Nr.M Lrste8 Blatt
189. Jahrgang
Dienstag, 20. Juni 1939
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dazu
aierung bedeute dieser Anerkennung des
pariser Vertuschungsmanöver
Die Londoner presse gib! endlich denTatbesland zu
größter
wird, unter
werde. Nach Ansicht der Re<
Schritt zwar die 6 e f a c t o =
akkrediert sei. Butler lehnte es aber ab. sich zu äußern.
geändert, wenn auch nur, um ihren Wunsch zu verstärken, schnell ein Abkommen zu er- reichen. 3n offiziellen Kreisen wurde gestern abend nicht bestätigt, ob das Abkommen in seiner endgültigen Jorm d i e Garantien
Chamberlains Erklärung im Unterhaus zeigt die Verlegenheiten der britischen Außenpolitik wieder einmal ganz kraß. Genau wie die englische Presse hat auch der Ministerpräsident es peinlich vermieden, der britischen Oeffentlichkeit zu verraten, warum denn die Verhandlungen in Moskau nicht weiterkommen. Er hat lediglich zugegeben, daß es außer der Frage der Garantie für die baltischen Staaten noch andere beträchtliche Schwierigkeiten gibt. Aber worauf die deutschen Presfever- öffentlichungen auf Grund der tatsächlichen Lage hin- gewiesen haben, daß nämlich die wahren Schwierigkeiten bei den Moskauer Paktoerhandlungen die
fernöstlichen Garantien seien, die man im Kreml von England fordert, darauf einzugehen hat Chamberlain peinlich vermieden, obwohl jedermann längst diesen Tatbestand kennt. Man sagt Baltikum und meint den Fernen Osten. Das ist die Taktik Englands, um die wahren Schwierigkeiten vor der britischen Oeffentlichkeit und dem Ausland zu vertuschen. Moskau will die britischen Beistandsverpflichtungen im Fernen Osten im Falle eines Konfliktes mit Japan als Gegenleistung für die fowjetrussische Beteiligung einer britischen Einkreisungsfront schriftlich festgelegt haben. Aber in
im Fernen Osten einschließen Aber die Möglichkeit wurde offen Diplomaten erwähnt."
„Daily Sketch" meldet ebenfalls unter
gegenwärtigen Status von Böhmen und Möhren, jedoch „würden die Ansichten der britischen Regierung über diese Frage dadurch nicht geändert". Die britische Regierung habe sich vor diesem Entschluß mit anderen interessierten Mächten, darunter Frankreich, USA., Sowjetrußland und Polen, in Verbindung gesetzt. Eden wollte darauf wissen, welche
sich demnächst eine chilenische Wirtschaftskommission oder der chilenische Finanzminister zu Anleiheoerhandlungen nach USA. begeben.
Defacto-81nerfennung desStatusvon Böhmen und Mähren durch England.
London, 19. Juni. (DNB.) Unterstaatssekretär Butler gab im Unterhaus bekannt, daß die britische Regierung in Zukunft in Prag durch einen Generalkonsul vertreten sein
London, 20. Juni. (DNB. Funkspruch.) Während sich Chamberlain gestern noch im Unterhaus alle Mühe gab, die Schwierigkeiten bei den englisch- sowjetrussischen Verhandlungen wegen der Fern-Ost- Garantie zu bemänteln, gesteht heute ein großer Teil der englischen Morgenpresse. daß die Verhandlungen in Moskau unter dem Schatten der Lage im Fernen Osten stehen. So berichtet „Daily Mail", der britische Botschafter in Moskau habe neue Anweisungen erhalten, um zusammen mit Strang die Paktoerhandlungen mit dem Kreml fortzusetzen. Diese Jnsttuktionen gäben dem britischen Unterhändler einen viel größeren. Spielraum. Sie seien auch darauf ab- gestellt, irgendwelche Zweifel der Sowjetkommissare an der englischen Ehrlichkeit zu beheben. Man hoffe in London, daß nunmehr noch vor Ende der Woche wirklich Fortschritte gemacht werden. So schreibt das Blatt:
„Es ist denkbar, daß der Schritt der britischen Regierung mit den Ereignissen im Fernen Osten in Zusammenhang steht. 3n den Anfangsstadien der anglo-sowjeti- scheu Verhandlungen waren die Antiangriffsgarantien, die von beiden Staaten gesucht wurden, aus die europäischen Grenzen beschränkt. Die Entwicklung im Fernen Osten habe aber wahrscheinlich die Ansicht der Sowjetunion ebenso wie die der britischen Minister
Englands Pechsträhne.
