Nr. 44 Erstes Blatt
Dienstag, A.ZebruarMY
189. Jahrgang
der
Der Balkanbund tagt in Bukarest
B u k a r e st, 20. Febr. (Europapreß.) Die Konferenz der Staaten des Balkanbundes hat am Montagnachmittag unter dem Vorsitz des rumänischen Außenministers G a f e n c u ihre Arbeiten ausgenommen. Am Mittag hatte Außenminister Gafencu zu Ehren der übrigen drei Außenminister Griechenlands, Jugoslawiens und der Türkei ein Essen im engeren Kreise gegeben. Am frühen Nachmittag statteten die ausländischen Gäste dem Ministerpräsidenten M i r o n C r i st e a einen Besuch ab. Der griechische Ministerpräsident General Metaxas legte am Denkmal des unbekannten Soldaten einen Kranz nieder, lieber das Ergebnis der Besprechungen wurden keine Mitteilungen gemacht. Am Abend fand im Außenministerium ein Festessen statt, auf dem Außenminister Gafencu und General Metaxas Trinksprüche wechselten.
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Im Nachkriegseurppa sind unter französischem Einfluß eine ganze Reihe von Bündnissen zustande gekommen, die nach außen hin als Jnteressengemem- schaften firmiert wurden, innerlich aber gewisser militärischer Bindungen nicht entbehrten. Mindestens liefen zwischen Paris und den einzelnen Mitgliedern dieser Gemeinschaften unmittelbare Verpflichtungen militärischer Natur, die sich wieder untereinander auswirkten. Frankreich hatte gehofft, auf diese Weise für die Ewigkeit ein System geschaffen zu haben, das ihm alle erdenklichen Vorteile in den Schoß warf. Einmal hatte man sich Vasallen zugelegt, zum andern wurden diese außenpolitisch von Paris gelenkt, wirtschaftlich ebenfalls von den Franzosen „betreut", d. h. ausgebeutet. Zum andern waren sie die Polizisten zur Ueberwachung Deutschlands. Aber sehr bald tauchten zum Mißbehagen des Quai d'Orsay die Sondevinteressen der einzelnen Vertragspartner auf die irpmer mehr in die Breite gingen, bis sie schließlich die Bünde selbst stärksten Belastungen unterwarfen.
von dem Präsidenten und seinen Manlolträgern die Kriegstrommel gerührt. Einer der intimsten Berater Roosevelts, der Chef des Waffenbeschaffungsamtes im Kriegsministerium, Vizeminister Johnson, hielt vor der Luftfahrtgesellschaft eine neue Brandrede über einen angeblich drohenden Angriff auf die USA., für den man sich durch Einstellung auf Massenerzeugung von Kriegsflugzeuge n sofort rüsten müsse! Johnson sprach die Hoffnung aus, daß der Bundessenat recht bald der vom Repräsentantenhaus bereits bewilligten Vermehrung der amerikanischen Heeresluftwaffe auf 5 5 00 Flugzeuge zustimmen möge. Die Flugzeugindustrie müsse ihre Erzeugung vervierfachen können. Johnson beeilte sich dann aus durchsichtigen Gründen zu versichern, daß das gegenwärtige Bauprogramm von 3300 Flugzeugen durch ausländische Aufträge nicht behindert werde, im Gegenteil wären diese Bestellungen der Industrie sehr erwünscht, da sie Gelegenheit gäben, sich auf die Massenproduktion einzustellen. Ebenso wie Vizeminister Johnson, so malte auch Kriegsminister Woodring vor dem Frauenausschuß der Demokratischen Partei die politische Lage schwarz in schwarz und forderte das amerikanische Volk auf, sich „geschlossen hinter seinen großen Führer Roosevelt" zu stellen. Der Chef des Generalstabes der Luftwaffe, Generalmajor Arnold, suchte ebenfalls den Ausbau der Luftwaffe mit der angeblichen Bedrohung des amerikanischen Kontinents zu begründen.
