„Daß du von Haydn nichts mehr willst, ist für mich bitter, aber schließlich unter Hintanstellung persönlicher Bedürfnisse erträglich,---- aber
daß du dich betrinkst---jawohl betrinkst und
taktlos genug bist, in diesem Zustand deiner Frau gegenüberzutreten---"
Sie wurde jäh unterbrochen, denn in diesem erregten Augenblick war ihr etwas passiert, was einer geborenen Sperling niemals hätte unterlaufen dürfen.
„Oes Mistviecha glei der wirf t enk!" schimpfte der Posaunist herauf und griff nach einem Bier- filzl. Auf seinem Notenblatt saß ein neuer dicker Notenkopf, den Frau Amalie von oben herab mitten ins schönste Adagio hatte fallen lassen.
Amalie und Michael hüpften erschreckt ins Dunkel.
„Amalie!!" rief Michael mit dem Tonfall eines attischen Priesters auf der Bühne.
„Es ist Zwetschgenzeit", entschuldigte sich leise und demütig Amalie.
Michael rührte es nicht. Diesen Trumpf durfte er nicht aus der Hand lassen.
„Amalie!" fuhr er in einer Tonlage höher fort und bemühte sich, gar nicht mehr hochdeutsch zu sprechen.
„Daß i vom Haydn nix versteh, dös konn sei'! Daß i a Blechmusik mag, dös konn aa sei! Aber dafür is ma sowas no net passiert — den Anstand hab i!"
Dann flogen sie gemeinsam ins eheliche Nest zurück.
Die Kritik.
Johannes Brahms und Bernhard Scholz wuren Jugendfreunde, und ihre Freundschaft hielt auch unvermindert an, als Scholz an Berühmtheit hinter Brahms zurückblieb.
Einmal legte ihm Scholz ein Trio vor, das er soeben komponiert hatte und wünschte dazu des Freundes Kritik zu hören. Brahms sah die Partitur aufmerksam durch und nickte ein paar mal, am Schluß nahm er das letzte Blatt zwischen Daumen und Zeigefinger, rieb es prüfend hin und her und fragte dann: „Sag mal, Bernhard, wo hast du dies vorzügliche Notenpapier her?"
*
Scholz hatte auch Schillers Lied von der Glocke vertont. Bei der Erstaufführung war auch Brahms zugegen, und als sie nachher zufammensaßen, fragte Scholz den Freund: „Na, Hannes, wie hat dir denn die Komposition gefallen?"
Brahms besann sich eine Weile und meinte bann lächelnd:
„Ein unverwüstliches Gedicht!"
Olav Sölmund.
Der erste Vortragsabend.
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SA -Männer an der Front und daheim
Unverbrüchliche Kameradschaft ist die starke Brücke der Gemeinschaft.
Auf dem Bierkeller
Von Karl Spengler
rungenschaften hochzuhalten und einem möglichst breiten Kreise unseres Volkes nahezubringen. Mit besten Wünschen für erfolgreiche Arbeit des Volksbildungswerkes schloß Kreisleiter Backhaus seine Worte.
Im Anschluß an die mit lebhaftem Beifall aufgenommene Ansprache hielt
NSG. Als in den letzten Wochen das Vaterland eine große Zahl Männer zu den Waffen rief, um die volksdeutschen Gruppen im Osten von ihren Bedrückern zu befreien und an den übrigen Fronten den Schutz der Grenze zu übernehmen, da tauschten auch Taufende von SA-Führern und -Männern im Bereich des Gaues Hessen-Nassau das braune Ehrenkleid mit dem feldgrauen Soldatenrock. Für unbestimmte Zeit nahmen sie Abschied von ihren Einheiten, die stark zusammenschmolzen. Wenn diese Kameraden nun auch räumlich von ihrer Schar, ihrem Trupp oder Sturm getrennt sind, so bilden sie doch noch mit den daheimgebliebenen Männern eine verschworene kämpferische Gemeinschaft. Es ist einzigartig, welche lebendige Verbindung zwischen den Kameraden an der Front und in der Heimat besteht. Das Zusammengehörigkeitsgefühl der Marschierer für eine gleiche Idee, der seit Jahren ihr ganzer Einsatz gilt, bindet sie trotz der zwischen ihnen liegenden Entfernung fest zusammen. Unzerreißbar ist das Band der Kameradschaft.
