daß die zu 1. Genannten mindestens im Jahre 1939, oder im Wintersemester 1939/40 an der Universität im Amte stehen, für die zu 2. Genannten, daß sie ihre Studien zu einem erheblichen Teil an der Universität Gießen gemacht haben.
Die Preisarbeiten müssen in deutscher Sprache geschrieben sein und dürfen nur einen Verfasser haben. Die Arbeiten sind nach Wahl der Verfasser entweder unter Nennung des Verfassers oder in der für die Bewerbung um die staatlichen Preisarbeiten üblichen Form vor Dem 15. Februar 1940 beim Universitäts-Sekretariat einzureichen. Frühere Stmnerende haben dabei den Nachweis zu liefern, daß die Voraussetzungen der Bewerbung erfüllt sind.
lieber Die Zuerkennung der Preise entscheidet die Pflegschaft auf Grund von Gutachten der Fakultäten. Die Urteile werden bei der feierlichen Netto- ratsübergabe am 1. April 1940 verkündet. Die em« gereichten Arbeiten bleiben Eigentum der Verfasser.
Die Preise betragen: für die Gruppe I je drei- hundert Reichsmark, für die Gruppe II je sechshun- dert Reichsmark.
Oie Zagdstrecke 1937/38 im Iagdgau Hessen und Nassau.
Lvd. Der große volkswirtschaflliche Wert der JoAstrecke ergibt sich eindeutig aus den Zahlen über den Umfang und den Wert der deutschen Ge- samtstrecke, die im Jahrbuch der Deutschen Jager- schäft veröffentlich werden. Danach betrug der Wert des für die Ernährung verwertbaren Wildbrets tm Iagdjohr 1937/38 rund 29,1 Millionen Mark. Alle deutschen Jagdgaue sind daran beteiligt, fretüd) in sehr verschiedenem Ausmaß.
Im Jagdgau Hessen, der die Jagdkreise Alsfeld, Alzey, Bensheim, Bingen, Büdingen, Darmstadt, Dieburg, Erbach, Friedberg, Gießen, Groß- Gerau, Heppenheim, Lauterbach, Mainz Oppenheim, Offenbach, Schotten und Worms umfaßt, wurde im Jaqdjahr 1937/38 folgende Strecke erzielt: Rotwild 489 Stück (Wert: 34 000 RM.), Damwild 217 (10 000 RM.), Rehwild 16 902 (270 000 RM.), Schwarzwild 406 (18 000 RM.), Hafen 42919 (129 000 RM.), Kaninchen 15 257 (15 000 RM.), Füchse und Dachse 5134 (51000 RM.), anderes Haarraubwild 2772 (14000 RM.), Fasanen 4805 (8000 RM.), Rebhühner 26 977 (27 000 RM.), Enten 5702 (7000 RM.). v v
Im Jagdgau Nassau, der aus den Jagd- kreisen Biedenkopf, Dillkreis, Frankfurt, Limburg, Main-Taunus-Kreis, Oberlahn, Obertaunus, Ober» westerwald: Unterkreis Hachenburg, Unterkreis Westerburg, Rheingau, St. Goarshausen, Unterlahn, Untertaunus-Ost, Untertaunus-West, Unterwester- wald, Usingen, Wetzlar besteht, wurden folgende Er- gcbrriffe erzielt: Rotwild 763 Stück (Wert: 53 000 RM.), Damwild 78 (4000 RM.), Rehwild 13 296 (213 000 RM.), Schwarzwild 827 (37 000 RM ), Hasen 25 658 (77 000 RM.), Kaninchen 3223 (3000 RM.), Füchse und Dachse 4455 (45 000 RM.), anderes HaarraubwiÜ) 1544 (8000 RM.), Fasanen 2462 (4000 RM.), Rebhühner 13 728 (14 000 RM.), Enten 1236 (2000 RM ).
Rundfunkprogramm
Donnerstag, 23. Februar.
