Ausgabe 
22.2.1939
 
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Gefahr für Napoleon war riesengroß. Das zeigt am besten der jetzt folgende Einsatz seiner alten Garde, die er sonst ängstlich in allen Schlachten behütete. Ihrem Stotz gelang es, Luft zu schaffen und die Stellungen zu halten. Für die Franzosen war damit die größte Gefahr vorüber Es galt nun nur, bis zum Abend durchzuhalten und das nun­mehr im Halbkreise einsetzende österreichische Artil­leriefeuer zu ertragen. Biel Wirkung hatte es übrigens nicht. Nur einen sehr schmerzlichen Verlust brachte es Napoleon selbst Dem Marschall L a n - n e s. seinem Jugendfreunde, wurden 5 Uhr nach­mittags durch eine Kanonenkugel beide Beine zer- schmettert. An seiner Bahre soll der Kaiser die ein­zigen Tränen seines Lebens vergossen haben. Der Kampf war immer mehr in ein stehendes Feuer­gefecht übergegangen, um den Rückzug zu decken Dieser gelang auch ohne feindliche Störung in der Nacht des 23 Mai Furchtbar waren die Blutopfer. Beide Armeen, die zusammen etwa 150 000 Mann in der Schlacht zählten, hatten 4000 Mann ver­loren, d. h die Oesterreicher jeden 5., die Franzosen jeden 3. Mann.

Der Erzherzog begnügte sich damit, seinen Gegner Hom linken Donauufer vertrieben zu haben, und machte auch keinen Versuch, die auf der Lobau abgeschnittenen, ohne Munition und Lebensmittel

sich in der schwierigsten Lage befindlichen Fran­zosen zu verfolgen oder zu stören. So konnte Napo- leon, da die Wiederherstellung der Brücken mehrere Tage in Anspruch nahm, sich auf der Lobau ver­schanzen und von hier aus das mißglückte Unter­nehmen sechs Wochen später nach sorgfältiger Vor­bereitung und Heranziehung aller erreichbaren Kräfte wieder aufnehmen, um sich am 5 und 6 Juli bei Wagram erneut mit seinem Gegner zu messen

Hatte der Erzherzog auch taktisch nur einen pas­siven Erfolg erzielt, er erhielt in der Geschichte seinen Wert nicht durch das, was er erreichte, san­den durch das, was er verhinderte. Der bisher un­überwindliche Napoleon hatte nach 30stündigem blu­tigen Ringen sein Vorhaben aufgegeben und dem Gegner das Schlachtfeld überlassen müssen, ein un­erhörtes, bis dahin noch nie dagewesenes Ereignis Der Siegesflug des Schlachtenkaisers war unter­brochen, zum ersten Male hatte er eine Niederlage erlitten. Hochklopfenden Herzens vernahmen die unterjochten Völker die freudige Kunde. Der Glaube an des großen Korsen Unüberwindlichkeit schwand und das Vertrauen auf eine bessere Zukunft rankte sich an dem Siege von Aspern empor. In ihm erglühte das Morgenrot der zukünftigen Befreiung Europas.

Soldaten fallen vom Himmel!

Besuch bei den Fallschirm-Jägern, der jüngsten Formation der Lustwaffe. Sonderbericht des Gießener Anzeigers

K. W. Stendal, Februar 1939.

Soldaten fallen vom Himmel! Sie fallen nicht als Sendboten von St. Petrus, angetan mit einem schneeig weißen Gewände mit Flügeln auf dem Rücken, sondern als Angehörige der jüngsten For­mation der deutschen Luftwaffe. Sie tragen statt des Gewandes denKnochensack", und der Fall­schirm bringt sie sicher durch die Luft auf die Erde hernieder.

