Ausgabe 
22.2.1939
 
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Nr. 45 Drittes Blatt

(Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

Mittwoch. 22. Februar 1930

Bewerber müssen eine von der Pflegschaft ausge-1 schriebene Aufgabe bearbeitet und dafür den Preis erhalten haben. Die Preisaufgaben für das Jahr 1939/40 sind folgende:

I. Für Studierende, die im Jahre 1939 oder im Winter 1939/40 mindestens ein Semester an der Universität Gießen immatrikuliert sind:

Aus dem Gebiet der theologischen Fakul­tät:Die Auffassung des Christentums in Ibsens Brand Darstellung und Beurteilung."

Aus dem Gebiet der j u r i st i s ch e n Fakultät: Argumentum e contrario oder Analogie bei der Auslegung des § 50 RStGB?"

Aus dem Gebiet der medizinischen Fakul­tät: 1.Es sollen bei Frauen im Alter von 20 bis 30 Jahren die Werte des erythrocytären Sy­stems mit neuesten Methoden bestimmt werden." 2Experimentelle Untersuchungen über die Verände­rungen des Liquor cerebrospinalis in cytologischer und chemischer Hinsicht durch epileptiforme Anfälle."

Aus dem Gebiet der veterinärmedizini­schen Fakultät:Untersuchungen über hen Azetongehalt im Harn von Kühen während der Gestatiön und im Puerperium."

Aus dem Gebiet der philosophischen Fa­kultät: 1.Die Komposition der Schrift des alten Cato über den Landbau. 2.Die romanische Em­porenkirche des Lahntals." 3.Es soll ein wesent- ! licher Beitrag zur Wertverteilungslehre gegeben

werden." 4.Eine Experimentaluntersuchung über den Zusammenhang zwischen Konstitution ulib Farbe."

II. Für andere wissenschaftlich-ge­bildete Bewerber, und zwar:

1. Dozenten der Universität Gießen, soweit sie nicht ordentliche oder planmäßige außerordent­liche Professoren sind, die wissenschaftlichen Be­amten der Universitäts-Bibliothek, die Assisten­ten der Universität, soweit sie nicht Studierende sind, die Lektoren und Repetenten;

2. frühere Studierende der Universität Gießen:

Aus dem Gebiet der theologischen Fa­kultät:Hethiter und Altes Testament."

Aus dem Gebiet der j u r i st i s ch e n Fa­kultät:Die richterliche Gestaltung privater Lebensverhältnisse."

Aus dem Gebiet der medizinischen Fakultät:Begriff und Einzelformen der Psychopathie unter dem Gesichtspunkt der mo­dernen Charakterologie."

Aus dem Gebiet der philosophischen Fakultät:Lassen sich für die Schichten­theorie im altenglischen Beowulf-Evos irgend­welche Beweisstutzen aus dem Gebiete der Syntax, insbesondere der Stellungssyntax, er­bringen?"

Voraussetzung für die Bewerbung unter II ist.

Aus der Stadt Gießen.

Sorte, Lump»..."

Die junge Frau wollte an der nächsten Haltestelle der Straßenbahn aussteigen, weshalb sie wartend auf der Plattform stand. Neben ihr befand sich noch jemand nämlich Lumpi, ein kleiner schwarzer Hund Dieser Hund mit dem ruppigen Fell und dem merk würdig langen Kopf des Rattenfängers sah mit der unbekümmerten Munterkeit, die seiner Rasse eigen ist.- in die Welt. Insbesondere betrachtete er inter­essiert die Straße, die ihn offenbar unwiderstehlich anzog. Jedenfalls wagte er es. sich von der Platt­form auf die Trittfläche zu begeben, von der aus ihn nur noch eine Handbreit von der Straße trennte, |

Warte, Lumpi. warte", sagte die junge Frau warnend, da die Haltestelle noch nicht erreicht war. Vielleicht verstand Lumpi diese Worte und maß ihnen keine Bedeutung bei, weil seine schwarze Hundeseele mit anderen Vorstellungen beschäftigt war Zum Beispiel könnte man sich denken, daß ihm die Beschaffenheit eines Laternenpfahles wich­tiger erschienen wäre. Vielleicht aber verstand er die Worte auch nicht, was zu seiner Entschuldigung dienen könnte. Auf alle Fälle setzte er zum Sprung von dem fahrenden Wagen an, woran auch die noch­mals dringlicher gerufenen WorteWarte, Lumpi, warte" nichts mehr ändern konnten. Denn das Schick­sal nahm bereits seinen Lauf.