Es war schon in der Kampfzeit so, und so ist es
Eröffnung der Mnlerarbeil des Volksbildungswerkes
auch in den Jahren nach der Machtübernahme geblieben, daß dann, wenn andere Menschen sich dem Genuß ihrer Freizeit Hingaben, die Männer der SA. ihre Uniform anzogen und zum Dienst eilten. Wie sie taten es auch die Männer der anderen Formationen und Verbände der Partei. Ihre freien Stunden galten dem Dienst am Volk, dem sie sich verschrieben hatten, ganz gleich, ob die Männer irgendeine Aktion der Partei durchführten, oder ob sie für die Wehrfähigmachung und Wehrfähigerhaltung des Einzelnen übten und marschierten. In welcher Form der Dienst aber auch gekleidet war, immer war er getragen von einer tiefgreifenden Kameradschaft.
Von der Kraft dieser Kameradschaft zeugt die Brücke, die seit Beginn dieses Krieges zwischen den unter den Waffen stehenden SA.-Kameraden und den noch in der Heimatfront gebliebenen SA.-Männern geschlagen worden ist. Der gemeinsame Dienst für Führer und Volk ist der Grundpfeiler für diese lebendige Verbindung.
Bei jeder SA.-Einheit gehen in großer Zahl
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Dornotizen.
Tageskalender für Areilag.
Stadttheater: 20 bis 22.30 Uhr „La Traviata“. — lloria-Palast (Seltersweg): „Heimatland". — Licht- ftelhaus (Bahnhofstraße): „Flucht ins Dunkel".
Stadtlhealer Gießen.
Heute abend wird die Neueinstudierung der Oper ,La Traviata" von Verdi zum ersten Male wieder- jolt. Spielleitung Bernhard Schmitz. Musikalische feitung: Heinz Markwardt.
Bellanl kommt.
Am kommenden Sonntag gibt der Zauberkünstler iellani im Saalbau Liebigstraße einen Gast- ftelabend, der den Besuchern einige frohe Stunden «k reiten soll.
Wafferstand der Lahn gestiegen.
Der Wasserstand der Lahn ist durch die erneuten Negenfälle weiter gestiegen. Hochwasser führt auch tie Wieseck, die dicht vor ihrer Mündung die 8rückenbaustelle überschwemmt hat. Glücklicherweise hit das Wasser bisher keinen ernstlichen Schaden ergerichtet. Die Steganlagen der Badeanstalt, die fcti einem Hochwasser leicht in Mitleidenschaft ge- z:gen werden, wurden rechtzeitig geborgen.
Dr. Falke, Göttingen (früher Gießen) einen Vortrag über das Thema „Das war Polen". Zum tieferen Verständnis vermittelte der Redner zunächst einen gedrängten geschichtlichen Rückblick. Er wies darauf hin, daß Polen nicht zum ersten Male das Geschick einer Teilung erfahre, vielmehr sei dieser Staat bereits mehrmals in seiner Geschichte aufgelöst worden. Diese Tatsache sei nicht zuletzt darauf zurückzuführen, daß in Polen stets ein tragendes, nationalbewußtes Bürgertum gefehlt habe und deshalb auch niemals einen wahrhaften Aufstieg habe nehmen können. Nur ein landfremder Adel, der sich dem gesamten polnischen Volke nie verbunden gefühlt habe, sei an der Herrschaft gewesen und habe jeweils versagt. Bildung und Kultur seien nie eigenständig aus dem polnischen Volke gekommen, sondern immer von den Deutschen an dieses Volk herangetragen worden. In der jüngeren Geschichte habe Polen nur eine führende Persönlichkeit gehabt, P i l s u d s k i, nach dessen Tode Nachfolger sein Werk übernahmen, die nie in seinem Geiste wirkten.