Jeder weiß, was eine Pechsträhne ist; und jeder weiß auch aus eigenem Erlebnis, wie „kribbelig" er wird, wenn plötzlich die schönsten Versuche und Ideen durch die Bank fehlschlagen. Die Temperamente reagieren auf einen solchen- Tatbestand sehr verschieden: der eine trägt sein Mißgeschick schweigend und sucht aus seiner Lage zu machen, was er kann; der zweite haut mit der Faust auf den Tisch; und der dritte stürzt sich in eine Geschäftigkeit, die im umgekehrten Verhältnis zu seinen Fehlschlägen steht.
Die ganz außerordentliche Gefahr, die die englische Politik heute für den Weltfrieden bedeutet, ist: daß die englische Regierung seit Jahren in einer Pechsträhne liegt und daß ihr prompt mißlingt, was sie auch anfaßt. Alle unsere Nachrichten, die wir über die Gemütsstimmung des „Mannes auf der Straße", also des Durchschnittsengländers, in London haben, laufen in einer Richtung: jetzt muß etwas geschehen, was England in feiner alten Glorie . zeigt! So kann es einfach nicht weitergehen! Wer die englische Presse genau verfolgt, findet in ihr einen Spiegel dieser Volksstimmungen. Mit knapper Not bewahrt die „Times" einigermaßen Haltung; aber auch sie gibt in den letzten Wochey Nachrichten Raum, die in ihrer abgeschmackten Feindseligkeit und dreisten Gehässigkeit sicherlich keine Zier dieses Blattes sind. Aber schon beim „Daily Telegraph" ist es mit der „Haltung" vorbei. Seit Wochen winkte das Blatt mit dem Zaunpfahl des Sowjetbündnisses auf feiner ersten Seite. Die einfachste englische Klugheit hätte Zurückhaltung geboten, um die handelstüchtigen Kreml-Leute nicht noch mehr von ihrer Unschützbarkeit zu überzeugen; aber diese naheliegende Erwägung wurde in der Erregung, die heute England durchzittert, überhaupt nicht angestellt. Und am 17. Juni rutscht glücklich die ganze „Mission" Strangs in Moskau auf eine Innenseite, und alles, was der Moskauer Korrespondent dieser Zeitung zu berichten weiß, ist ein lebhaftes Klagelied über die Sowjetregierung, die ihre amtlichen Mitteilungen über den Verlauf der bisherigen Gespräche über den Kopf der ausländischen Pressevertreter in die Welt sende.
Es ist nun nicht so, daß in England der gesunde Menschenverstand überhaupt in Dunst und Rauch aufgegangen wäre. Neulich hob ein Hochschullehrer in einer Zuschrift an die „Times" hervor, daß die Sowjets mit dem Rechte, selbst über die Gefährdung ihrer Nachbarstaaten aus eigenem Gutdünken zu bestimmen, auch zugleich einen Freibrief erhielten, auf unterirdischem Weg durch die Komintern die Regierungen in diesen Nachbarstaaten anzugreifen und dann militärisch einzugreifen. Natürlich immer unter dem Vorwand, daß diese Nachbarstaaten von einer „direkten oder indirekten Gefahr" bedroht feien. Ein englischer Schriftsteller, Norman
Maßnahme die französische Regierung ergriffen habe. Er habe den Eindruck, daß sich in Paris immer noch ein» tschechischer „Gesandter" befinde, der bei der französischen Regierung
London fürchtet man, daß ein solches britisches Bei- standsversprechen in Tokio so verschnupften würde, daß ein offener Bruch mit Japan nicht länger zu vermeiden wäre. Aber auch im Konfliktsfalle könnte England, ja selbst wenn es wollte, den Moskowitern im Fernen Osten keinerlei nennenswerte Unterstützung leisten, denn schon der jetzige Zwischenfall in Tientsin zeigt ja die ganze Ohnmacht der britischen Stellung im Fernen Osten. Und in Moskau sieht man anscheinend diese Lage sehr klar und ist nicht geneigt, sich ohne erhebliche Gegenleistungen für Englands Interessen einfpannen zu lassen.
