Watzenborn-Steinberg zwei Tore, und zwei weitere Tore fielen in der zweiten Halbzeit. Steinberg hatte seine Mannschaft stark verjüngt, wogegen Alsfeld mit kompletter Mannschaft antrat. Alsfeld setzte alles daran, das Ehrentor zu erzielen, aber alle ihre Bemühungen scheiterten an der sicheren Abwehr der Watzenborner Verteidigung.
Das Spiel brachte nicht die erwartete ereignisreiche Abwicklung, denn während des ganzen Verlaufs war der Meister die bessere Mannschaft. Alsfeld kam nie dazu, die Teutonen zu gefährden. Der erste Torerfolg fiel 8 Minuten nach Beginn. Eine Flanke von links verlängerte Schmitt mit dem Kopf zu Däublin, der das Leder mit einem wunderbaren Drehschuß in die rechte obere Ecke schoß. Den zweiten Treffer leitete Däublin ein. Eine Flanke ließ Schmitt täuschend passieren, so daß der Halblinke Harnisch wenig Mühe hatte, den Ball hinter die Linie zu bringen. Die beiden anderen Treffer waren ebensolch gute Leistungen des Sturmes Däublin hat wieder einmal die Vereidigung auf sich gezogen, ein Paß im freien Raum, drei schnelle Schritte von Schmitt, und für den Tormann gab es nichts mehr zu halten. Den letzten Treffer vollendete Däublin selbst. In seiner ihm eigenen Art dribbelte er sich durch die Hintermannschaft, und als gar der Torwächter noch aus dem Tor eilte, ging der Ball ins leere Netz.
Die Leichtathletik.
In das reichhaltige Nachmittagsprogramm des Bundesfestes in Grünberg war natürlich auch die Leichtathletik eingebaut. Angepaßt an die Platzverhältnisse wurden zum Austrag gebracht: Einladungskämpfe für 100-Meter-Lauf und Speerwerfen sowie 10X 75-Meter-Pendelstaffeln. Bei den erstgenannten Disziplinen waren die jeweils Kreisbesten am Start. So wurden die 100 Meter bestritten von Moll und Zerndt (beide DfB.-R. Gießen), Koch (SA.-Kampf- spielgemeinschaft Gießen), Stahlhut (To. Heuchelheim) und den beiden Nachwuchsläufern Hochstein
(Sportgemeinde Großen-Buseck) und Deinert (Tv. 1843 Dillenburg). Die Ausgeglichenheit der Kräfte ergab ein wunderbares Sprintbild. Am besten kamen Stahlhut und Zerndt aus den Löchern, doch schob sich auf halber Strecke Moll vor und siegte mit 3/< Meter Vorsprung vor seinem Klubkameraden Zerndt, an den Koch bis auf Handbreite herange- kommen war. Die anderen Läufer folgten dichtauf. Im Speerwerfen war Dr. Jakob (DfB.-R. Gießen) Favorit und siegte auch mit der ansehnlichen Weite von 48,32 Meter. Den übrigen Werfern schien der harte Boden nicht recht zuzusagen, so daß sie hinter ihren gewohnten Leistungen blieben. Es folgten auf den Plätzen: Broskov, LUstwaffensportverein Gießen (40 50 Meter): Franz, SA.-Kampfspielgemeinschaft (39 90)- Deuker (Steinbach) und Munzert (Lollar). In'den Pendelstaffeln trat zunächst die Jugend an. Es siegte der Unterkreis Gießen klar vor einer Kombination Alsfeld-Wetzlar und dem Unterkreis Dillenburg. Bei den Frauen schaffte es die Gießener Stadt-„Zehn" vor den Vertreterinnen der Landvereine.
Vielbeachtete Ringkampfe.