Lumpi erreichte kaum die Straße, als er sich mehrere Male um sich selbst kugelte Der Vorgang wirkte so komisch, daß die von der Plattform nach­schauenden Fahrgäste ihrer Heiterkeit lauten Aus­druck gaben.Sieh an", sagte ein biederer Hand­werker,er wollte nur mal sehen, wie das mit einem richtigen Salto mortale ist." Aber die junge Frau machte ein bitterböses Gesicht dazu:Schä­men Sie sich. Ein Hund ist schließlich auch ein Lebe­wesen. Hoffentlich ist ihm nichts passiert." Der Handwerker riß die Augen auf.Nanu", gab er zu­rück,nur man langsam, junge Frau, Sie scheinen ja von einer haarigen Sorte zu sein." In diesem Augenblick mischte sich von Amts wegen der Schaff­ner ein.Sie haben Schuld", wandte er sich in ver­weisendem Tone an die junge Frau,passen Sie nächstes Mal besser auf." Mehr brauchte er nicht mehr zu sagen, denn die Haltestelle war eben er­reicht.

Als die junge Frau ausstieg, kam Lumpi keuchend und mit hängender Zunge angerannt.Gott sei Dank", seufzte seine Herrin aufatmend,es ist ihm nichts passiert." Dann schlug sie eine schärfere Ton­art an:Lumpi, warum hörst du nicht? Ich werde dir helfen, paß mal auf." Lumpi senkte seine komi­schen Ohren und blieb in einiger Entfernung stehen. Von der weiterfahrenden Straßenbahn ließ sich das Ende der Szene nicht mehr verfolgen. Aber sicher ging es nicht ohne einige Klapse für Lumpi ab. Die Fahrgäste äußerten indessen rückhaltlos ihre Sym­pathie für Lumpi. Nur der Handwerker meinte nachdenklich:Ein Glück, daß so ein Vieh vier Beine hat..." W.

Dornotizen.

Tageskalender für Mittwoch.

Stadttheater: 19 bis 22.30 UhrDer Rosenkava­lier" Gloria-Palast, Seltersweg:In geheimer Mission". Lichtspielhaus, Bahnhofstraße:Nord­licht". Oberhessischer Geschichtsverein: 20.15 Uhr in der Aula des Gymnasiums Vortrag von Professor Dr. G. T e l l e n b a ch :Die Chatten im frühen Mittelalter", anschließend Jahresversammlung.

Familien-Namen der Heimat."

Im Rahmen der VortragsreiheWissenschaft im Dienst am Volke" spricht am Freitag, 24. Februar, 20.30 Uhr. im Hörsaal 41 des Vorlesungsgebäudes der Universität Prof. Dr Götze über das Thema Familien-Namen der Heimat".

Stadttheater Gießen.

Heute abend findet die erste Wiederholung der OperDer Rosenkavalier" von H. von Hofmanns- thal, Musik von Richard Strauß, statt. Musikalische Leitung Paul Walter, Spielleitung Hans Geißler,

Faffenacht in Gießen.

L i n k,s : Die letzten Sioux-Indianer in ihrer Reservation Carl-Vogt-Straße. Rechts: Kleine Kavalkade nicht ganz waschechter Palästina- Araber auf einem Ritt durch den Seltersweg. (Aufnahmen |2|: Neuner, Gießener Anzeiger.)

