombinierte sowjetrussisch - amerikanische Aktion in die Zange zu nehmen. Da aber die Ver­einigten Staaten hierzu keinerlei Lust verspürten, setze London seine ganzen Hoffnungen auf Mos­kau. Niemand könne sich jedoch vorstellen, daß sich Sowjetrußland zur Verteidigung der imperialen Interessen Großbritanniens auf Japan stürzen würde. So werde das englische Imperium in China geöemütigt und erniedrige sich vor Sowjetrußland. Die Demokratie offenbare sich wieder in ihrer Ohn-

Japan fordert Räumung Swataus von fremden Schiffen.

Dr.Li. ßonbon, 22.Juni 1939.

Wie in den Morgenstunden des Donnerstag in London bekannt geworden ist, haben die japanischen Militärbehörden in S w a t a u den englischen und amerikanischen Flottenkommandanten ein Ultimatum zugestellt, in dem es heißt, daß Hafen und Hoheiks- gewäsfer in und um Swatau bis Donnerstag nach­mittag 1 Uhr (Ortszeit) von sämtlichen aus­ländischen Kriegsschiffen geräumt sein müssen. Das Ultimatum hat auch Gültigkeit für die Handelschiffahrt. Soweit in den frühen Morgen­stunden des Donnerstags in London festgestellt wer­den konnte, befinden sich in Swatau zur Zeit d i e englischen ZerstörerScout" undT h a- n e t" sowie der amerikanische Zerstörer P i l l s b u r y"; der amerikanische Zerstörer D. Pope" soll sich in den chinesischen Hoheits­gewässern vor Swatau aufhalten.

In London hält man es noch für unwahrschein­lich, daß die Kommandanten der englischen und amerikanischen Kriegsschiffe dem japanischen Ulti­matum Folge leisten werden. In Meldungen aus Hongkong heißt es, die Einheiten hätten noch keine Anstalten zum Verlassen Swataus getroffen. Man beruft sich auf den im Jahre 1858 zwischen China und England abgeschlossenen Vertrag von Tientsm, wonach Swatau Vertragshafen wurde. Auch wird die Konvention von Peking genannt, wonach es allen Ausländern erlaubt ist, in Swatau zu leben und. Handel zu treiben. Es wird allerdings zu­gegeben, daß diese chinesische Hafenstadt weder eine ausländische Niederlassung noch Besitzungen unter fremder Verwaltung habe und infolgedessen es dort auch keine exterritorialen Rechte gebe.

Die englische Presse läßt unverblümt ihr Be­dauern darüber durchblicken, daß Swatau in japa­nische Hände gefallen ist. Sie geht dabei von der Erwägung aus, diese Stadt sei bisher die einzige Hafenstadt gewesen, die sich noch in Händen desMarschallsTschiangkaischek befunden habe. Mit dem Fall Swataus werde der Nachschub an Kriegsmaterial weiter erschwert. Der fast wider­standslose Fall der Stadt gibt den Blät­tern im übrigen einiges Rätselraten auf. Es wird behauptet, 30 000 Mann chinesischer Truppen hätten Stadt und Hafen sechs Stunden vor der Besetzung durch die Japaner geräumt. Der Befehl, Swatau im Falle eines japanischen Angriffs in Brand zu stecken und in die Luft zu sprengen, sei merk­würdigerweise nicht durchgeführt worden. Im Oktober vergangenen Jahres sei auch K a n - t o n ohne den geringsten chinesischen Widerstand in japanische Hände gefallen.

Der japanischen Truppenlandung in Swatau ging ein schweres Bombardement der chinesischen Stel­lungen, des Hafens und der Küste durch japanische Kriegsschiffe und Flugzeuge voraus. Ein schwerer japanischer Kreuzer durchbrach die chinesischen Mi­nensperren in der Mündung des Han^Flusses und dampfte direkt in den Hafen hinein. Danach er­folgte die Besetzung Swataus unter dem Kom­mando des Oberbefehlshabers der japanischen Ma­rine in Südchina, Vizeadmiral Kondon.

Nach einer Meldung desNews Chronicle" aus Hongkong werden alle chinesischenBanken am Donnerstag, Freitag und Samstag dieser Woche g e - schlossen bleiben. Die überaus starke Abhebung von Guthaben hat die chinesische Währung

Das Bombenattentat von Haifa.

England deckt den jüdischen Terror in Palästina.