Die Matte der Ringer war während der über längere Zeit anhaltenden Wettkämpfe im Laufe des Nachmittags stets von einem Lichten Kranz lebhaft interessierter Zuschauer umlagert. Die Gießener und die Alsfelder Kraftsportler, wie auch die Jugendlichen, lieferten sich außerordentlich hartnäckige und fintenreiche Kämpfe, die die Zuschauer stark in Bann schlugen. An die Ringer selbst waren hohe Anforderungen gestellt, denn die Helle Matte, die in praller Sonne lag, wurde im Laufe der Zeit sehr heiß und es floß mancher Schweißtropfen. Das Auftreten der Schwerathleten beim Bundesfest gestaltete sich zu einem ausgesprochenen Publikumserfolg. Sicherlich haben viele Zuschauer den Eindruck gewonnen, daß der Kraftsport ein hohes Maß von Einsatzbereitschaft, Ritterlichkeit und Energie herausfordert und dementsprechend sportlich hoch zu bewerten ist.
Vmldessestsieger:
Ludwig Herbert und Margret Seim.
Im großen Rahmen Les Bundesfestes nahm das Fachamt Turnen mit den Zwölfkämpfen der Männer und den Achtkämpfen der Frauen einen beachtlichen Teil der gesamten Wettkämpfe ein, denen großes Interesse der Zuschauer entgegengebracht wurde. Die volkstümlichen Wettbewerbe der Männer, die am Samstagnachmittag durchgeführt wurden, zeigten schöne Leistungen. Herbert (Gießen) und Steioff (Ewersbach) sprangen über 6 Meter weit und liefen 100 Meter in 12,2 Sek. Beide Turner konnten sich mit ihren Leistungen einen beachtlichen Vorsprung für den Gesamtkampf herausholen. Der Sonntag zeigte dann als Auftakt den Wettkampf an den Geräten, der sehr viele Zuschauer anlockte. Bei schönstem Wetter blieben auch die guten Leistungen nicht aus. Besonders in der Oberstufe, in der sich die besten Turner des Kreises trafen, entwickelte sich ein sehr schöner und spannender Kampf. 20 Punkte erhielt Hans Kreuter (Sinn) für seine vorzüglich geturnte Bodenübung und Adolf Kreiling (Gießen^Wieseck), der als Gast mitturnte, an den Ringen. Herbert (Gießen) bewies mit 19 und 19 Punkten am Reck, 18% und 19% Punkten am Barren, 19Vz und 18% Punkten beim Pferdsprung, 19 Punkten an den Ringen und 19/4 Punkten in der Bodenübung seine vorzügliche Verfassung. Ebenso wartete Schöffmann (Gießen-Wieseck) mit nicht alltäglichen Leistungen auf, die auch die Kampfrichter mit 19 und 1954 Punkten am Reck, 19% und 18Vt Punkten am Querpferd, 19 und 19 Punkten am Pferd-Sprung und 19 Punkten an den Ringen anerkannten. In der Mittel- und Unterstufe entwickelten sich die Kämpfe ebenso spannend.
Mit vorzüglichen Leistungen warteten die Frauen im Achtkampf auf. Im Vollballwurf wurden 24,60 Meter erreicht, Erika Schneider (Wetzlar) sprang 4,40 Meter, Annemarie Ziegler (Gießen) lief 75 Meter in 11 Sekunden. Die volle Punktzahl an den Geräten wurde erreicht von Margret Seim (Gießen) und Erika Schneider am Pferdsprung und von Anna Wein and (Großen-Linden) am
Schwebebalken, 19 Punkte erhielten Margret Seim und Erika Schneider in der Keulenübung und Margret Seim am Barren.
Die gemischten Mehrkämpfe der Turner und Turnerinnen zeigten neben den ganz vorzüglichen Einzelleistungen eine hochstehende Durchschnittsleistung und vor allen Dingen in der starken Beteiligung, daß der Kreis 8 eine vorzügliche Pflegestätte für das deutsche Gerätturnen ist.
