Nr. 45 Zweites Blati Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhesien)_______ Mittwoch, 22. Februar 1959
Wehr und Waffen.
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Derhalten des großen Feldherrn Napoleon ist so widerspruchsvoll und unverständlich, daß seine dort
wahre Orgien. Die Dörfer wurden genommen, gingen verloren, wurden wiederqenommen, geschla- gene Truppen wurden durch frische erseßt. aber die Franzosen hielten heldenbast unter den Augen der Kaisers ihre Stellungen. Viermal rannten die Oester- reicher an, der Boden war von den weißen Uniformen wie mit Schnee bedeckt, aber auch der letzte Versuch, bei dem sich Erzherzog Karl mit einer Fahne in der Hand an die Spitze der Sturmkolonne setzte, scheiterte.
In gleicher Weise ging es bei Eßlingen zu. Die stark befestigten Dörfer waren nicht zu nehmen, eine Beschießung durch Artillerie erfolgte überhauvt nicht und die Malle der österreichischen Korps sv'elte rückwärts eine Zuschauerrolle. Gegen sie setzte Navoleon nunmehr seine gesamte Kavallerie ein. Aber ein durchschlaaender Erfolg war gegen die unerschüttertc österreichische Infanterie nicht zu erzielen, besonders deshalb nicht, weil der Angriff der schweren Retter nicht nach Seydlitzscher Weise im vollen Rolle«laus erfolgte, sondern sich langsam bis auf 200 Schritt an die feindliche Linie heranschob und erst von da ab attackierte. Das Feuer der österreichischen Infanterie wirkte auf die nahe Entfernung geradezu
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batte den Erfolg, daß die Oesterreicker wie im Banne des schaurig-schönen Bildes blieben und sich nicht von der Stelle zu rühren wagtest. Bei den Franzosen waren inzwischen über die wiederherqe- stellten Brücken neue Verstärkungen eingetroffen, die sofort in die Schlacht geworfen wurden. Die Dunkelheit brach herein, der Rauch und Qualm der brennenden Dörfer verwehrte jede Sicht. Trotzdem erfolgte 10 Uhr abends noch ein österreichischer Angriff auf Eßlingen, aber mit gleichem Mißerfolge.
Sofort ließ er eine andere Uebergangsstelle künden und fand diese unterhalb von Wien.
Oesterreichischerseits war außer der Entsendung der Kavallerie so gut wie nichts geschehen, um dem Feinde den Donau-Uebergang zu erschweren und zu verwehren. Zwar hatte man vom Bisam-Berg aus wohl die Vorbereitungen dazu bemerkt, auch die Besetzung der Lobau war der Beobachtung nicht entgangen, aber man hielt alles nur für eine Demonstration. So blieb man untätig und kam zu keinem Entschluß. Erst durch die Meldung der Kavallerie über den Zusammenstoß bei Eßlingen gewann endlich der Erzherzog soweit Klarheit, daß er beschloß, seine Armee in der Nacht in die Linie Bisam-Berg—Gernsdorf—Deutsch-Wagram rücken zu lassen, um auf dem Höhenzug in gleicher Weise für Angriff oder Verteidigung bereitzustehen. Nur sehr schwerfällig und mühsam, sich fortlaufend kreuzend und hindernd, vollzogen sich die Bewegungen der einzelnen Korps, die erst bei Morgengrauen in dicken Massen aufmarschiert die zugewiesenen Plätze erreichten.
Bei Napoleon herrschte inzwischen die lebhafte Besorgnis vor, der Feind würde abmarschieren und sich dem entscheidenden Schlage entziehen. Er hatte noch in der Nacht vom Kirchturm von Aspern aus die Lagerfeuer am Bisam-Berg brennen sehen (5. österreichisches Korps) und wurde dadurch so in seiner Ansicht bestärkt, daß er beschloß, so schnell wie möglich, dem seiner Meinung nach auf Brunn abziehen- den Gegner nachzujagen und ihn zum Standhalten zu zwingen. Die ganze Nacht über vollzog sich auf der unter größten Opfern wiederhergestellten Brücke der Uebergang des Korps Massena mit 3 Divisionen. Bei der 2. Division Carra St. Cyr befanden sich die hessischen Truppen, mit Ausnahme unserer beiden Stamm-Bataillone, die gegen Preßburg entsandt waren. (Vgl. Nr. 23/39 Gieß. Anz.) Aspern, Eßlingen und Groß-Enzersdorf blieben sehr stark besetzt, weitere Aufklärung nach Norden hinderte nach wie vor die starke österreichische Kavallerie. Es blieb nichts weiter übrig, als erst das Eintreffen der Kürassier- Division Espagne ahzuwarten, deren Stoß Klarheit in die Lage bringen sollte. (Bei ihr befand sich das hessische Garde-Cbevaulegers-Regiment.)
