Ausgabe 
21.7.1939
 
Einzelbild herunterladen

*1

' V

>- ? <

LS-- ' <*

K' r

8- <1 X'

'Ms»

r. tM r-M

ltzD^

X

MW

FZZ

$

$rdtag,2L3u1ilO59

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für OberWen)

llr. 168 Zweites Blatt

machen. Es hat jedoch

»erschlage brachten als

den glutenden Hundstagen

Nachtübung des Roten Kreuzes

s-Auslese:

'S MO

Sw

Meter mochten es

fgrumbum, das große Bombardon, Der Beckenschlaq, das Helikon Und dann der Herre Hauptmann Und dann die Herren Leutnants Die Fahne kommt, den Hut nimm ab, Der sind wir treu bis an das Grab, Und dann die Grenadiere. Das stampft und dröhnt und klappt und flirrt, Laternenglas und Fenster klirrt, Und dann die kleinen Mädchen ...

Auf die Rückseite des Bildes schrieb Liliencron sein erstes Gedicht. Es folgten viele andere. Unvergessene darunter. DerPidder Lüng", derTod in Aehren undWer weiß wo". . .

Liliencron lief als Vertreter für Agenturen und Versicherungen durch die Straßen. Die Gläubiger aus seiner Leutnantszeit folgten ihm dreißig Jahre lang. Sie fanden auf die kleine Frieseninsel, aus der er als Deichhauptmann amtierte, sie standen vor seiner

Ausladen Verletzter sowie deren Transport mit Tragen in schwierigem Gelände zu üben.

Die Uebung verlief unter Leitung des DRK.- Hauptführers Dr. med. Fabel und DRK.-Haupt- sichrer Kunz planmäßig und reibungslos. Außer Dr Fabel waren an der Unfallstelle und später an der Sammelstelle die DRK.-Feldführer Dr. med. Gros und Dr. med. Reumann-Spengel an­wesend, um die Versorgung der Verletzten in bezuA auf Verbände, Lagerung und Behandlung zu über­wachen. Nachdem alleVerletzte" von der Unfall- stelle abtransportiert waren, rückten auch die Ein­heiten geschlossen zur Sammelstelle ab. Hier fand die Kritik der Uebung statt, der sich nach kurzer Pause in der aufgehenden Morgensonne eine Stunde Frühsport anschloß. Hiernach hob Dr. Fabel in einer kurzen Ansprache noch einmal die Bedeutung der DRK.-Arbeit im Kriege und Frie­den hervor und ermahnte die Anwesenden zu wei­terer gewissenhafter und freudiger Mitarbeit und Pflichterfüllung getreu dem geleisteten Eide zum Wohle des deutschen Volkes.

Nach dreifachem Sieg-Heil auf den Führer war die Uebung beendet, und mit fröhlichem Gesang rückten die Einheiten in dem frischen Morgen nach ihren Standorten ab.

an die Ostmärker:

Fürwahr, euch Ostmärker muß man loben.

Ihr habt uns ein treffliches Zelt gewoben!" ruft ein Schwabe zustimmend in die Menge:Und des-

Nachdcm der Sonntag reichlich mit den ersten 1 Proben ausgefüllt war, hatten wir von der Hessen- ! Nassauischen Volkstums- und Trachtengruppe auf der 5. Reichstagung der NS.-GemeinschaftKraft durch Freude" in Hamburg am Montag etwas mehr Freizeit und benutzten diese dazu, an einer großen Hafenrundfahrt teilzunehmen, auf der uns auch Gelegenheit gegeben war, den gro­ßen Passagierdampfer der Hamburg-Amerika-Linie Neuyork" zu besichtigen. Gerade bei dieser Hafen­rundfahrt lief auch das K d F. - S ch i f fRobert L e y" im Hamburger Hafen ein. Es wurde von allen Teilnehmern an der Rundfahrt freudig be­grüßt. Ein Rundgang durch die Stadt, bei dem unter Führung des unserer Gruppe zugeteilten Stadtführers die wichtigsten Sehenswürdigkeiten in Augenschein genommen wurden, füllte diesen Tag aus. Nach dem gemeinsamen Abendessen mit den im gleichen Lokal untergebrachten nordostmärkischen Gruppen aus dem Memelland, Danzig, Ostpreußen, von der Kurischen Nehrung und Oberschlesiern, ver­lief der Rest des Tages mit frohem Zusammensein bei Lied und Tanz.

probe für dos große Heimaisviel.

