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Nr.nr (Elftes Blatt
189. Jahrgang
Montag, 22. Mai 19Z9
Eichener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberheffen
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Deutschlands Befestigungen in West und Ost.
Von Oberstleutnant im Generalstab v Wedel.
Berlin, 20. Mai. (DNB.) Unter der Ueberschrist „Deutschlands Befestigungen in West und Ost" veröffentlicht der V. B. folgenden Aufsatz von Oberstleutnant des Generalstabes von Wedel, Oberkommando der Wehrmacht.
Die deutsche Presse berichtete darüber, daß der Führer und Generaloberst von Brauchitsch mit den Spitzen der Partei die deutschen Wcstbefestigungen besichtigten. Die hohen Besichtigenden haben hierbei ohne Einschränkung die gewaltige Abwehrkraft, ja die U n ü b e r w i n dl i ch k e i t des Walles aus Stahl, Eisen und Beton feststellen können, das darf ohne Ueberheblichkeit gesagt werden. Kein Soldat eines westlichen Angreifers wird über dieses Bollwerk hinweg in deutsches Land eindringen. Jeder Angriff wird Ströme von Soldatenblut dieser Angreifer vor den Hindernissen der deutschen Westbefestigungen nutzlos versickern lassen. Und auch in der Luft ist durch Anlage der Luftverteidigungszone West durch eine Reihe anderer Maßnahmen die entsprechende Vorsorge gegen jeden Angreifer zur Luft getroffen. Die zur Besetzung und Erhaltung der gesamten Befestigungsanlagen aufgestellten Grenz truppen werden ständig in und an ihren Werken geschult. Eine Reihe von Festungsübungen dieser Verbände wird die Gewähr bringen, daß der Westwall in der Hand beherzter, besonders ausgesuchter und ausgebildeter Truppen in voller Abwehr stärke jederzeit bereit ist. Unsere Sicherheit nach Westen ist also gewährleistet.
Aber auch im Osten des Reiches ist Vorsorge getroffen, daß der frühere so oft zitierte Spaziergang nach Berlin seinen Wert 'als Vergnügen verloren haben dürfte. So lange uns mit Polen ein freundnachbarliches Verhältnis verband, war diese Sorge naturgemäß etwas in den Hintergrund getreten. Anderseits liegt es auf der Hand, daß unsere Hauptsorge der letzten Zeit der Sicherung nach Westen galt. Trotzdem aber kann heute festgestellt werden, daß im Osten bereits ein hohes Maß von Abwehrkraft in Form von Befestigungsanlagen geschaffen ist. Mit dem Pariser Abkommen von 1927, das uns eine gewisse Befestigung an der Ostgrenze zugestand, beginnend, ist im Osten in zäher, verantwortungsbewußter Arbeit zum Schutze des schlesischen Raumes, zum Schutze der Reichshaupt st adt und zur Sicherung von Pommern ein weiteres Befestigungssystem entstanden. Ostpreußen, als besonders gefährdetes deutsches Land, ist insgesamt als Festung anzusprechen. Selbstverständlich sind auch hier im Osten die notwendigen Festungstruppen als Friedensverbände zur Besetzung und Erhaltung der Kampfanlagen vorhanden.
Es wurde schon erwähnt, daß in Anbetracht der bisherigen politischen und sonstigen Verhältnisse das Defcustigungswerk im Osten noch nicht dem an der Westgrenze des Reiches voll entspricht. Manche Arbeit ist hier noch zu leisten. Aber wir haben die hysterischen Ausbrüche polnischer Chauvinisten, die nach der Eroberung von Ostpreußen, Schlesien und Pommern schreien, durchaus nicht überhört. Katastrophenpolitiker könnten nur allzu leicht das fanatisierte polnische Volk zu einer Wahnsinnstat hinreißen. Es wird deshalb in kürzester Frist die Abwehrkraft der Ostbefestigungen der des We st malles gleichgestellt werden. Schon sind in Schlesien starke Teile des Reichsarbeitsdienstes am Werk. Auch die gewaltigen Kräfte der Organisation des Reichsinspektors für das deutsche Straßenwesen, Dr. Todt, dürften baldigst eingesetzt werden. Die Wehrmacht wird mit allem Nachdruck dem Wunsch und Befehl des Führers nachkommen, daß auch im Osten kein Deutscher mehr diesseits der Landesgrenzen ohne den Schutz einer starken Landesbefestigung feindlichem Zugriff ausgesetzt ist. Wir haben das Wunder der Westbestigungen 1938 erlebt. Wir werden das gleiche Wunder der Ostbefestigungen 1939 erleben»
Alle Angriffslustigen aber mögen rechtzeitig die Tasachen erkennen. Nichtverstehen oder Nichtver- stehenwollen kostet Ströme ihres eigenen Soldatenblutes, die ohne jede Erfolgsaussicht vergossen werden, denn das Ergebnis wird mit absoluter Sicherheit sein, daß Deutschlands Grenzen in West und Ost im Schutze ihrer Befestigungen unüberschreitdar sind.