In Moskau sind die Verhandlungen über den Abschluß eines polnisch-sowjetrussischen Handel sv ertrages beendet worden. Es wurden ein Handelsvertrag, eine Verständigung über den Warenumsatz und ein Clearingabkommen abgeschlossen.
Kabinettsbildung beauftragte Senator P i e r l o t teilte mit, das ' n e u e Kabinett werde, wenn nichts Unvorhergesehenes dazwischenkomme, a m Dienstag aufgestellt sein. Es werde einschließlich des Ministerpräsidenten elf Minister umfassen und sich aus katholischen und sozialdemokratischen Parlamentariern sowie aus einigen nichtparlamentarischen Fachmännern zusammensetzen. In unterrichteten Kreisen nimmt man an, daß das Kabinett sechs Parlamentarier und fünf Nichtparlamentarier umfassen wird. Hinsichtlich der sozialdemokratischen Beteiligung bestehen noch einige Schwierigkeiten, da die Sozialdemokraten in der Hinzuziehung einer größeren Anzahl von Nicht- parlamentariern eine „autoritäre Tendenz" zu sehen glauben.
Brüssel, 21. Febr. (DNB.) Der mit
im Volk verwurzelt ist, dürfte es nicht leicht sein, von heute auf morgen eine Umschaltung zum autoritären Kurs, oorzunehmen. Wie weit und mit welchen Mitteln es dem König gelingen wird, im Rahmen der Verfassung seinen auf eine beständige und tatkräftige Negierung gerichteten Willen durchzufetzen, das' wird erst die Zukunft lehren.
pierlols Kabmellsbildung vor dem Abschluß.
„Roosevelt mag ruhig schlafen."
Senator Borah unterstreicht den Friedenswillen der autoritären Staaten.
besser erkannt als der König. Wie im Oktober 1936, als er plötzlich das außenpolitische Steuer ergriff, um Belgien aus dem ihm gefährlich er- cheinenden westlichen Bündnissystem herauszulösen, o versammelte er jetzt seine Minister um sich und lerlangte eine sofort einsetzende „präzise Wirt- cha s t s f ü h r u n g ". Wenige Tage später waren jedoch diese Minister nicht mehr seine Minister. Waren sie es aber bis dahin gewesen? Das ist nämlich eine Frage, die nachdenklichen Belaiern heute besonders beachtenswert erscheint. „Ein Land verträgt keine dauernde Kritisiererei; und was Belgien nottut, ist vor allem die Rückkehr zur normalen Handhabung seiner staatlichen Einrichtungen. Die Minister müssen von ihrer Parteiabhängigkeit befreit, sie müssen wieder die Minister des Königs fein", schrieb dieser Tage ein Publizist zur Kennzeichnung der augenblicklichen Situation. Ueberschaut man die neun Monate der Regierung Spaak Versuche und Bemühungen, die deshalb nicht zur Tat werden konnten, weil die Parteien, um mit Herrn Spaak zu reden, „der Regierung täglich von neuem Apfelsinenschalen unter die Füße warfen", dann ist das nur ein Beweis für die Wahrheit der zitierten Behauptung. Doch da in Belgien das demokratische und parlamentarische Prinzip sehr fest
Belgien kämpst um sein Gleichgewicht
Bon unserem Pls.-Korrespondenien.
Washington, 20. Febr. (Europapreß.) Die' pessimistischen Erklärungen über die europäische Lage, die Präsident Roosevelt.kurz vor Antritt seiner Inspektionsreise auf dem Kreuzer „Houston abgegeben hat, haben den ehemaligen Vorsitzenden der Außenpolitisches Senatskommission, Senator Borah, veranlaßt, eindeutig von der Schwarzseherei Roosevelts abzurücken. Borah erklärte, die autoritären Staaten würden keinerlei Forderungen erheben, die als eine Bedrohung der Sereintflten Staaten aufgefaßt werden und den Präsidenten Roosevelt zwingen könnten, seine „schone Fahrt auch nur um eine Stunde abzukurzen Die euro- päifdjen Völker wünschten immer sehnlicher einen dauerhaften Frieden. Als sich Chamber- lain im vorigen Jahr nach Deutschland begeben habe, sei er vom deutschen Volk mit Freude und Begeisterung aufgenommen roor= den. Das italienische Volk sei nicht weniger begeistert gewesen, als Ehamberlain sich n a ch R o m begeben habe. Das seien die besten Beweise für den Friedenswillen der Volker. Roosevelt, so sagte Borah abschließend, möge daher ruhig schlafen und keine solche alarmierenden Erklärungen mehr abgeben.