In seinen weiteren Darlegungen schilderte der Redner die wirtschaftliche Lage des Landes, die krampfhafte Industrialisierung mit französischem Gelde, die krampfhaften Bemühungen, durch den Bau einer großen Kohlenbahn und einer Oel- leitung nach dem früheren Gdingen die Notwendigkeit eines Zuganges zum Meere nachzuweisen, schließlich sprach der Redner auch von Der geistigen Haltung der Intellektuellen Polens, die sich in Genußsucht ergingen, von der Stellung des Militärs innerhalb des Volkes und von der völligen Jnterefsenlosigkeit, die dem Bauern entgegengebracht wurde.
Weiter schilderte der Redner seine Eindrücke von einer Reise durch Polen und charakterisierte in interessanten Einzelheiten die Städte Warschau, Lodz und die nach Anlage und Wesen deutsche Stadt Krakau aus eigener Anschauung. Gleichzeitig vermittelte er einen Eindruck von Land und Leuten, von den scharfen Gegensätzen, die in Polen herrschten, ferner auch von den wahrhaft „polnischen Zuständen" in Verkehr, Hygiene usw.
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Mit dem gestrigen Donnerstag nahm das -uolksbrldunaswerk in ber NS. - Ge - mein „Kraft b u r cf> Freube" seine Arbeit für bas Winterhalbjahr 19ua/40 mit einem tr*r<i?5a&cnk Götzen Hörsaal ber Universität auf. Museumsbirektor Dr. Krüger, ber stelloer- fretenbe Leiter des Volksbildungswerkes, hieß die Besucher herzlich willkommen und begrüßte insbesondere den Kreisleiter sowie die Vertreter von Staat, Wehrmacht und Stadt. Zur Eröffnung der Winterarbeit hielt dann
Kreisleiter Backhaus
Aus der Stadt Gießen.
Peters Versuchung.
Immer wieder will der kleine Peter die Geschickte Dom verbotenen Baurn im Paradiese hören — U- fi^erroe'ife sagt er trotz aller Berichtigung immer wieder „Paris , statt Paradies —, und nach einigem Besinnen erklärt er auf einmal sehr ernsthaft- Denn e r „in Paris" gewesen wäre, er hätte ganz bestimmt nicht vom verbotenen Baum gegessen' Mutter will das nicht glauben. Und weil Peter imrtnäckig bei seiner Behauptung bleibt, schlägt sie eine Probe vor. ö
Mit geheimnisvoller Miene nimmt sie aus ihrer Einkaufstasche ein kleines Päckchen, fein säuberlich in weißem Papier, und legt es vorsichtig auf den Usch- Sie glaube nicht, sagt sie, daß Peter es fer- lig bringe, nicht nachzuschauen, was darin sei ehe ße es gestatte. Oh, das bringe ich fertig, versichert (Zeter mit großer Bestimmtheit. Gut, sagt Mutter unb setzt als Frist der Enthüllung 12 Uhr mittags est; es ist 8.30 Uhr früh. Peter geht um den Tisch lerrnn und betrachtet das Päckchen genau. Es sieht äst so aus, als wäre ein Stückchen Kuchen darin, nit Obstbelag etwa, oder mit Zuckerguß. Dann nuß er in den Kindergarten.