Paris, 19. Juni (DNB.) Im Zuge ihrer Ablenkungsmanöver von dem wahren wunden Punkt der Moskauer Verhandlungen der Frage der britischen Verpflichtungen im Fernen Osten zur Unterstützung Sowjetrutzlands in einem eventuellen Konflikt mit Japan gehen die Londoner und Pariser Kreise nunmehr so weit, angeblich bestehende übertriebene Garantiewünsche Moskaus in Bezug auf Europa ais den Haupthinderungsgrund für eine Einigung hinzustellen. So behauptet der Londoner Korrespondent des „E x c e l s i 0 r", Moskau verlange, daß Frankreich, England und die Sowjetunion durch eine verallgemeinerte Garantie sämtliche Staaten decken, die den Ambitionen des Dritten Reiches zum Opfer fallen könnten. Eine solche Garantie müsse sich sowohl auf Belgien als auch auf Lettland und E st - land erstrecken und könnte auf alle Staaten — das Blatt erwähnt Ungarn, Bulgarien und Jugoslawien — ausgedehnt werden, die einen solchen Schutz wünschten. Durch diesen Moskauer Wunsch, so fährt das Blatt fort, seien jedoch neue, sehr verwickelte Probleme aufgeworfen worden, so daß man sich fragen müsse, ob der englische Unterhändler Strang ausreichende Vollmachten für die Behandlung derartiger Fragen besitze.
Mit diesem Taschenspielerkunststück also soll der wahre Charakter der Verlegenheit im Lager
Aufmachung auf der ersten Seite des Blattes, daß die Moskauer Gespräche jetzt auch auf den Fernen Osten ausgedehnt werden. "Auch „Daily Telegraph" spricht inwon, daß die plötzliche Verschärfung der Krise im Fernen Osten es mehr denn je wünschenswert erscheinen lasse, daß die Verhandlungen so bald wie möglich ein günstiges Ende erreichen sollten. Ebenso weist der Moskauer Vertreter der „News Chronicle" darauf hin, daß die fernöstliche Lage die Verhandlungen beeinflusse. ..News Chronicle" stellt fest, daß seit Strangs Moskauer Aufenthalt bereits Zwei Vorschläge Englands vom Kreml als ungenügend abgelehnt morden feien. Jetzt warten die englischen Unterhändler daraus, ob ihnen die Regierung nicht weiter entgegenkommen werde, oder das ermüdende und entwürdigende Verfahren fortzusegen. der Sowjetregierung ein Angebot zu machen, das abgelehnt würde, um dann mit einem etwas besseren wieder zu kommen.
Die Kernofigaraniie, die wahre Ursache der Schwierigkeiten in Moskau Verschleierte Erklärungen Chamberlains im Unterhaus.
Nordamerika und die Galapagos-Lnseln
XSon unserem as.-Korrespondenien
Buenos-Aires, Juni 1939.
Die Bemühungen der Nordamerikaner, den Panama k a n a l durch eine Reihe von Stützpunkten für Luftfahrt und Flotte „unangreifbar" zu machen, haben b^ i Cuba eingesetzt. Mit Cuba besteht schon feit dem Jahre 1903 ein Vertrag, der den Nordamerikanern die Bucht von Guantanamo sichert, die an der Südküste von (Euba liegt, Schiffe auch größten Tiefgangs aufnehmen kann, leicht zu verteidigen ist und einen ausgezeichneten Flottenstützpunkt darstellt, von dem aus man das Karibische Meer beherrscht. Von den später mit (Euba abgeschlossenen Verträgen ist der bekannteste derjenige von 1934, durch den das im Vertrage von 1903 enthaltene berüchtigte sogenannte Platt-Amendement fallen gelassen wurde. Diese Klausel hatte den Nordamerikanern die Einmischung in innerkubanische Angelegenheiten gesichert...
Die Flottenstativn ließen sich die Amerikaner allerdings auch im Vertrage von 1934, trotz der inzwischen zur Devise erhobenen „Politik der guten Nachbarschaft", garantieren. Sie wird jetzt in großem Stile ausgebaut. Viele Millionen Dollar werden ferner auf den Ausbau des Hafens Puerto Rico verwarft, der westlich liegt, weiterhin scheint beabsichtigt zu sein, das noch weiter westlich in der Gruppe der Jungferninseln liegende St. Thomas zu einem starken Flottenstützpunkt auszubauen. Zudem wird in der amerikanischen Oeffentlichkeit der Gedanke diskutiert, das englische Jamaica, das französische Martinique und das holländische (Eura^ao zu kaufen, das für keine der drei Mächte, wohl aber für das amerikanische Derteidi- gungssystem eine große strategische Bedeutung haben könne. Phantasievolle Leute denken dabei, daß sich hier eine „Verbindung mit der Kriegsschuldenfrage" Herstellen lasse...