Oer Führer bei der ^-Standarte „Deutschland".
Munsterlager, 20. Mai (DNB.) Im Anschluß an den Besuch des deutschen Westwalls besichtigte die Führer die auf dem Truppenübungsplatz Munsterlager übende W'- Standarte „Deutschland". Der Führer begab sich nach einer kurzen Fahrt durch das Lagergelände zu einer Gefechtsübung. Die Uebung zeigte das Regiment „Deutschland", verstärkt durch eine schwere Abteilung, eine leichte Abteilung sowie eine Nebelbatterie im Angriff auf eine befestigte Stellung. Der Angriff, der vollkommen friegs» mäßig mit scharfer Munition und scharferArtillerie-Vorbereitung durchgeführt wurde, bewies nicht nur den hohen Grad der militärischen Ausbildung der ^-Derfügungstruppe, sondern auch den hervorragenden Angriffsgeist und den Schneid jedes einzelnen -^-Mannes. Den Abschluß der außerordentlich eindrucksvollen Uebung bildete eine Feldparade aller an der Hebung
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Der Giaaisbesuch des italienischen Außenministers in Berlin.
Herzliche Begrüßung in der Reichshauptstadl.
Berlin, 21. Mai. (DNB.) Am Sonntagvormittag traf der italienische Minister des Aeußeren Graf Ciano zu dem zweitägigen Staatsbesuch auf dem Anhalter Bahnhof in Berlin ein, wo zu seiner Begrüßung der Reichsminister des Auswärtigen von Ribbentrop mit dem deutschen Botschafter in Rom v. Mackensen, ferner zahlreiche führende Persönlichkeiten von Staat, Partei und Wahrmacht, der Leiter der italienischen Handelsdelegation Botschafter Giannini, der italienische Botschafter, Vertreter des Fascio und der italienischen Kolonie, die Botschafter Spaniens und Japans, sowie die Gesandten von Ungarn, Jugoslawien, Mandschukuo und Albanien erschienen waren. Unter stürmischem Jubel der Bevölkerung begleitete Reichsaußenminister von Ribbentrop den Minister zum Hotel Adlon, wo Graf Ciano während seines Berliner Aufenthaltes wohnt.
Feierliche Gefallenenehrung.
Zu vielen Taufenden säumten die Berliner wieder die Linden und den Vorplatz des Ehrenmals, als sich Graf Ciano mit dem Staatssekretär im italienischen Kriegsministerium und Oberbefehlshaber des italienischen Heeres General P a r i a n i, geleitet von einem Offizier der Wehrmacht, zum Ehrenmal Unter den Linden begaben, wo sie von dem Stadtkommandanten von Berlin, Generalleutnant Seifert, begrüßt wurden. Formationen der Partei standen zu beiden Seiten der festlich mit den Fahnen der^ befreundeten Nationen ausaeschmückten Straße vor den dicht gestaffelten Leihen der Berliner Spalier. Zur Linken des Ehrenmals waren der Berliner Fascio und die in Berlin lebenden italienischen Studenten in ihren schwarzen Uniformen ausmarschiert, während die von der'harrenden Menge herzlich begrüßten Avantgardisten, Jungfaschisten, die Balilla, die Jung- aschistinnen und Jungitalienerinnen in ihren kleid- amen Uniformen an der anderen Seite des Males Aufstellung genommen hatten.