Die krampfhaften Bemühungen Roosevelts, das amerikanische Volk aufzuputschen und ebenso sein hysterisches Kriegsgeschrel sind, wie letzt-immer deutlicher wird, diktiert von der Besorgnis daß die Senatoren, denen jetzt die vom Unterhaus bewilligte Vorlage über die zusätzliche Luft- aufrüftung zugeht, ihrer Empörung über die geheimnisvollen Vorgänge bei dem Verkauf v o n M i l i t ä r f l u g z - u g - n a n F r a n I reich Ausdruck geben könnten. Ebenso befurchtet man, daß Roosevelts seltsame Außenpolitik emer eingehenden Kritik unterzogen werden konnte Um die Abgeordneten davon zuruckzuhalten, wird letzt
B r ü s s e l, 20. Februar 1939. l ytoch weiß man im Augenblick, in dem diese - Zeilen geschrieben werden, nicht, ob Herr Pier- lot, den der König nach dem kurzfristigen und vergeblichen Bemühen des Herrn I a s p a t mit der Bildung einer Regierung beauftragte, Erfolg haben wird oder nicht. Doch gleichgültig, ob sich nun jetzt ein neues Kabinett Pierlot der Kammer 1 vorstellt ober die Frage, wer in der nächsten Zu- ! fünft für die belgische Politik verantwortlich zeichnet, 1 noch offen bleibt, eines steht fest: die vergangenen 1 Wochen haben mit aller Deutlichkeit gezeigt, daß der 1 belgische Staat fein Gleichgewicht noch keineswegs ! hergestellt hat, daß neben den Aufgaben des Tages J strukturelle Reformen notwendig in Än- ' griff genommen werden müssen, so wie das der 1 König in dem bedeutsamen außerordentlichen Mini- ' fterrat des 2. Februar auch mit allem Nachdruck ge- . fordert hat.
Hat es sich doch bei diesen jüngsten Ereignissen 1 nicht allein um den Ausbruch einer gewöhnlichen ■ Regierungskrise, nicht allein um den einer parla- ■ rnentarischen Systemkrise, sondern um den einer Staatskrise gehandelt. Das Grundproblem Belgiens, der Gegensatz zwischen Fla- i men und Wallonen, ist wieder so sehr in das Rampenlicht der politischen Schaubühne gestellt, wie man es nach der einmütigen Geschlossenheit, welche Flamen und Wallonen in der Septemberkrise an den Tag legten, nicht mehr für möglich gehalten hätte. Ein belangloser Vorfall war der Anlaß. Der flämische Medizinprofesfor Martens war zum Mitglied der neugegründeten flämischen Medizinischen Akademie ernannt worden. , Herr Spaak, damals noch Ministerpräsident, hatte diese Ernennung bestätigt. Möglich, daß es nicht < geschickt gewesen war, einen Mann auszusuchen, ; der durch seine während des Weltkrieges eingenommene Haltung in den Augen eines Teils der Be- , völkerung belastet war. Möglich, daß Herr Spaak, wie viele behaupten, überhaupt nicht gewußt hat, daß es sich bei diesem neuen Mitglied der flämischen Akademie um diese Persönlichkeit handelte. Nachdem Martens aber durch die Amnestie von 1936 wieder in vollem Umfang rehabilitiert war, meinte der feiner Abstammung nach wallonische Ministerpräsident zusammen mit allen Flamen, die ja sehr nachdrücklich darauf Hinweisen, durch was für schwerwiegende Gründe die „Aktivisten" zu ihrem Verhalten während des Krieges getrieben wurden, daß jetzt weder moralisch noch rechtlich ein Grund besteht, diese alten Sachen aufzuwärmen.
