Alle helfen dem Noten Kreuz!
Kämpfer ohne Waffen in -er inneren Front.
Aus der Stadt Gießen.
Alle üben Derbrauchs-ifziplin.
Volksgemeinschaft ist gleichbedeutend mit Notge- meinschast. Eine gerechte und gleichmäßige Dertei» lung aller vorhandenen Vorräte ist daher unerläßlich und Voraussetzung b/für, daß von allen Volksgenossen auch gleich schwere Opfer verlangt werden können. Hieraus erklärt sich, warum in Deutschland die Rationierung schon so frühzeitig eingeführt worden ist. Für all« ergeben sich gleiche Rechte und gleiche Pflichten. Die Bewirtschaftung gibt die Sicherheit, daß jeder au seinem Recht kommt. Also hat auch jeder einzeln« die Pflicht, in seinem Bereich rückhaltlos den Willen des Staates zu erfüllen. Derbrauchsdisziplin ist erste Pflicht; sie zu üben, muß allen um so leichter fallen, nachdem der Staat die Wirtschaft in Ordnung hat und hält.
Ein« besonders wichtige und verantwortungsvolle Ausgabe haben unsere Frauen zu bewältigen, von denen der Führer in seiner historischen Reichstagsrede vom 1. September d. I. sagte, daß er von ihnen erwart«, daß sie sich in eiserner Disziplin vorbiwlich in die große Kampfgemeinschaft einfüaen. Die deutschen Frauen haben diesen Appell gehört und verstanden; sie werden den Führer mcht enttäuschen. Die deutsche Hausfrau wird nicht murren, denn sie hat in den getroffenen Maßnahmen die kluge Vorsorge der Regierung, den festen Willen zu gerechter Verteilung erkannt. Sie weiß, daß jeder das erhält, was er braucht, und sie ist überzeugt, daß irgendwelche dunklen Elemente sich nirgends bereichern können.
So kommt die Hausfrau innerlich verantwortungsbewußt zu ihrem Kaufmann, der seinerseits ouck wieder weiß, daß er für die Versorgung jedes Volksgenossen ohne Unterschied treuhänderisch verpflichtet ist. Und so wie die eine, so kommen auch alle anderen Hausfrauen; alle sind verständig, üben gegenseitige Rücksichtnahme um) vergessen auch die echte Höflichkeit nicht, die heute sogar besonders wichtig ist. wo man bei seinen Einkäufen oft kürzer« oder längere Zeit mit anderen Einkaufenden m einem Geschäft verweilen muß. Da geht «s manchmal nicht ohne Zeitverlust ab, was aber durchweg mit Ruhe und aus verständnisvoller Rücksichtnahme für den anderen Teil gern ertragen wird. Zudem bemühen sich die Geschäftsleute, ihren Kunden das Schlangestehen zu ersparen. Der „gute Ton" beim Einkäufen wird groß geschrieben.
Auch die Kaufleute untereinander Helsen sich, indem sie regen Erfahrungsaustausch pflegen. Transportgemeinschaften gründen und gemeinsam die verbliebenen Fahrzeuge ausnutzen, oder indem sie für bevorzugte Lieferung an Betriebe sorgen, bei denen die Männer eingezogen sind. Besondere Fürsorge gilt mit Recht der Versorgung der berufstätigen Frau und ihrer Familie. Keinesfalls wird sie benachteiligt gegenüber denjenigen, die zu jeder Stunde eiryufaufen in der Lage sind.
Der äußere Wall wird, von unseren Soldaten verteidigt, den inneren Wall halten unsere Frauen. Sie kämpfen unerschrocken mit als verständige und sparsame Hausfrauen. Die gemeinsame Abwehr gilt den Einkreisungsmächten, di« ihre Absicht, Deutschland auszuhungern, niemals werden verwirklichen können. Dafür sind uns Garanten unsere Vorräte, ihre kluge, sorglicb« und gerechte Bewirtschaftung und vor allem unsere gemeinsame Kraft. 0. U.
Dornotizen.
Tageskalender für Mittwoch.