Dienstag, 8.30 Uhr, waren wieder alle Gruppen zur Probe für das große Heimatspiel in der Han­seatenhalle angetreten. Jetzt waren es nicht mehr Einzelpersonen, jetzt war es der Einsatz aller bei diesem vom Reichsabteilungsleiter für Volkstum und Brauchtum, Pg. Otto Schmidt, in Berlin, zu- sammengestellten und unter seiner Regie geführten einzigartigen Werkes. Fanfarensignale und das Vorspiel eines 85 Mann starken Streichorchesters bilden den Auftakt, zwei starke Blaskapellen mar­schieren von zwei Seiten her in der mächtigen Halle auf und spielen die Weise:Wenn die Stürme Leben wecken, hebt im Land ein Singen an". Das Lied wird von den aufmarschierenden Volkstumsgrunven aus allen deutschen Gauen mitgesungen. Der Auf­marsch wird auf der mächtigen Bühne zu einem Auftanz". DieGrazer"-Gruppe richtet während der letzten Strophe einenBänderbaum" auf und tanzt zu gleicher Zeit denBandltanz", bei dem sie die ganze Bühne und alle Gruppen netzartig mit bunten Bändern überspannt. Unter diesem, alle Stämme unseres Großdeutschen Vaterlandes vcr- 1 einenden Netz, beginnen nun erst die eigentlichen

Darbietungen. Nach dem Zuruf eines Hamburgers

Die DRK.-Bereitschaften (m) der Kreisstelle Gie­ßen wurden in der Nacht vom 15. zum 16. Juli zu einer Nachtübung zusammengezogen.

Uebungsannahme war ein größerer Unfall am Ortsausgang Garbenteich, Bahnübergang an der Straße nach Watzenborn-Steinberg. Die erste Hilfe sollte durch die Einheit von Watzenborn- Steinberg geleistet werden, die zur Unter­stützung die Bereitschaften Gießen und Lich telefonisch alarmierte. Für diese beiden Einheiten, die im Ernstfall durch Lastkraftwagen ober Hilfs­züge an die Unfallstelle befördert worden waren, war zu Uebnngszwecken ein Nachtmarsch angesetzt mit dem Befehl, um 2 Uhr an der Unfallstelle ein­zutreffen. Pünktlich zu der befohlenen Zeit konnte die Uebung beginnen, die sich in der völligen Dun­kelheit und bei starkem Regen in dem unübersicht­lichen Gelände recht schwierig gestaltete. Mit Hilfe eines Scheinwerfers, Handlaternen und Taschen­lampen wurde das Gelände nach Verletzten ab- gofucht und die ersten Verbände angelegt. Zum Abtransport der Verletzten standen zwei Kranken­kraftwagen, und für Leichtverletzte Personenkraft­wagen zur Verfügung.

Die Verletztensammelstelle war nach Watzenborn- Steinberg verlegt, um auch Abtransport, Em- und

Wilhelm ßangi 's: Emst imb die M : Grnft 21» Thyriot (bi e; & nK DIE

Anzeic Inhalt teb 1939: Über?« oersitätsdM i. Monatslm-

ZustellM' . Einzelner!^- if., mit der W t Preisliste Att gültig.

Vier Wochen haben wir nun das Vergnügen, die Hundstage genießen zu können. Und wenn sie vor­bei sind, geht leider auch der Sommer schon wieder allmählich aus dem Land. H. W. Sch.

Auch Meistersöhne sotten wandern.

NSG. Der Handwerksgeselle kann und darf sich -niemals daraus beschränken, mit den Kenntnissen, Li? er in der Werkstatt eines einzigen Meisters er­worben hat, nun sein ganzes Leben aushalten xzu wollen. Er muß vielmehr vom ersten bis zum letzten Tag seiner Berusstätigkeit bemüht sein, seine sachlichen Kenntnisse auf dem Laufenden zu halten ninb zu erweitern, und in einer Zeit, in der die Leistungssteigerung im Vordergrund steht, hat diese Forderung eine größere Berechtigung als je. Was für alle Handwerksgesellen gilt, gilt in verstärktem Maße für den Meistersohn, der im väterlichen Be­trieb den Beruf des Katers erlernt. Er hat es dop­pelt nötig, einmal auf eigenen Füßen zu stehen, tnnbere Menschen kennenzulernen und unter der .unbefangenen Aufsicht eines fremden Meisters sein Können zu erproben. Eine gute Gelegenheit bietet Hierzu das Gesellenmandern in der modernen Form Des Gesellenaustausches, wie ihn die Deutsche Ar­beitsfront durchführt. Erst der Meistersohn hat die Gewißheit, daß er den väterlichen Betrieb einmal nichtig leiten kann, der aus der Enge des Heimat- aqaues hinausgekommen ist und dadurch seinen Blick üinb sein berufliches Können geweitet hat. Kem Meistersohn sollte sich daher von dem Gesellenaus- ttausch der Deutschen Arbeitsfront ausschließen, und Itein Meister sollte so wenig weitblickend sein, daß acr seinem Sohn diesen Weg zum Erfolg verschließt.