Sicherlich wären auch Männer vom Format des Kammerpräsidenten und Bürgermeisters von Antwerpen. Camille H u y s m a n s , und des Staatsminister Frans van Cauwelaert nicht bereit gewesen, sich in dieser Weise für Herrn Martens einzusetzen, wenn cs sich hier bei der ganzen Sache um eine rein demagogische Angelegenheit gehandelt hätte Ihnen, wie allen bewußt flämischen Kreisen, schien es jedoch bei dem „Fall Martens" darum zu gehen, daß ein für allemal decken, die da glauben, das belgische Nationalgefühl gepachtet zu haben, bewiesen werden mußte, daß die Freiheit in kulturellen Dingen von den Flamen nach wie vor voll beansprucht wird, daß diese „kulturelle Autonomie , für die man nun jetzt ein Statut verlangt und die bereits in großem Umfange zugestanden worden ist, keine Redensart, sondern eine Wirklichkeit sei.
Hierbei ist zu unterstreichen, daß die slämi- s ch e n Katholiken, zu deren führenden Mannern die beiden genannten Politiker gehören, durchaus staatsbejahend sind, während die um der flämischen Sache willen selbst eine Zerstörung des belgischen Staates in Kauf nehmenden s l am i - sch en Nationalisten in der ganzen Angelegenheit danebengestanden und keinerlei Initiative aufgebracht haben. Wie aber diese bewußten Flamen, so sind auch ihre Gegner, die sich vornehmlich bei den Liberalen, welche ja dann auch die Negierung ^paak zu Fall brachten sowie bei den nur mittelbar Par amentsemfluß ausübenden Frontkämpfer v erb a nde nun bei den Nexisten finden, recht hartnäckig. W e wenig in Belgien neue Ideen geignct sind.. zusammenzuhalten, wenn der alte „Sprachenstreit zur Debatte gestellt wird, das zeigte das Ausscheiden nam- ha ter Politiker aus der jetzt den anttflamstchen Standpunkt vertretenden Rexistenpartel Leon De- ^Wurde nun bereits vor einer Beihe oon Jahren von wohlunterrichteter Seite der Satz auf gestellt „Der Zeitpunkt naht sich, m dem belgische Staat fein inneres Gleichgewicht herstellt oder auseinanderfällt'.", dann läßt sich heute vermerken die Befriedung im Sprachenstreit ist ein gutes Stuck weitergediehen. Aber dafür ist die allaememe Lage um so heikler: und Belgien kann sich den .'Luxus der Zwietracht" heute weniger.erlauben al^ ehedem Nicht umsonst macht die größte belgische Bank, die Srhönerale de Belgique“, in ihrem Jahresbericht darauf aufmerksam, daß Belgien in der Statistik der W e l t p r o d u k t: o n heute an letzter Stelle steht, und daß es gegenüber 1929 nur noch dreiviertel der Gütermenge herstellt, L es damals erzeugt hat. während> bei pielswest Deutschland heute um 30 Prozent m e h r Herst als im Jahre 1929. Em Vorgang der bedenklich stimmen muß, wenn man berücksichtigt MB öa Königreich die größte Bevolkerungsd.cht Europas aufweist und bei seinem Mangel an 'Mst°ffen dem Fehlen einer den Eigenbedarf deckenden Lano wirtschaft auf den Export angewiesen ist wie ube - ^Kaum"ein^anderer"hat diese brennenden Fragen
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Und damit trat langsam aber sicher auch ein grundsätzlicher Wandel ein.
