Ausgabe 
21.12.1939
 
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dann die Meldung von der großen Luftschlacht bei Helgoland mit dem Verlust von mindestens 36 modernsten englischen Bombern und mindestens 170 ausgebildeter Flieger. Der französische Regie- runasckef dürfte noch während der Verhandlungen durch den eigenen Nachrichtendienst davon unter­richtet worden sein, daß die Engländer sich selbst am zwtziten Tage nach der Schlacht noch nicht zur Her­ausgabe eines Berichtes entschließen konnten, daß dafür aber die englische Presse fortfährt, das See­gefecht von der La-Plata-Bai in einen englischen Erfolg umzulügen und hinsichtlich der Luftschlacht zu behaupten, es sei gar nicht der Zweck gewesen, deutsche Objekte zu bombardieren, sondern nur Demonstrationsflüge auszuführen!

Hinzu kamen die Meldungen über die Versenkung von einem Viertelhundert englischer Schiffe der leich­ten Seestreitkräfte, der Vorpostenboote usw. Ins­gesamt ist also für England das Wort Ehamberlains aus seiner letzten Unterhausrede auf erschreckende Weise wahr geworden, als er von demtödlichen E r n fl" der Situation sprach. Wie die Entente Glück- wünsche und Erfolgslügen mit diesem tödlichen Ernst vereinen will, das bleibt allem Anschein nach den beidorsettigen Lügenministerien überlassen. Es ist nach allen bisherigen Erfahrungen, wie sie sich in der langen Liste etwa der Gesamtverluste der En­tente widerspiegeln, dafür gesorgt, daß die Lage für die Kriegsvertreter noch viel ernster, Glückwünsche noch viel weniger angebracht und faustdicke Zweck­lügen noch notwendiger werden. B. R.

Dampfer »Columbus- von der eigenen Besatzung versenkt.

Neuyork, 20.Dezember. (DHB.) Der llebersee- dampferColumbus" wurde, um der drohenden Aufbringung durch ein feindliches Kriegsschiff zu ent­gehen, von der Besatzung versenkt. Die Mannschaft und die Fahrgäste wurden von dem USA.-ßreujetluöcaloofa übernommen.

Im Golf von Mexiko, in jener Gen end also, wo der Genuese Columbus einst als erster Europäer den Boden der neuen Welt betrat, ist das große deutsche FahrgastschiffColumbus" von seiner eige­nen Besatzung versenkt worden. Das Bedauern über das unvermeidliche Ende des schönen Schiffes, das so vielen deutschen Reisenden und ausländischen Freunden unserer Schiffahrt in bester Erinnerung ist, mischt sich mit der Genugtuung darüber, daß der Coluntbus" nicht in Ferndeshand fiel. Der Columbus" ist nicht der erste deutsche Ozeandamp­fer gewesen, der in diesen Monaten den freiwilligen Untergang der Kaperung durch englische Piraten vorgezogen hat. Auch das PanzerschiffAdmiral Graf Spee" wählte, um nicht interniert zu werden, diesen Weg. Es ist ein Prinzip unserer Kriegfüh­rung, dem Feinde zu schaden, wo immer es geht. Ein indirekter Schaden ist es auch, wenn gerade der Raubstaat England auf erhoffte Beute verzichten muß. Denn jede Tonne fremden Schiffsraums, di« den britischen Piraten entgeht, obgleich sie mit ihr gerechnet haben, ist für England ein schwererer Verlust als für uns. Die Existenz des britischen Inselstaates ist abhängig vom ungehin­derten Seeverkehr und von dem Besitz einer großen Handelsflotte, sie ist im Kriege sogar darauf ange­wiesen, auch über wesentliche Teile des feindlichen bzw. neutralen Schiffparkes zu verfügen. Anders als durch Raub läßt sich di« Einfuhr an Lebens­rnitteln unö kriegsnotwendig«n Rohstoffen für Eng- land gar nicht bewerkstelligen. Die Politik der Lon­doner Krämer beruhte vollständig auf dem Gedan­ken, den geplanten Blockadekriea in erster Linie mit Hilfe fremder Schisse und Men­schen zu führen. In diesem größeren Zusammen­hang ist die Versenkung desColumbus^ für Eng­land kein geringerer Schlag als die glücklich« Heim­kehr derBremen". H. Ev.