Der Erzherzog, der am frühen Morgen seine Truppen abgeritten hatte und überall mit größtem
nicht, sofort Hiller zu folgen und auf dem kürzesten Weg nach Wien zu eilen, um dort, wie er fest glaubte, den Frieden diktieren zu können.
Es entstand dadurch eine ganz eigenartige Lage. Die österreichische Hauptarmee war gegen die böhmische Grenze zurückgegangen und erwartete dort tn einer Stellung bei Cham den verfolgenden Gegner. Da geschah das Unerwartete. Napoleon folgte mcht! Er täuschte sich vollkommen Über den Züständ des. österreichischeu Heeres, das er für derartig geschlagen und zerrüttet hielt, daß es nicht mehr aktions- fähiq sei. Er läßt unbegreiflicherweise von ihm ab, anstatt es bis zur Vernichtung zu verfolgen und wendet sich mit allen Kräften der feindlichen Hauptstadt zu. Ihn beherrscht nur der eine Gedanke, der auch 1806 und 1812 wie ein roter Faden durch fern ganzes Verhalten zieht, sie in Besitz zu nehmen. Darüber verliert er völlig die Uebersicht über den Verbleib der österreichischen Armee. Er glaubt sw noch im Rückzug nach Böhmen und erfährt, da sämtliche Donaubrüsten zerstört sind und lebe Aufklärung unterbleibt, nicht davon, daß Erzherzog Karl auf dem nördlichen Ufer der Donau einen Parallelmarsch mit ihm ausführt und zu gleicher Zeit, als Napoleon am 12. 5. Wien besetzt, den Bisam-Berg nördlich Sedlersdorf erreicht hat. Nun stehen sich die beiden Armeen durch die Donau getrennt gegenüber. Napoleon, ohne Kenntnis von Stärke und Aufstellung der Oesterreicher, der Erzherzog Karl durch die Besatzung Wiens, die bei der Räumung der Stadt die letzten Brücken zerstört hat, verstärkt und genau unterrichtet. Auch die Heeres- abteilung Hiller hatte bei Krems den Uferwechsel vollzogen und sich wieder mit der Hauptarmee
Langsam erstarb der Feuerkampf, nur in Aspern knatterte ab und zu das Infanteriefeuer auf. In einem Halbkreis zusammengedrängt, auf beiden Flügeln von weit überlegenen Massen in größter Mühe umgeben, den tosenden Fluß im Rücken, so stand Napoleon dem herausgeforderten Schicksal wehrlos gegenüber. Aber er dachte es trotzdem zu meistern.'Die Nacht verging ruhig, es erfolgte kein. Angriff mehr, keine Artilleriebeschießung fand statt, die Initiative blieb beim Kaiser. Mit allen Mitteln und Kräften wurden Verstärkungen, ßebensmittel und Munition herangezogen. Bei Fackelschein ainaen die Kolonnen des Korps Lannes, die Garde-Infanterie und Kavallerie über die schwankenden und überschwemmten Brücken, gegen die immer wieder .Kerstörungsfahrzeuge beranprallten. Aber, wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Das Unwahrscheinliche, der nächtliche Uebergang gelang, und mit dem däm> mernben Morgen begann auch sofort wieder die Schlacht.
