dann Parsunke. Letzterer macht schon ganz kleine Augen, und seine lange Vogelnase ist an der Spitze gerötet. Er ist feit vormittag damit beschäftigt, bei Rest jener hundert Mark durch die Gurgel zu jagen- Er fyat eine Runde Schnaps spendiert und führt das große Wort. Er haut zuweilen auf den Tisch oder stimmt ein Soldatenlied an oder gibt Bruchstücke seiner Lebenserinnerungen zum besten.
„Halt die Goschen jetzt, du damischer Aufschneider!" murrt der Hilfsarbeiter Schlintz, dem da» Gegröle zuviel wird.
. „Aufschneider? Wat, Aufschneider? Ick hab" studiert, daß du's man weißt. Auf Kunstgeschichte^ wenn du det Wort schon gehört hast, kleiner Mann", verteidigt sich Parsmrke.
„Spruch' machen kann der Preuß!"
„Gloobste wohl nicht? Paß uff, ick werde bfr wat erzählen, was de nachkontrollieren kannst, bin Rehpintscher. Kinners, ihr seid ja so doof hiev daß ihr brummt!"
Schlintz überlegt, ob er dem da eine runterhauei soll, um die Cschelbrunner Ehre zu retten. Liebe» nicht.
„Nu hört mal her, Kinners. Jetzt werd' ich euch klipp und klar beweisen, wie doof ihr seid. Ihr habt! doch das „Klösterl", euer früheres Armenhaus drüben, vor etlichen Jahren an euern Dottor verkauft,, der es umgebaut hat, nich?"
„Wer, wir? Der damalige Stdatrat halt."
„Na schön. Is allens een Ding, is Jacke wie Hof«, Efchelbrunner meen ick. Ihr habt also das Klösterl! verkauft, wie es gestanden ist, mit allem Inventar', nicht?"
„Wenn du Wanzen zum Inventar rechnest, bawn schon", erwidert Schlintz trocken. Außer Wanzen war nur noch ein bissel altes Gerassel da,- Detter, Kästen, Stühle. Das hat die Stadt den Kranken« schwestern, die schon vor dem Kauf drüben^ gewohnt haben, früher einmal zur Benutzung überlassen, und ist dann ebenso in Bausch und Bogen mitverkaust worden, weil der Doktor es für bis mitübernommenen Nonnen hat brauchen können.
„Du sagst Gerassel, Mensch. Doch gut. Aber unten deinem Gerassel war een olles Bild, so'n Oelge- mälde mit 'ner Frau drauf, das die Schwestern in ihrem Speisesaal hängen hatten. Und wem ge= hört det BiD, frage ich?"
„Unferm Doktor natürlich. Das ist klar wie Kloß° brühe. Vorher der Stadt und jetzt ihm, weil e» alles zusammen gekauft hat", entgegnet einer.
„Denn sind wir ja einig, Kinners."
(Fortsetzung folgt.)
Oie Deckung Ver Kriegsgefahr in der Lebensversicherung.
mit an der Spitze aller Gaue stehen. Das Opfer jedes Volksgenossen sei so, daß es seinen Dank an unseren Führer abstattet und unsere Soldaten stolz auf die Heimat sein können.
Oie Universitäts-Kliniken uneingeschränkt zur Verfügung.
Wie die Verwaltung der klinischen Universitäts- Anstalten uns mitteilt, stehen nach vorübergehender anderweitiger Bestimmung die Universitäts-Kliniken, einschließlich Poli-Kliniken mit Fachärzten und entsprechender Einrichtung, der Zivilbevölkerung uneingeschränkt zur Verfügung.
BezugSlcheinpfllcht für diätetische Nährmittel.
Die Fachgruppe Nährmittelindustrie teilt mit, daß die diätischen Nährmittel, die Hafer- und Gerstenährmittel, Grieß oder Mehl, sowie Reis enthalten, bezugscheinpflichtig sind. Diese Erzeugnisse können auf die Lebensmittelkarte Abschnitt L1 bis LIO, L17 bis L26 (bzw. auf die Nähr- mittelkarte ab 23. Oktober 1939) bezogen werden. Ebenso sind die Kindernährmittel, die auf Kartoffeln aufgebaut sind, sowie Zwieback und Semmelbrösel bezugscheinpflichtig. Letztere sind im gleichen Verhältnis wie Mehl abzugeben, d. h. für 100 Gramm Brot 75 Gramm Semmelbrösel.