159

igrSWa"

^2.50

Aus der Stadt Gießen.

Hundstage!

Wenn die Sonne am 23. Juli das Zeichen des Löwen erreicht, bann beginnt jener Zeitabschnitt 'er mit bem Wort Hunbstage gekennzeichnet wirb. .Gott sei Dank", stellt an bicfem Tage ber Optimist cfriebigt fest,jetzt kann also ber Babebetrieb erst mal richtig losgehen." Unb er schwelgt bereits im Vorgefühl ber Frcuben, bie ihm bie heiße Sonne escheren sott. Der Pessimist ist wesentlich anberer Meinung. Für ihn sinb bie Hunbstage eine nieder­mächtige Plage.Jetzt muß man nur erbärmlich chwitzen unb findet nicht mal mehr im Bettseine Üul)e. Wenn bie Zeit boch erst vorüber wäre."

Liliencron.

; z»m 3v.Todcsta<ik des Dichters am 22.Juli. Don Walther Schwerdtfeger.

Er ritt in die deutsche Dichtung ein, der Frei- Iherr Detlev von Liliencron, nicht auf s stolzierenbern Pegasus, sonbern es wiegte sich sein ,alter Mecklenburgerhengst im Trab, im Trab, im : Trabe". Es war ein Abjutantenritt in bie Lyrik.

Um bie Jahrhunbertwenbe hat man ihn stürmisch gefeiert als Bruber Lieberlich, als Bohemien mit Degen unb Sporen, ber in bie zigarettenverqualmten Literatencafes klirrte:Wein her, zum Henker, unb i ba liegt Trumpf Atz, Halli und Hallo." Ein Hufaren- Heutnant, ber in übermütiger Laune, ohneHeuchel- i Hut unb Tugenbmanschetten", zehntausenb Stanzen i bichtete, wenn er im Frühling ein Mädel sah.

Und es waren doch nur Erinnerungen, denen eine ! Jungenphantasie die bunten Farben gab. Liliencron war um diese Zeit ein Mann von Fünfzig, müde von den kleinlichen Sorgen seines Lebens. Er war > Soldat gewesen mit Leid und Seele, hatte in sieb­zehn Garnisonen eine fröhliche Leutnantszeit ver­bracht, hatte 1866 in Böhmen, 1870/71 in Frankreich mitgekämpft unb hatte schließlich,Schulben unb 'Wunben halber" als Premierleutnant ben Abschieb nehmen müssen. Er hatte sich als Sprachlehrer, .Klavierspieler, Stallmeister unb Stubenmaler burch ;bie USA. geschlagen. Er hatte sich bie Zwischenbecks- farte für die Heimreise erhungert.

Als er dann zu Hause eine Kiste ausframte, fiel ihm ein verblichenes Soldatenbild in die Hände. Da hörte er es um die Ecke kommen.

s«

M unb Ty. eften, nm b; an unser r legend nifr

halb gebührt im bunten Kranz, unfern Stämmen der Ostmark der erste Tanz!

Schon erschallen bie Jodler durch die große Halle, unb bem Rufe einesGrazers" folgend:

Da ruf i halt: Auf geht's ihr Mannder rann!

Mit einemBoarifchen" packen wir's ah!"

Nun folgen kettenartig ineinanbergereiht bie Tänze ber Grazer, ber Bayern unb ber anberen stibbeutfchen Stämme, bann bie ber Ostpreußen, Me- mdlänber unb Danziger Gruppen.

Aus allen Stämmen stehn Deutsche vereint, un- term Zelte, soweit nur bie Sonne scheint!" ruft ber Hamburger aus. Stimmen aus ben Gruppen ant­worten:Wir kommen vom Neckar ber Donau bem Rhein aus Baben unb Bayern,von Schwaben vom Main, von ben Inseln im Narben, vom Westen aus Trier, von Schle­siens Grenzen, einen Gruß bringen wir! Von ber roten Erbe kommt unsere Schar, Glück auf! Es grüßt euch bie beutsche Saar!"

