Gefahr für Napoleon war riesengroß. Das zeigt am besten der jetzt folgende Einsatz seiner alten Garde, die er sonst ängstlich in allen Schlachten behütete. Ihrem Stotz gelang es, Luft zu schaffen und die Stellungen zu halten. Für die Franzosen war damit die größte Gefahr vorüber Es galt nun nur, bis zum Abend durchzuhalten und das nunmehr im Halbkreise einsetzende österreichische Artilleriefeuer zu ertragen. Biel Wirkung hatte es übrigens nicht. Nur einen sehr schmerzlichen Verlust brachte es Napoleon selbst Dem Marschall L a n - n e s. seinem Jugendfreunde, wurden 5 Uhr nachmittags durch eine Kanonenkugel beide Beine zer- schmettert. An seiner Bahre soll der Kaiser die einzigen Tränen seines Lebens vergossen haben. Der Kampf war immer mehr in ein stehendes Feuergefecht übergegangen, um den Rückzug zu decken Dieser gelang auch ohne feindliche Störung in der Nacht des 23 Mai Furchtbar waren die Blutopfer. Beide Armeen, die zusammen etwa 150 000 Mann in der Schlacht zählten, hatten 4000 Mann verloren, d. h die Oesterreicher jeden 5., die Franzosen jeden 3. Mann.
Der Erzherzog begnügte sich damit, seinen Gegner Hom linken Donauufer vertrieben zu haben, und machte auch keinen Versuch, die auf der Lobau abgeschnittenen, ohne Munition und Lebensmittel
sich in der schwierigsten Lage befindlichen Franzosen zu verfolgen oder zu stören. So konnte Napo- leon, da die Wiederherstellung der Brücken mehrere Tage in Anspruch nahm, sich auf der Lobau verschanzen und von hier aus das mißglückte Unternehmen sechs Wochen später nach sorgfältiger Vorbereitung und Heranziehung aller erreichbaren Kräfte wieder aufnehmen, um sich am 5 und 6 Juli bei Wagram erneut mit seinem Gegner zu messen
Hatte der Erzherzog auch taktisch nur einen passiven Erfolg erzielt, er erhielt in der Geschichte seinen Wert nicht durch das, was er erreichte, sanden durch das, was er verhinderte. Der bisher unüberwindliche Napoleon hatte nach 30stündigem blutigen Ringen sein Vorhaben aufgegeben und dem Gegner das Schlachtfeld überlassen müssen, ein unerhörtes, bis dahin noch nie dagewesenes Ereignis Der Siegesflug des Schlachtenkaisers war unterbrochen, zum ersten Male hatte er eine Niederlage erlitten. Hochklopfenden Herzens vernahmen die unterjochten Völker die freudige Kunde. Der Glaube an des großen Korsen Unüberwindlichkeit schwand und das Vertrauen auf eine bessere Zukunft rankte sich an dem Siege von Aspern empor. In ihm erglühte das Morgenrot der zukünftigen Befreiung Europas.
Soldaten fallen vom Himmel!
Besuch bei den Fallschirm-Jägern, der jüngsten Formation der Lustwaffe. Sonderbericht des Gießener Anzeigers
K. W. Stendal, Februar 1939.
Soldaten fallen vom Himmel! Sie fallen nicht als Sendboten von St. Petrus, angetan mit einem schneeig weißen Gewände mit Flügeln auf dem Rücken, sondern als Angehörige der jüngsten Formation der deutschen Luftwaffe. Sie tragen statt des Gewandes den „Knochensack", und der Fallschirm bringt sie sicher durch die Luft auf die Erde hernieder.