Nur einwandfreie Eier für den Verbraucher.
Nach einer Anordnung der HV. der deutschen Eierwirtschaft sind die Großoerteiler verpflichtet, bei Abgabe von Kühlhauseiern an Wiederoerkäufer die Eier zu durchleuchten, wenn bei der Uebernahme der Ausfall über 1,5 v. H. betragen hat. Kühlhaus- ei er, die vom Großverteiler an gewerbliche Betriebe und sonstige Großverbraucher abgegeben werden, sind vor der Abgabe stets zu durchleuchten. Die Verteilungsstellen haben die vom Großverteiler bezogenen Kühlhauseier innerhalb von 48 Stunden nach Empfang auf ihre Beschaffenheit zu prüfen und Beanstandungen innerhalb dieser Frist zu erheben. Die Großverteiler haben den von den Der- teilungsstellen rechtzeitig nachgewiesenen Ausfall voll zu ersetzen. Die Vorschriften gelten entsprechend für konservierte Eier. Die Derteilungsstellen haben die vom Großverteiler bezogenen Eier in- und ausländischer Herkunft (Frischware) ebenfalls innerhalb 48 Stunden nach Empfang zu prüfen und Beanstandungen innerhalb dieser Frist zu erheben. Auch hier müssen die Großverteiler den Ausfall voll ersetzen. Ferner müssen die Verteilungsstellen alle Eier vor Abgabe an den Verbraucher durchleuchten. Erweist sich die an den Verbraucher gelieferte Ware ttotz Durchleuchtung als genußuntauglich, so hat die Verteilungsstelle diese zu ersetzen. Beim Ersatz des rechtzeitig nachgewiesenen Ausfalls ist unabhängig von der geldlichen Vergütung den Käufern die entsprechende Menge guter Ware nachzukiefern.
** Silberne Hochzeit. Der Lokomotivführer Karl Sehrt und Frau, Ebelsttaße 39 wohnhaft, können am kommenden Sonntag, 22. Oktober, das Fest der Silberhochzeit begehen. Der Jubilar, ein tüchtiger und bewährter Beamter, erfreut sich nicht nur im engeren Kreise seiner Berufskameraden, sondern darüber hinaus auch bei seinen Vorgesetzten und in weiten Kreisen der Gießener Bevölkerung großer Wertschätzung. Dem Jubelpaar, das seit langen Jahren zu der treuen Beziehergemeinde des Gießener Anzeigers gehört, bringen auch wir uNsern herzlichen Glückwunsch zur Silberhochzeit dar.
** Arbeitsgemeinschaft „Ernährung aus dem Wald". Zur Nutzbarmachung der wildwachsenden Nähr- urib Heilstoste des Waldes hat sich unter der Leitung des Hauptamtes für Volksgesundheit in der Reichsleitung der NSDAP, eine Arbeitsgemeinschaft „Ernährung aus dem Wald" gebildet, für deren Ziele sich u. a. auch die Schulen in enger Gemeinschaftsarbeit im Dienste der Volksgesundheit und Dolksernährung mit einsetzen sollen. Auf Anregung von Ministerialrat Ringshausen wird für den Kreis Wetterau des NS.-Lehrer- bundes in der Zeit vom 23. bis 25. Oktober ein Lehrgang in Bad-Naubeim durchgeführt werden, der der Schulung von Mitarbeitern dieser Arbeitsgemeinschaft dienen soll.
Die Deckung des Kriegsrisikos in der Lebensversicherung ist jetzt vom Reichsaufsichtsamt für Privat- versicherung für alle in Großdeutschland arbeitenden Lebensversicherungsunternehmungen einheitlich geregelt worden.