So sehen wir die baltischen Länder nicht mehr in Kampfstellung aegen Deutschland, eher ist ein Hinneigen zu Deutschland zu verspüren, natürlich nicht aus Gründen der Sympathie, sondern aus rein materiellen Ursachen heraus. Von der Kleinen Entente ist nichts mehr übrig. Sie steht lediglich noch auf dem Papier, versagte aber im entscheidenden Augenblick, weil die Mitglieder dieses Bundes, bis auf die Tfchecho-Slowakei, erkannt hatten, daß es besser ist, mit als gegen Deutschland zu arbeiten. Dann haben wir noch den Balkan- b u n ö , dem Griechenland, die Türkei, Jugoslawien und Rumänien angehören. Auch er ist nichts anderes mehr als eine Vereinigung von Nachbarn.^ü^ nur ihre engeren zwischenstaatlichen Sorgen kennen und sich darüber von Zeit zu Zeit, also auch jetzt auf der Balkanbundkonferenz in Bukarest, unterhalten. Keinem Mitgliedsstaat würde es heute noch einsal- len, sich von Paris Richtlinien vorschreiben zu lassen. So wird man sich frei und offen über die Anerkennung Nationalspaniens unterhalten, ebenso auch über einen Ausbau der Verständigung mit Bulgarien, dem man gegen den Willen von Frankreich die militärischen Fesseln abnahm, nicht aus einer plötzlich erwachten Liebe zu diesem Staat, sondern aus nüchternen und vernünftigen Ueberlcgungen. Uederraschungen wird die Konferenz nicht bringen, höchstens einen Beitritt Bulgariens zum Bund, wenn es schon so weit ist. Auf jeden Fall wird Bukarest bestätigen, daß die Balkanstaaten auf eigene n B e i ne n stehen. Und das ist nicht zuletzt auch eine Folge der Zusammenarbeit zwischen Berlin und Rom, wahrend der starke wirtschaftliche Aufschwung Deutschlands bereits zuvor die natürlichen Interessen der Südoststaaten wieder nach dem Norden, nach Deutschland, lenkte.
.VeumchtzendeAachrichie».
Bon unserer Berliner Schriftleilung.
Seit dem Herbst vergangenen Jahres ist em amtierendes Staatsoberhaupt, das gleichzeitig verfassungsgemäß als Ministerpräsident für die Politik seines Landes und seines 140-Millionen-Volkes verantwortlich zeichnet, inbrünstig bemüht, diesem unerträglichen Frieden nun endlich einmal den Garaus zu machen. Als alle Hoffnungen auf einen neuen Kriegsbrand in Europa durch das Münchener Abkommen erstickt werden, beginnt man in> Washington, ausgerechnet demjenigen Erdteil, der von Mitteleuropa am weitesten entfernt ist, nämlich den südamerikanischen Staaten, einzureden, daß es sich hinsichtlich einer militärischen Invasion der autoritären Staaten in Südamerika eigentlich nur noch um Stunden handeln könne Das Ergebnis der Konferenz von Lima unterscheidet sich kaum von einer beträchtlichen diplomatischen Schlappe Washingtons.
Damit ist es also nichts. Roosevelt und seine jüdischen Hinterleute, die Baruch. Morgenthau, Frankfurter usw. sind peinlich bloßgestellt. Worauf der amerikanische Bundespräsident, Vertreter der Interessen zukünftiger jüdischer Kriegsgewinnler, mit Fay st beschließt: „Du sollst mich Horen stärker beschworen" und gewissermaßen anordnet, daß nunmehr d i e USA. selbst auf eine unvorstellbar gefährliche Weise von autoritären Mächten bedroht sind, die nicht näher mit Namen genannt werden. Also her mit einer Riesenaufrüstung — was heißt hier 12 Millionen Arbeitslose! — also her mit einer kompletten neuen Flotte für den Atlantik und her mit den bisher größten amerikanischen Flottenmanövern in eben diesem Atlantik, natürlich ganz zufällig nur zu gleicher Zeit mit den Flottenmanövern Englands und Frankreichs. Die wachsende Beunruhigung, ja Erbitterung im eigenen Lande vermögen diesen sonderbaren-Präsidentenmicht aus seiner jüdischen Vernebelung herauszubringen.