Wir stehen auf dem Uebungsgelände der Fallschirmjäger-Schule in Stendal. Sand, nichts als Sand birgt hier der Boden der Altmark. Auf ihm wächst nichts mehr als dürftige „Kuffeln" oder krüppelige Kiefern. Das ist ein ideales Gelände für den Fallschirmabsprung. Zwar sind gerade die ,Fusseln" unangenehme Hindernisse, aber un Ernstfall wird selten ein Landeplatz mit Parkettfußboden und Roßhaarmatratzen zur Verfügung stehen. Und der Sand schließlich, der erbarmungslose Quälgeist des Infanteristen, gibt hier so etwas wie eine weiche Matte. Womit nicht aesaat sein soll, daß der Fallschirmjäger nicht auch auf anderem Boden abspringt und sicher landet. Uebriaens hat ein leichter Frost den Boden mit einer harten Decke überzogen.
Vom nahen Flugplatz steigt eine Ju 52 auf. In weitem Bogen dreht sie nach Westen ab zum Anflug. Sie rundet das Land im weiten Kreis und gewinnt von Sekunde zu Sekunde an Höhe. Windrichtung und Windstärke hat der Meteorologe des Fliegerhorstes ermittelt. Die Maschine muß von Norden das Uebungsgelände anfliegen. Nach einigen Minuten hat sie 250 Meter erreicht und nähert sich in schnellem Fluge. 250 Meter sind keine Höhe. Wir können sehen, daß die Tür des Rumpfes geöffnet ist. Die Augen starren auf die Maschine ... Ein graues Bündel fliegt aus dem Rumpf. Als ob es einen Augenblick in der Luft verharrt sieht es aus, während das Flugzeug weiter fliegt. Dann sackt das Bündel nach unten. Fünf Meter, zehn Meter oder zwanzig. Ehe wir den Fall schätzen können, erscheint neben dem fallenden Bündel ein zweites, wächst auseinander und entfaltet sich — der Fallschirm.
Ein Soldat fällt vom Himmel. Der Fallschirm trägt ihn sicher zur Erde. Der leichte Südwind führt den Schirm auf den vor dem Aufstieg bestimmten Platz zu. Mit flinken Beinbewegunaen lenkt der Soldat den Schirm in die befohlene Landerichtung. Der Schirm rauscht heran. Es scheint, als ob er dicht über dem Erdboden besonders schnell fällt (aber das ist eine Täuschung). Der Soldat berührt nicht mit den Füßen die Erde, sondern fängt den Landestoß mit einer Rolle geschickt ab. Der Wind ist nur leicht. Er kann den Schirm nickt mehr weit tragen. Die weiße Seidenbahn fällt zusammen. Ein Soldat ist vom Himmel gefallen. Er ist nicht etwa erschüttert, sondern in bester Verfassung und meldet sich in strammer Haltung. Und wieder fällt ein Soldat vom Himmel. Wir sehen den Einzelabsprung der Fallschirmjäger.
Dann steigt eine andere Maschine auf und beginnt den Anflug. Es dauert etwas länger, ehe sie die befohlene Höhe von 250 Meter erreicht hat. Sie scheint schwerer belastet zu sein. Dann ist die Mitte des Uebungsgeländes erreicht. Die Maschine rückt weiter in der Luft. Wie ein Fisch, der im Wasser schwimmt, sieht das aus. Jetzt verliert der Rumpf einen dunklen Punkt nach dem anderen. Der Fisch legt seine Eier ab. Ein Punkt, ein zweiter, ein dritter und vierter. In genauen Abständen, zeitlich nur wenige Sekunden auseinander, fliegt ein Bündel nach dem anderen aus dem Rumpf ... zehn, elf, zwölf! Das zwölfte bewegt sich kaum nach
unten, als sich das erste bereit in zwei Bündel teilt und ein Bündel sich zu dem Fallschirm entfaltet hat. Zwei ... drei ... vier ... zwölf riesige, weiße Schirme haben sich geöffnet und . zwei .. drei ... zwölf Soldaten hängen sicher am Ende der Fangleinen in den Traggurten. Sie nähern sich der Erde.