Schweizer Weihnachtspakete für deutsche Kriegsgefangene.

Genf, 21. Dezember. (Europapreß.) Weihnachts­pakete an bi« deutschen Kriegsgefangenen i n Frankreich sind am Mittwoch auf Grund einer

Weihnachtliche Einkehr.

Aus Briefen eines Flugmeldepostens.

P.K. Nun bin ich schon seit drei Wochen hier vorne. Nur ein Tal trennt uns von den Stellungen der Franzosen. Wenn nicht, fast mit Regelmaß, tagtäglich die Granaten über uns hinweg orgeln würden, weiß Gott, man könnte nicht das Gefühl haben, im Kriege zu leben.

Es ist ein liebliches Tal da vor uns, wenn ich über die Kanzel hinunterschaue. Ein Bach fließt durch Wiesen hindurch, manchmal funkelt die Sonne hinein, und dann glitzert und gleißt es auf, wie tausend blanke Dukaten. Mitten darin steht ein freundliches Bauernhaus. Dunkel nur ragt der er­loschen« Kamin aus dem Dach, und die offenen Stalltüren künden von einem eiligen Aufbruch, von der Räumung dieses Gebietes.

Als ob sich die Fronten dieses Idyll erhalten möchten, hier ist alles noch unversehrt. Keine Gra­nate pflügte hier den Boden, Rostig und schwer liegt der Pflug des Bauern in der schwarzen Erde. Er liegt noch oa, wo nach wenigen Furchen Pflug­arbeit der Bauer ausspannen mußte. Hoffentlich bleibt uns dieses Bild des Friedens erhalten. Es zeigt uns. den ganzen Irrsinn auf, der im Angriff der westlichen Demokratien auf unsere Grenze hegt. Die Menschen dort drüben fühlen das auch. Sie haben gemerkt, daß wir von ihnen nichts wollen, daß wir der Landschaft den endlichen Frieden gön­nen.

Heute haben wir in unserem Bunker einen Ad­ventskranz gebunden. Da haben alle mitgewirkt, um mit mehr oder weniger geschickten Händen die Tan­nen- und Kiefernzweige mit Draht oder Bindfaden zusammenzubinden. Einer hat stillschweigend von seiner Klampfe die Bänder heruntergenommen. Nun sind sie fein bunt um den grünen Reif herum- geschlungen und geben allem ein festliches Gepräge. Er ist genau gesehen nicht schön, längst nicht so schön, wie der Kranz, den wir immer zu Hause haben. Doch sind wir alle die großen Kinder ge­blieben, die sich gerne am Abend oder nach der Ab­lösung um den großen Tisch setzen. Da brüllt der Ofen in der Ecke, leicht schauckelt unser Advents­kranz an der Decke. Da sitzen wir so gemütlich zu­sammen und schreiben unsere Briefe ...

Der Wilhelm hätte nach Hause gehen können. Er ist vom Jahrgang 1892. Aber er hat sich sofort freiwillig gemeldet und wir freuen uns all« fo dar­über.

Es ist hier bei uns ganz ruhig geworden. Kaum, daß wir einmal den Einflug einer Feindmaschine melden können. Aber tagtäglich erleben wir den Einflug unserer Aufklärer nach Frankreich, hören drüben das Bellen der Flakabwehr. Da schicken wir jedesmal unsere guten Wunsche hinauf zu den Kameraden und erhoffen ihnen gute, erfolgreiche Rückkehr.

Durch den Regen hatte der Erdaufwurf um un­sere Lugkanzel etwas gelitten. Wir hoben am Mor­gen die Erde tiefer aus. Wir wurden bei dieser Ar­beit nicht gestört. Der Spaten stieß plötzlich auf etwas Hartes, und schließlich brachten wir eine eiserne Speerspitze heraus, ein Zeuge vergangener kriegerischer Zeiten. Hat das Land um uns über­haupt schon einmal Ruhe bekommen. Stritten hier nicht schon Kelten, Römer und Germanen, war hier nicht seit Jahrhunderten der Kriegsschauplatz, gingen über diese Schollen nicht die Fackelbrände westlicher Einfälle in deutsches Land? Die Schuld derer, di« uns gegen üb erliegen, ist riesengroß, und doch hat der Führer für unser Volk den Frieden angeboten, streckte die Hand aus. Eine hörige Füh­rung in Paris aber wies die Friedenshand zurück, well es der Jude und die internationale Frei­maurerei es so wollten. So wissen die drüben nicht, warum und wofür sie kämpfen sollen. Der kleine französische Soldat kämpft für die Geißel der Welt, ohne es zu wissen. Wir aber wollen mit all unse­rer Kraft verhindern und verhüten, daß der west­liche Angriff Erfolg wird.