Für Kriegsteilnehmer auf feiten des Deutschen Reiches und seiner Verbündeten sowie für Nichtkriegsteilnehmer ist fortan die Kriegsgefahr derart gedeckt, daß bei Tod des Versicherten in unmittelbarem oder mittelbarem Zusammenhang mit Kampfhandlungen oder anderen kriegerischen Ereignissen die volle Versicherungsleistung allgemein gewährt wird. Etwa nach den Versicherungsbedingungen vorgesehene allgemeine Wartezeiten ober vertraglich ausbedungene besondere Wartezeiten gelten für Kriegstodesfälle nicht. Eine Ausnahme von der vollen Deckung des Kriegsrisikos gilt nur in den Fällen, in denen die Versicherungssumme den Betrag von 100 000 RM. übersteigt. Hier wird für den 100 000 Reichsmark übersteigenden Teilbetrag die Deckung der Kriegsgefahr nicht übernommen. Wo infolge des Krieges eine vermehrte Inanspruchnahme von Der- sicherungsunternehmungen eintritt, wird diese aus einer Kriegsrückstellung und — soweit nötig — durch Umlagen gedeckt werden. Welche Mittel zur Bildung der Kriegsruckstellung herangezogen werden sollen, wird das Reichsaufsichtsamt noch bestimmen. Zweck der Regelung ist jedenfalls, den Versicherungsnehmer so wenig wie möglich zu b e l a st e n.
In dieser Forderung scheint ein Widerspruch zu liegen, denn viele können sich vielleicht nicht ohne weiteres vorstellen, daß man ttotz der Verdunkelung gutes Licht hat. Und doch ist das sehr gut möglich. Selbstverständlich ist oberster Grundsatz, daß während der vorgeschriebenen Verdunkelung kein Lichtschimmer aus den Häusern und Wohnungen ins Freie dringen darf; aber es ist durchaus nicht erwünscht oder gar vorgeschrieben, daß man deshalb in den Wohnungen im Halbdunkel oder sogar im Finstern fitzen soll.
Im Gegenteil! Man sollte alles tun, um mindestens einen Raum in der Wohnung so gut und hell zu beleuchten, daß man sich darin richtig wohl- fiihlt und lesen und arbeiten kann, wie in normalen Zeiten. Wie ist das zu erreichen? Nun, dieser Raum muß eben nach außen vollständig verdunkelt werden, am besten durch Abdeckung der ganzen Fensterflächen mit schwarzem oder dickem Papier. Das Papier muß nicht unbedingt schwarz fein; wenn es genügend stark ist und kein Licht durchläßt, kann es auch eine andere Farbe haben, die freundlicher aussieht und durch ihre Helligkeit das Licht im Zimmer durch Rückstellung besser ausnützen hilft. Sehr zweckmäßig ist auch die Verwendung von Wachstuch mit dunkler Färbung der einen Seite. Verfügt man in dem Raum nicht über Doppelfenster, von denen die inneren Flügel dauernd ab ged eckt bleiben und tagsüber geöffnet fein können, so muß man sich auf andere Weise helfen, etwa dadurch, daß man vor Eintritt der Dunkelheit dicht schließende Vorhänge oder Papierbahnen an- bringt. Ist der Raum auf die eine oder andere Weste vollkommen nach außen verdunkelt, so kann man ihn so beleuchten, wie man es gewohnt ist, ja man kann die Beleuchtung sogar noch verbessern. Man sollte jetzt mehr denn je darauf achten, daß die Beleuchtung wirklich ausreichend ist, denn gutes Licht ist nicht nur von Einfluß auf die Stimmung, sondern es schützt die Gesundheit und bewahrt vor mancherlei Schäden.
Gut und reichlich beleuchten, ist also durchaus richtig und angebracht; aber man muß dabei einen Fehler vermeiden, in den man zu leicht verfällt: das Licht darf nicht blenden! Man sieht dann nicht besser, sondern schlechter ober überhaupt nicht. Deshalb muß stets dafür Sorge getragen werden, daß das Licht durch geeignete Leuchten, Schirme und
Eine Sonderregelung war notwendig für die nach dem 31. August 1939 abgeschlossenen Versicherungen. Die bei den Versicherungsunternehmungen vorhandenen Rücklagen, die jetzt zur Bildung einer Kriegsrückstellung herangezogen werden, sind aus den Beiträgen solcher Versicherten angespart, die sich bereits früher versichern ließen. Es ist deshalb nur billig, daß, wer erst jetzt der Dersichertengemeinschaft beitritt, einen Sonberbeitrag zur Kriegsrückstellung in Gestalt eines einmaligen Gefahrenzuschlages leistet. Der Gefahrenzuschlag ist wie folgt geregelt:
für die ersten 500 RM. kein Zuschlag
„ „ weiteren 4 500 „ 10 v. T. d. Vers.-S.