Wir stehen auf dem Uebungsgelände der Fall­schirmjäger-Schule in Stendal. Sand, nichts als Sand birgt hier der Boden der Altmark. Auf ihm wächst nichts mehr als dürftigeKuffeln" oder krüppelige Kiefern. Das ist ein ideales Ge­lände für den Fallschirmabsprung. Zwar sind ge­rade die ,Fusseln" unangenehme Hindernisse, aber un Ernstfall wird selten ein Landeplatz mit Parkett­fußboden und Roßhaarmatratzen zur Verfügung stehen. Und der Sand schließlich, der erbarmungs­lose Quälgeist des Infanteristen, gibt hier so etwas wie eine weiche Matte. Womit nicht aesaat sein soll, daß der Fallschirmjäger nicht auch auf anderem Bo­den abspringt und sicher landet. Uebriaens hat ein leichter Frost den Boden mit einer harten Decke überzogen.

Vom nahen Flugplatz steigt eine Ju 52 auf. In weitem Bogen dreht sie nach Westen ab zum An­flug. Sie rundet das Land im weiten Kreis und ge­winnt von Sekunde zu Sekunde an Höhe. Wind­richtung und Windstärke hat der Meteorologe des Fliegerhorstes ermittelt. Die Maschine muß von Norden das Uebungsgelände anfliegen. Nach einigen Minuten hat sie 250 Meter erreicht und nähert sich in schnellem Fluge. 250 Meter sind keine Höhe. Wir können sehen, daß die Tür des Rumpfes geöffnet ist. Die Augen starren auf die Maschine ... Ein graues Bündel fliegt aus dem Rumpf. Als ob es einen Augenblick in der Luft verharrt sieht es aus, wäh­rend das Flugzeug weiter fliegt. Dann sackt das Bündel nach unten. Fünf Meter, zehn Meter oder zwanzig. Ehe wir den Fall schätzen können, er­scheint neben dem fallenden Bündel ein zweites, wächst auseinander und entfaltet sich der Fall­schirm.

Ein Soldat fällt vom Himmel. Der Fallschirm trägt ihn sicher zur Erde. Der leichte Südwind führt den Schirm auf den vor dem Aufstieg bestimmten Platz zu. Mit flinken Beinbewegunaen lenkt der Soldat den Schirm in die befohlene Landerichtung. Der Schirm rauscht heran. Es scheint, als ob er dicht über dem Erdboden besonders schnell fällt (aber das ist eine Täuschung). Der Soldat berührt nicht mit den Füßen die Erde, sondern fängt den Lande­stoß mit einer Rolle geschickt ab. Der Wind ist nur leicht. Er kann den Schirm nickt mehr weit tragen. Die weiße Seidenbahn fällt zusammen. Ein Soldat ist vom Himmel gefallen. Er ist nicht etwa erschüt­tert, sondern in bester Verfassung und meldet sich in strammer Haltung. Und wieder fällt ein Soldat vom Himmel. Wir sehen den Einzelabsprung der Fallschirmjäger.

Dann steigt eine andere Maschine auf und be­ginnt den Anflug. Es dauert etwas länger, ehe sie die befohlene Höhe von 250 Meter erreicht hat. Sie scheint schwerer belastet zu sein. Dann ist die Mitte des Uebungsgeländes erreicht. Die Maschine rückt weiter in der Luft. Wie ein Fisch, der im Wasser schwimmt, sieht das aus. Jetzt verliert der Rumpf einen dunklen Punkt nach dem anderen. Der Fisch legt seine Eier ab. Ein Punkt, ein zweiter, ein dritter und vierter. In genauen Abständen, zeitlich nur wenige Sekunden auseinander, fliegt ein Bün­del nach dem anderen aus dem Rumpf ... zehn, elf, zwölf! Das zwölfte bewegt sich kaum nach

unten, als sich das erste bereit in zwei Bündel teilt und ein Bündel sich zu dem Fallschirm entfaltet hat. Zwei ... drei ... vier ... zwölf riesige, weiße Schirme haben sich geöffnet und . zwei .. drei ... zwölf Soldaten hängen sicher am Ende der Fangleinen in den Traggurten. Sie nähern sich der Erde.