Gloria-Palast, Seltersweg: ,Kitty und die Weltkonferenz".
Universitäts-Kliniken und -Institute arbeiten weiter.
Entsprechend der ministeriellen Anordnung ist der Lehrbetrieb an der Universität Gießen zur Zeit eingestellt. Gegenwärtig werden noch die Prüfungen derjenigen Studenten durchgesührt, die ihr Studium soweit abgeschlossen haben und nunmehr zum Heeres- dienst einberufen sind. Die Kliniken und die Veterinärkliniken setzen ihre Arbeit im Interesse der Allgemeinheit unverändert fort, wie auch eine Anzahl anderer Universitätsinstitute ihren Forschungebetrieb zum Nutzen unserer Volksgemeinschaft weiterhin ausüben. Ebenso bleibt die Universitäts-Bibliothek weiterhin geöffnet.
NSG. In einer ruhigen Straß« weht an einem schlichten Haus die wohlbekannte Flagge: ein rotes Kreuz auf weißem Grund. Kaum klappt die Tür hinter uns zu, sind wir eingefangen von der ernsten Arbeit und dem opferbereiten Einsatz jedes einzelnen. Ist das nicht vorbildliche Kameradschaft? Die Nähmaschine rasselt, aus alten Stoffen und Leinenflecken wird mit unermüdlicher Geduld behelfsmäßiges Verbandszeug und Bereitsckaftswäsche hergestellt, freudige Bereitwilligkeit vervindet alle Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft, die auf diese Weise die Kameradinnen der Bereitschaft unterstützen. Und unentwegt geht die Tür, ununterbrochen treten sie in das Zimmer, die jungen Mädchen aus den Büros, die weißhaarigen Mütter, aus allen Berufen, in allen Lebensaltern kommen sie, nur von dem einen Wunsch beherrscht, irgendwo helfen zu können, ihre Pflicht in der Heimat au tun, wie die Männer an der Front. „Mein Chef will mir zwar ungern die Stunden freigeben, aber vielleicht kann ich den Lehrgang am Abend besuchen — ich hätte keine Ruhe, wenn ich nicht helfen könnte!" sagt ein blondes Mädel, und die Augen hängen sehnsüchttg an der freundlichen Tracht der Helferinnen.
Dm Deutschen Roten Kreuz ist Platz für jeden, der sich mit wirklichem Ernst einsetze/s will, ganz gleich, wohin er gestellt wird. Nur für diejenigen, die glauben, daß der schöne, aber gewiß nicht leichte und verantwortungsvolle Beruf einer Helferin so etwas wie „Mode" wär« ^ind man die kleidsame Haube
Am vergangenen Sonntag traf im Hofgut Utphe bei Hungen «ine frisch-fröhliche Schar van 13 Mädchen ein, die für 8 Tage vom Schulunterricht m unserem Gießener Lyzeum befreit worden waren und nun ihre Kraft in den Dienst der Hackfruchternte stellen. In einem Omnibus der Stadt Gießen waren sie mit noch anderen Mitschülerinnen hinausgebracht worden. Eine Anzahl Mädchen kam einzeln zu Bauern in die Umgebung von Hungen, um den Bäuerinnen zur Hand zu gehen; eine größere Gruppe der Erntehelferinnen blieb aber beisammen und wird nun seit Montag ebenso geschlossen eingesetzt. Die ausgedehnten Felder des Hofgutes Utphe bieten ein reiches Arbeitsfeld, und gerade jetzt harrt ein Acker von 70 Morgen Größe, der ausschließlich mit Kartoffeln angebaut ist, der Ernte.