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Es war wiederum das feit etlichen Jahren be­kannte Bild der Gießener Fasienacht, das sich auch diesmal in den Straßen und in den Gaststätten unserer Stadt bot. Gut besuchte Maskenbälle eini­ger Vereine an den Samstagen und Sonntagen vor Fasienacht bildeten den Auftakt des Gießener Fa­schings. Der karnevalistische Betrieb war dann am vorgestrigen Montagabend in den Straßen zum ersten Male deutlicher sichtbar, als zwei Gruppen junger Leute mit bunten Kappen und entsprechend zurechtgemachter Kleidung jodelnd und singend durch die Straßen zogen.

Nach dieser Ouvertüre folgte am gestrigen Fa- scbingsdienstag der Hauptbetrieb. Wie immer in den letzten Jahren, so konnte man auch diesmal wieder eine Massenwanderung im Stadtzentrum bemerken. Allerdings war es kein Massenauftritt von Masken, sondern mehr ein Promenadebummel der großen und kleinen Schaulustigen, die alle auf besondere Sehenswürdigkeiten gespannt waren. Leider wurde nach dieser Richtung hin die Hoffnung der auf der GießenerRennbahn" auf- und abströmenden Menge nicht erfüllt. Der Betrieb bestand in der

Hauptsache, wie schon seit einigen Jahren, zum weit überwiegenden Teil aus mehr oder minder stark angemalten Buben und zum Teil auch Mä­dels, einigen Gruppen von ebenfalls nicht allzu künstlerisch hergerichteten Erwachsenen, einer kleinen Musikbande und etlichen musikalischen Einzelgän­gern. Die Buben und Mädels lieferten sich mit Ausdauer und reichlichem Nachdruck die gewohnte Pritschenschlacht, bei der kein Pardon gegeben wurde und die Schläge kräftig klatschten, ganz gleich, wohin sie fielen. Daneben wurde der Konfetti- und Papierschlangen-Kampf mit ebenso gründlicher Ausdauer ausgefochten. Einige Anwohner des Sel­terswegs wollten zur karnevalistischen Verschönerung der Straße ihren Anteil beisteuern und taten das in der Weise, daß sie aus den Fenstern ihrer hoch­gelegenen Wohnung eine Fülle von alten Kalender­blättern und sonstigen Papierschnitzeln in dichtem Wirbel herunterflattern ließen. Ein nettes Inter­mezzo brachte eine kostümierte Reitergruppe in das Straßenbild, die unter dem KennzeichenDie armen Araber" hoch zu Roß durch die Straßen zog. Dazu schob sich auf derRennbahn" zwischen Sel­

terstor und Marktplatz die große Menschenmenge unermüdlich bis in die Abendstunden hin und her. Das angenehme Dorfrühlingswetter machte diesen Bummel ja auch zu einer bekömmlichen Körper­bewegung. Manche Gaststätten hatten am Nachmit­tag bereits flotten Betrieb; u. a. fanden hier auch Kindermaskenbälle statt, bei denen sich Buben und Mädels aller Altersklassen kösllich amüsierten.

In den Abendstunden strömten die Faschings­freunde zu zahlreichen Gaststätten, in denen bei Tanz und flotter Unterhaltungsmusik der Rummel bis tief in die Nacht hinein, zum Teil sogar bis in die frühesten Morgenstunden des heutigen Mittwoch anhielt. Don den heute in früher Stunde zur. Ar­beitsstätte gehenden Personen konnte noch mancher Karnevaliste" übernächtigt und meist mitSchlag­seite" bemerkt werden. EinigeSänger", die mehr laut als schön ihreherrliche" Stimme vernehmen ließen, machten schon von weitem erkennbar, auch wenn man sie nicht sehen konnte, woher des Weges sie kamen. Und heute ist nun Aschermittwoch...

Bühnenbild Karl Löffler. Die Vorstellung findet gleichzeitig als 20. Vorstellung der Mittwoch-Miete statt. Es wird darauf aufmerksam gemacht, daß die Aufführung um 19 Uhr beginnt.__________________

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Zusätzlicher Sonderzug der NS.-GemeinschaftKraft durch Freude" zur Automobitausstellung nach Berlin vom 1. bis 4.3.1939.

Teilnehmerpreis einschließlich Uebernachtung sowie Eintritt in die Ausstellung 16,50 RM.