Dieser Absprung wurde mit einer wunderbaren Präzision ausgeführt. Der Absprungleiter im Flug­zeug wird zusrieden sein. Die Fallschirme pendeln in einer Reihe. Kaum 50 Meter hoch der erste und ansteigend in schräger Linie der letzte etwa 150 Meter. Fünf Meter .. sechs Meter fällt der Schirm in der Sekunde... Jetzt rauscht der erste Schirm schon heran... Jeder Mann lenkt durch die Bein- bewegungen den Schirm in die Landerichtung.. Der erste Mann berührt den Boden... Er geht in die Rolle und steht ... der zweite ... der dritte ... einer nach dem anderen berührt den Boden . Sie stehen. Ha, der Fünfte macht Scherze und eilt aus 20 Meter Höhe auf uns zu! . Weg die Köpfe!

Zwölf Soldaten sind vom Himmel gefallen! Zwölf Schirme trugen Jie sicher auf die Erde. Aber dieser Fallschirmabsprung ist ja nur ein Mittel zum Zweck, sozusagen Beförderung. Nun sind sie ausgestiegen, der Führer des Trupps als erster. Schnell holt er aus demKnochensack" (der Kom­bination der Fallschirmjäger) die Feldmütze, zieht den Reißverschluß auf und reifet Koppel mit Hand­waffen und Gasmaske hervor. In hundert Meter Entfernung steht eine Gruppe von Kusseln Hier kann sich der Trupp in Deckung sammeln. Im Marsch-Marsch eilt er dorthin und schnallt während des Laufs um. Im Marsch-Marsch folgen die ande­ren und schnallen um. Jeder Mann meldet sich dem Führer und steht dann im Glied .. Jetzt e i n kampffähiger Soldat, zum Einsatz bereit.

Das ging schnell. Wieviel Minuten es vom Ab­sprung des Ersten bis zur Meldung des Letzten waren? Der Berichterstatter hat vergessen, die Uhr heranzuziehen, so sehr fesselte ihn das Schauspiel des Reihenabsprunges, dem ein zweiter folgte. Außerdem war er erpicht auf ein Interview mit einem Jäger nach der Landung.Das war der wie­vielte Absprung?" konnte ich fragen, während sich der Fallschirmjäger das Koppel aus dem Knochen­sack zog.Der 22.!" war die kurze Antwort. Dann liefe er mich stehen und eilte zum Sammelplatz. Später gab es dann noch das Interview.

Jeder Soldat muß in den zwei Jahren seiner Dienstzeit viel lernen. Gymnastik, um nicht zu sagen Akrobatik, steht jedoch kaum im Dienstplan einer Truppe. Ganz anders der Fallschirmschütze, der auf der Fattfchirmschule feine Ausbildung erhält. Er wird zu einer Körperbeherrschung erzogen, die man ohne Uebertreibung als Akrobatik bezeichnen kann. Das hat feinen Sinn: Wenn der Flieger in der Luft aus feiner Maschineaussteigen" muß, bann be­nutzt er den Fallschirm zur Rettung. Für den Fall­schirmschützen dagegen ist er nur ein Beförde­rungsmittel. Der Fallschirmschütze muß nach der Landung kampffähig fein, d. h. unversehrt au Boden kommen. So lernt der angehende Fall- schirmschütze zunächst den Schirm packen, denn nur das richtige Packen des Schirms gewährleistet dessen sichere Funktion. Er übt schließlich den Ab­sprung aus dem Flugzeug und wird zum zweck­mäßigen Verhalten beim geschlossenenEin- s a tz erzogen.

Der zur Grundausbildung kommandierte Schütze lernt auf der Fallschirmschule in exerziermäßigen Vorübungen jede Bewegung und jeden Handgriff. Er springt zuerst auf dem Platz aus dem Uebungs»

Fallschirmschützen, wie sie nach der Landung die Wasfenbehälter, die ebenfalls mit Fallschirmen gbgeworjerr werden, sntley^ tScherl-Pilderdienjt-W^

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Jm Bummelzug durch Mazedonien.

Abseits der großen Touristenwege. Wo Schleier, Fez und Turban herrschen.