„ „ „ 15 000 „ 15 „ „
„ ,, „ 20 000 ,, 20 „ „ „
„ den 40 000 ,,
übersteigenden Teil der Versicherungssumme 30 „ „ „
Für bestimmte Arten der Kapitalversicherung sind diese Zuschläge noch ermäßigt.
Für Invaliditätszusatz-, Leibrenten- und Pensions- versicherunge tritt vorläufig keine Aenderung in den nach den Versicherungsbedingungen vorgesehenen Kriegsversicherungsbestimmungen ein. Bei der Unfallzusatzversicherung ist in Anlehnung an die für die Unfallversicherung geltenden Bestimmungen die Leistungspflicht nur für solche Fälle ausgeschlossen, die in unmittelbarem Zusammenhang mit Kampfhandlungen stehen.
Reflektoren so gelenkt wird, daß es an der richtigen Stelle möglichst stark erhellt, ohne habet die Augen zu blenden. Bei der Ueberwindung dieser Schwierigkeit, wie überhaupt in allen Fragen der Beleuchtung, stehen die Fachgeschäfte gern zur Beratung zur Verfügung. Oft ist es auch zweckmäßig, weniger Wert auf die Allgemein-Beleuchtung des Raumes zu legen, als auf die genügende Erhellung der Plätze, an denen man ißt, liest und arbeitet. Das erreicht man leicht mit Stehlampen und Wandleuchten, die man ja in jeder Art und Preislage erhalten kann.
Wie soll man sich aber verhalten, wenn es nicht ober nur schwer möglich ist, einen Raum nach außen hin vollkommen zu verdunkeln? Hier hilft kluges Zusammenwirken von Verdunkelung und Abblendung der Beleuchtung. Das bekannteste Beispiel dafür sind die Treppenhäuser, Hauseingänge, Flure usw. Dori wird fast immer die Beleuchtung so abgeschirmt, daß nur ein schwacher Lichtstrahl nach unten fällt; auf diese Weise wirb die Beleuchtung auf bas für die Orientierung unb die Vermeidung von Unfällen nötige Mindestmaß herabgesetzt. Genau so können wir natürlich in der Wohnung verfahren, wenn wir Räume, die nicht zum längeren Ausenchalt bestimmt sind, wie z. B. Flure, Toiletten usw., nicht vollkommen verdunkeln können. Man sollte dabei auch wieder mit der richtigen Ueberleguna vorgehen. Es ist z. B. sinnlos, eine starke Glühlampe von 40 ober 60 Watt soweit abzublenden, daß sie nur noch ganz schwach Licht spendet; hier ist es notwendig, die stärkere Lampe durch eine schwächere von 15 Watt zu ersetzen und diese bann soweit abzublenden, daß der Lichtstrahl nach unten fällt und auf keinen Fall im Freien bemerkt werden kann. Durch die Verwendung von schwächeren Glühlampen wird dabei nicht nur die unnötige Verschwendung von elektrischem Strom vermieden, sondern es werden auch die Rohstoffe unb Herstellungskosten ber Glühlampen zum Teil erspart.
In anderen Fällen wieder stellt man fest, daß die vorgesehene Verdunkelung nicht vollkommen ausreicht, daß z. B. an den Seiten der Fenster ein schwacher Lichtschimmer durchdringt, oder daß trotz heruntergelassener Jalousien und zugezogener Vorhänge noch etwas Licht nach außen strahlt. Hier kann man sich gewöhnlich dadurch helfen, daß man
die Leuchten durch Papier ober geeigneten ötoff soweit abblenbet, daß nach oben und nach ber Fen- fterjeite kein direktes Licht fällt, während der Raum und besonders der zu beleuchtende Platz genügend hell beleuchtet wirb. Das gilt besonbers auch für die Küche; hier sollte aber auch großer Wert auf genügende Einzelplatz-Beleuchtung gelegt werden. Wenn, wie es jetzt häufig noch ber Fall ist, die ganze Beleuchtung der Küche aus einer einzigen Lampe in ber Mitte des Raumes besteht, dann wird sich die Hausfrau beim Kochen am Herb und vielleicht auch beim Auswaschen des Geschirrs selbst „im Licht stehen", d. h. soviel Schatten auf ihre Arbeit werfen, daß sie nicht mehr gut sehen kann. Daß dabei Schäden mancher Art entstehen können, ist verständlich. Das Verbrennen ober sonstige Der- derben von Speisen, das Zerbrechen von Geschirr und eigene Verbrennungen ober Verletzungen als Folge mangelhafter Beleuchtung müssen jetzt sorg, faltiger vermieben werben denn je. Deshalb: Son« berleuchten auch in bie Küche, in die Speisekammer unb wo sie sonst noch zweckmäßig sinb! H. K. R.