Auf der O ft f e i t e des Panamakanals zeigen die Amerikaner vorläufig am meisten Interesse für die Galapaaos-Jnseln. Es handelt sich dabei um einen Archipel, der aus vierzehn, größeren und kleineren Inseln besteht, hinzukommen noch eine Anzahl kleinster Inselchen. Der Archipel liegt 520 Meilen von der Küste von Ecuador und 860 Meilen vom Panamakanal entfernt. Seit 1832 gehör! die Inselgruppe zu Ecuador. Die amerikanische 'Regierung leugnet zwar ab, mit Ecuador über diese :Inseln Verhandlungen geführt zu haben, sicher ist iaber, daß sie bereits festgestellt hat, wie sich Ecua- idor zur Frage der Verpachtung der Inseln an •die Amerikaner stellen würde, oder ob es in einen 'Verkauf einwilligt. Diese Frage hat die ecuadorianische Oeffentlichkeit bereits stark beschäftigt, sie tmürbe zudem auch in der Presse besprochen, und bei 'Politikern, Banken, Wirtschaftlern und Jntellektuel- Ilen wurden Rundfragen veranstaltet.
Im allgemeinen scheint man in Ecuador nicht • abgeneigt gewesen zu sein, die Inseln den Ame- irikanern als „Garantie" für eine Anleihe inon 100 Millionen US-Dollar zu geben. Ein Teil Eber öffentlichen Meinung in Ecuador vertrat dabei Ebie Anschauung, man solle den Amerikanern das »Recht gewähren, Stützpunkte für die Flotte mnd die Luftfahrt anzulegen, und die Der- yinfung der Anleihe solle mit dem Mietbetrage und nrrit den Pachten für Rechte der wirtschaftlichen Aus- Bbeutung ab gebe cf t werden ... So könne man Den Amerikanern Fischereirechte und das Recht zur Ausbeute von Salz, Guano, Petroleum und allem, llwas sich sonst auf den Inseln finde, gewähren. Ein exmberer Teil der öffentlichen Meinung in Ecuador Vertrat dagegen den Standpunkt, daß Ecuador [| e l b e r , allerdings mit amerikanischem Kapital — aetma in Form einer auf 50 Jahre gewährten Anleihe — die Flotten- und Luftbasis schaffen und sich ■mit USA. darüber einigen solle, was sie ihm für Idiese Leistung zu zahlen hätten... Im allgemeinen mahrn man an, daß Ecuador mit den Amerikanern ßu einer (Einigung über diese Angelegenheit kommen werde.
Die Nordamerikaner scheinen nun auch ihrerseits Dem letzterwähnten Standpunkt zuzuneigen. Jedenfalls wird aus Washington berichtet, daß man von vem Gedanken, die Inseln von Ecuador zu pachten, nbgefommen sei. Ob dabei der angegebene Grund, man müsse befürchten, daß das den Ameri- anem als „imperialistische Aktion" aus- Aelegt werde, -gutrifft, mag dahingestellt bleiben. Man scheint jetzt in Washington mehr der „Zusammenarbeit" mit Ecuador, oder dem, was man so nennt, den Vorzug zu geben. Man würde dabei so Vorgehen, daß den Ecuadorianern in USA. eine' Anleihe „zur Durchführung öffentlicher Arbeiten" gewährt wird, und mit diesen Geldern dann A r - weiten zur Landesverteidigung durch- zeführt werden, selbstverständlich unter der Leitung -nordamerikanischer Militärs und nordamerikanischer Ingenieure! Auf diese Weise würde man, so glaubt man in Washington, zu einer engeren miliar i sch e n Zusammenarbeit mit Ecuador • kommen, als wenn man den Bau der Befestigungs- Werke lediglich in eigener Regie durchführen würde.