Bald nach 11 Uhr kommt Peter ausnahmsweise rinmal.sehr pünktlich heim. Er fragt sofort, ob er ias Päckchen nicht wenigstens in die Hand nehmen Mrfe. Nein, das fei streng verboten! Aber ganz leicht mit dem Finger hintippen dürfe man doch, neint Peter und hält schon den kleinen Zeigefinger liftern ausgestreckt. Nein, sagt Mutter, wenn er as täte, hätte er die Probe nicht bestanden. Peter hmollt: Eva hätte doch gewiß den verbotenen Saum mit dem Finger berühren dürfen! Mutter leibt anderer Ansicht. Peter übt daraufhin sichtlich Selbstbeherrschung. Er fragt wohl noch einige Male, uüeoiel Uhr es sei, unterläßt aber bald auch diese E? Aeußerung seiner Neugierde. Nachdem es ihr geschlagen hat, muß man ihn sogar daran er- rn, daß er jetzt das Päckchen öffnen darf. Er es erstaunlich gelassen. Und zu Mutters größ- Verwunderung zeigt er sich gar nicht enttäuscht, nur ein Paar Strümpfe zum Vorschein kom- , die sie gekauft hat.
uf Herz und Gewissen befragt, ob er nicht doch dich in das Päckchen geschaut hübe, gibt Peter etwas verlegenem Lächeln zu: Ja, das habe Aber „in Paris", beteuert er, wäre er bestimmt t neugierig gewesen, weil es ja dort, außer
enK kurze Ansprache. Er kennzeichnete die Stadt Gießen als einen wirtschaftlichen Mittelpunkt und als einen Brennpunkt des Verkehrs feit Jahrhun- öerten, aber auch, und im wesentlichen, als einen geistigen Mittelpunkt für einen weiten Umkreis. In Gießen erfahren Wissenschaft und Kultur seit Jahrhunderten eifrige Förderung, wie sie sich feit der Gründung der Universität im Jahre 1607 insbesondere ergeben habe. In einigen weiteren Gedanken sprach ber Kreisleiter über bie hohe kulturelle Bedeutung des Gießener Stadttheaters und würdigte in diesem Zusammenhang die Verdienste von Geheimrat Professor Dr. § i ........ L.. sich
besonderem Eifer für die Schaffung des Theaters eingesetzt habe. Herzliche Worte der Anerkennung der bisherigen Arbeit widmete der Redner ferner Öen Bemühungen der hiesigen kulturtragenden Vereinigungen, des Oberhessischen Geschichtsvereins, des Goethebundes, des Konzertoereins, des Kunstvereins usw. Schließlich wies er auf die fruchtbare Arbeit des Deutschen Volksbildungswerkes und die schönen Erfolge in den vergangenen Jahren hin, forderte zu regem Besuch der Veranstaltungen des Volksbildungswerkes auf und betonte, daß es heute mehr denn je gelte, auch die kulturellen Er-
Ehenest in diesem Garten errichten mußten, der gar kein Garten ist, sondern ^ ein schmatzendes, schmausendes Biernest,---"
„... aber---"
„Nicht nur, daß ich alle meine persönlichen, meine individuellen Wünsche zurückstellen muhte, damit du deinen niedrigen Leidenschaften stöhnen kannst---" .
---ich bitte dich---'
---nicht nur, daß man mir Abend für Abend die Ohren volltrompetet mit den schaurich- ften Musikpiecen, die ich---bie meine Familie nie als Musik anerkannte---"
---die Musik---"
___streunst bu balb jede Nacht wie em Vagabund im Dunkel herum, wie ein ganz gewöhnlicher Dorfspatz." ... .
In Amalies Auge blinkte em ganz klein winziges Spatzenfräulein. Michael rutschte unbehaglich auf seinem Zweigerl hin und her.
„Ich weiß nicht, was du allaweil gegen bie Blechmusik hast? Mir gfallt's ganz gut!"