Gallusmarkt in Gründers.
+ Grünberg, 19. Okt. Während sonst ber Gallusmarkt schon am Dienstagabend durch eine Feier beim Rathaus eröffnet und in den Lo- taten ber Stadt mit fröhlichem Treiben angefeiert wird, verlief diesmal dieser Abend ganz ruhig. Auch ber erste Markttag zeigte ein ganz anderes Bild als sonst, anstatt der sonst nach Tausenden zählenden Besucher ging es biesmal nur nach Hunderten. Hatte der Viehmarkt sonst bis zu 1000 Ferkel Aus. trieb, blieb es jetzt bei 378 Stück. Den Krämermarkt hatte man auf den Marktplatz in der Stabt verlegt. Er war mit knapp 30 Ständen und Buden beschickt, Karussell und Schießbuden waren nicht er* schienen. Regenwetter, bas fast den ganzen Tag an- hielt, beeinträchtigte etwas das Markttteiben.
Landkreis Gießen
# Allendorf (Lahn), 20. Okt. Am morgigere Samstag, 21 Oktober, kann unser Mitbürger Wen- del A r n o l d in körperlicher und geistiger Rüstigkeit seinen 8 0. Geburtstag feiern. Seine Lebensgefährtin, Frau Marie, geb. Heep, konnte am 26. vorigen Monats, ebenfalls in aller Frische, ihren 78. Geburtstag begehen. Den einzigen Sohn verloren die Eheleute im Weltkrieg auf dem Felde ber Ehre. Der Jubilar war 38 Jahre lang als Müller auf der Unterforger-Mühle tätig. Mit feinem 68. Lebensjahre trat er in den wohlverdienten Ruhestand. Noch heute besucht der hochbetagte Mann an Sonn- tagen seine ehemalige Arbeitsstätte und die Familie des Müllers.
Durch zwei Glasdächer gestürzt.
LPD. Frankfurt a. M., 19. Okt. Ein eigenartiger Unfall ereignete sich im Stadtteil H ö ch st. Eine 27jährige Frau war aus ihrem Wohnungsfenster auf ein sich darunter befindliches Glasdach gestiegen, um es zu reinigen. Die Drahtglasplatten gaben jedoch nach unb bie Frau stürzte auf ein zweites, einige Meter tiefer sich befinbliches Glasdach, das ebenfalls zertrümmert wurde. Die Frau blieb im Hof inmitten der Trümmer bewußtlos liegen. Obwohl das zweite Glasdach den Sturz aus etwa acht Meter Höhe wesentlich abgeschwächß hatte, erlitt die Frau schwere Verletzungen, die ihre fofortige Einlieferung ins Krankenhaus notwendig machten.
Stückgüter mit voller Anschrift versehen
Während des Krieges ist es für die reibungslose Abwicklung des Reichsbahnverkehrs unerläßliche daß die bei der Reichsbahn aufgegebenen Stückgüter wirksam gegen Verwechslungen geschützt werden. Es- wird deshalb den Verfrachtern in ihrem eigenen. Interesse dringend geraten, Stückgüter nicht nur mit dem Namen des Versand- unb Bestimmungsbahnhofs sowie mit Zeichen und Nummer, sondern auch mit der vollen Anschrift des Versenders unb1 Empfängers zu versehen. Es empfiehlt sich, außer-« dem — soweit möglich — Zettel mit der Angabe der Anschrift des Empfängers und Versenders auch, in die Packstücke einzulegen.
Verdunkelung und doch gutes Licht?
(Nachdruck verboten.)
20. Fortsetzung.
den. Diese Mundartschwierigkeit schaffen von An-
Abalte
„In die Sprechstunde muß ein neuer Zug. Jeder kommt, wenn es ihm gerade paßt. Das geht doch nicht, sagen Sie selbst, Fräulein Ferber."