Zusammen mit einigen Stammarbeitern und -arbeiterinnen des Hofgutes zogen die Mädchen hinaus auf den unweit des Hofgutes gelegenen Acker, um sich dort beim Kartoffellesen nützlich zu machen. Schon dieser Auszug zur Arbeit hat etwas besonderes an sich. Zwei der Mädels (und immer wieder ander« zwei) dürfen sich, wenn sie wollen, auf die breiten Rücken der beiden ebenso ruhigen, wie stämmigen Belgier-Pferde „Hans" und „Cäsar" setzen und hinausreiten. Das macht zunächst schon einigen Spaß! Und wenn das Wetter günstig ist, dann geht es auch beim Kartoffellesen unterhaltsam zu, denn die Mädchen haben sich immer etwas zu erzählen, haben immer einen Scherz auf den Sippen, und manchmal führen sie den Kameradinnen gegenüber gewaltige und kraftvolle Reden. Das schönste aber ist das gemeinsame Lied, das bei der Arbeit gesungen wird.
Wir nahmen Gelegenheit, einmal einen halben Tag bei den Mädchen in Utphe mit auf dem Acker zu sein, selbst mit anzupacken und die vollen Kar- toffelkorbe auf den Wagen zu stemmen. Es gab
Dor Durchführung von Sammlungen wird nochmals gewarnt.
NSG. Der Letter des Amtes für Volkswohl- fahrt bei der (Sauleitung Hessen-Nassau der NSDAP., Gauamtsleiter Haug, macht auf folgendes aufmerksam:
Es mehren sich die Fälle, daß unter den verschie- densten Begründungen Sammlungen durchgeführt werden. Nach dem Erlaß des Herrn Reichsministers des Innern vom 7. September 1939 sind sämtliche Sammlungen ausnahmslos verboten. Darunter fallen auch alle Mitgliederwerbungen. Die Veranstalter der verbotenen Sammlungen haben mit strengen
nur zum „Staat" tragen möchte, ist im Deutschen Roten Kreuz kein Platz.
In 20 Doppelstunden, also keineswegs flüchttg, werden die Anwärterinnen auf ihren verantwortungsvollen Dienst vorbereitet. Sie lernen die unendlich feine Maschinerie des menschlichen Körpers kennen, sie üben die ersten Handgriffe bet Unfällen und müssen tadellose Verbände anlegen können. Man muß einen Lehrgang besucht und gesehen haben, mit wieviel fraulichem Ernst und wieviel Verständnis jede einzelne den Ausführungen des Arztes folgt. Mit hingebendem Eifer wird der Kopf der Kameradin „bearbeitet", um einen regelrechten Kopf verband zu schaffen, und immer wieder schlingt man die Binde um den Arm, bis sie vorschriftsmäßig sitzt. Wenn aber das Ziel erreicht ist, wenn man die Prüfung bestanden hat und nun im Bahnhofsdienst der NSV., bei Unfällen ober zur Hilfeleistung in Rettungsstellen des Zivilen Luftschutzes herangezo- gen wird, dann wird man seine Pflicht tun, ja noch mehr, man wird mit allen Kräften, wie sie eben gerade der Frau aus dem unbesiegbaren Quell chres Herzens kommen, den Hilfesuchenden Glauben und Zuversicht vermitteln.
„Helft helfen!" — ein wunderbarer Wahlspruch derjenigen, die unter dem Zeichen des Roten Kreuzes im wahrsten Sinne des Wortes ,Kämpfer ohne Waffen" sind, ein Wahlspruch, der verpflichtet und jeden stolz und glücklich macht, der unter ihm dient.
dabei viel Anlaß, sich zu freuen an der prima Stimmung, die unter den jungen Erntehelferinnen herrscht. Auch die zum Gut gehörigen Landarbeiter und Landarbeiterinnen hoben ihre helle Freude daran, wenn in einer schier unerschöpflichen Vielfalt ein Lied und ein Kanon nach dem anderen erklingt und dabei doch die Arbeit getan wird, die geschafft werden muß. Mit ,Haushund „Cäsar", den beiden Pferden, wird gute Freundschaft gehalten. Die Mädchen wissen auch schon, welcher der Hand- und welcher der Sattelgaul ist.