Amalie unterdrückte jede weinerliche Stimmung. „Ob sie mir gefällt, das ist dir gleichgültig!" "Jetzt sag i dir amal etwas---"
"llnb wie habe ich dich gebeten: Ziehe mit mir in 'die Nähe der Tonhalle ober des Odeons, wir hätten die Abonnementskonzerte besucht — — — auf dem Oberlicht des letzten Fensters, wo die Akustik so wunder-wundervoll ist; und ich hatte geträumt -___" sie drehte ihre Augäpfel himmelwärts ___„ich hätte geträumt, ich wäre wie
der daheim bei meinen lieben Eltern, als ich noch nicht verheiratet war und hörte die jungen Men- (eben vom Gutshof Haydentrios fp^-n---
,D°s fade Zeug", entfuhr es Michael
Amaliens Augen wurden ganz groß, t>e fah ihrem Mann tief in fein Barbarenherz.
„Haydntrias!" rief sie mit schmerzlich zitternder
Michael versuchte abzuschwächen. „No ja, bös is doch ein bisserl was Langweiliges; da >s doch a so eine Blechmusik viel was Lu>tigers!
„Haydntrias sind etwas Langwelliges — i.nh1 hns faat mein eigener Mann! stieß Frau Amalle unter Tränen hervor. Ebenso plötzlich aber ve«e chr Tränenstrom. Sie hob den Kopf und windete indigniert mit dem Schnabel
Michael!! Du riechst nach Alkohol!
Obwohl sich Michael ganz schuldo- wußte, war er doch °b di-f-s unvermittelten Vorwurfs ganz Der2Ibterti- dos is' - Täuschung----!"
Ich rieche es, du hast Alkohol zu d,r genom- "sie rückte drohend an Michael heran. '
„Wenn es nix wahr is
t Werin zu betäuben. , .
l Das war die zweite Leidenschaft Michaels, das I -Itoagerlbier". Das war aber auch der zweite ®"unb, warum sich Frau Amalie, die aus einer feinen hannoverschen Sperlingsfamilie stammte, m fyer Nähe enttäuscht fühlte.
|^3n dieser Nacht indes dachte Michael noch nichts shlimmes. Die Kapelle hatte erst das dritte Stuck l^ielt, und Michael wiegte selig auf fernem Zwer- ■n mit. .. ,
I , -Tschackerl, Tschackerl, trau dir net, trau dir net zu deiner Alten---—* .
1 -Tr hatte nicht bemerkt, daß zwei ^.ed)en natzenfrauenaugen jede feiner Bewegungen ver-
I Wen.
Michael!" Sie betonte die Vokale wie eine tfifdje Priesterin auf der Bühne „Michael..
- -Bin ich jetzt erschrocken!" rief Michael und rang Mch Luft. „Jetzt wär' ich fast vom Stangl runter- rrifdln!" .
L, .Michael!" rief Amalie noch einmal um einen Ifoi höher - - - «nicht nur, daß wir unser
Der einzige Abendgast auf den Kastanien Verteilers war Michael Spatz. Die Gewalt Töne, die von dem Podium der Musikkapelle zu ijm heraufquollen, ergriff ihn dermaßen, daß er fvf) in schönen, abgerundeten Schwüngen, wie er sie sonst niemals fertig brachte, von Zweig zu Zwerg taen konnte. Und da wippte er jedesmal eine !Heile im Takt ber Musik fort. Seine Augen faßen t^n bann stets wie Zimmerstutzenkugeln am Köpft, btmit ihm nichts entging, nicht bas Herumsuhr- ! Kerfen des Musikers an der blankgeputzten Lyra, !icht das Blitzen, wenn der Posaunist mit dem Zügel feines «Instrumentes aus- und einfuhr.