Der Stationschef von Saloniki machte ein sehr erstauntes Gesicht, als ich ihm meine Wunsche vor­trug.Eine Rundreise durch Mazedonien? Im lang­samsten Personenzug? Möglichst auf Umwegen? Und Zeit spielt keine Rolle? Moment mal hier ist bas Kursbuch!" Vorsichtig suchte er mir klarzumachen, daß ich im Südexpreß BerlinAthen bei weitem besser aufgehoben wäre Aber ich hielt es mit bem Bummelzug. Wir einigten uns schließlich auf die Strecke SalonikiMonastir, 240 Kilometer in zehn Stunden.

Unter Knoblauch-Girlanden.

Da sitze ich nun zwischen buntgekleideten Land­leuten und Hausierern, neben Körben mit gackernden Hühnern und duftenden Knoblauchgirlanden. Ge­mächlich rattert unser Zügle durch die weiten Ta­baksfelder, vorbei an malerifchen Dörfern und Ge­höften. Immer einfacher werden die Behausungen aus rohen Feldsteinen sind die Wände errichtet, dar­über breitet sich ein flaches, grünbemooftes Ziegel­dach. In den Türen zeigen sich die ersten bunten Volkstrachten. Wir werden bald mehr davon sehen, denn unser Zügle bringt uns in den fernsten Winkel Mazedoniens, dort, wo es kaum noch Autostraßen gibt und fchwerbepackte Maultierkarawanen über die Grenzgebirge nach Albanien ziehen. Die rechte Ge­gend für den Zeitungsmann.

Knirschen und Bremsen! Schon wieder ein Bahn­hof! Gespannt blickt alles auf den Postwagen, wo eben zwei gewaltige Zeitungspacken herausgeworfen werden. Im nächsten Augenblick hat sich der Bahn­steig in ein weißes, rauschendes Blättermeer ver­wandelt. Vom Stiefelputzer bis zum Stationschef blickt jeder schnell mal in fein Morgenblatt. Auf allen griechischen Bahnhöfen, in Kinos und Kaffeehäusern das gleiche Bild Zeitungen, Zeitungen überall Für ein, zwei Drachmen reicht sie uns der wie ein Wolf heulende Zeitungsjunge ins Abteil. In kürzester Frist wird die Papierflut bis in die fernsten Gebirgsnester Mazedoniens verschickt.

Drahtverhau und Schützengräben.

Allmählich kommen wir den Bergen näher Hier oben sieht es schon erheblich wilder aus. Während die ruchtbare Ebene dicht bevölkert ist, wohnt in der unwegsamen Bergwildnis kein Mensch. Ein wahres Paradies für Räuber Aber die haben ihre Tätigkeit längst in dieewigen Jagdgründe" verlegt. Die ein» ame Gendarmeriestation dort in den Felsen, mit den leiden bis an die Zähne bewaffneten Posten, soll icher nur vor Nachahmung schützen. Heute kann man orglos überall spazierengehen.

Wie düster die schroffen Felswände find! Eine tiefe Schwermut lastet über den grabesftillen Schluchten und Tälern, die noch vor wenigen Jahrzehnten vom Donner der Geschütze widerhallten. Einige Drahtver­haue, halbzerfallene Laufgräben und Kanonentrüm­mer blieben als stumme Ankläger in den einsamen Berghöhen zurück.

Der Zug beginnt sich langsam zu leeren, wir nähern uns der griechisch-jugoslawischen Grenze. Ein schneidiger Offizier anscheinend von der Paßkon­trolle tritt ins Abteil und hält mir einen langen Vortrag. Ich grinse frundlich und verstehe nichts. Kopfschüttelnd geht er wieder davon.

Gleich darauf rückt Verstärkung heran. Ein pein­liches Verhör beginnt. Mein Reisepaß wird einer eingehenden Prüfung unterzogen und nach mehr­maligem An - das - Licht - halten für echt befunden. Aber die ©entfernen haben noch etwas auf dem Herzen. Da male ich eine Landkarte auf lasse Arme

und Beine sprechen und nenne das Zauberwort:, Berlin!" Mein Kauderwelsch wird sofort ver­standen.Ah! Berlin. . Germanski! Gut, ferr gut!" Ich darf die Grenze anstandslos passieren. Aus der Ferne grüßt das erste schlanke Minarett. Wir sind in Südserbien, dem Land der vielen Völkerschaften.