Bei dem guten Wetter, das sich nun wieder an- zubahnen scheint, wird die Arbeit der Kartoffelernte rasch fortschreiten, und wenn es auch den Mädchen in der kurzen Zett nicht gelingen kann, die Kartoffeln von dem ganzen großen Acker aufzulesen, so werden andere Mädchen, die nach ihnen kommen, die Arbeit fortsetzen. Ein Tag dieser Woche, der Montag, ließ sich für die Arbeit im Freien wenig günstig an. Aber deshalb blieb man nicht untätig. Auf den Speichern gab es allerlei zu tun, und einige der Erntehelferinnen machten sich in der Küche nützlich.
Im Hofgut Utphe haben die Erntehelferinnen gute Unterkunft gefunden. Ein großer luftiger Schlafraum mit guten Betten steht zur Verfügung. Ein Aufenthaltsraum ist auch vorhanden. Für jedes Mädchen ist ein Spind da. Durch einen Rundfunk- Lautsprecher bleiben sie über die Ereignisse der Zeit im Bilde. Für kräftige und ausreichende Verpflegung ist selbstverständlich auch gesorgt. Für die jungen Kameradinnen, die sich hier zu ländlicher Arbeit eingefunden haben, werden diese acht Tag« des gemeinschaftlichen Einsatzes ein schönes Erlebnis fein, das an besonderem Wert gewinnt, weil sie sich dessen bewußt sein können, in einer Notzeit eine vaterländisch« Pflicht zu erfüllen.
Strafen zu rechnen. Auf Befehl des Führers werden einzig und allein die Sammlungen des Winter- Hilfswerkes des deutschen Volkes (Kriegswinterhilfswerk) durchgeführt.
BMnM M Kruft ötttm Srenöe
Morgen, Donnerstag, den 21. September, 2030 Uhr, beginnt wieder die Gymnastikstunde der MS.- Gemeinschaft Kraft durch Freude für Frauen. Die Sportstunde findet nicht im Lyzeum, sondern in dem kleinen Saal des „Burghofs", Burggraben, statt.
Vir bitten um recht zahlreiche Beteiligung. (MMD
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Mr bitten unsere Mitglieder der Gießener Ortsgruppen, ihre Beitragsmarken bei nachstehenden Ortswaltungen zu kaufen:
Gießen-Bord: Walltorstraße 16. Sprechstundenr Montags, Mittwochs und Freitags abends von 20 bis 22 Uhr.
Giehen-Süd: Friedrichstraße L Sprechstunden: Dienstags und Freitags, abends von 20 bis 22 Uhr.
Gießen Ost: Licher Straße 19. Sprechstunden: Dienstags und Freitags, abends von 20 bis 22 Uhr. 5896V
Die Mitglieder der Ortsgruppe Gießen-Mille können ihre Beitragsmarken auf der Verwaltungsstelle, Schanzenstraße 18, in der Zeit von 9 bis 12 Uhr vormittags und 4 bis 6 Uhr nachmittags erhalten.
Es ist pflicht jedes einzelnen Mitgliedes, sich feine Beitragsmarken bei den angegebenen Stellen zu kaufen, falls der Kassierer nicht bei ihm kassiert.
Die Deutsche Arbeitsftont Kreiswaltung 24 Wetteran Abtl. Verwaltungsstelle Gießen.
Ein wichtiges Aufklärungsinstrument.
NSG. Die Ursachen und die tiefen Gründe innen* und außenpolitischer Entwicklungen dem Volke klar zu machen und es darüber aufzuklären, ist eine der wichtigsten Aufgaben der Partei. Unermüdlich ist auf diesem Gebiet ihre Schulungsarbeit. Dieser Zielsetzung dienen auch der Schulunc^brief der Reichsleitung und der NS.-Brief der (Bauleitung Hessen- Nassau der NSDAP., die in allen Bevölkerungskreisen unseres Gaues Eingang gefunden haben. In diesen schweren Wochen des Kampfes um unsere Lebensrechte kommt diesen Schulungsbriefen besondere Bedeutung zu. Der Stellvertreter des Führers hat bestimmt, daß der Schulungsbrief auch während der Dauer der kriegerischen Verwicklungen erscheint. Große Ausgaben hat er zu erfüQeir. Er ist in diesen Tagen der weltgeschichtlichen Ereignisse ein wichtiges Aufklärungsinstrument der Partei, das auch in die Hand des letzten Volksgenossen gehört. Die vor kurzem erschienene Nummer des NS.°Briefes der Gauleitung Hesien-Nassau war dem europäischen Ostraum gewidmet. Die nächste Folge wird die ae- schlossene „Innere Front" Herausstellen, die mit die Voraussetzung ist zum Siege unserer Wehrmacht.