6 Uhr: Gymnastik. 6.30: Frühkonzert. 7: Nachrichten. 8.10: Gymnastik. 8.30: Froher Klang zur Werkpause. 9.40: Kleine Ratschläge für Küche und Haus. 10: Schulfunk: Volksliedsingen. 11.30: Ruf ins Land. 12: Mittagskonzert. 13: Nachrichten. 13.15: Mittagskonzert. 14: Nachrichten. 14.15: Das Stündchen nach Tisch ... 15: Für unsere Kinder: Hokus- pokus — fidibus! Wir zaubern. 16: Nachmittagskonzert. 16.50 bis 17: Das Mikrophon unterwegs. 17.30: Schöne deutsche Volkslieder. 18: Aus Arbeit und Beruf. 18.30: Horst Wessel. Ein deutsches Leben und Sterben. 19.15: Tagesspiegel. 19.30: Der fröhliche Lautsprecher. 19.45: Aus der Jugendbewegung Adolf Hillers. Das deutsche Jugendherbergswerk. 20: Nachrichten. Grenzecho. 20.15: „Singendes, klingendes Kastel". 22: Nachrichten. 22.25: „Reichsmesse Großdeutschland". Es spricht der Vizepräsident des Leipziger Meßamtes, Ludwig Fichte. 22.35: Volks- und Unterhaltungsmusik. 24 bis 2: Nachtkonzert.
Der betrieb öffentlicher Lautsprecher ist genehmigungspflichtig.
NSG. Um die Inanspruchnahme öffenllrcher Straßen und Plätze durch den Betrieb von Laut« prechern zu regeln, hat der Reichsminister des Innern bereits in einem Erlaß vom ?. August 1935 Ausfuhrungsvorschriften zum § 33 der damaligen Reichsstraßenoerkehrsordnung erlassen. Auf Grund dieser Vorschriften ist der Betrieb von Lautsprechern grundsätzlich genehmigungspflichtig. Dabei gehört zur Inanspruchnahme auch der Betrieb eines nicht auf der Straße befindlichen Laut- prechers, sofern er sich auf eine öffentliche Straße auswirken kann. Unter die Genehmigung fällt jedoch z. B. nicht der Betrieb eines Lautsprechers in einem Kraftwagen, wenn das Gerät nach Anbringung und Schallstärke nur für die Insassen des Wagens be- timmt ist. . .
In den Bestimmungen des Reichsminifters fmo die Genehmigungsbehörden im einzelnen angegeben. So sind in Preußen für Lautsprecher auf Wagen — als solche gelten im Sinne der Vorschriften nur est im Wagen eingebaute Lautsprecher — die Kreispolizeibehörden, in den übrigen Ländern die entsprechenden Behörden zuständig. Für den Betrieb anderer Lautsprecher kommen die Ortspolizeibehörden in Betracht. Ein Rechtsanspruch auf Erteilung der Genehmigung für den Betrieb von Lautsprechern auf öffentlichen Straßen und Plätzen besteht nicht. Es kann auch die Genehmigung zur Wirtschaftswerbuna durch Lautsprecher auf Wagen allgemein oder in bestimmten Ortsteilen versagt werden. Dies gilt vor allem für Städte mit mehr als 300 000 Einwohnern sowie in Bade- und Kurorten. Soll der Betrieb untersagt werden, so kann dies in Preußen durch die Regierungspräsidenten im Einvernehmen mit dem Werberat der Deutschen Wirtschaft erfolgen. In den anderen Ländern gelten entsprechende Vorschriften.
An die Genehmigung zur Wirtschaftswerbung durch Lautsprecher auf Wagen sind ferner — unbeschadet der allgemeinen Verkehrs- und sonstigen polizeilichen Vorschriften — folgende Bedingungen geknüpft:
a) Der Lautsprecher darf nicht betrieben werben:
1. an Sonn- und Feiertagen;
2. in der Zeit zwischen 13.30 und 14.30 Uhr sowie 20 und 8 Uhr;
3. auf Anordnung der Ortspolizeibehörde für vor- übergehende Zeit aus besonderen Anlässen, z. B. Feiern, Aufzügen und anderen Veranstaltungen;
4. außerhalb der von der Genehmigungsbehörde festgesetzten läge; jedoch sind bei unvorhergesehenen Zwischenfällen Abweichungen bis zu acht Tagen gestattet, falls die Genehmigungs- behorde auf die Mitteilung hin keine Einwendungen erhebt.
b) Der Betrieb kann auf einzelnen Straßen — Hauptverkehrs- oder Hauptgeschäftsstraßen — untersagt oder beschränkt werden; solche Bestimmungen kann auch die Ortspolizeibehörde durch allgemeine Vorschriften treffen.
c) Der Lautsprecher darf nicht mit mehr als 18 Watt Stromstärke betrieben werden, sofern der Wagen weniger als 300 Meter von dem nächsten Wohngebäude entfernt ist.