„Aendern Sie das, ich habe nichts dagegen; Doktor Severin war zu nachgiebig in dieser Bezie-
nicht auf Anhieb kapiert und erst nach Rückfragen klären muß. Fränkische Wörter wie Wehding
Futterschneidemaschine geraten, und der rechte Arm ist unterhalb des Ellbogens radikal weg. Don der linken Hand hat es Daumen unb Zeigefinger erwischt. Der Sohn, auch schon in die Fünfzig, hat mit dem Nächstliegenden, einem schmutzigen Kuhstrick, den Stumpf abgebunben unb nicht sehr saubere Leinenlappen über bie Wunden gewickelt. Dr. Wenz hat sofort unb automatisch Zwangsvorstellungen von Bazillen, Infektion, Sepsis und schnüffelt mißtrauisch an den verbundenen Gliedmaßen herum. Der Sohn, von anderen Angehörigen unterstützt, berichtet umständlich ben Hergang, währenb Wenz bie Wunben vorsichtig bloßleat. mit Job bearbeitet unb versorgt. In bieser weitschweifigen Erzählung kommt vieles vor. was Wenz
beginn eine Atmosphäre, in ber das Vertrauen nicht gedeihen kann.
„Der Fall muß sofort ins Krankenhaus. Sonst stehe ich für nichts gut. Daß Sie aber auch ’ne Diehleine genommen haben, Menschenskmd! Wenn etwas passiert, ich wasche meine Hände in Unschuld. Na, alter Herr, man keine Bange; mir werden's schon schaffen", endet er ermunternd. Seine Worte sind berechtigt, gut gemeint, freundlich; unb bennoch irgenbwie fehl am Platze.
Der alte Lohmüller, ben sie ja in erster Linie angehen, macht ein verschlossenes Gesicht unb ist voll Argwohn. Der Sohn kratzt sich hinterm Ohr und knabbert an bem Wort „Krankenhaus" herum. Teufel, bas gibt einen Haufen Kosten unb Unmuß.
„Was meinst, Vabber?"
„Ha?"
„Ins Spital sollst, sagt der Doktor!"
„Na." Die kleine Silbe drückt Entschluß, Weisung unb höchstes Mißtrauen aus. Der
AeMMöerstmöe
Roman von Walther kloepftr lopyrlght by Karl Duntfcr Verlag > Berlin w 62
umgucfen in solch einer Landpraxis. Das sei gut für später, unb er habe das als Assistent auch machen müssen ...
Professor Stöhr weiß mit dieser „Verschickung" schon, was er will. Denn sein jüngster Assistent, eben dieser Doktor Wenz, ist zwar ein tüchtiger Mediziner, aber noch fein Arzt. Wenz weiß zwar mit allen Untersuchungsmethoden, Apparaten unb Reaktionen bestens Bescheib, er hat eine gute Zwei im Staatsexamen, aber bie praktische Erfahrung fehlt ihm. Das Intuitive mangelt noch, das Psychologische, das Einfühlungsvermögen. Die Patienten sind ihm noch allzusehr „Fälle", Objekte, Nummer, Material, anstatt Menschen mit Seele, Sorgen und Vorgeschichte. Er badet sich noch allzugern in lateinischen Fachausbrücken, anstatt bem Volk aufs Maul zu schauen, sich feiner Wesensart an« zuschmiegen unb seiner Vorstellungswelt nachzu-
hung."
Eme schöne Suppe hat mir Professor Stöhr ba, tlutCH muD. ulu.iu|uA eingebrockt, überlegt Dr. Wenz zu Rad in Richtung I (Schmerz), Möda (Montag) und Gaggeli (Eier) Mooracker. Weil ich ein bißchen mit seiner Tochter | können ihm als Nordbeutschen nicht zugemutet wer- flirte, schiebt mich ber Alte einfach in dieses Nest ab. „Sommerfrische" nennt er bas! Ich soll mir den Wind um bie Nase wehen lassen und mich mal
spüren. Er verschreibt noch zuviel Chemisches, Spezialitäten, Strukturformeln an Stelle von einfachen unb klaren Dingen wie Kamillentee und Ameisen- geift. Er schämt sich mit bem bewährten Karls- ader Salz, weil es ihm zu wenig wissenschaftlich ist. Er ist noch sehr jung; bas ist sein Glück und unsere Hoffnung. Er wirb bas Erstarrte und Dünkelhafte schon noch loswerben unb in bie neue Zeit Hinüberwachsen, die Entwicklung und Elasttzität bedeutet.