Oie Siegerehrung
stellte den feierlichen Abschluß des ersten Bundesfestes dar. Reichsbund-Kreisführer Dr. Schäfer gab in kurzer Ansprache seiner Freude über den Verlauf des Festes Ausdruck, würdigte die guten Leistungen, die bei den Wettkämpfen gezeigt wurden, betonte aber auch, daß die Sieger, die mit dem goldenen, silbernen oder bronzenen Eichenblatt ausgezeichnet würden, damit die Verpflichtung übernähmen, in ihrem eigenen Kreise Sauerteig zu sein, Fernerstehende für die Leibesübung zu begeistern und der Sache des Reichsbundes neue Streiter zuzuführen. Im Anschluß daran gab er die Sieger in den einzelnen Wettbewerben bekannt und zeichnete, symbolisch für alle Sieger des Tages, vor aller Augen den Sieger im schwersten Wettbewerb, im Zwölfkampf der Oberstufe, Ludwig Herbert, und die Siegerin im Achtkampf der Oberstufe der Frauen, Margret Seim, mit dem goldenen Eichenblatt aus. — Gleichzeitig wurden den Siegern und den siegreichen Mannschaften die zahlreichen gestifteten Ehrenpreise übermittelt. Mit der Führerehrung und den Liedern der Nation fand das Bundesfest seinen Abschluß.
Die Ergebnisse.
Turnen.
Männer, Gemischter Zwölfkampf, O b e r st u f e: 1. Ludwig Herbert, To. 1846 Gießen. 218 P.; 2. Ernst Schöffmann, Tv. Wieseck, 217,5 P.; 3. Hans Kreuter, To. Sinn, 212 Punkte._________
Mittelstufe: 1. Willi Kröck, To. Ewersbach, 200 P.; 2. Kurt Lepper, To. Wieseck, 199,5 P.; 3. August Best, Tv. Wetzlar, 197 Punkte.
Unterftufe: 1. Herbert Fischer, To. Großen- Linden, 226,5 P.: 2. Walter Schäfer, To. Leihgestern, 212,5 P.; 3. Alfred Kraft, Tv. Krofdorf, 209 Punkte.
Geräte - Zehnkampf: 1. Ernst ^choff- mann, To. Wieseck, 188,5 P.: 2. Ludwig Herbert, To. 1846 Gießen, 185 P.; 3. Hans Kreuter, To. Sinn, 183 Punkte.
Frauen, Gemischter Achtkampf, O b e r st u f e: 1. Margret Seim, Mtv. Gießen, 154,5 P.: 2. Erika Schneider, To. Wetzlar, 150 P-: 3. Annemarie Ziegler, To. 1846 Gießen, 138 P.
Unterstufe: 1. Hildegard Keßler, Tv. Großen- Linden, 149 P.: 2. Irene Müller, To. Lang-Gons, 143,5 P.; 3. Ottilie Stoff, To. Lang-Göns, 142 P.
Leichtathletik.
Männer Dreikampf: 1. Karl Stahlhut, Tv. Heuchelheim, 63 P.; 2. Rudolf Burgmann, Tv. Ewersbach, 56 P.; 3. Gefr. Willi Stöger, Spvg. 1900 (2. JR. 116), Gießen, 54 P.
Spielerklasse: 1. Erwin Best, Tv. Ewersbach, 63 P.; 2. Herbert Deinert, Tv. Dillenburg, 62 P.; 3. Uff3. Strack (l./J.-R. 116, Mtv. Gießen), 62 P.
Frauen: 1. Erika Martin, Mto. Gießen 52 P.; 2. Lotti Diehl, DfB.-R. Gießen, 51 P.; 3. Toni Klier, Tv. Wetzlar, 40 P.
Jugend H. - I. Klaffe A: 1. F. K. Jughard, Mto. Gießen, 59 P.; 2. Helmut Becht, Mtv. Gießen, 52 P.: 3. Willi Gilbert, Spvg. 1900 Gießen, 51 P.
H.-I. Klasse B: 1. Rainer Scheuermann, To. Wetzlar, 65 P.: 2. Erwin Herrmann, DsB.-R. Gießen, 58 P.