Die Ortsbehöriie kann von einzelnen Bedingungen Befreiung erteilen. Die Genehmigung soll ferner außer in Fällen der Ziffer 2 versagt, von weiteren als in Ziffer 3 festgesetzten Bedingungen abhängig gemacht oder abweichend von der beantragten Zeit erteilt werden, wenn anberenfaUs eine starke Häufung von Lauffprecherdarbietungen zu erwarten wäre oder der Betrieb infolge besonderer örtlicher Ereignisse sowie Feiern, Aufzüge und ähnlicher Veranstaltungen gröblich stören würde.
Die Bedingungen für die Inanspruchnahme öffentlicher Straßen durch den Betrieb anderer Lautsprecher werden von der Ortspolizeibehörde festgesetzt. Für die Genehmigung wird je nach dem Umfang der Derwaltungsarbeit eine Gebühr von 50 Pf. bis 10 Mark erhoben. Von der Genehmiaungspflicht ist der Betrieb von Lautsprechern befreit, die
von Behörden oder von der NSDAP, in Betrieb gesetzt werden. Der Einsatz dieser Lautsprecher ist Der Verkehrspolizeibehörde, in deren Bezirk er erfolgt, vorher anzuzeigen und im Benehmen mit chr durchzuführen.
Die Bestimmungen des Reichsmnenmmlsters haben jetzt durch einen neuen Runderlaß vom 21. Januar 1939 eine Ergänzung erfahren. Die steigende Bedeutung des Rundfunks, insbesondere für Die Übertragungen politischer Entscheidungen, Kundgebungen und Nachrichten, haben in zunehmendem Maße Rundfunkübertragungsanlaaen entstehen lassen, die in ihrer Wirkung auf die Außenwelt berechnet finb. Wegen der räumlichen Weite des Wirkungskreises und der im Regelfall größeren Anzahl von Zuhörern erschien es bringend erforderlich, neue Bestimmungen über Die einwandfreie Tonwiedergabe Der Uebertragungsanlagen zu schaffen, da sonst die Gefahr von Mißoerständmffen be» steht, welche für die öffentliche Ordnung unerwünschte Folgen haben kann.
Auf Grund der Neufasiung der Straßenverkehrsordnung, welche im §5, Abs. 2, die ursprünglichen Vorschriften des obenerwähnten § 33 der Reichs- straßeoerkehrsordnung übernommen hat, bedarf die
Verwendung eines Lautsprechers auf der Straße nach wie vor einer polizeilichen Erlaub- n i s. Die nur für eine einwandfreie Uebertragungs- anlage erteilte Erlaubnis kann aber erst dann zu- rüifgenommen werden, wenn durch eine inzwischen eingetretene Tonverzerrung die Voraussetzungen für die Erlaubnis fortfallen. Der Reichsminister des Innern hat daher alle Polizeibehörden ersucht den sich in Der Öffentlichkeit auswirkenden Rundfunk- übertragungsanlagen Beachtung zu schenken und im Falle Der Feststellung nicht einwandfreier Tonwiedergabe im Einvernehmen mit Den Kreis- und Ortshauptstellen Rundfunk der NSDAP. Die Weiterbenutzung Der Anlage in Der Öffentlichkeit bis zur Beseitigung des Mangels zu untersagen. Weisen Rundfunkhauptstellen Der NSDAP, auf die Fehlerhaftigkeit^ solcher lieber« tragungsanlagen hin, so ist unverzüglich zu prüfen, ob eine Zurücknahme der Erlaubnis angebracht ist. Mit diesen Bestimmungen wird Den Rundfunkstellen- leitem Der Partei kraft Gesetzes die Möglichkeit gegeben, eine wirksame Kontrolle der Rundfunkübertragungsanlagen, Die sich auf öffentlichen Straßen und Plätzen befinden, durchzuführen.
Lunger Kamerad - auf ein Wort!
NSG. Du, Pimpf, Der Du in wenigen Wochen zum letzten Male die Schultür hinter Dir schließt und Dann eintrittft in Die Reihe Der Schaffenden, an dich richten sich diese Zeilen. Ob du nun selbst die Zeitung zur Hand nimmst oder deine Eltern, dein Lehrer oder Kamerad dich hierauf verweist, dich geht es an!