Aehnliche Pläne schweben offenbar auch mit Kolumbien, auf nordamerikanischer Seite verfehlt man nie, darauf hinzuweisen, wie sehr eine Harke Verteidigung dieser Länder auch in deren i'igenem Interesse liege. Aussprachen mit Chile, Peru, Argentinien, Uruguay und Venezuela stehen wch aus. Mit Argentinien und Uruguay werden die Verhandlungen aus den bekannten Zründen besonders schwierig sein, — beide Länder wollew unter allen Umständen neutral Reiben und sich in keine irgendwie geartete „Front ingliedern lassen. Mit Chile wird Washington rald Gelegenheit haben, sich zu unterhalten, wenn
der englischen Unterhändler verschleiert werden- Zu der wachsenden Zuspitzung der Spannung im Fernen Osten und der immer mehr erkennbaren Ohnmacht der britisch-französischen Entente gegenüber dem in Wahrung berechtigter Interessen erfolgenden japanischen Vorgehen in Tientsin ist nun Das Stocken der Moskauer Verhandlungen getreten, das durch die intransigente Haltung der sowjetrussi- schen Außenpolitik verursacht wurde, die den Sirenenklängen mündlicher britischer Hilfeversicherung kein Gehör schenkt und lieber ein reales Stück Papier mit der entsprechenden britischen Unterschrift für den Fernen Osten sehen möchte. Man kann die Sorgen der britischen und französischen Publizisten verstehen, die feit Wochen und Wochen ihren Lesern den bevorstehenden Paktabschluß mit Moskau prophezeien und sie jeden Tag aufs neue mit der rauhen Wirklichkeit der Verhandlungsunterbrechungen überraschen müssen. Vielleicht um einen evtl. Rückzug aus Moskau vorzubereiten, werden daher jetzt in dem genannten Pariser Organ Moskau Forderungen in die Schuhe geschoben, die natürlich England unter feinen Umständen erfüllen kann, will es sich - nicht in Europa vollkommen der Lächerlichkeit aussetzen. Denn daß Ungarn — als Unterzeichner des Antikominternpaktes! — Jugoslawien und Bulgarien — als mit den Achsenmächten eng befreundete Mächte — von der Tripelentente gegen Deutschland garantiert werden sollen, kann man nur als einen schlechten Witz bezeichnen.
Jüdischer Terrorakt im Hafenviertel von Haifa.
Jerusalem, 19. Juni. (DNB.) Im Hafenviertel von Haifa wurde Montagfrüh e i n neuer jüdischer Terroran schlag ausgeführt. Plötzlich explodierten zwei Z e i t m i n e n. Nach dem amtlichen Bericht find 18 Arader getötet und 24 verwundet worden; unter den Toten befinden sich sechs Frauen und drei Kinder. Die Verluste, die durch zwei andere Bomben verursacht worden sind, sind noch nicht bekanntgegeben worden. Während des Abtransports der Toten und Verwundeten spielten sich unbeschreibliche Szenen ab. Immer wieder brach die Menge in laute Verwünschungen gegen die Juden aus. Die arabischen Frauen durchzogen die Straßen und gaben besonders vor den fremden Konsulaten ihrer Empörung Ausdruck. Gleichzeitig baten sie um Hilfe.
L o nd on , 19. Juni. (DNB.) Heber die Verhandlungen mit Sowjetrußland befragt, konnte Ministerpräsident Chamberlain im Unterhaus nur feststellen, daß d i e Verhandlungen a n - Dauern. Ferner mußte er zugeben, daß nicht so sehr die baltische Frage an den Schwierigkeiten in Moskau schuld ist. Obwohl Chamberlain sich außerordentlich vorsichtig ausdrückte, wurde sein verblümter Hinweis auf das Fernoft- Problem sofort uerftanfyen. Am 15. Juni, so erklärte Chamberlain, seien der französische und der britische Botschafter in Moskau sowie Mister Strang von Molotow empfangen worden, dem sie die jüngsten englisch-französischen Vorschläge auseinandergelegt hätten. Am 16. Juni habe eine weitere Besprechung stattgefunden. Im Laufe dieser Besprechung habe Molotow den britischen und französischen Vertretern gewisse Einwände der Sowjetregierung unterbreitet. Die Besprechungen dauerten immer noch an. Der ßabourabgeorönete Dalt 0 n verlangte vor diesem öffentlichen Forum eine Mitteilung darüber, ob die dem britischen Botschafter in Moskau erteilte Möglichkeit, Schritt für Schritt Zugeständnisse zu machen, weitgehend genug sei. Chamberlain erwiderte in seiner Not mit einer nichtssagenden Phrase. Es fei, setzte er aber hinzu, möglich, daß weitere Punkte aufgeworfen würden, die Rückfragen notwendig machten. Auf die Frage des Konservativen Adams, ob etwa neben der baltischen Sache a n - b e r e Schwierigkeiten bestünden, antwortete Chamberlain: „Ja, es gibt noch verschiedene a n - dere Punkte."