Küchenabfälle für -aS EHW.
NSG. Dem Ernährungshilfswerk kommt in dieser Zeit noch mehr als bisher große Bedeutung zu. In den letzten Wochen wurden in unserem Gau 1540 schwere Mastschwein« zur Schlachtung gebracht, davon allein über 500 in Darmstadt. Trotz dieses starken Absatzes sind di« EHW.-Stallungen bis auf den letzten Platz belegt und darüber hinaus noch Not- ställe in Anspruch genommen worden. Diese großen Erfolg« des Ernährungshilfswerkes sind nur deshalb möglich, weil die Hausfrauen längst erkannt haben, daß die sorgsame Ablieferuna der Küchenabfälle ihnen und chren eigenen Haushaltungen wieder zugute kommt. Die Sammlung von Kuchenabfällen geht auch in Zukunft ordnungsgemäß vor ich. Niemand darf glauben, daß durch di« meltge- chichtlichen Ereignisse dieser Wochen die Einrichtung i)es Ernährungshilfswerkes beeinträchtigt wird. Wir haben vielmehr jetzt eine besonder« Verpflichtung, allen Anforderungen der Stund« gerecht zu werden. Hierzu gehört auch die reibungslose Durchführung des Ernährungshttfswerkes. Jede Hausfrau ist daran verantwortlich beteiligt, indem sie die Küchenabfälle ausschließlich dem Ernährungshilfswerk zur Verfügung stellt.
Kauf von Kelterobst beim Erzeuger verboten.
NSG. Da in diesem Jahre keine Freigabe* scheine für den Bezug von Kelterobst, wie im Dor- cchre, öon der Hauvtvereinigung der Deutschen Gartenbauwirtschaft, Berlin, dzw. vom (Bartenbau- wirtschaftsverband Hessen-Nassau, Frankfurt a. M., ausgegeben werden, herrscht besonders in den Kreisen der selbstkelternden Gastwirte zum Teil die irrige Auffassung, es bestünde die Möglichkeit, in diesem Jahre wieder das Kelterobst vom Erzeuger unmittelbar aufzukaufen. Zur Richtigstellung wird vom Gartenbauwirtschaftsverband Hessen-Nassau,
Fröhliche Erntehelferinnen im Hosgnt lltphe.
Der Täter mitten unter uns
Roman von Kurt Riemann Topgright by Verlag Oskar Meister, weröau L Sa.
37. Fortsetzung. (Nachdruck verboten!)
„Daß du verändert bist, daß du dein« ruhig« Gelassenheit verloren hast, daß du m den letzten Wochen ein anderer Mensch geworden bist ... das sehe ich! Und ich weiß darum auch, daß dich ein sehr, sehr schwerer Kummer drückt, nein, Das kannst du mir nicht abstreiten!"
„Ach, was hast du für scharfe Augen!" Das soll der alt« gutmütige Spott sein, aber Divian hört in den heitern Worten die verborgene Qual.
„Claire ..." bittet sie eindringlich, „sei aufrichtig ... vielleicht kann ich dir helfen?"
Langsam stiehlt sich ein bitteres Lächeln um Claires Mund.
»Kannst du aus einem häßlichen Mädchen ein hübsches machen?"
„Aus einem häßlichen ... ein hübsches ...?" stammelt Divian entsetzt und erkennt plötzlich, wie es mit der Schwester steht, blitzartig, als geh« der Vorhang vor der hellerleuchteten Szene hoch. „Du ... liebst ...?"
Stumm senkt Claire den Kopf.
„Und wen? ... Doch nicht etwa Hellmers?"
Da fühlt Diwan plötzlich die Arm« der Schwester um den Hals, und ein furchtbarer Verdacht steigt in ihr auf.