Nun sind es noch wenige Tage bis Weihnachten. Zum ersten Male werde ich nun nicht heimkom­men können. Di« Pflicht hält uns hier. Aber wir werden deutsche Weihnachten feiern können. Unter dem Adventskranz hat ein kleines Lichterbäumlein Aufstellung gefunden. Das hat unser Essenholer un­ten im rückwärtigen Tal aufgefunden, wo es eine Granate dem Erdreich entriß. Wir haben es fein sauber geputzt, die abgeschlagenen Aestlein ergänzt und nun soll es uns rauhen Kriegern einen fest­lichen Abend schenken. Ich bin gerade ab gelöst wor­den. Es ist draußen eine klare Nacht. Taufend Sterne stehen droben. Es ist ganz still ringsum, nur manchmal bringt aus der Ferne das Rollen von Arttllerieseuer. Eugen Press.

Initiative der Reichsdeutschen in der Schweiz durch das Internationale Rote Kreuz ver­sandt worden. Schweizer Frauenhände haben mit rührender Sorgfalt diese Pakete fertiggemacht, bi« Schokolade, Tabak, Gebäck und eine Weihnachts­kerze enthalten. Auch di« wenigen deutschen Kriegs- gefangenen in England sind bereits vor eini­gen Tagen mit einer Weihnachtsgabe bedacht wor- den. Die Zusammenarbeit der deutschen Stellen mit dem Internationalen Roten Kreuz wild allgemein als ausgezeichnet anerkannt.

Mängel der französischen Wir t- schastsorganisaiion.

Bern, 21. Dezember. (DlstB. Funkspruch.)Die Tat" stellt interessante Betrachtungen über die Män­gel der französischen Wirtschaftsorganisation an. Das Matt erinnert daran, daß der französische Han­delsminister unlängst di« Ausfuhr einer Kriegs­waffe genannt hat und bemerkt dazu: Trotz des hohen Goldbestandes, trotz der beträchtlichen Gut­haben im Auslande, trotz der engen wirtschaftlichen und finanziellen Zusammenarbeit mit Großbritan­nien hänge die "-Versorgung der Kriegsindustrien mit Rohstoffen und das Schicksal der Währung davon ab, ob Frankreich feine durch die Mobili­sation aller Kräfte für die Wehrmacht und Kriegs- industtie in Unordnung gebrachte Ausfuhr wie­der in Gang bringen rann.

Das Blatt schildert bann bi« verheerenden Folgen der Vielorganisation durch eine

im individualistischen Frankreich doppelt luftig emp­fundenen Wirtschaftsbürokratie und stellt fest: Der normale Ablauf des Wirtschaftslebens fei in Frankreich viel stärker Störungen durch den Krieg unterworfen als z. B. in Deutschland. Im Deutschen Reich sei die Planwirtschaft das Normale. Der Ausbruch des bewaffneten Kon­fliktes habe keine Aenderung des bestehenden Zu­standes mit sich gebracht. In Frankreich dagegen habe die immer noch grundsätzlich liberale Wirt­schaft mit einem Ruck umgestellt werden müssen. Zudem habe Großdeutschland nur einen Teil fei ne r Reserven mobilisiert. Mil- Pionen von wehrfähigen Männern arbeiteten ruhig in ihren Betrieben, während der französische Dauer und Arbeiter untätig hinter der Maginot- Linie auf einen Angriff warte. Dies bringe nicht nur Gefahren für die Moral der Truppen, sondern auch für das wi rts chaftliche Durchhattever- mögen mit sich.