Ein buntes Raffengemisch.

In allen Städten, die wir jetzt besuchen, erwartet uns das gleiche Bild: Kramläden, Handwerker­buden, ttefverfchlelerte Frauen, nabelfeine Minaretts und halbzerstörte Mauern aus der Türkenzeit. Es ist nicht leicht, sich in dem Durcheinander von Stiegen und Gassen zurechtzufinben.

Ein Mosaik von Stämmen verwirrt den Blick. Serben, Bulgaren, Türken, Griechen, Albaner, Juden und Zigeuner leben auf kleinstem Raum zu­sammen Ein unerhörter Karneval farbenprächtigster Volkstrachten! Schleier, Fez und Turban sind aus dem Straßenbild nicht wegzudenken.

In Ohrid bin ich zu Gast bei einer mazedonischen Familie Wir unterhalten uns sehr angeregt mittels der internationalen Zeichensprache Lustig knacken die Holzscheite im Karnin (im Winter ist es auch

KrümenWÄf

in Mazedonien bitterkalt), zu unteren Füßen dampf ein kunstvoll verziertes Kohlenbecken Mir wird der einzige Stuhl angeboten, alle anderen Gäste hocken mit untergeschlagenen Beinen auf weichen Tep­pichen. Ein winziges Messingkännchen brodelt un Kamin .. Mein Herz hüpft Ichon erregt. Brr! Dieser Türkenkaffee hat es in sich!

Mit dem Autobus fahre ick weiter auf wildroman­tischen Straßen, vorbei an schwindelerregenden Ab­gründen und alten, kühn geschwungenen Römer­brücken in die verstecktesten Gebirgsnester nach Debra, Pec und Prizren, nahe der albanischen Grenze. An den Markttagen flutet ein buntes Völk­chen über die Straße Hochgewachfene, prächtig ge­kleidete Albaner treten würdevoll vor unserm heulen­den Ford zur Seite.

Vor jeder Stadt genaue Paßkontrolle. Um Miß­verständnissen vorzuveugen, präsentiere ich jedesmal mein Empfehlungsschreiben der jugoslawischen Ge­sandtschaft in Berlin. Immer der gleiche Erfolg: der kontrollierende Gendarm nimmt Haltung an und salutiert.

Doch eines Tages kann ich meinen Wunderzettel für immer in die Tasche stecken. Wir fahren wieder auf bekannter Strecke im internationalen Süb­expreß Die bunten Bilder sind wie fortgewischt. Einige Geschäftsleute und eilige Touristest, die ganz Europa in zwei Wochen .machen", blicken verwun­dert auf die öde Landschaft Sie scheinen sehr ent­täuscht zu fein. Das nennt sich also Mazedonien! Keine Volkstrachten und kaum ein orientalisches Bauwerk!

Wir lachen in uns hinein. Es ist schon richtig: Dies Land steckt voller Herrlichkeiten, man muß sie nur auf Seitenwegen suchen. Möglichst bescheiden, ohne große Hast auf Schusters Rappen und im Bum melzug! Rudolf Jacobs.

rümpf auf die Torfmullunterlage und in der Halle von den Absprungstetten auf die Matte. Es sieht lustig aus, wenn erwachsene Männer in Reihen hintereinander aus der Tür eines Flugzeuges her­ausspringen und sich auf der Erdewälzen", und man denkt an frohes Kinderspiel, wenn sie in der Halle in den Gurten an Seilen hängen und nach dem Absprung in der Luft schwingen. Aber das ist kein Spiel, sondern ernste Arbeit. Wenn sie mit den Beinen strampeln, so folgen sie dem Kommando des Unteroffiziers, der ihnen beibringt, wie man die Pendelbewegungen des geöffneten Sttrmes abstoppt und den Schirm in den Wind dreht. Und wenn sie sich auf den Matten immer wieder überschlagen, so üben sie die Landung.