Dieser Absprung wurde mit einer wunderbaren Präzision ausgeführt. Der Absprungleiter im Flugzeug wird zusrieden sein. Die Fallschirme pendeln in einer Reihe. Kaum 50 Meter hoch der erste und ansteigend in schräger Linie der letzte etwa 150 Meter. Fünf Meter .. sechs Meter fällt der Schirm in der Sekunde... Jetzt rauscht der erste Schirm schon heran... Jeder Mann lenkt durch die Bein- bewegungen den Schirm in die Landerichtung.. Der erste Mann berührt den Boden... Er geht in die Rolle und steht ... der zweite ... der dritte ... einer nach dem anderen berührt den Boden . Sie stehen. Ha, der Fünfte macht Scherze und eilt aus 20 Meter Höhe auf uns zu! . Weg die Köpfe!
Zwölf Soldaten sind vom Himmel gefallen! Zwölf Schirme trugen Jie sicher auf die Erde. Aber dieser Fallschirmabsprung ist ja nur ein Mittel zum Zweck, sozusagen Beförderung. Nun sind sie ausgestiegen, der Führer des Trupps als erster. Schnell holt er aus dem „Knochensack" (der Kombination der Fallschirmjäger) die Feldmütze, zieht den Reißverschluß auf und reifet Koppel mit Handwaffen und Gasmaske hervor. In hundert Meter Entfernung steht eine Gruppe von Kusseln Hier kann sich der Trupp in Deckung sammeln. Im Marsch-Marsch eilt er dorthin und schnallt während des Laufs um. Im Marsch-Marsch folgen die anderen und schnallen um. Jeder Mann meldet sich dem Führer und steht dann im Glied .. Jetzt e i n kampffähiger Soldat, zum Einsatz bereit.
Das ging schnell. Wieviel Minuten es vom Absprung des Ersten bis zur Meldung des Letzten waren? Der Berichterstatter hat vergessen, die Uhr heranzuziehen, so sehr fesselte ihn das Schauspiel des Reihenabsprunges, dem ein zweiter folgte. Außerdem war er erpicht auf ein Interview mit einem Jäger nach der Landung. „Das war der wievielte Absprung?" konnte ich fragen, während sich der Fallschirmjäger das Koppel aus dem Knochensack zog. „Der 22.!" war die kurze Antwort. Dann liefe er mich stehen und eilte zum Sammelplatz. Später gab es dann noch das Interview.
Jeder Soldat muß in den zwei Jahren seiner Dienstzeit viel lernen. Gymnastik, um nicht zu sagen Akrobatik, steht jedoch kaum im Dienstplan einer Truppe. Ganz anders der Fallschirmschütze, der auf der Fattfchirmschule feine Ausbildung erhält. Er wird zu einer Körperbeherrschung erzogen, die man ohne Uebertreibung als Akrobatik bezeichnen kann. Das hat feinen Sinn: Wenn der Flieger in der Luft aus feiner Maschine „aussteigen" muß, bann benutzt er den Fallschirm zur Rettung. Für den Fallschirmschützen dagegen ist er nur ein Beförderungsmittel. Der Fallschirmschütze muß nach der Landung kampffähig fein, d. h. unversehrt au Boden kommen. So lernt der angehende Fall- schirmschütze zunächst den Schirm packen, denn nur das richtige Packen des Schirms gewährleistet dessen sichere Funktion. Er übt schließlich den Absprung aus dem Flugzeug und wird zum zweckmäßigen Verhalten beim geschlossenenEin- s a tz erzogen.
Der zur Grundausbildung kommandierte Schütze lernt auf der Fallschirmschule in exerziermäßigen Vorübungen jede Bewegung und jeden Handgriff. Er springt zuerst auf dem Platz aus dem Uebungs»
Fallschirmschützen, wie sie nach der Landung die Wasfenbehälter, die ebenfalls mit Fallschirmen gbgeworjerr werden, sntley^ tScherl-Pilderdienjt-W^
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Jm Bummelzug durch Mazedonien.
Abseits der großen Touristenwege. — Wo Schleier, Fez und Turban herrschen.