, Fürwahr, bies Zelt ist em kostbarer Schatz, ihr seht, banz Deutschlanb hat brunter Platz", ruft

Das rote Licht.

Von H. Mockenbusch.

Die Aktenmappe lässig unter ben Arm geklemmt schlenberte Ferdinanb über die Straße. Der sonnen­klare Morgen veranlaßte ihn, ein Liebchen vor sich hinzupfeifen. <5einen Auftrag bei Schiffer & Hecht hatte er erlebigt, roiber Erwarten sogar sehr schnell erledigt. Man würde ihn im Büro bei Cramer & Co. kaum jetzt schon zurück erwarten. So konnte man sich ein bißchen Zeit lassen. Eigentlich war der Tag auch viel zu schön, um unter ben Augen des Chefs Kontenauszüge anzufertigen. Allerdings war Herr Cramer in der letzten Zeit fast immer merkwürdig gut gelaunt gewesen, was im Büro auf feine vor einigen Monaten erfolgte Wieder­verheiratung zurückgeführt wurde. Indessen, Ferdi­nand hatte'erst kürzlich erfahren müssen, daß Herr Cramer gegebenenfalls noch immer über einen erstaunlichen Stimmumfang verfügte.

Plötzlich blieb Ferdinand stehen und sah entzückt, begeistert, hingerissen der blonden jungen Dame nach die soeben an ihm vorübergegangen war. Nur eine Sekunde hatte er in zwei wundervolle blaue Augen geblickt und, nein, er hatte sich nicht ge­täuscht, 'dieses duftige Wunder, diese wandelnde Orchidee, hatte seinen bewundernden Blick erwidert. Sie hatte gestutzt und war dann langsam, wie zögernd, weitergegangen. f

Ferdinands leicht entflammtes Herz klopfte heftig, als er der eleganten Erscheinung in dem grauen Kostüm nachsah. Warum zögerte er noch? Man mutzte das Glück beim Schopfe fassen ... ! Wann würde ihm je wieder an solch einem Morgen em solcher Blick aus schönen Frauenaugen zuteil wer­den? Er zupfte die Krawatte zurecht unb folgte beschwingten Schrittes. Wie schabe, batz er gerabe heute feinen grauen Anzug nicht trug, ber seine Schultern so' prächtig zur Geltung brachte.... Es sollte chrn nicht schwer werben, mit einer netten Wendung ein Gespräch anzuknüpfen. In derlei Dingen war Ferdinand durchaus nicht unerfahren. An ber nächsten Straßenecke würbe er sie emgeholt

gann zu laufen, stieß Vorübergehenbe unsanft an unb hastete wie gehetzt bie Straße entlang. Uno plötzlich sah er bie Erscheinung im grauen Kostüm bie Straße überqueren, während zu beiden Seiten der Verkehr stockte.

Ein wenig atemlos langte Ferdinand an der Ecke an unb wollte eiligst über die Straße, da zwang ihn ber erhobene Arm eines Verkehrsschutzmannes zum Stehenbleiben. Daran hatte Ferdinanb nicht gebucht. Mitten über ber Straße blinzelte wie das höhnische Auge eines Ungeheuers das rote Licht ber Verkehrsampel.

Fiebernd vor Ungeduld stand Ferdinand am Straßenrand und spähte hinüber, wo eben das graue Kostüm in der Menge verschwand. Tatenlos mußte er zusehen, wie ein tückischer Au fall, eine einzige verhängnisvolle Minute das Glück dieser Stunde, ja vielleicht seines ganzen Lebens ver­nichtete. Wäre der Schutzmann nicht gewesen, so hätte er vielleicht versucht, in tollkühnem Lauf bie Kette ber fnufenben Autos zu durchbrechen. So aber blieb ihm nichts anberes übrig, als zu warten, bis bas grüne Licht ben Uebergang roieber freigab. Und dann war es gewiß zu spät...

Ferdinand starrte ingrimmig auf die Verkehrs­ampel, die noch immer mit rotem Licht warnte. Rote Lichter, dachte er wütend, mochten an Bahn­körpern angebracht fein, um Entgleisungen und Zusammenstößen vorzubeugen. Hier aber...