Vier Jahre marschierst du nun in unseren Rechen, warst mit uns auf Fahrt, um Dein herrliches Heimatland kennen zu lernen. In fröhlichem Spiel und Einsatz forderndem Sport, marschierend in Den Kolonnen Der jüngsten Kampfer Des Führers bis Du herangewachsen. Im Heimabend hast du von deines Volkes schwerem Opfergang gehört bis es zur Einheit wurde, zur Gemeinschaft, Die Durch Den Führer zur großdeutschen Volksgemeinschaft werden konnte. Kurzum, du bist hineingewachsen in die Front Der jungen Generation, Du gehörst auch zu Den vielen Kameraden, Die schon als Pimpfe die Verpflichtung auf sich nahmen, immer für chr Volk unD für Den Führer einsatzbereit zu fein!
Difen Einsatz, Kamerad, gilt es zu beweisen! Hast Du schon etwas vom Landdienst Der Hitler- 3ugertD gehört? Dor wenigen Tagen erst hat diese politische wie gfchichtlich gleich große Tat durch den Stellvertreter Des Führers ihre endgültige Anerkennung gefunden. „Freiwillige vor! so lautet nunmehr die Parole, die auch an dich gerichtet ist. Wenn sich die HI. mit Der Schaffung Des Land- Dienstes das Ziel fetzt, städtische Jugend auf das Land zurückzuführen und dort seßhaft zu machen, so ist ihr Diese Aufgabe allein aus völkischen Grün- Den heraus gestellt.
Landflucht ist Volkstod! Mehr als 60 Jahre schon Dauert die Landflucht in Deutschland, Dje Hälfte der Bauern ist seitdem ht die Städte abgemanDert Ein Volk ohne ein starkes Bauerntum kann nicht bestehen. Weil aber Die Jugend des Führers, der auch Du junger Kamerad angehörst, dies erkannte, schuf sie, ohne große Worte von Landflucht und Bauern- not zu sprechen. Den in der deutschen Geschichte bisher positivsten Beitrag zur Beseitigung dieser Land- flucht, den Landdienst. Waren es 500 Jungen und Mädel, Die 1934 bereits den Weg zum Ehrendienst am deutschen Boden fanden, so sind bis zum Abschluß Des Jahres 1938 schon mehr als 50 000 Jugendliche durch Den Landdienst erfaßt aewesen.
Die Tat allein entscheidet über den Wert einer Generation. Daß aber Die Jugend Großdeutschlands aus eigenem Antrieb heraus mit der Schaffung Des LanDdienftes eine revolutionäre Bewegung gewaltigsten Ausmaßes entfacht hat, soll Die Tat sein, von Der Die Zukunft Das Urteil über Diese junge Gene
ration ableiten wird. Darum, Kamerad, überlege nicht lange, sondern komm, wenn du dich innerlich stark dazu fühlst, in Den ßanDDienft. Ein Jahr lang hast du Dann Gelegenheit, Das bäuerliche Leben, Den Dienst am BoDen kennen zu lernen. Dor wenigen Jahrzehnten noch lebten auch Deine Vorfahren als Bauern auf eigenem Boden. Im Landdienst wirst Du entscheiden können, ob auch du wieder als freier Bauer Deinem Volke helfen und Dienen willst. Denn wisse. Daß 50 000 junge Deutsche Menschen vor Dir sich im Landdienst einsetzten, ohne Die feste Hoffnung, einmal Herr auf eigener Scholle werden zu können. UnD doch blieben allein im letzten Jahr 20 v. H. im bäuerlichen Beruf, bereit, sich Durch eigene Leistung weiterzuentwickeln.
Wenn du jetzt eintrittft in den Landdienst, dann kannst du sicher fein, hast du Die Fähigkeiten dazu, kannst Du Bauer werden. Der Landdienst Der HI. ist nunmehr im besonderen Maße als Nachwuchs« Organisation Der ff anerkannt worden, aus feinen Reihen werden die Neubauernstellen besetzt, und aus Dem Einsatz Der Hiller-Jugend heraus wird sich ein neues deutsches Bauerntum entwickeln, das Wehrbauerntum Des Dritten Reiches!