Die österreichische Armee stand im wesentlichen um die Dörfer Aspern und Eßlingen gruppiert. Zwischen beiden Dörfern beschloß nun Napoleon mit voller Wucht durchzubrechen. Unbekümmert um die neu aufgeflammten Dorfkämpfe setzte er 7 Uhr vormittags sein Zentrum, drei Divisionen des Korps Lannes, zum Angriff an. Starkes Artilleriefeuer leitete ihn ein, hinter der Infanterie folgten tiefe Reitergeschwader, und unter dem Schlagen der Trommeln, dem Flattern der Fahnen und den brausenden Rufen: Vive l’emnereur! ging es vorwärts. Langsam wich die österreichische Infanterie vor dem gewaltigen Stoß, vergebens setzte sich die Reiterei zur Entlastung ein, der Durchbruch Napoleons und damit sein Sieg schien gelungen. Da mar es wieder Erzherzog Karl, der die Lage rettete. Wie bei Aspern, so ergriff er auch hier die Fahne des Regiments Zach (Denkmal auf dem Burgplatz in Wien) und führte die weichende Infanterie direkt dem Feind entgegen. Ein Jubel flammender Begeisterung brach aus den heiseren Kehlen, und vorwärts ging wieder alles, ein Tritt, ein Mann, eine Kraft. Als nun auch von Breitensee aus die 16 Grenadier- Bataillone der Reserve den Franzosen in die linke Flanke fielen, da änderte sich auf einmal alles wie durch einen Zauberschlag. Der französische Durchbruch war gescheitert. Daran konnten auch die nun einsetzenden Massenangriffe der französischen Kavallerie trotz anfänglicher Erfolae nichts ändern. Die österreichische Infanterie hielt stand.
Zu dieser Zeit erhielt Napoleon die Nachricht, daß beide Donaubrücken durch Brander völlig zerstört seien und auf Verstärkungen nicht mehr zu rechnen sei. Damit war das Schicksal des Tages entschieden. Der Kaiser befahl den Rückzug in die Lobau. Zu seiner Deckung galt es unbedingt die beiden Dörfer Aspern und Eßlingen festzuhalten, und nun entspann sich um diese erneut der heftigste Kampf. Unausgesetzt liefen die Oesterreicher an, Kolonne auf Kolonne verblutete, aber es war alles vergebens. Artillerie wurde nicht eingesetzt, und mit den Fäusten waren die zu wahren Festungen umgewandelten Steinhäuser nicht zu nehmen. Aber die
Jubel empfangen worden war, hatte sich inzwischen wieder gesunden. Er sah ein, daß es sich urn einen ernsthaften Uebergang handle, und daß jedes Zögern den Feind nur verstärken würde. Er beschloß anzugreifen und befahl, daß Punkt 12 Uhr mittags alle Kolonnen den Vormarsch anzutreten hatten. 96 000 Mann stark, darunter 15 000 Reiter und 300 Geschütze, ging die österreichische Armee zum Angriff vor.' 56 000 Mann wurden zu einem umfassenden Angriff auf Aspern, 25 000 Mann in gleicher Weise auf Eßlingen angesetzt. Gegen den Raum zwischen beiden Dörfern rückten 6000 Reiter vor, hinter denen 9000 Mann des Grenadierkorps eine Reserve bildeten.
Navoleon war fassungslos, als er die Nachricht vom Anmarsch der österreichischen Kolonnen erhielt. „Die Oesterreicher greifen an?! Unmöglich!" Und doch war es so. Die Lage, in der sich die Franzofen nunmehr befanden, war eine höchst kritische. Erst 21 000 Mann Infanterie, 5500 Reiter (einschließlich der soeben eingetroffenen Kürassier-Division) und 70 Geschütze waren Übergesetzt und in dem engen Raum zwilchen Aspern und Eßlingen zusammen- gebrängt Wie eine Schneelawine wälzten sich die weißen Mülsen der Oefterreicher heran. Und dabei war die Brücke schon wieder gebrochen, gegen die der österreichische Pionier-Hauntmann Magdeburg unausgesetzt schwer beladene Steinkähne und Brander schossen. Napoleon schien verloren. Aber wieder ge- schah etwas Unbegreifliches, das ihn rettete. Die Oefterreicher machten von ihrer riefiaen Überlegenheit keinen Gebrauch, sie dachten nicht daran, die Franzosen einzukreisen, sondern sie griffen lediglich die zwei Dörfer immer nur mit Minderheiten und in Vierern von 18 M""n Tiefe an Der Tod M»rte
Die Schlacht bei Aspern.