Nicht der Schütze besttmmt die Sinkgeschwindigkeit des Fallschirmes oder die Wischt des Aufpralls, son­dern der Wind. Der Schütze muß nur geschult werden, daß er jede Landung ohne Schaden über­steht. Die Schulung dafür ist hart. Sie üben immer wieder den Fall vorwärts und rückwärts, die Rolle vorwärts und rückwärts, sie lernen, daß die Rolle immer im Sand enden muß. Nur bann ist es mög­lich, den Fallschirm rechtzeitig vom Körper zu tren­nen. Sie fallen in jedem Augenblick, wenn es be­fohlen wird, und wenn sie nach Abschluß des Lehr­gangs als vottwerttge Schützen dem Fallschirm- Regiment überwiesen werden, bann fallen sie wahr­scheinlich auch im Schlaf richtig.

Zweckmäßige Bodenübungen machen den Mann hart und geschmeidig zugleich. Man muß sie gesehen haben, wie sie, die Fangleinen des Uebungsschirmes am Gurt, von einer Windmaschine über den Boden geschleift wurden. Aber so wird eine Landung bei Wind aussehen, und der Fallschirmschütze mufe schon eine Schleiffahrt ertragen können und gewandt genug fein, damit er während des Schleifens auf die Füße kommt. Schirme, die der Wind über den Boden treibt, müssen überlaufen werden, damit sie zusammensacken. '

Niemand von den wehrpflichtigen jungen Män­nern wird als Fallschirmschütze ausgehoben, das Fallschirmjäger-Regiment besteht ausschließlich aus Freiwilligen. Drei Grundbedingungen müssen vor der Einstellung nachgewiesen werden: Persön­licher Mut, körperliche Tauglichkeit und psychologische Eignung. Erst nach erfolgter.Rekrutenausbildung im Regiment erfolgt die Grundckusbildung auf der Fall- fchirmfchule. Acht Wochen dauert der Lehrgang, und wer am Abschluß die theoretische und praktische Prü­fung bestanden hat und als vollwertiger Fattschirm- schütze zum Regiment entlassen wird, der hat un­zählige Bodenübungen hinter sich, der ist minde­stens sechsmal aus dem Flugzeug abgesprungen allein, in der Gruppe und schließlich im Zugver- band und der darf, wenn ihm in einem feier­lichen Appell Fallschirmschützenschein und Fallschirm- mützenzeichen verliehen werden, mit Stolz bekennen, daß er einer Truppe angehört, die sich aus Män­nern im wahrsten Sinne des Wortes zusammen­setzt.

Ist der Dienst in der Fallschirmtruppe besonders gefährlich? Wir trafen in der Fallschirmfchule einen Lehrgang für Unterführer, also durch­setz längst ausgebildete Schützen, die sich später im

Landeübungen bei starkem Wind. (Presse-Bild-Zentrale-M.)

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Fallschirmjäger-Regiment bewährt haben. Ihre Ab- sprunaliste erreicht deshalb ohne Ausnahme sehr hohe Zahlen. 22mal ist der eine abgesprungen, mehr als 30mal der andere. Ein Oberleutnant man horcht auf, wenn die Mannschaften mit Stolz er­klären:Bei jedem Absprung geht immer zuerst der Führer aus dem Flugzeug!" ist 48mal abgesprungen und sogar der Oberarzt 25mal. Mög­lich. daß er als einziger Militärarzt aller Heere bas Abzeichen der Fallsckirmschützen trägt: den zu Boden stoßenden Adler.Ich stehe auf bem Stanbpunkt, daß gerade der Arzt, der Fallschirmschützen ein Hel­fer fein soll, Technik und Erlebnis des Absprungs nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch kennen soll'"

Nein, der Dienst in der Fallschirmtruppe ist nicht gefährlich, wenn der Schütze sorgfältig ausgebildet wurde und nicht versagt. Die Schützen der deutschen Fallschirmtruppen werden sorgfältig ausgebildet Wie sagte doch der Komman­deur:Alle in der deutschen Luftwaffe vorhandenen Fallschirmschützen sind durch die Schule gegangen und sind stolz darauf, daß ihre Arbeit trotz der hohen Zahl der Absprünge noch nie vom Flügel- schlag des Todes gestreift wurde."