Alles Irdische fiel in diesen lauen Nächten von ilm ab. Nicht einmal ber lockenden Welt des Zrauereipferöeftalles nebenan gedachte er mehr. Zur, wenn die Kapelle eine längere Pause machte, erinnerte er sich, daß irgendwo weit dahinter im Erzweig ein Wesen saß, das zu ihm gehörte: Frau I tinalie Spatz, geborene von Sperling. Bei allzu 'eigen Pausen konnte sich dieses Erinnern zu einem ^behagen auswachsen, ja sogar zum Alpdrücken K'rben, weil Frau Amalie die Leidenscha,t Michaels rir Blechmusik nicht teilte und bisweilen sich nicht l'toite, ihn in solchen Pausen aufzusuchen und auf bis Unziemliche feines nächtlichen Ausbleibens aus- j ^rtfam zu machen. Ueberwältigte ihn die dustere Kimmung allzusehr, dann flog er in hastigen öto= HM ins Dunkel des Bierkellers, wo die letzten ■ diche standen, lieh sich auf einen von ihnen nie- [P I btr und versuchte fein Weh mit verschütteten Bier-
Briefe und Karten von den Kameraden an der Front ein. Diese Grüße stehen im Mittelpunkt des wöchentlichen Sturmdienstes. Dom Sturmführer werden sie vorgelesen. Aus allen klingt der Stolz, daß die SA.-Kameraden mit dabei sein dürfen, bas Vaterland an ben Grenzen zu verteidigen. Die Briefe erzählen von Erlebnissen an der Front. Sie enthalten aber vor allem Anfragen, wo dieser und jener Kamerad sich befindet, wie es den einzelnen Kameraden geht, welche Aufgaben dem Sturm gestellt sind, und was für Dienst während ihrer Abwesenheit getan worden ist. In jeder Zeile kommt ihre Anteilnahme an der Arbeit ihrer Kameraden in der Heimat zum Ausdruck. Sie wollen genau wissen, was in ihrer Einheit los ist. Mit ihr ist ihr Dasein verbunden, auch wenn sie nicht im Glied ober vor der Front stehen können.
Mit Freude werden immer die Grüße von den Kameraden an der Front aufgenommen. Auf den Gruß aus der Heimat brauchen sie nicht lange zu warten. Von den Scharen und Trupps werden die Briefe und Karten laufend beantwortet. Die SA.- Männer schreiben alles, was sie bewegt, und roh5 ihre Kameraden interessiert. Jeden Monat wird bann meist noch vom Sturmführer ein Ueberblick über bie vergangenen Dienste ausgearbeitet, ber vervielfältigt unb mit ben Anschriften sämtlicher im Felbe stehender Kameraden bes Sturmes versehen wird, damit sie auch untereinander in Verbindung treten können.
Aber nicht nur beschriebene Bogen senden die Einheiten ab. Durch Umlagen werden außerdem Mittel für die Beschaffung von Zigaretten, Zigarren und anderen, für den Soldaten an der Front begehrenswerten und nützlichen Dingen aufgebracht. Freudig geben die SA.-Männer. Der gesammelte Betrag ist reichlich genug, den abgehenden Briefen eine "eine Liebesgabe beizufügen.
Diese Briefe gehen hinaus an die Fronten unb bie Stanborte ber Truppen als Grüße der Heimat und als sichtbare Zeichen unverbrüchlicher Treue und Kameradschaft. Der Geist der SA. hat die Männer zu einer verschworenen Einheit zusammen- geschweiht, ber Geist ber SA. oerbinbet sie auch, wenn sie jetzt getrennt sind unb fern vom Heimatort irgendwo auf vorgeschobenem Posten ihre Pflicht als Deutsche tun.
Der erste Opfersonntag des KriegS- WHW.
NSG. Am kommenden Sonntag begeht der Gau Hessen-Nassau, wie alle Gaue des Großdeutschen Reiches, ben ersten Opfersonntag des Kriegswinterhilfswerkes 1939/40. Er ruft die Bevölkerung des Rhein-Main-Gebietes wieder zur Erfüllung der ihr gestellten Pflichten gegenüber Volk und Vaterland in diesem Winter auf, die in diesen ernsten Zeiten an die soziale Tatbereitschaft jedes Einzelnen besondere Forderungen stellen. In ben vergangenen Jahren fanden wir uns an diesem Sonntag in einmütiger Geschlossenheit um die dampfende Schüssel zum Eintopf zusammen. Wir bekundeten damit unsere Solidarität mit ben ärmeren und notleidenden Volksgenossen. Der Eintopf wurde aber in ben Kriegswochen fast zur täglichen Mahlzeit, die uns genau so lieb geworden ist, wie ber Braten. Die Einschränkungen, bie ber Krieg mit sich bringt, nehmen wir gern auf uns. So können wir aber nicht mehr alleist im Eintopf unserer Verbundenheit Ausdruck geben, sondern finden uns an diesem Sonntag zu einer geschlossenen Opfergemeinschaft zusammen. In ber gemeinsamen Opferbereitschaft zeigen wir an diesem Tag unsere Einsatzbereitschaft für bas Vaterland.