Oie Araber

gegen ihre jüdischen Ausbeuter

Rom, 20. Dez. (Europapreß.) Die Ausbeutung der arabischen Bevölkerung durch die jüdische Finanz in Palästina hat, wie italienische Blätter aus Haifa berichten, große Unruhe unter den Ara­bern hervorgerufen. Die Juden hätten bereits zahl­reiche arabische Unternehmen zum Zusammenbruch gebracht. Da die englische Mandatsmacht nicht ein« greife, um die arabische Bevölkerung vor den jüdi­

schen Halsabschneidern zu schützen, wollten sich nun die Araber mitderWaffeinderHand selbst ihr Recht verschaffen. Die steigende Arbeitslosigkeit treibe die Araber in großer Zahl in die Reihen der Aufständischen. Wenn dann die Engländer zu Ver­haftungen von Araberführern schritten, fo trüge dies nur neue (Erregung in di« arabi che Bevölkerung Angesichts dieser gespannten Lage ähen sich die Mi­litärbehörden von Haifa und Ieru alem gezwungen, große Aufgebote von Truppen und Po. lizei ins Innere Palästinas zu entsenden, vor allem nach Nablus, Tiberias, Samaria und in das Iordangebiet.

Aenderungen in der Krankenversicherung.

Da in den letzten Monaten in größerem Umfange Ruhestandsbeamte sowie Bezieher von Ruhegew, Wartegel'd ober ähnlichen Dersorgungsbezügen von Behörden, öffentlichen Betrieben sowie in der Privatwirtschaft eingestellt worden sind, paßt eine Verordnung des Reichsarbeitsmlnisters die Vorschriften über die Versicherungsfrei­heit in der Krankenversicherung an diese veränderten Verhältnisse an. Ruhe- und Wartegeldempfänger des öffentlichen Dienstes in Betrieben oder im Dienste des Reiches, eines Lan­des, eines Gemeindeverbandes, einer Gemeinde, eines Versicherungsträgers, anderer öffentlicher Ver- bände oder öffentlicher Körperschaften sind unter den gleichen Voraussetzungen versicherungsfrei wie die aktiven Beamten. Ruhegeld- und Warte- geldempfänger, die außerhalb des öffentlichen Be­triebes, also z. B. in der Privatwirtschaft beschäf- tigt werden, sind berechttgt, beim zuständigen Ver­sicherung samt Befreiung von der Krankenversiche­rungspflicht zu beantragen. Durch Anrechnung der bei privaten Krankenversicherungsunternehmen zurückgelegten Versicherungszeiten auf Warte- und - Versicherungszeiten der gesetzlichen Krankenversicherung soll die Möglichkeit geschaffen werden, die Härten zu beseitigen, die sich gerade bei dem heutigen Arbeitseinsatz durch den häufig zwangsweise eintretenden Wechsel aus der privaten in die gesetzliche Krankenversicherung, insbesondere bei der Familienkrankenhilfe und der Wochenhilfe ergeben. Es ist beabsichtigt, auch für einen Wechsel aus der gesetzlichen in die - private Krankenversich«. nmg eine entsprechende Regelung vorzunehmen.

Ferner bringt bi« Verordnung neue Vorschriften zum Ruhen von Krankengeld. Nach bis­herigem Recht ruht das Krankengeld, fo lange die Ard eitsunfähigkeit der Krankenkasse nicht gemeldet wird,.es sei denn, daß die Meldung innerhalb von einer Woche nach Beginn der Arbeitsunfähigkeit vorgenommen wird. Diese Vorschrift wird gründ« sätzllch auch weiterhin aufrechterhalten. Um aber sich hieraus ergebende Härten zu beseitigen, gibt die Ver­ordnung dem einzelnen Kafsenleiter die Befugnis, bei nicht rechtzeitiger Meldung in besonderen Ausnahme fällen Krankengeld für die zurück­liegende Zeit für längstens eine Woche vor der Meldung zuzubilligen.

Oie Betreuung der Kriegsopfer.

Berlin, 20. Dez. (DNB.) Nachdem der Stell­vertreter des Führers im Einvernehmen mit dem Chef des Oberkommandos der Wehrmacht im Sep­tember angeordnet hatte, daß das Hauptamt für Kriegsopfer mit feinen nadjgeglieberten Dienststellen, neben der bisherigen Arbeit auch zur Betreuung der Beschädigten und Hinterbliebenen des gegenwärtigen Einsatzes herangezogen wird, hat Reichsorganisationsleiter Dr. Ley angeordnet, daß jeder Ortsgruppenleiter der NSDAP, einen Beauftragten für Kriegsopfer­fragen in seinen Stab beruft. Damit sind die seit Jahren in der Betreuungsarbeit bewährten Mitarbeiter der Nationalsozialistischen Kriegsopfer­versorgung (NSKOV.) in die Reihe der Politi­schen L e i t e r der NSDAP, eingegliedert, und zu- gleich ist die engste Zusammenarbeit mit der Ver­sorgungsabteilung des Oberkommandos der Wehr­macht, insbesondere den Wehrmachtsfür- sorge- und Versorgungsämtern sicher- gestellt.