Endlich wechselte das Licht, und Ferdinand eilte über bie Straße. Dann aber ftanb er ratlos brühen unb sah verzweifelt nach allen Seiten, vergeblich... Die Laune eines lächerlichen Zufalls hatte ihn um ein großes Erlebnis gebracht, bas vielleicht, ja, wahr, scheinlich sein ganzes Leben mit einem Schlage ge-

Knfere Volkstumsgruppe in Hamburg.

Brief aus Hamburg von Georg Heß.

Q,nn wird an Hebung Sut Haupt aus -acht keine qu- -lts. Alsduch ien- kaum na Wie Schait en nach Weftk! ".rwei größer.

bie fRoli At Hilfe eine deschwindizlx r jagen in N igndle auf m- Punkt, Str.- >zer beantiM ) Die 2abe:r. ne Kapelle W Kilometer nv flotte durch $

Lehmkate in Kellinghausen unb fingen bie Gelbsen­dungen für den verschuldeten Kirchspielvogt ab. Er ging als freier Dichter nach München. Aber es trieb ihn nach Düne und Deich zurück. Als sich dann m bescheidenem Rahmen sein Märchentraum vom SchloßPoggfred" erfüllte, als er schuldenfrei mit Frau und Kindern in Altrahlstedt saß, kam die große Müdigkeit über ihn. Er spürte, es gingber Fackel zu, bem Torfahrtlicht ber ewigen Ruh, im Trabe, Trabe, Trabe ..."

Noch einmal zog es ihn zu ben Schlachtfeldern Nordfrankreichs, auf denen er gekämpft hatte. Wo er das einzige Leben aelebt hatte, bas ihm eines Mannes wert schien: Soldatenleben. Das Schwert nie aus der Hand zu legen, es nur in stillen Stunden mit Aurikeln zu bekränzen, war sein Leit pruch ge­wesen. Er hatte keine leichtfertige Auffassung vom Krieg. Er kannte seine Härte und Grausamkeit, aber aurf) feine Größe. Die kleine Novelle, in der er fchih bert wie eine Geschützkolonne erbarmungslos durch einen mit Verwundeten gefüllten Hohlweg sprengt, um die Kämpfenden zu unterstützen, hat nichts von jener leichten Leutnantspoesie, die man gern mit Liliencron-; Namen verbindet. Ein paar Wochen nach seiner Rückkehr schoß man die Ehrensalve über feinem Grabe.

Wir wollen getrost den glutenden Hundstagen Mtgegensehen. Daß sie Hundstage heißen, hat mit unseren vierbeinigen Freunden und ihrem Miß­behagen gegen sommerliche Hitze nichts zu tun, so >ehr 'diese' Erklärung auch verständlich wäre. Ihren Namen haben sie vielmehr von bem Sternbilb bes proben Hunbes, bas um diese Zeit am Morgen- Pimmel sichtbar wird unb schon im Altertum als Zeichen für ben Beginn der heißesten Tage bes Jahres gebeutet würbe.

Es ist natürlich, daß bie Hundstage den Höchst- netrieb im Reiseverkehr bringen. Alles, was dazu n ber Lage ist, verschwinbet aus ber Stabt, um üch in ber freien Natur ober in ben kühlen Fluten m erholen. Wer baheim bleibt, sucht am Abend Er- rischung in den Anlagen und beim kühlen Trunk. Zur Erfrischung tauchen just um diese Zeit auch die neliebten sauren Gurken auf, weshalb man früher cils ber Gurken wegen unb teils aus anberen 3rünben auch von derSaurengurkenzeit" sprach.

hn.* X51 bald fr «uj

15 M: ifrSu

»lien/A

Nem 11

Links : Di- oberljeffifdje Volkstumsgruppe in Hamburg. In Bereitschaft der Abfahrt zur Probe. Rechts: Auf dem PassagierdampserNeuyork . (Aufnahmen [2): Georg Heß, Leihgestern.)

Die Wunderuhr.