Die Schlacht bei Aspern vor 130 Jahren am 21./22.5.1809 kann man die Schlacht der Unbegreiflichkeiten und Unwahrscheinlichkeiten nennen. Das
Die Hessen unter Moleon 1808/1809
Von Genei almujor a. O. Rudolf Mohr, Gießen
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Schon seit Clausewitz sein berühmtes Werk „Dom Kriege" schrieb, ist die allgemeine geistige, strategische und taktische Ausbildung der Offiziere, besonders der des ©encralftabes, durch Uebungs- reifen, Kriegsspiele, schriftliche Arbeiten, Vorträge ufro. auf einen denkbar hohen Stand gebracht worden. Im Vordergrund aber stand in der Offizierserziehung immer die Ausbildung des Charakters und Willens, vor allem die sogenannte „Initiative des Unterführers^ d. h. die Fähigkeit, im entscheidenden Augenblick auf eigene Verantwortung, in dringenden Fällen sogar gegen einen gegebenen Befehl zu handeln und auch in den schwierigsten Gefechtslagen Geistesgegenwart und Entschlußkraft zu beweisen. Der Moltkesche Grundsatz: „Unterlassen und Versäumnis belastet schwerer als ein Fehlgreifen in der Wahl der Mittel" wurde jedem Offizier gewissermaßen eingehämmert. Der Weltkrieg brachte den Beweis für die Richtigkeit dieser Erziehung: In der Selbständigkeit des Handelns im Gefecht, in der Verantwortungsfreudigkeit in ungeklärte Lagen haben sich die deutschen Offiziere den feindlichen durchweg überlegen gezeigt. In dieser wichtigsten Fuhrereigen- schaft ist in erster Linie die Erklärung zu suchen für die wunderbaren deutschen Erfolge vor allem im Bewegungskriege mit seinen dauernd wechselnden Gefechtslagen, in der von der raschen Entschlußkraft der Führer und Unterführer alles abhängt.
Schon im Frieden wurde und wird mich heute noch von dem jüngsten Offizier rücksichtsloser Einsatz seines Lebens verlangt, wenn em Menschenleben in Gefahr oder sonst ein höherer Zweck zu erfüllen ist. Auch für seine Ehre und die seines ganzen Standes hat jeder Offizier persönlich mit seinen Waffen und seinem Leben einzustehen. Mit dieser ^leljung ist auch ein gewisses Abstandhalten verbunden, das nichts mit Hochmut zu tun Hatz das vielmehr gercche von dem Soldaten als selbstverständliche Fuhrer- pflicht betrachtet wird. Wenn im Weltkriege 40 vH« der aktiven Hauptleute und Leutnants, 25 ü. Des gesamten aktiven Offizierskorps, im Verhol.tms doppelt so viel als Mannschaften, gefallen sind, so ist das der beste Beweis, daß das deutsche Offizierskorps nicht nur im Leben, sondern auch im Sterben führend vorangegangen ist. Ludendorff sagt darüber. „3n Kampf, Not und Gefahr rief der Soldat immer nach seinem Offizier, auch wenn er em blutjunges Menschenkind war, und sah auf ihn.
Diese rücksichtslose Bereitsthaft Mm Sterben, ^ver-। bunden mit der CK" """" ">
■ ner ganzen Laufbahn systematisch erzogen wurde, hat im Kriege das einzigartige Vertrauensverhältnis ^zwischen Offizier und Mann geschaffen, ohne das die großen Erfolge des deutschen Heeres unter den furchtbarsten Leiden und Strapazen undenkbai gewesen wären. Sogar em bekannter sozialdemokra tischer Abgeordneter und Kriegsberichterstatter hat dem General Ludendorff gegenüber aus freien Stücken erklärt, daß er fein Urteil über die aktiven Offiziere ändern müsse, daß diese „mit tiefern Verständnis und großer Liebe für Mann sorgten .
1 Solange dem deutschen Heere em solches Offiziers Earps erhalten bleibt, und solange — im Gegensatz zur Vorkriegszeit — das gesamte deutsche Volk m gleichem Geiste wie das deutsche Heer erzogen wird, solange wird ein Zusammenbruch wie 1918 nicht mehr möglich sein.
vereinigt.