Hilft alles nichts, es ist kein Krieg zusammenzubringen, auch nicht durch Massenlieferungen von Flugzeugen an Frankreich und England — wozu hat Amerika sein „Neutralitätsgesetz"! Aber vielleicht kann man durch d i e Hintertür die brennende Fackel in die Welt werfen? Roosevelt läßt gegen den ausdrücklichen Willen und gegen das Spionagegesetz einen höheren französischen Fliegeroffizier in dem geheimsten und neucflen Bomber 1}crümfTiegen und — studieren. Darauf steht sonst lebenslängliches Zuchthaus wegen Landesverrates, auch in USA. Herr Roosevelt aber beschließt die Ab- halfterung des Kriegsministers Woodring und des Generalstabschefs Craig, die sich der Korruptionspolitik ihres Staatschefs widersetzt haben: eine „Reinigung" des Generalstabes wird sich anschließen.
Jetzt behauptet der Präsident plötzlich, er habe vor seiner Abreise zu den großen amerikanischen Flottenmanövern erklärt, er habe aus Europa „beunruhigende Nachrichten" erhalten, die ihn unter Umständen zwingen würden, vorzeitig nach Washington zurückzukehren. Seine „bekümmerten" Worte wurden mit Windeseile von Mund zu Mund getragen, zielbewußt und mit voller Absicht selbstverständlich nicht nur der amerikanischen Presse, sondern auch dem amerikanischen Rundfunk zugeleitet. Sie haben die Runde um den Erdball gemacht, ohne daß die Völker klüger geworden sind. Man fragt sich, welcher Art wohl diese „beunruhigenden Nachrichten" sein mögen, erinnert sich aber dann daran, daß bei den autoritär geleiteten Staaten geheimnisvolle Dinge im Heranreifen begriffen sein sollen, die spätestens am 10. März zu einer machtvollen Entladung gegen das in höchstem Maße „gefährdete" Amerika führen sollen, von England und Frankreich ganz zu schweigen. Also ausgepaßt! Jetzt ist es so weit, die Hunnen werden über den Ozean segeln und das herrliche Amerika in einen Trümmerhaufen verwandeln. Es sollte uns nicht überraschen, wenn diese Panikmache des amerikanischen Präsidenten alsbald ihre Wirkung tut und wieder in der einen ober anderen Großstadt auf den Knall eines geplatzten Autoreifens hin die Mütter ihre Kinder aus den Betten reißen, die,Väter ins Auto springen, alles auf die Straße stürzt und jeder den Untergang vor Augen sieht.
Präsident Roosevelt schweigt sich indessen über den Charakter feiner „beunruhigenden Nachrichten" aus, die ihn offenbar so wenig in Aufregung versetzt haben, daß er gemütlich an Bord eines Kriegsschiffes durch die sonnenbeschienenen mittelamerifani-' schen Gewässer schaukelt und den Manöverbummler spielt. Die lästige Meute seiner Mahner in den Vereinigten Staaten, deren Zahl nicht klein ist und die ihn wegen seiner innenpolitischen Mißerfolge, die er nun mit „beunruhigenden Nachrichten aus Europa" zu übertünchen sucht, dauernd in die Zange nehmen, ist er vorerst los. Inzwischen werden seine Freunde schon dafür sorgen, daß er als der große Held und Beschützer der amerikanischen Freiheit nach Hause fommt, vielleicht „vorzeitig", da eben drüben alles Regie ist und gerade auf dem Gebiete der Auspeitschung der Leidenschaften der Masten alles sehr sorgfältig vorher berechnet wird.
Nun ist ihm aber etwas passiert, was ihm gar nicht gefallen wird: die Engländer haben bei dem Spiel mit den „beunruhigenden Nachrichten" nicht mitgemacht. Sie sind ja fonft nicht zart bei der Abfassung von Schwindelmeldungen, also Nachrichten, wie sie in den Kram des amcrifanif(f*n Staatspräsidenten passen, diesmal ist ihnen aber doch „der Hut hochgegangen". Denn wenn man so weit geht, den unmittelbar bevorstehenden Kriegs ausbrud) an die Wand zu malen, bann müßte man auch nach Ansicht der Briten mindestens so
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