Die Fahne senkte sich und das Lied vom guten Kameraden erklang, als Graf Ciano Has Ehrenmal ■»etrat und einen riesigen Lorbeerkranz niederlegte. Rach der Heldenehrung nahmen Graf Ciano und Generalleutnant Seifert den Vorbeimarsch einer Ehrenkompanie des Wachregiments ab. Der Minister nahm darauf noch Gelegenheit, die angetre- enen Ehrenformationen der italienischen Kolonie n Berlin zu begrüßen. Lebhafte Duce-Duce-Rufe langen im entgegen, als er in Begleitung des Ehefs des Protokolls ins Hotel Adlon zurücksuhr.
Die erste Unterredung.
Am Sonntagmittag stattete Graf Ciano. in Begleitung des Botschafters A 11 o l i c o dem Reichs- ninifter des Auswärtigen v. Ribbentrop im Auswärtigen Amt einen Besuch ab. Die beiden ver- «ntwortlichen Leiter der auswärtigen Politik der Achsenmächte hatten Gelegenheit, in einer längeren Unterredung die in Mailand geführten Besprechungen über d i e außenpolitische Lage ortzusetzen. Bei seiner Hin- und Rückfahrt durch bte Mich geschmückte Wilhelmstraße wurde Graf Ciano ton der seit Stunden ausharrenden Menschenmenge t e g e i st e r t b e g r ü ß t. Nach der Rückkehr Graf sjanos begab sich Reichsaußenminifter v. Ribben
trop ins Hotel Adlon, um dem italienischen Außenminister seinen Gegenbesuch abzustatten.
Am Mittag gab der Reichsaußenminister zu Ehren des italienischen Gastes ein Frühstück im Hotel Kaiserhof, an dem General Pariani, Botschafter Attolico mit Botschaftsrat G r a f M a g i st r a t i und den Herren der Botschaft, der Leiter der italienischen Wirtschaftsabordnung Botschafter Giannini, der Inspekteur des Fascio in Deutschland, Graf R o g g e r i und der Leiter des Berliner Fascio Leutnant S a v i n i sowie die Begleitung des italienischen Außenministers teilnahmen. Von .deutscher Seite waren mehrere Reichsleiter und sonstige namhafte Vertreter der Partei und der Parteiformationen, die ältesten Parteigenossen des Gaues Berlin, die ältesten Parteigenossen des Auswärtigen Amtes sowie Mitglieder des Verbindungsstabes des Stellvertreters des Führers, der Dienststelle Ribbentrop, der Auslandsorganisation und der Volksdeutschen Mittelstelle anwesend.
Der Führer emvsina Graf Gano
Der Führer empfing am Sonnlagnachmillag in Gegenwart des Reichsminiflers des Auswärtigen von Ribbentrop den italienischen Außenminister zu einer längeren Aussprache. Graf Ciano, der von Botschafter Attolico begleitet war, wurde in der neuen Reichskanzlei vom Chef der Präsidialkanzlei des Führers Staatsminister Dr. Mei sine r empfangen. Auf der hin- und Rückfahrt wurde
Berlin, 20. Mai (DNB.) Im Auswärtigen Amt wurden durch den Reichsminister des Aus- wärtigen von Ribbentrop und Dem litauischen Außenminister Urbsys die deutsch-litauischen Wirtschaftsverträge unterzeichnet. Bei den Verträgen handelt es sich einmal um die Regelung der wirtschaftlichen Beziehungen, die sich nach der Wiedervereinigung des Memelgebietes mit dem Reich als notwendig erwiesen hatte, sodann um die Einrichtung der litauischen Freihafenzone in Memel. Die Verhandlungen wurden im freundschaftlichen Geiste und mit allem Verständnis für die wirtschaftlichen Interessen des anderen Vertragspartners geführt. Die Geltung des Wirtschaftsvertrages, dem ein Derrechnungsabkommen und ein Abkommen über den kleinen Grenzverkehr ange- schloffen sind, ist auf zwei Jahre festgesetzt. Bei dem Warenumsatz zwischen Deutschland und Litauen konnte der stetigen Steigerung des gegenseitigen Warenaustausches Rechnung getragen werden. Auch in dem sich aus der Rückgliederung des Memelgebietes ergebenden finanziellen Fragen konnte volles Einvernehmen erzielt werden. Als Freihafen erhält Litauen in der im Vertrag vom 22. März 1939 vorgesehenen Form zwei Freihafenzonen mit den dazugehörigen Anlagen im Memeler Hafen, die eine reibungslose Abwicklung und weitere Entwicklung des litauischen Handels sicherstellen. Für später ist ein neuer litauischer Freihafen 3 Kilometer südlich der Stadt Memel in Aussicht genommen, dessen Erstellung das Reich übernommen hat. Reichsminister von Ribbentrop erklärte dem Vertreter der litauischen Nachrichtenagentur
Graf Ciano von der Bevölkerung mit stürmischem Jubel begrüßt.