Auf beiden Seiten geschah zunächst nichts. Der Erzherzog Karl, der doch wiederholt schon Proben seines Feldherrntalents gegeben hatte, war durch die vorhergegangenen Niederlagen so beeindruckt, daß er gar nicht wagte, einen Napoleon selbst in ungünstiger Lage zu überfallen. Trotz Ieiner Einsicht und persönlichen Tapferkeit litt er unter einem angeborenen hochgradigen Pessimismus, der ihm den Gedanken an einen Sieg über seinen großen Gegner völlig aussichtslos erscheinen ließ. Dazu kamen die fortgesetzten Einwirkungen des Hofkriegsrates, des Kaisers und der Kaiserin, die ihm mißtrauten, seit Napoleon ihm den Thron seines Bruders angeboten hatte, und ein körperliches Leiden, das ihn oft stundenlang bewußtlos machte. Diese Einflüsie waren es, die feine Leitung in dieser entscheidenden Zeit so übermäßig vorsichtig, ia kraftlos erscheinen lassen. . „ , £
Ganz anders Napoleon! Er hat endlich erfahren, die die österreichische Mrmee am Vlsam-Lerg ihm gegenübersteht. Und nun geschah das völlig Unbegreifliche. Unmittelbar dieser Stellung gegenüber, be: Nußdorf, versucht er auf fronen den Uebergang
Mrerium im deutschen Heere.
Von Major a D von Kester.
In feinem Buche Mein Kampf" sagt Adolf Hitler über die „unersetzliche Schule des Heeres" „Als höchstes Verdienst aber muß dem Heere des alten Reiches angerechnet werden, daß es in einet Zeit der allgemeinen Majorisierung der Köpfe die Köpfe über bie Majorität stellte" Diese Art von Führertum, die heute vorbildlich geworden ist für den gesamten Aufbau unseres Dritten Reiches, hat im Offizierskorps des alten preußischen später gesamtdeutschen Heeres eine besondere Ausprägung gefunden.
Aus der harten, bedürfnislosen und kampfgewohnten Führerschicht Dftelbiens hatte sich durch die Erziehung der großen Könige Preußens Friedrich Wilhelm I. und Friedrichs des Großen zu unbedingter Pflichterfüllung, Treue und Opferfähigkeit ein ganz bestimmter Offizierstyp herausgebildet, von einer Geschlossenheit des Fühlens, Denkens und Handelns, wie er in der ganzen Welt nicht seinesgleichen hatte. Diese in gewissem Sinne einfeihge Abgeschlossenheit des deutschen Offiziers, die fest verwurzelte Ueberlieferung und die enge persönliche Bindung an den jeweiligen Monarchen und Führer des Staates befähigten das Offizierskorps, sich auch in einer mehr und mehr vom Liberalismus und Marxismus beherrschten Umwelt eine ritterliche und kämpferische Lebensanschauung zu erhalten. Daß es trotz schärfster Angriffe der Linksparteien und ihrer Presse auf das Offizierskorps diesem gelungen ist, auch die Masse des Heeres frei zu halten von der zersetzenden materialistischen und pazifistischen Weltanschauung, die sich sonst überall in Staat und Gesellschaft breit machte, und ihm feine kämpferischen Ideale zu bewahren, das bleibt das größte Verdienst des alten Offizierskorps.
Aus diesem Offizierskorps, aus diesem soldatischen Geiste heraus, den nach einem bekannten Worte König Wilhelms I. „der Sprößling aller Offiziersgeschlechter mit der Muttermilch einsog und wieder vererbte", sind so viele bedeutende Feldherrennaturen geworden und gemachten, wie in keinem anderen Heere der Welt. Ihre Führerausbildung haben diese Männer seit 100 Jahren fast ausschließlich im G e - neralstab genoffen, in dieser unvergleichlichen militärischen Führerschule, die den Geist eines Moltke und Schlieffen atmen durfte, den Geist des „Mehr fein als scheinen!", der in unermüdlicher, stiller, nach außen kaum sichtbarer Arbeit sich fortpflanzte durch alle Dienststellen des Heeres bis zur letzten Kompanie, Schwadron und Batterie. Ueberlegenes Können und Wissen, größte Entschlußkraft und unbedingte Derantwortunasfreudigkeit, Mut und Opferbereitschaft in allen Lebenslagen, eine achtungerzwingende persönliche Haltung in und außer Dienst und ein warmes Herz für die Untergebenen, bei voller Wahruna des im Interesse der Manneszucht erforderlichen Abstandes, das sind die Führereigenschaften, die in der Erziehung des deutschen Offiziers immer eine besondere Rolle gespielt haben.