BDM. Klasse A: 1. Heilwig Clanus, Mtv. Gießen, 56 P.: 1. Helga Allmendinger, Tv. Grün- berg, 56 P.; 1. Lotte Keßler Mto. Gießen, 56 P.
BDM. Klasse B : 1. Hermine Buß, Mtv. Gießen, 62 P.: 2. Gertrud Hörder, Tv. Klein-Linden, 61 P.; 3. JrminhiD Schmidt, Mtv. Gießen, 80 P.
Altersklasse 1 Dreikampf: 1. August Niemann, SA.-Kampfspielgemein. Gießen, 73 P.; 2. Wilhelm Leitner, Tv. Großen-Linden, 68 P.; 3. Walter Zerndt, DfB.-R. Gießen, 59 P>
Alte r sklasse 2: 1. Karl Heß, Tv. Braun- sels, 49 P.: 2. Hermann Rink, Polizeisportverein Gießen, 48 P.; 3. Albert Hahn, Tv. Villingen, 44 P.
Altersklasse 3: 1. Edmund Ebeling, Tv. Alsfeld, 53 P.: 2. Wilhelm Scharf, Tgde. Laubach, 37 P.: 2. Ernst Hain, Sp. V. Allendurf/Ulm, 35 P.
Mannschaftskampf Spi ele rklasse : Sieger: Tv. Großen-Buseck, 215 P.; Turnverein Dillenburg, 205 P.: Turnverein Ballersbach, 201 P.: Luftwaffensportverein Gießen, 196 P.
Basket: 1. VfB.-Reichsbahn Gießen; 2. 1900 Gießen; 3. Mto. Gießen.
Radfahren.
Straßenrennen über 100 km: Klaffe A: 1. Ernst Ludwig Preiß, Gießener Radfahrv. 2:45 Std.; 2. Emil Kraft, Dudenhofen, 2.45.10 Std.; 3. Heck, Alsfeld, V2 Radlänge zurück.
Anfängerklasse: 1. Hermann Becker, Gieß. Radfahrverein 1.17 Stdn.; 2. Hans Leuning, Gieß. Radfahrverein, 1.24 Stdn.; 3. Walter Degen, Gieß. Radfahrverein 1.24V2 Stdn.
Mannfchaftswettkämpfe im Zweier- Saalradball Klaffe A: 1. Radfahrvereinigung Gießen 7 P.; 2. Radklub Teutonia Krofdorf II, 6 P.
Anfängerklafse:. 1. Radfahrerverein 1900, Wieseck, 4 P.; 2. Radfahrerverein Schwalbe, Aßlar I, 2 P.
Einer-Kun st fahre nklafse A : 1. Gaßmann, Großen-Linden.
Schwimmen:
Männer Kl. 2, 100 m Kraul: 1. Karl Heinz Hofmann, G. S. D. Gießen, l.ll6/io Min.; 2. Georg Herbert, G. S. D. Gießen, 1.16 Min.;
Klaffe 3, 100 m Kraul: 1. Hans Breitbach, Tv. Wetzlar, 1.23 Min.; 2. Wilh. Allmen- röder, To. Wetzlar, 1.24 Min.; 3. Ernst Schomber, G. S. V. Gießen, 1.27*/io Min.
100-m-Brust: 1. Emil Hübner, Tv. Wetzlar, 1.31$/io Min.; 2. Hermann Baumgartner, Tv. Wetzlar, 1.352/io Min.; 3. Ferd. Götz, G. S. D. Gießen, 1.368/io Min.
Altersklasse 32 — 40 Jahren, 50-m< Brust: 1. Fritz Becker, To. Wetzlar, 42.4 Sek.; 2. Friedrich Fälsch, Tv. Wetzlar, 43.4 Sek.
Altersklasse über 40 Jahren, 50 m Brust: 1. Wilhelm Burchard, SA.-K. S. G. 116 Gießen, 46.8 Sek.; 2. Wilh. Huhn, To. Alsfeld, 52 Sek.