Anmeldungen nehmen alle Kreis- und Verkaufs- stllllen der NS.-Gemeinschaft .Kraft durch Freude" entgegen. 1275V

Reisestipendien

bei der Universität Gießen.

Von der Pressestelle der Ludwigs-Universität Gie­ßen wird uns mitgeteilt:

Aus dem Zinsertrag der Osann-Beulwitz- Stiftung der Universität Gießen werden Reise- stipendien für Studierende und an­dere wissenschaftlich-gebildete Be­iwerber aller Fakultäten vergeben. Die

Eine Frauenfrage ist in Spanien nicht vorhanden. Man fordert von der Frau nichts, als daß sie ganz Weib sei. Jede Beschäftigung, die an männ­liches Tun erinnern würde, scheut sie; denn eine solche Beschäftigung könnte sie im Auge des Mannes nur herabsetzen. Man wird schwerlich eine Spanie­rin radeln ober rudern sehen. Um so ausgeprägter ist die Neigung zu Putz und Schmuck. Die Töiletten der feinen Welt in Madrid, Barcelona oder Sevilla geben denen von Paris im Geschmack nichts nach Geht es zum Stiergefecht, fo ist, zumal an hohen Festtagen, die Toilette der Frauen besonders kostbar. Hier, bei der nationalen Vergnügung, sucht man die nationale Tracht am meisten zu wahren. Es ift ein entzückender Anblick, bei einer großen Corrida die bunten, von der Sonne beglänzten Frauen rings auf den Balkonen des Stierzirkus zu sehen. Sie tragen dann hellfarbige Gewänder, über dem Rock ein' netzartiges Strickwerk von schwarzer Seide mit Pompons versehen. Und den Rücken hinab Den großen, seidenen, herrlich gestickten Matün mit den langen, seidenen Fransen

Der Spanier ist bekannt als ein Mensch von ritterlicher Natur. Sehr bezeichnend und schon ist eine Sitte in Andalusien Der junge Mann pflegt dem Mädchen, das er liebt, in gemessenem Abstand durch die Straßen zu folgen. Ist das Mädchen vor der Tür ihres Hauses angelangt, so tritt der Jüng­ling mit -schnellen Schritten vor. nimmt seinen Mantel /die spanische Capa) von den Schultern und breitet ihn zu den Füßen des Mädchens aus Mit einem Lächeln des Dankes, das Den Junqlmg be­seligt wenn es ein schönes Gefühl verrät, ober ver- imeifeln macht, wenn es nichts weiter bedeutet als einen fühlen Dank, schreitet das Mädchen über den Mantel fort in das Haus.

Der Verkehr der Geschlechter, d. h der jungen Leute ist auf der schönen Halbinsel ungleich ge­zwungener als bei uns ober in Englanb. Ohne bas wachsame Beisein älterer Leute hat die Jugend kaum Gelegenheit, sich zu sehen Kein Mädchen aus guter Familie geht allein über die Strafe^ Das heiße Blut birgt Gefahren, fo darf ein hütendes Auge nicht fehlen. Der Verkehr der Verlobten ist noch von einem bei uns unbekannten Zeremoniell umgeben Man überläßt das Paar keinen Augen­blick sich allein Ein Kuß, wenn man ihn erführe, wäre ein Verbrechen /_r , .

Die Spanierin ist ein Geschöpf des Stolzes und der Schönheit. Sie weiß, daß sie schön ist und ist stolz darauf. Oft weiß sie durch Witz bunt) em geschicktes Wortgeplänkel oder glückliche Emfalle m ^ohem Maße zu überraschen Ueber Dinge der Weishett darf man nicht mit ihr sprechen, aber

Nie Spanierin.

Von Hans Bethge.