Der Stationschef von Saloniki machte ein sehr erstauntes Gesicht, als ich ihm meine Wunsche vortrug. „Eine Rundreise durch Mazedonien? Im langsamsten Personenzug? Möglichst auf Umwegen? Und Zeit spielt keine Rolle? Moment mal — hier ist bas Kursbuch!" Vorsichtig suchte er mir klarzumachen, daß ich im Südexpreß Berlin—Athen bei weitem besser aufgehoben wäre Aber ich hielt es mit bem Bummelzug. Wir einigten uns schließlich auf die Strecke Saloniki—Monastir, 240 Kilometer in zehn Stunden. —
Unter Knoblauch-Girlanden.
Da sitze ich nun zwischen buntgekleideten Landleuten und Hausierern, neben Körben mit gackernden Hühnern und duftenden Knoblauchgirlanden. Gemächlich rattert unser Zügle durch die weiten Tabaksfelder, vorbei an malerifchen Dörfern und Gehöften. Immer einfacher werden die Behausungen — aus rohen Feldsteinen sind die Wände errichtet, darüber breitet sich ein flaches, grünbemooftes Ziegeldach. In den Türen zeigen sich die ersten bunten Volkstrachten. Wir werden bald mehr davon sehen, denn unser Zügle bringt uns in den fernsten Winkel Mazedoniens, dort, wo es kaum noch Autostraßen gibt und fchwerbepackte Maultierkarawanen über die Grenzgebirge nach Albanien ziehen. Die rechte Gegend für den Zeitungsmann.
Knirschen und Bremsen! Schon wieder ein Bahnhof! Gespannt blickt alles auf den Postwagen, wo eben zwei gewaltige Zeitungspacken herausgeworfen werden. Im nächsten Augenblick hat sich der Bahnsteig in ein weißes, rauschendes Blättermeer verwandelt. Vom Stiefelputzer bis zum Stationschef blickt jeder schnell mal in fein Morgenblatt. Auf allen griechischen Bahnhöfen, in Kinos und Kaffeehäusern das gleiche Bild Zeitungen, Zeitungen überall Für ein, zwei Drachmen reicht sie uns der wie ein Wolf heulende Zeitungsjunge ins Abteil. In kürzester Frist wird die Papierflut bis in die fernsten Gebirgsnester Mazedoniens verschickt.
Drahtverhau und Schützengräben.
Allmählich kommen wir den Bergen näher Hier oben sieht es schon erheblich wilder aus. Während die ruchtbare Ebene dicht bevölkert ist, wohnt in der unwegsamen Bergwildnis kein Mensch. Ein wahres Paradies für Räuber Aber die haben ihre Tätigkeit längst in die „ewigen Jagdgründe" verlegt. Die ein» ame Gendarmeriestation dort in den Felsen, mit den leiden bis an die Zähne bewaffneten Posten, soll icher nur vor Nachahmung schützen. Heute kann man orglos überall spazierengehen.
Wie düster die schroffen Felswände find! Eine tiefe Schwermut lastet über den grabesftillen Schluchten und Tälern, die noch vor wenigen Jahrzehnten vom Donner der Geschütze widerhallten. Einige Drahtverhaue, halbzerfallene Laufgräben und Kanonentrümmer blieben als stumme Ankläger in den einsamen Berghöhen zurück.
Der Zug beginnt sich langsam zu leeren, wir nähern uns der griechisch-jugoslawischen Grenze. Ein schneidiger Offizier — anscheinend von der Paßkontrolle — tritt ins Abteil und hält mir einen langen Vortrag. Ich grinse frundlich und verstehe nichts. Kopfschüttelnd geht er wieder davon.
Gleich darauf rückt Verstärkung heran. Ein peinliches Verhör beginnt. Mein Reisepaß wird einer eingehenden Prüfung unterzogen und nach mehrmaligem An - das - Licht - halten für echt befunden. Aber die ©entfernen haben noch etwas auf dem Herzen. Da male ich eine Landkarte auf lasse Arme
und Beine sprechen und nenne das Zauberwort: —, „Berlin!" Mein Kauderwelsch wird sofort verstanden. „Ah! Berlin. . Germanski! Gut, ferr gut!" Ich darf die Grenze anstandslos passieren. Aus der Ferne grüßt das erste schlanke Minarett. Wir sind in Südserbien, dem Land der vielen Völkerschaften.