Vereine ohne Winterbad, 50 m Brustr 1. Kurt Wenzel, Tv. Grünberg, 43 Sek.; 2. Willi Büttel, To. Grünberg, 45 Sek.; 3. Heinrich Fuchs, To. Staufenberg, 54 Sek.
Männer 40 m Streckentauchen: 1.J)el< mut Wolf, Tv. Grünberg, 40 m in 38 Sek.; 2. Wilh. Allmenröder, To. Wetzlar, 32 m in 28 Sek.
Frauen 100 m Brustschwimmern 1. Lotte Wienhold, To. Wetzlar.
Frauen ohne Winterbad, 5 0-m-Br'lst; 1. Inge Biedermann, Tv. Alsfeld, 48 Sek.; 2. Marq lies Kehr, Tv. Alsfeld, 52 Sek.
Wirtschaft.
Attim-ZuckerfabrikWetteraU/Kriedberg
FWD. Bei dieser einzigen süddeutschen Bauern« Zuckerfabrik ergab sich per 30. Juni 1939 ein ausweispflichtiger Rohüberschuß von 0,744 (0,684) Mill« RM., Personalaufwendungen erforderten 0,36 (0,33), Steuern vom Einkommen usw. 0,04 (0,13), sonstige Steuern und Abgaben 0,15 (0,19), Zinsen 0,04 (0,02) Mill. RM., sodaß nach 75 589 (57 405) RM. Anlageabschreibungen und 28 710 RM. Zuweisung zur Rückstellung für nachzuerzeugenden Pflichtvor, ratszucker einfchl. 232 (1091) RM. Vortrag ein Reim gewinn von 40 433 (40 232) RM. verfügbar war« Das Grundkapital von 500 000 RM. erhält hieraus eine unveränderte Dividende von 8 v. H.
Mein-Mainische Börse.
Aktien weiter befestigt.
Frankfurt a. M., 19. August. Die Börse beschloß die Woche am Aktienmarkt zwar mit sehr kleinem Geschäft — nur einzelne Papiere sollen etwas größere Umsätze gehabt haben —, dis Kurse konnten sich aber weiter leicht befestigen, da das Anlageinteresse der Bankenkundfchaft vorhielt« Abgaben waren hingegen kaum zu beobachten« Bevorzugt waren erneut IG.-Farben mit 149,40 (148,65) und von sogenannten schweren Werten Conti Gummi mit 220 (218). Am Elektromarkt ftie- gen AEG. auf 112 (111,25), RWE. auf 113,25 (111,90). Maschinenwerte zogen 0,50— 1 v. H. an« Montanaktien blieben eher vernachlchssigt und wiesen auch nur mäßige Abweichungen auf; Rheim stahl 120,50 (120,25), Mannesmann 103,50 (103,25), Verein. Stahl unv. 97,50, Hoefch 0,13 v. H. niedriger mit 105,40. Auch an den übrigen Marktgebieten traten zumeist Besserungen von durchschnittlich 0,25—0,50 v. H. ein, Westdeutsche Kaufhof jedoch 95,50 (96).
Im Verlaufe stellte sich stärkere Zurückhaltung und etwas Abgabenneigung ein, wodurch vielfach leichte Rückgänge ausgelöst wurden. JG.-Farben ermäßigten sich auf 149 nach 149,40, Bernd er g auf 129,25 nach 130, auch im übrigen nannte man zumeist 0,25—0,50 v. H. niedrigere Kurse. Die erst später notierten Papiere kamen nicht einheitlich an und schwankten zwischen 0,50—1 v. H. Deutscher Eisenhandel zogen 1,50 v. H. an auf 138,50, während Zellstoffwerte bis 0,50 v. H. zurückgingen.