Der Fall Mooracker, zu dem er auf einem geliehenen Rad hinttampelt, treibt ihm bie Haare himmelwärts. Der alte Lohmüller, ein Austtags- bauer von 84 Jahren, aber noch rüstig, ist in bie
Lohmüller stiert gegen bie Zimmerdecke unb murmelt mit dem zahnlosen Mund. „Wo ist benn ber anbere Doktor, ber sonst immer kommen ist?"
„Doktor Severin ist in München", lächelt Wenz. „Sie müssen sich schon mit mir begnügen. Also was ist nun?"
„I geh' net ins Spital", wehrt sich der Alte.
„Machen Sie doch keine Geschichten, lieber Mann. Hier kann ich die Operation doch nicht vornehmen! Und das muß operiert unb genäht werben, sonst geht es schief. Sie wollen boch noch nicht sterben", predigt Wenz einbringlich.
Habs scho gfagt, t geh net ins Spital", beharrt ber andere.
Dr. Wenz ist über so viel Starrsinn und Unvernunft erbittert, weil er von ben Gebankengängen bes alten Lohmüller keine Ahnung hat. Der überlegt so: Was wirb fein, wenn ber Doktor mich burchbringt? Kosten werden sein, das ist gewiß, unb der Junge weiß so schon nimmer, wo aus und ein vor Schulben. Im Bett werb ich liegen müssen ober herumhocken ohne Zweck unb Ziel; füttern werben sie mich müssen, und meine Pfeift werb ich nimmer stopfen können. Mir selber werd ich eine Plag sein unb ben andern eine Last, unb wie lange wirb's dauern, bann fängt die Schwiegertochter zu räfonnieren an unb Die Arbeit ist ihr zuviel. Dann schon lieber abhauen, geht's wie's mag. Unb eine anständige Leich krieg ich auch, wenn auch keine mit Glanz unb Gloria. Dierund- achtzig Jahr sind ein Haufen Zeit, unb was hab ich benn noch viel zu suchen in diesem Jammertal, und sterben — was ba schon viel babei ist. Und ber neue Doktor paßt mir schon gar nicht, unb von einem Preußen laß i mi überhaupt net operieren.
Das sind die Erwägungen des alten Lohmüller, und vieles ist richttg an ihnen, wenn auch nicht alles. Aber wie gesagt, Dr. Wenz sind solche Gedankengänge fremd, er kommt gar nicht auf sie, und schließlich erfordert sein Beruf das Eingreifen und nicht das Zuschauen. Er sagt ziemlich erregt: „Was denken Sie sich eigentlich? Meinen Sie, es soll gar nichts geschehen? Damit es heißt, ber neue Doktor ist ein Esel unb kann gar nichts! So haben wir nicht gewettet, lieber Freunb; meinen Ruf lasse ich mir nicht verpatzen."
Er marschiert zornig vom Bett zum Fenster und vom Fenster zum Bett und sieht den alten Loh- müller an wie einen Soldaten, ber desertieren will. Aber der drückt sich an ber Antwort vorbei, weil er inzwischen einen kleinen Kollaps bekommen hat, was bei dem Blutverlust, den Schmerzen und all der Aufregung kein Wunder ist.
Dr. Wenz saust nach ber Kampferspritze, unb bann redet er in den Sohn hinein, bis er ihn endlich so weit hat, daß der Alte ins Krankenhaus kommt. Kopfschüttelnd und unzufrieden schwingt er sich bann auf sein Rad und strampelt nach Achel- brunn zurück. Er wird einen zweiten Arzt zuziehen wegen der Verantwortung. Schwestern müssen verständigt werden und die Sanitäter. Und seufzend denkt Dr. Wenz an den viel einfacheren Betrieb seiner gutgeölten Klinik zurück.
♦
In der Gastwirtschaft von Schühlein geht es laut her. Ein paar Arbeiter fitzen drinnen und debattieren, ferner zwei Bauern, die sich auf ein Seidel Bier vom Stteurechen fortgesttchleu haben» unb
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