Dich, KameraD, rufen wir auf! Tritt in Den LanDdienst ein als aktiver Kämpfer gegen Land- flucht und Bauernnot! Und wenn du selbst bereit bist zum Dienst am deutschen Boden. Deine Eltern aber sorgen sich um Deine Zukunft, Dann sage ihnen, Daß Deine Zukunft auch Deines Volkes Zukunft ist. Du glaubst an Die Idee des Führers und weißt, wenn Die Bewegung dich heute wirbt für Den Land- Dienst und Den bäuerlichen Beruf, so kannst du ihr mit gutem Gewißen folgen! Trete ein in Die Kampffront Der Jugend gegen Die Landflucht, es geht um mehr als dich, es geht um Die Zukunft Deines Volkes!
Die Hiller-Jugend Hessen-Nassaus.
Zwei jugendliche Autodiebe erwacht.
Lpd. Mainz, 20. Febr. Zwei jugenDliche Spitzbuben, die es auf Kraftwagen abgesehen hatten, gerieten in die Häiche Der Mainzer Polizei. Sie hatten zunächst in Mainz einen Wagen gestohlen. Mit Diesem fuhren sie nach Mannheim, wo sie sich in Den Besitz eines zweiten Wagens setzten. Mit Den beiden Fahrzeugen fuhren sie nach Mainz zurück und bemächtigten sich hier eines Dritten Wagens. Well Die Sache so gut geklappt hatte, versuchten sie sich nun an einem vierten Auto. Hier ereilte sie ihr Schicksal.
Ein Hans wächst.
Äon Hans Brandenburg.
Es gibt für mich an Vorgängen des Menschenlebens, an Schauspielen Des Alltags nichts, was mich stärker erregte, unwiderstehlicher fesselte als Der Bau eines Hauses. Das stellt sich mir mit in Die Reche Der Naturvorgänge, es ist ihnen gleich oder ordnet sich Doch in sie ein. Denn wenn es auch Menschenwerk rft, gewolltes, berechnetes, so genau wie nichts anderes nach Nutzen und Zweck, nach Plan und Riß — es scheint Doch zugleich auch einem anderen, einem verborgenen Plan und Gesetz zu unterstehen und Wachstum zu fein. Ich habe kein eigenes Haus und werde wohl auch niemals eines bauen können, aber solange in mir selbst Der schaffende Drang noch lebt, wird ihn Das Bild jeder Baustelle bannen und mit Eifer und Mut, aber auch mit Geduld und Trost beseelen.
Diesmal freilich will mich Bauarbeit, den Fenstern meiner Wohnung gegenüber begonnen, nur als Zerstörungswut berühren. Zwar wird mir keine Aussicht ab geschnitten; es wachst nur ein großer Anbau hinter einem schon bestehenden Hause. Allein dies Nachbarhaus gehörte einer alten' Freundin von mir und später ihren Kindern. Der Garten dahinter war einer der immer seltener werdenden schönen und großen Gärten der Stadt, übriggeblieben aus der längst verschollenen Zeit, wo unsere Straße noch Gartenstraße hieß. Ich ging in dem Haus ein und aus und hatte einen Schlüssel zu dem Garten, den ich wie meinen eigenen betrachten und benutzen Durfte. Mein Kind wuchs dort auf, ich halle im BaumronDell vor Dem verwachsenen Springbrunnen meinen Arbeitstisch und Kaffeetisch, und an Sommerabenden konnte man im biedermeierlichen „Saletll" mit Freunden eine Bowle trinken. Jedoch die alte Dome starb, ihre Kinder, in alle Well verstreut, mußten verkaufen Mein Garten wurde mit der Axt niedergeschlagen, ein Riesenungetüm von Bagger kam bei Nacht an- gewalzt und störte mir den Schlaf, es fing an, fletschend Die Rasen- und Blumenerde zu treffen und tief Den Kies heraufzufchlucken und in Wagen zu spucken, dieser Kies begrub Die Fliedersträucher, Die noch standen, und das „Salelll" verwandelte sich ins Baubüro und in eine Radeinstelkhalle der Arbeiter. Die Trommel einer Betonmaschine rollte und knirschte, Rippen wuchsen aus dem Erdinnern und Mauern darüber, Rückenlasten der Steinträger schwankten ununterbrochen heran, Kelle und Mörtel klebten Stein auf Stein, Richtscheite, Lot und Wasserwaage machten Wände und Fenster winkel- recht, und em Kran ließ den Eimer auf- und niedersausen.