Am Freitag, 25. August, beginnen wir in deo Familienblättern mit dem Abdruck eines neuen Romans. Auf Ettighoffers Erlebnisbericht aus dem Weltkriege folgt die heitere Erzählung ..Herz, wo liegst du im Quartier?" von k u r t h e y n i ck e, der sich als Dramatiker und als Lyriker bereits einen angesehenen Kamen gemacht hat. Dieses, fein jüngstes Buch spielt zwar auch im Kriege, aber im Zähre 1870, und der Krieg ist hier nur die romantische Szenerie für eine Liebesgeschichte, die überaus anmutig, fröhlich und beschwingt erzählt wird und reich ist an Abenteuern, Überraschungen und Herzensgeheimnissen. Wir glauben, daß dieser Roman unfern Lesern sehr gefallen wird.
Oer Flügel.
Von Ernst Zacharias.
Die Gefechte an der Dubissa da oben in Litauen waren für unser Regiment ziemlich verlustreich gewesen. Darum hatte man ein Einsehen gehabt und hatte uns acht Tage Ruhe hinter der Front geschenkt.
Der schmale Kriegsfreiwillige Hugo Wehling lag neben mir im Grase auf dem Rücken und starrte in die Wolken. Er hatte an der Dubissa, diesem verwünschten Flusse, seine Feuerprobe ganz ausgezeichnet bestanden.
„Ich habe nie geglaubt, daß ein Mensch so wunschlos glücklich sein kann, wie ick es in diesem Augenblick bin. Sieh nur die wundervolle Wolke dort oben. Ist es nicht wie im Frieden, so ruhig, so weiß und zart?"
Ich sagte nichts, ick ließ ihn schwärmen. Es hörte sich gut an, was er sagte, einfach, ohne Phrase, aus jungem, reinem Herzen.
Wehling war Musikstudent. Manchmal besah er sich seine Finger und machte ein paar Bewegungen, als wenn er üben wollte.
Mitten in die wunderbare Stille ertönte plötzlich Klavierspiel! Wo in aller Welt? Das Spiel war reichlich mißtönend, aber trotzdem — im Kriege ist man nicht verwöhnt. Irgend ein Musketier versuchte seine schwachen Kräfte an einem Instrument.
Schon beim ersten Ton hatte sich Wehling aus feiner liegenden Stellung aufgerichtet. Und nun stürmte er schon wie der Wind den Klängen nach, die aus einem einfachen Blockhause herüberdrangen — Etwas langsamer folgte ich.
Wirklich und wahrhaftig! Mitten in der verwüsteten Stube stand ein Flügel, verstaubt, beschmutzt, mit zerrissenen Notenblättern bedeckt. Gefreiter Sander, der Allerweltskerl, versuchte mit viel Gefühl und wenig Kunst, dem Instrument eine Melodie zu enfTotfen. Fünf, sechs Kameraden umstanden ihn voller Andacht und Bewunderung und spornten ihn zu immer neuen Leistungen an. Diese Menschen waren ja so froh, einmal, etwas anderes zu hören als den Kanonendonner und das Maschinengewehrgeknatter; da kam es auf ein paar Mißakkorde mehr oder weniger nicht an. So waren sie das dankbarste Publikum, das man sich nur wünschen konnte.
Als Wehling in ihrer Mitte erschien, war es ganz natürlich, daß Sander sofort aufsprang und seinen Platz anbot. Jeder in unserem Zuge wußte, daß er Musiker war.
Der Student starrte einen Augenblick wie verzaubert auf den Flügel; dann fuhr er sich mit der Hand über die Stirn, als wenn er etwas weg- wifchen wollte. Nun griff er nach den Notenblättern und legte sie fein säuberlich aufeinander. Dann sah er sich wie juchend im Kreise um, entdeckte an einem Fensternden Rest eines Vorhanges, riß ihn herab und fing an, den Staub von den Tasten zu wischen. Danach säuberte er auch den Deckel und schließlich das ganze Instrument von dem größten Schmutz.