Man kann nur in bedingter Weise schlechtweg von der Spanierin sprechen Es gibt eine ganze Reche von spanischen Frauentyp-n, infolge der mannigfachen Mischung des Blutes in den verschie­denen Teilen des Landes. Die Frau in Katalonien ist, nach Fühlen und Gestalt, sehr verschieden von der Andalusierin, und die Madrilena. das Mädchen von Madrid wieder anders als die Valenciana. Aber welchen Provinzen die spanischen Frauen auch anqehören mögen, eins haben sie alle gemein: den Stolz des Sinnes und die Grazie der Bewegung. In allem, was die Spanierin tut, sucht sie das schöne Maß zu bewahren. Und wenn «s im Innern noch so kocht und die Erregung der Leidenschaft den höchsten Grad erreicht: nach außen hm erstrebt fre Ruhe und Gelassenheit. Der Ganq ist langsam, sie hastet nie. Es hat immer den Anschein, als wandle sie spazieren. - .

Auf der Rambla, der platanengeschmuckten Haupt­straße von Barcelona, sah ich die er ft en sp?u sichen Frauen. Katalanerinnen also, im Dämmerlicht des beginnenden Abends. Diese Frauen sind, nicht o groß von Figur, auch nicht zierlich Es sind meist kleine, aber kräftige Gestalten Wenn em Svame von ihnen spricht, so wird er zuerst die Schonheck ihrer Hüften preisen. Die Mädchen Kataloniens sind nicht wenig stolz auf diesen Teil ihres Körpers^ Eine schöne üppige Lime ihrer Hüften st ihr Sehnen und haben sie diesen schätz so sind ste glücklich. Sie wissen mit dieser Lime zu kokettiere^ Sie wissen sich zu wiegen wie Pfauen und den Männern den Sinn zu verwirren Das Antlitz per Katalanin ist nicht das edelste, das man m ^vamen sehen kann. Es zeigt meist grooere Zuge als das der Mädchen von Madrid oder Valencia .und ist von mehr sinnlichem als geistigem ^praqe Das Gesicht der Madrilena weist den eigentlichen span. schen. das heißt kastilischen Typus am reinsten auf. länglich und blaß, große dunkle Augenbrauen von schön gebogener Linie kleine Ohren em roter nicht zu üppiger Mund und Augen mit einem stolzen, schwermütigen Schimmer. Die Anbalufierin laßt 'm allgemeinen ben maurischen Typus noch . ..... lichsten erkennen. Hier windet man die zierlichste Füße unb jene blassen, bleichen Wangen die an den Flaum reifer Pfirsiche gemahnen Keine Anda lufierin geht ohne Blumen im Haar In Amlw sagt ber Spanier, gibt es die schonfttn Am aluste rinnen de figura, von Gestalt; in Cadix die schönste de cara, von Angesicht.

von Scherzen und Liebe. Gemeinhin zieht sie es vor, lebhafter mit den Augen als mit den Lippen zu reden. Es sind nicht die reizlosesten Gespräche, die die Augen führen.

Gießener Stadttheaier.

Ein Vummel über den Rummel."

Unter ber Oberaufsicht der Zirkusstollrneister Gert Dominik und Hans Flachsmann (Ober­wärter: der kleine Fritz) und unter Mitwirkung ber Tonwerk-Schar startete bas Stabttheater gestern abend ein nahezu weltstädtisches Faschingspro­gramm. Die Devise lautete: Ein Bummel über ben Rummel! Beteiligt waren, soweit sich das hinter der karnevalistischen Vermummung feststellen liefe, der größte Teil des solistischen Personals und des Chores, die an einem solchen Abend besonders unentbehrliche Tanzgruppe und das Orchester unter Leitung von Herrn P o p e l k a , das die knappen Pausen zwischen den einzelnen Nummern mit karne­valistischer Schlagermusik ausfüllte und das stark besetzte Haus zu improvisatorischen Gesangsleistun- gerr anregte.