Ein buntes Raffengemisch.
In allen Städten, die wir jetzt besuchen, erwartet uns das gleiche Bild: Kramläden, Handwerkerbuden, ttefverfchlelerte Frauen, nabelfeine Minaretts und halbzerstörte Mauern aus der Türkenzeit. Es ist nicht leicht, sich in dem Durcheinander von Stiegen und Gassen zurechtzufinben.
Ein Mosaik von Stämmen verwirrt den Blick. Serben, Bulgaren, Türken, Griechen, Albaner, Juden und Zigeuner leben auf kleinstem Raum zusammen Ein unerhörter Karneval farbenprächtigster Volkstrachten! Schleier, Fez und Turban sind aus dem Straßenbild nicht wegzudenken.
In Ohrid bin ich zu Gast bei einer mazedonischen Familie Wir unterhalten uns sehr angeregt mittels der internationalen Zeichensprache Lustig knacken die Holzscheite im Karnin (im Winter ist es auch
KrümenWÄf
in Mazedonien bitterkalt), zu unteren Füßen dampf ein kunstvoll verziertes Kohlenbecken Mir wird der einzige Stuhl angeboten, alle anderen Gäste hocken mit untergeschlagenen Beinen auf weichen Teppichen. Ein winziges Messingkännchen brodelt un Kamin .. Mein Herz hüpft Ichon erregt. Brr! Dieser Türkenkaffee hat es in sich!
Mit dem Autobus fahre ick weiter auf wildromantischen Straßen, vorbei an schwindelerregenden Abgründen und alten, kühn geschwungenen Römerbrücken in die verstecktesten Gebirgsnester — nach Debra, Pec und Prizren, nahe der albanischen Grenze. An den Markttagen flutet ein buntes Völkchen über die Straße Hochgewachfene, prächtig gekleidete Albaner treten würdevoll vor unserm heulenden Ford zur Seite.
Vor jeder Stadt genaue Paßkontrolle. Um Mißverständnissen vorzuveugen, präsentiere ich jedesmal mein Empfehlungsschreiben der jugoslawischen Gesandtschaft in Berlin. Immer der gleiche Erfolg: der kontrollierende Gendarm nimmt Haltung an und salutiert.
Doch eines Tages kann ich meinen Wunderzettel für immer in die Tasche stecken. Wir fahren wieder auf bekannter Strecke — im internationalen Sübexpreß Die bunten Bilder sind wie fortgewischt. Einige Geschäftsleute und eilige Touristest, die ganz Europa in zwei Wochen .machen", blicken verwundert auf die öde Landschaft Sie scheinen sehr enttäuscht zu fein. Das nennt sich also Mazedonien! Keine Volkstrachten und kaum ein orientalisches Bauwerk!
Wir lachen in uns hinein. Es ist schon richtig: Dies Land steckt voller Herrlichkeiten, man muß sie nur auf Seitenwegen suchen. Möglichst bescheiden, ohne große Hast — auf Schusters Rappen und im Bum melzug! Rudolf Jacobs.
rümpf auf die Torfmullunterlage und in der Halle von den Absprungstetten auf die Matte. Es sieht lustig aus, wenn erwachsene Männer in Reihen hintereinander aus der Tür eines Flugzeuges herausspringen und sich auf der Erde „wälzen", und man denkt an frohes Kinderspiel, wenn sie in der Halle in den Gurten an Seilen hängen und nach dem Absprung in der Luft schwingen. Aber das ist kein Spiel, sondern ernste Arbeit. Wenn sie mit den Beinen strampeln, so folgen sie dem Kommando des Unteroffiziers, der ihnen beibringt, wie man die Pendelbewegungen des geöffneten Sttrmes abstoppt und den Schirm in den Wind dreht. Und wenn sie sich auf den Matten immer wieder überschlagen, so üben sie die Landung.