Etwas verdutzt, auch ein wenig enttäuscht, sahen sich die Kameraden an. Was sollte das bedeuten? Dann aber hob Musketier Borchert einen zerschlagenen Blumentopf vom Boden und warf die Scherben durchs Fenster. Kamerad Pfeiffer entfernte einige Tapetenfetzen, und auch die anderen machten sich wie nach einer stillen Verabredung irgendwie nützlich. Im Nu hatte die kleine verwüstete Stube ein etwas wohnliches Aussehen bekommen. Schnell war noch eine Holzbank herbeigeschafft worden, und bald saßen wir im Halbkreis um Wehling herum. Der guckte noch einmal auf seine Finger; dann stürmte er hinaus, und wir sahen durchs Fenster, wie er sie am Brunnen tüchtig säyberte.
Endlich war es so weit, und unsere Erwartung wurde wahrlich nicht enttäuscht. Ehe er anfing, sah er noch einmal in die Gesichter der Kameraden, ein Lachen lag in seinen Augen, und dann spielte er: Volkslieder, Studentenlieder, Soldatenlieder, Tänze, Stücke aus Opern und Operetten, alles Sachen, die sich durch seinen Melodienreichtum jedermann ins Herz schmeichelten, Freude brachten und die Hörer aus Krieg und Tod hinwegführten in die heiteren Gefilde des Friedens.
Unermüdlich spielte Wehlina auf dem Flügel, der seltsamerweise nur wenig verstimmt war. Noch unersättlicher aber waren die Zuhörer. Längst schon hatte sich die kleine Stube mit Soldaten gefüllt; von draußen schauten sie durch die Fenster. Immer von neuem klatschten sie begeistert Beifall und verlangten mehr, mehr.
Dann aber konnte Wehling wirklich nicht weiter, und mit einem plötzlichen Ruck stand er auf und klappte den Deckel ju Die Kameraden hatten denn auch ein Einsehen und ließen ihn aus der Stube. Draußen aber hoben sie ihn auf ihre Schulter und ließen ihn hochleben.
Am Abend war die Kompanie beisammen. Es gab Zigarren und — Bier! Welch seltener Genuß! Mitten in dem allgemeinen Lärm tippte mich jemand auf die Schulter. Ich sah mich um. Es war Wehling. Unmerklich machte er eine Bewegung des Kopfes und ging dem Tore der großen Scheune
zu. Ich folgte unauffällig, ahnte ich doch sofort, was er vorhatte.
Mein Gefühl hatte mich nicht betrogen. Ohne ein Wort zu sprechen, steuerten wir Arm in Arm dem Hause zu, worin der Flügel stand. Es lag einige hundert Meter abseits.
Und nun saß er wieder vor dem geliebten Instrument. Hell flutete das Mondlicht auf die blutrote Geranie, die Gefreiter Sander mitten auf den Deckel gestellt hatte, öie war völlig unversehrt geblieben.
Wehling spielte. Leise, ganz leise strömten die Melodien unter seinen Künstlerhänden hervor: Schumann, Schubert, Mozart, Beethoven. Jeder wird mir glauben, daß ich jene Stunde da draußen in dem russischen Holzhause in meinem Leben nicht vergessen werde. Die ersten Minuten war ich innerlich nicht ganz in Ordnung. Einen flüchtigen Augenblick dachte ich an den Besitzer des Flügels. Wer war es? Wo machte er jetzt sein?
Da aber ertönte die „Träumerei", und von nun an hatte mich die Musik ganz in ihren Bann gezogen.
Die ganz eigenartige Umgebung, die besonderen Umstände, unter denen das alles geschah, das mochte dazu beigetragen haben, daß ich jene Musik als die schönste empfand, die ich je gehört.
Und bei einer wunderbaren Stelle sprana mich wieder ein Gedanke an: Was ist der Mensch? Derselbe Künstler, der jetzt ganz Hingabe und Andacht ist, fähig, den zartesten Empfindungen Ausdruck zu verleihen, hat vor wenigen Tagen im mörderischen Kampf gestanden, unter Blut und Leichen. Und wahrlich, er hatte nicht mit der Wimper gezuckt. Wie weit, wie furchtbar weit ist doch der Bezirk der menschlichen Kreatur! Was ist der Mensch?