„Claire, um Gottes willen, so red« doch! Liebst du Hellmers?"
„Du dummes Schäfchen!" Das ist unter Tränen wieder der alte Humor. „Ich werde dir doch deinen Joachim nicht vor der Nase wegnehmen! Nein, sei ganz ruhig, der ist's nicht. Es gibt noch außer ihm einige Männer, die es wert sind, geliebt zu werden, auch wenn sie nicht ganz so stattlich ausschauen! Meiner beispielsweise ... sieht wie ein Scyulbub aus."
„Pembroke?"
„Halt den Mund! Und wenn du eine Silbe verrätst, Divian ..."
„Aber Claire!" Unendlich glücklich ist Divian in diesem Augenblick. „Dann ist ja alles gut! Weiß er denn bereits etwas?"
„Unsinn! Woher denn? Und er wird nie etwas davon erfahren. Reiche aber häßliche Mädchen wie wich heiratet man nicht aus Liebe. Das weiß ich. Und darum fliehe ich, ehe es zu spät ist!"
Seife legt sich die Tür hinter der Davoneilenden ins Schloß.
Eine Weile steht Divian wie betäubt, dann beginnen die Bein« den Dienst zu versagen. Sie muß sich setzen.
O Vater, hättest du geahnt, was du da deinem schwachen Mädchen auf die Schultern gelegt hast! Dein Werk beginnt eine Bürd« zu werden, unheil- schwer und lastend vor Verantwortung! Werde ich das tragen können?
Stehe ich nicht auch so allein wie Claire? Weiß ich, was aus mir wird? ... Arm« Claire, du wirft es schwerer haben als ich! Wie muß es dich gepackt haben! ...
Aber sei still! Deine groß« Schwester wird die Hände nicht gleichmütig in den Schoß legen, und wenn Hellmers erst wieder da ist ... dann werden wir alles, alles wieder gutmachen ... auch dein Herz soll sich freuen, so Gott will!
Und ganz zart blüht eine Hoffnung in ihrem Herzen.
Ja, wenn Joachim Hellmers wieder ftei ist —
Dann wird der ganze Spuk zerronnen sein. Dann ... wenn er erst wieder da ist, wenn er mit ruhiger Hand und guten, klugen Augen alles Schwere leicht macht ... dann wird der Nebel sich lichten ... dann wird vielleicht auch die Sonne wieder scheinen für uns zwei ... für dich, Claire, und deine klein« Schwester. Ja, eine Sonne, die wärmt und leuchtet, eine Sonne, deren Schein sich widerspiegelt in zwei hellen weiten Augen, die unvergessen find, die in stillen Stunden immer wieder warm und werbend in die ihren sehen — Joachim Hellmers ...
Ein Läuten an der Tür schreckt Vivian jäh auf.
Herrgott, fast acht Uhr ... und sie sitzt hier und träumt.
Draußen hört sie Hawkins gehen. Gleich wird Pembroke hier sein.
Hastig fährt sie sich übers Haar, tupft ein ganz Kein weckia Puder über die Wangen.
3m großen Iagdzimmer brennt schon Licht. Ein kurzer prüfender Blick ... ja, das Mädchen hat alles bestens geordnet. Es kann beginnen.
Ruhig geht sie auf die Diele, Mr. Allan Pembroke zu empfangen.
32.
Mr. Pembrokes großes Haustheater.
„Entschuldigen Sie, Mrs. Holgerfon, daß ich ein wenig vor der Zeit komme", begrüßt Pembroke di« Hausfrau, „aber ich muß zuvor mit Hawkins noch einiges regeln. Brauchen Sie ihn im Augenblick für hie Bedienung?"
„Nein, Hawkins ist jetzt frei", entgegnet Divian erstaunt, „aber verzeihen Sie meine Neugierde ... was soll das alles? Ich verstehe Si« nicht."
„3n einer knappen halben Stunde werden Si« alles verstehen" antwortet Pembroke sieaessicher, und mit schelmischem Lächeln bittet er für sein Verhalten um Vertrauen.