Längst bin ich wieder Dem Zauber erlegen. Alles rft Geröll und Schutt, Gerüst unD Chaos, Schmutz, Lärm und werkelnde Langsamkeit. Zerworfener Bauplatz meines Innern — so denke ich —, auch du mußt voll Staub und Schweiß fein, Damit eines Tages Die Form Da ist, „schlank und rein wie aus dem Nichts gesprungen". Aber hier vor meinen Augen enthüllt sich diesmal noch ein anderes. Das alte eiszeitliche Schotterbett ward aufgeriffen, Der tiefe Ur- und Lebensgrund meines Gartens, unserer Gärten. Weibliche Jugend, eine Studentenschar, soll Den Neubau bevölkern, sie wird das „Saletll" wieder weiten und den Rest des Gartens für Den ganzen ©arten nehmen. Die Ziegel aber sind ja Erde, gebackene Scholle, wachsender Boden. Und siehe da. Die Fliedersttäucker, wieder befreit, zeigen dicke, grüne Frühlingsknospen, Die sie im Kiesgrab getrieben haben.
Winiergewiiier.
Geschichte von Peter Maiihens.
Paul hatte Lore untergefafjt Eng aneinandergedrückt kämpften sie sich Die stille Dillenstraße entlang. Hagelkörner, vermischt nut großen Regentropfen, prasselten ihnen entgegen und peitschten ihre Gesichter. Obwohl es erst Nachmillag war, herrschte eine fast nächtliche Finsternis. Nur wenn ein Blitz aufzuckte, konnten sie die nächste Umgebung erkennen.
„Vollständig verrückt!" schimpfte Paul vor sich hin, „ein Gewitter um diese Jahreszeit. Unglaublich!"
Er stolperte, riß Lore mit sich und wäre um ein Haar gefallen. In der letzten Sekunde erhaschte er eine Sprosse des Gartengitters an feiner Seite und Dielt sich krampfhaft feft Merkwürdigerweise gab das Gitter nach. Es war eine Tür.
Ein Kiesweg führte jenferts Der Pforte auf ein Haus zu, Das etwas erhöyt hinter Buschwerk unD Bäumen lag. Es war ein großer Steinkasten mit einem gedeckten Säulengang vor der Front. Paul erspähte Den Säulengang und zog Lore entschlossen hinter sich her.
,Los!" sagte er. „Wir werden uns unterstellen Da Drinnen und warten, bis Das Unwetter vorüber ist. So kommen wir nicht weiter!"
„Meine Füße sinb schon ganz erstarrt", klagte Lore matt „Und mein Gesicht brennt wie Feuer."
Sie stampften — Dem Sturm gerade entgegen — mühselig Den Weg hinauf und langten endlich unter dem Säulenvorbau an. Beide waren so außer Atem, daß sie verschnaufen mußten. Paul betrachtete unterdessen das Haus. Es schien unbewohnt zu sein. Groß und grau hob es sich aus Der Finster
nis. Die meisten Fenster waren verhängt Hinter keinem schimmerte Licht
„ßeer offenbar", sagte Paul. „Scheint niemand zu wohnen hier. Umso besser für uns. Komm, Lore, Du bibberst ja vor Frost."
Er knöpfte seinen Mantel auf, zog sie dicht an sich heran und schlug Die Flügel des Mantels um sie. Sie seufzte befreit, als sie Die Warme spürte. Ihr Kopf mit Der kleinen Kappe und Dem vorn Wind zerzausten Haar ruhte an seiner Brust — in verführerischer Nähe.
„Eigenllich", brummelte er, „könntest du mir jetzt einen Kuß geben, wie? Bei dieser Gelegenheit, meine ich Es ist schon mindestens eine Stunde her, feit Du —"
Er küßte sie. Es wurde ein langer Kuß. Er fühlte Den Druck ihrer erstarrten Lippen. Plötzlich ließ Dieser Druck nach. Und im Licht eines Blitzes sah er, wie ihre weit aufgeriffenen Augen voller Entsetzen über seine Schultern blickten.
„Was ist denn?" rief er erschrocken, „ßore! Was hast Du?"
„Dort ...1" stammelte sie. „Dort ...! Das Fenster ...!"
Er fuhr herum. Dicht neben Der Haustür war ! ein Fenster in Der Mauer. Ein hohes, schmales । Fenster, das — wie er jetzt sah — nicht völlig 1 geschlossen war. Während sein Blick noch an der dunklen Scheibe hing, zuckte ein neuer Blitz. Paul beugte sich jäh vor. Für zwei Sekunden war der Raum hinter dem Fenster in blendende Helligkeit getaucht. Mitten tm Raum stand ein Stuhl. Und auf dem Stuhl saß ein älterer Mann, dessen Arme und Beine mit Stricken umfehnürt waren. In seinem Munde steckte ein Knebel.