Dreiftiqtcit nennen, die allen vernünftigen Erwa- aunqen -ohn spreche und sich nur durch Großen- wahnsinn erklären lasse" (Bind-r-Krieglstein) oder eine Verwegenheit ohnegleichen, die nur aus Verachtung des Gegners berufen könne" (Frhr v. Frey- toq-Loringhosen), kln Wirklichkeit hoben aber wohl Navoleon andere Beweggründe geleitet. Jetzt wußte cr, roo der Gegner stand und nun wollte er ihn vacken bevor dieser wieder ausweichen und nd) 3U5 rückziehen könne. Denn bas war stets seine größte Sorge und aus ihr heraus ist wohl dieser tollkühne, unbegreifliche und jeder Ueberlegung Hohn sprechende Uebergangsversuch bei Nußdorf zu erklären. An die Möalichkeit eines österreichischen Angriffes scheint Napoleon überhaupt nicht gedacht zu haben.
und niedrigen Borden, Flöße, Kähne, Fähren usw., mit denen das Riesenwerk versucht wurde. Aber das Unwahrscheinliche gelang. Trotz steigenden Wassers, heftigen Wellenschlags und antreibender 5Baum» |w....... ...... ,
stämme glückte es den unerhörten Anstrengungen vernichtend. Der Angriff war abgeschlagen, aber er der Pioniere, das schwierige Werk am 20. Mai - ■ - ^ *- - -• --
mittags einigermaßen fertigzustellen.
Der Kaiser Napoleon zögerte keinen Augenblick und überschritt mit seinem Stabe und seiner gewöhnlichen Eskorte, den Guiden und Mamelucken der Garde-Kavallerie die Brücken nach der Lobau. Ihm folgten sofort vier Bataillone der alten und vier ber jungen Garde. Aus die Lobau war. bereits in der Nacht die Division Molitor auf Kähnen übergesetzt worden und hatte die dort befindlichen schwachen österreichischen Postierungen vertrieben. Nur langsamen Schrittes, mit geöffneten Gliedern, die Reiter abgesessen und zu Zweien, oft bis zu den Knien im Wasser, konnte der Uebergang erfolgen, der nur noch ber Division Boubet gelang. Batin riß die Brücke, und der gewaltig angeschwollene Strom führte eine große Anzahl ber besten Schiffe davon. Aber selbst diese Mahnung zur Vorsicht blieb unbeachtet. Ungeduldig drängte der Kaiser auf das nördliche Ufer und ließ sofort die Brücke dorchin in Angriff nehmen. Zur Deckung wurden 200 Voltigeure und Sappeure übergesetzt, bie eine Brückenschanze aufwarfen. 6 Uhr nachmittags ging als erste die leichte Kavallerie-Brigade Lasalle über und wandte sich gegen Eßlingen. Dort kam es zu einem Zusammenstoß mit starker österreichischer Kavallerie, die siegreich bleib, aber nicht folgte, so daß Aspern und Eßlingen besetzt werden konnten und im Besitz der Franzosen blieben, die die Dörfer sofort mit allen Mitteln zur Verteidigung einrichteten.
Kaiser-Ebersdorf. Der Platz war nicht schlecht _ wählt (s. Skizze). Wenn auch hier mehr Brückenmaterial erforderlich war, als bei Nußdorf, so war es dafür doch möglich, unter Benutzung des sog. , U0ll Schneidergrunbes, einer im Strom gelegenen Sand- erlittene Niederlage, die der Wendepunkt in seiner dank, idie Vrücke in 2 Teilen herzustellen Der'erste Siegeslaufbahn war, durchaus gerecht erscheint. 3u überbrückende Arm war etwa 480 Meter der Wir hatten gesehen (Gießener Anzeiger Nr. 23/39), -werte nut Sjauptf romunfl 250 Meter breit Dann daß der Kaiser Napoleon di- österreichische Armee nm eine grofee 3nlel, bin Sobau bte non bm norb. unter Erzherzog Karl in mehreren Gefechten um W" ®°nTfcr durch -men etwa WO M r Regensburg geschlagen und sie gezwungen hatte, bi eiten Wasserarm getrennt war. Alles m allem auf bas nördliche Donauufer überzugehen. Nur die waren also etwa 8o0 Meter Strom zu überbrücken, Heeresabteilung des Feldmarschalleutnants v. Hiller angesichts des Feindes und mit dem fammervolls ging auf dem südlichen User zurück, nachdem samt- . Bruckenmaterial. Denn abgesehen von einer kleinen liche Donaubrücken zerstört waren. Der Weg ins Zahl, -rb-ut-ter ost-rreichischer Pontons waren es Herz Oesterreichs stand offen, und Napoleon zögerte ^le vielgestaltetsten Fahrzeuge, Schiffe mit hohe»