Nicht der Schütze besttmmt die Sinkgeschwindigkeit des Fallschirmes oder die Wischt des Aufpralls, sondern der Wind. Der Schütze muß nur geschult werden, daß er jede Landung ohne Schaden übersteht. Die Schulung dafür ist hart. Sie üben immer wieder den Fall vorwärts und rückwärts, die Rolle vorwärts und rückwärts, sie lernen, daß die Rolle immer im Sand enden muß. Nur bann ist es möglich, den Fallschirm rechtzeitig vom Körper zu trennen. Sie fallen in jedem Augenblick, wenn es befohlen wird, und wenn sie nach Abschluß des Lehrgangs als vottwerttge Schützen dem Fallschirm- Regiment überwiesen werden, bann fallen sie wahrscheinlich auch im Schlaf richtig.
Zweckmäßige Bodenübungen machen den Mann hart und geschmeidig zugleich. Man muß sie gesehen haben, wie sie, die Fangleinen des Uebungsschirmes am Gurt, von einer Windmaschine über den Boden geschleift wurden. Aber — so wird eine Landung bei Wind aussehen, und der Fallschirmschütze mufe schon eine Schleiffahrt ertragen können und gewandt genug fein, damit er während des Schleifens auf die Füße kommt. Schirme, die der Wind über den Boden treibt, müssen überlaufen werden, damit sie zusammensacken. '
Niemand von den wehrpflichtigen jungen Männern wird als Fallschirmschütze ausgehoben, das Fallschirmjäger-Regiment besteht ausschließlich aus Freiwilligen. Drei Grundbedingungen müssen vor der Einstellung nachgewiesen werden: Persönlicher Mut, körperliche Tauglichkeit und psychologische Eignung. Erst nach erfolgter.Rekrutenausbildung im Regiment erfolgt die Grundckusbildung auf der Fall- fchirmfchule. Acht Wochen dauert der Lehrgang, und wer am Abschluß die theoretische und praktische Prüfung bestanden hat und als vollwertiger Fattschirm- schütze zum Regiment entlassen wird, der hat unzählige Bodenübungen hinter sich, der ist mindestens sechsmal aus dem Flugzeug abgesprungen — allein, in der Gruppe und schließlich im Zugver- band — und der darf, wenn ihm in einem feierlichen Appell Fallschirmschützenschein und Fallschirm- mützenzeichen verliehen werden, mit Stolz bekennen, daß er einer Truppe angehört, die sich aus Männern im wahrsten Sinne des Wortes zusammensetzt.
Ist der Dienst in der Fallschirmtruppe besonders gefährlich? Wir trafen in der Fallschirmfchule einen Lehrgang für Unterführer, also durchsetz längst ausgebildete Schützen, die sich später im
Landeübungen bei starkem Wind. (Presse-Bild-Zentrale-M.)
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Fallschirmjäger-Regiment bewährt haben. Ihre Ab- sprunaliste erreicht deshalb ohne Ausnahme sehr hohe Zahlen. 22mal ist der eine abgesprungen, mehr als 30mal der andere. Ein Oberleutnant — man horcht auf, wenn die Mannschaften mit Stolz erklären: „Bei jedem Absprung geht immer zuerst der Führer aus dem Flugzeug!" — ist 48mal abgesprungen und sogar der Oberarzt 25mal. Möglich. daß er als einziger Militärarzt aller Heere bas Abzeichen der Fallsckirmschützen trägt: den zu Boden stoßenden Adler. „Ich stehe auf bem Stanbpunkt, daß gerade der Arzt, der Fallschirmschützen ein Helfer fein soll, Technik und Erlebnis des Absprungs nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch kennen soll'"
Nein, der Dienst in der Fallschirmtruppe ist nicht gefährlich, wenn der Schütze sorgfältig ausgebildet wurde und nicht versagt. Die Schützen der deutschen Fallschirmtruppen werden sorgfältig ausgebildet Wie sagte doch der Kommandeur: „Alle in der deutschen Luftwaffe vorhandenen Fallschirmschützen sind durch die Schule gegangen und sind stolz darauf, daß ihre Arbeit trotz der hohen Zahl der Absprünge noch nie vom Flügel- schlag des Todes gestreift wurde."