Traute kam wieder...

Von Franz Hohen.

Seit dem Morgengrauen des 24. Dezembers glitt ich auf den Brettern durch di« weißen Spessart- forsten, über verschneite Waldwege und über Land­straßen, die der Schneepflug mühsam gangbar er­hielt. Der Wald war kirchenstill. Zuweilen stäüb- ten Sckneewölkchen auf, wenn eine Schwarzamsel durch Die Büsche huschte oder Spiegelmeisen an einem überzuckerten Tannenzapfen wirkten; sonst nur der weite weiße Winter, über dem heller Son­nenschein lag. Ein stetiges Gleiten in stahlharter Luft durch Hochwald und^funkelnde Jungfichten, das den Blutstrom kräftig durch die Adern trieb.

Am Spätnachmittag, als der Glanz längst er­loschen war und nur die Schneehelle noch Weg und Richtung wies, tauchten an der Waldstraße die Umrisse des Forsthauses auf. Mein alter Jagd freund und seine Hebe Hausfrau legten, wie immer, ihr Herz in Gruß und Willkomm, Töchter und Schwie« versöhne und fünf blonde Enkel umringten den schneemüden Gast, und bald rief uns der helle Ton eines Silberglöckchens in den Kerzenglanz.

Als der erste Jubel verrauscht war, gebot der Hausherr Stille, die zwölfjährige Waldtraut tauschte mit dem Großvater einen raschen Blick, dann ver­schwand sie, während alle, groß und klein, geheim­nisvoll schmunzelnd auf mich sahen. Die Flügeltür nach dem dunklen Gang flog auf, einen Augenblick tiefes Schweigen, dann begann es auf dem langen Flur zu /klappern und zu trappeln, leichte Hufe näherten sich, und auf der Schwelle erschien ein Weihnachtsmärchen aus dem Winterwald eine Rehgeiß mit zwei munteren Kitzchen, alle drei ge­schmückt mit Halsbändern aus rotem Lackleder, an Denen Schellen und Glöckchen raffelten und läuteten. Das Altreh trug an zierlichem Ledergehäng zwei Heine weiße Binsenkiepen, aus denen die Dackel Jhtoop" undRollo" kreuzfidel herausschauten, Söllmann", der Schweißhund, bildete die Nach­hut. Vertraut standen sie unter uns, äugten neu­gierig nach den brennenden Lichtern unb schnup­perten mit den samtschwarzen Aesern.

Der Freund lachte:Gelt, auf einen solchen Fa­milienzuwachs warst du nicht gefaßt! Ja, bas ist eine Geschichte, wie nur die .Leute aus dem Wald' sie erzählen können"; und während wir uns um die mit Christrosen und Tannengrün geschmückte Weihnachtstafel scharten, berichtete er:

Im vorigen Sommer kehrte ich eines Abends von einem Waldgang zurück, als ich aus dem dick­ten Bestund zur Seite ein Stöhnen und Röcheln

hörte. Als ich die jungen Fichten auseinanderbog, sah ich ein stark abgekommenes Schmalreh am Bo­den liegen, das mich ängstlich anäugte. Ich streichelte dem schwerkranken Tier behutsam Hals und Flan­ken, hob es auf meine Arme und trug es heim. Hier im Zimmer machten wir der Kranken ein Lager zu recht, die angebotene Milch wurde gierig an­genommen, bann streckte sich bas entkräftete unb ver­schmachtete -Tier lang aus, ohne aber Schlaf zu firrben. Der in der Frühe herbeigerufene Tierarzt fand zwischen den Halsmuskeln eine faustgroße Ge­schwulst, die er durch einen raschen Schnitt öffnete, und aus der reichliche Eitermassen abflossen.