Die Dunkelheit nach Dem Blitz ließ Das Fenster noch schwärzer efcheinen als vorher. Paul stand eine Weile vollkommen regungslos. Dann packte er plötzlich Lores Arm und zerrte sie zum Kiesweg hin.
„ßore!" zischelte er Dicht an ihrem Ohr. „Nimm dich zusammen, hörst du? Du mufft! Du läufst setzt hier Den Weg hinunter auf Die Straffe. Hundert Schritt zurück an Der Ecke war eine Fernsprechzelle. Von Dort aus rufst Du Das Überfallkommando an. Rasch! Ich warte hier."
Sie zögerte. Er sah das blasse Oval chres Gesichtes vor sich und fühlte, wie sie zitterte. Er ahnte Die Frage, Die sie stellen wollte.
„Rasch!" wiederholle er. ,Zch warte hier."
Im nächsten Augenblick lief sie — so schnell sie konnte — Den Weg entlang zur Straße.
Er folgte chr mit Den Blicken, bis sie hinter Den Büschen verschwunden war. Dann wandte er sich wieder dem Hause zu Geräuschlos öffnete er das Fenster und schwang sich in Den Dunklen Raum dahinter. Mll vorgestreckten Härchen tastete er nach
Dem Stuhl und Der gebundenen Gestatt Darauf. Er zog Dem Mann den Knebel aus Dem Mund und zerschnitt Die Stricke.
„Leise!" murmelte er.
Eine heisere Stimme antwortete aus Der Finsternis. „Laufen Sie — schnell! Polizei! Einbrecher sind oben — Die Herrschaft ist verreist. Ich bin überfallen worden. Um Himmelswillen schnell! Das Telefonkabel ist durchschnitten —"
„Nur Ruhe", flüsterte Paul. „Alles ist in Ord- nung. Die Polizei kommt schon!"
Er schlich zu einer halb offen stehenden Tür am Ende Des Raumes und lauschte. Von oben brangen leise Geräusche herab — Schritte und gedämpfte Stimmen. Auch einen Lichtschimmer nahm er ab und zu wahr. Er rechnete im Stillen nach, wie lange Lore nun schon fort war.
„Geduld", flüsterte er Dem Mann an feiner Seite zu „Bald muff die Polizei hier fein."
Unendlich langsam verstrich Dte Zett. Mehr als einmal glaubte Paul, Schritte auf Der Treppe zu vernehmen. Zum Glück waren es immer nur die Stufen, die knackten. Dann schnitt plötzlich vom Fenster her der grelle Lichttegel einer Taschenlampe in Den Raum. Blitzschnell legte Paul Den Finger an Die Lippen. Vier Beamte schwangen sich hintereinander ins Zimmer und verschwanden durch die Tür. Zum Schluß kam Lore.
„Tapferes Mädel", murmelte er, während er sie in den Arm nahm.
„Tapfer —?" hauchte sie. ,Zch habe solche Angst gehabt."
Oben wurde es lebendig. Schritte, Die keineswegs mehr gedämpft klangen, polterten laut über die Dielen. Stimmen riefen durcheinander. Dann kamen Die vier Polizisten Die Treppe herab und hatten zwei finster blickende Männer in ihrer Mitte.
„Schönen Dank, mein Herr", Jagte Der Wachtmeister unD trat auf Paul zu „Wir sind geraDe zur rechten Zeit gekommen. Wodurch haben Sie bemerkt, daß hier eingebrochen wurde?"
„Oh — im Grunde durch das schlechte Wetter", sagte Paul. „Wir hatten uns hier untergestellt, um ein bißchen Schutz zu haben. Genauer gesagt: durch einen Blitz — und — hm ..."
Er verstummte plötzlich, wurde rot und sah ßore am
„Ja —? Und —?" fragte der Beamte.
„— durch einen Kuß", platzte Paul heraus.
Der Beamte schmunzelte.
„Eine reizende junge Dame", bemerkte er, mäh» rend er Lore, die ebenfalls rot geworden war, beifällig betrachtete. „Eine ganz reizende junge Dame. Da kann man Ihnen nur gratulieren, mein Herr."