Dann gingen wir wieder ins Quartier, Arm in Arm und still, wie wir gekommen waren. Einmal drehte ich mich flüchtig um. Da sah ich am Fenster eine hagere Gestalt stehen. Nun bewegte sie sich, und jetzt, ja, ich erkannte ihn ganz deutlich: unseren Regimentskommandeur! Nun, auch er wird jene Stunde nicht vergessen haben.--
Hochschulnachrichten.
Es wurde übertragen: dem ao. Professor Dr. Gerhard B u ch d a unter Ernennung zum ordentlichen Professor an der Universität Halle der Lehrstuhl für Deutsche Rechtsgeschichte und Deutsches Bürgerliches Recht; dem nb. ao. Professor Dr. Paul S ch r ö » der aus Freiburg i. Br. unter Ernennung zum ordentlichen Professor an der Universität Grazder Lehrstuhl für Nationalökonomie.
Merkwürdige Schiffe.
Unter den mancherlei Schiffsformen, die die ost- afrikanischen Häsen bevölkern, gibt es eine besonders merkwürdige Art, die „Mtepe", die ganz ohne eiserne Nägel gebaut sind, bei denen vielmehr die Planken mit Stricken aneinander „genäht" werden. Bei einem solchen Fahrzeug im Hafen von Sansibar zeigte eine genaue Untersuchung, daß die 15 cm dicken und die ebenso breiten und 5 cm dicken Planken aus einem harten Mangrovenholz bestanden. Die Rippen waren aus Holzstücken von etwa einem Meter Länge zusammengebunden, und die Planken waren an ihnen mit Stricken befestigt. Die gut aufeinandergepaßten Planken waren dann durch Holzpflöcke miteinander verbunden und durch Kokosfaser-Stricke aneinandergenäht; die Fugen waren mit Kokosfasern, die in Haifischtran getränkt waren, abgedichtet. An der Innenseite des Schiffes lief noch über die Fugen eine Schicht schmaler Stöbe, die aus der harten Rinde der Blattstiele der Dum- Palme bestanden. Alle BohAöcher waren durch kleine Holzpflöcke geschlossen. Das Tauwerk bestand aus gedrehter Kokosfaser. Svlcke Schiffe, die keine Nägel aufweisen, gibt es auch nach an anderen Stellen der Erde, so sind die Boote auf dem Dic- toria-Njanza und ebenso auf Madagaskar genäht; man findet sie in der Südsee und an der Murman- Küste Sibiriens. r
In diesen Schiffen haben wir es mit einer uralten Form des Schiffsbaues zu tun. Schon aus dem Altertum wird von ihnen berichtet, und zwar gerade aus Ostafrika. In dem im ersten nachchristlichen Jahrhundert verfaßten „Periplus" wird aus diesem Lande erzählt: „Es gibt dort genähte Fahrzeuge und Einbäume." Auch die arabischen Schriftsteller des Mittelalters, sprechen von solchen genähten Schiffen, und der venezianische Weltreisende Marco Polo beschreibt ihre Herstellung, die er um 1500 im Persischen Golf beobachtet hat. Vasco da Gama traf 1498 im Hasen von Mozambique vier Fahrzeuge an, die fast so groß wie die 50 Tonnen fassenden portugiesischen Kriegsschiffe waren, Segel aus Matten besaßen und mit Kokosstricken zusammengenäht waren. So läßt sich das Auftreten der genähten Schiffe 2000 Jahre hindurch verfolgen, aber sie sind wahrscheinlich noch viel älter, und schon die „Puntschiffe" der alten Aegypter, mit denen die Söhne des Nillandes vor 4000 Jahren Handelsfahrten nach dem westlichen Teil des Indischen Ozeans unternahmen, dürften von dieser Art gewesen sein. Das geht mit großer Wahrscheinlich' feit aus den Abbildungen dieser Schisse in Theben hervor, die in Bauart und Takelage den Mtepe außerordenllich ähnlich sind. &