Ein technisches Meisterstück, das hinter den viek- bestaunten Wunderuhrcn früherer Jahrhunderte nicht zurücksteht, hat mit modernen Mitteln der Schwede Daoid Dlfon in Stockholm gebaut. Bei ihrem Mechanismus find weitgehend die Elektrizität und ber Rundfunk verwendet. Das Zifferblatt zeigt nicht nur die Stunden und Minuten an sondern auch die Stellung der Sonne und des Mondes, und es ist mit einem automatisch arbeitenden Kalender ausgestattet. Die Uhr ist zugleich mit einem win­zigen Rundfunkempfänger versehen, der wie der Wecker reguliert werden kann. Man braucht nur im Rundsunkprogramm nachzusehen und den Laut- sprecher aus die gewünschte Stunde emzustellem um die angezeiqten Sendungen zu erhalten Etwa ge Pausen im Rundfunk können durch die Verbindung der Uhr mit einem Grammophon überbrückt wer­den das gleichfalls zu her festgesetzten Stunde s-m° Westen ertönen läßt. Aber auch das genügte dem Erbauer nach nicht, die Uhr kann auch mit « elektrischen Kocher verbunden und genau aus die drei Minuteii eingestellt werden, die man zum Kochen ?/es weichen Eis braucht. Schlietztich kann d.e Uhr auch so eingestellt werden, dass sie vor dem Em- fchlasen das Licht der elektrischen Lampe lascht.

haben unb bann...

Wie aber, wenn sie um die Ecke bog unb seinem Blick entfehroanb, um vielleicht nie mieber fernen Weg zu kreuzen? Ferbinand beschleunigte seinen Schritt, fo weit bas auf ber belebten Straße mög­lich war. Rur bas graue Kostüm nicht aus ben Augen verlieren ...! _ .... . .

Nun hatte er die Kreuzung erreicht. Deutlich sah er ihr Helles, fesches Histchen leuchten.

)rUcKS%

'^1/

ber Hamburger. Nachbem ein Grazer die Frage stellt:

Ganz Deutschland? Ich weiß nicht da fehlt noch was?" Ertönt von der einen Seite der Halle her Musik und unter den Klängen bes Egerlänber Marsches marschieren pun bie Subetendeutfchen Volkstumsaruppen ein. Ein unbeschreibliches Bild, ganz Deutschland in feinen Stämmen, feinen vielen Trachten und vielartigen Tänzen, und boch immer roieber gleichartiges Volkstum unter biefem mäch­tigen, von bunten Bändern gerechten Zelt zu sehen.

Welchem Deutschen ginge nicht bas Herz auf, wenn zum Abschluß biefes einzigartigen Zusammen­spiels aus ben Kehlen ber etwa 1600 Mitwirkenben unter Begleitung aller Musikkapellen bas Lied ertönt:

Deutschland, heiliges Wort, du voll Unendlichkeit. Ueber bie Zeiten fort feist du gebenebeit.

Heilig find beine Seen, heilig dein Wald und der Kranz deiner stillen Höhn bis an bas grüne Meer."

Aber bie Zeit geht nicht fo schnell vorüber. Sie dauert nämlich einen Monat, b. h. genau bis zum 23. August. Alles, roas es an sommerlicher Wärme pibt, ist gegen bie Hunbstage ein Kinberspiel. Sie ntfachen ein Feuer am himmlischen Zelt, baß es in einziges Glühen ist, bamit auf solche Weise ber wirkungsvollste Bratprozeß für die Schätze ber Natur ermöglicht wirb. Unter ber Voraussetzung «llerbings, baß bie Hunbstage ihrem Namen Ehre " ' ' schon oft genug Hunbstage

gegeben, bie sich von gewöhnlichen Sommertags'n aum unterschieben, ja sogar solche, die mehr Nie- ........ ' Sonnenschein.

wandelt hätte ...

Einen Blick warf er auf die Uhr. Dann ging er schleppenben Schrittes bavon. Zerstreut überquerte er eine Straße, bog rechts um eine Ecke. Unb an dieser Ecke wäre er beinahe mit ber entzückenben blonben Dame im grauen Kostüm zusammen­geprallt, bie betroffen stehen blieb unb kaum merk­lich lächelte, als sie in sein verblüfftes Gesicht blickte.

Ihre Stimme war hell unb weich.

Wie gut, baß Sie mir noch einmal begegnen! O", tagte Ferbinand. .

Sie sind boch, wenn ich nicht irre, bei Cramer unb Co. beschäftigt, nicht wahr? Ja, ich erinnere mich Ich sah Sie beim Kamerabschaftsabend un­terer Gefolgschaft... Dürfte ich Sie, falls Sie sich auf bem Weg zum Geschäft behüben, um eine mm ,uy Gefälligkeit bitten? Sie brauchen nur dieses Pack- ches Kittchen icuaptii. Dreißigfchen abzugeben. Herr £ramer, metn <Dlann* Jein bis zur Ecke. Ferdinand be- ließ es heute morgen zu Haufe liegen*«.