Das Programm begann nach guter alter Weise mit dem Narrhalla-Marsch, der »m Laufe des Abends noch verschiedentlich zu vernehmen war, und mit dem populären Chorgesang .Kornblumenblau". Dann kam gleich unter ber Etikette ,Zch unb Caruso" unb Zwei Stimmen ein Erfolg" ber beliebteZigeu­nerbaron"; die bewußten beiden Störche standen leibhaftig auf der Szene, während der Dompfaff, der uns getraut", vorsichtigerweise in den Kulissen saß. Margots ,Kombinations-Akt" erwies sich als ein Schlager für jedes gute Haus. DieSeifen­blase" kannten wir schon von der Küpreß her, sie wurde aber wiederum gern gesehen und gehört Eine sehr hübsche Nummer: Herr Weiland (ein Zylinder, ein Stock, ein Mann") auf den Spuren von Otto Reutter seligin fünfzig Jahren ist alles vorbei!". Gert Heimbuch mit seinen Solisten

lichen Matrosenchor als Rückendeckung. Dann kamen dieDrei Didilinis", musikalische Drillinge, die einen bedeutenden Lacherfolg erzielten. Ein oberbayerisches Terzett spielte eine nahezu stumme, aber ziemlich aufregende Szene mit Mafekrügen unter der Ueber- schriftSa ma denn im Woit?!" (Eigentlich ein wienerischer Kriegsruf unb nicht leicht ins Ober- hessische zu übersetzen.) Eine scharmante unb burch- aus originale Gesangsleistung lieferte bie Meister- joblerin Hildegardis (Kneip), einanatomisches Wunder".

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Nach der großen Pause mit Musik in allen Gän­gen gab es ein Gastspiel des .Kabaretts der Komi­ker", Berlin; wir sahen und hörten mit Lachen und Staunen unter ber Spielleitung von Herrn Geiß­ler ein Parabeisspiel bes gewesenen Nachrichters Helmut K ä u t n e r :Der Apfel ist ab" Den Inhalt dieser Tragödie zwischen Himmel und Erde einigermaßen sachgemäß wiederzugeben übersteigt die Kräfte des schwer geprüften Kunstbetrachters. Vieles kam uns überraschend bekannt vor, was bei dem biblischen Alter dieses Stoffes kein Wunder ist, aber das meiste wirkte wiederum verblüffend neu und zeitgemäß. Außerdem wurde mit Hingabe ge­spielt. Herr Geiger zeigte sich als ein wahrhaft herrlicher Petrus, ber mit Gefiihl durch bie himm­lischen Wolken schwebte. Herr C o s s o v e l und Fräulein Garbe ergingen sich in paradiesischer Unschuld unb entsprechenben Mobeschöpfungen. Fräulein Eickhoff war bie schlangenhafte Lilith, Herr Haars ein biabolisch-sachlicher Lucifer, Herr E r I e r das himmlische Faktotum und aus der Versenkung stieg, kurz nach der Sündflut, in großer Herrlichkeitdie neue Frau" Giesela Vollert.

*

Es war ein witziger Abschluß des aufgekratzten Programms; die Direktion hätte sich den Dank nicht weniger Besucher verdient, wenn es so pünktlich geendet hätte, wie es versprochen war. Dennoch klang der Beifall gutgelaunt und herzlich.

Hans Thyriot.

servierte einen Sketsch, an dessen Pointe Parkett und Galerie emsig mitarbeitetenUntere Lieblinge" waren bie Mädels vom Ballett, die unter anderem mit dem berühmten Cancan aus der .Lustigen Witwe" immer noch mal Lorbeeren ernteten Herr Seitz produzierte sich als wildwestlicher Kunst- schütze. Als ergreifendes Singspiel, prolongiert bis 1940, ertönte zu allgemeiner Ueberraschung dos DuettWiener Blut". Fräulein Vollert mit dem Schifferklavier nach der MelodieEine See­fahrt, die ist luftig" und mit dem bekannten weib-

Hochsckulnachncbten.

Der ao. Professor Dr. Gottwald Fischer von der Universität Würzburg wurde unter Berufung in das Beamtenverhältnis auf Lebenszeit zum ordent­lichen Professor ernannt. Mit Wirkung vom 1 No­vember 1938 ab ist ihm an ber Universität Würz­burg bie o. Professur für Chemie verliehen worden. Zugleich wird ihm die Vorstandschaft des Chemischen Instituts dec Universität Würzburg übertragen.