,Hch begreife es ja, gnädige Frau, daß Ihnen das alles sehr spanisch vorkommen muß ... aber haben Sie nur Zutrauen und verderben Si« mir bitte mein« Ueberraschung nicht!"
Achselzuckend läßt ihn Divian gewähren. Sie beginnt sich bald nicht mehr zu wundem, auch nicht, als Pembroke di« Klingt zur Pforte abstellt und dann im Jagd zimmer eingchend di« Möbel untersucht.
„Und hier nebenan? .. ."
„Liegt das Speisezimmer. Sie hören ja, daß bas Mädchen gerade das letzte Geschirr abräumt."
„Sehr gut. Wir wollen die Flügeltür schließen ... halt... bitte nicht den Schlüssel umdrehen. Meine Ueberraschung braucht di« Durchqangsmög- lichkeit. Wer pflegt hier zu sitzen?... Sie selbst? O Verzeihung, von Ihrem Platz soll Sie keine Macht der Welt verdrängen, ich werde mich dann hierher in den Schatten des großen Sofas verziehen. Sehr gut! Wo sitzt Miß Perkins?"
Im Augenblick ist Divian ein wenig verlegen.
„Sie wird wohl kaum anwesend sein."
„Nicht? Aber warum denn das? Es gibt unter Garantie allerhand au sehen. Das müssen wir doch erreichen, daß sie mit dabei ist! Ehrlich gesagt: mir
wäre sonst der größte Spaß verdorben. Auf Mß Claires Anwesenheit lege ich persönlich größten Wert!"
Ueberrascht sieht Divian auf. Der Schelm blitzt in chren Äugen für einen Augenblick auf.
„Versuchen Sie, meine Schwester umzustimmen! ... Sie können das sicher besser als ich", entgegnet sie lächelnd.
„Und ob ich das kann! Passen Si« nur auf!* strahlte Pembroke. Auf seine schmal« Visitenkarte schreibt «r ein paar hastige Zeilen und bittet um «inen Briefumschlag.
„Ihr Herr Onkel wird doch auch zugegen sein?"
„Gewiß, er will zwar morgen wieder nach Schweden zurück, aber er muß ja als der Verwalter unseres Erbes dpbei fein, wenn «s sich um das Werk handelt. Er packt gerade seine Koffer und kann jeden Augenblick gerufen werden."
,Lch habe mir's gedacht, gnädige Frau! Würden Sie die Liebenswürdigkeit besitzen, das Mädchen hinaufzuschicken ... und Fräulein Claire gleich mefe Nachricht dabei überbringen lassen?"
Still kommt Claire als erste herab. Ein schneller Blick huscht hinter halbgesenkten Augenlidern zu Pembroke hin, dann geht sie >ach kurzem Gruß zu ihrem Sessel. Sie hat sich sehr gut in der Gewalt, niemand würde ihrem beherrschten Gesicht ansehen, was vor einer Viertelstunde geschehen ist.
Wesentlich geräuschvoller vollzieht sich Onkel Wil- tiams Eintritt. Er begrüßt Mr. Pembroke mit warmem Wohlwollen, klopft chm die Schulter, wie man einem tüchtigen jungen Mann eben als Chef gelegentlich auf die Schulter klopft, unb setzt sich endlich mit erwartungsvoller Mene auf den Sessel, der mit dem Rücken gegen die Tür des Speist- zimmers steht.
„Schießen Si« los, lieber Freund, schießen Sie los!" nickt er voller Erwartung. „Sie sehen... die gesamte Direktion ist versammelt, die Vorstellung kann beginnen."
„Ganz recht", lächelt Pembroke. ,Zch will nur nachschauen, ob niemand hinter den Kulissen horchst."
Vorsichtig geht er zur Tür, schaut hinaus, kommt wieder zurück, öffnet auch die Tür zum Speisezimmer und bleibt dann mit dem spitzbübischen Lächeln eines Komödianten am Sims des weitaus- ladenden Kamins stehen.
(Fortsetzung folgt)