Zu Ehren des italienischen Ministers des Aeusiern hatte der Führer am Sonntagabend zu einer Abendtafel in feinem Haufe geladen. An dem festlichen Empfang nahmen teil neben dem italienischen Auhenminister der italienische Botschafter in Berlin und Frau, der Generalstabschef des italienischen Heeres, Staatssekretär Armeegeneral Pariani, Botschafter B u l i, Botschafter Giannini, Gesandter Graf Bitetti, Protokollchef Gesandter Geißer Celesia, die Mitglieder der königlich Italienischen Botschaft und des Generalkonsulats mit ihren Damen, ebenso die Begleitung und der Ehrendienst des Grafen Ciano, der Landesgruppenleiter des Fascio, Gras Ruggeri L a d e r ch i, wie auch Vertreter der italienischen Presse. Deutscherseits waren u. a. mit ihren Damen anwesend: Ministerpräsident Generalfeldmarschalt Göring, der Reichsminister des Auswärtigen v. Ribbentrop, die Oberbefehlshaber und Generalstabschefs der Wehrmachtsteile, die Mitglieder der Reichsregierung, die in Berlin anwesenden R e i ch s l e i t e r. der Staatssekretär des Auswärtigen Amtes v. W e i z s ä ck e r, die Botschafter v. P a p e n und r. Mackensen, sowie Vertreter des Auswärtigen Amtes und der Wehrmacht.
Elta: Nach der Regelung der Memelfrage gibt es zwischen Deutschland und Litauen keine Differenzen mehr. Im Gegenteil: In der Zukunft können Deutschland und Litauen sich nach jeder Richtung hin ergänzen. Deutschland als der große Konsument Europas kann einen erheblichen Teil der litauischen Produktion übernehmen. Litauen kann dagegen jeden Bedarf an Industrie- Produkten in Deutschland decken. Der Handelsvertrag bildet eine bedeutsame Grundlage für diese enge wirtschaftliche Züsammenarbeit zwischen beiden Staaten. Das Abkommen über den Memel Hafen ist eine weitere Grundlage für die zukünftige wirtschaftliche Zusammenarbeit der beiden Staaten. Während die offene Memelfrage jahrelang die Beziehungen zwischen unseren beiden Ländern vergiftet hat, wird — davon bin ich überzeugt — das Land, an der Memel nunmehr zu einem Bindeglied zwischen dem deutschen und dem litauischen Volk werden. Denn nichts ist geeigneter als dieses der beiderseitigen Wirtschaft zur Verfügung stehende Tor zur Ostsee, um die guten Beziehungen der beiden Völker dauernd sicherzustellen. Im übrigen sind die politischen Beziehungen zwischen Deutschland und Litauen durch unseren Vertrag vom 22. März sichergestellt, der jede Gewalt z wische n den beiden Ländern a ü s s ch l i e ß t. Aber darüber hinaus möchte ich sagen, daß Deutschland eine immer weitere Vertiefung der freundschaftlichen Beziehungen der beiden Länder wünscht, und man möge in Kowno wissen, daß nunmehr Litauen immer auf die Freundschaft Deutschlands bauen kann!
Die deutsch-litauischen Wirtschaftsverträge unterzeichnet.
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