Das Reh hatte bei dem Eingriff laut geklagt, nun aber schien es sichtlich erleichtert. Es trat schnelle Besserung ein, bei sorgsamer Pflege gesundete es in wenigen Wochen. Wir behielten es bei uns, im Garten wurde ein Gehege hergestellt, so daß es bis in den Herbst hinein im Freien bleiben konnte. Im Winter tollte es mit den Hunden durch Haus und Hof, nachts schlief es mit ihnen im warmen Pferb-estall. Ende Juli aber war es plötzlich ver­schwunden. Wir hatten uns fo an das liebe Ge­schöpf gewöhnt, daß uns fein Verlust ordentlich naheging. Im Winter wurde die Ricke sie trug ein Glöckchen um den Hals mehrere Male in der Nähe der Oberförsterei gesehen; einmal stieß ich auch im Wald auf sie und rief sie an; sie näherte sich sogleich, rieb den schmucken Kopf an meinem Arm, unb ich kraute ihr Hals unb Rücken, sie äugte mir nach, doch sie folgte mir nicht.

Da geschah es, daß mir im letzten Juni abends auf der Terrasse saßen, als die Hunde anschlugen und sich auch durch meinen Zuruf nicht beruhigen ließen. .Der Kutscher kam gelaufen: ,Herr Forst­meister, unsere .Traute' ist wieder da! Mit zwei wochenalten Kitzchen streicht sie am Gartenzaun ent­lang und sucht den (Eingang in den Hof!"

So war es; die Vermißte war zurückgekehrt und hatte gleich eine ganze Kinderstube mitgebracht. Sollte sie im nächsten Jahr wieder auf die Freite gehen, so bleibt nichts übrig, als im Herbst anzu- bauen, denn wenn es so weitergeht, wird unser Haus voll werden ..."

Fröhlich blickten wir auf die kleine Familie, die den Tisch umstand, um sich von den Kindern ab und zu ein Stück Pfefferkuchen zustecken zu lassen. In später Stunde traten wir mit allen unseren Lieblingen noch einmal vor die Tür; die Sterne funkelten in silbernem Glanz, und während wir 3um strahlenden Firmament mit feinen klaren Bil­dern aufblickten, läuteten im fernen Maintal die Weihnachtsglocken zur mitternächtlichen Christ­mette ...

Oos Himmelsbild der Germanen.

Wie alle Naturvölker waren auch die Germanen der vorgeschichtlichen Zeit gute Beobachter des Him­mels und seiner Gestirne. Der Jahreslauf der Ge­stirne war es ja, der ihr ganzes Leden, feinen All- tag und feine Feste, regelte. So war ihnen die Zeit des tiefsten Sonnenstandes, die Zeit, in die jetzt unser Weihnachtsfest fällt, da durch die geringe Abweichung der Sonne das Gestirn ihnen mehrere Wochen lang still zu stehen schien, heilige Zeit, das Erwachen der Sonne zu neuem Anstieg das Hoch­fest des Jahres. Wie alles, so haben die Germanen auch dieses Naturgeschehen mythisch gedeutet; ihre Himmelsvorstellungen sind aber darum schwer zu ergründen, weil diese Vorstellungen selber sich im Laufe der Jahrtausende gewandelt haben. Hinter dem, was uns die spärlichen und verhältnismäßig späten Quellen berichten, liegen meist Anschauungen aus noch älterer urgermanischer Zeit.

Der große germanische Mythos ist der Mythos vom Weltuntergang, derRagnarök-Mythos, dem die Auffassung von der Weltentstehung gegen­übersteht. Aus dem Schädel des Riesen Pmir wurde die Himmelsdecke geschaffen, und daran setzten die Götter die umherirrenden Gestirne. Die Vorstellung, daß den Gestirnen Ort und Weg durch die Götter gewiesen würden, ist bei den Germanen erst all- mählich entstanden, noch früher wurden Sonne und Mond als selbständige Götter verehrt. Auf bas Um­herirren der Gestirne nimmt ein Vers der Edda Bezug, in dem es heißt:Die Sonne, die Gesellin des Mondes, legte die rechte Hand an den Rand des Himmels. Die Sonne wußte nicht, wo sie ihren Saal hatte, die Sterne wußte es nicht, wo sie ihre Sitze hatten, der Mond wußte es nicht, worin feine Kraft bestand." Das eigentümliche Bild zu Beginn der Strophe läßt stch zwanglos verstehen, wenn man dabei an die Zeit denkt, in der die Sonne im Bereich derMitternachtssonne" beginnt, ihren gan­zen täglichen Umlauf über den Horizont zu voll­enden. Dann zieht der tägliche Sonnenweg sich ein Stück längs des Horizontes hin. Dabei erscheint die Sonne dem menschlichen Blick unsicher auf ihrem Wege zu schwanken, wie man in Schweden noch heute die Redensart kennt:Die Sonne torkelt".