Die erste Schlacht im Feldzug des Sozialismus der inneren Front haben wir am vergangenen Wochenende geschlagen. Sie war in unserem Gau ein großer Sieg. Der kommende Sonntag muß unsere Bevölkerung zur gleichen Spendefreudigkeit bereitfinden. Mit dem Ergebnis muß unser Gau wieder
Woher kommt die schlechte Laune?
Temperament und Stimmung sind Dinge, die in höchst verschiedener Form beim Menschen auftreten. Warum sieht ber eine alles im rosigstem Lichte, ist immer vergnügt unb hoffnungsvoll und läßt sich in seinem Optimismus durch nichts entmutigen? Warum ist der andere so rasch grillig und verstimmt und wirft so bald ditz Flinte ins Korn? Die Wissenschaft hat sich mit der Entstehung der schlechten Laune beschäftigt und kennt — ganz allgemein gesprochen — dafür zwei Ursachen: ererbte und erworbene. Manche Menschen bringen bereits in ihrer Erbmasse das schlechte Temperament mit. Die üble Laune ist ein Teil ihrer geistigen Veranlagung, so wie bei anderen wieder die gleichmäßige und freundliche (Stimmung ein Geschenk der Vorfahren barstellt. Solche Leute müssen ihre kritische unb jähzornige Art hinnehmen, wie die dunklen Augen und schwarzen Haare, die sie mitbekommen haben.
Bei ben erworbenen Ursachen der schlechten Laune aber harÄelt es sich um Einflüsse ber Umgebung und besonders um solche des körperlichen Befindens. Das Wort bes Philosophen Feuerbach, baß der Mensch ist, was er ißt, hat seine tiefe Berechtigung. Jemanb, besten Verbauungsapparat nicht in "Drbnung ist, wird gereizt und sieht alle Dinge von der schlechten Seite an. Der bedeutende Einfluß des Magens und Darms auf unsere Stimmung, ja, auf unsere Weltanschauung ist nun einmal eine nicht wegzuleugnende Tatsache, und wenn man mit Recht gesagt hat, daß ein hungriger Mensch ein zorniger Mensch ist, so kann man mit nicht weniger Recht behaupten, daß ein Mensch mit eihem schlechten Magen ein Pessimist sein muß. Die alten Griechen hatten gar nicht so unrecht, wenn sie für solche Temperamente den Namen der „Melancholie", ber „Schwarzgalligkeit", erfanden. Wenn wir auch heute bie Melancholie nicht gerabe aus der schwarzen Galle herleiten, so Doch aus Vergiftungserscheinungen der inneren Organe, was immerhin auf denselben Ursprung hinweist. Gifte, die von den Organen, wenn auch nur in geringen Mengen, aufgesogen werden, rufen eine melancholische Lebensbetrachtung hervor. Jedenfalls glauben wir heute, daß ein veränderter und krankhafter Zustand einiger chemischer Vorgänge im Körper für die Reizbarkeit und die schlechte Laune verantwortlich ist. Wie aber diese krankhaften Erscheinungen die Stimmung beeinflussen, so kann anderseits schlechte Stimmung ungünstig auf ben Körper- zustanb einwirken. Ein erregbares unb büfteres Temperament wirkt roieber ungünstig auf bie Verbauung unb bie Herztätigkeit zurück. C. K.