Für die germanische Sonnenverehrung, auf die auch Cäsar hindeutet, ist der wichtigste Beweis der Sonnenwagen von Trundholm", der zu Anfang unseres Jahrhunderts gefunden wurde und aus der Zeit um 1000 v. Chr. stammt. Zweifellos handelt es sich hier um einen Sonnenwagen, der wahrschein­lich eine Weihgabe an die Sonnengottheit dargestellt.

Die Vorstellung der Sonnenrosse, die den Waaen am Himmel dahinziehen, wird uns durch die Edda­lieder bestätigt. Die großartigste Himmelsvorstel­lung, die wir bet den alten Germanen finden, ist die von den beiden Wölfen, die die Sonne verfol- gen. Immer wieder rettet sich das Himmelsgestirn vor diesen hungrigen Bestien, weil der Wald sie aufnimmt. Aber einmal kommt der Tag, an dem es einem dieser Wölfe gelingt, sie zu verschlucken. Es ist derselbe Tag, an dem die Sterne vom Himmel stürzen und die Götter ihr Ende sinden. Später hat man dieSonnenwölfe" als Nebensonnen gedeutet, aber die Anschauung von dem Verschlingen der Sonne ist wohl die ursprünglichere. Noch heute heißt es auf Island, wenn zwei Nebensonnen zu sehen sind: ,4>ie Sonne ist in Wolfsnot". Diese Vorstel­lung wurde später auch auf den Mond übertragen, der von dem anderen Wolfe verschluckt wird. Im Ragnarök-Mythos werden Sonne und Mond als Lichtspenber geschildert, die die Welt nicht entbehren kann, später erscheinen sie personifiziert als göttliche Wesen, von benen zahlreiche Mythen erzählt werben.

Sternmythen fehlen fast völlig, wie überhaupt in dcr altgermanischen Ueberlieferung von Sternen wenig die Rede ist. Zweifellos war aber der prak­tische Wert des Sternenhimmels für die Germanen wie für alle Naturvölker bedeutend. Aus den aus späterer Zeit überlieferten Sternennamen kann man auf manche Vorstellungen schließen. Der Große Bär trug schon in ältester Zeit den NamenWagen". Er wurde auchObinswagen" oberThorswagen" genannt. Der Himmel hieß nach ihm derWagen­weg". Der Polarstern wirdNordhurstjarna" oder Leidharstjarna" (Nordstern, Leitstern) genannt, der weiße SiriusBlastjarna" (Blaustem). Der Gürtel des Orion heißtFriggjarrokr" (Friggs Spinn­rocken), der Kleine Bär auf Island kleiner Wa­gen" oberFjosakonur" (Melkfrauen). C. K.

Zeitschriften.

Die Weihnachtsnummer der I l l u st r i r t e n Zeitung zeichnet sich durch einen besonderen Reich' tum an farbigen Beilagen aus. (Eine Zeichnung von Karl Storch jun.Weihnacht am Westwall", versinn­bildlicht die Stimmung, in der diesmal das deutsche Volk das Weihnachtsfest begeht. Es folgt ein Beitrag von Claus SchrempfBotschaft in der Nacht". Ein Kunstblatt von Rudolf Lipus ist dem Gedanken Volk im Opfer" gewidmet. Auch die heitere Seite des Weihnachtsfestes kommt zur Geltung. Eins hübsche Zusammenstellung von Kinderliedern mit den dazugehörigen Noten erscheint unter dem TitelKan­taten der Kleinsten". (Eigenartige Weihnachtsgeschlch ten sind in dem BeitragDie alte Chronik erzählt" züsammengestellt. Ein reichhaltiger aktueller Teil bildet den Abschluß der Nummer.